5. Die griechische Aristokratie

[159] Über diejenigen Formen, welche die griechischen Staaten beim Zusammenbrechen des Königtums annahmen, weiß man nur wenig Genaues299, und die spätere Zeit scheint das, was sie noch davon wußte, kaum mehr recht verstanden zu haben; was sie aber hie und da vor sich sah, die unsicheren Oligarchien in einzelnen Staaten des IV. Jahrhunderts, das konnte sie eher irre machen an der Erkenntnis der alten Aristokratie. Mit den verschiedenen politischen Ausgestaltungen dieser letztern haben wir es hier auch nicht zu tun. Am einfachsten entschied sich die Sache da, wo in Folge der dorischen Wanderung ein ganzer siegreicher Stamm sich unmittelbar als alleinherrschender Adel und Hauptbesitzer des Landes konstituierte (Sparta). Wie sich anderswo aus der frühern adligen Umgebung der Könige oder aus solchen, die reich genug geworden um Rosse zu halten, oder aus den besonders Kriegsfähigen, ja aus einer einzigen ehemals königlichen Familie (Korinth)300 der alleinherrschende Adel gebildet, wie er den meisten und besten Grundbesitz entweder schon inne hatte oder ihn den übrigen Freien abdrückte, wie ferner die Kaste wichtige Priestertümer und das Privilegium der Rechtskunde besaß301 und das des Rechtsprechens mißbrauchte bis zum Verkauf der Schuldner als Sklaven in die Fremde (Athen), dies alles mag als bekannt vorausgesetzt werden. Mächtig war diese Aristokratie, so lange sie sehr zahlreich und der Grundbesitz das einzig Entscheidende war; den beweglichen Besitz zu erwerben und für sich allein nutzbar zu behaupten, verstanden und bezweckten die Aristokraten nicht, zum Unterschiede von den herrschenden Klassen in den phönizischen Städten, welche dies gar wohl verstanden zu haben scheinen. Daß die besitzlos gewordenen Freien die Hauptmassen der Auswanderer nach den Kolonien gebildet, daß gekaufte Sklaven die entstandenen Lücken ausgefüllt haben mögen, ist schon oben angedeutet worden. Die Form des aristokratischen Staates ist noch eine von selbst entstandene, die Autorität eine eigenwüchsige; nur in den kleinasiatischen und großgriechischen Städten, welche bereits Kolonien waren, wird wohl bei Errichtung der Herrschaft der Reichsten (Timokratie) auch schon die Reflexion mitgewirkt und irgend eine Art von Vertrag stattgefunden haben. Die Dauer der Aristokratie und der (wie sich zeigen wird) mit ihr alternierenden Tyrannis war verschieden,[159] je nachdem die ihr entgegenwirkenden Kräfte früher oder später sich ausbildeten, im ganzen hat sie drei oder vier Jahrhunderte hindurch die Gewalt in Händen gehabt. Diese Zeit erscheint trotz mancher Fehden auf beiden Ufern des Archipels im Vergleich mit der nachfolgenden wie lauter Frieden und Eintracht; der Adel fühlte sich wie einen gemeinsamen höhern Stand der Nation; das gegenseitige Emporschrauben und Zernichten war noch nicht an der Tagesordnung, und dies darf jener Periode nie vergessen werden.

Dieser Adel aber war nicht bloß eine politische, sondern eine soziale Macht, und dies wirkte noch lange nach im spätern Griechentum, als von dem Adelsstaat längst kein Stein mehr auf dem andern stand. Das große Vermächtnis der aristokratischen Periode an die Nation war die Kalokagathie, jene ganz untrennbare Verschmelzung einer moralischen, einer ästhetischen und einer materiellen Überzeugung zu einem Begriff, den wir nicht genau wiedergeben, nur umschreiben können; und zwar liegt der moralisch-ästhetische Akzent eher auf dem καλός, der materielle eher auf dem ἀγαϑός, indem schon bei Homer302 die ἀγαϑοί die Vornehmen und Reichen sind im Gegensatz zu den Geringern (χείρονες, χέρηες). Jene Verschmelzung, vollzogen in einer noch jugendlichen Entwicklungsperiode des Volkes, hat sich dann in der Anschauung behaupten können, so lange es Hellenen gab; auch die Philosophen bemühten sich umsonst, der Kalokagathie einen neuen Sinn unterzulegen, und die stärkste Demokratisierung des Staatswesens war nicht im Stande dieser Anschauung ein Ende zu machen. Alle schönen Reden von einer Wohlgeborenheit durch bloßen innern Wert schlugen nicht durch. Der Glaube an das Geblüt behauptete sein Recht.

Das Leben der Aristokraten303 war wie eine Weiterführung des heroischen; Waffen, Leibesübungen und Gelage füllten das Dasein der »Edeltrefflichen« aus, soweit es nicht durch Staat, Rechtsprechung und Gottesdienste zum voraus in Anspruch genommen war. Ein Höhepunkt desselben war das Auftreten an den berühmten Stätten der Wettkämpfe, ganz besonders zum Wettreiten und zum Wagenrennen. Der edle Mensch hatte[160] sich das edle Tier, das Roß, beigesellt, welches zum Kriege wie zum Kampfspiel sein Begleiter war und, in so viele menschliche Eigennahmen aufgenommen, sich ganz deutlich als der geliebteste Besitz zu erkennen gab. Das Pferdehalten (ἱπποτροφειν) galt als das eigentliche Kennzeichen adligen Daseins, und wer es vollends vermochte und Rennwagen für die Feste hielt, »dessen Streben war das schönste und stolzeste von allen304«. Der ganze Ton dieses Lebens wird anschaulich gemacht durch die köstliche herodoteische Erzählung305 von der Werbung um Agariste, deren Vater Kleisthenes von Sikyon nach einem Viergespannsiege in Olympia hatte ausrufen lassen, er werde seine Tochter dem Trefflichsten der Griechen zum Weibe geben; an den Dreizehn, welche sich einfanden, lernt man nun die damalige Trefflichkeit in verschiedenen Schattierungen kennen. Ein Viergespannsieger wurde in jenen Zeiten von der ganzen Nation angestaunt und durfte sich jedes Pathos erlauben, nur mußte er nicht Untertan eines Tyrannenstaates sein, weil ihm dann sein Sieg üble Schicksale zuziehen konnte306.

Wie weit das damalige Geistesleben der Nation von diesem Adel gepflegt wurde, ist im Einzelnen nur unvollständig nachzuweisen, und die Überlieferung ist hier den Tyrannen günstiger, deren Höfen Kunst und Dichtung eher nachgezogen sind. Dafür aber boten die aristokratischen Staaten eine reiche Fülle von bevorzugten Einzelmenschen dar, welche zusammen das Ideal des griechischen Lebens im Sinne ihrer Jahrhunderte verwirklichten: gemeinsame Waltung im Staat, Kriegstüchtigkeit, Glanz in den Wettkämpfen und edle Muße für dies alles. Mit ihnen beginnt im Großen dasjenige agonale Wesen, derjenige Wettstreit unter Gleichen, welcher dann in zahllosen Gestaltungen das ganze Tun und Denken der Hellenen durchzieht.

Über die vornehme Kriegsführung jenes Adels nun ist so viel überliefert, daß man deren Charakter erraten kann. Die Magnesier am Mäander307 führten in ihrem Kriege gegen die Ephesier jeder einen Jagdhund und einen Sklaven mit Wurfspieß mit sich; beim Treffen sprangen zunächst die Hunde hervor, wild und furchtbar, wie sie waren, brachten sie in die Schlachtordnung der Gegner Verwirrung; nun erst und umso wirksamer traten die Sklaven vor und schleuderten ihre Spieße; dann erst als dritte griffen die Magnesier selber an. – Auf Euböa kämpfte der berittene Adel (die Hippoboten) von Chalkis und Eretria um das fruchtbare lelantische Gefilde308. Sie führten aber den Krieg nicht so, daß alles erlaubt[161] gewesen wäre, sondern verständigten sich darüber, worin der Kampf (es heißt bezeichnender Weise; der Agon) bestehen sollte. Dies meldete zu Strabos Zeit noch eine Inschrift im Tempel von Amarynthos: »Man wolle keine Ferngeschosse gebrauchen.« Laut einem Glossem waren hiemit ausgeschlossen; Bogenschützen, Schleuderer und Speerwerfer, so daß nur noch übrig blieben das Schwert und die kurze Lanze (zum Stoß)309. – Zum jährlichen Festaufzug bei jenem Tempel der Artemis Amarynthia stellten die Eretier 3000 Hopliten, 600 Reiter und 60 Wagen. Es ist wohl der ganze im Besitz der Herrschaft gebliebene Adel, vor dessen Waltung so viele nach fernen Kolonien ausgewichen waren.

In kleinasiatischen und großgriechischen Städten war die Aristokratie wohl von Anfang an nie rein310 durchgeführt worden; daß sich – wenn auch erst nach Verlauf längerer Zeit – eine Timokratie etwa der tausend Reichsten bilden konnte, ist schon nur verständlich, wenn man dabei den beweglichen Besitz als mitberechnet und mitwirkend annimmt, welcher auf Handelsgeschäften beruht haben wird und das adlige Leben im streng griechischen Sinne ausschloß; neben den Vorzug des Geblüts und der edeln Beschäftigung trat schon der wandelbare Reichtum und der Erwerb. Auch möchte z.B. für Kolophon die Zeit, da es in allen Fehden mit seinem Reiterheer den Entscheid gab, bereits vorbeigewesen sein, als seine »Tausend« in Purpur zur Versammlung zu schreiten pflegten311. Der bloße Vermögensunterschied aber war dann eine schwache Stütze der politischen Alleinberechtigung.

Ähnlich wie wir vom Königtum das Meiste erst erfahren bei Anlaß seines Untergangs, so auch in betreff der Aristokratie bei Anlaß der verschiedenen Gründe und Wege ihrer Auflösung. Sie entartet, sobald sie nicht mehr im Stande ist, sich selber strengA35 zu disziplinieren; sie wird zur Oligarchie, indem sich in ihrem Innern eine engere, alleinherrschende Clique bildet, welche aber nicht bloß die Macht, sondern den größten Reichtum, auch wohl die wichtigsten Ämter an sich reißt und auch nicht bloß gewalttätig, sondern habsüchtig zu regieren anfängt. Man hat es, wie in Sparta, versäumt, die alten Landlose aufrecht zu erhalten, wie dies einzelne alte Gesetzgebungen vorgeschrieben hatten312; jüngere Zweige der Familien wurden ein gleich bedenkliches Element im Staate, ob sie besitzlos blieben, oder ob das Erbgut sich in sehr viele Teile zersplitterte;[162] unter heftigem Hader ist innerhalb der Kaste eine gefährliche Zahl von besitzlosen Aristokraten entstanden, welche zwar noch das Bewußtsein ihres edeln Geblütes, aber nicht mehr die Mittel zum edeln Leben haben; daß aber dieses letztere möglichst vielen gegönnt sei, war die erste Lebensbedingung der Kaste gewesen, denn ein Vorrecht gedeiht nur bei sehr zahlreichen Verteidigern.

Inzwischen hat etwa die Zahl der freien, aber von politischen Rechten ausgeschlossenen Bürger stark zugenommen und Markt und Hafen mit ihrem Leben angefüllt. Aus was für Bestandteilen war dieses beherrschte Volk im Wesentlichen hervorgegangen, in dessen dann der TyrannA36 aufzutreten pflegt? aus Geschlechtern (γένη), welche zu schwach geworden um sich zu behaupten? aus jüngeren Zweigen von Geschlechtern? aus freien Bauernknechten (δῆτες), die von Anfang an vorhanden gewesen waren? aus solchen, die bei einer Eroberung oder Kolonisation zu spät gekommen oder zu schwach gewesen waren, um bei der Verteilung des Bodens berücksichtigt zu werden? aus Verarmten, welche ehemals Grundstücke besessen hatten? endlich aus (ursprünglich dem betreffenden Stamme angehörenden) Vorstädtern, welche sich außerhalb des heiligen Bezirkes der Polis als Banausen angesiedelt hatten? Welches Element immer überwogen haben mag, das Geld und der bewegliche Besitz, Industrie und Handel werden eher in den Händen der Nichtadligen gediehen haben313. Aus Handwerkern und Seeleuten werden industrielle Unternehmer, Reeder und Kaufleute emporgestiegen sein. Und wenn diese untern Klassen – neben den adligen Hippeis – jetzt große Hoplitenscharen im Kriege zu bilden anfingen und, stets bereit zum Ausfahren, die Ruderer der Flotten stellten, so mußten sie dieA37 Inhaber der Polis werden. Durch Pietät fanden sie sich gewiß nicht mehr an die Herrschenden gebunden, sind sie doch alle desselben politischen Raisonnierens fähig geworden, welches damals in hundert Kolonien gute oder schlechte VerfassungenA38 schaffte.

Hiezu kommt die harte Ausübung des Schuldrechts, wie wir sie hauptsächlich bei den attischen Eupatriden kennen lernen, deren Handlungsweise uns ebenso gefährlich für sie selbst als hart und grausam erscheint314.[163] Sie hatten sich Knechtung sehr vieler Schuldner, ja deren Verkauf ins Ausland erlaubt; der allgemein verschuldete Demos mußte sogar oft seine Kinder verkaufen. Was Solon in diesen Dingen für Hilfe schaffte, war so wichtig als seine ganze Verfassung. Er durfte in seinen Trimetern315 die Erdgöttin anrufen, ihm zu bezeugen, daß er die vielen Verpfändungssäulen weggeschafft, daß er Viele zurückgeführt, welche – mit oder ohne Recht – verkauft worden waren und ferner solche, die vom langen Irren in der FerneA39 – offenbar als Ausgewiesene – nicht mehr Attisch konnten, daß er endlich im Lande selbst die zu Sklaven Gemachten, vor ihren Herren Zitternden befreit habe316. Man fragt nur, wie sich diese alle dann in Athen mit ihren früheren Quälern vertragen mochten317.

Dieses Schuldrecht in Verbindung mit einzelnen besonders ärgerlichen Gewalttaten kann dann rasch den Umschlag herbeiführen, sei es in eine Tyrannis oder in eine Demokratie. Letztere namentlich pflegt begleitet zu sein von Schuldenerlaß, Verteilung des Grundbesitzes der Reichen, Aufnahme von bisher geknechteten Landbauern in die souveräne Stadtgemeinde, Zwangsvermählungen der adligen Töchter usw. Den Kummer und Groll der Gestürzten lernt man ziemlich vollständig aus Theognis kennen, welcher in seinem Megara alles miterfahren hatte. Und nicht immer hatten die Betreffenden die Katastrophe auch nur überlebt318.

Auch das Aussenden von zahlreichen Kolonien hat erweislich mehr als eine Aristokratie nicht vor dem Untergange bewahren können, ja denselben vielleicht mittelbar beschleunigt, indem sich mit den Kolonien auch der Handel, d.h. das bewegliche Vermögen und die Bevölkerung der Mutterstadt, aber auch der damit verbundene Trotz vermehrten. Milet, welches 75 Kolonien ausgesandt, mußte schreckliche Krisen durchmachen319. Aristoteles findet die Aristokratie besonders gefährdet, wenn viele und angesehene Mitglieder derselben in einem Kriege gefallen sind320, und Tarent z.B. ist nach einer durch die Japygier erlittenen Niederlage zu einer Demokratie geworden; allein dasselbe begegnete[164] der, wie es scheint, sehr fähigen Herrscherkaste der Geomoren von Samos sogar infolge eines Sieges321, weil sie diesen nicht selber, sondern nur durch ihre ausgesandte Flotte gewonnen hatten; die Mannschaft derselben verständigte sich mit den Besiegten (es waren Megarer) und nahm sie, zum Schein gefesselt, mit nach Samos, wo nun alle über die im Buleuterion versammelten Geomoren herfielen und sie niedermachten. Nicht lange hernach geriet freilich die neue Demokratie in die Hände des Polykrates.

Diejenigen Aristokratien, welche Aristoteles noch lebendig sah, waren nicht altüberlieferte, sondern temporäre Oligarchien, wie sie hauptsächlich als Reaktion gegen die Demokratie, auch als Stützpunkte Spartas in manchen Städten entstanden waren. Es sind im Ganzen nicht mehr Altadlige, sondern Besitzende (εὔποροι), welche sich zu ihrer Selbstverteidigung der Polis bemächtigt haben. »Meist nehmen die Reichen, dünkt mich, die Stelle der Edeltrefflichen ein322.« Diese Art von Oligarchen ist es, welche dann die Lasten des Staates auf andere wälzt und zu den Staatswürden auch noch den Gewinn sucht323. Zwischen ihnen, zu ihrem Verderben, meldet sich, wie damals überall, der verarmte Wüstling, der Catilinarier, welcher entweder den Staat so bestiehlt, daß darob Unruhe gegen die Regierenden entstehen muß, oder aber den Sturz des ganzen Zustandes plant, um selber Tyrann zu werden, auch wohl einen solchen vorzuschieben324. Gute Ratschläge, wie man auch einer so späten Oligarchie einige Dauer verleihen könne, finden sich in der zweiten aristotelischen Rhetorik325; wir wissen aber nicht, ob dieselben sind näher befolgt worden, und ob, wenn dies geschah, es auf die Länge geholfen hat gegenüber der stets von Neuem andringenden Demokratie.

Jene frühere, ursprüngliche Aristokratie hatte wenigstens nicht bloß Rechte oder gar nur Interessen vertreten, sondern eine Weltanschauung und eine Sitte. Pindar, der sie besang, als sie in den meisten Poleis das Steuerruder verloren hatte oder nahe daran war, es zu verlieren, ist in gewissem Sinne eine fortlaufende Urkunde ihrer Denkweise326.[165]


Quelle:
Jakob Burckhardt: Gesammelte Werke. Darmstadt 1956, Band 5, S. 159-166.
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