Vormittagssitzung.

[167] [Der Angeklagte Fritzsche im Zeugenstand.]


OBERSTLEUTNANT JAMES R. GIFFORD, GERICHTSMARSCHALL: Hoher Gerichtshof! Der Angeklagte Ribbentrop wird wegen Krankheit abwesend sein.

DR. FRITZ: Herr Präsident! Meine Hohen Richter! Zunächst eine ganz kurze Erläuterung.

Ich habe gestern mehrfach die Anklage erwähnt und beabsichtige dies auch bei der weiteren Vernehmung zu tun. Ich meine damit immer die Präsentation des Falles Fritzsche durch Captain Sprecher in der Vormittagssitzung vom 23. Januar 1946.

Herr Fritzsche! Sie hatten sich gestern zu Ihren Rundfunksendungen über die Propaganda der Alliierten geäußert. Dazu noch eine letzte Frage: Haben Sie auch versucht, die Front der Alliierten durch Ihre Propaganda aufzuspalten?


FRITZSCHE: Selbstverständlich habe ich das versucht. Ich habe alle ideologischen und alle praktisch politischen Gegensätze oder Differenzen zwischen den einzelnen der alliierten Nationen herausgearbeitet. Ich hielt das für ein erlaubtes Kriegsmittel. Damals wünschte ich eine Spaltung zwischen den Alliierten genau so sehr, wie ich etwa heute deren Einigung wünsche, da Deutschland ja doch das erste Opfer eines jeden Konflikts wäre.


DR. FRITZ: Nun sind Sie auch angeklagt als Helfer bei der Festigung der Nazi-Kontrolle in ganz Deutschland. Haben Sie gegen die Demokratie gehetzt?


FRITZSCHE: Ich habe niemals gehetzt gegen die Demokratie als solche. Ich habe polemisiert gegen die Demokratie der 36 Parteien. Die Demokratie, die vorher in Deutschland geherrscht hatte, die Demokratie, unter der selbst so starke Gruppen ohnmächtig blieben, wie etwa die zwei marxistischen Parteien. Die ausländische Demokratie habe ich kritisiert nur in zwei Punkten:

Erstens in den Elementen, die den Grundgedanken einer Demokratie einschränkten. Ich glaube, es ist überflüssig, vielleicht auch mißverständlich, wenn ich das heute aufzählen würde.

Zweitens kritisierte ich das Verlangen der ausländischen Demokratien, auch uns ihre Regierungsform aufzunötigen. Das erschien mir damals nach dem Stande meiner damaligen Kenntnisse und Informationen ungerechtfertigt.


[167] DR. FRITZ: Hielten Sie also die Diktatur für die bessere Regierungsform?


FRITZSCHE: Ich möchte ausdrücklich erklären: Damals, unter den damaligen Umständen und nur für eine vorübergehende Zeit der Not, ja. Heute selbstverständlich nicht mehr. Nachdem die autoritäre Regierungsform geführt hat zu der Katastrophe eines Mordes an fünf Millionen, halte ich diese Regierungsform selbst in Notzeiten für falsch. Ich glaube, daß jede Art, selbst eine eingeschränkte Art von demokratischer Kontrolle, eine solche Katastrophe unmöglich gemacht hätte.


DR. FRITZ: Es wird Ihnen ferner vorgeworfen, daß Sie die Lehre von der Herrenrasse verbreiteten. Von der Anklage wird dieser Vorwurf indirekt gegen Sie erhoben. Wie steht es damit?


FRITZSCHE: Ich habe niemals die Theorie der Herrenrasse aufgestellt oder vertreten. Ich habe selbst diesen Begriff vermieden. Ich habe den Begriff ausdrücklich verboten für die deutsche Presse und für den deutschen Rundfunk, jeweils in der Zeit, als ich das eine oder das andere betreute. Ich glaube auch, daß der Begriff Herrenrasse eine größere Rolle gespielt hat in der antinational-sozialistischen Propaganda als in Deutschland selbst. Wer der Erfinder dieses Begriffes ist, weiß ich nicht. Öffentlich erwähnt wurde er meines Wissens nur von Männern, wie zum Beispiel Dr. Ley, die – und das muß ich offen und ausdrücklich erklären – in dieser Beziehung von niemandem ernst genommen wurden. Unausgesprochen hat dieser Begriff allerdings eine große Rolle gespielt bei der SS wegen ihrer Exklusivität in rassischer Hinsicht. Aber Menschen von Klugheit, von Takt, von Einsicht und einiger Weltkenntnis vermieden den Gebrauch dieses Wortes auf das allerpeinlichste.


DR. FRITZ: Herr Präsident! Ich biete dem Hohen Gericht bei dieser Gelegenheit ein Affidavit an des Dr. Scharping vom 17. Mai 1946. Dr. Scharping war bis zuletzt Regierungsrat im Propagandaministerium. Aus diesem Affidavit zitiere ich an dieser Stelle nur einen Satz von Seite 13. Ich zitiere:

»In diesem Zusammenhang ist auch zu erklären, daß Fritzsche sich stets gegen den Begriff der ›Herrenrasse‹ gewendet hat. Es wurde sogar die Anwendung dieses Wortes von ihm im Rundfunk ausdrücklich verboten«.


[Zum Zeugen gewandt:]


Nun hat aber die Anklage ein Zitat aus einer Ihrer Rundfunkreden gebracht, um diese Behauptung zu belegen.

FRITZSCHE: Das Zitat ist richtig, aber ich bitte es nur genau zu lesen. In ihm wird der Begriff »Herrenrasse« abgelehnt für das [168] jüdische und für das deutsche Volk. Das Zitat ist nicht mißzuverstehen.

DR. FRITZ: Herr Präsident! Es steht in der Anklagerede von Captain Sprecher im englischen Text auf Seite 32/31 des Protokolls.


[Zum Zeugen gewandt:]


Aber nun haben Sie nicht nur Inlands-, sondern auch Auslandspropaganda betrieben. Wie war der Unterschied?

FRITZSCHE: In meinen Rundfunkvorträgen bestand kein Unterschied. Vor dem Ausbruch des Krieges habe ich die Vorträge für das In- und die für das Ausland leicht differenziert, einfach weil das Publikum ein verschiedenes war und ich ein verschiedenes Niveau von Vorkenntnissen voraussetzen mußte. Im Kriege wurden meine im Reichsdeutschen Rundfunk gehaltenen Vorträge einfach auch gegeben über die Kurzwellensender. In- und Ausland konnten das für Aus- oder Inland Gesagte gegenseitig kontrollieren. Im übrigen habe ich in den zwölf Jahren, in denen ich im deutschen Rundfunk sprach, niemals Übersetzungen meiner Vorträge geduldet, da dann immer eine Verschiebung von Nuancen herauskam. Aufsätze ließen sich übersetzen, vielleicht auch offizielle Reden, aber nicht die doch etwas leichten und halb improvisierten Plaudereien.

DR. FRITZ: Haben Ihre Auslandssendungen internationale Kritik gefunden?


FRITZSCHE: Ja, sehr häufig. Im Kriege gab es manchmal, beinahe täglich, eine Stimme aus irgendeinem Land, und diese Kritiken ließ ich sammeln. Ich bat, sie zu beantragen als Dokument, der Antrag wurde abgelehnt. Meines Wissens ist mir in diesen Kritiken der Vorwurf der Kriegshetze nicht gemacht worden.


DR. FRITZ: Nun sind Sie nicht nur als Sprecher propagandistisch tätig gewesen, sondern auch als Organisator. Man wirft Ihnen vor, daß Sie geholfen hätten, ein wichtiges Instrument für die behauptete Verschwörung zu schaffen. Die Anklage sagt hierzu, Sie hätten 13 Jahre lang Hilfe geleistet bei Schaffung der Propagandamittel, die die Verschwörung zum Zuschlagen benutzte.

Haben Sie die Presseorganisationen des nationalsozialistischen Staates geschaffen?


FRITZSCHE: Nein, diese Organisation habe ich nicht geschaffen. Ich war auch nicht beteiligt an ihrer Schaffung. Der Schöpfer war Dr. Goebbels, Dr. Dietrich und der Reichsleiter Amann. Als ich im Winter 1938 Leiter der sogenannten Abteilung Deutsche Presse wurde, habe ich versucht, die Fesseln zu erleichtern, die der deutschen Presse angelegt worden waren. Ich habe das auf dem materiellen und personellen Gebiet versucht. Ich habe zum Beispiel Hunderte von 1933 oder 1934 entlassene Schriftleiter anderer [169] Parteien wieder in die Presse hereingeholt. Heute werden diese mir gram sein. Damals meinte ich es gut. Ich habe dann weiter außer den offiziellen Pressekonferenzen, die außerordentlich scharf kontrolliert wurden, auch in ihren Protokollen von meinen Vorgesetzten, sogenannte Nachkonferenzen geschaffen, in denen ich mit den Vertretern der 50, 60 wichtigsten Zeitungen freier alle Möglichkeiten ihrer Arbeit besprach. Ich habe dort das oft angewandte Schlagwort geprägt: »Ihr könnt alles an Kritik in den deutschen Zeitungen schreiben, dann, wenn Ihr diese Kritik nicht fett in die Überschrift setzt, sondern wenn Ihr sie elegant formuliert im Text unterbringt.« Von dieser Möglichkeit haben viele, viele deutsche Journalisten der vergangenen zwölf Jahre Gebrauch gemacht. Ich wäre froh, wenn diese Arbeit, die eine versteckte Arbeit war, heute irgendwie im Interesse die ser Menschen gewürdigt würde, die zum Teil nur im persönlichen Zutrauen zu mir in ihren Beruf als Journalist zurückgekehrt sind. Selbstverständlich muß ich hinzufügen, daß die Möglichkeit, diese Kritik zu üben, irgendwie begrenzt war und nicht unbegrenzt zur Verfügung stand.


DR. FRITZ: Herr Präsident! Ich biete dem Gericht bei dieser Gelegenheit mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft ein Dokument als Fritzsche-Exhibit Nummer 4 an. Es handelt sich hierbei um einen Auszug aus einem Briefe des deutschen Generalleutnants Dittmar, der die militärische Lage häufig im deutschen Rundfunk während des Krieges kommentiert hat und der sich in englischer Gefangenschaft befindet. Der bekannte englische Rundfunkkommentator Mr. Lidell-Hart hat dem britischen Generalstaatsanwalt einen Auszug aus einem Briefe geschickt, und ich möchte dieses Memorandum, das mir zugeleitet wurde, kurz zitieren. Darf ich die Stelle zitieren?


VORSITZENDER: Bitte.


DR. FRITZ: Dittmar schreibt:

»Die Möglichkeit, die kritische Haltung in seinen Rundfunkkommentaren beizubehalten, ist hauptsächlich ermöglicht durch die stillschweigende Billigung und durch die Protektion Hans Fritzsches, des Leiters des politischen Rundfunks. Er glaubt, daß Fritzsche ein heimlicher Opponent des Regimes gewesen ist und froh über die Chance war, einen Kommentator gefunden zu haben, der in diskreter Weise Gedanken zum Ausdruck brachte, die seinen eigenen ähnelten, und die insgeheim dahin führen würden, das Vertrauen zum Regime zu vermindern.«

Ferner im Anschluß an dieses Zitat ein weiteres Zitat aus dem Affidavit von Dr. Scharping, das ich bereits als Fritzsche-Exhibit [170] Nummer 2 überreicht habe. Es ist Seite 11 dieses Affidavits. Ich zitiere:

»Die Rundfunkleute und Journalisten kannten Fritzsches Toleranz ganz genau. Es ist wiederholt vorgekommen, daß Fritzsche bei seinen Konferenzen zum Beispiel ein Exemplar des ›Völkischen Beobachters‹ in der Hand hatte und einen judenfeindlichen Aufsatz ironisierte. Ich erinnere mich, daß er einmal etwa mit folgenden Worten seiner Kritik Ausdruck gab: ›Eine Berliner Zeitung‹ – er hielt dann für alle sichtbar den ›Völkischen Beobachter‹ hoch in der Hand – ›hat wieder einmal in einem Leitartikel mehr als zwei Böcke auf einmal geschossen. Vielleicht gelingt es dem Herrn Verfasser noch, den richtigen Ton zu treffen.‹

Mit solchen ironischen Bemerkungen hatte Fritzsche stets den Beifall seiner Zuhörer; aber es war nicht ungefährlich für ihn, denn Goebbels las täglich die Protokolle dieser Pressekonferenzen nach.«

Herr Fritzsche! Im Anschluß an die Äußerung des Generalleutnants Dittmar eine Frage: Fühlten Sie sich als ein Gegner des Systems, oder wie kommt Generalleutnant Dittmar zu dieser Aussage?

FRITZSCHE: Ich war kein Gegner des Systems; es wäre lächerlich und unwürdig, heute das behaupten zu wollen. Aber ich war ein scharfer Gegner aller Mißbräuche des Systems, die ich überhaupt nur zu erkennen vermochte. Der Mißbrauch, der mir am erkennbarsten war, weil er auf meinem Arbeitsgebiete lag, war die Schönfärberei der Nachrichten im Kriege. Das Ziel meiner ganzen Nachrichtenpolitik war ein Realismus; und das meint General Dittmar offenbar in dem hier verlesenen Teil seiner Aussage.

Ich begegnete General Dittmar im Dezember 1942 oder Januar 1943, also in dem Augenblick, als die 6. Armee in Stalingrad schon eingeschlossen war, als diese Tatsache aber offiziell dem deutschen Volke noch verheimlicht wurde, und ich habe mit General Dittmar zusammen, entgegen dem Verbot, die Tatsache der Einschließung der 6. Armee in Stalingrad öffentlich mitgeteilt. Es gab damals eine große Sensation.

Ich habe in den darauffolgenden Monaten und Jahren General Dittmar mit seiner realistischen Darstellung der militärischen Lage immer verteidigt gegen alle Angriffe, insbesondere gegen die Angriffe der Partei, aber auch gegen die Angriffe des Auswärtigen Amtes, das immer wieder darauf verwies, diese nüchternen Darstellungen Dittmars wirkten auf die Verbündeten Deutschlands schlecht.

Im Rahmen dieses Kampfes für eine realistische Nachrichtengebung habe ich später – und ich bitte um die Erlaubnis, das kurz erwähnen zu dürfen – einen geradezu verzweifelten Kampf geführt [171] gegen die verantwortungslose Propaganda, die mit Wunderwaffen geführt wurde. Ein Jahr erst, nachdem Dr. Goebbels das erstemal von Wunderwaffen, die kämen, gesprochen hatte, habe ich eine neue Waffenart überhaupt zum erstenmal erwähnt. Hier hat Speer einen SS-Standartenführer Berg erwähnt, der im Rahmen des Propagandaministeriums eine geheime Propaganda getrieben hätte für die Wunderwaffen. Dies ist der Verfasser eines vielbeachteten Aufsatzes aus dem »Reich« mit der sensationellen und vielversprechenden Überschrift »Wir Geheimnisträger«. Gegen solche Dinge mußte ich ankämpfen. Ein anderes besonders markantes Beispiel: Auch ein Angehöriger der SS, Hernau, schrieb in dem Augenblick der gelungenen Invasion einen Aufsatz, in welchem er es so darlegte, als sei die Räumung Frankreichs ein ganz besonders geheimnisvoller Trick der deutschen Kriegführung, der nun die Möglichkeit schaffe zu einem besonders scharfen Gegenschlag. Diesen Aufsatz habe ich in meinem Bereich verboten, und ich mußte immer wieder auftreten gegen die unter der Decke verbreiteten unverantwortlichen Gerüchte über geheimnisvolle Waffen. Ich habe das auch öffentlich getan, und ich habe auch im Rundfunk gegen diese Propaganda deutlich Stellung genommen.

Auf der anderen Seite darf ich aber auch darauf hinweisen: Mir sind immer von meinen Vorgesetzten in jedem Augenblick des Krieges einzelne begründete Versprechungen gemacht worden, erstens auf irgendeine gerade jetzt vorbereitete militärische Offensive, zum Beispiel ein Vorstoß aus Ostpreußen nach Süden, ein Vorstoß aus Oberschlesien an die Weichsel, ein Vorstoß aus dem Elsaß nach Norden und so weiter. Hand in Hand mit diesen bis ins einzelnste begründeten Zusagen gingen dann die gestern schon andeutungsweise erwähnten politischen Versprechungen, also die von Dr. Goebbels gegebenen Schilderungen, daß außenpolitische Verhandlungen mit dem Gegner auf der einen oder anderen Seite im Gange seien.


DR. FRITZ: Eine weitere Frage: Wer leitete die Pressepolitik?


FRITZSCHE: Die Pressepolitik leitete Reichspressechef Dr. Dietrich. Er gab seine Anweisungen sehr spezialisiert, meistens in einem genau festgelegten Wortlaut, der sogenannten »Tagesparole des Reichs pressechefs«. Meist gab er sogar noch die Kommentare im Wortlaut, die etwa auf der Pressekonferenz angefügt werden sollten.

Dr. Dietrich hielt sich meistens im Führerhauptquartier auf und erhielt die Weisungen von Hitler unmittelbar. Vertreter Dr. Dietrichs waren Sündermann und Lorenz.

Der zweite für die deutsche Pressepolitik bestimmende Faktor war der Reichsleiter Amann, der an der Spitze der Organisation der Verleger stand.

[172] Der dritte Faktor war Dr. Goebbels als Reichspropagandaminister. Ihm unterstanden formell sowohl Dietrich wie Amann. Tatsächlich waren ihm beide gleichgestellt, und ich mußte immer zwischen diesen drei Instanzen lavieren, ausgleichen oder koordinieren.


DR. FRITZ: Haben Sie die Organisation des journalistischen Nachrichtenwesens geschaffen?


FRITZSCHE: Jawohl, diese Organisation habe ich geschaffen. Sie stammt im Prinzip von mir. Ich darf verweisen auf mein Affidavit 3469-PS, und zwar Punkt 17. Ich betreute das journalistische Nachrichtenwesen etwa von 1934 bis 1938. Ich war noch stolz darauf, daß am Anfang des Krieges sogar der Gegner das gute Funktionieren dieses Nachrichtenapparates anerkannte. Ich war allerdings zu dieser Zeit nicht mehr der Leiter dieses sogenannten Referats »Nachrichtenwesen«. Ich habe diese Organisation als ein Fachmann mitten im Frieden geschaffen, ohne auch nur irgendwie an ihre Kriegsverwendungsmöglichkeit zu denken. Die Schlußfolgerung der Anklage, daß ich auch den Inhalt der Nachrichtendienste bestimmt hätte, ist nicht richtig.


DR. FRITZ: Von der Anklage ist gesagt worden, daß das Propagandaministerium die märchenreichste Lügenfabrik aller Zeiten gewesen sei. Was sagen Sie dazu?


FRITZSCHE: Zunächst für mich persönlich möchte ich folgendes ganz klarstellen: Ich erkläre unter meinem Eid, ich habe in wirklich ernsthaften Fragen der Politik und der Kriegführung nicht eine einzige Fälschung begangen und nicht eine einzige Lüge bewußt ausgesprochen. Wie oft ich selbst das Opfer einer Fälschung oder einer Lüge geworden bin, das vermag ich nach den Enthüllungen dieses Prozesses nicht zu sagen. Das gleiche gilt, soweit ich das weiß, für alle meine Mitarbeiter. Dabei möchte ich durchaus nicht leugnen, daß ich und meine Mitarbeiter eine Tendenz walten ließen bei der Auswahl von Meldungen und Zitaten.

Es ist ja der Fluch der Propaganda in einem Kriege, daß sie eben nur mit Schwarzweißmalerei arbeitet und nur wenige große Geister erheben sich darüber. Ich glaube, daß diese Schwarzweißmalerei ein Luxus ist, den man sich auch nicht mehr leisten darf.

Zu diesem Thema Propagandaministerium als solchem muß ich sagen: Ich kann nur urteilen über das Zwölftel, also die eine Abteilung, der ich jeweils vorstand. Aber nach meiner Kenntnis ist es ein Irrtum zu glauben, daß dort im Propagandaministerium tausend kleine Lügen ausgedacht worden wären. Im einzelnen wurde ganz sauber und ehrlich gearbeitet; technisch sogar vollkommen. Hätten wir in tausend kleinen Dingen gelogen, dann wäre [173] der Gegner leichter mit uns fertiggeworden, als er tatsächlich mit uns fertiggeworden ist. Aber entscheidend für einen solchen Aufklärungsapparat ist ja nicht die Einzelheit, sondern entscheidend ist die letzte und tiefste Grundlage, auf der eine Propaganda aufgebaut ist. Entscheidend ist der Glaube an die Sauberkeit der Staatsführung, auf die sich irgendwie jeder Journalist verlassen muß, und diese Grundlage ist erschüttert durch das, was heute bekanntgeworden ist von Massenmord, von sinnlosen Greueln, und sie ist erschüttert durch den Zweifel an die Ehrlichkeit des Friedensbekenntnisses Hitlers, dessen Tatsachen im einzelnen ich nicht zu beurteilen vermag.


DR. FRITZ: Es ist in diesem Prozeß darauf hingewiesen worden, daß es keine völkerrechtlichen Bestimmungen gibt über die Gebräuche der Propaganda im Krieg und Frieden.


FRITZSCHE: Mir ist sehr wohl bekannt, daß das Völkerrecht der Propaganda, besonders der Propaganda im Kriege, keine Grenze zieht. Es ist mir auch sehr wohl bekannt, daß nur in ganz wenigen Einzelverträgen zwischen Staaten Bestimmungen über den Gebrauch der Propaganda enthalten waren, zum Beispiel in dem Vertrag Deutschland-Polen und in dem Vertrag Deutschland-Sowjetunion. Aber ich habe mein ganzes Leben lang als Journalist betont: Das Fehlen internationaler Bestimmungen über Propaganda ist kein Freibrief für Lüge. Ich habe immer die moralische Verantwortung des Journalisten und des Nachrichtenmannes betont. Ich habe das lange vor dem Kriege auch in einer internationalen Diskussion mit Radio Luxemburg schon getan, auf die einzugehen hier zu weit führen würde. Wenn ich im Mai des vorigen Jahres den Tod nicht suchte, dann ist mit ein Grund hierfür mein Wunsch, ich wollte Rechenschaft ablegen, wo in diesem System der reine Idealismus und der Opfermut von Millionen war und wo die Lüge herrschte oder die Brutalität, die auch vor einem Verbrechen nicht zurückschreckte.


DR. FRITZ: Nennen Sie Beispiele, in denen Sie sich betrogen fühlten.

FRITZSCHE: Es ist in diesem Prozeß die Nachricht besprochen worden, die am Anfang des Polenkrieges stand, die Nachricht von dem Überfall auf den Sender Gleiwitz. Ich habe damals an die Richtigkeit der amtlichen deutschen Nachrichten fest geglaubt. Über diesen Fall brauche ich nichts zu sagen. Dann ist mir im Dezember erst des vorigen Jahres hier im Gefängnis in Nürnberg aus einem Gespräch mit dem Großadmiral Raeder klargeworden, daß es tatsächlich ein deutsches U-Boot war, das die »Athenia« versenkte. Bis dahin hatte ich fest an die Richtigkeit der amtlichen deutschen Mitteilung geglaubt, daß ein deutsches U-Boot nicht in der Nähe des Versenkungsortes gewesen war. Ich habe meinen [174] Rechtsanwalt gebeten, einmal die schärfsten Stellen, die ich zu dem Fall »Athenia« gesagt habe, herauszusuchen und in mein Dokumentenbuch aufzunehmen, also Dinge, die eigentlich gegen mich sprechen, aber die auf der anderen Seite doch klarlegen, wie ich nicht ganz allein auf der Grundlage der amtlichen deutschen Nachrichten arbeitete und argumentierte, sondern wie ich auch die Nachrichten sammelte, die die amtliche deutsche Lesart unterstützten, also zum Beispiel die zunächst nicht öffentlich bekanntgegebene und deshalb zu Verdacht anregende Tatsache, daß das Wrack der »Athenia« einen Tag nach der Katastrophe durch Schüsse britischer Zerstörer versenkt wurde, ein Vorgang, der im Interesse der Schiffahrt selbstverständlich ist, der mir damals aber Anlaß zu neuem Mißtrauen zu sein schien. Ebenso habe ich amerikanische Nachrichten zum gleichen Gegenstand verwendet. Aber die eindrucksvollste Falschnachricht, der ich zum Opfer fiel, ist doch eine Nachricht, die in den letzten Tagen des Krieges ausgegeben wurde, und die ich schildern muß im Interesse der Klarstellung der Dinge:

In den Tagen, als Berlin umschlossen war von den russischen Armeen, wurde den Berlinern mitgeteilt, daß eine Entsatzarmee, die Armee Wenk, auf dem Marsche nach Berlin sei, daß an der Westfront nicht mehr gekämpft würde; es wurde die Nachricht ausgegeben, Ribbentrop habe sich an die Westfront begeben und dort einen Vertrag abgeschlossen, und es wurden dann Flugblätter gedruckt in dem umschlossenen Berlin, etwa mit dem Text: »Soldaten der Armee Wenk, wir Berliner wissen, daß Ihr schon bis Potsdam gekommen seid, beeilt Euch, kommt schnell, helft uns.« Diese Flugblätter wurden gedruckt zu einem Zeitpunkt, als die Armee Wenk nicht mehr existierte und schon gefangengenommen war. Diese Flugblätter wurden scheinbar versehentlich über Berlin abgeworfen und sollten den Einwohnern Berlins neuen Mut in diesen Tagen geben. Das geschah in den Tagen, in denen Hitler nach der Aussage Speers seiner engeren Umgebung bereits gesagt hatte, es lohne sich nicht mehr, für den Rest des deutschen Volkes irgend etwas zu tun.


DR. FRITZ: Herr Präsident! Die von dem Angeklagten Fritzsche erwähnten zwei Rundfunkansprachen, die sich mit dem »Athenia«-Fall beschäftigen, sind in dem Dokument Fritzsche-Exhibit Nummer 1 enthalten, welches ich bereits gestern überreicht habe. Ich verweise nur auf den Inhalt dieser Rundfunkansprache.


[Zum Zeugen gewandt:]


Nennen Sie Beispiele von Unwahrheiten, die Sie kannten und die Sie nicht für Lügen hielten.

FRITZSCHE: Ein Beispiel ist die sogenannte »V-Aktion«. Ein Oberst Britton hatte im britischen Rundfunk diese »V-Aktion«, [175] die Victory-Aktion verkündet. Ich stellte mich an dem gleichen Abend vor das deutsche Mikrophon und sagte scheinbar harmlos: »Wir werden eine ›V‹-Aktion durchführen, das ›V‹ heißt ›Victoria‹.«

Darauf behauptete Oberst Britton, ich hätte ihm das »V« gestohlen. Ich behauptete, das sei nicht der Fall, es sei mir zuerst eingefallen.


DR. FRITZ: Wenn Sie nur mit der Wahrheit zu operieren glaubten, warum dann Ihre scharfe Sprache, warum dann das Abhörverbot ausländischer Sender?


FRITZSCHE: Ich habe schon in meinem Affidavit betont, daß nach meiner Ansicht die Schärfe meiner Sprache immer etwas zurückblieb hinter der Schärfe der Sprache meiner Gegner. Das Verbot zum Abhören ausländischer Sender ist ausgesprochen gegen meinen Willen erlassen worden. Für mich war dieses Verbot nur lästig bei meinen Diskussionen mit meinen ausländischen Gegnern in den verschiedenen Ländern, denn bei dieser Art des Abhörverbotes blieb mein Gegner sozusagen im Halbschatten, ich durfte ihn nicht offiziell ansprechen, wußte aber auf der anderen Seite, daß eben doch viele meiner Hörer auch ihn gehört hatten. Ich darf hier erwähnen, daß ich immer eingetreten bin für eine milde Beurteilung der Vergehen gegen dieses Rundfunkabhörverbot. Mehrfach wurde ich von Justizbehörden als Sachverständiger gefragt. Ich darf auch betonen, daß ich, insbesondere nach Stalingrad, einen eigenen Abhördienst einrichtete, einen Abhördienst des russischen Rundfunks, um die Namen der in Stalingrad gefangengenommenen deutschen Soldaten, die der russische Rundfunk nannte, den Angehörigen mitzuteilen, weil es mir grausam erschien, Angehörige von einer solchen Nachrichtenquelle über das Schicksal ihrer Angehörigen abzuhalten. Im übrigen aber bestand ja in Fragen Rundfunkabhörverbot nur eine Alternative; das war nämlich: entweder Einziehung aller Rundfunkapparate und Stilllegung auch des ganzen deutschen Rundfunks – das forderte mehrfach die Partei –, oder Abhörverbot, und da erschien mir das Verbot zum Abhören ausländischer Sender das kleinere Übel.

Im übrigen herrschte schließlich Krieg, und der Gegner war nicht allzu wählerisch in seinen Mitteln. Ich möchte nur ein Beispiel erwähnen: Das war der Sender Gustav Siegfried 2, der im Anfang seiner Arbeit Hörer in Deutschland warb mit Schilderungen, die ich nicht näher charakterisieren möchte, die mich aber dazu veranlaßten, die Aufnahme dieses Senders in meiner eigenen Abhörstation zu verbieten.


DR. FRITZ: Ihnen ist der Vorwurf gemacht, Sie hätten aufgereizt zu einer Politik der rücksichtslosen Ausbeutung der besetzten Gebiete. Bekennen Sie sich zu einer solchen Politik?


[176] FRITZSCHE: Nein. Das Ziel meiner gesamten Propagandaarbeit in Europa war ja, und mußte ja sein, die Gewinnung der Völker Europas für die deutsche Sache. Alles andere wäre einfach unlogisch gewesen. Alle Rundfunksendungen in allen europäischen Sprachen, die unter meiner Leitung gemacht wurden, hatten jahrelang nur ein einziges Ziel, eben die Gewinnung der freiwilligen Mitarbeit, vor allem der besetzten Gebiete für den Kampf des Reiches.

DR. FRITZ: Waren Sie der Ansicht, daß die deutsche Verwaltung in den besetzten Gebieten diesen Weg der Werbung einer freiwilligen Mitarbeit ging?


FRITZSCHE: Zu Anfang bestimmt, mit einer einzigen Ausnahme, das war Koch in der Ukraine. Sonst haben nach meiner Kenntnis alle Verwaltungen besetzter Gebiete diese Kollaboration gesucht, teils mehr, teils weniger geschickt. Ich sah dann die gigantischen Anstrengungen, die die Alliierten machten zur Störung dieser deutschen Kollaborationspolitik, die ja für sie sehr gefährlich war. Ich sah diese Anstrengungen der Alliierten zunächst mit dem Mittel der Propaganda. Diese allein hätte nicht gewirkt. Aber ich sah diese Anstrengungen dann mit dem anderen Mittel, nämlich dem Mittel der Attentate und der Sabotage. Hier hatten diese Bemühungen einen großen Erfolg. Attentate schufen immer Repressalien, und Repressalien schufen neue Attentate. Ich hoffe, nicht mißverstanden zu werden, und es ist nicht zynisch gemeint, wenn ich folgendes sage: Ich als Propagandist betrachtete zum Beispiel den Mord an Heydrich als einen kleinen Erfolg, die von den Deutschen durchgeführte Zerstörung von Lidice aber als einen ganz großen Erfolg der Alliierten. Ich war also immer, und mußte sein, ein Gegner von Repressalien aller Art.


DR. FRITZ: Waren Ihnen denn die Repressalien bekannt? Wie haben Sie sie in Ihrer Propaganda behandelt?


FRITZSCHE: Das eben erwähnte Lidice habe ich erst nach Monaten erfahren, weil ich zu dieser Zeit an der Ostfront stand. Ich erfuhr, und das ist bezeichnend, nur die Zerstörung der Häuser von Lidice und die Vertreibung der Einwohner. Ich erfuhr erst hier im Gerichtssaal von der Tötung einzelner Einwohner. Von den Geiseln erfuhr ich die Einbehaltung, aber ich erfuhr nicht die Tötung. Die Tötung von Geiseln wurde auch immer nur in den besetzten Gebieten veröffentlicht; und wenn einmal irgendwo Erschießungen vorkamen, dann wurde mir berichtet, es seien zum Tode verurteilte Attentäter oder Verschwörer. Auch der »Nacht-und-Nebel«-Erlaß war mir unbekannt, dagegen erfuhr ich häufig von Geldstrafen, die Städten oder Landschaften auferlegt wurden. In unserer Propaganda haben wir immer auf die Anlässe solcher Repressalien hingewiesen.


[177] DR. FRITZ: Und wie haben Sie die Arbeit der deutschen Verwaltungen in Ihrer Propaganda geschildert?


FRITZSCHE: Ich habe immer hingewiesen auf die Aufbauarbeit, die trotz aller Schwierigkeiten und trotz aller Widerstände in den verschiedenen besetzten Gebieten geleistet wurde, vor allem und weit an der Spitze die Arbeit zur Intensivierung der Landwirtschaft, dann die Erhöhung der industriellen Produktion, dann habe ich hinweisen lassen auf die Versorgung besetzter Gebiete mit Lebensmitteln, oft, wie ich ausdrücklich betonen möchte, aus knappen deutschen Beständen. Ich habe berichten lassen von der Schaffung von Schulen, und ich habe zum Teil sehr eindrucksvolle Berichte bekommen und verarbeiten lassen, zum Beispiel über die Versorgung von Städten, wie beispielsweise von Paris, trotz der Attentate, die von feindlicher Seite gegen Eisenbahnlinien oder sonstige Möglichkeiten dieser Versorgung unternommen wurden. Solche Meldungen ließ ich sammeln in ständigen Rubriken, ließ Vorträge und ganze Vortragsreihen halten; es gab ja sehr viele solcher Meldungen. Auch das muß ich betonen, es hat meines Wissens in keinem deutschbesetzen Gebiet eine Säuglingssterblichkeit von 80 Prozent gegeben; in keinem Falle gab es brachliegende Äcker; und es entspricht einfach nicht den Tatsachen, wenn hier einmal von der Anklage behauptet worden ist, in einem Moment allerdings der Erregung, Deutschland und die Deutschen hätten satt und glücklich gelebt in diesem Krieg, während die besetzten Gebiete gehungert hätten. Das ist nicht wahr.


DR. FRITZ: Was war Ihnen über Mißstände in besetzten Gebieten bekannt?


FRITZSCHE: Vor allem die mangelnde Heranziehung der Bevölkerung zur eigenen Verwaltung und das Fehlen entscheidender politischer Konzessionen in den Ländern, die sich selbst verwalteten. Ich habe unmittelbar nach dem Frankreichfeldzug von mir aus immer wieder die Forderung nach Aufstellung einer Magna Charta Europensis gemacht, einer Aufstellung der Grundrechte der europäischen Völker. Manches Memorandum ist hierüber von mir angefertigt worden, von Dr. Goebbels aufgenommen, zu Hitler gebracht worden, und als ich im Herbst 1942 mich entschloß, in das Propagandaministerium zurückzukehren, war eines der Versprechen, die mir Dr. Goebbels gab, auch das Versprechen, daß endlich nunmehr diese Magna Charta Europensis verkündet werden würde.


DR. FRITZ: Herr Präsident! Ich möchte bei dieser Gelegenheit aus dem Dokument Fritzsche-Exhibit Nummer 2, aus Affidavit Scharping, eine dritte Stelle zitieren, von Seite 13 des Affidavits; ich zitiere:

[178] »Nach der Besetzung verschiedener europäischer Länder hat Fritzsche für die Nachrichtengebung Richtlinien etwa in dem Sinne herausgegeben, daß die Völker Europas auf einer gleichberechtigten Grundlage mit Deutschland sich zu einem Staatsbund zusammenschließen sollten. Er trug mir auf, in diesem Sinne die Vortragsreihen auszuarbeiten, bei denen dieser Gesichtspunkt die entscheidende Rolle spielen sollte und der zugleich den Ressorts Anregungen für einen gesunden Aufbau in den besetzten Gebieten geben sollte.«


[Zum Zeugen gewandt:]


Kannten Sie das, was über die Tätigkeit der Polizei in den besetzten Gebieten hier von der Anklage geschildert wurde?

FRITZSCHE: Nein.

DR. FRITZ: Bei dieser Gelegenheit eine Zwischenfrage: Ich habe den Zeugen Paulus schon gefragt nach Ihrem Verhalten, nachdem Sie von dem Kommissarbefehl Kenntnis erhalten haben. Wie steht es damit?


FRITZSCHE: Den Befehl zur Erschießung gefangengenommener Sowjetkommissare lernte ich kennen Anfang Mai 1942, als ich zur 6. Armee kam. Ich habe sofort dagegen Stellung genommen. Ob er durchgeführt wurde oder nicht, das weiß ich nicht. Hier hat Feldmarschall Paulus zweifellos recht, wenn er erklärte, daß er die Durchführung dieses Befehls im Bereich seiner Armee schon vorher verhindert hatte. Ich jedenfalls machte es mir zur Aufgabe, den Befehl als solchen aufheben zu lassen, und ich habe dies auch erreicht, indem von der 6. Armee aus auf meinen Rat bestimmte Eingaben an das Oberkommando der Wehrmacht oder an den Führungsstab gemacht wurden. Ich bin im übrigen der Überzeugung, daß viele Armeeführer genau so handelten wie der Armeeführer der 6. Armee und diesen Erlaß eben nicht durchführten, aber er wurde daraufhin wenigstens ausdrücklich aufgehoben.


DR. FRITZ: Die Staatsanwaltschaft zitiert zwei Absätze Ihrer Rundfunkrede vom 5. Juli 1941.

Herr Präsident! Das ist im englischen Protokoll Hauptmann Sprecher, Seite 32 bis 33.


[Zum Zeugen gewandt:]


Die Staatsanwaltschaft folgert aus diesem Zitat, daß Sie aufgehetzt hätten zu rücksichtslosen Maßnahmen gegen die Bevölkerung der Sowjetunion. Sie hätten die Völker der Sowjetunion verleumdet.

VORSITZENDER: Wir können es hier nicht finden. Welche PS-Nummer ist es?

DR. FRITZ: Das ist im Protokoll, Herr Präsident.


[179] VORSITZENDER: Wir haben das Protokoll nicht hier. Wir haben das Dokumentenbuch; es ist nicht 33 Seiten stark, sondern es enthält nur 32 oder 31 Seiten und ein Stückchen.


DR. FRITZ: Ich kann die Exhibit-Nummer angeben, das ist 3064-PS, US-723, und...

VORSITZENDER: Es ist Seite 14 in unserem Dokumentenbuch. Sie haben gesagt 5. Juli?


DR. FRITZ: 5. Juli 1941.


VORSITZENDER: Ich habe hier den 7. und 10. Juli, aber nicht den 5. Juli. Welche Seite ist es in den stenographischen Aufzeichnungen? Wissen Sie das?


DR. FRITZ: Im englischen Text Seite 32 und 33. Ich habe das englische Protokoll hier.


VORSITZENDER: Dann lesen Sie es am besten vor.


DR. FRITZ: Das Zitat aus der Anklagerede Hauptmann Sprechers lautet:

»Wie aus Briefen von der Front, von P.K.-Berichterstattern« – P. K. sind Propaganda-Kompanien, die der deutschen Armee beigegeben wurden, wo immer sie vorging – »und von Soldaten auf Urlaub zur Genüge ersichtlich ist, steht in diesem Kampf im Osten kein politisches System gegen ein anderes, kämpft keine Weltanschauung gegen eine andere, sondern Kultur, Zivilisation und Menschenwürde haben sich gegen die teuflischen Prinzipien einer Unterwelt erhoben.«


FRITZSCHE: Ich möchte hier feststellen: Ich habe damit weder zu rücksichtslosen Maßnahmen gegen die Bevölkerung der Sowjetunion aufgehetzt, noch wollte ich die Völker der Sowjetunion verleumden. Ich verweise auf den Gesamtwortlaut der Ansprache vom 5. Juli. Ich möchte diesen Wortlaut nicht verlesen, bitte aber um die Erlaubnis, ganz kurz zusammenfassen zu dürfen.

DR. FRITZ: Herr Präsident! In meinem Dokumentenbuch Nummer I – ich weiß nicht, ob dem Hohen Gericht dieses schon vorliegt – habe ich die sämtlichen Rundfunkreden...


VORSITZENDER: Wir haben es nicht.


DR. FRITZ:... Rundfunkansprachen des Angeklagten Fritzsche, aus denen die Staatsanwaltschaft Stellen zitiert hat zu seiner Belastung, in vollem Wortlaut aufgenommen.


VORSITZENDER: Es ist mir eben übergeben worden. Auf welcher Seite ist es?


DR. FRITZ: Das ist auf Seite 8 bis 13, die Rundfunkrede vom 5. Juli 1941.


[180] [Zum Zeugen gewandt:]


Wollen Sie fortfahren.

FRITZSCHE: Ich bitte um die Erlaubnis, den Inhalt ganz kurz zusammenfassen zu dürfen.

Ich sprach von den Berichten, die die deutsche Öffentlichkeit erhalten hatte, über das, was deutsche Soldaten gesehen haben bei ihrem Vormarsch in der Sowjetunion, vor allem über Gefangene in den Gefängnissen verschiedener Städte. Ich schilderte diese Dinge nicht noch einmal, sondern erinnerte nur an die damals ausgegebenen Berichte. Daraus zog ich die Folgerung: Man sehe nun ein, wie notwendig der Kampf gegen ein System sei, unter dem solche Greueltaten möglich seien. Für die Völker der Sowjetunion gebrauchte ich sogar ausdrücklich Worte des Mitgefühls und der Sympathie.


DR. FRITZ: In demselben Zusammenhang und mit derselben Tendenz zitierte die Anklage dann einen Satz aus einem Absatz Ihrer Rundfunkansprache vom 10. Juli 1941.

Herr Präsident! Das ist in dem Dokumentenbuch Nummer I die Rede vom 10. Juli 1941, ebenfalls im vollen Wortlaut auf den Seiten 14 bis 19.


[Zum Zeugen gewandt:]


Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?

FRITZSCHE: In diesem Zitat, ja, in dieser ganzen Ansprache wird das noch deutlicher, als ich eben sagte. Ich verwies noch einmal auf die eben schon erwähnten Berichte, ich verwies auch auf die Schilderung von Auslandskorrespondenten, und dann teilte ich hierzu ganz offen die Stellungnahme Moskaus zu diesen Ereignissen mit und sagte ganz ehrlich: »Radio Moskau gibt an, daß diese Greueltaten Tatsachen sind, aber es behauptet, diese Greueltaten wären nicht begangen worden von Russen, sondern von Deutschen.« Gegenüber dieser Stellungnahme Moskaus trat ich sozusagen eine Flucht in die Öffentlichkeit an. Ich rief die Millionen von deutschen Soldaten zu Zeugen an, ich rief als Zeugen ihre Frauen, ihre Väter und Mütter, ich rief in feierlicher Form als Zeugen an die Bewohner der besetzten Gebiete, in denen damals Deutsche die Macht hatten und in denen sie, wie ich sagte, nur den moralischen Gesetzen der eigenen Brust unterworfen waren. Dann zog ich die Schlußfolgerung: Diese deutschen Soldaten können gar nicht die Grausamkeiten begangen haben, die da von Berlin und Moskau gleichermaßen geschildert wurden. Der Ankläger behauptete, diese Versuche, deutsche Greueltaten den Russen in die Schuhe zu schieben, seien lächerlich. Ich empfinde dieses nicht als lächerlich, ich empfinde sie als tragisch. Sie zeigen in voller Klarheit nach meiner Auffassung die ganze Ehrlichkeit und Ehrenhaftigkeit der gesamten deutschen Kriegführung, und ich glaube auch heute noch, daß Mord und Gewalttaten und Sonderkommandos nur wie ein Fremdkörper, nur [181] wie ein Geschwür an dem moralisch gesunden Körper des deutschen Volkes und seiner Wehrmacht hafteten.

DR. FRITZ: Die Anklage zitiert schließlich eine Stelle aus Ihrer Ansprache vom 9. Oktober 1941, aus der auch an anderer Stelle ein anderes Zitat gebracht wurde.

Herr Präsident! Im Dokumentenbuch Fritzsche Nummer I ist diese Rede in vollem Wortlaut enthalten auf den Seiten 20 bis 25, und die Zitate der Staatsanwaltschaft sind zusammengefaßt in einem Dokument, in dem Dokumentenbuch Fritzsche der Staatsanwaltschaft. Ich glaube, daß das Hohe Gericht das leicht vergleichen kann.


[Zum Zeugen gewandt:]


Die Anklage folgert aus diesem Zitat, daß Sie begeisternd von der Politik der Nazi-Verschwörer gesprochen hätten bei der rücksichtslosen Ausbeutung der besetzten Gebiete. Was haben Sie dazu zu sagen?

FRITZSCHE: Von irgendeiner Rücksichtslosigkeit ist keine Rede, weder in dem Zitat, das die Anklage brachte, noch auch in dem übrigen Wortlaut der Ansprache vom 9. Oktober 1941. Ich verweise auf mein Affidavit 3469-PS, Paragraph 39, einen Paragraphen, den die Anklage ja auch selbst in fairer Weise zitierte in diesem Zusammenhang. Darüber hinaus darf ich wieder den Sinn meiner damaligen Ansprache ganz kurz zusammenfassen.

Es war die Zeit, in der deutsche Soldaten vom Schwarzen Meer bis zur Biskaya standen. Ich sprach von der Möglichkeit der Hebung der Schätze dieses riesigen Gebietes. Ich sagte, die Möglichkeiten dieses Kontinents sind so bedeutend, daß sie jeden Bedarf decken können für Krieg und für Frieden. Ich erklärte in diesem Zusammenhang, daß also eine Aushungerung durch Blockade, wie sie von 1914 bis 1918 versucht wurde, nicht mehr in Frage kommen könne. Ich sprach von den Möglichkeiten der Organisation Europas, die schon mitten im Kriege beginnen könne...


DR. FRITZ: Mitten im Kriege?


FRITZSCHE:... mitten im Kriege beginnen könne, und ich meinte damit die Organisation gleichberechtigter europäischer Nationen. Es steht außer allem Zweifel, daß ich damals nicht an rücksichtslose Ausbeutung der besetzten Gebiete dachte, sondern nur dachte an ihre politische und wirtschaftliche Gewinnung nach dem Vorübergehen des Kriegsgewitters.


DR. FRITZ: Herr Präsident! Ich komme jetzt zu einem anderen Thema, es wird vielleicht eine angenehme Zeit zur Unterbrechung sein.


VORSITZENDER: Ja.


[182] DR. THOMA: Herr Präsident! Ich bitte, meinen Klienten Rosenberg von jetzt ab zu beurlauben, weil ich mit ihm sprechen möchte, von jetzt ab, für den heutigen Tag.


VORSITZENDER: Ja, gewiß.


[Pause von 10 Minuten.]


DR. FRITZ: [zum Zeugen gewandt] Was wußten Sie vom Abtransport der Juden aus den besetzten Gebieten?

FRITZSCHE: Von dem Gesamtabtransport wußte ich nichts; dagegen hörte ich von der Inhaftierung von einzelnen Personen, Juden und Nichtjuden.


DR. FRITZ: Was wußten Sie von dem hier behandelten Thema Sklavenarbeit.


FRITZSCHE: Ich wußte, daß Millionen ausländischer Arbeiter im Reich tätig waren. Ich hielt sie nicht für Sklaven, denn ich sah sie ja täglich frei auf den Straßen aller Städte.


DR. FRITZ: Was wußten Sie von ihrer Behandlung, Verpflegung und Bezahlung?


FRITZSCHE: Mitteilungen darüber erhielt ich oder erhielten meine Mitarbeiter von den Dienststellen Sauckels und der Deutschen Arbeitsfront. Aus ihnen ist mir unter anderem erinnerlich die Angabe, daß die ausländischen Arbeiter in jeglicher Hinsicht den deutschen Arbeitern gleichgestellt waren. Weiter erinnere ich mich von damals her der Mitteilung, daß die anfängliche Schlechterstellung von Ostarbeitern beseitigt worden sei. Ich erhielt manche Hörerzuschriften mit Klagen darüber, daß Ausländer angeblich bessergestellt wären als deutsche Arbeiter, und ich erinnere mich da des Hinweises, daß die ausländischen Arbeiter Geld in Devisen nach Hause schicken durften. Ich habe auch oft mit ausländischen Arbeitern gesprochen. Ich habe keine besonderen Klagen gehört. Dagegen habe ich schon berufsmäßig im Propagandaministerium sehr viel gehört von der Betreuung der ausländischen Arbeiter selbst auf kulturellem Gebiet. Es wurde oft von Sauckel oder der Deutschen Arbeitsfront – das weiß ich nicht mehr – an mich herangetreten mit der Bitte um Veranstaltung von Rundfunksendungen für diese oder jene Gruppe ausländischer Arbeiter, herangetreten auch mit der Bitte um Überlassung von Rundfunkempfangsgeräten für Lager ausländischer Arbeiter und ähnliches.


DR. FRITZ: Wußten Sie, daß die meisten nicht freiwillig gekommen waren?

FRITZSCHE: Gerade das wußte ich nicht. Hier im Prozeß wurde erwähnt, daß Sauckel in irgendeiner Sitzung einmal selbst [183] eine Angabe darüber machte, daß nur ein geringer Prozentsatz freiwillig gekommen war, und das war mir unbekannt.

Ich habe folgende Klagen gehört: Erstens, daß übertriebene Versprechungen bei Anwerbung ausländischer Arbeiter gemacht worden wären, Versprechungen, die dann nachher nicht gehalten werden konnten. Hiergegen habe ich auch im Interesse meiner Propaganda Bedenken erheben lassen, als ich das erfuhr bei der Abteilung Propaganda meines Ministeriums. Und dann erinnere ich mich, Klagen aus Polen gehört zu haben, und zwar darüber, daß polnische Arbeiter von den einzelnen Unternehmern oder Dienststellen gegenseitig wegengagiert wurden.


DR. FRITZ: Sauckel hat ausgesagt, daß er in dieser Hinsicht zusammenarbeitete mit dem Propagandaministerium und daß er dort mehrfach Besprechungen hatte. Nahmen Sie an solchen Besprechungen teil?


FRITZSCHE: Nein, an solchen Besprechungen habe ich nicht teilgenommen. Ich glaubte, Sauckel selbst hier kennengelernt zu haben. Er erinnerte mich an eine Begegnung im Frühjahr 1945 bei Dr. Goebbels gelegentlich einer Abendeinladung.


DR. FRITZ: Hatten Sie etwas zu tun mit der Propaganda zur Anwerbung ausländischer Arbeiter in den besetzten Gebieten?


FRITZSCHE: Nein.


DR. FRITZ: Was hatten Sie überhaupt mit der Propaganda zu tun, die in den besetzten Gebieten betrieben wurde?


FRITZSCHE: Diese Propaganda in den besetzten Gebieten unterstand mir nicht, auch nicht in dem Teilsektor der Presse oder des Rundfunks. Diese Propaganda unterstand dem jeweiligen Reichskommissar, Gouverneur oder Militärbefehlshaber. Allerdings habe ich Einfluß genommen auf diese Propaganda in diesen besetzten Gebieten, und zwar zwei, drei, viermal, dann wenn diese Propaganda in den besetzten Gebieten sich in Widerspruch setzte zu den im Reich geltenden Richtlinien. Das merkte ich dann gewöhnlich im Auslandsecho. Ich erinnere mich eines Falles, der besonderes Aufsehen erregt hatte. Beim deutschen Radio in Paris hat ein gewisser Friedrich Angriffe gegen den Papst gerichtet. Diesen Friedrich ließ ich ablösen. So weit ging meine Einflußmöglichkeit. Dr. Goebbels nahm wesentlich mehr Einfluß auf die Propaganda der besetzten Gebiete, und zwar auf dem Wege über seine Abteilung Ausland oder seine Abteilung »Auslandspresse« oder auch auf dem Wege über seinen Verbindungsoffizier zum OKW.

DR. FRITZ: Haben Sie keinerlei Rundfunksendungen in den besetzten Gebieten betrieben?


FRITZSCHE: Doch, und zwar zwei Arten. Ein Beispiel für die erste Art ist folgendes: Auch wenn in der Zeit der Besetzung Radio [184] Paris unter deutschem Einfluß stand, habe ich trotzdem die alte deutsche Sendung in französischer Sprache über Radio Stuttgart aufrechterhalten. Ich wollte ganz klar zum Ausdruck bringen, die Besetzung ist ein vorübergehender Zustand, ein anormaler Zustand. Was unter der Wirkung der Besetzung geschieht, hat nichts zu tun mit dem Teil, sagen wir des deutsch-französischen Gespräches, das von den beiden Mutterländern ausgeführt wird.

Das zweite Beispiel ist folgendes: Ich habe deutsche Sendungen in spanischer und portugiesischer Sprache laufen lassen über drei südfranzösische Sender, weil die besser hörbar waren auf der Pyrenäen-Halbinsel. Die Grundlage hierfür war ein Vertrag mit diesen Sendern, die Zahlung einer normalen Sendegebühr. Die Verhandlungen für diesen Vertrag ließ ich durch das Auswärtige Amt führen.


DR. FRITZ: Ich komme nun zu einem anderen Thema:

Es wird Ihnen vorgeworfen, daß Sie antisemitische Äußerungen getan haben. Waren Sie Antisemit, und in welcher Farm haben Sie sich in der antisemitischen Propaganda betätigt?


FRITZSCHE: Ich war kein Antisemit im Sinne des Radau-Antisemitismus. Die Anklage hat behauptet, alle Angeklagten, also auch ich, hätten gerufen: »Deutschland erwache, Juda verrecke.«

Ich erkläre unter meinem Eid: Niemals habe ich einen solchen oder auch nur ähnlichen Ruf ausgestoßen. Ich war auch kein Antisemit im Sinne der radikalen Theorien oder Methoden von Theodor Fritsch bis Julius Streicher. Die Anklage sagte, selbst der Angeklagte Streicher, der Hauptjudenhetzer aller Zeiten, hätte kaum Fritzsche übertreffen können in Bezug auf Verleumdungen gegen die Juden. Hiergegen protestiere ich, das glaube ich nicht verdient zu haben. Niemals habe ich Propaganda getrieben mit Ritualmorden, mit Kabala oder mit den sogenannten Geheimnissen der Weisen von Zion, die ich zu jeder Zeit meines Lebens für Machwerke einer primitiven Agitation gehalten habe. Aus menschlichen Gründen tut es mir leid, eine weitere Aussage machen zu müssen; aber ich kann sie im Interesse der Wahrheit nicht verschweigen!

Ich und meine Mitarbeiter in Presse und Rundfunk haben wohl ohne Ausnahme den »Stürmer« radikal abgelehnt. Ich selbst habe ihn in 13 Jahren einer regelmäßigen Presseübersicht im Rundfunk nie zitiert. Er wurde auch sonst in der deutschen Presse nicht zitiert. Schon die Schriftleiter gehörten zu meiner Zeit der Berufsorganisation der deutschen Presse nicht an. Sein Verleger gehörte zu meiner Zeit nicht der Verlegerorganisation an. Wie das später wurde, weiß ich nicht. Ich habe, wie schon im Affidavit erklärt, zweimal versucht, den »Stürmer« zu verbieten. Es ist mir nicht gelungen. Man bot mir dann die Zensur des »Stürmer« an. Ich [185] lehnte sie ab. Ich wollte den »Stürmer« verbieten, nicht nur, weil der einfache wörtliche Abdruck einer Seite des »Stürmer« die wirkungsvollste antideutsche Propaganda war, die es jemals gegeben hat, ich wollte den »Stürmer« verbieten einfach aus Gründen des guten Geschmacks. Ich wollte ihn verbieten als eine Quelle des Radikalismus, gegen den ich auf allen Gebieten kämpfte, und das große Geheimnis der in diesem Saal erwähnten plötzlichen Steigerung der Auflage des »Stürmer« nach 1933 auf eine halbe Million liegt auf demselben Gebiet, auf dem auch das Geheimnis des plötzlichen Anschwellens solcher Organisationen wie der SA etwa liegt.

Die Partei hatte 1933 den Zuzug neuer Mitglieder gesperrt, und unendlich viele Menschen suchten nun Anschluß. Wenn sie ihn nicht an die Partei direkt finden konnten, dann war es irgendeine Untergliederung, etwa wie die SA, oder sie suchten sich als verwandt mit nationalsozialistischen Ideen auszuweisen durch ein Abonnement des »Stürmer« und dessen Aushang. In diesem Sinne also war ich nicht Antisemit.

Dagegen war ich Antisemit in folgendem Sinne:

Ich wünschte eine Einschränkung des überragenden Einflusses des Judentums auf die deutsche Politik, Wirtschaft und Kultur nach dem ersten Weltkrieg, eine Einschränkung bis auf das Maß, das dem zahlenmäßigen Anteil der Juden an der Bevölkerung Deutschlands entsprach.

Ich habe diese Stellungnahme wohl mitunter auch öffentlich erwähnt, aber ich habe keine umfangreiche oder systematische Propaganda getrieben. Die antisemitischen Äußerungen, die die Anklage mir vorgehalten hat, haben einen anderen Zusammenhang. Es ist die folgende Tatsache: Ich habe nach dem Ausbruch des Krieges oft auf die Tatsache hingewiesen, daß jüdische Emigranten gleich nach 1933 als erstes betont hätten, ein Krieg gegen das nationalsozialistische Deutschland sei notwendig, zum Beispiel Emil Ludwig oder Georg Bernhard oder das »Pariser Tagblatt«. Dies ist, soweit ich mich erinnere, der einzige Zusammenhang, in welchem ich überhaupt antisemitische Äußerungen tat. Ich kann dies nicht sagen, ohne darum zu bitten, noch eines betonen zu dürfen: Ich habe erst in diesem Prozeß erfahren, daß es im Herbst 1939 um mehr ging als um eine Stadt und um eine Straße durch den Korridor, daß in Wahrheit schon eine neue Teilung Polens wenigstens vorbereitet war, und ich habe auch erst hier im Prozeß erfahren, daß Hitler die jüdischen Warnungen vor ihm durch einen Mordbefehl in furchtbarer Weise bestätigte. Wenn ich diese beiden Dinge damals gewußt hätte, dann hätte ich die Rolle der jüdischen Propaganda vor Kriegsausbruch anders geschildert.


DR. FRITZ: Herr Präsident! In diesem Zusammenhang verweise ich auf das bereits überreichte Fritzsche-Exhibit Nummer 2, [186] Affidavit von Dr. Scharping, auf die Seiten 9 bis 11. Es ist enthalten in meinem Dokumentenbuch Nummer II. Ich weiß nicht, ob dem Hohen Gericht dieses schon vorliegt.


VORSITZENDER: Ja, Dr. Fritz.


DR. FRITZ: Seite 9 bis 11. Ich verweise auf den Inhalt.


[Zum Zeugen gewandt:]


Die Anklage zitierte eine Stelle aus einem Buch von Müller über das Propagandaministerium. Darnach hatte dieses Ministerium unter anderem die Aufgabe der Aufklärung über die Judenfrage. Nach der Schilderung der Anklage sah es so aus, als ob Sie diese Aufgabe gehabt hätten. Ist das richtig?

FRITZSCHE: Nein. Das Referat »Judentum« war ein Glied der Abteilung »Propaganda«, die im Gegensatz zu den Fachabteilungen oder den Verwaltungsabteilungen die sogenannte Aktivpropaganda betrieb. Ich habe diese Abteilung »Propaganda« niemals geleitet.

DR. FRITZ: Eine Zwischenfrage: Der Angeklagte Streicher hat am 29. April ausgesagt, daß das Propagandaministerium eine nationalsozialistische Korrespondenz herausgab, die auch dem »Stürmer« zuging und die in jeder Nummer mehrere antisemitische Aufsätze gebracht hätte. Stimmt das?


FRITZSCHE: Nein. Die nationalsozialistische Korrespondenz wurde nicht vom Propagandaministerium, sondern von der Reichspressestelle der NSDAP herausgegeben. Ich hatte aber nicht den Eindruck, als ob die eigentümliche Richtung des »Stürmer« durch Aufsätze der nationalsozialistischen Korrespondenz charakterisiert wäre. Allerdings kann der »Stürmer« den einen oder anderen Aufsatz der NSK gebracht haben.


DR. FRITZ: Die Anklage hat eine Stelle Ihres Rundfunkvortrags vom 18. Dezember 1941 zitiert. Diese Rede ist in meinem Dokumentenbuch Nummer I, auf den Seiten 26 bis 32 im vollen Wortlaut enthalten. Sie sagen an dieser Stelle, daß das Schicksal des Judentums in Europa unangenehm ausgefallen sei und daß dieses Schicksal sich möglicherweise auch auf die Neue Welt ausdehnen würde. Die Anklage vertritt die Ansicht, daß dies eine Ankündigung weiterer Taten in der Judenverfolgung sei. Was haben Sie dazu zu sagen?


FRITZSCHE: Ich sprach in diesem Zitat von dem unangenehmen Schicksal des Judentums in Europa. Nach dem, was wir heute wissen, muß das natürlich so aussehen, als ob ich den Mord an den Juden gemeint hätte. Aber ich erkläre dazu:

Den Mord kannte ich damals nicht; ihn konnte ich also nicht meinen. Ich meinte nicht einmal die eine Evakuierung, denn auch sie wurde, wenigstens in Berlin, erst über ein Jahr später oder ein [187] bis zwei Jahre später, durchgeführt. Ich meinte lediglich die Ausschaltung der Juden aus Politik und Wirtschaft. Darauf deutet auch der Ausdruck »unangenehm« hin, der sonst unerklärlich wäre in seiner Leichtigkeit. Nun die Frage, warum ich von den Juden in Amerika sprach in diesem Zusammenhang: Der von der Anklage zitierte Satz ist unlösbar verbunden mit der unmittelbar vorhergehenden Mitteilung, daß ein jüdischer Nationalrat dem Präsidenten Roosevelt Wunsche zum Kriegseintritt übersandt habe. Nicht einmal diese nunmehr vielleicht verständliche Gedankenverbindung brachte ich etwa ohne Grund. Der größte Teil des fraglichen Vortrags, etwa neun Zehntel, handelt von der Untersuchungskommission, die in den USA eingesetzt wurde zur Untersuchung der Ursachen von Pearl Harbor.


VORSITZENDER: Das sind aber viele Seiten.


DR. FRITZ: Dokumentenbuch I, Herr Präsident, Seiten 26 bis 32.


VORSITZENDER: Ja, ich wollte vor allem wissen, ob wir auf Seite 31 sind.


DR. FRITZ: Er bezieht sich an sich bei seinen jetzigen Ausführungen auf den gesamten Inhalt der Rede. Von der Staatsanwaltschaft war zitiert nur der allerletzte Absatz der Rede.

Bitte, fahren Sie fort, Herr Fritzsche.


FRITZSCHE: Ich riet polemisch in dieser Ansprache, nicht nur zu untersuchen, ob die Wachen der amerikanischen Marine vielleicht unaufmerksam gewesen wären, ich gab den Rat, auch nachzuprüfen in der amerikanischen Politik, ob nicht etwa jemand ein Interesse gehabt hätte am Ausbruch des Krieges, und ich erinnerte hier daran, daß eine Untersuchungskommission des amerikanischen Senats 20 Jahre nach dem ersten Weltkrieg die Gründe des Eintritts der USA in den Krieg 1917 untersucht hätte. Ich sagte wörtlich: »Diese Senatskommission erwies, daß Wilson wissentlich bei seinem Eintritt in den Krieg das Opfer einiger Kriegshetzer war.« Ich beklagte...


VORSITZENDER: Die amerikanische Untersuchungskommission über die Gründe des Eintritts in den letzten Krieg? Greift er nicht zu weit zurück?


DR. FRITZ: Herr Präsident! Ich glaube, der Angeklagte kann abbrechen. Aber er wollte damit nur dartun, daß dieses Zitat des letzten Absatzes, der von der Anklagebehörde zu seiner Belastung zitiert worden ist, aus dem Zusammenhang gerissen ist, und das ist alles.


[Zum Zeugen gewandt:]


Als zweites Zitat hat die Anklagebehörde eine Stelle aus Ihrer Rundfunkansprache vom 18. März 1941 gebracht. Die Anklage meint, dies sei auch eine Aufforderung zur Judenverfolgung. [188] Außerdem sagt sie, dies sei ein Beweis Ihrer Propaganda für den Begriff »Herrenrasse«.

Herr Präsident! Diese Rede vom 18. März 1941 befindet sich in meinem Dokumentenbuch Nummer I, auf den Seiten 2 bis 7.


[Zum Zeugen gewandt:]


Die Anklagebehörde hat aus dieser Rede nur einen Absatz zitiert. Was sagen Sie dazu?

FRITZSCHE: Ich bitte, das Zitat selbst nur genau zu lesen. Ich will es nicht vorlesen. Dann wird sich ergeben, daß ich ausdrücklich Herrn Roosevelt zustimme, als er erklärte, es gäbe keine Herrenrasse. Ich habe die Richtigkeit dieses Satzes gebilligt, nicht nur gegenüber dem Deutschtum, sondern auch gegenüber dem Judentum. Die Staatsanwaltschaft folgerte aus diesem Satz, er sei eine Begründung für vergangene Taten in der Judenverfolgung und eine Ankündigung, daß noch mehr kommen sollte. Ich verstehe diese Folgerung nicht, sie ist durch nichts begründet.

VORSITZENDER: In unserem Exemplar ist kein Datum oben auf Seite 2 Ihres ersten Bandes... Ja, ich sehe, es ist im Inhaltsverzeichnis. Auf welcher Seite befindet sich die Stelle, die die Anklagevertretung zitiert hat?


DR. FRITZ: Auf Seite 5 unten, Ziffer 5, Herr Präsident.


VORSITZENDER: Ja. Sehr gut.


DR. FRITZ: Es beginnt mit den Worten:

»Aber die Krone...« und so weiter, das ist das Zitat der Anklagebehörde.


[Zum Zeugen gewandt:]


Als drittes Zitat hat die Anklage eine Stelle Ihrer Ansprache vom 9. Oktober 1941 gebracht.

Herr Präsident! Das ist im Dokumentenbuch I auf Seite 20 bis 25, die gesamte Rede.


[Zum Zeugen gewandt:]


Die Anklagebehörde hat auch aus dieser Rede nur einen Absatz zitiert. In diesem Absatz sprechen Sie, Herr Fritzsche, von einer neuen Welle der internationalen jüdisch-demokratisch-bolschewistischen Hetze. Was sagen Sie dazu?

FRITZSCHE: Ich habe nur wenig dazu zu sagen. Diese Ansprache wurde in jenen Tagen des Herbstes 1941 gehalten, in denen der Reichspressechef verkündet hatte, der deutsche Sieg im Osten sei entschieden. Ich hatte die gesamte deutsche Presse gewarnt vor der uneingeschränkten Übernahme dieser Parole. Ich glaubte nicht an diese angeblich schon gefallene Entscheidung. Ich schlug allen deutschen Zeitungen vor, von einer längeren Kriegsdauer zu sprechen.

[189] In dieser Ansprache nun wollte ich ebenfalls die Wirkung der offiziellen Siegesbotschaft abschwächen; darum nannte ich in dieser Ansprache wohl zum erstenmal in Deutschland die drei Faktoren, die dann später tatsächlich den Kampf im Osten gegen Deutschland entschieden haben. Erstens die Partisanen, zweitens die internationale Waffenhilfe und drittens die Propaganda. Diesen letzteren Teil allein hat die Anklage zitiert. Er entspricht, wie ich schon länger ausgeführt habe, meinen damaligen Kenntnissen und Anschauungen.


DR. FRITZ: Als nächstes Zitat hat die Anklage eine Stelle aus Ihrer Ansprache vom 8. Januar 1944 gebracht.

Die vollständige Rede, Herr Vorsitzender, ist die siebente Rede in meinem Dokumentenbuch I, auf den Seiten 40 bis 45.


[Zum Zeugen gewandt:]


In ihr sagen Sie, daß nicht eine neue Regierungsform oder eine Form des Sozialismus den Krieg ausgelöst hätte, sondern die Hetze von Juden und Plutokraten. Wie kamen Sie dazu, dies zu sagen?

FRITZSCHE: Ich verweise zur Begründung auch hier vor allem auf das, was ich bereits gesagt habe und darf darüber hinaus betonen, ich habe auch diese scharfe Anklage nicht einfach erhoben sozusagen aus heiterem Himmel oder etwa nur, weil ich hätte hetzen wollen, das beweist der Zusammenhang.

Wenn es mir gestattet ist, darf ich in diesem Fall den Zusammenhang vielleicht kurz darlegen. Das Thema der fraglichen Ansprache waren die damaligen Meinungsverschiedenheiten zwischen der polnischen Emigrantenregierung in Moskau... nein, in London und der Sowjetregierung in Moskau. Es ging um irgendwelche territorialen Forderungen. Ich zitiere da wörtlich die Londoner »Times«. Diese schrieb, die verlangte Abtretung polnischer Gebiete an Rußland sei doch nur ein kleiner und bescheidener Preis für die absolute und zuverlässige Garantie Polens durch die Sowjetunion. Diese Äußerung der Londoner »Times« benutzte ich, ich muß sagen, selbstverständlich zu einer polemischen Feststellung, indem ich nämlich sagte: »Ja, wenn die ›Times‹ es auch so geschrieben hätte im August 1939, als ob es nur um eine Stadt oder eine Straße ging, dann wäre es gar nicht zum Krieg gekommen« und so weiter.

Ich darf bei dieser Gelegenheit nur feststellen, alle diese Zitate bringen fast ausschließlich nur die Kombination der Begriffe Juden, Plutokraten, Bolschewisten, also hier war nicht etwa die Rassenfrage primär, sondern primär war der ideologische Kampf, wie er sich in diesem Krieg mir nun einmal darstellte.


DR. FRITZ: Als nächstes Ihrer Zitate brachte die Anklage einige Stellen Ihrer Ansprache vom 13. Januar 1945.

[190] Herr Präsident! Die vollständige Rede ist als ächte Rede im Dokumentenbuch I auf den Seiten 46 bis 51 zu finden. Die Anklagebehörde zitiert nur zwei Absätze, und zwar auf Seite 50 meines Dokumentenbuches, Absatz 2.


[Zum Zeugen gewandt:]


In diesen Zitaten sprechen Sie von einem jüdischen Einfluß auf die britische Politik. Wie kamen Sie zu solchen Behauptungen?

FRITZSCHE: Die Anklage hat aus diesem Zitat folgern zu dürfen geglaubt, daß es die Einleitung sei zu weiteren Verfolgungen der Juden und in der Tat zu ihrer Vernichtung. Diese Folgerung ist nicht begründet, weder im Wortlaut noch im Sinn, noch auch im Zusammenhang des Zitats.

Ich möchte in diesem Fall darauf verzichten, den Zusammenhang zu schildern, auch nicht in einer kurzen Zusammenfassung. Er ergibt sich aus der Lektüre der fraglichen Ansprache.

Jedenfalls kann ich nicht erkennen, wo hier eine Aufforderung zur Vernichtung der Juden gegeben sein soll.


DR. FRITZ: Ihnen ist im Rahmen der allgemeinen Verbrechen gegen die Humanität eine aufreizende Verunglimpfung der Juden vorgeworfen worden; ihr logisches Resultat seien weitere Ausschreitungen gewesen.

Ich muß Sie also nach dem Judenmord fragen. Kannten Sie den Befehl Hitlers, den hier der Zeuge Höß bekundete, nach welchem die Juden ermordet werden sollten?


FRITZSCHE: Ich erkläre unter meinem Eid, diesen Befehl kannte ich nicht. Wenn ich ihn gekannt hätte, hätte ich demjenigen, der ihn gab, nicht eine Stunde länger Gefolgschaft geleistet.

Ich behaupte darüber hinaus, daß dieser Befehl, wie überhaupt diese ganze Aktion offenbar mit einer besonderen Sorgfalt vor mir und meinen Mitarbeitern verheimlicht worden ist, weil ich dieser Aktion einmal beinahe auf der Spur gewesen bin.


DR. FRITZ: Haben Sie denn irgendwann einmal einen Hinweis bekommen auf die Tötung einer größeren Anzahl von unschuldigen Menschen?


FRITZSCHE: Ja. Im Februar oder März 1942 erhielt ich einen Brief eines mittleren SS-Führers aus der Ukraine. Den Namen weiß ich nicht mehr. Inhalt des Briefes: Der Schreiber sei Kommandeur einer SS-Einheit und habe den Befehl erhalten, Juden und die ukrainische Intelligenz seines Bezirkes zu töten. Er habe nach dem Erhalt dieses Befehls einen Nervenzusammenbruch erlitten und liege nun im Lazarett.

Eine Beschwerde auf dem Dienstweg erscheine ihm unmöglich; er kenne mich zwar nicht, aber habe Zutrauen zu mir; vielleicht [191] könne ich helfen. Er bitte, nicht seinen Namen zu nennen, da er mit dem Leben für Verschwiegenheit hafte.

Ich rief, eigentlich ohne eine längere Überlegung, nach dem Erhalt dieses Briefes sofort Heydrich an, den Obergruppenführer, der damals Leiter des Reichssicherheitshauptamtes oder der Gestapo war. Ich kannte ihn persönlich zwar kaum; aber er erklärte sich sofort bereit, mich zu empfangen. Ich war bei ihm und legte ihm schmucklos die Frage vor: Ist Ihre SS dazu da, Massenmorde zu begehen?

Heydrich zeigte sich äußerst empört und erklärte folgendes: Er habe kleinere oder größere SS-Kommandos zu Polizeibewachungszwecken abgegeben an verschiedene Minister, Reichskommissare und so weiter. Diese Kommandos seien schon mehrfach mißbraucht worden, vielleicht sei dasselbe der Fall mit dem Kommando, das dem Gauleiter Koch zur Verfügung gestellt worden sei; er werde sofort eine Untersuchung anstellen.

Am nächsten Mittag rief mich Heydrich, wie er sagte, aus dem Hauptquartier an und teilte mir mit, tatsächlich sei diese Aktion versucht worden, und zwar auf Befehl Kochs. Koch hätte sich seinerseits auf den Führer berufen, dieser habe aber noch nicht Stellung genommen; ich würde weiteres hören.

Zwei Tage später bat mich Heydrich um einen Besuch und sagte, Hitler habe strikt erklärt, einen solchen Befehl nicht gegeben zu haben. Koch behauptete nun ein Mißverständnis; eine Untersuchung gegen Koch sei eingeleitet. Jedenfalls erklärte mir Heydrich, die Aktion werde nicht durchgeführt. Ich erinnere mich besonders eines Satzes aus dieser Unterredung, nämlich der Erklärung Heydrichs: »Glauben Sie mir, Herr Fritzsche, wer im Rufe der Grausamkeit steht, der braucht nicht grausam zu sein, der darf menschlich handeln.«

Kurz darauf wurde ich Soldat, bat um Kommandierung zur 6. Armee und ging in die Ukraine.


DR. FRITZ: Haben Sie sich mit dieser Auskunft Heydrichs...


VORSITZENDER: Einen Augenblick. Ich habe den letzten Satz nicht verstanden. Heydrich sagte: »Glauben Sie mir, Herr Fritzsche...« und dann...


FRITZSCHE: Ich darf wiederholen: »Wer im Rufe der Grausamkeit steht, der braucht nicht grausam zu sein, der darf menschlich handeln.«


VORSITZENDER: Ja, und dann sagten Sie, daß Sie zur 6. Armee gegangen seien.


FRITZSCHE: Ich wurde kurz danach Soldat...


DR. FRITZ: Er hat dann angefügt, Herr Präsident, daß er kurz nach diesem Zusammentreffen mit Heydrich selbst – nämlich der [192] Angeklagte Fritzsche – Soldat geworden ist und ausdrücklich gebeten hat, zur 6. Armee, die damals in der Ukraine stand, kommandiert zu werden.


VORSITZENDER: Wann war das?


FRITZSCHE: Februar/März 1942.


DR. FRITZ: Haben Sie in der Ukraine, als Sie nun als Soldat dort waren, versucht, die Angaben Heydrichs auf ihre Richtigkeit hin nachzuprüfen?


FRITZSCHE: Ich hatte dazu keinerlei amtliche Befugnis; aber ich habe als alter Journalist selbstverständlich Nachprüfung auf eigene Faust angestellt.

Zunächst in Kiew bei der dortigen deutschen Rundfunkstelle. Ergebnis: Jawohl, es sind einige Erschießungen vorgekommen, und zwar nach der Sprengung einiger Häuserblocks in Kiew, wobei viele deutsche Soldaten ums Leben kamen; aber es waren Erschießungen nach standgerichtlicher Verurteilung.

Dann fuhr ich drei Tage kreuz und quer über Land zwischen Kiew und Poltawa. Meist ganz allein. Ich fand eine Bevölkerung im tiefsten Frieden; keinerlei Zeichen von Terror und wurde übrigens selbst sehr gut aufgenommen.

In Poltawa hielt ich dann Rücksprache bei Offizieren und Soldaten, da wurde mir auch wieder gesagt: Jawohl, einige Urteile von Kriegsgerichten; Grund: Sabotage.

Dann besuchte ich in Charkow selbst das dortige SS-Kommando und sprach mit dem dortigen Sturmführer Rexlach. Er stritt jede Erschießungsaktion ab. Er zeigte mir das Gefängnis, es waren etwa 50 Personen darin, nicht mehr. Ich fragte nach Lagern, er erklärte, es gäbe solche nicht.

Dann machte ich noch Besuche bei einer ukrainischen Familie; dann fragte ich einen deutschen Landwirtschaftsführer in Bjelgerod. Das Ergebnis war wieder wie immer: Erschießungsaktionen haben nicht stattgefunden.

Da allerdings nahm ich als sicher an, daß es eine versuchte Einzelaktion war, die nicht durchgeführt wurde.


DR. FRITZ: Hatten Sie nicht schon vor jenem Brief eines SS-Führers aus der Ukraine Verdacht geschöpft, vielleicht aus den Rundfunksendungen der Alliierten, die Ihnen ja doch zugänglich waren?


FRITZSCHE: Diese Rundfunksendungen waren mir zugänglich. Ich ließ Berichte über Greueltaten damals sogar besonders sammeln und ließ sie herausziehen aus den riesigen Paketen der täglichen Aufnahmen feindlicher Rundfunksendungen. Ich ließ diese Nachrichten dann nachprüfen.


[193] DR. FRITZ: Wer besorgte diese Nachprüfungen?


FRITZSCHE: Der zuständige Referent, der Oberregierungsrat Körber, Leiter des Referats »Schnelldienst« in der Presseabteilung, oder einer seiner Mitarbeiter, oder ich selbst.


DR. FRITZ: Bei wem wurde nachgeprüft?


FRITZSCHE: Es wurde nachgefragt beim Reichssicherheitshauptamt, weil da meistens in diesen Meldungen von der SS oder Gestapo als den Mördern bei solchen Greueltaten gesprochen wurde.


DR. FRITZ: Bei welcher der vielen Stellen dieses Amtes wurde nachgefragt?


FRITZSCHE: Es wurde nachgefragt bei den einzelnen Sachreferenten, und ich bin nicht im Zweifel darüber, daß auch nachgefragt wurde bei dem hier im Prozeß erwähnten Eichmann. Im übrigen wurde nachgefragt bei dem Sturmbannführer Spengler oder bei seinem Vertreter von Kielpinsky, beide Angehörige des Amtes, das damals oder später Ohlendorf übernahm, der auch als Zeuge erschien. Oft wurde auch angefragt bei den Außenstellen des Reichssicherheitshauptamtes, bei den sogenannten Staatspolizeileitstel len, dann, wenn es sich um Nachrichten aus einem bestimmten Bezirk handelte.


DR. FRITZ: Welche Antworten erhielten Sie dann?


FRITZSCHE: Wir erhielten immer die Antwort, die fragliche Nachricht sei entweder ganz falsch und frei erfunden, oder die Nachricht habe diesen oder jenen rechtmäßigen Hintergrund. Oft wurden Angaben von Zahlen und Details gemacht, die dann einfach entwaffnend wirkten.


DR. FRITZ: Gibt es hierüber Aufzeichnungen?


FRITZSCHE: Jawohl. Die wichtigeren unter diesen Fragen und Antworten wurden aufgeschrieben, zum Teil sogar vervielfältigt und verschiedenen Stellen innerhalb und außerhalb des Propagandaministeriums zugeleitet. Alles Material war gesammelt in dem Archiv »Schnelldienst«, das ich hier beantragte, das mir bewilligt wurde und das nicht gefunden wurde.


DR. FRITZ: Haben Sie diese Antworten dann einfach geglaubt?


FRITZSCHE: Ich habe sie geglaubt, denn es waren Auskünfte schließlich ja doch amtlicher Stellen, und außerdem hatte ich mehrfach erlebt, daß die Richtigkeit solcher Auskünfte von dieser Stelle auch drastisch erwiesen wurde.

DR. FRITZ: Wie meinen Sie das?


FRITZSCHE: Ich darf ein Beispiel nennen: Die erste Propagandaaktion des Krieges war die von Warschau ausgegangene Meldung der Zerstörung des Bildes der »Schwarzen Muttergottes von [194] Tschenstochau«. Die Nachricht nahm ihren Weg durch die Welt. Wir brachten deutsche und ausländische Journalisten nach Tschenstochau, die konnten sich davon überzeugen, daß die Nachricht nicht stimmte. Aber ich muß hier ganz ehrlich sein und sagen, daß ich auf diese Frage meines Verteidigers eigentlich ein anderes Beispiel nennen wollte, eine andere Nachricht, die in einer für mich ganz überraschenden Weise vor zwei, drei Tagen in diesem Gerichtssaal ein Nachspiel hatte. Die englische Zeitung »News Chronicle« hatte am 24. September 1939 die Nachricht gebracht, daß die deutschen...


VORSITZENDER: Was ist der Beweiswert des Artikels im »News Chronicle« vom Jahre 1939?


DR. FRITZ: Der Angeklagte will dem Gericht beweisen, daß er feststellen mußte, daß viele Meldungen des Auslandes über deutsche Greueltaten tatsächlich falsch waren, so daß er dann den amtlichen Stellen...


VORSITZENDER: Wir brauchen keine Einzelheiten hierüber. Zweifellos gab es häufig Berichte, die nicht genau waren. Wir wünschen nicht, daß Sie sich in Einzelheiten verlieren.


FRITZSCHE: Ich wollte nur an einer Nachricht nachweisen, wie damals irgend etwas dementiert wurde, was die Welt glaubte, und dann im Schatten des Dementis, unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit, eben doch etwas geschah, wie eine größere Verhaftungswelle oder ähnliches.


VORSITZENDER: Er kann die Tatsache erwähnen, aber er braucht nicht auf Einzelheiten, wie eine besondere Zeitungsnummer, einzugehen.


DR. FRITZ: War es nur einmal, Herr Fritzsche, daß Sie die Unrichtigkeit solcher Auslandsmeldungen praktisch feststellen mußten?


FRITZSCHE: Nein, das geschah recht häufig.


DR. FRITZ: Ganz kurz, Herr Fritzsche.


FRITZSCHE: Einer meiner Mitarbeiter sammelte einmal unter dem Titel »In acht Kriegswochen 107mal gelogen« das entsprechende Material. Ich möchte nur einen Satz hierzu sagen. Die Zusammenstellung solcher Falschmeldungen des Gegners gab mir ein Gefühl der moralischen Überlegenheit über eine solche Art von Berichterstattung, und dieses Gefühl war die Grundlage meiner, späteren Arbeit, die ohne dieses Gefühl nicht zu erklären wäre.


DR. FRITZ: Kamen Sie nicht auf den Gedanken, daß solche Falschmeldungen eben nur zu Anfang des Krieges mitunterlaufen seien?


FRITZSCHE: Nein, auf diesen Gedanken kam ich nicht. Die Meldungen waren anfangs zu häufig; ich konnte sie auch in der Folgezeit noch beobachten, zum Teil an meinem eigenen Leibe.


[195] DR. FRITZ: Wieso an Ihrem eigenen Leibe? Wenn Sie ganz kurz ein paar Stichworte da sagen wollen?


FRITZSCHE: Nur eine von vielen Behauptungen. Es wurde in einer feindlichen Frontpropagandaschrift mir der Vorwurf gemacht, ich hätte 600.000 Schweden-Kronen...


VORSITZENDER: Was will er jetzt sagen? Was ist der Zweck dieser Sache?


DR. FRITZ: Er will ein Beispiel bringen von einer Falschmeldung des Auslandes, die seine eigene Person betrifft. Er wollte das ganz kurz machen.


VORSITZENDER: Wie ich bereits gesagt habe, wurden zweifellos in der ausländischen Presse wie in jeder Presse irrtümliche Berichte veröffentlicht. Wir können derartige Dinge nicht untersuchen.


DR. FRITZ: Ich gehe dann weiter zu einer anderen Frage.


[Zum Zeugen gewandt:]


Hatten Sie nicht als ein erfahrener Spezialist im journalistischen Nachrichtenwesen das Gefühl, daß da, wo Rauch ist, auch Feuer sein muß. Glaubten Sie nicht, daß wenigstens etwas wahr sein muß von den feindlichen Meldungen über Mordtaten im deutschen Machtbereich?

FRITZSCHE: Dieses Gefühl hatte ich gerade als Nachrichtenfachmann nicht. Ich habe immer wieder gedacht, aber auch immer wieder öffentlich erinnert an eine Falschmeldung aus dem ersten Weltkrieg und bitte um die Erlaubnis, diese kurz erwähnen zu dürfen, weil sie mit zu den Grundlagen der Propaganda gehört, die ich betrieb.

VORSITZENDER: Nein. Ich habe bereits erklärt, daß wir voraussetzen, daß verschiedene Irrtümer vorgekommen sind. Wir wollen nicht auf die Einzelheiten eingehen.


DR. FRITZ: Ich gehe dann zu einer anderen Frage über.


[Zum Zeugen gewandt:]


Aber Sie wußten doch sicher, daß die Juden aus dem Reich transportiert wurden. Sie bemerkten doch sicher, daß sie aus dem Straßenbild verschwanden?

FRITZSCHE: Jawohl, das bemerkte ich, obwohl dieser Vorgang sich ganz allmählich abspielte. Darüber hinaus hörte ich einmal, wie Dr. Goebbels auf der Ministerkonferenz sagte, er habe als Gauleiter von Berlin die Forderung gestellt nach Abtransport der Juden.

DR. FRITZ: Wohin wurden die Juden denn dann nach Ihrer Ansicht gebracht, und was sagte man Ihnen darüber?


[196] FRITZSCHE: Dr. Goebbels sagte mir, sie kämen in Reservate in Polen. Niemals ist die Behauptung oder auch die Vermutung aufgetaucht, daß sie in Konzentrationslager kämen oder gar ermordet würden.


DR. FRITZ: Erkundigten Sie sich nach solchen Reservaten, in die die Juden angeblich gebracht wurden?


FRITZSCHE: Natürlich tat ich das. Ich erfuhr einiges, zum Beispiel von einem früheren Mitarbeiter, der dann übergetreten war in die Verwaltung des Generalgouvernements und eine Art Oberlandrat wurde im Bezirk Biala-Podlaska. Er sagte, dieser sein Bezirk sei Judenbezirk geworden. Er schilderte mir mehrfach die Ankunft und Unterbringung von Transporten, sprach auch von den Schwierigkeiten und von dem Einsatz der Juden als Handwerker oder auf Plantagen. Seine ganze Schilderung war vom Geiste der Menschlichkeit getragen und sagte, bei ihm hätten es die Juden besser als sie es im Reich hätten.


DR. FRITZ: Wie hieß Ihr Gewährsmann?


FRITZSCHE: Oberregierungsrat Hubert Kühl.


DR. FRITZ: Hörten Sie auch Ungünstiges über die deportierten Juden?


FRITZSCHE: Ja. Der Sturmbannführer Radke im Stabe des Reichsführers-SS berichtete, vielleicht im Winter 1942, die Sterblichkeit der Juden in den östlichen Ghettos sei anormal hoch durch die Umstellung der Lebensverhältnisse von geistiger auf Handarbeit, und es habe sogar einzelne Fälle von Fleckfieber gegeben.

Mir berichtete außerdem Dr. Tauber, der Leiter des Judenreferats der Abteilung »Propaganda«, im Jahre 1941, es sei, wenn ich mich recht erinnere, bei der Besetzung von Lemberg und Kowno zu Judenpogromen gekommen, und zwar durch die einheimische Bevölkerung. Er versicherte mir gleichzeitig, von deutscher Seite sei hiergegen eingeschritten worden. Trotzdem haben mich schon die Hinweise auf solche Dinge zu härtester Kritik veranlaßt, obwohl diese Dinge heute ja beinahe gering erscheinen gegen das, was wir jetzt wissen. Diese Kritik habe ich geübt gegenüber Vorgesetzten, insbesondere gegenüber Dr. Goebbels, gegenüber Mitarbeitern und gegenüber Angehörigen der Gestapo und Partei. Ich habe immer wieder hingewiesen auf die rechtliche, politische und moralische Notwendigkeit des Schutzes der uns nun einmal anvertrauten Juden.


DR. FRITZ: Haben Sie sonst etwas von dem Schicksal der Juden gehört?


FRITZSCHE: Es wandten sich mehrfach Juden an mich oder Verwandte oder Freunde von Juden wegen irgendwelcher Benachteiligungen und Verhaftungen. Das taten auch Nichtjuden in großer [197] Zahl, da mein Name nun einmal in der Öffentlichkeit bekannt war. Ich habe solche Bitten ausnahmslos zu den meinen gemacht und zu helfen versucht; es war dies durch zahlreiche verschiedene Stellen, wie das Reichssicherheitshauptamt, die Personalabteilung meines Ministeriums, einzelne Gauleiter, einzelne Minister und so weiter.


DR. FRITZ: Warum wandten Sie sich an so viele verschiedene Stellen?


FRITZSCHE: Weil es sich um sehr viele Bitten handelte, und weil mein Name bei allzuhäufigem Gebrauch an ein- und derselben Stelle schnell verbraucht gewesen wäre.


DR. FRITZ: Haben Sie manchmal solche Bitten auch abgelehnt?


FRITZSCHE: Nein, in keinem einzigen Fall, und ich möchte das besonders betonen, weil ein an mich in diesem Gerichtsgefängnis gerichteter Brief nicht mir ausgehändigt, sondern in der Presse veröffentlicht wurde, ein Brief, in dem eine Frau behauptet, ich hätte ein Gnadengesuch abgelehnt. Ich erinnere mich dieses Falles genau und möchte nur ganz kurz betonen, daß ich in diesem Falle den Reichsjustizminister noch ausdrücklich aufgesucht habe...


VORSITZENDER: Es genügt, wenn er sagt, daß er es nicht abgelehnt habe. Wir wollen uns auch nicht nur einen Augenblick mit jemandem beschäftigen, der ihm geschrieben hat.

Wie lange brauchen Sie noch, Dr. Fritz?


DR. FRITZ: Ich glaube, daß ich morgen vormittag fertig werde mit dem gesamten Fall Fritzsche.

Herr Präsident! Ich habe gehört, daß heute nachmittag keine öffentliche Sitzung sein soll...


VORSITZENDER: Ja.


DR. FRITZ:... sonst wäre ich wahrscheinlich heute mit dem ganzen Fall Fritzsche fertiggeworden. So hoffe ich, morgen den Angeklagten als Zeugen in eigener Sache fertigzuvernehmen und den Zeugen von Schirmeister. Ich hoffe dann mit allem morgen mittag fertig zu sein.


VORSITZENDER: Das hofft der Gerichtshof auch. Wie ich Ihnen bereits gesagt habe, wünschen wir nicht, daß Sie in so weitgehender Weise auf Einzelheiten eingehen. Nach Ansicht des Gerichtshofs sind Sie bereits auf zu viele Einzelheiten eingegangen, und wir möchten, daß Sie den Fall mehr allgemein behandeln.


[Das Gericht vertagt sich bis

28. Juni 1946, 10.00 Uhr.]


Quelle:
Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg. Nürnberg 1947, Bd. 17, S. 167-199.
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