Nachmittagssitzung.

[95] STAATSJUSTIZRAT RAGINSKY: Die Vernichtung und Plünderung von historischen und künstlerischen Palästen der Stadt Puschkino (Zarskoje Selo) wurde mit Absicht, auf Befehl der höchsten deutschen Behörden, ausgeführt.

Ich lasse den Schluß auf Seite 47 und den Anfang auf Seite 48 aus:

»Einen großen Teil des Katharinapalastes haben die Deutschen niedergebrannt. Rastrellis berühmte 300 m lange Zimmerflucht wurde vollständig durch Feuer zerstört, ebenso die berühmten von Rastrelli ausgeführten Vorzimmer.«

Ich lasse einen Absatz aus und zitiere:

»Die große Halle, auch eine hervorragende Schöpfung von Rastrelli, bot ein schreckliches Bild. Die einzigartigen Decken von Torelli, Giordano, Brullow und anderen führenden italienischen und russischen Meistern, sind vernichtet worden.«

Ich lasse einen weiteren Absatz aus und zitiere:

»Auch die Palastkirche, eins der wertvollsten Werke Rastrellis, die wegen ihrer herrlichen Kunstwerke und inneren Ausgestaltung berühmt ist, ist ebenfalls vernichtet und ausgeplündert worden.«

Ich lasse den nächsten Absatz aus:

»Als die Deutschen im Januar 1944 den Rückzug antraten, trafen sie alle Vorbereitungen, um alles, was vom Katharinapalast, und alles, was von den umliegenden Gebäuden noch stand, völlig zu zerstören. Zu diesem Zwecke ließen sie elf enorme Zeitbomben im Gewicht von je 1 bis 3 Tonnen im Erdgeschoß des noch stehenden Teiles des Palastes, wie auch unter der Camerongalerie zurück.

Die Hitler-Banditen vernichteten Puschkino, den Alexanderpalast, der gegen Ende des 18. Jahrhunderts von dem bekannten Architekten Giacomo Quarenghi gebaut worden war.«

Ich lasse einen Absatz aus:

»Das ganze Mobiliar, das aus Museumsstücken bestand und in den Kellern der Katharina- und Alexanderpaläste aufgespeichert war, bemaltes Porzellan und Bücher der Palastbibliotheken wurden nach Deutschland verschleppt. Das berühmte Deckengemälde ›Das Fest der Götter auf dem Olymp‹, in dem Hauptsaal der Eremitage, wurde heruntergenommen und nach Deutschland gebracht.«

Ich lasse zwei Absätze aus:

[95] »Große Zerstörungen wurden von den Hitler-Leuten in den herrlichen Puschkinparkanlagen angerichtet, wo tausende uralter Bäume gefällt wurden.

Ribbentrops Sonderbataillon und Rollkommandos aus Rosenbergs Hauptquartier verschleppten nach Deutschland das hochwertige Mobiliar des Paulspalastes, das nach Zeichnungen von hervorragenden Künstlern aus dem 18. Jahrhundert ange fertigt worden war.«

Ich lasse das Ende der Seite 49 und den Anfang der Seite 50 des Berichts aus:

»Beim Rückzug steckten die faschistischen Angreifer den Paulspalast in Brand. Der größte Teil des Palastes ist ganz abgebrannt.«

Ich lasse zwei weitere Absätze aus und zitiere den letzten abschließenden Absatz dieses Dokuments:

»Die Außerordentliche staatliche Kommission hat festgestellt, daß die Zerstörung von Kunstwerken in Peterhof, Puschkino und Pavlovsk, auf direkten Befehl der Deutschen Regierung und des Oberkommandos, durch Offiziere und Soldaten der deutschen Armee vorgenommen wurde.«

Viele große Städte wurden durch die deutsch-faschistischen Eindringlinge in den in Sowjetrußland besetzten Gebieten zerstört. Aber sie zerstörten mit besonderer Rücksichtslosigkeit die alten russischen Städte, die die Denkmäler alter russischer Kunst bewahrten.

Als ein Beispiel möchte ich die Zerstörung der Städte Nowgorod, Pleskau und Smolensk anführen:

»Nowgorod und Pleskau gehören zu den historischen Zentren, in denen das russische Volk die Grundlage zu seinem Staate legte. Hier haben sie in Jahrhunderten eine blühende und eigenartige Kultur entwickelt, die einen reichhaltigen Nachlaß hinterließ, der einen wertvollen Besitz unseres Volkes darstellt. Auf Grund der Erhaltung vieler Denkmäler der altertümlichen Kirchen und bürgerlichen Architekturen, der Wandmalereien, Skulpturen und des Handwerks, wurden Nowgorod und Pleskau mit Recht der Sitz der russischen Geschichte genannt.«

Die Hitler-Barbaren zerstörten in Nowgorod viele sehr wertvolle Denkmäler der russischen und fremdländischen Kunst des 11. und 12. Jahrhunderts. Sie haben nicht nur Denkmäler zerstört, sondern die ganze Stadt in Schutt verwandelt.

Als Beweis dafür werde ich einige Auszüge aus dem Dokument verlesen, das als USSR-50 vorgelegt wurde. Diese Auszüge befinden sich auf den Seiten 333 und 334 des Dokumentenbuches.

[96] Ich zitiere:

»Die alte russische Stadt Nowgorod wurde durch die deutsch-faschistischen Eindringlinge in einen Trümmerhaufen verwandelt. Sie haben historische Gebäude demoliert und teilweise zerstört, um das Baumaterial für ihre Befestigungen zu benützen....

Die deutsch-faschistischen Vandalen zerstörten und vernichteten in Nowgorod die schönsten Denkmäler altrussischer Kunst. Im St. Georgsdom des Yuryevklosters, der Anfang des 12. Jahrhunderts erbaut wurde, zerstörten die Faschisten das Gewölbe und die Mauern des Kirchturms, die mit Wandmalereien aus dem 12. Jahrhundert geschmückt waren. Die im 11. Jahrhundert erbaute Kathedrale St. Sophia war eine der ältesten Denk mäler russischer Kunst und ein einzigartiges Kunstwerk von Weltruf. Die Faschisten zerstörten diese Kathedrale....

Die Hitleristen plünderten allen Kirchenschmuck aus dem Innern der Kirche sowie alle Altarbehänge und die Kronleuchter, darunter einen, der einmal Boris Godunov gehört hatte. Die Kirche Mariä Verkündigung in den Arkaden, die aus dem 12. Jahrhundert stammte und die mit Wandgemälden aus demselben Jahrhundert geschmückt war, wurde von den Faschisten als Gefechtsunterstand und Kaserne benützt.«

Ich lasse einen Absatz aus.

»Die Kirche Mariä Himmelfahrt am Volotovfeld, eine Kunststätte der Architektur von Nowgorod aus dem 14. und 15. Jahrhundert, wurde von den Deutschen in einen Trümmerhaufen verwandelt.«

Ich lasse einen Satz aus:

»Die Kirche ›Verklärung Christi‹, in der Ilyinstraße, eines der schönsten Zeugnisse der Nowgoroder Architektur des 14. Jahrhunderts, ist besonders wegen ihrer Wandmalereien aus derselben Zeit, die von dem großen byzantinischen Meister, dem Griechen Theophan, geschaffen wurden, berühmt. Sie wurde zerstört.«

Ich lasse den Rest dieser Seite aus und gehe auf Seite 54 meines Vortrags über:

»Die Herrschaft der Hitleristen in Nowgorod, die über 2 Jahre dauerte, hatte auch die Zerstörung einer beträchtlichen Anzahl anderer wertvoller Denkmäler der alten russischen Architektur zur Folge....

Auf Befehl des Kommandanten der 18. deutschen Armee, Generaloberst Lindemann, brachen die Deutschen das Denkmal ›Tausend Jahre Rußland‹ ab und trafen alle Vorbereitungen, es nach Deutschland zu schicken. Dieses Denkmal war [97] auf dem Platz des Kreml im Jahre 1862 errichtet worden und drückte in künstlerischen Bildern die wichtigsten Stufen der Entwicklung unseres Vaterlandes bis zu den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts aus.

Die Hitler-Barbaren brachen das Denkmal ab und zertrümmerten die Skulpturen. Aber es gelang ihnen nicht, das Denkmal als Alteisen zum Einschmelzen fortzuschaffen.«

Darüber, wie die Deutschen die Denkmäler der altrussischen Kunst in den Städten Nowgorod und Pleskau zerstört haben, gibt Youri Nikolajevitsch Dmitriev in einem schriftlichen Affidavit einen ausführlichen Bericht.

Der Bürger Dmitriev war ab 1937 Kustos der Abteilung altrussische Kunst im Russischen Staatsmuseum in Leningrad. Er begann das Studium der historischen Denkmäler von Nowgorod und Pleskau im Jahre 1926. Als großer Fachmann auf diesem Kunstgebiet wurde er von der Außerordentlichen staatlichen Kommission gebeten, an der Untersuchung der Verbrechen der deutsch-faschistischen Eindringlinge teilzunehmen.

Ich lege als Beweismaterial das in Übereinstimmung mit den sowjetrussischen Vorschriften beglaubigte Originalprotokoll über die Aussagen Dmitrievs als USSR-312 vor. Dieses Dokument werden die Herren Richter auf den Seiten 335 bis 347 des Dokumentenbuches finden.

Beim Verlesen seiner Aussagen werde ich die Tatsachen, die dem Gerichtshof bereits aus dem Bericht der Außerordentlichen staatlichen Kommission bekannt sind, auslassen. Ich werde nur einige kurze Auszüge, die sich auf den Seiten 336 bis 339 befinden, verlesen. Dmitriev hat ausgesagt:

»Nowgorod ist zum größten Teil dem Erdboden gleichgemacht, und nur wenige Stadtviertel wurden von den Deutschen als Trümmer zurückgelassen. In Trümmer verwandelten die Deutschen auch Pleskau, dessen Gebäude und Denkmäler sie bei ihrem Rückgang sprengten. Von 88 historisch- künstlerischen Bauten in Nowgorod sind ohne erhebliche Beschädigungen nur 2 zurückgeblieben.... Nur einzelne Denkmäler von Pleskau sind unbeschädigt geblieben. Die historisch-künstlerischen Denkmäler von Nowgorod und Pleskau wurden von den Deutschen vorsätzlich zerstört.«

Und weiter:

»Neben der Zerstörung und Beschädigung der historisch-künstlerischen Denkmäler führten die deutschen Truppen die Ausplünderung, den Raub der künstlerischen und materiellen Werte durch, die sich in diesen Denkmälern befanden oder die deren Bestandteile bildeten.

[98] Außerdem wurde eine Reihe von historischen und künstlerischen Kirchendenkmälern von Pleskau und Nowgorod von den deutschen Truppen geschändet und entweiht.«

Tag für Tag, während 26 Monaten, zerstörten die Hitleristen methodisch eine der ältesten russischen Städte, Smolensk.

Die Sowjetische Anklagebehörde hat dem Gerichtshof als Beweisstück Dokument USSR-56 vorgelegt, das den Bericht der Außerordentlichen staatlichen Kommission enthält. Ich werde dieses Protokoll nicht zitieren, sondern versuchen, mit meinen Worten die wichtigsten Punkte, die sich auf das von mir zu behandelnde Thema beziehen, vorzutragen.

In Smolensk haben die deutsch-faschistischen Eindringlinge wertvollste Sammlungen in den Museen zerstört und geraubt. Sie haben Denkmäler aus alter Zeit besudelt und verbrannt. Sie haben Schulen, Institute, Bibliotheken und Sanatorien vernichtet. In diesem Bericht finden wir auch folgende Tatsache: Im April 1943 brauchten die deutschen Faschisten Schutt zum Pflastern der Straßen. Zu diesem Zweck sprengten sie die Mittelschule in die Luft.

Die Deutschen haben alle Bibliotheken der Stadt und zweiundzwanzig Schulen niedergebrannt. In den Bibliotheken wurden 646000 Bände durch Brand vernichtet.

Ich gehe zu Seite 57 des Berichts über:

»Vor der deutschen Besetzung gab es in Smolensk vier Museen mit kostbarsten Sammlungen.

Das Kunstmuseum besaß wertvollste Sammlungen von Kunstgegenständen, vor allem russische kunsthistorische, soziologische, ethnographische und andere Kunstgegenstände; Bilder, Ikonen, Bronzen, Porzellane, Metallgußfiguren, Webstoffe. Diese Sammlungen waren von internationalem Wert und in Frankreich ausgestellt worden. Die Eindringlinge zerstörten die Museen und schafften die wertvollsten Ausstellungsgegenstände nach Deutschland.«

Ich zitiere auf Seite 57 den letzten Absatz:

»Der Einsatzstab Rosenberg hatte für die Erwerbung und die Ausfuhr von Wertgegenständen aus den besetzten Gebieten des Ostens eine besondere Abteilung in Smolensk, die von Dr. Norling, dem Organisator der Plünderungen von Museen und historischen Denkmälern, geleitet war.«

Das sind einige der zahlreichen Verbrechen, die von den faschistischen Barbaren begangen wurden. Sie zeigen, wie die verbrecherischen Pläne der Hitler-Verschwörer tatsächlich ausgeführt wurden.

Es ist bekannt, mit welcher Rücksichtslosigkeit die deutschfaschistischen Eindringlinge die wirtschaftliche Ausplünderung des ukrainischen Volkes ausführten. Aber die Zerstörung und [99] die Ausplünderung der ukrainischen kulturhistorischen Schätze spielte keine geringere Rolle in den Plänen der Hitler-Verschwörer und wurde mit demselben rücksichtslosen Eifer durchgeführt.

In Übereinstimmung mit ihren verbrecherischen Plänen für die Versklavung der freiheitliebenden ukrainischen Bevölkerung, haben die Hitler-Verschwörer versucht, deren Kultur zu vernichten. Schon in den ersten Tagen ihres Einfalls in die Ukraine haben die Hitler-Leute, im Rahmen der Durchführung ihrer verbrecherischen Ziele, eine systematische Zerstörung von Schulen, höheren Bildungsanstalten und wissenschaftlichen Instituten sowie Museen, Bibliotheken, Klubs und Theatern durchgeführt.

Die historischen und kulturellen Schätze in den Städten Kiew, Charkow, Odessa und in den Provinzen Stalino und Rovno und in vielen anderen größeren und kleinen Städten wurden der Zerstörung und Plünderung preisgegeben.

Aus dem Dokument, das von der Sowjetischen Anklagebehörde als USSR-32 vorgelegt worden ist und das Urteil des Militärgerichts der 4. ukrainischen Front vom 15. bis 18. Dezember 1943 enthält, geht klar hervor, daß die deutsch-faschistischen Armeen in der Stadt Charkow und in der Charkower Gegend auf direkte Anweisung der Hitler-Regierung Material-und Kulturwerte des Sowjetvolkes niederbrannten, zerstörten und plünderten.

Diesen Auszug können die Herren Richter auf Seite 359 des Dokumentenbuches finden.

Ich wende mich nun dem Beweismaterial über Verbrechen zu, die von den Hitleristen in der Hauptstadt der Ukrainischen Republik, in Kiew, begangen wurden.

Ich werde einen Absatz des Dokuments, das die Sowjetanklage als USSR-248 vorgelegt hat, verlesen. Sie finden es im Dokumentenbuch auf Seite 363; es stellt einen Auszug aus den Akten der Außerordentlichen staatlichen Kommission »über die Zerstörung und Ausplünderung durch die faschistischen Angreifer des psychiatrischen Krankenhauses« in Kiew dar.

Unter anderen Zerstörungen haben sie, ich zitiere:

»...eine vom wissenschaftlichen Standpunkt unschätzbare Urkundensammlung der Heilanstalt verbrannt und vernichteten ihre prachtvolle Bibliothek von 20000 Bänden. Sie plünderten das unter besonderem Schutz stehende sehr wertvolle Denkmal des 11. Jahrhunderts, die Kathedrale des hl. Kyrillov, die sich im Gelände der psychiatrischen Klinik befand.«

Ich gehe nun dazu über, einige Auszüge aus den Berichten der Außerordentlichen staatlichen Kommission zu verlesen, die dem Gericht als Dokument USSR-9 vorgelegt wurde.

[100] Die zitierten Auszüge befinden sich auf den Seiten 365 und 366 des Dokumentenbuches.

»Vor dem deutschen Überfall hatte Kiew 150 Volks- und Mittelschulen. Davon wandelten die Deutschen 77 in Kasernen, 9 in Lagerhäuser oder Werkstätten, 2 in Stabsquartiere der Wehrmacht und 8 in Ställe um.

Als sie den Rückzug aus Kiew antraten, zerstörten die deutschen Barbaren 140 Schulen.«

Ich lasse den nächsten Absatz aus.

»Die deutschen Angreifer schleppten aus den Bibliotheken von Kiew mehr als 4 Millionen Bücher weg. Aus der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften der Ukrainischen Sowjet-Republik allein nahmen sie über 320000 wertvolle und einzigartige Bücher, Zeitschriften und Manuskripte weg.«

Ich bitte die Herren Richter zu beachten, daß SS-Obersturmführer Dr. Förster, der in dem von dem Angeklagten Ribbentrop aufgestellten und unter seinen Befehlen stehenden Bataillon zu besonderer Verwendung diente, in seiner Erklärung vom 10. November 1942, die ich bereits verlesen habe, Aussagen über die Plünderung der Bibliothek der Akademie der Wissenschaften der Ukrainischen Sowjet-Republik gemacht hat.

Ich lasse einen Absatz aus und zitiere Auszüge der Mitteilungen der Außerordentlichen staatlichen Kommission:

»Am 5. September 1943 zerstörten die Deutschen durch Brand und Sprengungen einen der ältesten Mittelpunkte ukrainischer Kultur, die ›T. G. Schevtschenko‹-Staatsuniversität von Kiew, die 1834 gegründet wurde.

Das Feuer zerstörte wertvolle Kulturschätze, die seit Jahrhunderten als Grundlage für die wissenschaftliche Lehrtätigkeit der Universität gedient hatten.

Dem Feuer fielen ebenfalls zum Opfer: die unschätzbaren Urkunden des Historischen Archivs für alte Manuskripte, die Bibliothek mit mehr als 1300000 Büchern, das Zoologische Museum der Universität, das weit mehr als zwei Millionen Ausstellungsobjekte hatte, und ebenfalls eine große Reihe anderer Museen...

... Die deutschen Angreifer zerstörten auch andere höhere Erziehungsanstalten von Kiew, sie verbrannten und plünderten die meisten medizinischen Institute.

In Kiew verbrannten die faschistischen Barbaren das Gebäude des Dramatischen Theaters der Roten Armee, das Institut für Schauspielkunst sowie die Musikhochschule, wo die Instrumente zusammen mit der außerordentlich [101] reichhaltigen Bibliothek und der gesamten Einrichtung vernichtet wurden.

Sie sprengten das schöne Zirkusgebäude, sie brannten das M. Gorki-Theater für Jugendliche mit seiner großen Ausstattung nieder, sie zerstörten das jüdische Theater...

Im Museum für westeuropäische und östliche Kunst wurden nur einige große Gemälde übriggelassen; die Räuber hatten keine Zeit, sie von den hohen Wänden des Treppenhauses zu nehmen.

Aus dem Museum für Russische Kunst schafften die Hitleristen zusammen mit allen anderen Ausstellungsgegenständen eine Sammlung russischer Ikonen von Unschätzbarem Wert weg. Sie plünderten das Museum für Ukrainische Kunst. Nur 1900 von den ursprünglich 41000 Ausstellungsstücken blieben in der Abteilung Nationale Kunst übrig.«

Ich lasse den Rest dieser Seite aus und gehe auf Seite 62 über:

»Die Hitleristen plünderten das T. G. Schevtschenkomuseum und das Historische Museum. Sie plünderten das größte Denkmal der slawischen Völker, die Sophienkathedrale, aus der sie 14 Freskogemälde des 12. Jahrhunderts fortschafften.«

Ich lasse einen Absatz aus:

»Auf Befehl des deutschen Kommandos plünderten, sprengten oder zerstörten deutsche Heeresabteilungen das uralte Kulturdenkmal, die Abtei von Kievo-Petscherskaja...

Die Uspenskikathedrale, die in den Jahren 1075 bis 1089 durch den Großfürsten Svjatoslav erbaut und innen von dem berühmten Maler V. V. Vereshchiagin bemalt wurde, wurde am 3. November 1941 von den Deutschen in die Luft gesprengt.«

Ich lasse den Rest von Seite 62 aus und gehe nun zu Seite 63 über:

»Man kann nicht ohne Trauer auf die Trümmer der Uspenskikathedrale sehen, die im 11. Jahrhundert durch den Genius ihrer unsterblichen Erbauer geschaffen worden war,« erklärt Nikolaus, Metropolit von Kiew und der galizischen Diözese und Mitglied der Außerordentlichen staatlichen Kommission. »Die Explosionen machten mehrere riesige Krater in die Erde um die Kathedrale herum und beim Anblick dieser Krater schien es einem, daß sogar die Erde erschauerte, als sie die Missetaten derer sah, die nicht mehr das Recht haben, den Namen Mensch zu tragen. Es war, als ob ein fürchterlicher Sturm über die Abtei dahingebraust sei; alles war drunter und drüber; die mächtigen Gebäude des Klosters wurden zertrümmert und die Trümmer zerstreut.

[102] Mehr als 2 Jahre war Kiew in deutsche Fesseln geschlagen. Hitlers Henker brachten Tod, Ruinen, Hungersnot und Hinrichtungen mit sich.

All dies wird mit der Zeit in die Vergangenheit versinken, aber diese Missetaten werden nicht nur vom ukrainisch-russischenvolk, sondern auch von der rechtschaffenen Menschheit der ganzen Welt niemals vergessen werden.«

Herr Vorsitzender, gestatten Sie mir, mich bei weiteren zwei Dokumenten aufzuhalten? Das erste Dokument ist 035-PS. Es ist betitelt: »Kurzbericht über die Sicherungsmaßnahmen der Hauptarbeitsgruppe der Ukraine bei den Absetzbewegungen der Wehrmacht.« Dieses Dokument, das dem Gerichtshof von unserem amerikanischen Kollegen am 18. Dezember 1945 vorgelegt wurde, hat eine charakteristische Besonderheit. Das Dokument zeigt klar, wie die Plünderungen vorgenommen wurden. Es ist für jeden ersichtlich, daß es eine Bande von Räubern betrifft, obwohl die Hitleristen noch immer darauf bestehen, Raubzüge als Arbeit zu betiteln.

Die wertvollsten Ausstellungsstücke der ukrainischen Museen schafften sie unter dem Titel: »Verschiedene Textilien« nach Deutschland.

Der Bericht beginnt mit der Beschreibung der Schaffung eines Sicherheitsabschnittes für die Einsatzstabbehörden, für die die Bewohner eines ganzen Bezirks aus ihren Wohnungen hinausgeworfen wurden. Dann folgt eine Liste der Beute von geplünderten Museen in Charkow, Kiew, von Archiven und selbst Hausbibliotheken.

Ich zitiere einen kurzen Auszug aus diesem Dokument, das Material des Ukrainischen und des Prähistorischen Museums in Kiew betreffend. Dieser Auszug befindet sich auf Seite 368 des Dokumentenbuches. Ich zitiere:

»1. Oktober 1943. Material des Ukrainischen Museums in Kiew.

Auf Grund des allgemeinen Räumungsbefehls des Stadtkommissars wurden durch uns herausgesucht und nach Krakau verladen: Textilien aller Art, eine Sammlung wertvoller Stickereimuster, eine Sammlung Brokate, zahlreiche Gebrauchsgegenstände aus Holz usw.

Außerdem wurde ein wesentlicher Teil des Vorgeschichts-Museums abtransportiert.«

Das zweite Dokument, 1109-PS, vom 17. Juni 1944, ist betitelt: »Notizen der Führergruppe P 4« und an von Milde-Schreden gerichtet. Dieses Dokument befindet sich auf Seite 369 Ihres Dokumentenbuches und stellt einen kurzen Auszug dar. Deswegen werde ich es ganz verlesen; Absatz 2:

[103] »Abtransport von Kulturgut.

Sehr viel Material aus Museen, Archiven, Instituten und anderen Kulturstätten ist im Herbst 1943 aus Kiew auf ordnungsmäßigem Wege herausgebracht worden.

Diese Sicherstellungsaktionen wurden sowohl vom Einsatzstab R. R. wie auch auf Veranlassung des Reichskommissars von den einzelnen Institutsleitern usw. durchgeführt.«

Meine Herren Richter, ich möchte darauf hinweisen, daß der Einsatzstab Rosenberg in einigen Dokumenten auch Einsatzstab R. R. genannt wird. Diese Initialen bedeuten Reichsleiter Rosenberg. Ich fahre mit dem Zitat fort:

»Anfangs ist viel Räumungsgut nur in rückwärtige Gebiete gebracht worden, späterhin wurde dieses ins Reich weitergeleitet. Als Unterzeichneter Ende September von der Kulturabteilung des Reichskommissars den Auftrag erhielt, letzte Kulturreste aus Kiew herauszubringen, waren die in kultureller Beziehung wertvollsten Materialien schon abtransportiert. Im Laufe des Oktobers wurden dann noch etwa 40 Waggons mit Kulturgütern ins Reich geleitet. Es handelte sich hierbei in der Hauptsache um Werte, die den Forschungsinstituten der Landforschungszentrale Ukraine gehörten. Diese Institute setzen zur Zeit ihre Arbeiten im Reich fort und werden derart geführt, daß sie zu gegebener Zeit wieder in die Ukraine zurückgebracht werden können. Was von Kulturwerten nicht rechtzeitig sichergestellt werden konnte, verfiel Plünderungen. Hierbei handelt es sich aber immer nur um weniger wertvolles Material, weil die Hauptwerte ordnungsgemäß fortgebracht waren.

Von seiten der Stadtkommandantur wurden im Oktober 1943 laufend Einrichtungen von Fabriken, Werkstätten usw. aus Kiew herausgebracht; wohin, entzieht sich meiner Kenntnis.«

Dieses Schreiben schließt mit folgendem Satz:

»Beim Einzug der Sowjets war auch in dieser Hinsicht nichts Wertvolles mehr in der Stadt vorhanden.«

Meine Herren Richter, aus den Dokumenten, die Ihnen die Sowjetanklage vorgelegt hat, haben Sie schon von der verbrecherischen Verschwörung zwischen Hitler und Antonescu erfahren. Zur Belohnung dafür, daß die Antonescu-Verbrecherclique Deutschland mit Kanonenfutter, Öl, Getreide, Vieh und so weiter belieferte, erhielt sie von der Hitler-Regierung die Erlaubnis, die Zivilbevölkerung zwischen Bug und Dnjestr zu plündern. Die deutschen und rumänischen Eindringlinge plünderten und zerstörten in Odessa viele Kulturwerte, Kurorte und Erholungsheime. Die Hitleristen [104] plünderten mit der Antonescu-Clique zusammen, sie plünderten auch für sich allein.

Um dies zu beweisen, werde ich nun einige Auszüge aus dem Bericht der Außerordentlichen staatlichen Kommission verlesen, der dem Gerichtshof als Beweisstück USSR-47 vorliegt. Diese Auszüge stehen in Ihrem Dokumentenbuch auf Seite 372. Ich lasse einen Absatz aus und beginne das Zitat mit dem vorletzten Absatz auf dieser Seite meines Vortrags.

»Das deutsche Kommando plünderte Odessas Museen und stahl Hunderte einzigartiger Museumsstücke.«

Ich lasse zwei Abschnitte aus und zitiere jetzt die letzte Zeile der Seite 66:

»Nach einem wohlvorbereiteten Plan sprengten und verbrannten die faschistischen Eindringlinge... 2290 Gebäude von künstlerischem, architektonischem und historischem Wert. Unter anderem das Häuschen Puschkins, die Sabankaserne, die im Jahre 1827 erbaut wurde, und andere Bauwerke, sämtlich wertvolle Denkmäler der Kultur aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts.

Die deutsch-rumänischen Eindringlinge zerstör ten in Odessa das Erste Hospital für ansteckende Krankheiten, das Zweite Ortskrankenhaus, die Somatologischen und Psychiatrischen Hospitäler, zwei Kinderspitäler, eine Kinderklinik, 7 Mütterberatungsstellen, 55 Kindergärten, 2 Entbindungsanstalten, eine Apotheke, ein Lepraheim, 6 Polikliniken und wissenschaftliche Institute für Tuberkuloseforschung und zur Erforschung der Heilkraft von Kurorten und andere. Sie zerstörten auch 29 Sanatorien in der Umgebung von Odessa.«

Die Hitleristen begingen Verbrechen von außergewöhnlichem Ausmaß im Gebiet von Stalino.

Ich lasse den Rest dieser Seite aus und gehe auf Seite 68 meines Vortrags über.

Der Bericht der Außerordentlichen staatlichen Kommission, der von der Sowjetischen Anklagevertretung als Beweisstück USSR-2 vorgelegt wurde, enthält eine Riesenanzahl von Tatsachen.

Meine Herren Richter, ich werde diese nicht alle aufführen, und mich lediglich auf einige Auszüge aus diesem Dokument beschränken, die von meinen Herren Kollegen noch nicht verlesen wurden. Diese Auszüge befinden sich auf den Seiten 374 und 375 Ihres Dokumentenbuches. Ich zitiere:

»Bei ihrem Rückzug aus Stalino zerstörten die Hitleristen... vollständig 113 Schulen, 62 Kindergärten, 390 Läden, die Winter- und Sommertheater, den Pionierpalast, das Radiotheater, [105] das Revolutionsmuseum, die Bildergalerie, den Dzerschin skyklub.

Sonderkommandos von Pionieren gingen durch alle Schulgebäude, begossen sie mit entzündbarer Flüssigkeit und setzten sie in Brand. Sowjetbürger, die versuchten, die Feuer zu löschen, wurden von den faschistischen Lumpen auf der Stelle erschossen...

Ein außerordentlich großer Schaden wurde durch die Eindringlinge den medizinischen Einrichtungen der Stadt zugefügt.«

Ich lasse drei Absätze dieses Berichtes aus und zitiere den vorletzten Absatz auf dieser Seite:

»Auf Befehl des Oberfeldarztes Roll, des Chefarztes des Militärlazaretts Belindorf, und des Chefarztes Kuchendorf, wurde das Medizinische Institut vernichtet, eine vorbildliche Lehranstalt für 2000 Studenten.

Von insgesamt 600000 wissenschaftlichen und kunsthistorischen Büchern wurden 530000 Bände durch die Hitleristen verbrannt...

In der Stadt Makeewka haben die deutsch-faschistischen Eindringlinge das Stadttheater mit 1000 Plätzen, den Zirkus mit 1500 Plätzen, 49 Schulen, 20 Säuglingsheime, 44 Kindergärten in die Luft gesprengt und niedergebrannt. Auf Veranlassung des Stadtkommandanten Vogler wurden 35000 Bücher der Zentralbibliothek Gorki auf einem Scheiterhaufen verbrannt.«

Ich werde nicht alle Städte aufzählen. Diese Tatsachen sind in einem Dokument niedergelegt, das auf Grund des Artikels 21 des Statuts unwiderlegbares Beweismaterial ist. Laut Entscheidung des Gerichtshofs braucht dieses Dokument nicht ganz verlesen zu werden. Ich möchte lediglich feststellen, daß in allen Industriestädten der Provinz Stalino die Hitleristen Schulen und Theater, Säuglingsheime und Hospitäler verbrannten, sogar Kirchen wurden von ihnen zerstört:

»In der Stadt Gorlovka zerstörten sie 32 Schulen, die für 21649 Schüler bestimmt waren. Sie brannten das Stadtkrankenhaus nieder, 5 Polikliniken, eine Kirche und den Kulturpalast...

In der Stadt Konstantinovka sprengten und verbrannten die Eindringlinge alle 25 Stadtschulen, 2 Filmtheater, die Zentralbibliothek mit 35000 Bänden, den Klub der Pioniere, das Stadtkrankenhaus, die Säuglingsheime und Kindergärten... Vor dem Rückzug aus Mariupol brannten die [106] deutschen Besatzungsbehörden alle 68 Schulen der Stadt, 17 Kindergärten... und den Palast der Pioniere nieder.«

Ich gehe nun dazu über, einige Auszüge aus dem Dokument zu zitieren, das dem Gerichtshof als USSR-45 vorgelegt wurde. Diese Auszüge befinden sich auf Seite 378 des Dokumentenbuches. Das Dokument bezieht sich auf die Verbreichen der Hitleristen in Stadt und Provinz Rovno.

Die Stadt Rovno war von besonderer Wichtigkeit. Sie war der Sitz des Reichsministers Erich Koch, des engsten Mitarbeiters des Angeklagten Rosenberg, und zahlreiche Konferenzen der Hitler-Führer zur Ausarbeitung der Pläne für die Versklavung des ukrainischen Volkes wurden in dieser Stadt abgehalten.

Der eben erwähnte Bericht der Außerordentlichen staatlichen Kommission stellt folgendes fest; ich zitiere:

»In dem von ihnen eingenommenen ukrainischen Gebiet erstrebten die Hitleristen, ein System der Versklavung und Knechtschaft einzuführen und die ukrainische Souveränität und die ukrainische Kultur zu vernichten... Das beträchtliche Material, das der Außerordentlichen staatlichen Kommission zur Verfügung steht und auf Dokumenten, Zeugenaussagen und auf persönlicher Inspektion und Prüfung der verschiedenen kulturellen Einrichtungen und Erziehungsanstalten in dem von der Roten Armee befreiten Gebiet der Ukraine beruht, läßt keinen Zweifel daran, daß die deutsch-faschistischen Barbaren es sich zur Aufgabe gesetzt hatten, die ukrainische Kultur zu vernichten und die besten Vertreter ukrainischer Kunst und Wissenschaft, die ihnen in die Hände gefallen waren, auszurotten.«

Ich lasse zwei Absätze aus und zitiere den vorletzten Absatz auf dieser Seite:

»Die deutsch-faschistischen Eindringlinge schlossen in Rovno fast alle Erziehungs- und Kulturanstalten. Am 30. November 1941 wurde in der Zei tung ›Volyn‹ die Schließung der Schulen im Generalkommissariat Wolhynien und Podolien amtlich bekanntgegeben.«

Ich lasse die weiteren Zeilen auf Seite 70 aus und zitiere nun den letzten Absatz dieses Dokuments auf Seite 71:

»Die Tatsache, daß alle diese Verbrechen an dem Ort verübt wurden, in dem der frühere Reichskommissar der Ukraine, Erich Koch, seinen Dienstsitz hatte, liefert einen weiteren Beweis dafür, daß alle Verbrechen der Hitler-Banditen in Ausführung eines Planes zur Ausrottung der Sowjetbürger und zur vollkommenen Verwüstung der von den Deutschen vorübergehend besetzten Sowjetgebiete verübt [107] wurden, eines Planes, der von der Hitler-Regierung ausgeheckt und in die Tat umgesetzt wurde.«

In Teil 5 seiner Eröffnungsrede zitierte General Rudenko, der Hauptankläger der USSR, einen Auszug aus einem Schreiben des Generalkommissars von Weißrußland, Kube, an den Angeklagten Rosenberg. Diese Urkunde ist ein maschinengeschriebener Brief; mit Tinte unterzeichnet. Die Unterschrift lautet: Kube. Auf dem Schreiben stehen verschiedene Bleistiftnotizen, offenbar von der Hand Rosenbergs. Es trägt den Stempel »Ministerialbüro« und das Datum: 3. Oktober 1941. Dieses Dokument, das die Kennzahl 1099-PS hat, wird von mir nun als USSR-374 dem Gerichtshof als Beweis dafür vorgelegt, daß die Zerstörungen und Plünderungen von historischen Werten, die von den Hitleristen überall ausgeführt wurden, ungeheure Ausmaße angenommen haben.

Mit Ihrer Genehmigung werde ich mir erlauben, außerdem noch einige andere Stellen dieses Dokuments zu zitieren, die davon Zeugnis ablegen, daß nicht nur die geraubten Werte nach Deutschland ausgeführt, sondern, daß sie auch von einzelnen Generalen der Hitler-Armee gestohlen wurden.

Das Schreiben Kubes beweist außerdem die Existenz eines vorbedachten Planes für die Plünderung von Kulturschätzen in Leningrad, Moskau und der Ukraine. Der Vandalismus der Hitleristen nahm solche Ausmaße an, daß sogar Kube, der Henkersknecht des weißrussischen Volkes, sich entrüstete. Er befürchtete einen Vorteil zu verlieren und verhandelte mit Rosenberg über eine Entschädigung.

Ich zitiere den zweiten Absatz dieses Schreibens:

»Minsk besaß eine große, zum Teil sehr wertvolle Kunst- und Gemäldesammlung, die fast restlos aus Minsk entfernt worden ist. Auf Befehl des Reichsführers-SS, Reichsleiters Heinrich Himmler, ist die Mehrzahl der Gemälde – zum Teil noch unter meiner Amtsführung – von der SS verpackt und ins Reich verschickt worden. Es handelt sich hierbei um Millionenwerte, die dem Generalbezirk Weißruthenien entzogen worden sind. Die Gemälde sollen nach Linz und nach Königsberg in Ostpreußen verschickt worden sein. Ich bitte, diese wertvollen Sammlungen, soweit sie nicht im Reich benötigt werden, für den Generalbezirk Weißruthenien wieder zur Verfügung zu stellen, auf jeden Fall aber den materiellen Wert für das Ministerium für die besetzten Ostgebiete sicherzustellen.«

Kube war, genau wie der Angeklagte Rosenberg, der Ansicht, daß er das ausschließliche Recht auf die gestohlenen Wertschätze besäße und beklagte sich; ich zitiere den zweiten Teil des Absatzes:

»Der General Stubenrauch hat einen wertvollen Teil aus Minsk mit nach vom ins Operationsgebiet genommen.

[108] Sonderführer, die mir noch nicht gemeldet werden konnten, haben 3 Lastkraftwagen (ohne Quittung) mit Möbeln, Bildern und Kunstgegenständen verschleppt.«

Nachdem Kube, zusammen mit anderen faschistischen Führern, das weißrussische Volk ausgeraubt und unmittelbar an den Massenmißhandlungen und an der Ausrottung der Sowjetbevölkerung teilgenommen hatte, erklärte er heuchlerisch; ich zitiere den letzten Absatz des Schreibens:

»Das schon an sich arme Weißruthenien hat durch diese Handlungen schwersten Schaden erlitten. Hoffentlich...«

und Kube empfahl Rosenberg; ich zitiere:

»Hoffentlich werden in Leningrad und in Moskau, sowie in den alten Kulturstädten der Ukraine von vorherein Sachverständige zur Verhütung derartiger Vorgänge eingesetzt.«

Hierauf waren also ihre Gedanken gerichtet. Es ist heute jedem bekannt, was unter »Maßnahmen« der Hitleristen in den besetzten Gebieten zu verstehen ist. Sie bedeuten ein Regime blutigen Terrors und der Gewalt, unbeschränkten Raubes und der Willkür.

Nachdem die deutsch-faschistischen Eindringlinge in Minsk, der Hauptstadt der Weißrussischen Republik, eingedrungen waren, versuchten sie, die Kultur des weißrussischen Volkes zu vernichten und die Weißrussen in gehorsame deutsche Sklaven zu verwandeln.

Wie durch eine besondere Untersuchung festgestellt worden ist, zerstörten Hitlers Militärbehörden auf direkten Befehl der Deutschen Regierung hin rücksichtslos wissenschaftliche Forschungsstätten und Schulen, Theater und Klubs, Krankenhäuser und Polikliniken, Kindergärten und Säuglingsheime.

Ich werde jetzt Auszüge aus dem Bericht verlesen, den die Sowjetische Anklage als Beweis USSR-38 nunmehr überreicht.

»Drei Jahre hindurch haben die deutsch-faschistischen Eindringlinge in Minsk wissenschaftliche Forschungsinstitute, höhere Erziehungsanstalten, Bibliotheken, Museen, Institute der Akademie der Wissenschaften, Theater und Klubs systematisch zerstört. Die Lenin-Bibliothek in Minsk war eine mehr als 20 Jahre alte Gründung. Sie wurde im Jahre 1932 durch Errichtung eines neuen Gebäudes mit einem großen, gut ausgestatteten Büchermagazin fertiggestellt. Die Deutschen schafften 11/2 Millionen außerordentlich wertvoller Bücher über die Geschichte Weißrußlands nach Berlin und Königsberg.«

Ich lasse den Schluß der Seite 73 aus.

»In ihren Bemühungen, die Kultur des weißrussischen Volkes zu zerstören, vernichteten die deutsch-faschistischen Eindringlinge in Minsk alle Kultur- und Erziehungsanstalten... [109] Die Bibliotheken der Akademie der Wissenschaften, bestehend aus 30000 Büchern, die Büchereien der Staatsuniversität und des polytechnischen Institutes, ferner die wissenschaftlich-medizinische und die öffentliche Puschkin-Stadtbibliothek wurden nach Deutschland überführt.

Die Hitleristen zerstörten die Weißrussische Staatsuniversität, das zoologische, das geologisch- mineralogische und das historisch-archäologische Museum sowie das Medizinische Institut mit allen seinen Kliniken. Sie rissen die Akademie der Wissenschaften mit ihren 9 Instituten nieder.«

Ich überspringe den Schluß dieses Absatzes.

»Sie zerstörten die staatliche Kunstgalerie und verschleppten Ölbilder und Skulpturen russischer und weißrussischer Meister nach Deutschland.... Sie plünderten das weißrussische Staatstheater der Oper und des Balletts, das Erste weißrussische Schauspielhaus, das Haus der volkstümlichen Kunst, und die Häuser der Verbände der Schriftsteller, der Künstler und der Komponisten.

In Minsk zerstörten die Faschisten 47 Schulen, 24 Kindergärten, den Palast der Pioniere, 2 Wöchnerinnenheime, 3 Kinderkrankenhäuser, 5 Städtische Polikliniken, 27 Kleinkinderbewahranstalten, 4 Kinderwohlfahrtszentralen und das Institut für Säuglings- und Wöchnerinnenwohlfahrt.«

Die Anklagevertretung besitzt Dokument 076-PS, einen Bericht des deutschen Gefreiten Abel über die Bibliotheken in Minsk. Dieser Gefreite hat alle Minsker Bibliotheken untersucht und erklärt in seinem Bericht, daß sie beinahe alle zerstört seien.

Ich lege diesen Bericht als USSR-375 dem Gerichtshof vor. Ich glaube, Herr Vorsitzender, daß es genügen wird, einzelne Auszüge aus dem Bericht zu verlesen. Es ist nicht nötig, den Bericht ganz zu verlesen. Auf Seite 75 meines Berichts steht:

»Die Leninbibliothek ist die Zentralbibliothek von Weißrußland. Eine Schätzung der Bandzahl ist schwierig, doch dürfte sich der Bestand auf 1,5 Millionen Bände belaufen:

Die Magazine bieten zum Teil ein trostloses Bild....«

Ich lasse zwei Absätze aus meinem Bericht aus und zitiere weiter:

»Die Bibliothek des Polytechnischen Instituts... im Kellergeschoß des linken Flügels ist ebenso wie eine große Anzahl von Laboratorien hoffnungslos zerstört und in Unordnung gebracht worden.«

Der Bericht schließt mit folgendem Satz, den ich noch zitieren möchte:

»Der Zweck dieses Berichtes – schreibt der deutsche Gefreite – ist erst dann erreicht, wenn er der allerhöchsten [110] Führung vorgelegt wird, und wenn von dort aus die nötigen Befehle gegeben werden, die eindeutig verhindern, daß in Zukunft ein deutscher Soldat als Barbar auftritt.«

Jedoch solche Befehle wurden niemals ausgegeben, konnten auch niemals ausgegeben werden, weil Faschismus mit Barbarentum unlöslich verbunden ist. Ja Faschismus bedeutet Barbarei.

VORSITZENDER: Was wollen Sie heute nachmittag nach der Gerichtspause behandeln?

STAATSJUSTIZRAT RAGINSKY: Ich werde, Herr Vorsitzender, weitere Schriftstücke vorlegen, die sich auf die Zerstörung von Kulturwerten in der Litauischen, Lettischen und Estnischen Republik beziehen. Darauf möchte ich mit Erlaubnis des Gerichtshofs einen dokumentarischen Film vorführen und damit bis zum Ende der Sitzung meine gesamte Beweisführung beenden und meinen Vortrag abschließen.


VORSITZENDER: Wie lange wird die Filmvorführung dauern?


STAATSJUSTIZRAT RAGINSKY: Die Vorführung des Films wird ungefähr 30 bis 35 Minuten dauern.


VORSITZENDER: Glauben Sie nicht, daß, nachdem Sie das Ausmaß der Schäden und Plünderungen recht ausführlich behandelt haben, es genügen würde, den Rest zusammenzufassen und uns zu sagen, in welchen Ländern ähnliche Plünderungen stattgefunden haben? Es ist schwer, eine solche Fülle von Einzelheiten aufzunehmen.


STAATSJUSTIZRAT RAGINSKY: Ich habe die Absicht, Herr Vorsitzender, dem Gerichtshof ein zusammenfassendes Dokument vorzulegen, in dem die Gesamtziffern angegeben sind.


VORSITZENDER: Sehr gut! Wir werden jetzt eine Pause von zehn Minuten eintreten lassen.


[Pause von 10 Minuten.]


STAATSJUSTIZRAT RAGINSKY: Bevor ich dieses zusammenfassende Dokument vorlege, bitte ich den Gerichtshof um einige Minuten Aufmerksamkeit für die Verlesung eines deutschen Schriftstücks über das von mir behandelte Thema.

Nach der Besetzung der litauischen, estnischen und lettischen Sowjet-Republiken versuchten die deutsch- faschistischen Eindringlinge diese sowjet-baltischen Provinzen in deutsche Kolonien zu verwandeln und die Bewohner dieser Republiken zu versklaven. Dieses verbrecherische Ziel der Hitler-Regierung fand seinen klaren Ausdruck in allgemeinen Plünderungen, Zerstörungen, Gewaltakten, [111] in Verspottung und im Massenmord von Greisen, Frauen und Kindern.

Um die Bewohner der estnischen, lettischen und litauischen Sowjet-Republiken zu germanisieren, zerstörten die Hitleristen mit allen Mitteln die Kultur der Völker dieser Republiken.

Ich lasse den Schluß der Seite 76 fort, ebenso die Seiten 77, 78 und verlese nur einen Absatz von Seite 79 meines Vortrags:

»Sie erklärten Riga, die Hauptstadt der Sowjetlettischen Republik, zur Hauptstadt des ›Ostland‹ und als Sitz des ›Einsatzstab Rosenberg‹.«

In den von der Anklagevertretung der Sowjetunion dem Gerichtshof unterbreiteten Dokumenten, USSR-7, USSR-39 und USSR-41, befinden sich zahlreiche Tatsachen, die bei weitem nicht alle von den deutsch-faschistischen Eindringlingen gegen die Kultur der sowjet-baltischen Provinzen begangenen Verbrechen erschöpfend behandeln und auch nicht erschöpfend behandeln können. Bei diesen ungeheueren Verbrechen gegenüber den Einwohnern der baltischen Provinzen spielte der Angeklagte Rosenberg eine bedeutende Rolle. Ich trage von Seite 81 vor:

Der Angeklagte Rosenberg setzte seine Plünderungen auch dann fort, als der Zusammenbruch des faschistischen Deutschlands bereits offensichtlich war und die Stunde der strengen und gerechten Vergeltung für die Hitlerschen Verbrecher bereits herannahte.

Noch Ende August 1944 organisierte und führte Rosenberg die Plünderungen kultureller Schätze in Riga, Reval, Dorpat und einer Reihe anderer Städte der Estnischen Sowjet-Republik durch.

Ich bitte die Aufmerksamkeit des Gerichtshofs auf das Schriftstück 161-PS vom 23. August 1944 lenken zu dürfen, das die Überschrift »Auftrag« trägt und von Rosenbergs Stabschef Utikal unterzeichnet ist. Dieses Dokument wird dem Gerichtshof nunmehr als USSR-376 vorgelegt und ist in der Dokumentenmappe auf Seite 400 zu finden. Ich zitiere:

»23. August 1944. Auftrag.

Am 21. 8. 44 hat Reichsleiter Alfred Rosenberg den Haupteinsatzführer Friedrich Schüller vom Einsatzstab RR zur Berichterstattung über die zur Zeit noch bestehenden Evakuierungsmöglichkeiten von Kulturgütern aus dem Bereich des Ostlandes aufgefordert. Auf Grund dieses Berichtes hat der Reichsleiter bestimmt, daß die wertvollsten Kulturgüter des Ostlandes durch seinen Einsatzstab noch abtransportiert werden sollen, soweit dies ohne Beeinträchtigung der Belange der kämpfenden Truppe möglich ist. Als besonders wertvoll bezeichnete der Reichsleiter folgende Kulturgüter:

[112] aus Riga: Stadtarchiv – Staatsarchiv (Hauptbestand in Edwahlen),

aus Reval: Stadtarchiv – Estn. literar. Gesellschaft, kleine Bestände im Schwarzhäupterhaus, Rathaus, ev.-luth. Konsistorium und Nikolaikirche,

aus Dorpat: Universitätsbibliothek,

aus estnischen Landgütern untergebrachte Bestände: Jerlep, Wodja, Weißenstein, Lachmes.

Mit der Durchführung des Abtransportes wird Haupteinsatzführer Schüller in seiner Eigenschaft als komm. Leiter der Hauptarbeitsgruppe Osten des Einsatzstabes RR beauftragt. Er hat insbesondere mit der Heeresgruppe Nord in Verbindung zu treten, um die Durchführung des Auftrages des Reichsleiters mit den Bedürfnissen der kämpfenden Truppe an Transportraum in Einklang zu bringen.

(Utikal) Chef des Einsatzstabes.«

Ich möchte die Aufmerksamkeit des Gerichtshofs auf einen anderen bemerkenswerten Umstand lenken.

Auch in diesem Falle wurden die Plünderungen von Rosenberg zusammen mit dem Oberkommando ausgeführt. Sogar noch im Herbst 1944 wurden zukünftige Chefs des Stabes Rosenberg ausgewählt.

Eine Prüfung all dieser Umstände erlaubt uns, nochmals auf das bestimmteste zu versichern, daß die Zerstörung und Plünderung von Kulturschätzen von einer zentralen Organisation angestiftet, geleitet und ausgeführt wurde und daß diese zentrale Organisation die verbrecherische Hitler-Regierung und das Oberkommando der Wehrmacht waren, deren Vertreter, in Gestalt aller hier vor diesem Gerichtshof befindlichen Angeklagten schwere Bestrafung im Einklang mit Artikel 6 des Statuts des Internationalen Militärgerichtshofs erwarten müssen.

Meine Herren Richter! Wenn wir von einem System großangelegter Zerstörung und Plünderung sprechen, ist es unmöglich und auch wohl kaum notwendig, sämtliche Tatsachen anzuführen, selbst wenn diese an sich von großer Wichtigkeit sind.

In den besetzten Gebieten der Sowjetunion führten die Hitleristen ein solches System großangelegter und vielseitiger Zerstörung und Plünderung kultureller Schätze der Völker der Sowjetunion durch. Zur Zeit ist es noch gar nicht möglich, eine endgültige Summe der Verbrechen der Angeklagten zu ziehen.

Mit Erlaubnis des Gerichtshofs werde ich aber ein Dokument vorlegen, dessen Angaben, obwohl nicht abschließend, doch absolut verläßlich sind und den ungeheuren, von den Nazis verursachten Schaden bezeugen.

[113] Es handelt sich um den Bericht der Außerordentlichen staatlichen Kommission, der dem Gerichtshof als Beweisstück USSR-35 vorgelegt wurde. Dieses Dokument befindet sich auf den Seiten 404/405 Ihres Dokumentenbuches. Ich will daraus nur einzelne Auszüge verlesen, welche die von mir vorgetragenen Themen betreffen und noch nicht verlesen wurden:

»Zerstörung gemeinnütziger Kultureinrichtungen, öffentlicher Organisationen und Genossenschaften.

Die den Konsum- und Gewerbegenossenschaften, den Berufsverbänden und anderen öffentlichen Organisationen gehörenden Unternehmungen, wie Klubs, Sportplätze, Erholungsheime, Sanatorien wurden von den deutschen Eindringlingen in den von ihnen besetzten Gebieten der Sowjetunion vernichtet.

Sie zerstörten mehr als 87000 Wirtschaftsgebäude, die Genossenschaften, Gewerkschaften und anderen gesellschaftlichen Organisationen gehörten, ferner 10000 Wohngebäude und 1839 Kultureinrichtungen. Sie verschleppten ungefähr 8 Millionen Bücher nach Deutschland,... zerstörten vollständig 120 Sanatorien und 150 Erholungsheime, die den Gewerkschaften gehörten und in denen jährlich mehr als 3 Millionen Arbeiter, Ingenieure, Techniker und Angestellte Heilung und Erholung fanden. Von dieser Gesamtzahl vernichteten sie in der Krim 59 Sanatorien und Erholungsheime..., in den kaukasischen Mineralbädern 32 Sanatorien und Erholungsheime, im Bezirk Leningrad 33 Sanatorien und Erholungsheime, in der Ukraine 88 Sanatorien und Erholungsheime.

Die deutsch-faschistischen Eindringlinge zerstörten die Gebäude von 46 Pionierlagern und Kindererholungsheimen, die im Eigentum der Gewerk schaften standen. Ferner vernichteten sie 189 Klubs und Kulturpaläste.«

Ich überspringe den nächsten Absatz und verlese den letzten Absatz auf dieser Seite:

»In dem von den Deutschen besetzten Teil der Sowjetunion gab es Anfang 194182000 Grund- und Mittelschulen mit 15000000 Schülern. Alle Mittelschulen besaßen Bibliotheken von je 2000 bis 25000 Bänden. Viele Schulen besaßen Physik-, Chemie-, Biologie- und andere Lehrsäle. Die deutsch-faschistischen Eindringlinge verbrannten, zerstörten und plünderten diese Schulen mit ihrer gesamten Einrichtung....«

Ich lasse das Ende dieses Absatzes aus und zitiere:

»Die deutsch-faschistischen Eindringlinge zerstörten 334 Hochschulen, in denen 233000 Studenten studierten, völlig oder teilweise und verschleppten die Einrichtung der Laboratorien und Lehrsäle sowie die Raritäten der Sammlungen [114] dieser Universitäten und Institute ebenso wie auch deren Bibliotheken nach Deutschland.

Großer Schaden wurde den medizinischen Hochschulen zugefügt. Die Eindringlinge zerstörten oder beraubten 137 pädagogische Institute und Lehrerbildungsanstalten... Sie schafften aus Spezialbibliotheken historisches Archivmaterial und alte Handschriften fort und raubten oder vernichteten über 100 Millionen Bände aus öffentlichen Bibliotheken.«

Den nächsten Absatz lasse ich aus:

»Im ganzen zerstörten sie 605 wissenschaftliche Forschungsinstitute.«

Ich übergehe das Ende der Seite 85 und den ersten Absatz von Seite 86 meines Vortrags:

»Ungeheuerer Schaden wurde den Kurorten der Sowjetunion durch die deutschen Eindringlinge zugefügt. Sie zerstörten oder plünderten 6000 Spitäler, 33000 Polikliniken, Apotheken und Ambulatorien, 976 Sanatorien und 656 Erholungsheime.«

Ich lasse die nächsten drei Absätze fort:

»Zerstörung von Museen und historischen Denkmälern.

Die deutsch-faschistischen Eindringlinge zerstörten im besetzten Gebiet 427 von insgesamt 992 Museen der Sowjetunion.«

Ich übergehe den Schluß dieser Seite und beginne Seite 87 zu verlesen:

»Die Deutschen zerstörten auch das Museum des Bauerndichters S. D. Drodzin im Dorfe Sawidowo, das Museum des berühmten polnischen Dichters Adam Mickiewicz in Nowogrudka in der Weißrussischen Sowjet-Republik. In Alagier verbrannten sie Handschriften des berühmten Volkssängers Osetij Kosta Chetagurow.

Die deutsch-faschistischen Eindringlinge zerstörten 44000 Theater, Klubs und die sogenannten ›Roten Ecken‹.«

Mit Erlaubnis des Hohen Gerichtshofs möchte ich jetzt einen dokumentarischen Film vorführen sowie Dokumente vorlegen, die die Echtheit dieses Films verbürgen. Der Film heißt: »Zerstörung von Kunstwerken und Denkmälern nationaler Kultur, die von den Deutschen im Sowjetgebiet verübt wurden.«

Diesen Film und die Dokumente, die seine Echtheit verbürgen, lege ich dem Gerichtshof als USSR-98 vor.

Der Film enthält außer den photographischen Aufnahmen, die aus den Jahren 1941 bis 1945 stammen, auch solche, die im Jahre 1908 hergestellt wurden und das Gut »Jasnaja Poljana« und Leo Tolstoj zeigen, während die folgenden Bilder das zeigen, was die[115] deutschen Eindringlinge aus dieser Reliquie des Sowjetvolkes gemacht haben.

Darf ich jetzt den Film vorführen, Herr Vorsitzender?

VORSITZENDER: Ja, selbstverständlich!


[Filmvorführung.]


STAATSJUSTIZRAT RAGINSKY: Hoher Gerichtshof! Ich muß jetzt bei noch einer anderen Art von Verbrechen verweilen, die von den Hitleristen begangen wurden, und zwar handelt es sich um die Plünderung und Zerstörung von Kirchen, Klöstern und anderen religiösen Kultstätten. Durch die Zerstörung von Klöstern, Kirchen, Moscheen und Synagogen sowie durch die Plünderung ihres Eigentums verhöhnten die Hitler-Eindringlinge in sadistischer Weise das religiöse Volksempfinden. Diese gotteslästerlichen Verbrechen wurden überall auf allen Gebieten ausgeübt, die unter deutscher Kontrolle standen.

Soldaten und Offiziere organisierten blutige Orgien an den zum Gottesdienst bestimmten Stätten, brachten Pferde und Hunde in Kirchen unter, zogen sich Kirchengewänder an und stellten Schlafstellen aus Heiligenbildern her.

Ich habe nicht die Zeit, all die zahlreichen Dokumente zu verlesen, die der Sowjetischen Anklagebehörde zur Verfügung stehen. Ich beschränke mich daher nur auf einen Teil dieser Dokumente, insbesondere auf die dokumentarischen Photokopien, deren Sammlung ich dem Gerichtshof als USSR-99 vorlege.

Mit Erlaubnis des Gerichtshofs möchte ich noch einige Dokumente verlesen, insbesondere einen kleinen Auszug aus dem dem Gerichtshof bereits als Dokument USSR-51/3 vorgelegten Schriftstück. Dieser Auszug befindet sich auf Seite 321, Rückseite des Dokumentenbuches. Ich zitiere:

»Die hitlerischen Eindringlinge verschonen auch nicht die religiösen Gefühle des gläubigen Teiles der Sowjetbevölkerung. Sie haben auf dem Sowjetterritorium Hunderte von Kirchen niedergebrannt, ausgeplündert, in die Luft gesprengt und besudelt, darunter einige unersetzliche Denkmäler alter Kirchenbaukunst.«

Ich lasse zwei Absätze aus und verlese weiter:

»Der Priester Amwrossi Jwanow, schreibt aus dem Dorf Jklinskoje, Bezirk Moskau:

›Bevor die Deutschen kamen, war die Kirche in bestem Zustand. Ein deutscher Offizier gab mir den Befehl, alles aus der Kirche auszuräumen.... Nachts trafen Truppen ein, besetzten die Kirche und führten Pferde hinein... In der Kirche begannen sie alles kurz und klein zu schlagen und [116] Pritschen zu bauen. Sie warfen alles hinaus: den Altar, die Altartüren, die Kirchenfahnen, die Tücher mit der Grablegung Christi. Mit einem Wort, sie machten das Gotteshaus zu einer Räuberhöhle.‹«

Ich überspringe den letzten Teil auf Seite 88 und beginne auf Seite 89 meines Vortrags:

»Im Dorf Gostjeschewo plünderten die Deutschen die Kirche aus, zerbrachen die Kirchenfahnen, warfen die Bücher hinaus, raubten den Geistlichen Michael Strachow aus und verschleppten ihn in einen anderen Bezirk. Im Dorfe Cholm, in der Nähe von Moshaisk, bestahlen und verprügelten die Deutschen den 82jährigen Dorfpriester. Bei ihrem Rückzug aus Moshaisk sprengten die Deutschen die Himmelfahrtskirche und die Dreifaltigkeitskirche sowie den Dom Nikolaus des Wundertätigen. In der Regel treiben die Deutschen vor ihrem Abzug einen Teil der Bevölkerung der niedergebrannten Dörfer gerade in die Kirchenge bäude hinein und lassen die Kirchen und die darin eingesperrten Menschen Opfer der Flammen werden.«

Ich verlese weiterhin einen kurzen Auszug aus dem dem Gerichtshof bereits als USSR-312 vorgelegten Dokument:

»... So wurde von den Deutschen in der Znamenskykathedrale in einem nördlichen Seitenaltar ein Abort für Soldaten eingerichtet, die in der Krypta der Kathedrale einquartiert waren. In der Kirche des Propheten Elia, an der Slavna, wurde ein Pferdestall eingerichtet. In Pleskau wurden in den Kirchen ›Bogojavlenie‹ am Zapskovie, der Kirche ›Kozma und Demian‹ auf dem Gremjatschiberg, der Kirche ›Constantin und Helena‹ und auch in der Kirche des Apostels Johannes Pferdeställe eingerichtet.«

Das als USSR-279 vorgelegte Dokument beschreibt die gotteslästerlichen Verhöhnungen, die in der Stadt Gdzatsk stattfanden, wo die Kirchen von den Deutschen in Ställe und Lagerhäuser umgewandelt wurden. In der Kirche »Mariä Verkündigung« richteten die Deutschen eine Rinderschlächterei ein.

Das Dokument, das ich jetzt dem Gerichtshof als USSR-246 vorlege, ist ein Bericht der Außerordentlichen staatlichen Kommission und enthält allgemeine Angaben über die zerstörten oder beschädigten Kirchen, Kapellen und andere religiöse Einrichtungen. In dem Dokument wird gesagt:

»Die deutsch-faschistischen Eindringlinge zerstörten vollständig oder teilweise 1670 Kirchen, 69 Kapellen, 237 römisch-katholische Kirchen, 4 Moscheen, 532 Synagogen und 254 andere Gebäude religiösen Charakters.«

[117] Diese allgemeinen Tatsachen finden Sie, meine Herren Richter, auch in dem bereits vorgelegten Dokument USSR-35. Ich möchte die Zeit und Aufmerksamkeit des Gerichtshofs nicht mit der Verlesung des ganzen Dokuments in Anspruch nehmen, sondern nur einige sehr kurze Auszüge daraus verlesen. Ich zitiere:

»Die materielle Verantwortlichkeit der Deutschen kann die Zerstörung, die den Gebäuden der Religionsgemeinschaften und seltensten historischen Denkmälern zugefügt wurden, nicht wiedergutmachen, denn die meisten können nicht wieder hergestellt werden.«

Ich lasse den nächsten Teil bis zum Ende der Seite aus, ebenso wie die ersten vier Absätze auf Seite 91. Ich fahre mit dem letzten Absatz auf dieser Seite fort:

»Viele alte Kirchen und Denkmäler des Altertums wurden von den deutschen Eindringlingen in Weißrußland vernichtet. So z.B. wurde in Witebsk die Kirche ›Geburt Christi‹, ein interessantes Denkmal der weißrussischen Architektur aus dem 12. Jahrhundert zerstört. Die Holzbauten der Kirchen des 18. Jahrhunderts, die Apostelkirche und die Nikolauskirche wurden völlig vernichtet.

Schwer wiedergutzumachender Schaden wurde der Woskressensk-Sarutschewsk-Kirche zugefügt. Sie wurde im späten 18. Jahrhundert im Stil des weißrussischen Klassizismus erbaut. Auch zerstörten die Deutschen in der Stadt Witebsk eine römisch-katholische Kirche aus dem 18. Jahrhundert....

In der Stadt Djesna, im Gebiet Polotsk, brannten die Deutschen eine römisch-katholische Kirche aus dem 17. Jahrhundert, nachdem sie sie ausgeplündert hatten, nieder.

Rudolf Timoschel, der deutsche Stadtkommandant von Roshnjatow, im Bezirk Stanislav, benützte drei Synagogen als Kasernen und zerstörte diese Gebäude, nachdem er sie ausgeplündert hatte.«

Ich lasse den nächsten Absatz aus.

»Vor Zerstörung kirchlicher Gebäude plünderten und vernichteten die Deutschen deren gesamte Einrichtung. Zahlreiche Heiligenbilder und Kirchenschmuck wurden aus kirchlichen Gebäuden entfernt und nach Deutschland geschafft. Das Joseph-Volokolamsky-Kloster wurde ausgeplündert, die alten Leichentücher und das persönliche Eigentum des Klostergründers Joseph Wolotsky, sind verschwunden...

Im Jahre 1941 stahlen deutsche Soldaten und Offiziere aus der Staritzkikirche alle Weihgefäße, Altarkreuze, Kronen, Mitren und Tabernakel. Sie plünderten und nahmen mit sich den ganzen Besitz der Moschee in Dokschitza, einer Stadt im Bezirk Polotzk. [118] Das gleiche Schicksal wurde fast allen Kirchen in den Gebieten, die von den Deutschen besetzt waren, zuteil.

Überall plünderten die Deutschen griechisch-orthodoxe und römisch-katholische Kirchen, Synagogen, Moscheen und andere kirchliche Gebäude.«

Die Hitler-Verschwörer plünderten, folterten und mordeten nicht nur, sondern versuchten auch, die Gläubigen moralisch zu demütigen und sie ihres geistigen Reichtums zu berauben.

Hoher Gerichtshof! Dies sind die dokumentarischen Beweise für die Verbrechen gegen die Kultur, die von Rosenberg, Frank, Göring, Ribbentrop, Keitel und den anderen Mitgliedern der Verschwörung begangen wurden.

Die Folgen der Verbrechen, die von den Angeklagten an der Kultur verübt wurden, sind wahrlich grauenvoll.

Obwohl die Städte und Dörfer, die von den Hitleristen zerstört wurden, unter großen Schwierigkeiten wieder aufgebaut werden können, obwohl es auch möglich ist, die Fabriken und Anlagen, die von ihnen in die Luft gesprengt und niedergebrannt wurden, wieder herzustellen, hat die Menschheit jedoch für immer die einzigartigen Kunstwerke verloren, die die Hitleristen barbarisch zerstört haben. Sie sind für immer verloren, wie das Leben der Millionen von Menschen verloren ist, die sie in Auschwitz und in Treblinka, in Baje-Yar und in Kertsch ermordet haben.

Sie entnahmen ihre Theorien des Menschenhasses den dunkelsten Zeiten der Weltgeschichte und haben als die Hunnen von heute mit ihrer erschreckenden Grausamkeit und ihrem Vandalismus die schwärzesten Seiten der Geschichte in den Schatten gestellt.

Sie forderten arrogant die Zukunft der Menschheit heraus und haben das schönste Erbe menschlicher Vergangenheit mit den Füßen getreten.

Sie waren selbst ohne Ideale und Glauben und vernichteten deshalb frevelhaft Kirchen und Reliquien.

In diesem beispiellosen Kampf zwischen Kultur und Finsternis, zwischen Zivilisation und Barbarei, haben Kultur und Zivilisation am Ende den Sieg davongetragen.

Die Hitler-Verschwörer, die von einer Weltherrschaft träumten, von einer Vernichtung der Kultur der Slawen und anderer Völker, sitzen jetzt auf der Anklagebank. Mögen sie ihre wohlverdiente Strafe empfangen!

VORSITZENDER: Wollen Sie bis 5.00 Uhr weitersprechen?

STAATSJUSTIZRAT RAGINSKY: Ganz wie Sie wünschen, Herr Vorsitzender.

[119] VORSITZENDER: Ja, bitte, wollen Sie bis 17.00 Uhr weitersprechen.


STAATSJUSTIZRAT RAGINSKY: Ich möchte nur um einige Minuten bitten, um die Dokumente zu beschaffen. Es kann sich buchstäblich nur um einige Minuten handeln.


VORSITZENDER: Es würde sich kaum lohnen, wenn Sie eine Pause brauchen. Wir hören um 17.00 Uhr auf.


STAATSJUSTIZRAT RAGINSKY: Dann wäre es vielleicht doch besser, wieder morgen um 10.00 Uhr anzufangen.


VORSITZENDER: Wir werden uns dann bis auf morgen vertagen.


[Das Gericht vertagt sich bis

22. Februar 1946, 10.00 Uhr.]


Quelle:
Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Gerichtshof Nürnberg. Nürnberg 1947, Bd. 8, S. 95-121.
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