30. Die judäischen Münzen in der nachexilischen Zeit.

[822] Aus winzigen Anfängen hat sich die Studie über jüdische Münzen zu einem umfangreichen Literaturgebiet erweitert und vertieft. Was anfangs nur Sache der Kuriosität war, als man Münzgepräge in hebräischer Sprache und in althebräischem (samaritanisch-phönizischem) Alphabet fand und dann noch dazu entdeckte, daß manche darunter überprägte Kaisermünzen waren, ist gegenwärtig Gegenstand eifriger Forschung geworden. Vor etwa 30 Jahren hat de Saulcy, welcher viele solcher Münzen in Palästina gesammelt hat, zuerst diese Studie angeregt, und seitdem ist dieser numismatische und der damit verbundene historische Stoff in größeren Abhandlungen und Monographien in verschiedenen Zeitschriften vielfach zerstreut beleuchtet worden.

Man unterscheidet nämlich gegenwärtig in der jüdischen Numismatik vier Gattungen246:

  • 1) Münzen von Simon Makkabäus;
  • 2) Münzen der Makkabäerfürsten oder Könige;
  • 3) Münzen aus der Zeit des Krieges gegen die Römer unter Vespasian und Titus oder Münzen des ersten Aufstandes, der ersten Revolution und
  • [822] 4) Münzen des Krieges unter Hadrian oder aus dem zweiten Aufstande, der zweiten Revolution oder Bar-Kochbamünzen.


Tafel: Jüdäische Münzen aus der Zeit des Aufstandes.
Tafel: Jüdäische Münzen aus der Zeit des Aufstandes.

Tafel: Jüdäische Münzen aus der Zeit des Aufstandes.


I. Bezüglich der schön geprägten Silbermünzen mit der Inschrift השודקה םילשורי (Var. השדק) auf der einen Seite und לארשי לקש oder לקשה יצח auf der andern Seite, herrscht beinahe Einstimmigkeit, was ihre Zeit und ihren Prägeherrn angeht. Sie werden fast von allen Simon Makkabäus beigelegt, obwohl sie nicht seinen Namen und Titel tragen. So weit sie bis jetzt bekannt sind, haben sie alle auf der einen Seite als Emblem eine Mandelblüte (Symbol der aharonidischen Priesterschaft) und auf der andern ein Gefäß mit einem kleinen Griff an beiden Seiten und oberhalb desselben die Jahreszahl. Diese lautet א"ש, ב"ש, ג"ש, ד"ש und ה"ש (ש Abkürzung für תנש). Sie sind während 5 Jahren geprägt worden (Madden, p. 67 fg.). Da Simon das Münzrecht von Antiochos Sidetes im Jahre 173 Seleucidarum erhalten (I. Makkab., 15, 6) und gewiß in demselben Jahre davon Gebrauch gemacht hat, so hätten wir Münzen von ihm während seiner letzten fünfjährigen Regierung von 173 bis 177 (139 bis 135). Mag immerhin sein offizielles Regierungsjahr schon 172 begonnen haben (nach I. Makkab. 14, 27 fg.; vgl. Merzbacher in v. Sallets Zeitschrift für Numismatik V, 312 fg.), so war damit noch nicht die volle Souveränität gewährt. Denn daß die syrischen Könige bei allen Rechten und Freiheiten, die sie dem judäischen Volke und den Hasm.-Fürsten gewährt hatten, immer noch Ansprüche auf das Herrscherrecht behalten haben, beweist doch ihre Haltung noch gegen Hyrkan I. Der Einwand, welcher gegen diese Simonmünzen besonders von de Saulcy gemacht wurde, ist nicht stichhaltig. Die Abwesenheit von Simons Namen und Titel in der Inschrift, die sich doch bei denen seiner Nachfolger finden, beweist nichts gegen das Faktum, sondern beweist nur für seine Bescheidenheit. Auf den Münzen sollte nur versichtbart werden, daß Jerusalem heilig sei, daß es sich nicht wie unter Antiochos Epiphanes gefallen lassen werde, entweiht und geschändet zu werden. Mit seinem Namen und seiner Würde als Fürst und Hoherpriester mochte Simon nicht prunken.

Die 4 Erzmünzen mit der Inschrift ןויצ תלאגל auf der einen Seite und עברא תנש auf der andern, und bei zweien noch dazu יצח und עיבר, welche de Saulcy als die einzigen Simon Makkabäus zuschrieb, sind von zweifelhafter Echtheit. Die Embleme sind sehr seltsam. Zwei Exemplare (Pariser Münzkabinet) haben auf der einen Seite zwei Lulab und auf der andern einen Ethrog. Andere haben auf der einen Seite eben falls 2 Lulab und in der Mitte einen kleinen Ethrog, und auf der anderen Seite eine Palme mit kleinen Körbchen. Wieder andere Rev. (B.) 1 Lulab und zwei Ethrog. Endlich ist ein Exemplar auf der einen Seite verwischt und zeigt auf der anderen ein kaum erklärliches Emblem (bei Madden p. 71 fg.).

II. Die Münzen der Makkabäerfürsten, der Nachkommen Simons, von Hyrkan I. (ןנחוהי) bis auf Antigonos (היתתמ) sind teils ganz hebräisch, teils hebräisch und griechisch, und im ganzen klar und verständlich. Nur ein einziger Punkt muß noch erörtert werden. Die Hyrkanmünzen zerfallen in 2 Gruppen, die eine hat die Legende םידוהיה רבח שאר לדגה ןהכה ןנחוהי (oder םידהיה) (bei Madden, p. 80, Nr. 25-30), und die andere hat: םידוהיה רבחו לדגה ןהכה ןנחוי (das. p. 76, Nr. 1-24). Die Aristobulmünzen (mit dem hebräischen Namen הדוהי) haben nur die Legende, wie in der zweiten Gruppe der Hyrkanmünzen: םידוהיה רבחו (auch (לודג לדג ןהכ הדוהי (nur eine hat die Variante רבח םידוהיה (ohne das kopulative ו) und eine andere רבחה םידוהיה (das. p. 82 fg.). Das [823] Wort שאר fehlt auf denselben. Ebenso fehlt es auf den Münzen des Alexander Jannaï (hebr. ןתנוהי). Die Legende lautet durchweg: (ןתני ןתנוהי Var.) םידוהיה רבחו לדגה ןהכה (M. p. 88 fg.). Nur auf den Münzen, worauf er nicht als Hoherpriester, sondern als König figuriert, fehlt der Zusatz רבחו, und lautet ךלמה ןתנוהי und ΒΑΣΙΛΕΩΣ ΑΛΕΞΑΝΔΡΟΥ (das. p. 85, Nr, 1-3, p. 90, Nr. 3). Auf den Antigonosmünzen findet sich mehr oder weniger deutlich םידוהיה רבח לדגה ןהכה היתתמ ohne den Königstitel in hebräischer, und mit diesem nur in der griechischen Inschrift (das. p. 100 fg.).

Nach dem o. S. 77 f. in der Note Auseinandergesetzten bedeutet unzweifelhaft רבח (chever) so viel als κοινόν Gemeinwesen. Nun gebraucht Josephus für κοινόν auch τὸ συνέδριον τῶν Ιεροοολυμιτῶν (Vita § 12). Folglich bedeutet םידוהיה רבח das große Synhedrion (הלודגה ןירדהנס oder לודגה ןיד תיב im Talmud). Früher hieß der Rat γερουσία, d.h. ןיד תיב ינקז. Da sich aber davon im Hebräischen schwer ein Abstraktum bilden läßt, so wurde dafür, dem κοινόν nachgebildet, רבח eingeführt. (Das Wort Sanhedrin wurde erst in der römischen Zeit gebräuchlich).

Ist nun םידוהיה רבח der Senat oder das Synhedrion, so ist die Legende auf den Hyrkan-Münzen verständlich. םידוהיה רבח שאר bedeutet Haupt und Vorsitzender des großen Synhedrion. Ohne diesen Zusatz, und einfach םידוהיה רבחו, will sagen, daß Hyrkan die Münzen auch im Namen des Synhedrion prägen ließ. Es gibt kein vollgültiges Zeugnis dafür, daß der Hohepriester jedesmal Vorsitzender des hohen Rates oder des Synhedrion gewesen wäre. Denn dieses war die gesetzgebende und gesetzauslegende Behörde, deren Mitglieder Kenntnis der pentateuchischen Gesetze und der Tradition besitzen mußten, da bürgerliche und richterliche Gesetze mit den religiösen zusammenflossen oder aus diesen emanierten. Diese Kenntnis besaß der Hohepriester nicht ohne weiteres. Daher konzentrierte sich in ihm nur die Exekutivmacht. An der Spitze des Synhedrions dagegen stand vielmehr ein Präsident, mit dem Titel אישנ, oder zwei, von denen der andere den Titel ןיד תיב בא führte. Diese waren bis zu Hyrkans Zeit Pharisäer, d.h. Ausleger des Gesetzes (s. Note p. 568, 687 f.). Hyrkan war zuerst nicht zugleich Haupt des Rates. Erst als er mit den Pharisäern gebrochen und Sadducäer in das Synhedrion berufen hatte, scheint er sich auch zum Vorsitzenden desselben gemacht zu haben und daher ließ er auf die Münzen prägen: םידוהיה רבח שאר. Seine Nachfolger führten nicht mehr diesen Titel. Aristobul und Alexander Jannaï waren auf kriegerische Taten erpicht und schenkten den inneren Verhältnissen weniger Aufmerksamkeit. Möglich, daß der letztere während seines Zerwürfnisses mit den Pharisäern auch Haupt des sadducäischen Synhedrions war (vgl. o. S. 705 ff.), und auch auf den Münzen den Titel רבח שאר םידוהיה geführt hat. Diese mögen aber verloren gegangen sein, und seine Münzen ohne diesen Titel stammen wohl aus der Zeit seiner versöhnlichen Haltung gegen die Pharisäer, als er Simon b. Schetach wieder an seinen Hof berufen hatte. So haben die Bezeichnungen םידוהיה רבח לדג ןהכ und םידוהיה רבח שאר einen tieferliegenden Hintergrund. Außer diesem einen Punkt sind die Münzen der Makkabäerfürsten klar und nicht kontrovers.

III. Dagegen ist die dritte Gattung außerordentlich kontrovers, und die Differenz geht so weit, daß manche Numismatiker sie gar nicht zugeben, und ämtliche Exemplare, welche nicht der Makkabäerzeit angehören, als Bar-Kochebamünzen bezeichnen.

Die kontroversen Münzen der dritten Gattung bilden drei Klassen:

[824] a) Sogenannte Eleasarexemplare, solche, welche in der Legende mehr oder weniger regelmäßig רזעלא ןהוכה (oder ןהכה) haben.

b) Sogenannte Simonexemplare, welche wieder in zweierlei Spezies zerfallen, nämlich in solche, welche die Legenden zeigen לארשי אישנ ןועמש und andere, welche nur den Namen ןועמש haben, mit Typen, die auch sonst vorkommen.

c) Lulabexemplare, welche deutlich einen gemeinsamen Typus haben, einen ritualmäßigen Feststrauß, nämlich einen längeren Zweig in der Mitte, als Palme, und seitlich zwei kleinere Zweige, als Figur der Myrte und des Weidenzweiges, alle drei in einem Gefäße und, um das Symbol als Feststrauß noch deutlicher zu machen, links vom Gefäß die Figur eines Zitronat oder Ethrog (גורתא). Auf der anderen Seite haben die selben Münzen den Typus eines Portals. Die Legenden auf diesen Exemplaren sind verschieden (vergl. die Tafel).

IV. Die vierte Gattung ist nicht kontrovers. Sie hat bei Verschiedenheit der Typen und Legenden durchweg den Prägherrnnamen ןועמש und teilweise עמש. Die Berechtigung, diese Gattung der zweiten Revolution zuzuweisen, nehmen die Numismatiker von dem Umstande her, daß einige Exemplare in der Prägung mehr oder weniger deutlich die Namen von Kaisern haben, welche nach der Tempelzerstörung regiert haben, und am meisten den Namen Trajans, mit lateinischen oder griechischen Buchstaben. Einige zeigen auch Kaiserköpfe. Es sind also deutlich Kaisermünzen aus der Zeit nach der Zerstörung des Tempels, mit einem hebräischen Stempel und mit eigenen Typen überprägt. Folglich können es nur Bar-Kochebamünzen sein. So lautet die Schlußfolgerung, daß die Simonmünzen durchweg der Bar-Kochebazeit angehören. Die Annahme des Dr. Merzbacher, welche zum Teil von Madden akzeptiert wird, daß nur die überprägten Kaisermünzen dieser Zeit, hingegen die Simonexemplare ohne Zeichen der Überprägung der dritten Gattung angehören, wird von dem Numismatiker von Sallet, Direktor des Berliner Münzkabinetts, widerlegt. Er macht dagegen geltend (Zeitschr. für Numismatik V, S. 113): »Es ist in der Numismatik des Altertums beispiellos und unmöglich, daß Münzen, welche einander im Stil völlig gleichen, ja, sich zum Verwechseln ähnlich sind, 60 Jahre auseinander liegen«. Demnach müßten auch sämtliche Lulabmünzen der Bar-Kochebazeit angehören, da sie teilweise den Namen »Simon« haben. v. Sallet stimmt daher der Annahme de Saulcys bei, daß sämtliche Münzen, welche nicht von den Makkabäern geprägt wurden, der vierten Gattung angehören. Aus der Zeit der ersten Revolution gäbe es keine Münzen. Der Beweis, daß Bar-Kocheba tatsächlich Münzen hat prägen lassen, wird aus der talmudischen Literatur geholt, welche אביזוכ ןב לש עבטמ oder תויבזוכ תועמ erwähnt. Das ist der Stand der numismatischen Frage.

Dieser starken Seite kann man aber eine äußerst schwächende entgegensetzen:

1. Der Name Bar-Kocheba, der doch nicht fehlen dürfte, wenn der Held des zweiten Aufstandes Prägherr gewesen wäre, kommt auf keinem einzigen der Exemplare dieser Gattung vor. Die Annahme, daß er den Vornamen »Simon« geführt habe, ist eine auf nichts gegründete Hypothese.

2. Die Eleasarmünzen können noch weniger aus dieser Zeit stammen, weil eine Persönlichkeit mit dem Namen Eleasar, welche damals eine so bedeutende Rolle gespielt haben könnte, um als Prägherr figurieren zu können, völlig unbekannt ist. De Saulcys Hypothese, daß R. Eleasar aus Modin [825] der Prägherr gewesen sein könnte, weil er Bar-Kochebas Verwandter war, ist bodenlos und wird mit Recht von allen übrigen Numismatikern verworfen. R. Eleasar aus Modin (יעדומה רזעלא 'ר) war ein frommer Mann, der während Bethars Belagerung in Sack und Asche gebetet hat. Er war ein Haggadist, d.h. ein Prediger im Geschmacke jener Zeit. Ein solcher Mann eignete sich doch am allerwenigsten zum Prägherrn. Der Zug, der von ihm in den letzten Tagen Bethars erzählt wird, zeigt, daß er keine Ahnung von den politischen oder gar kriegerischen Vorgängen gehabt haben kann.

3. Wenn die Simonmünzen eo ipso Bar-Kochebamünzen gewesen sein, d.h. sämtlich die Legende ןועמש gehabt haben sollten, dann hätten sie in der talmudischen Literatur als ןועמש לש עבטמ bezeichnet sein müssen, wie תוימלשורי תועמ, d.h. Münzen, auf denen die Prägung Jerusalem (םלשורי) zu lesen war. Sie werden aber תויבזוכ genannt und nicht תוינועמש.

Während also aus der zweiten Revolution weder ein Simon, noch ein Eleasar mit einer hervorragenden Rolle bekannt ist, braucht man in der Geschichte der ersten Revolution nicht erst nach Personen von dieser Bedeutung und mit solchen Namen zu suchen. Simon ben Gamaliel und Eleasar ben Simon, der »Priester«, drängen sich von selbst auf. Sie haben damals eine hohe Stellung eingenommen. Der erstere, bekanntlich aus der Familie Hillel, welcher den Titel »Naßi« geführt hat, hatte nach Josephus eine gewichtige Stimme während des Krieges, und der letztere war Schatzmeister und anerkannter Führer. Auf diese passen die Legenden לארשי אישנ ןועמש und ןהכה רזעלא so ungesucht, daß, gäbe es keine überprägten Kaisermünzen mit dem Namen Simon, kein Numismatiker daran gezweifelt hätte, daß sämtliche Simon- und Eleasarexemplare der ersten Revolution angehören.

So steht die Forschung bezüglich der Münzen der letzten zwei Gattungen vor einem scheinbar unlösbaren Rätsel. Die Simonmünzen und auch andere, welche mit ihnen Stilähnlichkeit haben, können nicht während des ersten Aufstandes geprägt sein, weil die teilweise Überprägung auf Kaisermünzen auf die nachtrajanische Zeit hinweist. Sie können aber ebensowenig aus der zweiten Revolution stammen, weil aus der Geschichte derselben kein Führer mit dem Namen Simon oder Eleasar bekannt ist.

Um diesem verfänglichen Dilemma zu entgehen, muß man einen anderen Ausgangspunkt suchen.

Die Lulabmünzen247 dürften den chronologischen Zweifel beseitigen. Wie schon angegeben, hat diese Klasse fast gleichmäßige Typen. Nur die Legenden auf diesen Münzen sind verschieden. Der Typus ist nämlich unverkennbar ein Feststrauß. Auf der anderen Seite findet sich als Typus ein Portal oder eine Kolonnade, vier Säulen mit einem Architrav und mit noch sonstiger Verzierung oberhalb desselben. Dieses Tetrastylportal ist aber nicht auf allen Exemplaren gleichmäßig geprägt, sondern zeigt manche Formverschiedenheit. Noch ungleichmäßiger sind die Legenden auf diesen Lulabmünzen. Ein Exemplar hat deutlich auf der Lulabseite die Worte: »erstes Jahr [826] zur Erlösung Israels« (לארשי תלאגל תחא תנש) und auf der Portalseite an den beiden Säulenseiten und oberhalb des Architravs das Wort »Jerusalem«, (םלשורי), aber keinen Eigennamen. Mehrere Exemplare dagegen haben auf der Lulabseite die Legende: »das zweite Jahr zur Freiheit Israels« (לארשי 'רחל ב"ש) und auf der Portalseite ebenso wie das früher genannte »Jerusalem« und ebenfalls keinen Eigennamen. Noch andere wieder auf der Portalseite mehr oder weniger deutlich den Namen »Simon«, statt Jerusalem. Endlich eine dritte oder vierte Spezies hat auf der Lulabseite die Worte: »zur Freiheit Jerusalems« (vollständig םלשורי תורחל), aber nicht das Prägungsjahr, und auf der Portalseite den Namen »Simon«.

Was die chronologische Präzisierung dieser Münzklasse so zweifelhaft macht, ist der Umstand, daß auf einigen Exemplaren derselben ebenfalls Spuren eines Kaiserkopfes oder griechischer Buchstaben vorkommen, eines die Endung NOC und eines gar ziemlich deutlich in griechischen Buchstaben die Abkürzung von Titus Flavius Vespasianus hat. Diese Exemplare sind demnach Überprägungen römischer Kaisermünzen von Vespasian oder Domitian oder Trajan.

Um aus der Konfusion herauszukommen, muß zunächst die Bedeutung der Typen ermittelt werden. Denn diese, welche sämtliche Lulabmünzen gemeinsam haben, Feststrauß und Portal, sind auffallend genug und müssen irgend welche Beziehung zu gewissen Vorgängen haben. Die naheliegende Bedeutung des Feststraußes ist von den Numismatikern angegeben: The type ot these Symbols – the Ethrog and Lulab – reminded the Jews of the Feast of Tabernales (Madden). Es ist noch hinzuzufügen, daß sie so dargestellt sind, wie sie bei dem Psalmengesang des Hallel gehalten zu werden pflegen: Der Lulab zur rechten und der Ethrog zur linken Hand. Aber eine scheinbare Kleinigkeit bei der Figur des Lulab haben die Numismatiker nicht beachtet. Der Lulab mit den dazu gehörigen zwei Zweigchen stecken auf sämtlichen Exemplaren in einem zierlichen Behältnis. Dieses Behältnis hat die Gestalt eines geflochtenen Körbchens. Es ist offenbar eine Verzierung. Was mag nun diese Verzierung oder dieses Behältnis bedeuten? Der Talmud gibt die Erklärung dazu an die Hand.

Ganz beiläufig tradiert nämlich R. Meïr aus der Mitte des 2. Jahrhunderts: die Vornehmen Jerusalems haben ihren Feststrauß in einem goldenen Körbchen zusammengehalten248. Das Bündel von Palme, Myrte und Weide soll nämlich nach dem rituellen Gesetze unten zusammengebunden sein. Nun beruft sich R. Meïr gegenüber der Behauptung, daß das zusammenhaltende Band eine Pflanzenfaser sein müsse, auf das Faktum, daß vornehme Jerusalemer nicht darauf geachtet, sondern die Verbindung vermittelst eines goldenen Körbchens bewerkstelligt haben. Sein [827] halachischer Gegner gibt das Faktum zu, meint aber: das Bündel sei vermittelst eines Faserbandes innerhalb des Körbchens verbunden gewesen. Nebenher sei bemerkt, daß R. Meïr, als ein Jünger R. Akibas, von demselben Überlieferungen von Sitten und Gebräuchen in Jerusalem empfangen haben kann, da der letztere beim Untergang Jerusalems bereits in vorgerücktem Alter gestanden hat.

Erwägen wir die Bedeutung dieser Tradition von dem goldenen Lulabkörbchen eingehend. Während R. Meïrs Lebenszeit ist diese Sitte nicht gebräuchlich gewesen, sondern nur früher, beim Bestande Jerusalems. Auch außerhalb Jerusalems muß dieser nicht ganz korrekte Brauch. nicht vorgekommen sein, also ausschließlich in Jerusalem. Es kam daher, daß man nur in Jerusalem mit dem Feststrauß Parade gemacht hat. Man hat ihn nicht nur im Tempel und im Bethause beim Rezitieren der Hallelpsalmen in die Hand genommen, sondern hat ihn des Tages über nur selten aus der Hand gelegt. Auch dafür hat der Talmud eine Tradition erhalten249. Die Reichen und Vornehmen Jerusalems haben daher den Feststrauß mit einem goldenen Körbchen zur Parade geziert; sie konnten sich diesen Luxus gönnen.

Betrachtet man das Behältnis des Feststraußes an dem Typus der Lulabmünzen, so kann man nicht zweifelhaft sein, daß es eben dieses Körbchen repräsentiert; es erscheint gerippt und wie korbartig geflochten. Es hat einen Fuß oder Griff zum Halten und zwei oder drei Einschnitte Das Lulabbündel auf diesen Münzen ist demnach so abgebildet oder geprägt, wie es die Vornehmen Jerusalems zu halten pflegten, wie sie damit Staat gemacht haben. Man wird ohne weiteres darauf geführt, daß diese Münzexemplare nur aus der Zeit während Jerusalems Bestand geprägt sein können, da die Sitte, den Feststrauß in ein Körbchen zu stecken, später nicht vorgekommen ist [die letztere Tatsache wird nirgends ausdrücklich bezeugt], die Münzpräger demnach nicht darauf hätten verfallen können, das Bündel in dieser Form abzubilden. Zumal in der Bar-Kochebazeit kann diese Form nicht vorgekommen sein, da der in dieser Zeit lebende R. Meïr sich auf eine Sitte aus früherer Zeit beruft, die demnach zu seiner Zeit nicht üblich war. Man wird auch nicht in Abrede stellen, daß das Behältnis des Lulab auf dem Münztypus nur eine Zierrat sein kann, und dieses kann es nur gewesen sein, wenn es in natura als ein korbartiges Geflecht vorgekommen ist. Ich verweile bei diesem Umstande, weil er den Schwerpunkt für die chronologische Fixierung der Lulabmünzen bildet.

Betrachten wir nun die Kehrseite an diesen Medaillen. Deutlich ist nur daran das Bild eines Portals mit je zwei Säulen an der Seite und meistens mit einem Architrav. So einig die Numismatiker bezüglich des Bündels mit der Frucht an der linken Seite desselben sind, so uneinig sind sie betreffs dieses Typus. Perez Bayer hielt das Portal für das Bild des Mausoleums, welches Simon Makkabi (oder richtiger sein Sohn) zum Andenken an die Hasmonäerfamilie in Modin hat errichten lassen. Diese Erklärung ist mit Recht verworfen worden, weil die meisten Exemplare dieser Klasse den Namen »Jerusalem« tragen. Es wurde auch als Figur der Bundeslade interpretiert, [828] was widersinnig ist, da in der nachexilischen Zeit die Bundeslade und ihr Bild unbekannt waren. Andere Numismatiker haben in diesem Typus das Bild des Tempels oder des Tempeltores sehen wollen (Cavedoni, Levy, Merzbacher). Allein auch diese Auslegung trifft nicht zu, denn der herodianische Tempel hatte im Eingang keine Säulenverzierung, und als Pforte kann diese Figur ebensowenig angesehen werden, da die Öffnung durch eine dreireihige Verzierung gewisser maßen verrammelt ist. Merzbacher bezeichnet das Emblem demnach als verschlossene Pforte. Aber eine verschlossene Pforte ist eben kein Eingang, und somit kann es doch nicht die Tempelpforte versinnbildlichen. Was bedeutet also die Portalseite an diesen Lulabmünzen?

Erinnern wir uns, daß die andere Seite einen Feststrauß in optima forma darstellt, und noch dazu mit einer Verzierung an dem Bündel, wie das alles im Leben vorgekommen sein muß. Welche tiefere Bedeutung hat der Portaltypus? Er weicht so sehr von den Emblemen ab, welche auf den meisten Exemplaren der jüdischen Münzen vorkommen. Diese als Palmbaum oder Palmblatt oder als Weinstock sind Symbole für das jüdische Volk. Andere Typen versinnbildlichenden Priesterstand (vgl. w.u.). Was soll aber die Prägung eines Feststraußes auf Münzen? Sie erinnert, ohne daß man zu Künstelei greift, einfach an das Hüttenfest und noch weiter an die Zeit dieses Festes. Dieses Fest wurde durch zweierlei rituelle Symbole begangen, durch den Strauß von vier Pflanzengattungen (םינימ עברא) und durch die leicht gebaute Festhütte (הכוס). Soll dieses Fest typisch dargestellt werden, so müssen beide Seiten desselben versinnbildlicht werden, nicht bloß durch den Strauß, sondern auch durch die Festhütte. Das Portal stellt nun diese Hütte in der Fassade dar, allerdings nicht die erste beste Festhütte, sondern, wie beim Lulab, die eines vornehmen Juden, der damit ebenso Staat gemacht hat, wie mit dem Feststrauß. Es soll eine zierlich gebaute Hütte darstellen.

Solche zierlich gebaute Festhütten mit Säulen sind tatsächlich vorgekommen. In der talmudischen Literatur wird von einer solchen gesprochen, welche auf allen Seiten von Säulen umgeben war, und es wird entschieden, daß diese Säulen rituell als Wände angesehen werden können und daher das Ganze als eine korrekte Festhütte gelten dürfe250. Das Beispiel ist gewiß der Wirklichkeit entnommen. Mancher Vornehme hat wohl das oben offene περίστυλον im Vorhofe seines Hauses oben mit einer leichten Laubdecke versehen und als Sukka benutzt. Von der adiabenischen Proselytenkönigin Helena, welche um 43 (post) mit ihren Enkeln nach Jerusalem gekommen war, um diesen eine jüdische Erziehung zu geben, wird mitgeteilt, sie habe sich eine sehr hohe Festhütte errichten lassen251. Schwerlich werden die Wände derselben massiv gewesen sein, was schon wegen der hohen Temperatur in dieser Festzeit nicht anging. Die Hütte wird vielmehr luftig gebaut gewesen sein, und da diese Königin, welche griechisch sprach, wohl auch Geschmack an der leichten, uftigen griechischen Bauart gehabt haben wird, so war ihre Festhütte ohne Zweifel [?] mit Säulen verziert, mindestens an der Fassade, die rituellgesetzlich keine Wand zu sein braucht. Eine solche Festhütte mit einer [829] Säulenfassade, wie sie Vornehme in Jerusalem benutzt haben, diente gewiß als Muster für den Typus dieser Münzklasse. Sie bildete das Komplement zum Feststrauß, welcher, wie nachgewiesen, ein Paradestück war.

Betrachtet man das Portal mit dem Tetrastyl als Abbildung einer zierlich gebauten Festhütte, so ist auch eine andere Kleinigkeit am Portale auf diesen Münzen, welche die Numismatiker ebensowenig beachtet haben, erklärt und hat ihre Bedeutung. In der Höhlung des Portals ist nämlich auf den meisten Exemplaren ein Halbkranz aus kleinen Ringen angebracht, und an diesem Halbkranz sind 3 Schnüre mit eben solchen Kügelchen bemerkbar, in der Mitte kleiner als oben und unten. Diese Kugelschnüre können ebenfalls nur eine Verzierung sein, und auch diese wird aus der talmudischen Literatur erklärlich. Es war eben Sitte, in der Festhütte Schnüre von Nüssen oder Mandeln, Weintrauben oder Ährenkränze anzubringen und sie damit zu schmücken. Diese Verzierung hat einen terminus technicus הכוסה יונ, der »Schmuck der Hütte«. Das rituelle Gesetz bestimmte, daß eine solche Verzierung, weil sie einmal der Festhütte beigegeben war, nicht eher als bis zum Ausgange des Festes genossen werden dürfte252. Der Halbkranz und die Schnüre mit den kleinen Ringen oder Kügelchen an dem Portale auf den Münzen sind eben nur als Zierrat an der Festhütte anzusehen. Das Portal zeigt eine Verzierung, wie sie an der Festhütte angebracht zu werden pflegte. Es ist also keineswegs als eine Tempelkolonnade anzusehen, sondern als Abbild der Festhütte eines vonehmen Mannes, der den Gegenstand der rituellen Pflicht zu verschönern pflegte, wie ja auch der Feststrauß mit einem Zierrat versehen ist. Beide Typen auf den Münzen, der Lulab und die zierliche Fassade der Festhütte, versinnbildlichen zusammen das Hüttenfest nach beiden Seiten hin.

Diese Symbole des Festes haben noch eine tiefere Bedeutung, welche die Münzentypen wahrscheinlich darstellen wollten. Der Feststrauß erinnert an Freude, wie es in der Thora (Lev. 23, 40) lautet: »Ihr sollt nehmen die Frucht des Baumes Hadar, Palmzweige usw. und sollt euch vor dem Herrn freuen.« Das zweite Makkabäerbuch erzählt sachgemäß, daß bei der Einweihung des Tempels durch die Makkabäer zum Zeichen der Freude Palmzweige und überhaupt Feststräuße im Tempel zu den Hymnen geschwungen worden seien253. Symbolisiert das Lulabbündel die freudige Stimmung, so versinnbildlicht die Festhütte einen anderen Gedankengang, nämlich den Schutz Gottes für sein Volk. Sagt doch das Gesetz bei der Vorschrift für das Weilen in Gezelten an diesem Feste deutlich (das. V. 42), daß sie an den Vorgang erinnern soll, wie Gott die Vorfahren in der Wüste schützend umgeben hat. Der Vers Jesaia 6, 17 היהת הכוסו' וגו ברחמ םמוי לצל hat diesen Gedanken noch deutlicher gemacht, und er wurde später noch weiter dahin ausgesponnen, daß die Festhütte vor allem Bösen, auch vor Dämonen schütze254. Mit Vorbedacht haben also diejenigen, welche diese Münzgattung prägen ließen, dieses Emblem gewählt. [830] Es sollte die Freude über eine Errungenschaft und das Vertrauen auf den Schutz Gottes für sein Volk vergegenwärtigen.

Die Typen deuten demnach Seelenstimmungen an, und die Legenden geben die Fakta und die Zeit an, auf welche sich die Stimmungen beziehen: »Das erste Jahr zur Erlösung Israels, das zweite Jahr zur Freiheit Israels« drücken in äußerster Kürze einen reichen historischen Inhalt aus, und zwar aus der Zeit [?], als Jerusalem noch bestand.

Von der Gattung Lulabmünzen gibt es, soweit sie bekannt sind, vier Spezies.

Spezies I, wie es scheint, ein unicum im Pariser Kabinet, eine Silbermünze: Auf der Lulabseite, unten von dem Behältnis oder Körbchen angefangen, ringsherum לארשי תלאגל תחא תנש. Der Ethrog etwas unförmig mehr nach oben, ragt aber zum Teil über das Körbchen hinaus. Auf der Portalseite an der Säule rechts רי, oberhalb des Architravs die Buchstaben שו und an der linken Säule םל = םלשורי. Innerhalb der Öffnung des Portals ein Halbkranz mit kleinern Ringen oder Kügelchen; innerhalb dieses Kranzes in der Mitte oben eine kurze Schnur von 4 Ringelchen, weiter unten von 2 und unten wiederum von 4. Eine längere Schnur oberhalb des Architravs von etwa 20 Kügelchen (s. Figur I).

Spezies II. Davon sind 6 oder 7 Exemplare bekannt: 1. in der Sammlung des Grafen de Vogüé (revue numismatique 1860, 2. Note) unvollständig abgedruckt bei de Saulcy Taf. XI, 3. – vgl. Fig. II. – 2. in der Sammlung des Dr. Eugen Merzbacher, München (dessen Gefälligkeit ich einen Abdruck verdanke); – 3. in der Sammlung des Dr. Babington (bei Madden II, 244, Nr. 37); – 4. in der Sammlung des Dr. Welcher v. Moltheim (bei Madden das.); 5. in der Sammlung des Herrn Infante in Spanien (nach Angabe des Dr. Merzbacher, von den Numismatikern als echt befunden, s. Sallet, Zeitschrift für Numismatik I, 224, Nr. 6, IV. 256, Nr. 112). – 6. in der Sammlung Hunter (mitgeteilt von Woide bei Bayer de nummis Anfang (p. VII, Nr. 2); – 7. auch im Besitze eines Herrn Lurie in Mohilew ist angeblich ein gleiches Exemplar (Merzbacher a.a.O.) [vgl. hierzu die Beschreibung der Varianten bei B. Hamburger, die Münzprägungen während des Aufstandes der Israeliten gegen Rom (Berlin 1892), Sonder-Abz., S. 34, Nr. 60-65]. An der Lulabseite vom Fuß angefangen rings herum םילשורי רחל בש. Das Behältnis des Lulab ist bei dieser Spezies am Rande ein wenig stärker als in I. Der Ethrog ragt in Nr. 2 ebenso wenig über das Behältnis hervor. Dagegen in Nr. 1 und Nr. 3 etwas tiefer, so daß die Spitze desselben nur etwa bis zur Hälfte des Behältnisses reicht. – An der Portalseite steht das Wort םלשורי zur Hälfte auf der rechten und zur Hälfte auf der linken Seite in Nr. 1 und 3; dagegen in Nr. 2 wie in I. Nr. 1-3 haben oberhalb des Portals noch dazu die Form eines gleichlinigen kleinen Kreuzes. Diese Nrn. haben ebenso wie I innerhalb des Portals die Schnürverzierung (Halbkranz und Mittelschnüre); nur in 3 ein wenig verschieden; in dem Exemplar Babington auch die Schnur oberhalb des Architravs. Wie die Verzierungen des Portals bei den übrigen Exemplaren beschaffen sind, namentlich ob sie auch die Kreuzform haben, ist mir nicht bekannt, da mir keine Abbildung zu Gesicht gekommen ist, und die Numismatiker nicht darauf geachtet haben. Die Varianten in dieser Spezies deuten an, daß sie nicht von einerlei Prägung stammen. In Nr. 4 sind nach Angabe des Besitzers Moltheim unten am Portal deutlich die griechischen Buchstaben NO leserlich.

[831] Spezies III. Davon sind nur zwei Exemplare bekannt: 1) in der Pariser Sammlung (bei de Saulcy, Taf. XIV, 4). – 2) in der Sammlung des Herrn L. Hamburger in Frankfurt a.M. (der mir freundlichst einen Abdruck machte. Es ist nach einem geprägten Exemplar gegossen). Ob sonst noch davon Exemplare vorhanden sind, ist mir nicht bekannt. An der Lulab-Seite wie II לארשי רחל בש. Der Ethrog gegen die Mitte des Behältnisses. An der Portal-Seite rechts מש links ןוע (in 2 das erste verwischt). Oberhalb wie zwei Architrave übereinander statt der Schnurverzierung, und oberhalb des zweiten ein kleiner Stern (in 2 verwischt). Die Verzierung innerhalb des Portals verschieden von F. II. Der Halbkranz am Bogen nicht gleich einer Ringreihe und die Schnürchen bei 2 gleich den andern, aber in 1 ähnlich zwei Stäbchen untereinander. Nr. 2 zeigt undeutliche Spur eines Kaiserkopfes mit der Schleife des Diadems (s. Figur III.).

Spezies IV. Davon sind 5 Exemplare bekannt: 1) im Pariser Münzkabinet (bei de Saulcy s. Fig. IV, 1); 2) im Berliner Münzkabinet (davon hat mir Herr Direktor v. Sallet freundlichst einen Gipsabdruck zugesendet). Es hat die Spur eines Kaiserkopfes mit Schleife und auf der Lulab-Seite, oben Spuren der Buchstaben NOC. – 3) in der Sammlung des Reverend Lewis (bei Madden, p. 239, Nr. 19). Es zeigt die Spuren der Buchstaben Τ. ΦΛΛΥΙ. ΟΥ. (Τιτος Φλαυιος Ουεσπασιανος); 4) bei Bayer de numis. p. 141, Nr. 2 (s. Figur V.); 5) im Museum Kircherianum (abgedruckt von Merzbacher bei Sallet III, zu S. 214, Taf. V, Nr. 114). Dieses Exemplar hat an der Lulab-Seite oben ziemlich deutlich die Buchstaben NOC und rechts kenntlich einen Kaiserkopf, nach rechts die Umrisse von Mund, Nase, Stirn, Auge und Blättchen vom Lorbeerkranz (s. Figur VI). – Ziemlich gemeinsam ist allen diesen Exemplaren die Umschrift an der Lulabseite םלשורי תורחל und an der Portalseite mehr oder weniger deutlich ןועמש. Aber im Detail unterscheiden sich einige von andern. Am wenigsten stimmt Fig. VI. mit den übrigen. Es hat nicht vollständig םלשורי תורחל, sondern am Fuß des Behältnisses die Buchstaben חל, dann nach einem weiten Zwischenraum, welchen der Kaiserkopf mit Blättchen einnimmt, und noch weiter bis auf die linke Seite dicht aneinander םלשתו. Es wäre Raum genug gewesen םלשורי תורחל zu prägen. Es macht aber den Eindruck, als sollte der Kopf durch die Überprägung nicht verwischt werden. Gleich sind nur Nr. 1 und 2. Das Lulabbehältnis ist da vierteilig, Nr. 4 fünfteilig, Nr. 5 dagegen nur zweiteilig wie bei I, II, III. – Nr. 1, 2, 5 haben eine nur schwache Spur von Architrav, oberhalb desselben aber zwei gerade Schnüre, Nr. 4 dagegen kaum eine Spur des Architravs über den Säulen, sondern nur die Verzierung einer geraden Schnur und oberhalb derselben eine geschlängelte Linie. Während alle Exemplare oberhalb der Verzierung über den Säulen einen Stern haben, hat ihn Nr. 4 nicht. [Eine genaue Beschreibung aller bekannten Simeonsdenare bei Hamburger a.a.O. S. 15-33, Nr. 6-57.] Diese Einzelheiten erregen den Verdacht der Unechtheit und Fälschung [Von den Fachmännern wird dieser Verdacht nicht bestätigt]. So hat das ח bei חל (in Nr. 5) gar nicht die Gestalt dieses Buchstabens auf anderen Münzen oder im Samaritanischen Alphabet. Auch das ו zum Worte םלשתו hat eine seltsame Form. Die Verzierung innerhalb der Öffnung des Portals ist auch verschieden.

Alle diese Spezies, Unterarten und Exemplare können aus der ersten Revolution stammen; es ist nichts an ihnen wahrzunehmen, was dagegen spricht. Auch diejenigen Exemplare, die durch die griechischen Buchstaben NO oder NOC [832] die Überprägung auf Kaisermünzen verraten, zeugen nicht dagegen, da diese Buchstaben der Rest des Namens ΝΕΡΩNOC und auf Neromünzen überprägt sein können. Die undeutlichen Spuren von einem Kaiserkopf können ebenso auf Nero hinweisen und nur zur Annahme berechtigen, daß Lulab-Münzen auf römische Münzen geprägt worden sind. Nur das eine Exemplar, welches deutliche Spuren des Namens Titus Flavius Vespasianus zeigt (IV, Nr. 3), kann selbstverständlich nicht der ersten Revolutionszeit angehören. Allein da die Tatsache feststeht, daß die Lulabmünzen durchaus auf den Bestand Jerusalems hinweisen, so kann diese einzige Ausnahme [Hamburger verzeichnet und beschreibt etwa 16 derartige Überprägungen (Nr. 27, 31, 32, 33 in drei, 34 in vier Exemplaren, 44, 50 in drei Exemplaren, 54 und 55) und darunter wenigstens 7 vom Vf. so genannte Lulabmünzen] sie nicht aufheben. Das genannte Exemplar kann unecht, d.h. von einem Falschmünzer nachgeahmt worden sein, um den Preis seines Fabrikats zu erhöhen. Dergleichen Falschmünzerei ist bekanntlich in Italien schwunghaft betrieben worden.

An denjenigen Exemplaren der Lulabmünzen, welche gar keinen Namen eines Prägherrn, sondern lediglich לארשי תלאגל תחא תנש und לארשי רחל בש mit םלשורי (Figur I. II.) haben, ist gewiß nicht zu mäkeln, sie können aus der ersten Revolution stammen. Aber auch die Spezies, welche neben םלשורי רחל בש (oder vollständig תורחל) und statt םלשורי den Namen ןועמש haben, brauchen nicht zu den Simon-Münzen geworfen zu werden, welche notorisch in der nachtrajanischen Zeit geprägt sein müssen.

Gehen wir näher auf die Simonmünzen ein. Mehrere Exemplare dieser Klasse haben neben der Inschrift לארשי תלאגל תחא תנש mehr oder weniger deutlich den Namen לארשי אישנ ןועמש, und die allermeisten Numismatiker beziehen sie auf Simon ben Gamaliel, den Naßi des Synhedrion, der in der ersten Revolution eine hervorragende Stelle eingenommen hat255. Die meisten Exemplare mit diesem Titel, soweit sie bekannt sind, haben als Embleme entweder einen Palmzweig und ein Weinblatt oder einen Palmzweig und eine Lyra. Nur ein einziges Exemplar hat statt dieser Symbole einen Kranz und die Legende אישנ ןועמש לארשי und auf der andern Seite eine Urne mit zwei Henkeln und rings um dieselbe die Legende [833] תחא תנש לארשי תלאגל (bei Madden p. 203, N. 7). Nun existiert ein Münzexemplar (im Berliner Kabinett), welches dieselben Typen hat, nur in der Legende verschieden: um die Urne לארשי חל בש und innerhalb des Kranzes nur den Namen ןועמש (ohne das Epitheton אישנ, bei Madden p. 244, N. 39). Weist Typenähnlichkeit zweier oder mehrerer Münzen auf eine und dieselbe Zeit und auf einen und denselben Prägherrn hin, so muß ja auch die letztgenannte Münze auf denselben Simon geprägt worden sein, wenn auch das Epitheton dabei fehlt! Es ergibt sich daraus, daß manche Münzen, welche den Namen Simon allein haben, ebenfalls dem Simon, Fürsten Israels, angehören können. Aus einem uns unbekannten Grunde kann der Titel weggelassen worden sein.

Ein anderer Beweis dafür, daß ןועמש schlechthin mit לארשי אישנ ןועמש identisch sein kann, ergibt sich aus den sogenannten Eleasarmünzen. Es gibt nämlich Exemplare, welche auf der einen Seite deutlich רזעלא ןהוכה haben oder die Buchstaben von links nach rechts geprägt אלעזר הכהן (Versehen des Prägers) und auf der andern Seite לארשי תלאגל תחא תנש. Die Echtheit dieser Münzen wird von keinem Numismatiker bestritten. Demnach hat ein Priester Eleasar im ersten Jahre der Erlösung (d.h. von den Römern) Münzen prägen lassen. Dieser Eleasar war höchst wahrscheinlich Eleasar, Sohn Simons, dem die bei der Flucht der Römer. und ihres Führers Cestius Gallus gewonnene Beute und Kriegskasse anvertraut worden waren, und der überhaupt die Verwaltung der Staatsgelder in Händen hatte. Obwohl anfangs bei der Wahl der Befehlshaber für die Landesteile übergangen, erlangte er doch, eben als Verwalter der öffentlichen Gelder, nach und nach die Oberherrschaft in Jerusalem256. Ein anderer Eleasar, welcher eine Bedeutung gehabt haben sollte, um als Prägherr zu dienen, ist nicht bekannt. Eleasar b. Anania, welcher den Anstoß zum Aufstande gegeben hat, ist ausgeschlossen. Er spielte später keine Rolle. De Saulcys Hypothese, daß darunter der in der talmudischen Literatur erwähnte Eleasar aus Modin ('ר יעדומה רזעלא) zu verstehen sei, ist, wie (o. S. 826) angegeben, völlig unhaltbar. So lange man also nicht eine Eleasarmünze mit Zeichen der Überprägung aus der Vespasianischen oder nach-Vespasianischen Zeit gefunden hat, muß [?] man annehmen, daß die Eleasarexemplare dem ersten Aufstand angehören. Ihre Echtheit ist schon aus dem Grunde [?] gesichert, weil der samaritanischjudäische Buchstabe ז sich auf keiner andern Münze findet, also nicht nachgeahmt sein kann.

Sind nun [höchstens doch »bis auf weiteres«] diese Eleasarexemplare echt und vor-Vespasianisch, so ist auch die Münze, welche auf der einen Seite Eleasar um eine Vase und auf der andern Seite עמ, d.h. ןועמש, innerhalb eines Kranzes hat (Madden S. 201, N. 5) – gerade von demselben Typus, wie das Exemplar, welches deutlich die Legende hat [834] לארשי אישנ ןועמש – ebenso echt und gehört derselben Zeit an257. So ist daraus bewiesen, daß mindestens einige Münzen, welche den Namen »Simon« auch ohne Epitheton אישנ haben, ebenfalls »Simon ben Gamaliel« angehören können. Folglich können die Spezies, welche die Embleme Feststrauß und Festhütte und statt םלשורי den Namen Simon haben (Fig. III–V), da sie vor Jerusalems Untergang geprägt sein müssen [das eben ist ja noch nicht bewiesen], demselben Simon angehören. Nur ist der Titel אישנ bei diesen wie bei anderen weggelassen worden.

Das Resultat der bisherigen Untersuchung kann nunmehr abgeschlossen werden. Es stellt sich heraus, daß Lulabmünzen, d.h. solche, welche als Typen Feststrauß und Fassade einer Festhütte nebst gewissen Verzierungen haben, echt sein müssen. Denn welcher Falschmünzer aus der Zeit, in der Antiquitäten und alte Münzen Wert erlangt hatten, hätte darauf kommen können, den Fuß des Lulab mit einem korbartigen Behältnis zu versehen? Sie müssen ferner noch vor der Zeit der Zerstörung Jerusalems, in welcher eine solche Verzierung an dem Strauß der Vornehmen Jerusalems im Gebrauche war, und die zum Muster für die Prägung gedient haben kann, geprägt worden sein. Ich wiederhole: aus der Zeit nach der Zerstörung können sie nicht stammen, weil die Anwendung eines solchen Zierrats im Leben nicht mehr vorgekommen ist und lediglich durch Tradition in Erinnerung war [Diese Tatsache eben bedarf des Beweises].

Die Legenden auf den Lulabmünzen, welche ein Datum haben, führen auf historische Vorgänge zur Zeit des Abfalls von Rom unter Nero, so wie die Typen »Feststrauß« und »Fassade der Festhütte« die Stimmung dieser Zeit vergegenwärtigen. Vor allem ist der Unterschied von תלאגל und תורחל zu beachten. Das Erste bedeutet »Erlösung«, d.h. Beginn der Befreiung von der Fremdherrschaft. תורח dagegen bedeutet »Freiheit«, [835] d.h. Fortbestand der errungenen Befreiung. Es bezeichnet ein weiteres Stadium in der erlangten Unabhängigkeit. Zu תלאגל gehört תחא תנש und zu תורחל das Datum ב תנש' (oder ג' usw.). Man findet daher keine Münze, welche die Legende hätte תלאגל 'ב תנש oder תורחל 'א תנש. Das Exemplar der Lu labmünze, welches לארשי תלאגל תחא תנש hat (Figur I), ist wohl im ersten Stadium des Abfalls von Rom geprägt worden, und zwar zur Zeit des Hüttenfestes, worauf eben die Typen hinweisen. Das stimmt chronologisch vollständig mit den historischen Vorgängen im Beginne der Revolution, wïe sie Josephus erzählt. Am Holzfeste, dem 15. des Monats Ab, sind die in der Akra stationierte römische Kohorte unter dem Tribun Metilius und Agrippas Truppe unter Führung des Babyloniers Philipp von den Zeloten so hart bedrängt worden, daß sie im Herodespalaste auf dem Obermarkt Verschanzung suchen mußten. Am 6. Gorpiaios, d.h. 6. Elul, gewährten die Zeloten Philipps Schar freien Abzug und setzten den Kampf gegen die römische Kohorte fort. Dann kapitulierte diese und wurde zusammengehauen bis auf Metilius. Seit dieser Zeit fühlten sich die Jerusalemer von der Fremdherrschaft frei. Monat und Tag dieses Sieges ist zwar bei Josephus nicht angegeben, aber die Gedenkrolle der Siegestage (Megillat Ta'anit) gibt kurz an: »am 17. Elul wurden die Römer von Jerusalem und Juda aufgehoben«. Die Freude über diesen Sieg war so groß, daß sämtliche Einwohner der nicht unbedeutenden Stadt Lydda sich nach Jerusalem zum Hüttenfeste begaben258. Die Freude war allgemein. Erst nach diesem Siege konnte man daran gehen, eigene Münzen zu schlagen. Die Legende ergab sich von selbst. »Im ersten Jahre der Erlösung Israels« und »Jerusalem«, welches der Inbegriff aller Heiligkeit und Gegenstand der Verehrung für die ganze Nation war. Aber welche Typen sollten für die neuen Münzen gewählt werden? Da die Prägung wohl nicht lange vor dem Hüttenfeste begonnen hat, so lag es ebenso nahe, die Symbole dieses Festes, Lulabbündel und Festhütte, anzuwenden. Beide ließ man wohl in der schönsten Form darstellen; den Feststrauß mit der Verzierung des Korbgeflechtes, wie ihn die Vornehmen Jerusalems zu tragen pflegten, und die Festhütte ebenfalls nach einem gefälligen Muster, die Fassade einer solchen mit Säulen, Architrav und mit Verzierung von Ringschnüren, der bildlichen Darstellung der an Schnüren aufgezogenen Nüsse, Mandeln oder anderer Früchte. Das Lulab-Bündel sollte zugleich die Freude über den Sieg und die Befreiung von den Römern versinnbildlichen. Ohne Zweifel haben diese Momente diejenigen geleitet, welche die Prägung der ersten Befreiungsmünzen veranlaßt haben.

Wer war damals der Prägherr? Es ist recht bezeichnend, daß die Münze vom ersten Jahre keinen Namen trägt. Diese Abwesenheit beweist eben, daß die Münzen zur Zeit geprägt wurden, als noch keine von den hervorragenden Persönlichkeiten, welche zum Abfall von Rom beigetragen hatten, eine autoritative Stellung erlangt hatte. Es waren die Flitterwochen der jungen Freiheit. Das Synhedrion mit Simon ben Gamaliel an der Spitze hatte unter den Herodianern keine politische Machtbefugnis. Daher stammt die Anonymität auf der Lulab-Münze vom ersten Jahre.

Im Verlaufe des Jahres 66 erlangte der Zelotenhäuptling Eleasar ben Simon durch den Umstand, daß er den Staatsschatz in Händen hatte, und [836] vermöge seiner Volksbeliebtheit die gebietende Autorität in Jerusalem (o. S. 834). Daher wurden die in dieser Zeit ausgegebenen Münzen auf seinen Namen geprägt: »Der Priester Eleasar«, und »Erstes Jahr der Erlösung Israels«.

In demselben Jahre erlangte aber auch das Sanhedrin, dessen Vorsitzender Simon ben Gamaliel war, Autorität. Dieser Simon war, nach dem Zeugnis seines Gegners Josephus, von adligem Geschlechte als Urenkel Hillels, der von dem königlichen Hause Davids abgestammt haben soll, und zugleich von solcher Einsicht und Gedankenschärfe, daß er die schlechte Lage der Staatsangelegenheiten hätte verbessern können, wenn er die Macht in Händen hätte behalten können (o. S. 833. 838). Da er zugleich der pharisäischen Partei angehörte, wie Josephus noch dazu bemerkt, oder, wie wir sagen müssen, Haupt derselben war, so muß er einen großen Anhang im Volke gehabt haben, das zum allergrößten Teil der Lehre dieser Partei zugetan war (wie Josephus an mehreren Stellen hervor hebt). Es verstand sich von selbst, daß dieser Simon als Spitze und Repräsentant des Gemeinwesens betrachtet wurde. Naturgemäß mußte er als Prägherr auf den Münzen figurieren. Eleasar ben Simon mußte zurücktreten. Wir haben keinen Anhaltspunkt dafür, welche Vorgänge im Innern diese Veränderung herbeigeführt haben. Infolge dieses Wechsels wurden auch Münzen mit der Legende: »Erstes Jahr der Erlösung Israels« mit dem Namen »Simon, der Fürst Israels« geprägt. Sämtliche Exemplare mit dem Namen und Titel לארשי אישנ ןועמש haben das Datum תחא תנש (o. S. 833).

Der pompöse Titel »Fürst Israels« mag aber den Zeloten, welche das demokratische Prinzip der Gleichheit und Herrenlosigkeit zu ihrem Programm gemacht hatten, anstößig gewesen sein. Denn eigentlich war doch dieser Simon nur Oberster des Synhedrions (לודגה ןיד תיב אישנ); ihn als Fürsten von ganz Israel anerkennen, hätte geheißen, sich einem Herrn unterwerfen. Zumal nachdem Josephus durch Unverstand, Feigheit oder Verräterei den Verlust Galiläas verschuldet hatte, und nachdem auch andere aristokratische Führer sich nicht bewährt hatten, spitzte sich die demokratisch-zelotische Empfindlichkeit gegen die jüdische Aristokratie zum Ingrimm gegen dieselbe zu. Dieser Widerwille gegen ein Herrentum über Israel mag bewirkt haben, daß der Titel לארשי אישנ nicht mehr auf Münzen prangen durfte, sondern der einfache Name ןועמש (auf der Münze, welche Simon und Eleasar zugleich hat o. S. 835). An einen andern Simon ist nicht zu denken; denn Simon bar Giora ist ausgeschlossen, da er erst im dritten Jahre des Aufstandes in Jerusalem eingezogen war.

Nun rückte der Beginn des zweiten Jahres heran, d.h. der Monat Tischri und das Hüttenfest (Oktober 67). Aus dieser Zeit können nur die Münzexemplare stammen, welche die Legende haben: »das zweite Jahr der Freiheit Israels«. Die Typen sind auf beiden ziemlich gleich, nur daß einige Exemplare nur »Jerusalem« als Legende, andere dafür den Namen »Simon« haben. Diese Differenz ist allerdings auffallend; die Veranlassung kann in den Parteikonflikten gelegen haben, die um diese Zeit ausgebrochen sind. Die Zeloten in Jerusalem, welche die Niederlage in Galiläa dem Verrate der Aristokraten zuschrieben, entsetzten die Adligen und Priester der Amter in Stadt und Tempel, die sie bis dahin inne gehabt hatten, und ernannten an deren Statt Personen aus ihren Reihen. Selbst den Hohenpriester Matthatia, Sohn Theophils, entkleideten sie seiner Würde und bekleideten damit einen [837] durchs Los gewählten einfachen Priester, Pinehas, Sohn Samuels, aus einem Städtchen Aphta. Darob war die Aristokratenpartei empört. Der zur Verteidigung der Stadt ernannte ehemalige Hohepriester Anan, Sohn Anans, donnerte gegen die angebliche Frechheit und Heiligtumsschändung der demokratischen Zeloten. Auch Simon ben Gamaliel war aufgebracht über die Umkehrung der bisher geltenden Ordnung. Er forderte in Volksversammlungen die Zuhörer auf, sich »den Verderbern der Freiheit« und »Schändern des Heiligen« zu widersetzen259. Selbstverständlich entstand dadurch ein Bruch zwischen den Zeloten und ihrem Haupte Eleasar ben Simon einerseits und Simon ben Gamaliel andererseits. Die Zeloten begannen einen Terrorismus gegen ihre Widersacher. Sie säuberten das Synhedrion von den antizelotischen Mitgliedern und ernannten 70 aus dem Volke an deren Statt. Josephus bestimmt zwar nicht den Monat, in welchem dieser Wechsel, namentlich die Wahl des neuen Hohenpriesters, stattgefunden hat. Wahrscheinlich wurde diese Wahl für die Funktion am Versöhnungstage vorgenommen, um den Hohenpriester zu beseitigen, welcher von dem verhaßten König Agrippa eingesetzt und ohnehin als Römling verdächtig war. Der Bruch zwischen den Zeloten und Simon ben Gamaliel kann demnach schon im Monat Tischri, in welchem eben das Hüttenfest gefeiert wird, eingetreten sein. Die ersteren, unwillig über seine agitatorische Parteinahme gegen sie, mögen Münzen mit denselben Typen und Emblemen, wie die, welche seinen Namen trugen, geprägt haben, aber mit Weglassung seines Namens, um zu demonstrieren, daß sie ihn nicht mehr als die Spitze des Gemeinwesens anerkannten. Im Verlaufe der Begebenheiten wird in der Tat sein Name nicht mehr genannt, und Josephus deutet auch an, daß dieser Simon abgesetzt wurde, indem er bemerkt: er wäre imstande gewesen, die schlimme Lage zu verbessern (δυνάμενός τε πράγματα κακῶς κείμεγα ... διορϑώσασϑαι). Es findet sich auch keine Münze weiter mit dem Namen dieses Simon vom zweiten Jahre. Das Exemplar, welches auf der einen Seite אישנ ןועמש ... und auf der andern לארשי hat (in der Sammlung Wigan [jetzt Graf Cahen], Madden 205, Note 10), zu welcher Merzbacher ergänzt wissen wollte: רחל ב"ש bietet keine Gewißheit, wie Madden mit Recht bemerkt hat. Die Lücke kann eben so gut mit תלאגל ausgefüllt werden [Vgl. hierzu die interessanten Bemerkungen Hamburgers a.a.O. S. 39 f. Jedenfalls gehört auch diese Münze nach dem Urteil der Sachverständigen in die Zeit des hadrianischen Krieges].

Vom zweiten Jahre an gab es keine Persönlichkeit, welche allein das Gemeinwesen hätte repräsentieren und als Prägherr gelten können. Im Herbst 67 war Johannes von Gischala in Jerusalem eingetroffen, der einen großen Anhang hatte und mit Eleasar ben Simon rivalisierte. Im dritten Jahre kam noch Simon bar Gioras hinzu, und jeder dieser Parteiführer beanspruchte die Suprematie und hätte dem andern nicht gegönnt, sich als Prägherr zu gerieren. Nur im ersten Jahre gab es zwei Prägherren, zuerst Eleasar und dann Simon ben Gamaliel, aber nach einander.

Es ist möglich, daß die anonymen Münzexemplare, welche das Datum םיתש תנש und שולש תנש haben (Madden 206, N. 11, 12), aus der ersten Revolution stammen, in welche sie mehrere Numismatiker setzen, und zwar aus den Jahren, in welchen keine allgemein gebietende Persönlichkeit an der Spitze stand, eben in den Jahren, in welchen die drei Zelotenführer nur über ihre [838] Parteigänger allein Autorität hatten. Die darauf abgebildeten Typen, Weinblatt und diotische Vase, sind nicht ungewöhnlich auf jüdischen Münzen. Auffallend ist nur die Legende ןויצ תורח, statt »Jerusalem«. Zion wird in der, sagen wir, talmudischen Zeit nur metaphorisch und poetisch gebraucht. Dr. Merzbacher führt auch ein ähnliches Exemplar an, das leserlich עברא תנש hat und die Buchstaben רח, dessen Echtheit ihm indes zweifelhaft schien. – Es gibt allerdings auch Münzexemplare mit dem Datum עברא תנש und auch mit der Legende ןויצ תלאגל (Mad. p. 71, Nr. 1-5). Die Numismatiker vindizieren sie Simon Makkabäus. Aber auffallend ist an denselben nicht nur die Bezeichnung ןויצ, sondern auch תלאגל, das sonst nur beim ersten Jahre gebraucht wird, weil es den Beginn der Befreiung bedeutet (o. S. 836). Außerdem haben zwei Exemplare dieser Spezies den befremdlichen Typus: zwei Lulabsträuße (o. S. 825 ff.). Ihre Echtheit und Zugehörigkeit sind zweifelhaft [Einige Sachverständige wollen gerade diese Münze, und zwar diese allein in die Zeit des Krieges gegen Vespasian setzen. Vgl. Hamburger a.a.O. S. 43].

V. Die zahlreichen Simonmünzen, welche nicht das Epitheton לארשי אישנ haben oder durch die enge Verbindung mit Eleasar oder durch den Lulabtypus auf Simon ben Gamaliel weisen, müssen allerdings in die Hadrianische Zeit gesetzt werden, da mehrere von ihnen die Überprägung auf Kaisermünzen von Trajan und andern Kaisern zeigen, welche nach der Zerstörung Jerusalems regiert haben. Diese Tatsache steht fest. Ob man aber berechtigt ist, sie Bar-Kocheba münzen zu nennen, oder in die zweite Revolution zu setzen, ist fraglich. Die Momente, welche dieser Annahme widersprechen, sind bereits angeführt (o. S. 825). Aus welcher Zeit mag nun diese Münzklasse stammen, welche den Namen ןועמש auf der einen Seite, und auf der andern die Legende םלשורי תורחל ohne Datum oder mit Datum לארשי תורחל בש hat? Da es höchst ungewiß ist, ob Bar-Kocheba den Namen »Simon« führte, und also dieser nicht damit gemeint sein kann, welche andere hervorragende Persönlichkeit Namens »Simon« mag in der nach-Trajanischen Zeit eine solche dominierende Rolle gespielt haben, daß sie berechtigt gewesen wäre, als Prägherr zu figurieren? Eine solche Persönlichkeit läßt sich vielleicht noch ermitteln, und dadurch das Rätsel der Simonmünzen befriedigender lösen, als durch die Bar-Kocheba-Hypothese. [Das Richtige scheint mir hier Hamburger a.a.O. S. 68 ff. zu haben. Danach ist unter Simon der Sohn Gamaliels II. von Jabneh und unter Eleasar ha-Cohen der bekannte R. Eleasar b. Asarjah, der ahronidischer Herkunft war, zu verstehen.]

Ich will zunächst auf eine höchst seltsame Erscheinung an dieser Münzgruppe aufmerksam machen, welche geeignet ist, die Bar-Kochebahypothese zu erschüttern. Mehrere Exemplare haben nämlich das Wort עמש statt ןועמש, und es erscheint nicht etwa als Abkürzung von ןועמש; denn die Prägung zeigt hinlänglichen Raum, daß auch die Buchstaben ןו und noch mehr hätten angebracht werden können (bei Mad. Cap. X., Nr. 14, 15, 31 (?), 32, 33, 34, 35, 36) De Saulcy ist diese befremdliche Legende aufgefallen. Er bemerkte dazu (Mélange de Numism. 1877, p. 88): »Es war kein Grund, den Namen Schemaoun abzukürzen, da auf den Münzen reichlich Raum vorhanden ist, die Buchstaben Waw und Nun anzufügen«. Aus Not erklärte de Saulcy das Wort עמש als Anfang des jüdischen Bekenntnisses »Höre Israel« (עמש לארשי). Allein was hat eine Münzprägung mit diesem Credo zu tun? Offenbar ist עמש eben so der Eigenname eines Prägherrn, wie ןועמש. [839] Auf den sogenannten Simonmünzen kommen also zweierlei Namen vor. Folglich ist auch dadurch die Bar-Kochebahypothese erschüttert. Man muß sich also nach zwei dominierenden Persönlichkeiten in der nach-Trajanischen Zeit umsehen, auf welche die Münzlegenden und zum Teil auch einige Typen besser passen könnten, als auf Bar-Kocheba.


30. Die judäischen Münzen in der nachexilischen Zeit


Zwei Persönlichkeiten, zwei Brüder, spielten während der Hadrianischen Regierung eine hervorragende Rolle und waren in der Judenheit hochangesehen: Julianus und Pappos. Von ihnen wird folgendes berichtet260:

1) Sie wurden die Großen, der Stolz Israels genannt: הדוהי ןב סופפ ןוגכ לארשי לש םנואג םהש םיאגה ולא וירבחו ירדנסכלא סוניילולו. Nebenher sei bemerkt, daß das Wort ירדנסכלא wohl sein Eigenname sein kann: Julianus Alexander (vgl. o. S. 651). Jedenfalls will es sagen, daß er aus Alexandrien stammte. Die Quelle für diese Nachricht (Siphra) ist alt, redigiert etwa 2-3 Jahrzehnte nach dem Hadrianischen Krieg.

2) Julianus und Pappos waren in Laodicea in Gefangenschaft geraten und sollten den Tod erleiden, wurden aber durch den Tod ihres Richters gerettet. Zum Andenken daran wurde der Gedenktag Trajanstag (סוניירוט םוי), 12. Adar, eingesetzt. Der Tag ihrer Errettung war demnach dem Volke bedeutsam.

3) Als der Tempel wieder erbaut werden sollte, haben Pappos und Julianus Wechseltische von Akko bis Antiochien aufgestellt und die Einwanderer aus Babylonien mit Gold, Silber und allen Bedürfnissen versorgt. איכוטנא דע וכעמ ןיזיפרט סונאילולו סופפ ובישוה םכרצ לכו בהזו ףסכ הלוג ילועל ןיקפסמ ויהו. Wechseltische haben sie aufgestellt, um auswärtige Münzen in inländische, gangbare umzuwechseln, und außerdem haben sie babylonische Juden (das ist die Bedeutung von הלוג ילוע), die sich am Bau beteiligen wollten, versorgt.

4) Während des Religionszwanges verlangte man von ihnen, zum Scheine Libationswein zu trinken, d.h. Wasser in einem farbigen Glase, sie taten es aber nicht העובצ תיכוכז ילכב םימ םהל ונתנש ויחא סופפו סוניילול ןהמ ולבק אלו. Weil sie angesehene Männer waren, wollten die römischen Beamten sich mit dem Schein der Gefügigkeit begnügen. An dieser Stelle werden sie als Brüder bezeichnet.

5) Sie wurden dann hingerichtet, und infolge ihres Todes wurde der ihretwegen eingesetzte Trajanstag wieder aufgehoben. םוי לטב סופפו סונילול גרהנש םוי .ןויריט

6) Sie werden als Märtyrer von Lydda bezeichnet, und von ihnen wird ausgesagt, daß sie im himmlischen Paradiese einen eximierten Platz einnehmen. לש ןתפרח ריבעהש ךורב םתציחממ םינפל ןיא דול יגורה סופפו סונאילול, in einer andern Version ןיא תוכלמ יגורה דולד ןיחא ינש םה .. ןתציחמב דומעל לוכי םדא (L.-A. des Aruch Art. גרה).

[840] Aus diesen Notizen kann man fast biographische Züge dieses Brüderpaares skizzieren. Vor allem ergibt sich daraus, daß Julianus Alexander und sein Bruder Pappos eine Führerrolle gehabt haben müssen. Die Erzählung, daß sie hingerichtet werden sollten und doch gerettet wurden, bezieht sich ohne Zweifel auf Quietus' Glückswechsel, der von Hadrian abberufen und dann unterwegs hingerichtet wurde. Es war ein unerwartetes Ereignis, daß der Blutrichter Quietus, von Trajan zum Statthalter von Palästina er nannt, ein schmähliches Ende gefunden hat; deswegen wurde ein Gedenktag dafür eingesetzt. Julianus und Pappos, welche in Laodicea in Gefangenschaft geraten waren, müssen sich demnach an dem Polemos des Quietus, d.h. an dem Aufstande in Palästina unter Trajan, beteiligt haben. Bei der Rüstung für die Restauration des Tempels haben diese beiden Brüder nach ihrer Rettung eine besondere Rolle gespielt. Sie scheinen zunächst die Spenden für dieselbe in Empfang genommen zu haben, wie die zitierte Quelle andeutet.

Zunächst muß die Tatsache von der intendierten Restauration beleuchtet und konstatiert werden. Dieses Faktum ist nicht bloß aus der bekannten jüdischen Quelle, sondern auch aus dem Pseudo-Barnabas-Brief vollauf bestätigt. Die Worte des Sendschreibens: »wegen ihres (der Juden) Krieges ist er (der Tempel) von den Feinden zerstört worden, jetzt werden sie und die Diener der Feinde ihn wieder aufbauen261«, von einem Zeitgenossen gesprochen, schließen jeden Zweifel aus. Das Sachverhältnis deutet doch eigentlich auch Spartian [Hadr. c. 5] an: Im Beginne seiner Regierung habe Hadrian im ganzen römischen Reiche den Frieden herstellen wollen. Denn in Ägypten sei ein Aufstand ausgebrochen, Lycien und auch Palästina hätten einen rebellischen Sinn gezeigt262. Die Folgerung ergibt sich von selbst. Darum [841] eben hat Hadrian, um nicht in Kriege verwickelt zu werden, den Parthern, Ägyptern, Lyciern, wie auch den Palästinensern, Zugeständnisse gemacht. Man darf auch das psychologische Moment hinzunehmen, daß Hadrian mit dem Unterlassen kriegerischer Unternehmungen verhüten wollte, daß die siegreichen Feldherren Trajans, seine Nebenbuhler, ihm nicht über den Kopf wüchsen. Gregorovius bemerkt annähernd richtig: »Man darf glauben, daß ihn (Hadrian) Gesandte auch des Synhedrions in Antiochien aufgesucht haben, um die Klagen und Wünsche ihres Landes ihm vorzutragen.« Zu einem Vortrag beim Kaiser können nur des Griechischen kundige Männer delegiert worden sein; aber Mitglieder des Synhedrions, d.h. des damaligen Tannaitenkreises, soweit wir sie kennen, waren nicht [?] geeignet, in griechischer Sprache Klagen und Wünsche in der Form unterwürfig, in der Sache aber dringlich, vorzubringen. Geeignet zu einer solchen Gesandtschaft waren lediglich [?] Julianus und Pappos, welche aus griechisch redendem Lande waren und in der Judenheit das höchste Ansehen hatten. Der Wunsch, den die Gesandten vor Hadrian aussprachen, war gewiß der Tempelbau.

Wir kommen nun wieder auf dieses Brüderpaar zurück. Das Zugeständnis zur Restauration des Tempels war von Hadrian bewilligt. Nun wurden Vorbereitungen dazu getroffen. Im Vordergrunde stehen wieder Julianus und Pappos. Sie stellen Wechseltische von Antiochien bis Ptolemaïs auf, sie sammeln die Spenden, sie sorgen für diejenigen, welche aus Babylonien nach Palästina gekommen waren, um sich an dem großen Ereignis zu beteiligen. Das alles geschah im Beginne der hadrianischen Regierung 117-118. Dann entschwinden Julianus und Pappos unseren Blicken und tauchen erst wieder zur Zeit des Hadrianischen Religionszwanges auf, also wohl nach Beendigung des Betharschen Krieges 135. Man verlangt von ihnen zum Scheine Heidenwein zu trinken, sie verweigern es und werden hingerichtet. Sie sind die Märtyrer von Lydda, welche die Sage selig sprach. Infolge der Trauer um ihren Tod ist der Trajanstag aufgehoben worden.

Bisher kennen wir lediglich ihre griechischen Namen. Wir wissen aber auch, daß einer von ihnen auch den hebräischen Namen Schemaja geführt hat. Denn die Umwandlung des Trajanstages in einen Trauertag motiviert eine Quelle: weil Julianus und Pappos hingerichtet worden sind. ינפמ ןויריט םוי לטב סופפו סוניילול גרהנש םוי, und eine andere Quelle: weil Schemaja und sein Bruder hingerichtet worden sind: ויחאו היעמש וגרהנש ליאוה הילטב263. Die Identität des Schemaja mit Julianus (oder Pappos) liegt auf der Hand und ist auch von Derenburg erkannt worden. Also einer von ihnen hatte neben dem griechischen Namen auch den hebräischen Namen היעמש. Daraus läßt sich schließen, daß der andere ebenfalls einen hebräischen Namen geführt hat. Wie mag er gelautet haben? Eine merkwürdige Tradition führt darauf – wenn ich nicht irre.

Samuel der Jüngere, eine von seinen Zeitgenossen, auch von dem Patriarchen R. Gamaliel, hochverehrte Persönlichkeit, die ein zweiter Hillel genannt wurde, hat vor seinem Tode eine Art Prophezeiung in Sentenzform ausgesprochen, von welcher eine Quelle angibt, die Zeitgenossen hätten den Sinn nicht verstanden. Diese Sentenz lautet: »Simon und Ismael zum[842] Untergang, das ganze übrige Volk zur Plünderung, und große Drangsale werden kommen264.« Warum haben die Zeitgenossen nicht verstanden, was uns doch so leicht verständlich ist? Weil wir die Ereignisse kennen: die Trübsale in dem Polemos des Quietus, das Elend des hadrianischen Krieges, den Märtyrertod mehrerer Gesetzeslehrer und auch den Tod eines Simon und Ismael, welche als die ersten unter den zehn Märtyrern gezählt werden. Uns erscheint diese Sentenz des sterbenden Samuel des Jüngeren als eine Warnung, den Zeitgenossen dagegen erschien sie als düstere Prophezeiung, weil sie in einer ruhigen Zeit ausgesprochen worden war, als die Gemüter noch keine Ahnung von der fürchterlichen Katastrophe gehabt haben. Als Urheber des grausigen Elends, das hereinbrechen würde, nannte Samuel zwei Männer: Simon und Ismael. Zwei Männer dieses Namens sind allerdings, wie gesagt, als Märtyrer gefallen; aber die Späteren wußten nicht recht, wer diese waren. Sie identifizierten sie mit Simon ben Gamaliel und Ismael ben Elisa, dem Hohenpriestersohne. Diese Identifizierung ist aber schon von älteren Chronologen bezweifelt worden. Ein Simon ben Gamaliel gehört entschieden nicht zu den zehn Märtyrern, der erste nicht, weil die Märtyrer nur in der Hadrianischen Zeit umgekommen sind, und dieser während des ersten Aufstandes gewirkt hat (o. S. 833. 838), und der zweite nicht, weil er in der nach-hadrianischen Zeit Patriarch war. Die Märtyrer Simon und Ismael, welche die Reihe der Märtyrer eröffnen, sind gewiß [?] dieselben, vor deren Agitation Samuel der Jüngere, der friedlich gesinnte, gewarnt hat. Seine Sentenz will offenbar sagen: die zwei Männer an der Spitze werden selbst untergehen und Unglück über das Volk bringen. Agitatoren waren entschieden Julianus und Pappos, und es ist wahrscheinlich, daß er vor ihren Bestrebungen gewarnt hat, da sie im Beginn der Regierung Hadrians eine Führerrolle gespielt haben. היעמש und לאעמשי decken sich so ziemlich הי-עמש und לא-עמשי. Hin und wieder werden diese beiden Namen mit einander verwechselt. Führte einer von ihnen, Julianus oder Pappos, den hebräischen Namen היעמש, so hieß wohl der andere ןועמש.

Doch lassen wir diese Kombination auf sich beruhen. Das eine ist doch sicher: einer der beiden Führer hat neben dem griechischen Namen den hebräischen היעמש geführt. Es ist gar nicht gewagt, anzunehmen, daß dieser Name auf einigen Exemplaren der sg. Simonmünzen geprägt ist, nämlich abgekürzt עמש (o. S. 840). Abgekürzt wurde er, weil es damals als ein Frevel galt, den Gottesnamen הי, außer in der heiligen Schrift zu schreiben und noch mehr zu gravieren. Der volle Name היעמש durfte [?] nicht geprägt werden. עמש ist durchaus als ein Eigenname anzusehen, was doch auf Münzen erforderlich ist. Schemaja-Julianus (oder Pappos) könnte also der Prägherr dieser Münzen gewesen sein. Er könnte es um so gewisser sein, als er mit seinem Bruder beim Volke in hohem Ansehen stand, Reichtum besaß und die Spenden für den Tempelbau sammelte. Als Hadrian die Konzession zur Restauration gemacht und der Wiederbau begonnen hatte – zuerst mußten allerdings die Trümmer beseitigt werden – prägten wohl die Männer, die an der Spitze standen, Münzen mit ihrem Namen – einer der Prägherren עמש – auf der einen Seite der Name und auf der [843] andern Seite םלשורי תורחל. Es mag mit Wissen des Kaisers oder des damaligen Landpflegers geschehen sein. Wenn nun Schemajas Bruder den hebräischen Namen ןועמש geführt hätte, so wäre das Rätsel der Simonmünzen befriedigend gelöst, und zugleich das Auffällige beseitigt, daß zwei Prägherren auf gleichzeitigen Münzen genannt sind. Zwei Brüder, Julianus-Pappos oder Schemaja-Simon, die einträchtig für die Restauration gearbeitet haben, waren ohne Eifersucht gegeneinander. Sie werden in den Quellen immer zusammen, wie ein Zwillingspaar, genannt.

Was diese Annahme noch bestätigt, sind die Typen, die auf den Simon- und auch auf den Schema-münzen vorkommen, zunächst zwei Trompeten (auf den Münzen mit Simon bei Madden, Kap. X, Nr. 16-17 und mit עמש Nr. 35, 36). Dieses Emblem bedeutet doch gewiß Priesterschaft: denn nur Priester pflegten beim Gottesdienst Trompeten zu blasen (nicht Leviten). Da nun Julianus auch den Namen Alexander führte (o. S. 840 [dort ist ein solcher Nachweis nicht geführt], so erinnert er an den Arabarchen Alexander, der in die julianische Kaiserfamilie aufgenommen ward und eigentlich Julius Alexander Lysimachos genannt wurde (o. S. 644). Die Arabarchen waren Nachkommen des Onias IV., welcher unter Philometor einen hohen Rang einnahm (o. S. 647) [und die Bemerkungen dazu]. Folglich war wohl Julianus ןהכ und selbstverständlich auch sein Bruder. Ein anderes Symbol für den Priesterstand war ein Krügchen, das auf ein Salbölkrügchen weist (o. S. 835 N.). Dieses Symbol kommt auf den Simonexemplaren (das. Nr. 1, 2, 3, 4, 5) und auf den Münzen mit dem Namen עמש (Nr. 32-33) vor. Vergl. die Figur auf S. 840.

Also die zwei Brüder, welche im Beginn der Hadrianischen Regierung entschieden und unzeifelhaft die Führerschaft hatten, können die Prägherren dieser Münzgattung gewesen sein. Sie waren in dieser Zeit die Koryphäen. Daß sie römische Münzen mit Kaiserköpfen und Legenden überprägt haben, ist nicht auffallend. Die meisten dieser überprägten Exemplare waren Trajansmünzen.

Diese Münzprägung dauerte nur zwei Jahre, soviel bis jetzt bekannt ist. Die des zweiten Jahres haben das Datum ב"ש mit der veränderten Legende לארשי תורחל statt םלשורי תורחל. Vielleicht kommt man einmal auf das Motiv dieser Änderung. Auf keinen Fall darf diese Gattung Bar-Kochebamünzen genannt werden. Es liegt keine Spur von Beweis dafür vor. Der Stern auf einigen Lulabexemplaren ist keineswegs ein Leitstern. Denn auf andern Exemplaren kommt statt dessen eine Figur in Kreuzform vor (o. S. 831). Kaum darf man sie Revolutions- oder Aufstandsmünzen nennen. Denn sie mögen in einer friedlichen Zeit infolge der von Hadrian bewilligten Konzession geprägt worden sein. Es gab allerdings Bar-Kochebamünzen oder richtiger Bar-Kosibamünzen, die noch im zweiten Jahrh. bekannt waren; aber wir kennen bis jetzt kein Spezimen von denselben [Vgl. zu allen diesen Auseinandersetzungen die besonnenen Erwägungen Schürers I3, S. 766 ff].


Fußnoten

1 Im babylonischen Texte der Mischna-Ta'anit II,8 lautet der Titel תינעת תליגמ, im jerusalemischen dagegen kurzweg הליגמ. Es war nächst der heiligen Schrift die einzige niedergeschriebene Quelle in der talmudischen Zeit. Vergl. Erubin 62 b: תינעת תליגמ ןוגכ אחנמו אביתכד.


2 Mein Urteil über Bedeutung, historische Verwertbarkeit und kritische Sichtung des M. T. hat so viel Anklang gefunden und ist durch Derenburgs essai sur l'histoire et la géographie de la Palestine so verbreitet und allgemein akzeptiert worden, daß ich mich überhoben fühlen könnte, diese Note in der neuen Auflage abzudrucken. Um aber nicht in den Verdacht zu geraten, daß ich mich mit fremden Federn schmücke, muß ich meine Priorität wahren.


3 In Cod. Halberstam ist die L. A. ןיולגה םוקמ (?), vergl. M. S. 1875 S. 44 gewiß inkorrekt. Die Anmerkung zu ארקח ינב, 2, 4 ושכע םיארקח םוקמ הז beweist, daß die Schlußredaktion erst nach Entstehung des Karäertums, nach 760, entstanden ist [Ich möchte meine Deutung dieses Glossems in der M. S. 1876, S. 451 noch immer für beachtenswert halten.]. Die Scholien, für welche es keinen Beleg aus dem babylonischen Talmud oder Midrasch gibt, stammen ohne Zweifel[?] aus dem jerusalemischen Talmud und zwar aus Traktaten, die untergegangen sind. Insofern haben solche Scholien auch einen gewissen Wert.


4 [Neue Ausgaben des Textes aus Handschriften besorgten inzwischen Neubauer in Anecdota Oxoniensia, Mediaeval Jew. Chron. II (Oxford 1895) S. 3 ff. u. Dalman, Aramäische Dialektproben (Leipzig 1896) S. 1-3. Wissenschaftschaftlich wenig wertvoll ist die soeben von M. Großberg veranstaltete neue Ausgabe (Lemberg 1905, 4)].


5 Derenbourg beging einen Irrtum anzunehmen, als gäbe es davon eine andere L.-A.: דפסמל אלד אימוי ןיליא אינעתהל אלד ןוהתצקמו ןוהב. Diese im Namen des R'Jona gegebene L.-A. findet sich allerdings in Jerus. Ta'anit 66a. Dagegen lautet sie richtig in jerus. Megilla 70b wie oben angegeben.


6 Die L.-A. Sanhedrin 91a ןסינב ה"כב ist gewiß korrumpiert statt ןויסב, wie denn überhaupt die abweichenden L.-A. in bezug auf die Tage im Talmud unrichtig sind.


7 Als nicht ernstgemeintes Argument gegen die sadduzäische Behauptung, daß Mose aus Gefälligkeit für den Priesterstamm ein Gesetz gegeben haben soll, wird Exodus 15, 27: םימ תוניע הרשע םיתש םשו angeführt. Die Pointe liegt darin, daß haggadisch gedeutet wurde, die 12 Quellen seien für die 12 Stämme vorhanden gewesen (Mechilta 46, 3. Jalkut zum V.). Aber wo war die Quelle für den 13ten Stamm, für den Priesterstamm? Für diesen hatte Mose also nicht gesorgt!


8 Die Mantuaner Ausgabe liest richtig רדששכ statt des sinnlosen דרישכ in den spätern Ausgaben.


9 Der Sinn dieses Passus scheint zu sein: Warum ist bei einem, dem 2. Schebat, angegeben דפסמל אלד? Diese Abweichung wird dadurch motiviert, daß bei Jannaïs Tode auch die Errettung der zum Tode verurteilten 70 Ältesten erfolgt sei, daher wird dabei die Differenz zwischen האנעתהל אלדו דפסמל אלד auseinandergesetzt.


10 M. Joëls Ausgleichung, daß diese tadelnde Tradition sich auf eine andere Übersetzung, auf die Aquilas bezöge (Blicke in die Religionsgeschichte I, 4), hat alles gegen sich. Gerade diese Übersetzung ist von den Gesetzeslehrern gelobt worden (j. Megilla 71 c.). Außerdem wird auch dabei ימלת = Ptolemaeus genannt. Dagegen ist in bezug auf die fünf Männer, von welchen Esra (pseudepigraphus) XIV. spricht und welche angeblich ausgewählt wurden, um schnell zu schreiben (Text in Hilgenfelds Messias Judaeorum, p. 180 f.) nicht das geringste gewiß. Von Übersetzern ist da keine Rede.


11 Diesen Zug, daß infolge der Übersetzung eine dreitägige Finsternis eingetreten sei, hat auch das samaritanische Tarich Abul Fatachs: תמלטא ןא ליקו םאיא התלת אינדלא (Paulus, Repertorium für bibl. morgenländ. Literatur, I, 124.)


12 [Ausschlaggebend für die Existenz der griechischen Pentateuchübersetzung im letzten Drittel des dritten vorchristlichen Jahrhunderts bleibt die Tatsache, daß Demetrius, der zur Zeit des Ptolemäus IV Philopator (222-205) geschrieben hat, die gr. Pentateuchübersetzung bereits benutzt hat. Schürer III3, 310; Nestle in Herzogs Realencycl.3 III, 3.]


13 Da dieses Argument von entscheidender Bedeutung ist, so mag hier das Referat mitgeteilt werden. Es lautet bei Diogenes Laertius (V, 78): φƞοὶ δ᾽ αὐτὸν (Δƞμἠτριον τὸν Φαλƞρέα) ... παρὰ Πτολεμαῖον ἐλϑεῖν τὸν Σωτῆρα. κἀκεῖ χρόνον ἱκανὸν διατρίβοντα συμβουλεύειν τῷ Πτολεμαίῳ ... τὴν βασιλείαν τοῖς ἐξ Εὐρυδίκƞς περιϑεῖναι παιοί. Τοῠ δὲ οὐ πειοϑέντος, ἀλλὰ παραδόντος τὸ διάδƞμα τῷ ἐκ Βερƞνίκƞς μετὰ τὴν ἐκείνου τελευτὴν ἀξιωϑῆναι πρὸς τούτου παραφυλάττεσϑαι κ. τ. λ. Von dem abmahnenden Rat des Demetrios Phalereus an Ptolem. Lagi, seinen Sohn Philadelphus von der Berenike von der Thronfolge auszuschließen, berichtet auch Heraklides Lumbos mit dem Zusatze: Demetrios habe zu Ptol. Lagi die Worte gesprochen: ἐὰν ἄλλῳ δ'ς, σὺ οὐχ ἕξεις (bei Diogenes Laertius V, 79). Ich begreife nicht, wie man sich auf die neuerdings entdeckten Scholia von Johannes Tzetzes berufen kann, daß der Phalereer sich auf Sammlung von Schriften verlegt habe; der byzantinische Scholiast schrieb dem Pseudo-Aristeas oder den Kirchenvätern nach, ist also von gar keinem Gewichte.


14 Diejenigen, welche die Echtheit retten möchten, greifen zum Notbehelf, daß Demetr. Phalereus nicht unmittelbar nach Philadelphus' Thronbesteigung in Ungnade gefallen zu sein brauche, sondern noch eine Zeitlang unter diesem König als Bibliothekar fungiert haben könne [Auch nach Susemihl, Gesch. d. gr. Literatur in der Alexandrinerzeit I, 6. 138, dem P. Wendland (bei Kautzsch, S. 1) zustimmt, fiel die Verbannung des Dem. Phalereus in das Jahr 283]. Sie beachten aber nicht, daß der Aristeasbrief den Vorgang der Verdolmetschung lange nach der Thronbesteigung setzt. Er setzt voraus, daß Piladelphus bereits mit seiner Schwester Arsinoe verheiratet gewesen sei. In Eleasars Brief ist erwähnt ἡ βασίλιοοα Ἀρσινόƞ, ἡ ἀδελφἠ. Diese Ehe fand aber erst um 276 [274, s. Wendland a a.O. S. 9, Note b] statt. Noch mehr. Der Brief läßt die Dolmetscher nach Alexandrien kommen, nachdem Philadelphus einen Sieg über Antigonos Gonatas gefeiert hat [In Wahrheit erlitt Ptolemäus in der Seeschlacht bei Kos eine schwere Niederlage durch Antigonos Gonatas]. Dieser Sieg fand 262 statt. Philadelphus hatte damals bereits mehr als 20 Jahre den Thron eingenommen. Und so lange soll er Demetrios Phalereus, gegen den er mit Recht erzürnt war, an seinem Hofe behalten haben? Dazu kommt noch ein anderer Anachronismus. Der Brief läßt beim Eintreffen der Dolmetscher den Philosophen Menedemos, den Gründer der eretreischen Schule in Alexandrien anwesend sein und die philosophischen Tischgespräche derselben bewundern (p. 48). Menedemos müßte demnach nach 262 gelebt haben. Allein mehrere griechische Autoren geben an, daß er ein Zuhörer Platos gewesen sei und zwar im 24. Lebensjahre, und wenn er auch das Alter von 84 Jahren erreichte – oder gar 94 nach Hodys Emendation, – so war er in dieser Zeit nicht mehr am Leben. Noch mehr, dieselben Autoren lassen M. sogleich nach Besiegung der Gallier vor Gram sterben um 278. Wie kann er dann 262 an Philadelphus' Hofe gewesen sein? Außerdem steht es fest, daß er nur einmal in Ägypten als Gesandter, und zwar bei Ptol. Lagi, war. Im Alter blieb er demnach beständig in Mazedonien. Vergl. darüber Hodys Abhandlung zu Aristeas p. 37 fg. [und jetzt Zeller, Philos. d. Griechen II, 1, S. 276 ff. Wendland a.a.O. S. 21, Note b].

15 καλῶς δὲ ποιῶν ὁ βαοιλεὺς ὑμῶν τοὺς τοιούτους ἀναιρεῖ καϑὼς μεταλαμβάνομιν, ed. Hody (H.), p. XIX; ed. M. Schmidt (Sch.), p. 42; [ed. Wendland, § 166 f.].


16 τοὺς ἐμφανιστὰς οἴομαί σε λέγειν.


17 ἡ γὰρ ἐπαγρύπνƞσις εἰς ἀνϑρώπων ἀπώλειαν ἀνόσιος.


18 ἅμα δὲ τῇ πρωΐᾳ παρεγίνοντο εἰς τὴν αὐλὴν καϑ᾽ ἡμέραν, καὶ ποιƞσάμενοι τὸν ἀσπασμὸν τοῠ βασιλέως. ed. H. XXV, Sch. p. 6, [ed. Wendl. § 304.].


19 Am meisten verkannte Ewald die Schilderung, indem er in B. IV, 3 behauptet, die Erwähnung der Akropolis weise auf die vorherodianische Zeit.


20 Altertümer XV, 11 4: Τότε δ᾽ οὖν ὁ τῶν Ἰουδαίων βασιλεὺς Ηρώδƞς καὶ ταύτƞν τὴν βᾶριν ὀχυρωτέραν κατασκευάσας, ἐπ᾽ ἀσφαλείᾳ καὶ φυλακῇ τοῠ ἱεροῠ ... προσƞγόρευσεν Ἀντωνίαν.


21 H. X, Sch. 29, [ed. Wendl. § 85]: καὶ (leg. κᾂκ) τοῠ ϑυρώματος δὲ καὶ τῶν περὶ αὐτὸ συνδέομων κατὰ τὰς φλιὰς καὶ τῆς τῶν ὑπερϑύρων ἀσφαλείας ἔκδƞλος ἦν ἡ τῶν χρƞμάτων γεγονυῖα ἀφειδὴς δαπάνƞ. Die Emendation κᾂκ τοῠ statt καὶ τοῠ hat Schmidt vorgeschlagen.


22 H. p. XIV Sch. p. 34 [ed. Wendl. § 115]: ὁμοίως δὲ Πτολεμαΐδα τὴν ὑπὸ τοῠ βασιλέως (darunter ist Philadelphus zu verstehen) ἐκτισμένƞν (εἶχεν ἡ χώρα).


23 Diodor XIX, 93 II, p. 390: κατέοκαψε (Πτολ. ὁ σωτὴρ).. Ἄκƞν῾ Ἰόππƞν κ. τ. λ. Über Ptolemaïs vgl. Pauly Reallexik. s. v


24 H. p. XIII, Sch. p. 29, [ed. Wendl. § 83]: ἐϑεωροῠμεν τὴν πόλιν μέσƞν κειμένƞν τῆς ὅλƞς Ἰουδαίας ἐπ᾽ ὄρους ὑψƞλὴν ἔχοντος τὴν ἀνάταοιν. ἐπὶ δὲ τῆς κορυφῆς κατεσκεύαοτο τὸ ἱερὸν ἐκπρεπῶς (Var. εὐπρεπῶς) ἔχον.


25 Schmidt gibt richtig an, daß im Texte (p. 34 [ed. Wendl. § 113]) bei Beschreibung Palästinas eine Versetzung stattgefunden haben muß. Z. 30 fg, gehört zu Z. 16 fg. διὸ καλῶς ἔβλεψαν, ὅτι πολυανϑρωπίας οἱ τόποι προςδέονται καὶ τὴν κατασκευὴν τῆς πόλεως καὶ τῶν κωμῶν ἔϑεντο κατὰ λόγον ... οὐκ ἔλαττον ἑξακιοχιλίων μυριάδων ἀρουρῶν κατὰ τὸ ἀρχαῖον οὔσƞς, μετέπειτα δὲ οἱ γειτνιῶντες ὑπέβƞσαν αὐτῆς, ἑξἠκοντα μυριάδες ἀνδρῶν ἔγκλƞροι καϑειοτἠκεισαν ἑκατοντάρουροι. Das letztere kann unmöglich mit zum Voraufgehenden gehören, da dieses von dem Jordan spricht, und dabei kann ja unmöglich von Aruren und von Loosteilen die Rede sein. Es bezieht sich also auf die Ausdehnung des Landes, und man muß zur Konstruktion.. οὔοƞς ergänzen τῆς χώρας..


26 Sch. p. 34, 29, [ed. Wendl. § 116] περιῤῥεῖ δ᾽ αὐτὴν (τὴν χώραν) ὁ λεγόμενος Ἰορδάνƞς ποταμὸς ἀείῤῥους (V. ἀείρους). Dazu gehört, wenn man die zu einer anderen Stelle gehörenden ZZ. 30-33 ausscheidet, die Ergänzung p. 35, Z. 1-4 πλƞρούμενος δ᾽ ὁ ποταμός, καϑὼς ὁ Νεῖλος, ἐν ταῖς πρὸς τὸν ϑερισμὸν ἡμεραις, πολλὴν ἀρδεύει τῆς γῆς. ὃς εἰς ἕτερον ποταμὸν ἐμβαλλει (V. ἐκβαλλει) τὸ ᾡεῠμα κατὰ τὴν Πτολεμαίων χώραν. οὗτος δ᾽ ἔξεισιν εἰς ϑάλασσαν


27 Sch. p. 33, 17 [ed. Wendl. § 107]: καί τινων (τῶν τόπων) μὲν πεδινῶν, τῶν κατὰ τὴν Σαμαρεῖτιν λεγομένƞν, καὶ τῶν συναπτόντων τῇ τῶν Ἰδουμαίων χώρᾳ, τινῶν δὲ ὀρεινῶν κ. τ. λ.


28 de Vita Mosis 6. Mangey II, p. 139, [ed. Cohn und Wendland IV, 207] ὡς δ᾽ ἧκον (οἱ πρέσβεις), ἐπὶ ξενίαν κλƞϑέντες λόγοις ἀστείοις καὶ σπουδαίοις τὸν ἑστιάτορα εὐώχουν ἀντεφεοτιῶντες. Ο μὲν γὰρ ἀπεπειρᾶτο τῆς ἑκάστου σοφίας κ. τ. λ. Dieses Argument, welches auch Ewald geltend macht, beweist unwiderleglich, daß Philo den Aristeasbrief vor sich gehabt hat. Er verschweigt die Mitwirkung des Phalereus dabei, weil ihm daran lag, zu betonen, die Übersetzung sei lediglich aus der Initiative des Königs allein entstanden.

29 Dio Cassius 58, 21: τοὺς δὲ ἐπιβοƞτάτους τῶν τὰς κατƞγορίας ποιουμένων ἀποϑανεῖν ἐν μι' ἡμέρᾳ ἐκέλευοε, καὶ ... ἀπεῖπε μƞδένα ἐστρατευμένον τοῠτο ποιεῖν.


30 Dieser Hohepriester Eleasar verdankt seine Existenz lediglich dieser Schrift, und nach ihr hat ihn Josephus in die Reihenfolge der vormakkabäischen Hohenpriester eingefügt (Altert. XII, 2, 5; 4, 1). Woher er den Hohenpriester Manasse bezogen hat, Eleasars angeblichen Onkel, ist vor der Hand fraglich.


31 Contra Apionem I, 23 Ο μέντοι Φαλƞρεὺς Δƞμἠτριος,. καὶ Φίλων ὁ πρεσβύτερος καὶ Εὐπόλεμος οὐ πολὺ τῆς ἀλƞϑείας διἠμαρτον κ. τ. λ.


32 ed. H., p. 14, 3 Sch. I [ed. Wendl. § 6] καὶ πρότερον δὲ διεπεμψάμƞν σοι περὶ ὧν ἐνόμιζον ἀξιομνƞμονεύτων εἶναι τὴν ἀναγραφὴν ἣν μετελάβομεν παρὰ τῶν κατα τὴν [λογιωτάτƞν] Αἴγυπτον λογιωτατων ἀρχιερέων περὶ τοῠ γένους τῶν Ἰουδαίων.


33 Ed. Sch. p. 38, 23-26 [ed. Wendl. § 140]: ὅϑεν Αἰγυπτίων οἱ καϑƞγεμόνες ἱερεῖς ... ἀνϑρώπους ϑεοῠ προσονομάζουσιν ἡμᾶς.


34 Eusebius, praep. ev. c. IX 18: Ἀρτάπανος δὲ φƞοὶν ... τοὺς μὲν Ιουδαίους ὀνομάζεσϑαι Ερμιοὺϑ κ. τ. λ.

35 Ed. Sch. p. 63 fg. [ed. Wendl. § 316]: καὶ παρὰ Θεοδέκτου δὲ τοῠ τῶν αγωδιῶν ποιƞτοῠ μετέλαβον κ. τ. λ.


36 Bei Clemens heißt er: ὁ τῶν Ἰουδαικῶν τραγῳδιῶν ποιƞτἠς.


37 Jos. Ant. XII, 2, 14: ὡς Θεόπομπός τε βουλƞϑεὶς ἱοτορῆοαί τι περὶ τούτων ἐταράχϑƞ κ. τ. λ.


38 Bei Eusebius praep. ev. IX, 35: τὰ Ἰεροσόλυμα τὴν μὲν περίμετρον ἔχειν οταδίους μ᾽ [Vergl. Wendlands Übersetzung S. 14 und Anm. d in der Einleitung S. 2 und meine Bemerkung zu Pseudo-Hekataios unten S. 611].


39 Die talmudische Tradition bestimmt die Dauer der Hasmonäer-Regierung auf 103 Jahre (Seder Olam, c. 30 gegen Ende. Aboda Sara p. 9 a), d.h. vom I. der Unabhängigkeit Judäas unter Simon 143 bis zu Herodes' Einsetzung als König 40. Dieser Kalkül ist also richtiger als der des Clemens Alexandrinus, nämlich 120 J.


40 Die Sage von der goldenen Säule stammt vielleicht von Menander, Jos. c. Apionem I, 18, und ist noch mehr ausgeschmückt enthalten in dem kurzen Fragment des Theophilos, eines wahrscheinlich heidnischen Schriftstellers ungewissen Zeitalters, bei Eusebius a.a.O. IX, 34, 452 bei C. Müller das. p. 228

41 VIII, 9, 38, p. 375 d: ὁ δὲ Ἀριστόβουλος καὶ τῆς κατ᾽ Ἀριστοτέλƞν φιλοσοφίας πρὸς τῇ πατρίῳ μετειλƞχώς ... οὗτος δ᾽ αὐτὸς ἐκεῖνος, οὗ καὶ ἡ δευτέρα τῶν Μακκαβαίων ἐν ἀρχῇ τῆς βίβλου μνƞμονεύει: ἐν τῷ πρὸς Πτολεμαῖον τὸν βασιλέα συγγράμματι, τοῠτον καὶ αὐτὸς διασαφεῖ τὸν τρόπον.


42 Eusebius das. VIII, 10, p. 376 a: Πλὴν ἱκανῶς εἰρƞμένων πρὸς τα προκείμενα ζƞτἠματα, ἐπεφώνƞσας καὶ οὺ, βαοιλεῠ, διότι σƞμαίνεται διὰ τοῠ νόμου τοῠ παρ᾽ ἡμῖν, καὶ χεῖρες καὶ βραχίων, καὶ πρόσωπον καὶ πόδες καὶ περίπατος ἐπὶ τῆς ϑείας δυνάμεως.


43 Clemens Alexandrinus Stromat. a.a.O. Eusebius a.a.O. XIII, 12, p. 664 und IX, 7, p. 411 aus Clemens. Bei diesem lautet der Anfang: κατƞκολούϑƞκε δὲ καὶ ὁ Πλάτων τῇ καϑ᾽ ἡμᾶς νομοϑεσίᾳ καὶ φανερός ἐστι περιειργαομένος ἕκαστα τῶν ἐν αὐτῇ λεγομένων. Bei Eusebius an der ersten Stelle lautet der Anfang: φανερὸν ὅτι κατƞκολούϑƞοεν ὁ Πλάτων κτλ.


44 Eusebius a.a.O. XIII, als Fortsetzung der Angabe von Platos Entlehnung: καϑὼς καὶ Πυϑαγορας πολλὰ τῶν παρ᾽ ἡμῖν μετενέγκας εἰς τὴν ἑαυτοῠ δογματοποιΐαν κατεχώρισεν. Auch bei Clemens p. 411.

45 Das. 4.: δοκοῠσι δέ μοι περιειργασαμένου πάντα κατƞκολουϑƞκέναι τούτῳ Πυϑαγόρας τε καὶ Σωκράτƞς καὶ Πλάτων λέγοντες ἀκούειν φωνῆς ϑεοῠ κτλ.


46 Clemens Stromat. V, 14, 97 p. 705. Ἀριοτοβούλῳ δὲ τῷ κατὰ Πτολεμαῖον γεγονότι τὸν Φιλάδελφον, οὗ μέμνƞται ὁ συνταξάμενος τὴν τῶν Μακκαβαϊκῶν ἐπιτομὴν βιβλία πεπόνƞται ἱκανά, δί᾽ ὧν ἀποδείκνυσι τὴν περιπατƞτικὴν φιλοσοφίαν ἔκ τε τοῠ κατὰ Μωϋσέα νόμου καὶ τῶν ἄλλων ἠρτῆσϑαι προφƞτῶν. Die Handschr. haben hier Φιλάδελφος. Da aber Clemens an der oben zitierten Stelle (p. 40) schreibt: »Aristobul sagt wörtlich in der ersten Schrift an Philometor« so wird mit Recht angenommen, daß die L.-A. Philadelphus von einem gelehrt sein wollenden Kopisten herrühre, welcher infolge der Aristeassage von Philadelphus diesen Namen statt Philometor gesetzt habe. Ohne allen Grund bezweifelt Valckenaer (p. 30) die Stelle: οὗ μέμνƞται, daß der Auszug des II. Makkabb. sich auf diesen Aristobul beziehe. Warum sollte nicht Clemens ebensogut wie Eusebius diese Identität entweder überkommen oder kombiniert haben? Auch Anatolius, Clemens' Zeitgenosse, hat diese Identifikation (w.u.)


47 Eusebius (a.a.O. VIII, 10, p. 376 c.). ὧν εἰοὶν οἱ προειρƞμένοι φιλόσοφοι καὶ πλείονες ἕτεροι καὶ ποιƞταὶ παρ᾽ αὐτοῠ μεγάλας ἀφορμὰς εἰλƞφότες καϑὸ καὶ ϑαυμάζονται.


48 Eusebius XIII, 12. 4, p. 664 c. ἔτι δὲ καὶ Ὀρφεὺς ἐν ποιἠμασι τῶν κατὰ »τὸν ἱερὸν λόγον« αὐτῷ λεγομένων ... λέγει δὲ οὕτως: »φϑέγξομαι οἷς. ϑέμις ἐστὶ, ϑύρας δ᾽ ἐπιϑέοϑε βέβƞλοι«.


49 Die am meisten judäisch klingenden Verse sind bei Eusebius:

20. Αὐτὸν δ᾽ οὐχ ὁρόω: περὶ γὰρ νέφος ἐστἠρικται

21. Λοιπὸν ἐμοί. στᾶσιν δὲ δέκα πτυχαὶ ἀνϑρώποισιν.

22. Οὐ γὰρ κέν τις ἴδοι ϑνƞτῶν μερόπων κραίνοντα,

23. Εἰ μὴ μουνογενἠς τις, ὀπορρὼξ φύλου ἄνωϑεν Χαλδαίων: ἴδρις γὰρ ἔƞν ἄστροιο πορείƞς ...,

35. Ἀρχὴν αὐτὸς ἔχων καὶ μέσοƞν καὶ τελευτἠν,

Ως λόγος ἀρχαίων, ὡς ὑλογενὴς διέταξεν.

Ἐκ ϑεόϑεν γνώμαισι λαβὼν κατὰ δίπλακα ϑέσμον.

Nachdem Eusebius diese Orphischen Verse, ferner eine Reihe von Versen aus Aratos, dann die Nutzanwendung daraus und endlich noch Verse über den siebenten Tag mitgeteilt hat, schließt er: τὰ μὲν οὖν Ἀριστοβούλου τοιαῠτα (a.a.O. p. 668 c).


50 Justinus Martyr, Cohort. ad. Graecos, 15, ed. Otto p. 50; de Monarchia 2, p. 116.


51 Clemens Alexandrinus, Protrept. p. 63; Stromat. V. 14, p. 693 und p. 723.


52 Eusebius a.a.O. VIII 10, p. 376 c. τοῖς δὲ μὴ μετέχουσι δυνάμεως καὶ ουνέσεως, ἀλλὰ τῷ γραπτῷ μόνον προσκειμένοις, οὐ φαίνεται μεγαλεῖόν τι διασαφῶν (Μωυυῆς).


53 Das. p. 376 b.


54 Eusebius a.a.O. p. 377 c–d. 378 a–b. In kurzem Auszuge bei Clemens Stromata IV. p. 268, 24 fg.


55 Origenes contra Celsum IV. Nr 1, p. 543: ἔοικε (ὁ Κέλοος) δὲ περὶ τῶν Φίλωνος συγγραμμάτων ταῠτα λέγειν ἢ καὶ τῷ ἔτι ἀρχαιοτέρων, ὁποῖά ἐστι τὰ Ἀριστοβούλου.


56 Der Eingang zu diesem Zitat ist auch für das folgende wichtig. Eusebius Kirchengeschichte VII, 32, 7-8. Es stammt aus Anatolius' Schrift über den Pascha-Kanon. Es lautet: Μαϑεῖν δ᾽ ἔστιν ἐκ τῶν ὑπὸ Φίλωνος. .... ἀλλὰ καὶ τῶν ἔτι παλαιοτέρων, ἀμφοτέρων Ἀγαϑοβούλων τῶν ἐπίκλƞν διδασκάλων Ἀριοτοβούλου τοῠ πάνυ, ὅς ἐν τοῖς ἑβδομἠκοντα κατειλεγμένος τοῖς τὰς ἱερας καὶ ϑείας Εβραίων ἑρμƞνεύσαοι γραφἀς Πτολεμαίῳ τῷ Φιλαδέλφῳ καὶ τῷ τούτου πατρὶ, καὶ βίβλους ἐξƞγƞτικὰς το. Μωϋοέως νόμου τοῖς αὐτοῖς προσεφώνƞσε βαοιλεῠσιν. Οὗτοι τὰ ζƞτούμενα κατὰ τὴν Ἔξοδον ἐπιλύοντές φαοι δεῖν τὰ διαβατἠρια ϑύειν ἐπίσƞς ἅπαντας μετὰ ἰσƞμερίαν ἐαρινƞν ... ... Ο δὲ Ἀριστόβουλος προστίϑƞσιν, ὡς εἴƞ ἐξανάγκƞς, τῇ τῶν διαβατƞρίων ἑορτῇ μὴ μόνον τὸν ἥλιον τὸ ἰσƞμερινὸν διαπορεύεοϑαι τμῆμα, καὶ τὴν οελἠνƞν δέ. Die Rätselhaftigkeit des Einganges von zwei Agathobulen, welche beide den Beinamen »Lehrer« gehabt haben sollen, von denen sonst keine Andeutung vorkommt, ist bisher nicht gelöst. Valckenaer hat darüber gespottet (p. 26), aber nichts daraus machen können. Der Passus scheint versetzt zu sein. Darauf führt das ἐπίκλƞν διδαοκάλων. Wenn einer von diesen genannten Personen den Beinamen »Lehrer« verdient, so ist es doch wohl Aristobul, der von Clemens und Eusebius mit dem »Lehrer des Königs Ptolemäus« identifiziert wird. Es muß also zunächst gelesen werden: παλαιοτέρων Ἀριοτοβούλου, καὶ Ἀγαϑοβούλου, ἀμφοτέρων ἐπίκλƞν διδασκάλων, Ἀριοτοβούλου τοῠ πάνυ, ὅς ... Die beiden, welche noch älter als Philo und Josephus waren, nämlich Aristobul und Agathobulos, beide zubenannt »Lehrer«, haben über die astronomische Zeit der Paschafeier geschrieben, besonders aber Aristobul, welcher unter den Dolmetschern aufgezählt ist u.s.w. Aber wer war Agathobulos, von dem sonst nichts bekannt ist? Darauf läßt sich leicht antworten. Agathobulos und Aristobulos war ein und derselbe Namen. Epikurs Bruder wird von einem Schriftsteller Agathobulos und von einem andern Aristobulos genannt (vgl. Pauly, Reallexikon s.v.). Aristobuls ούνταγμα hatte in einigen Codices oder in einigen Exzerpten aus dessen Schrift den Namen Agathobulos, und Anatolius, kritiklos wie er war, hat zwei Schriftsteller daraus gemacht. Da nur Aristobul den Beinamen διδάοκαλος führte. so konnte Anatolius sagen, beide hätten diesen Beinamen gehabt: ἀμφοτέρων τῶν ἐπίκλƞν διδαοκάλων. Zum Beweise kann die Bemerkung über die Paschazeit dienen, welche Anatolius nur aus Aristobuls Schrift zitiert: Ο δὲ Ἀριστόβουλος προστίϑƞοιν. Hier läßt er den Agathobulos völlig fallen. Wir können also den Agathobulos eleminieren; aber wir gewinnen auch aus dieser Notiz, daß der Aristobul, welcher auch über die Paschazeit eine Art astronomische Bemerkung gemacht hat, den Beinamen »Lehrer« geführt hat, d.h. mit dem in dem Sendschreiben der Palästinenser an die ägyptische Gemeinde genannten διδάοκαλος Πτολεμαίου τοῠ βαοιλέως identifiziert wurde. – Was das ὅς ἐν τοῖς ἑβδομἠκοντα κατειλεγμένος betrifft, so will Valckenaers Einwand nicht viel sagen, daß dieser Name unter den im Aristeasbrief aufgezählten 72 Dolmetschern in unserem Texte sich nicht findet. Wer kann denn für die Richtigkeit aller dort aufgezählten Namen bürgen? Kann nicht Anatolius oder ein Vorgänger den Namen Aristobulos darunter gelesen haben? Hat er ihn gelesen, so konnte er die Kombination machen, daß derselbe, welcher den beiden Ptolemäern die exegetischen Bücher gewidmet hat, zugleich einer der 72 Dolmetscher gewesen sei. Solchergestalt hat Anatolius' Text sein richtiges Verständnis. Allerdings, kopflos kombiniert hat er jedenfalls, daß er den Verfasser der exegetischen Bücher unter Philometor mit dem Dolmetscher unter beiden Ptolemäern, Philadelphus und seinem Vater, identifiziert hat. Er hat sich von einer falschen Tradition im christlichen Kreise dazu verleiten lassen.


57 [Auch Elter (de gnomologiorum graecorum hist. atque origine partc. V–IX. Bonn 1894/5) hat die Unechtheit der ganzen Schrift Aristobuls mit siegreichen Gründen, gegen welche die Einwürfe Schürers (III3, 388 ff.) nicht aufkommen können, nachgewiesen. Vgl. auch Wendland, Byzant. Ztschr. VII (1898), S. 445 und Cohn, Monatsschrift pp. XLI (1897), S. 288.]


58 Das. ist auch die ganze Literatur über die judäisch-alexandrinischen Archonten und Alabarchen aufgeführt. [Die neuere Literatur darüber s. das. III3, 88, N. 39.] In seiner unter verändertem Titel erschienenen Geschichte des jüdischen Volkes zur Zeit Jesu (II. 550) beharrt Schürer, unbelehrt von schlagenden Argumenten, noch immer auf seiner korrupten Ansicht, daß die Alabarchen nichts weiter als Zollpächter gewesen wären. Er gehört zu der Koterie der protestantisch-theologischen Professoren auf kleinen Universitäten mit engem Gesichtskreis und verschleiertem Blick, die nichts zulernen und nichts vergessen. Hat einmal einer aus dieser Koterie eine Absurdität gedruckt, so wird sie gewissenhaft zitiert und gehätschelt, und jeder Einwand dagegen von ungetaufter Seite wird ignoriert und mit Vornehmtuerei abgefertigt. Diese aus begreiflicher Notlage entspringende Verhärtung gegen die Wahrheit hat Keim, Hausrath und auch Schürer zur Fälschung der neutestamentlichen Zeitgeschichte geführt.


59 M. Friedmann statuirt richtig die L.-A. סיכרבל mit einer S-Endung aus dem Jalkut, statt םיכיבל in den Ausgaben.


60 Vergl. Marquardt, röm. Staatsverfassung I, S. 294 ff. [Weitere Literatur bei Schürer III3, S. 40]. Aus Spartian (Septimius Severus 17) geht hervor, daß die Alexandriner auch unter den Ptolemäern keine kollegialische Gemeindeverfassung hatten (Alexandrini) sine publico consilio, ita ut sub regibus ante vivebant.


61 [Ähnlich wie der Verfasser, versteht auch Mommsen, Röm. Gesch. V, 517 die Josephus-Stelle. Th. Reinach dagegen (Rev. des Études juives XXVII, 80) und Ph. Kohout (Flav. Josephus jüd. Krieg, Linz 1901, S. 767, Anm. 46) stimmen rückhaltlos der Auffassung Schürers a. a O zu.]


62 Vergl. Marquardt a.a.O. S. 294.


63 Josephus Antiq. XIX. 5, 1: λύει δὲ καὶ Ἀλέξανδρον τὸν ἀλαβάρχƞν, φίλον ἀρχαῖον αὐτῷ γεγονότα καὶ Ἀντωνίαν αὐτοῠ ἐπιτροπεύσαντα τὴν μƞτέρα ὀργῇ τῇ Γαΐου δεδεμένον, καὶ αὐτοῠ υἱὸς Βερενίκƞν τὴν Ἀγρίππου γαμεῖ ϑυγατέρα καὶ ταύτƞν μὲν, τελευτ' γὰρ Μαρκος ὁ τοῠ Ἀλεξάνδρου υἱὸς, παρϑένον λαβὼν, ἀδελφῷ τῷ αὐτοῠ Ἀγρίππας Ηρώδς δίδωοι κτλ.


64 Wovon weiter unten.


65 Strabo XV. 30 p. 866 ἡ μὲν οὖν Ηλίου πόλις ἐν τῇ Ἀραβίᾳ ἐστίν.


66 Von diesem Passus an fehlt das griechische Original und ist nur aus Rufinus' lateinischer Übersetzung erhalten.


67 In dieser Zeit, entweder während des Krieges zwischen Physkon und Cleopatra oder nach der Ausgleichung, muß der Vorfall, daß der erstere Elefanten auf die Judäer in Alexandrien hetzen ließ, vorgekommen sein, denn Josephus a.a.O. bringt ihn mit der Parteinahme der Judäer für Cleopatra in enge Verbindung. Nam. Ph. Ptol. cum adversum exercitum quidem Oniae pugnare praesumeret, omnes vero Judaeos in civitate positos ... elephantis subjecisset ... in contrarium evenere. Das wäre 146-145. Denn später scheinen die Judäer Ruhe vor ihm gehabt zu haben, da im Jahre 132-131 (38. Jahre Physkons) der jüngere Sirach nach Alexandrien (Prooemium zu Sirach, siehe Note) wanderte. Damals muß also für die Judäer Ruhe geherrscht haben. Allerdings wurde in diesem Jahre Physkon wegen seiner Grausamkeit aus Alexandrien vertrieben. Er war zwar nach einigen Jahren wieder Herrscher von Ägypten; denn 128 stellte er Alexander Zebina gegen seine Schwester-Frau Cleopatra und gegen ihren Schwiegersohn Demetrios Nikator als Gegenkönig auf. Aber diefer neue Zwist dauerte nicht lange; 127 waren sie wieder ausgesöhnt. Und bis zu seinem Tode 117 wird keine Grausamkeit von ihm erzählt. Der Vorfall mit den Elefanten muß also um 146-145 gesetzt werden. Indessen freundlich scheint Physkon den Judäern niemals gewesen zu sein. Denn im Jahre 124 scheint das Sendschreiben an die ägyptischen Judäer vorauszusetzen, daß diese ἐν καιρῷ πονερῷ seien (vergl. Note 10).


68 Daß die bei Jos. das. mitgeteilte Korrespondenz zwischen Onias und Philometer unecht ist, kann gegenwärtig als ausgemacht gelten. Unmöglich kann ein ägyptisch-griechischer König Skrupel empfunden haben, daß der Bau eines judäischen Tempels auf einem unreinen und durch den Tierkultus entweihten Platz nach dem Gesetze des Judentums erlaubt sein sollte Der Zweck dieser Korrespondenz ist offenbar eine Apologie für den Oniastempel, daß ihm Heiligkeit beigelegt werden dürfe, obwohl er auf entweihtem Boden erbaut sei, weil er von Jesaia prophetisch verkündet worden sei. Zugleich wird darin hervorgehoben, daß dieser Tempel eine Einheit des Kultus erziele, während in den cölesyrischen und phönizischen Gemeinden bezüglich des Kultus Verschiedenheit und dadurch Uneinigkeit herrsche: καὶ διὰ τοῠτο δύςνους ἀλλἠλοις. Diese Korrespondenz kann daher nur von einem Anhänger des Oniastempels fingiert worden sein.


69 Falsch gibt die lat. Übersetzung diesen Passus wieder ex Oniae factione Judaei. Es waren nicht Onias Parteigänger, sondern Judäer aus Onion.


70 Justiniani edicta XI, 2, Corpus juris (ed. Lips.) III. 701. Χορƞγεῖν χρυσίον, τοῠτο μεν τῷ ... Αὐγουσταλίῳ ... τοῠτο δὲ τῷ τε νῠν κατα καιρὸν ἀλαβάρχς.


71 Léon Renier in Mémoires de l'académie des inscriptions et belleslettres T. XXVI, partie I, p. 297.


72 Alciat, praetermissorum libri; Rudorff, Rhein. Museum, Jahrg 1828, S. 156.


73 Renier das. p. 301: car c'est de lui (de Tibère Alexandre), on ne peut en douter, que Juvenal a voulu parler dans ces vers de sa première satire. In der Notiz fügt Renier hinzu: Juvenal n' aimait ni les Juifs, ni les Égyptiens.


74 Renier a.a.O. S. 303 nach Dio Cassius 68, 30.


75 Es ist bereits bemerkt, daß die besten Handschriften bei Cicero und Juvenal Arabarches haben, statt der in den Editionen aufgenommenen L.-A. Alabarches.


76 M. Middot II, 3. (שדקמה תיבב) םש ויהש םירעשה לכ בקעי ןב רזעילא 'ר .. רונקינ רעשמ ץוח בהז לש תויהל ונתשנ (איתנלק בהזכ הפי היה אתנלק ןתשוחנ רמוא das Wort ist Κορίνϑιος, aus korinthischem Erz). Vgl. Tosefta Joma II, 4. Darauf folgt das.: ןאיבמ רונקינ היהש ורמא אירדנסכלאמ. Über die Sage vergl. Monatsschrift 1881, 203 ff.


77 Josephus Altert. XVIII, 6, 3.


78 [In der dritten Auflage, S. 36 läßt Schürer selbst diese Aufstellung sallen, und weist mit Recht darauf hin, daß »dieses indirekte Argument nicht stark genug ist, um die überlieferten positiven Daten in Betreff der Sabbatjahre umzustoßen«].


79 [Dieser Schluß ist nicht stringent. Mit demselben Recht könnte geschlossen werden, daß irgend ein anderes beliebiges Jahr zwischen 41 und 44 oder zwischen 37 und 44 ein Sabbatjahr gewesen sei. Korrekt ist vielmehr nur ein einziger Schluß: da hiernach Agrippa I. im Herbst 41 den Schluß des Sabbatjahres nicht begangen haben kann und er ein anderes Sabbatjahr als König nicht erlebt hat, so muß die Notiz der Mischnah Sotah sich auf einen anderen Agrippa und ein anderes Sabbatjahr beziehen. Ich habe sie demgemäß a.a.O. auf Agrippa II und das Jahr 62 bezogen, und jüngst hat Büchler (im Jahresbericht der isr.-theol. Lehranstalt in Wien für 1895, S. 14 f.) diese Ansetzung gebilligt. Der unterstellte, ohnehin zweifelhafte Maßstab der größeren und geringeren Gesetzestreue des Vaters und des Sohnes kann angesichts der chronologischen Notwendigkeit als Instanz gegen meine Ansetzung kaum ins Gewicht fallen].


80 [Auch diese Beweisführung ist unhaltbar. Es beweisen viel mehr die beiden geschichtlich beglaubigten Sabbatjahre 177 Sel. und 275 Sel. (vgl. Zuckermann, Sabbatjahrcyklus und Jobelperiode, S. 32 f.) die absolute Zuverlässigkeit der Angabe des Seder Olam c. 30, daß auch 380 Sel., d.h. 68/9 Chr., das Jahr vor der Zerstörung des zweiten Tempels ein Sabbatjahr gewesen sei].


81 [Man sieht zu welchen Konsequenzen der Verf. sich genötigt sieht. Das Richtige siehe bei Schürer I3, S. 35 f.]


82 [Allerdings. Doch ist die vorliegende Schwierigkeit durch die Vorschläge Schürers (a.a.O.) und Zuckermanns (S. 34) glücklich beseitigt.]


83 [Bekanntlich schließt sich Maimonides selber (Rga Peër - ha Dor, Nr. 127) der Tradition der Geonim an und erklärt 1507 Sel., also auch 1486 Sel., für ein Sabbatjahr. Vgl. über diesen Punkt Zuckermann a.a.O. S. 30 f. und S. 34, Anm. 33. Die Zuverlässigkeit der Zuckermannschen Sabbatjahrtafel ist demnach durchaus nicht erschüttert.]


84 Diese Abhandlungen befinden sich: von Ritschl, im rhein. Museum, Jahrg. 1873, S. 586 ff., Jahrgang 1874, 337 ff., Jahrg. 1875, 428 ff.; von Mommsen, Hermes, Jahrg. 1875, 281 ff.; von L Mendelssohn, im rhein. Museum 1875, 419 ff. [Die weitere Literatur bei Schürer I3, 252 f.]. Das Hauptargument Mommsens für die spätere Zeit der sogen. hyrkanischen Urkunde von dem Ομονοίας ναός in der betreffenden Urkunde, dem Tempel der Concordia in Rom, der in so früher Zeit noch nicht bestanden habe, hat R. erschüttert.


85 Darunter ist wohl die annona militaris zu verstehen, eine Zusatzabgabe zur Grundsteuer, also Naturalienlieferung, welche in die Provinzialmagazine, horrea, abgeführt zu werden pflegte (Becker-Marquardt III, 2, S 183) Die Magazine waren wohl in Sidon; daher wird diese Stadt dabei genannt.


86 So ist der Passus verständlich, wenn man ὑπὲρ streicht. Es bleibt nur der Genetiv ταύτƞς τῆς πόλεως und die Fortsetzung des Genetivverhältnisses: χώρας καὶ λιμένος ἐξαγωγίου. Rufinus hat in der lat. Übersetzung den Passus von Ἰόππƞς ύπεξαιρουμένƞς mißverstanden und so aufgefaßt, als wenn die Joppenser für Jerusalem steuern müßten: ut per singulos annos Ioppenses tributa Hierosolymorum civitati prestent excepto septimo anno. Diese Absurdität, welche von Haverkamp mit Recht zurückgewiesen ist, hat Mendelssohn dennoch als richtig adoptiert (a.a.O. p. 199, 203 Note).


87 Zweimal wird das Sabbatjahr erwähnt und die Ausnahme begründet, und zwar das erstemal: ἐπεὶ ἐν αὐτῷ μἠτε τὸν ἀπὸ τῶν δένδρων καρπὸν λαμβάνουσιν μἠτε σπείρουσιν und das zweite mal: οὔτε ἀροῠσιν οὔτε τον ἀπὸ τῶν δένδρων καρπὸν λαμβάνουσιν. In beiden fehlt ein Passus, nämlich im ersten, daß am Sabbatjahr nicht gepflügt wird, und im zweiten, daß nicht gesäet wird.


88 Dieser Passus ist nicht ganz verständlich. Vielleicht ist darin das gemeinschaftliche Speisen bei Beschneidungen, Hochzeiten und dergleichen, das im Talmud תוצמ תדועס, religiöses Mahl, genannt wird, angedeutet. Es wurde vielleicht als Klubversammlung angesehen und als solche verboten.


89 Das dritte »τοὺς καρποὺς μεταχειρίζεσϑαι«, die Früchte zu behandeln, zu handhaben, ist dunkel.


90 Mendelssohn konjiziert richtig δἰ ἧς ἐδἠλους ἡμῖν die zweite Person, statt ἐδἠλου [So auch Niese].


91 μƞδεὶς αὐτοῖς $μποδίζς hat Rufinus gelesen statt ἐπιτάσος.


92 Damit ist eine Schwierigkeit gehoben, welche die Historiker nicht bewältigen konnten. Hier und noch mehr in § 2 ist angegeben, daß viele römische Feldherren bezeugt haben (πολλοὶ μεμαρτυρἠκασιν αὐτοκράτορες), daß Hyrkan schon vorher (ἐν τοῖς ἔμπροσϑεν χρόνοις) den Römern in Krieg und Frieden Treue und Eifer gezeigt habe. Es ist aber nicht bekannt, daß Hyrkan vor dem alexandrinischen Kriege den Römern oder Cäsar Dienste geleistet hätte. Er hatte auch keine Gelegenheit dazu An die gezwungenen Dienste für Pompejus und Gabinius darf man doch nicht denken (vergl. Mendelssohn S. 233, N. 3). Und wer sind die vielen Feldherren, welche diesen Eifer der Judäer für die Römer vor Cäsar bezeugt haben sollen? Es muß sich daher auf die Dienste beziehen, welche die kleinasiatischen Judäer den römischen Feldherren erwiesen hatten, von der Zeit an, als Kleinasien Eroberungsobjekt für die Römer wurde. In § 2 ist ein auffallender Ausdruck ἐπεὶ Υρκανὸς ... Ἰουδαῖος, wozu dieses Epitheton? Es ist daher zu lesen: Υρκανος ... καὶ Ἰουδαῖοι καὶ νῠν καὶ ἐν τοῖς ἔμπροοϑεν χρόνοις.. πίστιν τε καὶ σπουδƞν περὶ τὰ ἡμετέρα πράγματα ἐπεδείξαντο, ὁς αὐτοῖς πολλοὶ κτλ. Darauf berief sich Cäsar in § 7 in der Urkunde.


93 ἐγένετο πρὸ πέντε εἰδῶν Φεβρουαρίων.


94 Schlünkes, epistolae, quae secundo Maccab b.libro I, 1-9 legitur, explicatio, Köln 1844. Dazu eine Programmschrift des Friedr.-Wilhelm-Gymnasiums in Köln von 1847 über die folgenden Verse.


95 Wenn die Formel λαίρειν, die auch in dem zugestandenermaßen Hebräisch geschriebenen ersten Makkabb. vorkommt, dem םולש entspricht, so bedeutet das in V. 10 hinzugefügte υγιαίνειν = dem hebräischen םייח. LXX übersetzen die Schwurformel הערפ יח etc. mit νὴ τὴν υγιείαν. Es kann also, originaliter Hebräisch gewesen sein. ἡ γερουσία V. 10 ist Abstraktum für ינקז; wie auch LXX dieses Konkretum abstrakt wiedergeben.


96 Sonderbar erklärt Grimm das Wort μεταγενομέιοις(2, 2 fg) »μεταγίγνεσϑαι in der Bedeutung transferri, deportari; sonst nicht vorkommend.« Aber wenn es ohne Analogie ist, wie kann man darauf kommen, daß es überhaupt diese Bedeutung hat? Die syrische Version gibt die richtige Erklärung: ןיוד ןילד רתב ןמד ןיליאל דקפו »diejenigen, welche später sein werden.« Hebräisch vielleicht: םיאבה םהירחא.


97 Die unbekannte Landschaft תילחוכ kommt noch vor in Verbindung mit Ysop ילחוכ בוזא Neg. XIV. 6: Para XI, 7, auch Siphra und Siphre.


98 Altert. IV. 8, 14: ἑκάστς δὲ ἀρχῇ δύο ἄνδρες ὑπƞρέται διδόσϑωσαν ἐκ τῆς τῶν Λευϊτῶν φυλῆς.


99 Es ist gegenüber der bodenlosen Beweisführung Geigers über die Genesis der Pharisäer und Sadducäer schwer, das de mortuis nil nisi bene zu befolgen und die treffende Bezeichnung für diese sonderbare Geschichtskonstruktion zu vermeiden. Sein Hauptargument von der Bildung der Pharisäer beruht auf einigen Versen in Esra und Nehemia, die er aber arg mißverstanden hat. Er behauptet nämlich, daß schon in der Zeit nach der Rückkehr aus dem Exile sich die Rigorosen von den קודצ ינב, oder Zadokiten (Sadducäer), getrennt und sich überhaupt von dem Rest des Volkes ferngehalten hätten, und dieses werde ץראה ימע genannt. Aber die zwei prägnanten Verse, die, nach seiner Erklärung von םילדבנה, angeblich die sich Absondernden bedeuten sollen, sagen gerade das Entgegengesetzte aus, daß nämlich darunter Proselyten zu verstehen sind, welche sich von der Unreinheit des Götzentums gesondert und zur »Lehre« übergetreten sind. Nehemia 10, 29 werden aufgezählt: םיניתנה םעה ראשו םיהלאה תרות לא תוצראה ימעמ לדבנה לכו ... Hinter den Nethinim werden die Proselyten aufgezählt. Esra 6, 21: die Israeliten, aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, aßen das Peßach und auch ייוג תאמטמ לדבנה 'לכו םהלא ץראה. Esra Apokryphus gibt diesen Vers noch deutlicher wieder (7 13): πάντες οἱ χωρισϑέντες ἀπὸ τῶν βδελυγμάτων τῶν ἐϑνῶν τῆς γῆς, ζƞτοῠντες τὸν κύριον, nämlich 'ה תא שקבל. Es ist ganz unbegreiflich, wie Geiger aus übergetretenen Heiden Pharisäer machen und auf dieser Basis die nachexilische Geschichte konstruieren konnte. Übrigens hat auch Schürer diese Verse mißverstanden, Einleitung S. 429.


100 Solche Differenzen, bezüglich deren R. Jochanan b. Sakkaï mit einem Sadducäer disputierend angeführt wird, scheinen aus späterer Zeit zu stammen. Denn zu dessen Lebzeiten ist die Opposition wieder erwacht, genährt durch den sadducäischen Hohenpriester Anan b. Anan, vgl. w.u. – Ich kann mich mit der Erklärung des Dr. Perles nicht befreunden, der die frühere Identifizierung der Boëthusäer mit den Essäern aufgenommen und sie durch die L.-A. in einem Codex ןייס תיב unterstützt hat, als wenn die Boethusäer gleich ילבוט תירחש wäre (Revue des études juives P. III. p. 119). Diese Ableitung ist gesucht, während die von einem Eigennamen Boëthos סותייב auf der Hand liegt. Auch findet sich kein Beispiel, daß die Essäer sich mit einem halachischen Sujet befaßt hätten; ihre Domäne war die Haggada oder die Mystik.


101 Das Argument, welches Weiß dafür aus Jerus. Sanhedr. 19 a anführt: Zur Geschichte der jüd. Tradition I, p. 118, N. 1 איזחתמד אקור .. ןיבתוכ ויה הנושארב אערא לע אנל ist von keinem Belang.


102 Über die Bedeutung von סרימה = ἡμερἠσια vergl. Mschr. Jahrg. 1870, S. 139 fg.


103 Weiß' Behauptung, daß die Formel der Erörterung bezüglich irgend einer Vorschrift in Siphra und Siphre רמאל דומלת ... וניא וא ... לוכי auf eine Differenz zwischen Sadduc. und Pharis. hinweise (a.a.O. p. 118), ist nicht haltbar, da diese Formel ganz besonders bei minutiösen Einzelheiten angewendet wird.


104 Die Bedeutung des Wortes ist zwar dunkel, aber Raschi erklärt es, gewiß nach Tradition, daß es mit Waschen und Trocknen der Hände in Beziehung stand. Ein Elisa, der einen ganz besonderen Wert auf levitische Reinheit gelegt hat, wird םיפנכ לעב עשילא genannt (Sabbat 49 a; 130 a; Jerus. Berachot II, p. 4 c). Kohelet 10, 20 רבד דיגי םיפנכה לעבו bedeutet wahr scheinlich ebenfalls einen Essäer.


105 E. Lucius hat in seiner Schrift: Der Essenismus in seinem Verhältnis zum Judentum (Straßburg 1881) wider die Etymologie von ὅσιοι = ויסח, איסח aufgenommen. Sie ist aber unhaltbar, weil im Palästinensischen dieses. Wort nicht gebräuchlich ist.


106 Diese im Namen R. Pinehas b. Jaïr tradierte Sentenz kommt an mehreren Stellen vor. Midrasch zu Cantic. I, p. 3 c, babli Aboda sara 20 b, Sota Ende, Jerus. Sabbat 3 c, Schekalim 47 c, in abweichender L.-A.


107 Vergl. über die Entstehung, Tendenz und Abfassungszeit dieses Buches N. Brüll, das apokryphische Susannabuch, in dessen Jahrb. für jüd. Gesch. und Literatur, Jahrg. III., anfangs.


108 Statt םיכסדו שרדו möchte ich übrigens lesen: שרדו ומיכסה אלו, die Gesetzeslehrer waren mit seiner Deutung nicht einverstanden, bis er sich auf eine empfangene Tradition berufen hat: הכלה לבקו. So ging es ja bei seiner Entscheidung bezüglich des Passaopfers am Sabbat ebenfalls zu, daß man sie erst dann akzeptiert hat, als er sich auf eine Tradition berufen hatte. Übrigens ist der Ausdruck: לבבמ ללה הלע הז לע irreführend, als wenn es für diese Interpretation ein glücklicher Zufall gewesen wäre, daß Hillel aus Babylonien nach Jerusalem emigriert sei. So wichtig ist sie doch keineswegs. Der Ausdruck ist entlehnt dem Vorgange beim Passa-Opfer am Sabbat wobei angeführt ist ימ לבבמ הלעאש םכל םרג.


109 Jerusch. Sanhedrin 19 c.b. das. 88 b, Tossefta das. VII. 1, Chagiga II, 9. אלש ללהו יאמש ידימלת וברשמ יתש ושענו לארשיב תוקולחמ ובר ןכרצ לכ ןוהיבר ושמש תורות.


110 Ich glaube jetzt, abweichend von meiner früheren Erklärung, daß der Ausdruck ךליאו ןאכמ an dieser Stelle und in Jerusch. Sanhedr. 28 a ובתכנש םירפס לכו תרגאב ארוקכ ןהב ארוקה ךליהו ןאכמ, die Schriften bezeichne, welche nach dem Aufhören der Prophetie verfaßt wurden. Öfter ist in der talmudischen Literatur angegeben: הקספ (םינורחא םיאיבנ) יכאלמו הירכז יגח תמשמ לארשימ שדקה חור (הקלתסנ) (Tossefta Sota 13, 2 und Parallelst.), mit den letzten Propheten sei auch der heilige Geist geschwunden. Folglich können die Schriften, die notorisch später verfaßt waren, da ihre Autoren nicht vom heiligen Geist inspiriert waren, nicht als שדק יבתכ angesehen werden. ךליאו ןאכמ bedeutet demnach ךליאו האובנה קוספמ. So heißt es im Seder Olam Rabba c. 30 zum Schluß: ויה ןאכ דע ירבד עמשו ךנזא טה ךליהו ןאכמ שדקה חורב ןיאבנתמ םיאיבנה םימכח. Dieser Gesichtspunkt war aber zur Zeit der ersten Fixierung des hagiographischen Kanons noch nicht geltend gemacht, sondern lediglich der Inhalt, daher war Sirach mit eingeschlossen, Kohelet aber ausgeschlossen. Erst später ging die Synode zur Zeit der Amtsentsetzung Rabban Gamaliels von einem andern Gesichtspunkte aus, als sie trotz des Widerspruchs der Schammaiten das Hohelied und Kohelet für heilig erklärte, nämlich von dem Werte der an die Spitze gestellten Autoren. Dieser Gesichtspunkt der Beurteilung ist entgegengesetzt der Ansicht, die entweder diese beiden Bücher oder eines derselben nicht aufgenommen wissen wollte, weil Salomo sie vermöge seiner Weisheit verfaßt habe. Es ist dagegen geltend gemacht, alles, was zur Zeit der Propheten niedergeschrieben worden, sei vom heiligen Geist diktiert, also auch das Hohelied und Kohelet.


111 Jos. Altert. XX, 10, 5: οἱ πάντες εἰκοσιοκτώ.


112 Vergleiche die Reihenfolge der 27 Hohenpriester bei Schürer, Lb. der neutest. Zeitgeschichte S. 418 fg. [jetzt II3, S. 216 ff.]. Reland hat den fehlenden Hohenpriester durch Einschiebung des Hohenpriesters Jonathan ergänzen wollen (Note zu Havercamps Josephus I, p. 971); aber diese Ergänzung ist nicht richtig, vgl. w.u.


113 Jos. das. XX. 8, 8. κατὰ τοῠτον τὸν καιρὸν ὁ ... Ἀγρίππας δίδωσι τὴν ἀρχιερωούνƞν Ἰσμαἠλῳ.


114 Siphre 131. J. Joma 38 b. Midiasch zu Levitic. 21. ליבשבו (ה"פ .. א"פ םירמוא שיו) ג"כ 'פ ןורחא תיבב לבא השעמ .תורצקתמ םהיתונש וליחתה םימדב ותוא ןירכומ ויהש דחאב השעמ בוש ... ףסכ לש תודמ יתש ונב דיב חלשש דחאב .בהז לש תידמ יתש ונב דיב חלישש


115 Nach Tossaphot Sebachim 101 b waren im Siphre die Namen der Hohenpriester aufgezählt.


116 Jos. das. XX, 9, 2.


117 Das. 9, 4. ὑπερεῖχε δὲ Ἀνανίας τῷ πλούτῳ προσαγόμενος τοὺς λαμβάνειν ἑτοίμους.


118 Das. 9, 3. παῖς δὲ ἦν οὗτος (ὁ Ἐλεάζαρος) Ἀνάνου τοῠ ἀρχιερέως. Anstatt Anan muß man unzweifelhaft Ananias lesen, da der Name Ananias zweimal in dieser Relation als der Name desjenigen vorkommt, an den die Sikarier sich gewendet haben, damit er sich bei Albinus für sie verwende.


119 Im Talmud wird dieser auch nicht Anania, sondern Jochanan genannt. Keritot 28 a; Pessachim 57 b. (יאברנ falsch) ודימלת יאבדנ ןב ןנחוי סנכיו םירעש וחתפ םימש ישדקמ וסירכ אלמיו יאקניפ לש. Dann wird von seiner Gefräßigkeit erzählt. יאקניפ ist wohl ein Spitzname große Schüssel, welche in dem Talmud אקניפ heißt (nach L.-A des Aruch) statt אכניפ, wie im Syrischen. Da das Wort von πίνακις stammt, so ist ohnehin אקניפ richtiger.

120 Tossephta Joma I, 21 f. auch b, das. 35 b: השעמ ... הנמ האמלש תנותכ ומא ול התשעש יבאפ ןב לאעמשי 'רב אבר יתשמ תנותכ ימא ול התשעש םוסרח ןב רזעלא 'רב השעמו םורע הכותמ הארנש ינפמ םינהכה ויחא והודירוהו ... [Nach der Tossephta wäre R. Ismaël der reichere gewesen]. Es war also punisches Gewebe, das durchsichtig war.


121 Mischna Joma III, 7. ב"י לש ןיסולפ שבול היה רחשב זוי תואמ הנומש לש ןיודנה םיברעה ןיבו הנמ.


122 Jerusch. Taanit IV. p. 69 a: תוריע םיפלא ('כ) תרשע ףלא ןדגנכו םלוכמ ףלא םוסרח ןב רזעלא 'רלו ךלמה רהב ויה םיב תוניפס. Auch Midrasch Threni zu 2, 2 und Babli Joma 35 b.


123 Der seltsame Name םוסרח ןב könnte ein Spitzname gewesen sein. Dergleichen kamen in der leidenschaftlich bewegten Zeit des zweiten Tempels vor. Ich erinnere an ןצמח ןב, ferner an השירפ ןב und ארטק ןב, an ףטוחה ןב und an ףוזנה ןב ןנחוי. So kann סוסרח verschrieben sein in םוסרח (wie םואמא = סואמא und םיטסיל = סיטסיל) und bedeuten χρυσός = Gold, also Sohn des Goldes, Besitzer von Reichtümern [Die Annahme scheint schon darum ausgeschlossen zu sein, weil sonst χρυσός in der einschlägigen Literatur stets mit כ und nie ohne ו oder י in der ersten Silbe transksribiert wird].


124 b. Joma 9 a, wo von der großen Zahl der Hohen priester die Rede ist – und diese gar auf 300 angegeben ist – werden dem Hohenpriester Eleasar b. Charsom 10 Jahre zugeteilt: רזעלא יבר שמשש רשע.... םהמ 'א םוסרח ןב.


125 Jos. III, 15, 3. Κλαυδίου Ρομαίων ἄρχοντος Ἰσμαἠλου δὲ παρ᾽ ἡμῖν ἀρχιερέως ὄντος. καὶ λιμοῠ τὴν χώραν ἡμῶν καταλαβόντος. Es ist unzweifelhaft, daß Josephus von derselben Hungersnot spricht, wie das. XX, 5, 2, von der unter der Prokuratur des Tiberius Alexander während der Anwesenheit der Königin Helena, d.h. unter Claudius.


126 Tacitus An. 12, 54: Igitur raptare inter se, immittere latronum globos, componere insidias, et aliquando proeliis congredi, spoliaque et praedas ad procuratores referre. Hique (Cumanus et Felix) primo laetari, mox gliscente pernicie, quum arma militum interjecissent, caesi milites. Arsissetque bello provincia, ni Quadratus, Syriae rector, subvenisset.


127 Vgl. Monatsschrift Jahrg. 1877, S. 345 fg.


128 Schiller bezweifelt Poppäas Proselytentum a.a.O. S. 583 N., aber mit Unrecht. Wenn man es aufs richtige Maß zurückführt, daß Poppäa allerdings nicht mit Ostentation judäische Proselytin gewesen, aber eine Art Hang zu judäischen Riten gehabt habe, so findet man Belege dafür. Warum hätte sie sich sonst für die gefangenen asketischen Priester verwendet? Warum hätte sie Josephus reich beschenkt, wenn nicht aus Vorliebe für Judentum und Judäer? Warum hat sie noch dazu die Petition der judäischen Gesandtschaft bezüglich des Tempels unterstützt, die doch eigentlich gegen das römische Interesse lief? Josephus hatte Audienz bei ihr, hat Worte mit ihr gewechselt. Wenn er also positiv aussagt: ϑεοοεβὴς γὰρ ἦν, daß Poppäa gottesfürchtig, d.h. Verehrerin des Gottes Israel, gewesen, so ist das Urteil aus eigener Erfahrung geflossen und darf nicht angezweifelt werden.


129 Monatsschr. Jahrg. 1877, S. 348 f. [Vgl. hierzu Schürer I3, S. 589 Anm. 7].


130 Schillers Motivierung a.a.O. 386 ist nicht zutreffend und von Antipathie eingegeben.


131 Auch Maddens chronologische Berechnung der Prokuratoren stimmt nicht ganz (international numismata orient. II, p. 173, 187):

Fadus . . . . . . . . 44-46

T. Alexander . . 46-48

Cumanus . . . . . 48-52

Felix . . . . . . . . 52-60

Festus . . . . . . . 60-61

Albinus . . . . . . 62-64

Florus . . . . . . . 64-66


132 Dieselbe Verwechselung kommt auch vor Keritot 28 b: (עשילא) עמשילא statt לאעמשי in der Parallel-Stelle.


133 Pessachim 56 a; Keritot 28 b: הרזעה החוצ החוצ (יבאיפ 1.) יכאיפ ןב לאעמשי סנכיז םכישאר םירעש ואש

.הלודג הנוהכב שמשיו סחנפ לש ודימלת


134 Vgl. dazu die Äußerung des Hohenpriesters Jonathan (das. XIX, 6, 4): Ἀπαξ δ᾽ ἐνδὺς στολισμὸν ἱερὸν ἀρκοῠμαι.


135 An drei Stellen kommt diese Erzählung vor, aber nicht ganz korrekt:

Tossefta Joma I, 4:

העש לודג ןהכ שש ירופיצב םלוע ןב ףסויב השעמ .יסוי 'ר רמא ?היה םויה וברקש ריעשו רפ ךלמה ול רמא אצישכ ... תחא ןב הז המ רמא .ול רמא המ ךלמה עדי ?לודג ןהכ לשמ וא ילשמ שקבמ התאו ... העש לודג ןהכ תחת תשמשש ךייד אל ?םלוא ןמ עסוהש םלוא ןב עדי העש התואב ?הלודג הנו ךל לוטי .הנוהכה

Jeruschalmi Joma II, p. 38 d, Megilla I, p. 72 a, Horajot III, 47 d:

םירופיכה םויב לודג ןהכל ירק עריאש ןירופיצמ םליא ןבב השעמ ךלמל רמא אצישכו .הלודג הנוהכב ויתחת שמשו םליא ןב סנכנו עדיו ?לודג ןהכ לשמ וא ןיבירק ןה ילשמ כ"י לש ריעשו רפ ... אלא ךייד אל וליא םליא ןב :ול רמא .לאוש אוה המ ךלמה .הלודג הנוהכמ עסוהש םליא ןב עדיו .. תחא העש תשמשש

Babli Joma p. 12 b:

לוספ וב עריאש ירופיצב םליא ןב ףסויב השעמ יסוי 'ר רמא .ויתחת והונימו לודג ןהכב

***Die L.-A. im jerusalemischen Talmud ist die korrekteste, nämlich םליא ןב, was dem υἱὸς Ἐλλἠμου entspricht, und ךלמל רמא statt ךלמה ול רמא.


136 Tossefta das. ןגסה ךכל :רמוא לאילמג ןב היננח 'ר. .ויתחת שמשי לוספ וב עדאי םאש הנוממ


137 Tacitus Annales II, 42: Et provinciae, Syria atque Judaea, fessae oneribus, diminutionem tributi orabant.


138 Jona 69a, Megillat Ta'anit IX, 2.


139 Altertümer XII, 2, 5.


140 Tossefta Sota XIII, 6: תליטב עמש קידצה ןועמש ולטבו סגלגסק גרהנו אלכיהל היתיהל האנס רמאיד אתדיבע ןעמש ימרא ןושלבו ויתוריזג. In den Parallelstellen Babli Sota 33a, Jerusch., das. 24b Midrasch Canticum zu 8, 9 und Megillat Ta'anit IX ist noch angegeben עמש םישדקה שדק תיבמ, daß dieser Simon die Stimme aus dem Allerheiligsten vernommen, d.h. während seiner Funktion in demselben. Folglich wird er als Hoherpriester bezeichnet.


141 Josephus Altert. XIX, 6, 2: Ἐντελῶς δ᾽οὖν. ϑρƞσκεύσας τὸν ϑεὸν Αγρίππας, Θεόφιλον.. τῆς ἀρχιερωούνƞς μετίστƞοεν, τῷ δὲ Βοƞϑοῠ Σίμωνι, τούτῳ Κανϑƞρᾶς ἐπίκλƞσις ἦν, τὴν ἐκείνου προσένειμε τιμἠν.


142 Josephus j. Kr. VI, 5, 3. Er erzählt zuerst von dem glänzenden Lichte, das Tempel und Altar wie Tageshelle erleuchtet habe, gibt dabei an, es habe sich gerade vor dem Ausbruche des Krieges ereignet (τοῠτο δ᾽ἡνίκα πρὸ τῆς ἀποστάοεως καὶ τοῠ πρὸς τὸν πόλεμον κινἠματος), bestimmt es näher, es sei vor dem Paschafeste am 8. Xantikos (Nisan) geschehen, sügt hinzu, daß an dem Feste selbst desselben Jahres eine Kuh im Tempel selbst ein Lamm geworfen habe und reihet daran die Erzählung von dem Omen der von selbst aufgegangenen Tempelpforte an. Er setzt also auch das letztgenannte Omen in die Zeit kurz vor der Revolution, d.h. in das Jahr 66.


143 Jerusch. Sanhedrin f. 18 a und f. 24 b: םדוק לארשימ תושפנ יניד ולטונ ה"ב ברח אלש דע הנש םיעבראל. Auch Babli Sabbat 15 a und Parall. ברח אלש דע הנש 'מ תויונחב הל הבשיו ןירדהנס הל התלג תיבה, wozu die richtige Erklärung תושפנ יניד ונד אלש.


144 Für die längere Funktionsdauer Simons I. würde auch die Version sprechen, daß er während seines Pontifikats zweimal Asche von der roten Kuh bereitet hat, was nur noch von dem fürstlichen Hohenpriester Johannes Hyrkanos erzählt wird, der in der Tat 31 Jahre fungiert und regiert hat (Para III, 5).

145 An dieser Stelle wird zwar diese Notiz nicht auf das Tetagrammaton, sondern auf einen mystischen Namen von 12 Buchstaben bezogen: הרשע םיתש ןב םש תויתוא. Allein die Parallele in Jerusch. beweist, daß es sich nur auf das Tetragrammaton bezieht. In beiden Stellen wird von diesem Namen ausgesagt, daß er verschwiegen werden soll. Jerusch. das.: םיזז ויה אל: ימש הז םלועל ימש הז :ןהמ םלעתמ (םשה) אובש דע םשמ םלעל. Ebenso Kidduschin das.: תויתוא העברא ןב םש הז ביתכד .עובשב תחא םעפ ןהידימלתל ותוא ןירסומ םימכח .ביתכ םלעל םלועל ימש


146 Dasselbe kommt auch Kidduschin a.a.O. vor: ויה םיצורפה וברשמ םדא לכל ותוא םירסומ ויה ... הנושארב םיעילבמ הנוהכבש םיעונצהו הנוהכבש םיעונצל ותוא םירסומ םינהכה םהיחא תמיענב ותוא. Irrtümlich wird dieses das. auf den 12 buchstabigen Gottesnamen bezogen.


147 Mischna Sota IX, 8-9: הלגע הלטב ןינחצרה וברשמ ורזח ארקנ היה השירפ ןב הניחתו יאניד ןב רזעלא אבשמ .הפורע ןברו םירמה םימה וקספ ןיפאנמה וברשמ .ןחצורה ןב ותורקל ןקיספה יאכז ןנחוי (so die richtige L-A.)


148 Josephus j. Kr. II, 12, 1: ἐφ᾽ οὗ ϑόρυβοί τε ἤρξαντο καὶ φϑορὰ πάλιν Ἰουδαίων ἐγένετο. Altert. XX, 8, 5: τὰ δὲ κατὰ Ἰουδαίαν πράγματα πρὸς τὸ χεῖρον ἀεὶ τὴν ἐπίδοσιν ἐλάμβανε.


149 Megillat Taanit VI, 2: םימלצה תא םגלקסג חלשש םוי גח לש ןושארה בוט םוי ברע העומשה התאבו לכיהב ןדימעהל לכמ דחא ןיאש החמשב םכידעומ ושע קידצה ןועמש םהל רמא ,הזה תיבב ותניכש. ןכשש ימ יכ .םיוקי םתעמשש וללה םירבדה םיסנ ונל השעי ךכ ,רודו דוד לכב וניתובאל םיסנ השעש םשכ הזה ןמזב


150 Siphre No. 21; Rabba Numeri c. 10; Tossefta Nasir IV, 7; j. das. 51 c.; Nedarim 36 d.; b. das. p. 9 b.; Nasir 4 b.


151 Josephus XIX, 6, 1: διὸ καὶ Ναζιραίων ξυρᾶοϑαι διέταξε μάλα συχνούς (Ἀγρ.).


152 Tossephta Joma I, 8: היה רבדש ?ועיבשהל וכרצ המלו תרוטקה ןנע אציו ץוחבש לע ריטקהש דחא יסותיבב השעמ םתייה םכימי לכ .ויבאל ול רמא אצישכ .... תיבה לכ תא עיתרהו .אבא ול רמא .יתושעו ינא יתדמעש דע .ןישוע םתא ןיאו ןישרוד םימכח ירבדל ונא ןיעמוש .ןישוע ונא ןיא ןישרוד ונאש יפ לע ףא הרובקל והונתנש דע םימי השולש אהש אל ... Auch Jerusch. Joma 39 a, wo es zum Schlusse heißt: אצי םירמוא שיו וחצמ ךותב תלע לגע תסרפ ןימכו םיעלות קנזמ ומטוח. Babli Joma 19 b wird hinzugefügt: ויהו הפשאב לטזהו תמש דע אייח 'ר אינתד .ףגינ ותאציב םירמוא שיו .ומטוחמ ןיאצוי ןיעלות ויחא וסנכנו .וינפ לע וטבחו ךאלמ אבש הרזעב עמשנ לוק ןימכ .ןיפתכ ןיב לגע לגר ףככ ואצמו םינהכה


153 Tosseph. Parah III, 8:בירעהש דחא יקודצב השעמו. ךמסו אבו יאכז ןב ןנחוי 'ר וב עדיו .הרפה תא ףורשל אבו ושמש ג"כ תויהל התא האנ המ .לודג ןהכ ישיא ול רמאו וילע וידי יתש רמא .ונזאב ול םרצ הלעש ירחא .הלעו לבטו דרי .תחא לובט דר השולש אהש אל .הנפתשכל ול רמא .ךל הנפאשכל יאכז ןב :ול אל רמא יאכז ןב ןנחוי 'ר ינפל ויבא אב .רבקב והונתנש דע םימי ינב הנפנ. Simson von Sens im Commentar zu Parah III. hat zum Schluß die L.-A. ושמש בירעהש ינב הנפנ אל, was auch nicht recht verständlich ist.


154 Josephus Altert. XVIII, 1, 4: Πράσσεταί τε ἀπ᾽ αὐτῶν (τῶν Σαδδουκαίων) οὐδὲν ὡς εἰπεῖν. Οπότε γὰρ ἐπ᾽ ἀρχὰς παρέλϑοιεν, ἀκουσίως μὲν καὶ κατ᾽ ἀνάγκας, προσχωροῠσι δ᾽οῠν οἷς ὁ Φαρισαῖος λέγει, διὰ τὸ μὴ ἄλλως ἀνεκτοὺς γενέσϑαι τοῖς πλἠϑεοιν.


155 Das. XX, 9, 1: Ο δὲ βασιλεὺς ἀφείλετο μὲν τὸν Ἰώσƞπον τὴν ἀρχιερωσύνƞν, τῷ δὲ Ἀνάνου παιδὶ, καὶ αὐτῷ Ἀνάνῳ λεγομένῳ, τὴν διαδοχὴν τῆς ἀρχῆς ἔδωκε ... Ο δὲ νεώτερος Ἄνανος, ὅν τὴν ἀρχιερωσύνƞν ἔφαμεν παρειλƞφέναι, ϑρασὺς ἦν τὸν τρόπον, καὶ τολμƞτὴς διαφερόντως: αἵρεσιν δὲ μετῄει τὴν Σαδδουκαίων, οἵπερ εἰσὶ περὶ τὰς κρίσεις ὠμοὶ παρὰ πάντας τοὺς Ἰουδαίους κτλ.


156 Mischna Joma V, 2: היה אלו ... הרצק הליפת ללפתמו .לארשי תא תיעבהל אלש ... ךיראמ


157 Tossefta Joma III, (II, 5): ךיראהש דחא ןהכב השעמ לעו םכילע ינא ללפתמ םהל רמא ?ךיראהל תיאר המ .ול ורמא ברחי אלש םכיתובא שדקמ. Ähnlich Jerusch. Joma p. 42 c: ןועמש ורמא) וירחא סנכהל ורמגו ךיראהש דחאב השעמ לע יתייה ללפתמ ןהל רמא ?תכראה המל ול ורמא (היה קידצה ברחי אלש םכיהלא שדקמ. Auch Babli Joma p. 53 b: םינהכה ויחא ונמנו ותלפתב ךיראהש דחא לודג ןהכב השעמ המ ינפמ ול ורמא .אצוי אוהו ןיסנכנ םה וליחתה .וירחא סנכיל םכילע יתללפתהש םכיניעב השק םהל רמא ?ךתלפתב תכראה !ברחי אלש שדקמה תיב לעו


158 Lucas I, 1, 2: Ἐπειδἠπερ πολλοὶ ἐπεχείρƞοαν ἀνατάξασϑαι διἠγƞσιν..: καϑὼς παρέδοσαν ἠμῖν οἱ ἀπ᾽ ἀρχῆς αὐτόπται.. ἔδοξε κᾀμοὶ ... καϑεξῆς σοι γράψαι


159 Eusebius Kirchengeschichte IV, 6; V, 12.


160 Das. III, 39, 15: Ματϑαῖσς μὲν οὖν ἑβραῒδι διαλέκτῳ τὰ λόγια συνεγράψατο, ἡρμἠνευσε δ᾽ αὐτὰ ὡς ἦν δυνατὀς ἕκαστος.


161 Das. Μάρκος μὲν ἑρμƞνευτὴς Πέτρου γενόμενος, ὅσα ἐμνƞμόνευσεν, ἀκριβῶς ἔγραψεν, οὐ μέν τοι τάξει, τὰ ύπὸ τοῠ Χριστοῠ ἢ λεχϑέντα ἢ πραχϑέντα οὔτε γὰρ ἤκουσε τοῠ κυρίου, οὔτε παρƞκολούϑƞσετο αὐτῷ, ὕστερον δὲ ὡς ἔφƞν, Πέτρῳ, ὃς πρὸς τὰς χρείας ἐποιεῖτο τὰς διδασκαλίας, ἀλλ᾽ οὐχ ὤσπερ σύνταξιν τῶν κυριακῶν ποιούμενος λογίων. ὤστε οὐδὲν ἥμαρτε Μάρκος, οὕτως ἔνια γράψας ὡς ἀπεμνƞμόνευσεν. ἑνὸς γὰρ ἐποιἠσατο πρόνοιαν, τοῠ μƞδὲν ὧν ἤκουσε παραλιπεῖν ἢ ψεύοασϑαί τι ἐν αὐτοῖς.

162 Das. V. 8-10 heißt es: »Ihr aber sollt nicht Rabbi, nicht Vater, nicht καϑƞγƞτἠς genannt werden« Das πατἠρ entspricht dem aramäischen Titel אבא, welcher wahrscheinlich älteren Lehrern erteilt wurde, z.B. לואש אבא, das καϑƞγƞτἠς ist wohl הרומ, »Führer.«


163 Tossefta Sabbat XIII (XIV.), 5 und Parall. תבשב הקילדה ינפמ ןתוא ןיליצמ ןיא ןינימ ירפסו םינויליגה. Dabei die herbe Äußerung über sie von R. Tarphon und R. Ismaël.


164 [Vgl. jetzt über diese Frage Chwolson, das letzte Passamahl Christi und der Tag seines Todes (Petersburg und Leipzig, 1892) und die Aufsatze Kaufmanns (Monatsschr. f Gesch. u. Wissenschaft des Judentums XXXVII, 393 ff.), Chwolsons (das. 537 ff.) und Rosenthals (das. XXXVIII, 97 ff.)].


165 Legatio ad Cajum § 33, ed. Mangey 583: Ἐν ἀκμῇ μὲν γὰρ τὸν τοῠ σίτου καρπὸν εἶναι. κτλ In dem Drohschreiben Caligulas an Petronius läßt diese Quelle diesen Umstand als Vorwand bezeichnen (das. § 34 p. 584, Z. 14-15): συγκομιδὴν αἰτίῳ καρπῶν, und zum Schluß läßt sie Caligula schreiben das Z. 36: die Ernte, mag sie als Vorwand dienen oder mag es damit seine Richtigkeit haben, wird wohl indeß eingeführt sein können: καὶ γὰρ ἤδƞ τὰ ϑέρƞ, τὴν εἴτε πιϑανὴν, εἴτε ἀλƞϑƞ πρόφασιν, συγκεκομίσϑαι δύνασϑαι.


166 Josephus Altert. XVIII, 8, 3: καὶ ταῠτα ἐπράσσετο ἐπὶ ἡμέρας τεσσαράκοντα, καὶ τοῠ γεωργεῖν ἀπερίοπτοι τὸ λοιπὸν ἦσαν, καὶ ταῠτα τῆς ὤρας οὔσƞς πρὸς σπόρῳ.


167 Das. 6. προμƞϑεῖσϑαι τῶν εἰς τὴν γεωργίαν ἠξίου τοὺς ἐν τέλει κτλ. Im jüd. Kr. (II, 10, 5) bestimmt Josephus die Zeit in der Art, daß Petronius dem Volke versprochen habe, sich zu dessen Gunsten bei Caligula zu verwenden, als bereits fünfzig Tage seit dem Beginne der Aussaat vorübergegangen waren: κατὰ γὰρ ὤραν σπόρου πεντἠκοντα ἡμέρας ἀργὰ προςδιέτριβεν αὐτῷ τὰ πλἠϑƞ.


168 Der Satz M. 573, Z. 41: ὑπὲρ τοῠ μὴ εἰς ἅπαντας ταῖς ἐν αὐτοῖς παρανομίαις ἀφεϑῆναι χειμῶνος μέσου διεπλεύσαμεν, ist durchaus unverständlich. Mangey schlägt zwei Emendationen vor, die aber auch nicht besonders befriedigen.


169 Legatio § 35: Μετ᾽ οὐ πολὺ μέντοι παρῆν Ἀγρίππας ὁ βασιλεὺς, κατὰ τὸ εἰωϑὸς ἀσπασόμενος Γάϊον. ᾔδει δὲ ἁπλῶς οὐδὲν, οὔτε ὧν ἐπεστάλκει ὁ Πετρόνιος. Agrippa kann recht gut Caligula während der germanisch-gallischen Expedition aufgesucht und ihn nach Rom begleitet haben, wie Dio Cassius angibt (59, 24) ἐπυνϑάναντο τόν τε Ἀγρίππαν αὐτῷ (Γαἱῳ) ... συνεῖναι. In Rom war man besorgt darüber, daß Agrippa und Antiochos von Commagene, die als Lehrer der Tyrannei Caligulas galten, in seiner Nähe in Gallien weilten.


170 I. Kr. II, 10, 5: Ἀλλὰ τοὺς μὲν τούτων γραμματοφόρους συνέβƞ χειμασϑῆναι τρεῖς μῆνας ἐν τῇ ϑαλάσσς, τὸν δὲ Γαΐου ϑάνατον ἄλλοι καταγγέλλοντες εὐπλόουν. Ἔφϑƞ γοῠν τὰς περὶ τοῠτον Πετρώνιος λαβεῖν ἐπιστολὰς, ἑπτὰ καὶ εἴκοσιν ἡμέραις ἢ τὰς καϑ᾽ ἑαυτόν. In den später geschriebenen Altertümern hat Josephus diese Zeitangabe nicht, sondern nur unbestimmt, und eigentlich im Widerspruch damit: »dem Petronius ist das Caligulas Tod meldende Schreiben früher zugekommen und nicht lange darauf dasjenige, welches ihm den Selbstmord befohlen hat.« Josephus hat sich also selbst berichtigt.


171 Josephus Altert. XVIII, 5, 3: αὐτός τε (Οὐϊτέλλιος) ... εἰς Ιεροοόλυμα ἀνῄει. ϑύσων τῷ ϑεῷ, ἑορτῆς πατρίου τοῖς Ἰουδαίοις ἐνεστƞκυίας ... τῇ τετάρτς δὲ καὶ γραμμάτων αὐτῷ παραγενομένων, ἐδἠλου τὴν Τιβερίου τελευτἠν.


172 Es ist kein Zweifel, daß mindestens in dieser Zeit neben der Beobachtung der ersten Mondsichel die astronomische Berechnung für die kalendarische Feststellung der Monatsanfänge und der Schaltjahre benutzt worden ist. Es hat also eine Ausgleichung des Sonnenjahres und Mondjahres oder die regelmäßige Interkalation innerhalb eines Zyklus stattgefunden, und die Jahresformen dürften nicht viel von denen, welche seit der Einführung eines konstanten Kalenders üblich sind, differiert haben. (Vgl. o. S. 714 f.). [Vgl. zu der ganzen Frage Zuckermann, Materialien zur Entwicklung der altjüdischen Zeitrechnung im Talmud. (Breslau, 1882, 8), S. 57 ff.]


173 Ἡ Βεζεϑὰ δὲ λόφος διῄρƞτο μὲν, ὡς ἔφƞν, ἀπὸ τῆς Ἀντωνίας, πάντων δὲ ὑψƞλότατος ὤν μέρει τῆς καινῆς πόλεως προσῴκιοτο, καὶ μόνος τῷ ἱερῷ [Niese: »τὸ ἱερὸν«] κατ᾽ ἄρκτον ἐπεσκότει. Statt προσῴκιστο ist (bei Haverc.) eine bessere L.-A. προσέκειτο. Der Sinn dieses Passus ist unstreitig, daß der Hügel Bezetha, obwohl der höchste von allen Punkten, also auch höher als der Tempel, diesen doch nur von einer Seite verdunkelte, nämlich von der nördlichen, so daß der Tempel auf den übrigen Seiten hoch überragte und gesehen werden konnte. Das Partizip ὢν hat konzessive Bedeutung: wiewohl, obgleich.


174 Ἀρξάμενος δὲ ἀπὸ τῆς Ἀσσυρίων παρεμβολῆς, καϑ᾽ ἣν αὐτὸς ἐστρατοπεδεύσατο, ἐπὶ τὴν κατωτέρω Καινόπολιν ἦγε τὸ τεῖχος, ἔνϑεν διὰ τοῠ Κεδρῶνος ἐπὶ τὸ Ἐλαιῶν ὄρος.


175 Τοῠτο τῇ προσκτισϑείσς πόλει περιέϑƞκεν Ἀγρίππας, ἥπερ ἦν πᾶσα γυμνἠ: πλἠϑει γὰρ ὑπερχεομένƞ, κατὰ μικρὸν ἐξεῖρπε τῶν περιβόλων, κ$ὶ τοῠ ἱεροῠ τὰ προσάρκτια πρὸς τῷ λόφῳ συμπολίζοντες, ἐπ᾽ οὐκ ὀλίγον προῆλϑον, καὶ τέταρτον περιοικƞϑῆναι λόφον, ὅς καλεῖται Βεζεϑὰ, κείμενος μὲν ἀντικρὺ τῆς Ἀντωνίας, ἀποτεμνόμειος δὲ ὀρύγματι βαϑεῖ ... ἐκλἠϑƞ δ᾽ ἐπιχωρίως Βεζεϑὰ τὸ νεόκτιστον μέρος, ὃ μεϑερμƞνευόμενον Ελλάδι γλώσσς καινὴ λέγοιτ᾽ ἂν πόλις. Δεομένων οὖν τῶν ταύτς σκέπƞς ὁ πατὴρ τοῠ νῠν βασιλέως καὶ ὁμώνυμος Ἀγρίππας ἄρχεται μὲν οὗ προείπομεν τείχους.


176 Τὰ δὲ τῶν Ιεροσολύμων τείχƞ, τὰ πρὸς τὴν καινὴν νεύοντα πόλιν ... ὀχύρου ... τῇ μὲν εὐρύνων εἰς πλάτος, τῇ δὲ εἰς ὕψος ἐξαίρων, wie Havercamp richtig emendiert hat, statt τὴν μὲν ... τὴν δέ.


177 Jüd. Kr. II, 19, 4: Κέστιος ... ὑπεμπίμπρƞσιν τἠν τε Βεζεϑὰν [Niese liest: »Βεζεϑὰν προςαγορευομένƞν«] καὶ τὴν Καινόπολιν. Die Emendation Relands τὴν καὶ statt καὶ τὴν verbietet das vorangehende Bindewort τέ.


178 Das. V, 7, 2: καὶ τὰ προσάρκτια τῆς πόλεως (κατασκάπτουσι), ᾃ καὶ πρότερον Κέστιος.


179 Schebuoth II, 3: תורזעה לעו ריעה לע ןיפיסומ ןיאש דחאו םיעבש לש ןירדהנסבו םימותו םירואבו איבנבו ךלמב אלא לארשי לכו םהירחא תודות יתשו ןיכלהמ ןיד תיבו תודות יתשבו םהירחא. In beiden Talmuden z. St. wird diese Halacha auf den Vorgang unter Nehemia zurückgeführt. Freilich bleibt dabei der Umstand auffallend: wie konnten denn damals auch die Urim und Tummim dabei figuriert haben? Die Talmude werfen auch diese Frage auf, ohne sie befriedigend zu beantworten. Und wie konnte gar ein König dabei assistieren?


180 Das Wort ןיעצב ist doch wohl abzuleiten von עצב, neuhebräisch »teilen, spalten, trennen« hebr. עקב (s. Levys talmud. Lexikon s.v.); ןיעצב wäre demnach »Parzellen, Terrainstücke«. In der L.-A. םיצב ist der Guttural synkopiert.


181 Jüd. Kr. V, 4, 3: τῆς πόλεως δὲ ὁ πᾶς κύκλος οταδίων ἦν τριάκοντα τριῶν.


182 Die Hauptstellen dafür sind: Siphre Pinehas Nr. 191: ינא עמוש םלשוריל יגפ תיבמ וישדק תא איבהש ירה יגאפ תיבב ןליו םלשוריב םלכאי: Tossefta Pessachim VIII, 8: אוה דציכ אלא ,הניל ןועט ינשה [חספ] ןיא רמוא הדוהי 'ר תיבב ויבא תא דיפסמו אצוי הרזעב וחספ תא טחושו סנכנ השוע יגפ; M. Menachot XI, 2: ליגר יוה םלועל רמוא ןועמש 'ר תיבב תורשכו הרזעב תורשכ םינפה םחלו םחלה יתש רמול יגאפ. Die von Amoras angeführten Beispiele sind nicht aus dem Leben gegriffen.


183 Vgl. Raschi zu Baba Mezia fol. 90 a, der eine eigene Erklärung des Wortes יגפ gibt.


184 Markus 11, 1, vgl. Lukas, 19, 29: καὶ ὅτε ἐγγίζουσιν εἰς Ιερουσαλὴμ εἰς Βƞϑφαγὴ καὶ Βƞϑανίαν πρὸς τὸ ὄρος τῶν ἐλαιῶν. Matthäus 21, 1. steht zwar nur Beth-Phage, aber Bethanien ist sicherlich ausgefallen; denn auch dieses Evangelium läßt Jesus in Bethanien und nicht in Beth-Phage Wohnung nehmen (26, 6).


185 Joh. 11, 1. 18: Ἦν δὲ ἡ Βƞϑανία ἐγγὺς τῶν Ιεροσολύμων ὡς ἀπὸ σταδίων δεκαπέντε. Zu Renans Irrtümern gehört auch der, daß er Bethanien 1 1/2 St. von Jerusalem ansetzt (Leben Jesu, c. 21), 15 Stadien sind kaum 1/2 Meile, also kaum eine Stunde.


186 Erubin 28 a., וניה תיב יגפ, Tossefta Schebiit (ed. Zuckermandel) VII, 14: die L-A. ינאיתיב oder ינייתיב, in den alten Editionen ינואתיב, Aruch ינוושיב.


187 Baba Mezia, p. 88 a.b.: תיב לש תויונח וברח המ ינפמ לע םהירבד ודימעהש ינפמ םילשורי םדוק םינש שלש (יניה) וניה .חקול אלו ... רכומ אלו ... רשעת םירמוא ויהש .הרות ירבד Diese L.-A. יניה תיב ist gewiß richtiger als die in Siphre zu Deuteron. Nr. 105. םינש 'ג ןנח ינב תויונח וברח ורמא ויהש רשעמ דימ םהיתוריפ םיאיצומ ויהש לארשי ץראל םדוק 'וכו םישרוד und Jerusch. Peah I, 6, f. 16 c: המל אנתד תיב ברח אלש דע םינש שלש ןנח ינב (תויונח) תונח וברח 'וכו ןישרד ןיווהד ... שדקמה Die »Söhne Chanans« sind unbekannte Persönlichkeiten, sie können also nicht eine behördlich legislative Funktion ausgeübt haben, das Gesetz zu interpretieren oder neue Gesetze zu erlassen. Die L.-A. ist also korrumpiert aus יניה-תיב.


188 Sabbat 15 a, Aboda Sara 8 b: ברח אלש דע הנש 'מ תויינחב הל הבשיו ןירדהנס הל התלג תיבה. Auch eine andere Stelle berichtet von der Dislokation des Synhedrion in die »Kaufhallen« (Rosch ha-Schana, f. 31 a.): רשע (תוינחל) תונחל תיזגה תכשלמ... ןירדהנס התלג... תועסמ םלשוריל תונחמו. Diese Angabe ist historisch, von den Kaufhallen wanderte das Synhedrion wieder zurück nach Jerusalem zur Zeit der Revolution, wie weiter unten nachgewiesen werden wird.


189 Midrasch zu Threni II, 2: החשמה רהב ויה םיזרא ינש ויה דחאה ןמו תורהט ירכומ לש תויונח עברא ויה ןהמ דחא תחתו ןיקיפסמ לארשי ויה ןהמו שדוח לכל תולזוג האמ 'מ ןיאיצומ םינקל. Versetzt lautet der Passus Jerusch. Taanit IV, p. 69 a.: ןירכומ ויה ןהמ דחא תחת החשמה רהב ויה םיזרא ינש תולזוג האמ 'מ ונממ ןיאיצומ ויה דחאהו תורוהט תויונח עברא לארשי לכל םיניק ןיקיפסמ ויה ןהמו שדוחו שדוח לכב. Ich weiß nicht, welcher Tirone Herrn Renan bei der Übersetzung dieser Stelle behilflich war. Er kannte sie nämlich, faßte sie aber so verkehrt wie möglich auf. »Auf dem Ölberge standen zwei große Zedern ... ihre Zweige dienten Scharen von Tauben zur Wohnung« (a.a.O.).

190 Josephus j. Kr. V, 8, 1: καὶ τῆς καινῆς πόλεως ἐριοπώλιά τε ἦν καὶ χαλκεῖα καὶ ἱματίων ἀγορά.


191 Erubin X, 9: םילשוריב היהש םימטפ לש קושב השעמ היה םירמצ לש קוש רמוא יסוי 'ר.... Das Wort םטפ bedeutet nach Aruch und Raschi Taubenzüchter, vgl. Jom-Tob, fol. 29


192 Baba Batra 8 b: ולכי אלו ןיחצור והל ושיפנד וזחד ןויכ ... בייחיל אלד אכיה יכ םוקמל םוקממ ךלהנ בטומ ורמא ,ןדימל .םרוג םוקמהש דמלמ


193 N. Brüll, Jahrbücher für jüdische Geschichte und Literatur, I. Jahrg. 1874, S. 58 fg. und besonders von S. 66 ff. an.


194 Lindsay, a review of the history and coinage of the Parthians. Das Buch ist sehr selten.


195 In Büdingers Untersuchungen zur römischen Kaisergeschichte I., S. 358 fg.


196 Josephus, jüd. Krieg II, 19, 2; VI, 6, 4.


197 Das. Altertümer XX, 4, 3.


198 Das. XX, 2, 5.


199 Das. 5, 2. Ἐπὶ τούτοις δὴ καὶ τὸν μέγαν λιμὸν ... συνέβƞ γενέσϑαι. Der Ausdruck ist dunkel. Aber da Josephus voranfgehend von Tiberius Alexanders' Nachfolge auf den Prokurator Fadus spricht, so meint er wohl, daß die Hungersnot unter dem ersteren gewütet habe.


200 Das. III, 15, 2: Κλαυδίου Ρωμαίων ἄρχοντος, Ἰσμαἠλου δὲ παρ᾽ ἡμῖν ἀρχιερέως ὄντος, καὶ λιμοῠ τὴν χώραν ἡμῶν καταλαβόντος κτλ. Es ist nicht zu verkennen, daß Josephus dieselbe Hungersnot gemeint hat, von der er an anderen Stellen spricht [Zur chronologischen Ansetzung der Hungersnot vgl. noch Schürer I3, S. 567 f.].


201 Das. XX, 8, 8.


202 Vergl. Berliner Blätter für Münzkunde II, S. 472.


203 Jos. das. XX, 3, 4: Οὗτος δὴ (Οὐαρδάνƞς) πρὸς Ἰζάτƞν ἀφικόμενος ἔπειϑεν αὐτὸν, μέλλων πρὸς Ρωμαίους πόλεμον ἐκφέρειν, συοτρατεύεσϑαι καὶ συμμαχίαν ἑτοιμάζειν. Οὐ μὴν ἔπειϑεν ... ἔτι δὲ πεπομφὼς πέντε μὲν ... υἱοὺς ... τἠν τε μƞτέρα προςκυνοῠσαν τὸ ἱερὸν ... ὀκνƞρότερος ἦν.


204 Tacitus Annales 11, 10: et recuperare Armeniam avebat (Bardanes), ni ab Vibio Marso ... bellum minitante cohibitus foret.


205 Jos. das. XX, 1, 1.


206 Tossefta Sukka I, 1 und Parallelst. Was דול betrifft, wo Helena mit ihren Söhnen oder Enkeln in einer Festhütte von vorschriftswidriger Höhe geweilt haben soll, so muß es einen Ort dieses Namens nahe bei Jerusalem gegeben haben, was auch aus anderen Stellen folgt. Sonst wäre es ja undenkbar, daß die »Alten« der Schule mit ihr so oft hätten verkehren können. הב ןיאצויו םיסנכנ םינקזה ויהו. Vergl. Monatsschr. Jahrg. 1878, S. 42.


207 Jos. das. XX, 4, 4.


208 Galaterbrief 2, 7. 8: ἀποστολὴ τῆς περιτομῆς.


209 Matthäus-Evangelium 10, 5.


210 Galatbr. 1, 16. Römerbr. 11, 13; 15, 16.


211 Römerbr. 11, 25.


212 Joseph. jüd. Krieg II, 20, 2.


213 Galaterbr. 1, 13.


214 Jos. Altert. III, 15, 3. Diese Stelle bezieht sich offenbar auf Helena und ihr Gefolge. [A. a. O. ist weder von einer heidnischen Königin noch von deren Gefolge die Rede.]


215 Galatbr 1, 17-18. 21; 2, 1-3.


216 Kommentar zum Galaterbr. S. 90, 590 [S. jedoch Lipsius im Handkommentar zum N. T. II, 2, S. 22].


217 πρὸς τοὺς Γαλάτας ἐγράφƞ ἀπὸ Ρώμƞς.


218 Von den 14 Jahren seit seiner Bekehrung spricht Paulus auch im Korintherbrief II, 12, 2.


219 Komment. zu Galatbr. 4, 10 und S. 542.


220 Sonderbar ist es, daß Hausrath diesen Vers richtig auf heidnische Sitten (Neutest. Zg. III, ed. 2, S. 138), aber in Widerspruch mit sich selbst ihn an einer anderen Stelle doch auf das Sabbatjahr bezieht (S. 174) und auch dieses als chronologisches Moment aufstellt (S. 53 N.).


221 II. Korinthbr. 11, 32: Ἐν Δαμασκῷ ὁ ἐϑνάρχƞς Ἀρέτα τοῠ βαοιλέως ἐφρούρει τὴν πόλιν Δαμασκƞνῶν, πιάσαι μὲ ϑέλων.


222 Hausrath führt noch gewissensruhig in der 2. Auflage seiner neutest. Zg diesen Beweis auf: »Rückzug des Aretas aus Damaskus kurz vor Tiberius' Tode, d.h. 17 Jahre vor dem Sabbatjahr (Tisri) 53, das die Galater feiern« und baut darauf seinen biographischen Kalkul (S. 53), ohne von de Vogüés numismatischen Ergebnissen Notiz zu nehmen


223 Apostelgeschichte 18, 1-2.


224 Dio Cassius 60, 6: τούς τε Ἰουδαίους πλεονάσαντας αὖϑις, ὤστε χαλεπῶς ἂν ἄνευ ταραχῆς ὑπὸ τοῠ ὄχλου σφῶν, τῆς πόλεως εἰρχϑῆναι, οὐκ ἐξἠλασε μὲν, τῷ δὲ δὴ πατρίῳ νόμῳ βίῳ χρωμένους ἐκέλευσε (ὁ Κλαύδιος) μὴ συναϑροίζεσϑαι.


225 Sueton, Claudius 25: Judaeos impulsore Chresto assidue tumultuantes Roma expulit.


226 Diese Ausweisung kann durchaus keine totale gewesen sein, wie selbst aus Suetons kurz hingeworfener Notiz hervorgeht, wenn man sie mit dem Passus vergleicht, welchen derselbe Historiker gebraucht, um die Ausweisung der Judäer aus Rom unter Tiberius zu erzählen (Tiberius 36). Und in der Tat befanden sich unter Nero Judäer in Rom. Poppäa begünstigte sie (Josephus Ant. XX, 8, 11. Vita 3). Der judäische Schauspieler Alityros war ein Liebling Neros. Aus Senecas Äußerung über die Schädlichkeit der Judäer geht mit Bestimmtheit hervor, daß sie zu seiner Zeit, d.h. unter Nero, zahlreich auch in Rom gewohnt haben müssen. Es ist allerdings an dieser Stelle nur von solchen die Rede, welche die Riten des Judentumes beobachten, also von ganzen oder halben Proselyten; indessen wenn es solche in Rom gab, oder wenn solche geduldet wurden, müssen auch geborene Judäer geduldet worden sein, an die sich jene angelehnt haben. Auch aus der Apostelgeschichte (28, 17 fg.) würde folgen, daß Judäer zur Zeit von Paulus' Ankunft (um 62) unter Nero in Rom ungestört gewohnt haben, da der Apostel die Vornehmsten derselben zusammenberufen und sich vor ihnen von der in Jerusalem gegen ihn erhobenen Anklage gerechtfertigt haben soll. Aber diese Quelle ist für das geschichtlich Tatsächliche so unzuverlässig, daß wenig darauf zu bauen ist. Jedenfalls waren unter Nero Judäer in Rom. Folglich kann die von Sueton erzählte Ausweisung unter Claudius nur eine partielle gewesen sein. Nur die Tumultanten nebst Chrestus mögen ausgewiesen worden sein.


227 I. P. Lange ist zu demselben Resultate von der Unhaltbarkeit zweier dieser Argumente gekommen. – Das dritte vom Sabbatjahr läßt er ganz unerwähnt (Herzogs R. Enzykl, Artikel Paulus Apostel, S. 242): »Als unsicheren Anhaltspunkt übergehen wir die Herrschaft des arabischen Königs Aretas, das Zusammentreffen des Paulus mit dem Aquila in Korinth« usw. Das Argument, welches er selbst als den festesten Anhaltspunkt für den Anfang von Paulus' apostolischer Laufbahn aufstellt, ist allerdings überzeugend, gibt aber auch ein anderes Datum, als Lange daraus deduziert hat. Er meint nämlich: das sicherste Datum sei das Todesjahr des Königs Agrippa 44. Kurz vorher habe Jakobus' Hinrichtung stattgefunden. Um die gleiche Zeit seien Paulus und Barnabas als Überbringer der antiochensischen Kollekte nach Jerusalem gekommen. Das letztere ist richtig, führt aber geradezu auf das Jahr 48, das Jahr der Hungersnot (vgl. o. S. 787). Folglich kommt man, wenn man von diesem Datum, dem Jahr 48, rückwärts, die Zeit der Bekehrung berechnet, – selbst die Data bei Lange zugegeben – nicht auf das Jahr 39, sondern auf das Jahr 43 [Vgl. jedoch hierzu die Bemerkungen Th. Zahns a.a.O. 63 f.].


228 Apostelgeschichte 9, 22 ff., 27-30; 25-26.


229 Das. 11, 27-30; 12, 25.


230 Eusebius bezieht richtig die von der Apostelgeschichte erwähnte Hungersnot auf die von Josephus erzählte zur Zeit der Helena (Kirchengeschichte II, 12): Er zitiert zuerst die Angabe bei Josephus und fügt hinzu, daß sie mit der Erzählung in der Apostelgeschichte übereinstimme: Σύμφωνα καὶ δ᾽ ἄν εὕροις καὶ ταῠτα τῇ τῶν πράξεων τῶν ὰποστόλων γραφῇ κτλ.


231 Apostelgeschichte C. 13-14.


232 Vgl. den Artikel »das Korbfest bei Philo« Monatsschrift, Jahrg. 1877, S 433 ff.


233 In der Tossefta, ed. Zuckerm, ist die L.-A. ללה תבשב וליפא התדר דע שרוד ןקזה (Erubin IV, 7); aber in den alten Edd. lautet es יאמש, deutlicher noch in Siphre Nr. 202 תבשל םדוק אלא תבשב הלחת ריע לע ןיפיקמ ןיא תקספמ תבשה ןיא תויהל תבש עריאו םופיקה םאו םימי 'ג, dar auf Nr. 104 versetzt: 'גמ 'א וזו תבשב וליפא התדר דע ןקזה יאמש שרדש םירבד. Vergl. dazu j. Sabbat, p. 4 a, b.


234 Vgl. hierzu jetzt die Abhandlung Leopold Cohns über die »Einteilung und Chronologie der Schriften Philos im VII Supplementband des »Philologus« (Leipzig 1899), S. 387-435).]


235 Ich kann mich nicht der von Ewald und Z. Frankel aufgestellten und zuletzt von Freudenthal mit Beweisstellen versehenen Ansicht anschließen, daß Philos Diatriben ursprünglich oratorische Expektorationen, Homilien oder Predigten gewesen wären (Freudenthal, Pseudo-Josephus, 137 fg.). Denn gerade da, wo der Text eine oratorische Wendung zeigt, z.B. λέγε τὸν νόμον (de Somniis I, 16. M. I, 634) gibt er sich als schriftliche Abhandlung zu erkennen (das. M. I, 620): ἐν ταύτς (γραφῇ). Und so überall, wo eine oratorische Apostrophe vorkommt. Es wäre befremdlich, wenn ein Schriftsteller ersten Ranges seine Predigten mit Haut und Haar so niedergeschrieben haben sollte, wie er sie gehalten hat. Der homiletische Stil stört doch nur die künstlerisch ausgearbeitete schriftliche Darstellung.


236 Vergl. o. S. 700.


237 Die Dindorfsche Ausgabe hat ὑποϑετικῶν. [So zitiert auch Cohn a.a.O. S. 418.]. Ist die L.-A. handschriftlich garantiert oder nur die von Valesius vorgeschlagene Emendation?


238 Für jeden Talmudkundigen ist die Angabe in der Mischna [Sabb. I, 4] und die sich daran anknüpfende Bemerkung in der Gemara höchst dunkel. In der ersteren werden einige Bestimmungen bezüglich des Sabbats angeführt, und darauf folgt ורמאש תוכלהה ןמ ולאו תיב וברו ונמנ .ורקבל ולעשכ ןורג ןב היקזח ןב היננח תילעב םויב וב ורזג םירבד ח"י ללה תיב לע יאמש. Dabei entsteht die Frage, gehörten die voraufgehend aufgezählten Sabbatgesetze zu der Kontroverse über die 18 oder die folgenden? ןנת ולאו וא ןנת ולא? (babl. das.). In der Tossefta das. I, 18-19 heißt es dazu: לכ ורמא םויב וב תיב וברו ונמנ .עדרמה יבועב האמוטה תא ןיאיבמ ןילטלטמה ונמנ .רוניצה תחת ילכ חכושה ורמא םויב וב .ללה תיב לע יאמש 'וכו וברו. Hat die Kontroverse sich nur auf 18 Punkte beschränkt und sind dabei die Schammaïten in der Majorität gewesen, oder ist außer über die 18 noch über andere Punkte votiert worden? Im Jerusch. (das. 3 c.) heißt es: ח"יבו (ונמנו) ובר רבד ח"יבו ורזג רבד ח"י ינת וקלחנ רבד; das ist zu viel. Im Babli dagegen werden nur zweierlei unterschieden (14 b): רמא הדוהי בר רמא וקלחנ ח"יבו ורזג רבד ח"י לאומש. Ich meine, daß die Konfusion aus dem Mißverständnis des Ausdruckes ח"י רבד entstanden ist. Wie weiter nachgewiesen ist, betrafen diese lediglich die Absonderung von Heiden. Es war eigentlich bloß eine einzige Bestimmung, sie umfaßte aber achtzehn Objekte, welche verboten wurden, gewissermaßen: םיוגה ןמ רבד ח"י לע ורזג. Diese Abschließung hat die Schammaïtische Schule ganz allein zum Gesetze erhoben: יאמש תיב ורזג. Die Hilleliten haben sich gar nicht dabei beteiligt. Sie waren gewiß gegen diese Separation. Aber zu Diskussionen und zur Abstimmung darüber war keine Nötigung; sie konnten nur nein oder ja sagen. Es sind aber an diesem Tag noch ganz andere Punkte zur Diskussion gekommen, von denen die Tossefta zwei aufzählt. Dagegen hatten die Hilleliten opponiert, blieben aber in der Minorität, mögen es nun 18 verschiedene Bestimmungen, mehr oder weniger gewesen sein. So faßt es Mar-Samuel richtig auf וקלחנ ח"יבו ורזג ח"י. Das eine bedeutet 18 Objekte in einem einzigen Gesetz (רבד ח"י לע הריזג) und das andere achtzehn verschiedene Bestimmungen Beide Talmude sind aber von dem Mißverständnisse beherrscht, daß unter ח"י ורזג רבד 18 Halachot (תוריזג ח"י) gemeint seien, und bestreben sich daher unter den ihnen bekannten Bestimmungen und Verboten die Zahl zu ergänzen, dabei verwickeln sie sich in Widersprüche und begehen Anachronismen. Der jerusalemische Talmud z.B. rechnet dazu םימעה ץרא תאמוט, die doch schon 80 (74) Jahre vorher eingeführt worden ist (o. S. 716); ferner zählt er dazu המורתה תא ןיפרוש תוקיפס 'ו לעו was doch erst viel später in Uscha bestimmt wurde (b. Sabbat 15 b und Parallelst.). Wahrscheinlich gehören einer früheren Zeit an alle die Bestimmungen, welche die Gabe für die Priester untauglich machen, und die der Jerusch. mit Unrecht zu den 18 zählt: תא ןילסופ ולא םוי לובטהו םידיהו רפסהו... ןושאר לכוא לכואה המורתה, und zwar gleichzeitig mit der Bestimmung, daß das Ausland die Hebe verunreinige (o. S. 718). Alle diese Halachot und Geserot, welche beide Talmude mühsam zusammenstellen, ohne doch die Zahl vollzählig machen zu können, haben nichts mit dem ורזג רבד ח"י zu tun. Es sind damals (םויב וב) allerdings auch einige Bestimmungen durch die Majorität getroffen worden (vgl. Tossefta a.a.O.); aber nicht diese wurden auf eine gewalttätige Art erzielt, und nicht über diese hat R. Josua einen Tadel ausgesprochen, sondern über die רבד ח"י, d.h. über das Verbot, mit Heiden zu verkehren.


239 Man vergl. Tossefta Sabbat c. I., Babli und Jeruschalmi über diesen Punkt und die Kommentatoren: Maimuni im Mischnakommentar, Serachja ha-Levi zu Alfaßi und Lipmann Heller zur Mischna.


240 Rubrik 14 ןתודע לע würde voraussetzen, daß bis dahin Zeugnisse von Heiden angenommen wurden. Es folgt auch aus dem Wortsinne Tossefta Gittin I, 4; Babl. das. 11 a, daß nach einer Ansicht Heiden als Zeugen beim Ausstellen eines Scheidebriefes zulässig seien.


241 Dieser Spruch macht Eleasar ben Anania als einen Schammaïten kenntlich; denn gerade diese Schule wollte das Beste für den Sabbat aufbewahrt wissen: ךיתבשל ךיבש דחמ םירמוא ש"ב (Bezah 16 a).


242 Der Satz bedeutet, daß bis jetzt sich die Hasmonäerrolle (das erste Makkabäerbuch) nicht finde, d.h. untergegangen sei. Es ist in der Tat im hebräischen Original nicht vorhanden.


243 In der zweiten Version der Abot (ed. Schechter p. 1) lautet der Passus םינושארה םירשה לע ונאציש םשכ םונגרהו. Möglich daß םירש verschrieben wurde in םינש (shnajim) in der ersten Version. Aber ebenso gut kann in II das Zahlwort ausgefallen sein, und der Passus mag ursprünglich gelautet haben: םירש םינש לע םינושארה. Die Handschrift Epstein hat auch das Wort םינש. Übrigens muß jedenfalls וינפלש םינש emendiert werden in ךינפלש, wie ein Ms. (Schechter, p. ט"כ) hat.


244 Über die Zahl selbst sind verschiedene Lesarten; vergl. die Havercampsche Ausgabe des Josephus [jetzt Niese zur Stelle]. Statt εἴκοσι πέντε μυρίαδες lesen einige εἴκοσι πάντως μυρίαδες ... πρὸς ἑπτά. Die Zahl 60 Myriaden im Talmud ist jedenfalls übertrieben.


245 ὁμόφυλον μὲν ἀλλ᾽ οὐκ ἐπιχώριον.

246 Zur Übersicht stelle ich hier die Literatur über die jüdische Numismatik nach den Namen der Autoren zusammen. Nach dem Initiator für diese Studie Perez Bayer und noch vor de Saulcy hat Cavedoni (1849) bei Behandlung der biblischen Münzen auch diesen Teil der Numismatik behandelt, dann wieder 1855 in einem Appendix. Nach Cavedoni und de Saulcy haben selbständig in eigenen Schriften oder Sammelwerken darüber geschrieben: H. C. Reichhardt, Graf de Vogüé, M. A. Lewy, Churchil Babington, Raffaele Garucci, v. Werlhof, François Lenormant, Eugen Merzbacher, Frederic Madden. Des letzteren zwei Werke: History of the jewish coinage (1864) und der zweite Band seines international numismata Orientalia (1881) umfassen das Gebiet dieser Literatur vollständig und sind mit ausgezeichneten Abbildungen versehen. Zum Schluß des letzten Werkes sind die Titel der Werke und der Befund der Sammelschriften, in welchen von jüdischen Münzen gehandelt wird, sorgfältig zusammengestellt. Die Quellen und Münzen, die hier nicht besonders bemerkt sind, finden sich in Maddens zwei Werken verzeichnet. Meine Zitate beziehen sich auf das zweite Werk [Eine genaue Bibliographie der einschlägigen Literatur jetzt bei Schürer I3, S. 22-25. 760 f. 765 f.].


247 Mose Alaschkar sah eine solche Münze im Anfang des 16. Jahrhunderts (Responsen Nr. 74) עד התאו ךכ תנש ןהב בותכש ןהמ שיו ... תועבטמה ןתואמ ידיל ואבש ךל ןהמ דחאב יתיארו ינולפ ךלמל ךכו ךכ תנש ןויצ תמחנל ךכו ותדוגאל ךומס ודצב גורתאו ונלש ןיעכ דוגא בלול תרוצ. Die Angabe ןויצ תמחנל ist wohl ein Gedächtnisfehler; denn bisher ist keine Münze mit dieser Legende bekannt geworden. Es soll wohl heißen: תלאגל oder ןויצ תורח. Dergleichen sind bekannt (w.u.).


248 Mischna Sukka III, 8, heißt es: השעמ ריאמ 'ר רמא ,בהז לש םינומיגב ןוהיבלול תא ןידגוא ויהש םילשורי ישנאב הטמלמ ותוא ןידגוא ויה ונימב ול ורמא. Im Talmud ist eine Variante gegeben, welche die Sache noch prägnanter macht (Sukka 37 a): םילשורי יריקיב השעמ ריאמ 'ר רמא בהז לש תוינומיגב ןוהיבלול תא ןידגוא ויהש. Das Wort ןומיג bedeutet Korb, Körbchen (Vgl. Levy, chaldäisches Wörterbuch s.v.). Perez Bayer hat das Wort ןומיג mißverstanden und es als Fäden wiedergegeben (de Numis Hebraeorum Samaritanis p. 130), et cum aliquando Judaei Hierosolymitani filis aureis fasciculos circumligassent. Infolge dieses Mißverständnisses konnte er die Lulab-Münzen nicht chronologisch unterbringen.


249 Tossefta Sukka II, 10; Jerusch. das. p. 54 a: רמא תיבל סנכנ :ןישוע םילשורי ישנא ויה ךכ קודצ ןב רזעלא 'ר ודיב ובלול הביתה ינפל רובעלו םגרתל דמע ודיב ובלול תסנכה תסנכה תיבמ אצי ץראב וחינמ ויפכ תא אשילו הרותב תורקל םילוח רקבל סנכנ ,ודיב ובלול םילבא םחנל סנכנ ודיב ובלול וריזחמו וחולשל וא ודבעל ונתונ שרדמה תיבל סנכנ ,ודיב ובלול .ותיבל


250 Tossefta Sukka I, 8. Jerusch. 52 a: הלודג רצח

(harej) תונפדכ םידומע ירה םידומע תפקומש.


251 Tossefta das. I, 1, auch Jerusch. 51 d: תכוסב השעמ המא םירשעמ רתוי ההובג התיהש [הכלמה] ינליה.


252 Tossefta das. I, 7: ןינומרו ןיזוגא [הכוסב] הב הלות :.... ןילוביש לש תורטעו םיבנע לש תולוכשאו תואקסולגו Babli das. 10 a: םידקש םיזוגא הב הלתו ... התכליהכ הבכיס רוסא .. ןילוביש לש תורטעו םיבנע יליכרפ םינומרו ןיקסרפא .גח לש ןורחאה בט םוי יאצומ דע ןהמ קפתסהל


253 II. Makkabb. 10, 6-7.


254 Pesikta d.R. Kahana, ed. Buber, p. 187. היהת הכוס ךיסמ אוה ךורב שודקה..הכוס תוצמ. םייקמש ימ לכ םמוי לצל ותוא וקיזי אלש ןיקיזמה ןמ וילע


255 Nach Josephus' Angabe hatte ὁ τοῠ Γαμαλιἠλου Σίμων eine große Bedeutung während der ersten Peripetie des Krieges (Vita 38). Er sei von sehr glänzendem Geschlechte gewesen (γένους σφόδρα λαμπροῠ), was bei ihm sagen will: von noch glänzenderem als die Hohenpriestergeschlechter, d.h. er sei von königlich-davidischem Geschlechte gewesen. Josephus deutet auch an, daß dieser Simon an der Spitze der Ratsversammlung gestanden habe. Er berichtet (a.a.O.), Johannes von Gischala habe sich an Simon ben Gamaliel gewendet, daß er das »Gemeinwesen« überrede, ihm, Josephus, die Statthalterei zu entziehen (πεῖσαι τὸ κοινὸν τῶν Ιεροσολυμιτῶν). Für κοινὸν, Gemeinwesen oder höchste Behörde (o. S. 824) nennt Josephus an einer andern Stelle (das. § 12) συνέδριον τῶν Ιεροσολυμιτῶν. An diese Ratsversammlung erstattete er nach seiner Ankunft in Galiläa Bericht und verlangte von ihr Befehle. Diese Behörde oder dieses Synhedrion oder Koinon muß aus 70 Mitgliedern bestanden haben, denn Josephus erzählt, nach seiner Ankunft in Galiläa habe er 70 alte Männer als Archonten über Galiläa gesetzt (jüd. Kr. II, 20, 5). Warum gerade Siebzig? Entschieden nach dem Muster des Jerusalemischen. Josephus beabsichtigte offenbar, an dem von ihm kreierten galiläischen Synhedrion einen Rückhalt gegen das jerusalemische zu haben. Doch dieses nebenher.


256 Josephus' Bericht über diesen Eleasar ist für die Rivalität unter den Leitern der Revolution wichtig, jüd. Kr. II, 20, 3: τὸν γὰρ τοῠ Σίμωνος υἱὸν Ἐλεάζαρον καίπερ ὑφ᾽ ἑαυτῷ πεποιƞμένον τὴν Ρωμαίων λείαν καὶ τὰ ἁρπαγέντα Κεστίου χρἠματα, πρὸς οἷς πολλὰ τῶν δƞμοσίων ϑƞσαυρῶν, ὅμως οὐκ ἐπέστƞσαν ταῖς χρείαις, αὐτόν τε τυραννικὸν ὁρῶντες.. Κατ᾽ ὸλίγον γε μὴν ἥ τε χρεία τῶν χρƞμάτων καὶ γοƞτεύων Ἐλεάζαρος ἐκπεριῆλϑε τὸν δῆμον, ὤστε αὐτῷ πειϑαρχεῖν περὶ τῶν ὅλων. Also erst nach und nach hat er eine dominierende Stellung erlangt.


257 De Vogüé, der von dieser Münze nur einen Abguß gesehen, hat ihre Echtheit verdächtigt. Aber die Direktoren des Berliner Münzkabinets Friedländer und v. Sallet, erklären das in diesem Kabinet befindliche Exemplar für echt und für das Original, nach welchem der Abguß angefertigt wurde (a.a.O. V, 113, Note). – Das Vorkommen der Namen Eleasar und Simon auf einer und derselben Münze, ist auf ein Versehen und Vergreifen des Prägers zurückzuführen. Dergleichen hybride Münzen kommen auch sonst vor. Herr Theodor Reinach hat dadurch glücklich einige Exemplare mit befremdlicher Inschrift erklärt. Sie haben nämlich auf der einen Seite תלאגל תחא תנש לארשי und auf der andern לארשי תורחל 'ב תנש. Mehrere Numismatiker haben sie infolge dieses Widerspruches im Datum für unecht erklärt (Madden, p. 236). Reinach nimmt aber mit Recht an, daß die Zusammenkoppelung zweier verschiedener Daten von zwei nicht zusammengehörenden Prägstöcken herrühre (Revue des études juives 1887, p. 36 f.). Solche hybride Münzen beweisen die Gleichzeitigkeit beider. Folglich müssen in derselben Zeit, in welcher Eleasarmünzen geprägt wurden, auch Simonmünzen geprägt worden sein. Nebenher sei bemerkt, daß einige Elea sarmünzen als Typus ein Krügchen zeigen, nicht eine Vase. Was mag dieses bedeuten? Gewiß soll es ein Ölkrügchen versinnbildlichen und dadurch andeuten, daß der Prägherr ein Priester oder ein für den Krieg gesalbter Priester (המחלמ חושמ ןהכ) war. Eleasar war Priester. Wenn wir auf Münzen mit einem Krügchen als Emblem stoßen werden, so werden wir zur Annahme berechtigt sein, daß der Prägherr, welcher auf den Münzen genannt ist, ein ןהכ gewesen sein muß.


258 Josephus jüd. Krieg II, 9, 1: διὰ γὰρ τὴν τῆς σκƞνοπƞγίας ἑορτὴν ἀναβαβἠκει πᾶν τὸ πλῆϑος (τῆς πόλεως Λύδδα) εἰς Ιεροσόυλμα.


259 Josephus j. Kr. IV, 3, 6-9.


260 Ich gebe die Zitate über sie hier nur kurz an, die Belegstellen finden sich in B. IV., Note 14, S. 442 und 445 f. [jetzt in der 3. Aufl. S. 413].


261 Epistola Barnabae 16, 4: γίνεται. διὰ γὰρ τὸ πολεμεῖν αὐτοὺς (τοὺς Ἰουδαίους) καϑςρέϑƞ (ὁ ναὸς) ὑπὸ τῶν ἐχϑρῶν. νῠν καὶ οὗτοι καὶ οἱ τῶν ἐχϑρῶν ὑπƞρέται ἀνοικοδομἠσουσιν αὐτόν. Die Herausgeber der Patrum Apostolorum opera, v. Gebhardt, Harnack und Zahn, führen in den Prolegomena zu dieser Epistel eine stattliche Reihe stimmberechtigter Forscher an, welche auf Grund dieses Passus als unzweifelhaft aufstellen, daß zur Abfassungszeit dieser Epistel die Restauration in Angriff genommen war, und daß Hadrian den Juden diese Konzession gemacht hat. Hadrianum circa annum 119 precibus Judaeorum indulgentem templum Hierosolymitanum restituendum jussisse. Das Wörtchen »γίνεται« als Bestätigung des voraufgehenden Verses: »Die Zerstörer des Tempels werden seine Erbauer sein« vergewissert die Tatsache: »Ja, es geschieht«. Und darauf νῠν, »jetzt werden die Diener der Feinde den Tempel wieder aufbauen«. Gregorovius hat dieses Zeugnis, welches die jüdische Tradition von der Erlaubnis für die Restauration in vollem Umfange bestätigt, nicht gebührend berücksichtigt, und die daraus sich ergebende Tatsache schillernd dargestellt (Kaiser Hadrian, 3. Aufl., S. 36 fg.). Herm. Schiller (Gesch. d. röm. Kaiser I, 612, Note 6) ignoriert ganz und gar den Barnabasbrief und faßt Epiphanius' Angabe verkehrt auf, die doch ihrem Kerne nach die Tatsache bestätigt, daß Hadrian Jerusalem hat aufbauen lassen (nicht das spätere Älia), und daß er einen Aufseher über den Bau ernannt habe, wenn auch die Angabe, der Übersetzer Aquila sei der Aufseher gewesen, auf einer Sage beruhen mag.


262 Spartian, Hadrianus 5: tenendae per orbem terrarum paci operae intendit ... Nam Lycia denique ac Palaestina rebelles animos efferebant.


263 Aus Dittographie ist die falsche L.-A. ויחא היחאו entstanden. Aruch hat aber die richtige L.-A. היעמש ויחאו erhalten. Vergl. Derenburg Essai sur l'historie p. 422, Note.


264 Jerusch. Sota 24 b: (ןטקה לאומש) רמא ותתימ תעשבו ןווהי ןיאיגס ויקעו אזיבל אמע לכ ראשו אברחל לאעמשיו ןועמש רמא המ יעדי אלו ןרמא תימרא ןושלבו (ןותאי). Auch Semachot VIII. ohne den Schluß und Babli Synhedr. 11 a mit dem Einschiebsel אלטקל יהורבחו.


Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1906, Band 3.2.
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