6. Kapitel. Hyrkans Nachfolger: Aristobul I. und Jannaï Alexander. 106-79.

[117] Aristobuls Charakter; sein Lieblingsbruder Antigonos; seine Eroberungen im Lande Ituräa. Sagen über die Veranlassung seines Todes. Jannaï Alexanders Charakter und kriegerische Leidenschaft; seine Kämpfe gegen die Seestädte und den ägyptischen Prinzen Lathuros. Die ägyptische Königin Kleopatra und ihre judäischen Feldherren Chelkia und Anania. Alexanders Eroberungen am Jordan und am Mittelmeere; sein Verhalten zur Pharisäerpartei. Simon b. Schetach. Alexander bricht mit den Pharisäern; Aufstand gegen ihn; seine Eroberungen in Moabitis und Galaditis und seine Niederlage im Kampfe mit dem Nabatäerkönig. Aufstand der Pharisäer gegen ihn; ihr Landesverrat; Alexanders grausames Verfahren gegen sie; massenhafte Auswanderung derselben. Alexanders Waffentaten, sein Tod und sein Vermächtnis.


Johann Hyrkan hatte seine Gemahlin als Königin eingesetzt und seinen ältesten Sohn Juda1 zum Hohenpriester ernannt. Dieser ist mehr unter dem griechischen Namen Aristobul bekannt; er, sowie seine Brüder und Nachfolger führten neben dem hebräischen auch einen griechischen Namen. Es zeigte sich aber bald, daß die hellenische Sitte, Weiber an die Spitze des Staates zu stellen, in Judäa keinen Boden hatte. Die jahrhundertelang eingeführte Ordnung, daß der Hohepriester zugleich die staatlichen Interessen zu versehen habe, überwog die letztwillige Verfügung Hyrkans. Aristobul durfte die Mutter von der Regierung entfernen2, ohne einen Aufstand des Volkes herbeizuführen; er vereinigte wieder die beiden Würden in Judäa. Nach einer Nachricht soll er der erste Hasmonäer gewesen sein, der sich den Königstitel beigelegt hat3; aber dieser Titel vergrößerte weder seine Macht, noch sein Ansehen. Nur verletzte er damit die Volksanschauung, welche die Königswürde lediglich dem Hause Davids zuerkannte und daran die Erwartung der Ankunft des Messias knüpfte. Indem nun Aristobul sich das Königsdiadem aufsetzte, verletzte er gewissermaßen diese Messiashoffnung. [117] Er war überhaupt mehr weltlich gesinnt. Er befreundete sich mit den Griechen in der Nachbarschaft und nahm wohl auch das griechische Wesen an, welches den Frommen, in Rückerinnerung an die Leiden durch die Hellenisten, verhaßt war. Er wurde daher von den Griechen Philhellen (Griechenfreund) genannt. Auf den Münzen, die man von seiner Prägung gefunden hat, führte er nicht den Königstitel, sondern die Inschrift: »Der Hohepriester Juda und das Gemeinwesen der Judäer«4. Der Same der Zwietracht, den Hyrkan ausgestreut hatte, wucherte unter seinen Nachkommen verhängnisvoll fort und brachte den judäischen Staat von Stufe zu Stufe bis zu völliger Erniedrigung herunter. Vergebens suchten die nachfolgenden Herrscher ihre Macht zu unnahbarer Höhe zu erheben, vergebens umgaben sie sich mit einer Leibwache treuer Mietstruppen und verrichteten glänzende Waffentaten; der Bruch war unheilbar, und die angewandten Heilmittel trugen nur dazu bei, ihn zu vergrößern. Das Fürstenhaus und das Volk waren nicht mehr eins; das Politische schied sich von dem Religiösen, und beide folgten einer entgegengesetzten Richtung, die sie nur noch mehr auseinander brachte.

Der König Aristobul verdrängte nicht nur seine Mutter vom Throne, sondern brachte sie auch mit dreien seiner Brüder in Haft. Nur seinen Bruder Antigonos, der sein Gesinnungs- und Kampfgenosse war, und den er sehr liebte, ließ er an der Regierung teilnehmen. Obwohl wegen der Kürze seiner Regierung nur wenige und unzusammenhängende Nachrichten aufbewahrt sind, so läßt sich doch so viel daraus schließen, daß er das Verhalten seines Vaters in den letzten Jahren gegen die beiden Parteien befolgt hat, indem er sich enger an die Sadduzäer anschloß und die Pharisäer von jedem Einflusse fernzuhalten suchte. Doch wie Aristobul in seinem eigenen Hause nur wenig Freunde hatte, so scheint er auch beim Volke nicht beliebt gewesen zu sein. Der Umstand, daß er eine Vorliebe für das Griechische hatte, genügte wohl, ihn bei der Volkspartei verhaßt zu machen. Der Argwohn heftete sich an seine Fersen und dichtete ihm alles Schlimme an. Während ihn die Griechen als billig denkend und bescheiden schilderten5, warfen ihm seine judäischen Beurteiler Herzlosigkeit und[118] Härte vor. Seine Mutter war im Gewahrsam, vielleicht vor Altersschwäche, gestorben; der Argwohn verbreitete, der eigene Sohn habe sie verhungern lassen6. Sein Lieblingsbruder Antigonos war, vermutlich durch die Ränke der dem hasmonäischen Hause feindlichen Partei, meuchlings ermordet worden; das scharfzüngige Gerücht machte den König zum Urheber des Mordes, weil er auf den Bruder eifersüchtig gewesen sei7. Die Sage hat überhaupt um den Tod des Antigonos ein ganzes Gewebe tragischer Zufälle gesponnen, um die Gottvergessenheit des Königs Aristobul recht schauerlich zu machen.

Aristobul hatte mit der kriegerischen Tüchtigkeit auch die Pläne seines Vaters geerbt, Judäa nach Nordosten hin, wo gewissermaßen noch herrenlose Länderflächen lagen, auszudehnen. Die Strecke vom Fuße des südlichen Ausläufers des riesigen Hermon nach Osten bis in die syrisch-arabische Sandwüste und nördlich bis an die paradiesischen Gefilde von Damaskus durchzogen, wie ehemals der nomadisierende halbe Stamm Manasse und die Kedarener, so zur Zeit Aristobuls die Ituräer und Trachoniten, die öfter das harmlose Hirtenleben mit dem rauhen Kriegshandwerk vertauschten. Der nur oasenweise fruchtbare Landstrich hat seine Bewohner mit entgegengesetzten Eigenschaften ausgestattet: sie waren von jeher, bald mehr bald weniger, Hirten und Straßenräuber, Kaufleute und Krieger. Gegen diese halbarabischen Völkerschaften, welche damals den Namen Ituräer führten, unternahm Aristobul einen Kriegszug, wahrscheinlich nur eine Fortsetzung der Unternehmung seines Vaters. Sein Bruder Antigonos, mit dem er zugleich die ersten Lorbeeren gegen die Samaritaner und Syrer erworben hatte, war auch in diesem Kriege sein Waffengefährte. Das Kriegsglück war Aristobul wie seinem Vater günstig, er vergrößerte Judäa nach dieser Seite hin und befolgte auch dessen System, den besiegten Völkern die judäische Religion aufzuzwingen8. Fortgesetzte Eroberungen auf dieser Bahn hätten Judäa die Karawanenstraßen von den Euphratländern nach Ägypten und hiermit die Verbindungslinie für den Zwischenhandel von dem asiatischen Binnenlande zum Mittelmeere in die Hände gegeben, und es hätte dadurch eine Wichtigkeit erlangen können, die, unterstützt von dem kriegerischen Mute seiner Bewohner und dem wehrhaften Zustande seiner Festungen, es eine Stellung in dem Ländersystem des damaligen Vorderasiens hätte einnehmen lassen können. Aber, als wäre es von der Vorsehung beschlossen, daß Judäa nicht auf diesem Wege einen bedeutenden Einfluß [119] gewinnen sollte, mußte Aristobul seine Eroberungen, von einer schweren Krankheit befallen, einstellen und sich nach Jerusalem zurückziehen. Antigonos setzte zwar den Krieg einige Zeit mit Glück fort, als er aber wegen des herannahenden Festmonats Tischri ebenfalls nach Jerusalem zurückkehrte, war es weder ihm, noch seinem königlichen Bruder vergönnt, den Kriegsschauplatz wieder zu betreten. Antigonos fiel, wie schon erwähnt, durch Meuchelmord, und Aristobul erlag der Krankheit, nachdem er ein Jahr regiert hatte9 (106-105).

Der aufeinanderfolgende Tod der beiden Brüder gab dem boshaften Gerüchte den Stoff zu einem erschütternden Phantasiestück. Die Sage erzählt: Als Antigonos zu dem großen Feste heimgekehrt und in glänzendem Waffenschmuck auf dem Tempelplatze und in den Straßen Jerusalems einherschritt in jugendlicher Schönheit und Vollkraft, hätten seine Gegner Veranlassung davon genommen, die Eifersucht des kranken Königs rege zu machen, ihm zutragend, daß Antigonos nach seinem Leben und seiner Krone trachtete. Aristobul, obwohl voll Vertrauen auf die Zuneigung seines Bruders, habe doch der Verleumdung Gehör gegeben. Er wollte ihn selbst sprechen, um in seinen Zügen die Schuld oder Unschuld zu lesen. Zu diesem Zwecke habe er ihn rufen lassen und ihm zugleich bedeutet, er möge unbewaffnet zu ihm kommen; zu größerer Vorsicht habe er in einem Gange, der zu seinem Zimmer im Palaste der Hasmonäer in der Burg Baris führte, seine Leibwache aufstellen lassen, mit dem Befehle, Antigonos sofort niederzustrecken, wenn er etwa bewaffnet eintreten sollte. Diesen Befehl habe die Königin, welche Antigonos haßte, zu seinem Verderben benutzt, indem sie ihm durch die Boten des Königs die entgegengesetzte Aufforderung habe zugehen lassen: nämlich in vollständiger Waffenrüstung vor dem König zu erscheinen. Dieser Weisung sei Antigonos nachgekommen und in dem dunkeln Gange Stratonsturm der Birah sofort von den Trabanten niedergestoßen worden. Bei der Nachricht von dem auf seine Veranlassung erfolgten Tod des Bruders habe die Krankheit des Königs noch mehr zugenommen, da der Schrecken ihm einen Blutsturz zugezogen. Eine Schale von diesem Blute habe ein Diener des Königs, ausgleitend auf dem von dem Blute des Erschlagenen noch schlüpferigen Boden des Vorgemaches, verschüttet, so daß das Blut beider Brüder sich vermischt habe. Dieser Vorfall habe auf das Gemüt des Königs einen so erschütternden Eindruck gemacht, daß er sich als Mörder seines Bruders angeklagt habe, und die Seelenpein habe eine Zunahme der Krankheit herbeigeführt, worauf der Tod erfolgt sei10. Aristobuls [120] kurze Regierungszeit ist in der Chronik ganz übergangen, und die Sage hat sich ihrer daher bemächtigt. Sie fügte zu dem Obigen noch das Wunderbare hinzu, daß ein zukunftskundiger Essäer, namens Juda, den gewaltsamen Tod des Antigonos an einem bestimmten Tage vorhergesehen habe und noch dazu mit dem Nebenumstande, daß er in Stratonsturm erfolgen werde. Da aber der Ort Stratonsturm, das spätere Cäsarea, fünfzehn Meilen von Jerusalem entfernt war, habe der Essäer, als er noch an dem verhängnisvollen Tage Antigonos in strotzender Gesundheit in Jerusalem gesehen, an seiner Prophetengabe selbst gezweifelt, bis es sich bald herausgestellt, daß Antigonos wirklich in dem Gange, namens Stratonsturm, ermordet worden sei. Denselben sagenhaften Charakter trägt noch der Beginn der Regierung von Aristobuls Nachfolger. Alexander, dessen judäischer Name Jannaï (eine Abkürzung von Jonathan) lautete, soll nicht bloß von seinem Bruder in Gewahrsam gehalten worden, sondern auch seinem Vater so verhaßt gewesen sein, daß er ihn nach Galiläa verbannt hatte, weil ihm im Traume die Kunde zugekommen, daß derselbe, obwohl sein dritter Sohn, die Krone von Judäa tragen werde11. Aus dem Kerker, wohin ihn Aristobul gebracht, soll ihn dessen Witwe befreit und ihm mit der Krone zugleich ihre Hand geboten haben12. Aber dann hätte Alexander als Hoherpriester eine Witwe geheiratet, was ungesetzlich war, wenn auch in Schwagerehe. Noch minder begreiflich ist es, wie Alexander in seinem späteren Leben so sehr alle Rücksichten gegen diejenige, der er Freiheit und Herrschaft verdankte, hätte außer acht setzen können. Man wird daher diesen ganzen Zug in das Reich der Sage verweisen müssen. Alexander wird vielmehr ohne Vorschub von Aristobuls Witwe nach dem Rechte der Erbfolge, weil sein älterer Bruder kinderlos gestorben war, den judäischen Thron bestiegen und seine Frau Salome, in strenger Beobachtung des priesterlichen Ehegesetzes, als Jungfrau in sein Haus geführt haben. Auch das ist nicht begründet, daß Alexander seine Regierung mit der Ermordung eines seiner Brüder, der noch dazu sein Leidensgenosse im Kerker gewesen wäre, begonnen habe13; denn damit hätte er sich beim Volke alsbald verhaßt gemacht, [121] und doch hat er sich erst viel später durch seine offene Hinneigung zu den sadduzäischen Ansichten die Abneigung desselben zugezogen. Er scheint vielmehr gerade im Anfang sich der Volksgunst beflissen zu haben, wie denn auch die seit längerer Zeit bei Hofe mißliebigen Pharisäer ihr Haupt wieder erheben durften. Simon ben Schetach, der als der Wiederhersteller des Pharisäertums gepriesen wird, verkehrte am Hofe Alexanders; er war der Bruder der Königin Salome14. Alexanders Mißhelligkeit mit den Pharisäern kann also im Beginn seiner Regierung nicht bestanden haben, sondern erfolgte wohl erst mehrere Jahre später.

Der mit dreiundzwanzig Jahren zur Herrschaft gelangte Alexander Jannaï war kriegerisch wie die Familie, der er entsprossen; aber er besaß weder das Feldherrentalent seiner Vorfahren, noch deren Umsicht, einen umfassenden Plan zu entwerfen und die Mittel nach den Umständen abzuwägen. Er stürzte sich tollkühn in kriegerische Unternehmungen, die selbst bei glücklichem Ausgang bedeutende Erfolge nicht erwarten ließen, zersplitterte dadurch die Volkskraft und brachte den Staat mehr als einmal an den Rand des Abgrundes. Seine siebenundzwanzigjährige Regierungszeit verlief daher in äußeren und inneren Kriegen und war nicht geeignet, die materielle Volkswohlfahrt zu heben. Größer als seine Klugheit war indessen sein Glück, das ihn auch in verzweifelten Lagen, in die er sich selbst gebracht, nicht im Stich ließ, und dem Glücke hatte er es zu danken, daß er im ganzen doch die Grenzen Judäas erweitern konnte. Wie sein Vater führte er seine Kriege mit Soldtruppen, die er aus Pisidien und Cilicien angeworben hatte15. Syrer zu gebrauchen, wagte er nicht, weil die gegenseitige Abneigung zwischen Judäern und Syrern so fest gewurzelt war, daß auf ihr herzliches Zusammenwirken in keiner Weise zu rechnen war.

Alexanders Hauptaugenmerk war auf die Seestädte gerichtet16, die infolge der Fehden der beiden Halbbrüder gegeneinander, Antiochos Grypos und Kyzikenos, sich unabhängig gemacht hatten. Ptolemaïs (Akko) und Gaza hatten sich als Republiken erklärt, und die in der Mitte liegenden Stratonsturm und Dora wurden von einem Bandenführer Zoïlos beherrscht, der sich zu ihrem Tyrannen aufgeworfen hatte. Alexander hatte ihre Wichtigkeit für das Gedeihen des judäischen Staats, wahrscheinlich während seiner Verbannung in Galiläa, erkannt. Ganz besonders wünschte er das reichbevölkerte, mit einem vortrefflichen Hafen versehene und auch von Judäern bewohnte Ptolemaïs Judäa [122] einzuverleiben. Während Alexander die Gegend von Gaza und das Gebiet des Zoïlos von seinen Scharen verwüsten ließ17, bedrängte er selbst die wichtige Hafenstadt mit einer harten Belagerung. Die Einwohner von Ptolemaïs riefen daher Zoïlos zu Hilfe, aber seine Macht für zu gering anschlagend, wandten sie sich an den ägyptischen Prinzen Ptolemäus Lathuros, welcher, wie schon erwähnt (o. S. 75), im offenen Kriege gegen seine Mutter Kleopatra sich in den Besitz von Cypern gesetzt hatte. Lathuros war froh, eine Gelegenheit zur Machtvergrößerung zu erhalten und sich zugleich auf dem Landwege Ägypten nähern zu können und beeilte sich, dreißigtausend Mann nach der judäischen Küste zu werfen. Ehe er aber die Küste erreicht hatte, waren die Ptolemäenser anderen Sinnes geworden. Auf den Rat eines angesehenen Bürgers Demainetos wollten sie sich lieber dem judäischen Könige unterwerfen, als in Abhängigkeit von Lathuros geraten und dadurch in den Streit zwischen ihm und seiner Mutter verwickelt werden. Nichtsdestoweniger landete Lathuros unweit Akko, verband sich mit Zoïlos und den Einwohnern von Gaza und wollte die Übergabe der Stadt ertrotzen. Alexander sah sich in die Lage versetzt, sein Vorhaben auf Akko aufgeben zu müssen und verlegte sich auf diplomatische Künste. Auf der einen Seite unterhandelte er heimlich mit Lathuros, ihm Zoïlos und dessen Gebiet für vierhundert Talente Silber zu überliefern, auf der anderen Seite mit Kleopatra, Truppen zu ihm stoßen zu lassen, um ihren widerspenstigen Sohn zu demütigen. Aber diese Doppelzüngigkeit trug ihm keine Früchte. Lathuros, im Begriffe ihm zu willfahren, erfuhr noch zeitig genug von seinem hinterlistigen Verfahren, um ihn zur Aufhebung der Belagerung von Akko zu zwingen und seinem Heere Niederlage auf Niederlage beizubringen. An einem Sabbat schlug er das judäische Heer, das aus mindestens fünfzigtausend Mann bestand, bei Asochis (Socho, Sichin) unweit Sepphoris18 bis an den Jordan, wo bei Asophon (Zaphon) eine so mörderische Schlacht er folgte, daß die Hände der Kämpfenden ermüdeten, und die Schwerter stumpf geworden waren. Mehr als dreißigtausend Krieger Alexanders bedeckten das Schlachtfeld, viele wurden gefangen und die übrigen ergriffen die Flucht. Lathuros durchzog mit seinem Heere einen Teil Judäas mordend und selbst die Frauen und Kinder nicht schonend. [123] Er wollte nicht bloß an Alexander, sondern an den Judäern überhaupt Rache nehmen, weil sie in Ägypten seine Gegner und einige sogar die vertrautesten Ratgeber seiner Mutter (o. S. 75) waren. Akko fiel ebenfalls in seine Hände, und Gaza unterwarf sich ihm freiwillig19.

Diese beträchtliche Niederlage hätte unfehlbar die schimpflichste Knechtschaft über Judäa gebracht, wenn nicht Kleopatra wegen der Siege und Machtvergrößerung ihres Sohnes die größte Sorge empfunden und Vorkehrungen getroffen hätte, ihm die Früchte seiner Siege zu entreißen, ehe er sie gegen sie selbst gebrauchen konnte. Sie rüstete ein starkes Heer und sandte es, von der Flotte unterstützt, gegen Lathuros nach Judäa und Syrien. Den Oberbefehl über dasselbe hatten die zwei judäischen Feldherren Chelkia und Anania, jene beiden Söhne des Onias, welchen die Königin Kleopatra die Behauptung ihrer Krone verdankte. Chelkia starb in diesem Feldzuge, in welchem er den Lathuros auf seinem Zuge nach dem Süden, um während der Abwesenheit seiner Mutter und des Heeres einen Einfall in Ägypten zu machen, auf Schritt und Tritt verfolgt hatte20. Durch den Tod dieses bewährten Feldherrn hatte aber die Unternehmung gegen Lathuros nicht gelitten. Sein Bruder füllte seine Stelle im Rate und im Heere aus. Ananias hohe Stellung war zu dieser Zeit von entschiedenem Einflusse für seine Stammesgenossen in Judäa. Einige Räte Kleopatras hatten ihr nämlich, nachdem sie festen Fuß in dieser Gegend gefaßt und Ptolemaïs eingenommen hatte, den Gedanken nahe gelegt, die Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen, sich Judäas, das ihren Schutz nicht entbehren konnte, zu bemächtigen, Alexander zu entthronen und das Land an Ägypten zu bringen. Aber Anania trat diesem Rate mit Entrüstung entgegen; er wies nicht nur auf das Ungerechte einer solchen Bundesbrüchigkeit hin, sondern machte die Königin auch auf die nachteiligen Folgen eines solchen Schrittes aufmerksam. Sämtliche Judäer Ägyptens, die als die Stütze ihres von ihrem Sohne bedrohten Thrones galten, würden, so bemerkte Anania, sich zu ihren Feinden schlagen, falls sie einen verräterischen Angriff auf die Unabhängigkeit der judäischen Nation machen sollte21. In seinen Worten lag zugleich die Drohung, daß er selbst mit dem Gewichte seiner politischen Einsicht und seines Feldherrentalentes aufhören würde, ihr zu dienen, oder gar sich gegen sie erklären würde. Diese Sprache verfehlte nicht des Eindruckes auf das Gemüt der Königin, sie verwarf den arglistigen Rat der Judenfeinde und schloß in Betsan ein Schutz- und Trutzbündnis mit Alexander (um 9822). So hat die warme Anhänglichkeit eines [124] einflußreichen Judäers an seine Nation eine große Gefahr von Judäa abgewendet, noch ehe der judäische König dieselbe ahnen konnte.

Alexander war durch das Bündnis mit Kleopatra von Lathuros drohender Stellung befreit, indem dieser gezwungen war, sich aus Judäa zurückzuziehen und nach Cypern heimzukehren. Alle Städte, die ihm Vorschub geleistet hatten, empfanden jetzt Alexanders Rache. Er nahm nach zehnmonatlicher Belagerung die befestigte Stadt Gadara ein und entriß die Stadt Amathus am Jordan23 ihrem Beherrscher Theodoros, dessen Vater Zeno dem Mörder seines Großvaters Simon Schutz gewährt hatte (o. S. 66). Aber sorglos wie Alexander war, gab er dem besiegten Feinde Gelegenheit, sein Heer zu überfallen, zehntausend Mann niederzumachen und sein ganzes Feldgepäck zu erbeuten. Von dem erlittenen Unfalle sich erholend, wandte sich Alexander von der Jordangegend nach dem Küstenstriche und eroberte Raphia, die Grenzstadt Palästinas im Südwesten, und das nördlicher davon gelegene Anthedon. Um Gaza einzunehmen, mußte er ein ganzes Jahr lang viele Kämpfe bestehen und konnte die Stadt nur durch den Verrat eines auf den Einfluß seines Bruders eifersüchtigen Anführers Lysimachos in seine Gewalt bekommen. Seine ganze wilde Wut entlud Alexander gegen die besiegten Einwohner von Gaza; er ließ die angesehensten unter ihnen hinrichten, und der Schrecken vor ihm war so groß, daß viele ihre Frauen und Kinder mit eigenen Händen töteten, um sie nicht in judäische Gefangenschaft geraten zu lassen (9624).

Während der neun Jahre von Alexanders Thronbesteigung bis zur Einnahme von Gaza hatte er, weil von Gefahren und peinlichen Verwickelungen umlagert, die Eintracht im Innern nicht gestört. In dem brennenden Streit zwischen den Pharisäern und Sadduzäern scheint er Neutralität beobachtet zu haben, wohl weil er während der ganzen Zeit nicht Muße hatte, sich darum zu bekümmern. Viel mag auch zu diesem friedlichen Verhalten gegen die Parteispannung seine Gemahlin Salome beigetragen haben, welche eine warme Anhängerin der Pharisäer war. Wenn auch der König nicht gerade Partei für sie ergriffen hatte, so ließ er sie doch gewähren und tat nichts, um ihre Empfindlichkeit zu verletzen und das Volk, das ihnen anhing, zu reizen. Wie schon erwähnt, stand Simon ben Schetach, der Führer der Pharisäer, unter Alexander in hoher Gunst bei Hofe, weil er der Bruder der Königin war. Als man den König einst gegen Simon eingenommen hatte, indem man ihn verleumdete, daß er sich einer List gegen Alexander bedient habe, war er genötigt, sich in einem sichern Versteck verborgen [125] zu halten, und die Königin, die seinen Aufenthalt kannte, verriet ihn nicht. Da traf es sich, daß parthische Gesandte an Alexanders Hof kamen und vom König zur Tafel geladen, bei dem Gelage die Anwesenheit Simons vermißten, an dessen Weisheit sie sich bei früherer Gelegenheit ergötzt hatten. Alexander wollte ihnen zu Liebe den pharisäischen Weisen wieder an seine Tafel ziehen und bat die Königin, ihn dazu zu bewegen. Die Königin tat es aber nicht eher, als bis ihr königlicher Gemahl ihr das Versprechen gegeben hatte, daß er dem Flüchtlinge nichts zuleide tun werde. Auf das Zureden der Königin erschien Simon wieder bei Hofe und setzte. sich mit einer Art Selbstbewußtsein zwischen das Königspaar. Auf Alexanders Verwunderung über die Anmaßung erwiderte er: »Die Weisheit, der ich diene, gewährt mir den Rang, mich Königen gleichzustellen«25.

Simon scheint von Alexander als Vermittler zwischen den noch immer zurückgesetzten Pharisäern und den im Besitze der Ämter befindlichen Sadduzäern verwendet worden zu sein. Der hohe Rat war noch seit Hyrkans Abfall vom Pharisäertum von sadduzäischen Mitgliedern besetzt, und solange diese Bevorzugung der einen Partei gegen die andere fortdauerte, schien eine Versöhnung und ein ruhiger Zustand un möglich zu sein. Der König mag daher vom Wunsche beseelt gewesen sein, eine Ausgleichung des Streites durch die Gleichberechtigung beider Parteien zu Ämtern und Würden herbeizuführen. Allein die Pharisäer weigerten sich, mit ihren Gegnern gemeinsam zu fungieren und leisteten leidenden Widerstand. Nur Simon ben Schetach ließ sich in den Schoß des sadduzäischen Kollegiums aufnehmen, allerdings mit dem Hintergedanken, dasselbe nach und nach von seinen sadduzäischen Mitgliedern zu säubern. Dieses Ziel erreichte er dadurch, daß er die Sadduzäer in verfängliche Fragen verwickelte, so daß sie bei deren Lösung mit ihrem Prinzipe in Widerspruch gerieten. Sich auf das sadduzäische Prinzip berufend, daß nur solche Gesetze giltig seien, deren Ursprung im Pentateuche deutlich angegeben ist, fragte er sie, wie sie in solchen Fällen entscheiden würden, wo das Gesetz schweigt, ob sie nicht auch zu dem Brauche, also zur Überlieferung, Zuflucht nehmen würden. Die Sadduzäer hatten für solche Fragen keine Antwort, und auf diese Weise setzte Simon den sadduzäischen Führern so viel zu und beschämte sie in Gegenwart des Königspaares, so oft dieses den Sitzungen beiwohnte, so tief, daß sie sich nach und nach zurückzogen. Die leer gewordenen Stellen besetzte Simon allmählich mit Pharisäern, bis der hohe Rat wieder gänzlich das Organ der pharisäischen Lehren geworden war. Und dieser Tag, [126] der achtundzwanzigste Tebet (Januar, ungefähr 100), an welchem der hohe Rat von sadduzäischen Mitgliedern ganz gesäubert war, wurde als Gedenktag festlich begangen26.

Diese neutrale Stellung Alexanders gegen die Parteien dauerte jedoch nur so lange, als seine gefährdete Lage seine Aufmerksamkeit von den inneren Angelegenheiten abzog. Sobald er aber als Sieger und Eroberer so vieler Städte und Gebietsteile heimkehrte und sich mit aufgeblähtem Dünkel als unumschränkten Herrn und Gebieter betrachtete, änderte sich das Verhältnis. Sei es nun, daß der wiedererworbene Einfluß der Pharisäer seiner Macht im Wege war, oder daß er die für Kriege brauchbaren Sadduzäer belohnen und an sich fesseln wollte, oder daß ihn sein Günstling, der Sadduzäer Diogenes, dessen Ratschläge eben so verderblich für Alexander wie für die Wohlfahrt des Landes waren, für das Sadduzäertum einzunehmen gewußt hatte: genug, Alexander trat mit einem Male als entschiedener Gegner der pharisäischen Lehre auf und gab dieses auf eine sehr verletzende Weise kund. Als er einst am Hüttenfeste als Hoherpriester fungierte, sollte er einem alten Brauch zufolge aus einer silbernen Schale Wasser als Sinnbild der Fruchtbarkeit, auf den Altar gießen. Aber um diese von den Pharisäern geltend gemachte religiöse Sitte geflissentlich zu verhöhnen, goß er das Wasser zu seinen Füßen nie der. Mehr brauchte es nicht, um den Unwillen der im Tempelvorhofe anwesenden Volksmenge zu reizen. Mit rücksichtsloser Erbitterung warfen die Anwesenden die Festfrüchte (Etrog), welche sie in Händen hatten, nach dem ketzerischen König und beschimpften ihn als einen unwürdigen Hohenpriester, als den Enkel einer Gefangenen27. Dieser Vorfall hätte Alexander das Leben gekostet, wären nicht die pisidischen und cilicischen Soldtruppen schnell herbeigeeilt, um auf die Aufständischen einzuhauen. Nahe an sechstausend Mann verloren dabei ihr Leben im Tempel (um 95). In der Hitze des Kampfes wurde auch der Altar verletzt; eine seiner Spitzen wurde zerbrochen. Um ähnlichen Auftritten für die Zukunft vorzubeugen, ließ Alexander das Volk vom Betreten des Vorhofes der Priester, wo der Altar stand, durch eine Scheidewand ausschließen28. Diese Vorgänge, bei denen die Schuld auf beiden Seiten gleich war, erzeugte einen unversöhnlichen Haß zwischen dem König und dem Pharisäertume, welcher der judäischen Nation Ströme von Blut kostete und sie so sehr schwächte, daß sie einem kräftigen Andrang von außen keinen gleich kräftigen Widerstand entgegen zu setzen vermochte. So hatten die Hasmonäernachkommen schon im dritten Geschlechte den [127] Bau, den ihre Vorfahren mit ihrem Blute aufgeführt, durch blinde Leidenschaftlichkeit so sehr erschüttert, daß es wunderbar erscheint, wie er den wiederholt auf ihn geführten Stößen noch so lange widerstehen konnte. Die Spaltung des Reiches in Juda und Israel unter Rehabeam und Jerobeam wiederholte sich in der erbitterten Parteiung der Pharisäer und Sadduzäer.

Alexander aber sah den Riß nicht, den seine Hand dem Staatsgebäude in kindischer Verblendung beigebracht hatte; er trug sich vielmehr noch immer mit hochfliegenden Plänen, die Landesgrenzen zu erweitern, ohne zu bedenken, daß, nachdem einmal das einträchtige Zusammenwirken von Fürst und Volk dahin war, der größere Umfang des Staates mehr dazu führen könnte, das Vaterland zu schädigen als zu kräftigen. Er hatte aber nichts anderes im Auge, als seine Kriegslust zu befriedigen, und richtete seine Unternehmungen gegen das transjordanische Land im Osten des toten Meeres, das noch immer den Namen Moabitis führte, und gegen den Landstrich im Südosten des Tiberiassees, welcher Galaditis oder auch Gaulanitis hieß. Den ganzen Bezirk umfaßte aber auch der gemeinschaftliche Name Arabien, weil die nabatäisch-arabischen Könige von Petra, der ehemaligen idumäischen Hauptstadt, auch auf diesen Landesteil Anspruch machten. In Gaulanitis eroberte Alexander unter andern auch die Stadt Amathus am Jordan und rächte die Niederlage, die er einige Jahre vorher gegen Theodoros an diesem Orte erlitten hatte. Allein als er in seinen Eroberungen fortschreiten wollte, warf sich ihm der nabatäische König Obeda (oder Oboda) entgegen und lockte ihn in ein unwegsames, von Schluchten zerrissenes Terrain, wo Alexanders Heer völlig aufgerieben wurde, und er selbst nur mit dem nackten Leben nach Jerusalem entkommen konnte (um 9429). In Jerusalem erwartete ihn die Erbitterung der Pharisäer, die das Volk bis zur Empörung gegen ihn aufgestachelt hatten. Es erfolgten sechs Jahre hintereinander (94 bis 89) blutige Aufstände und innere Kämpfe, durch die das judäische Land zur Ohnmacht herabsank. Jeden Aufstand unterdrückte zwar Alexander durch die fremden Mietstruppen; aber die Metzeleien, die dabei vorkamen, gaben immer wieder Stoff zu neuen Aufständen. Am Ende war Alexander von diesen Reibungen so erschöpft, zumal er durch die innern Unruhen in den Unternehmungen nach außen gelähmt war, daß er den Pharisäern die Hand zum Frieden zu reichen sich gezwungen sah. Jetzt war es die Pharisäerpartei, die in blinder Wut die Friedenshand zurückstieß und [128] einen Verrat an dem Lande beging, der ewig ein Schandfleck dieser Partei bleiben wird. Auf Alexanders Anfrage, welche Friedensbedingungen sie aufstellen, erwiderten die pharisäischen Führer: die erste Bedingung zu einem dauernden Frieden sei sein Tod30. Heimlich hatten sie sogar mit dem damaligen König von Syrien, Eukäros, – dem vierten von den fünf hinterlassenen Söhnen des Antiochos Grypos, welcher im Kriege mit seinem Bruder Philippos stand und in Damaskus residierte – landesverräterische Unterhandlungen gepflogen, ein syrisches Heer in Judäa einrücken zu lassen, und versprochen, mit ihren Anhängern zu ihm zu stoßen, um Alexander zu demütigen. Auf die Nachricht von Eukäros Einfall ins Herz von Judäa mit vierzigtausend Mann Fußvolk und dreitausend Reitern rückte ihm Alexander bis Sichem mit zwanzigtausend Fußgängern und tausend Reitern entgegen. In dem blutigen Treffen bei Sichem kämpften Judäer gegen Judäer und Griechen gegen Griechen, indem beide Heere ihrem Anführer treu blieben und sich zu keinem Abfall verleiten ließen. Die auf beiden Seiten blutige Schlacht entschied zu Gunsten des Eukäros, und Alexander war durch den Verlust aller Mietstruppen genötigt, im Gebirge Ephraim flüchtig umherzuirren31.

Sein trauriger Fall erweckte ihm wieder das Mitleid des Volkes; sechstausend seiner pharisäischen Gegner verließen das syrische Lager und gingen zu Alexander über, wodurch Eukäros in die unangenehme Lage versetzt war, Judäa verlassen zu müssen. Die wütendsten Pharisäer setzten nichtsdestoweniger den Kampf gegen ihren Feind fort; in einem Treffen besiegt, warfen sie sich in eine Festung Bethome32, wurden aber von Alexander zur Übergabe derselben gezwungen. Alexander ließ sich vom Rachegefühl und von der Überredungsgabe seines sadduzäischen Günstlings Diogenes hinreißen, achthundert gefangene Pharisäer an einem Tage ans Kreuz zu schlagen (um 88). Übertreibend erzählte man sich später, Alexander habe sogar die Frauen und Kinder der zum Tode Verurteilten vor ihren Augen hinschlachten lassen und habe diesem blutigen Schauspiele bei einem Schmause, von Buhlerinnen umgeben, zugesehen33. Indessen bedurfte es nicht dieses Übermaßes von Grausamkeit, um ihn mit dem Schimpfnamen »Thrazier34« zu brandmarken; die Kreuzigung von [129] achthundert Mann war hinreichend, ihn als herzlosen Menschenschlächter zu verurteilen, und sie hat den Sadduzäern, welche Schadenfreude darüber empfanden, bittere Früchte getragen. Dieser unversöhnliche Haß beider Parteien hat der Nation die tiefsten Wunden geschlagen; über fünfzigtausend Mann von beiden Parteien kamen während dieser sechsjährigen innern Kämpfe um35. Die Pharisäer litten am meisten darunter und hielten sich im Lande nicht mehr sicher; in der Nacht nach der Kreuzigung der achthundert flüchteten etwa achttausend von ihnen ins Ausland36, teils nach Syrien, teils nach Ägypten. Diejenigen, welche nach Syrien, namentlich nach Seleucia und Bet-Zabdai geflohen waren, hatten viel Ungemach zu erdulden, wobei ihrer viele den Tod gefunden haben und nur ein kleiner Teil sich retten konnte37. Diejenigen, die in Ägypten ein Asyl suchten, fanden bei ihren alexandrinischen Stammesgenossen gastfreundliche Aufnahme und verblieben dort bis nach Alexanders Tode. Unter diesen war auch Juda ben Tabbaï38, welcher später zu bedeutendem Einflusse gelangte und der Rächer seiner hingeschlachteten Parteigenossen wurde. Wo sich Simon ben Schetach während dieser Verfolgungszeit aufhielt, ist nicht bekannt. Nach einer unverbürgten Sage soll er im Exil in so dürftigen Umständen gelebt haben, daß er ein beschwerliches Geschäft mit Flachs betreiben mußte. Seine Jünger sollen ihm einst, um es ihm zu erleichtern, ein Kamel gekauft haben. Als sie dann an dem Halse desselben ein wertvolles, mit Edelsteinen besetztes Halsband bemerkten, beglückwünschten sie ihn über diesen Fund; er aber bedeutete ihnen, die Edelsteine dem arabischen Verkäufer wieder zuzustellen, weil sie nicht zum Kauf gehörten39.

In welche Schwäche Alexander durch die inneren Kämpfe geraten war, zeigte sich bald darauf, als die Könige von Nabatäa und Syrien, Aretas und Antiochos XII., der jüngste der fünf Söhne des Grypos, Judäa zu ihrem Kriegsschauplatz machten, ohne daß er imstande war, sie in Schranken zu halten. Er hatte wohl, um den Durchzug des Antiochos zu verhindern, eine hohe Plankenmauer mit Türmen von Kapharsaba (Antipatris) an bis Joppe aufführen und einen tiefen Graben dabei ziehen lassen, aber Antiochos füllte den Graben aus, verbrannte die Mauer und durchzog Judäa der ganzen Breite nach40. [130] Darauf hatte Alexander schwere Kämpfe mit dem Nabatäerkönig Aretas zu bestehen, der infolge der Selbstzerfleischung der letzten syrischen Könige von den Damaszenern eingeladen wurde, den durch den Tod seines Gegners erledigten Thron gegen die Anmaßung eines Tyrannen Ptolemäus einzunehmen. Aretas war der mächtigste Fürst der Araber oder Nabatäer. Er führte in seinem Lande griechisches Wesen ein und ließ sich auf den von ihm geprägten Münzen »Griechenfreund« nennen41. Er schmückte die nabatäische Hauptstadt Petra mit Gebäuden, Theatern und Rennbahn nach Art der Griechen. Als Beherrscher von Damaskus verlangte er von Alexander Unterwürfigkeit und überzog Judäa mit Krieg. Bei Adida verlor Alexander eine Schlacht gegen ihn und mußte einen schimpflichen Frieden eingehen42.

Indessen verließ Alexander das Glück nicht. Es trat in Syrien wieder eine Veränderung ein, die ihm zum Vorteil gereichte. Tigranes, ein Nachkomme des von Antiochos Epiphanes bekämpften Statthalters Artaxias, gründete ein großes armenisches Reich, erbaute eine bedeutende Stadt Tigranokerta und bevölkerte sie mit griechischen Bewohnern. Nachdem er glückliche Kriege gegen die benachbarten Parther geführt, richtete er seinen Blick auf das durch Bruderkriege geschwächte syrische Reich. Von der Bevölkerung eingeladen, die Herrschaft zu übernehmen, verjagte er den syrischen König Antiochos Eusebos, Kyzikenos Sohn, verdrängte wohl auch Aretas aus Damaskus und regierte vierzehn Jahre über Syrien und einen Teil von Kleinasien [131] (83 bis 6943), bis die Römer ihre gewalttätige Einmischung vollbrachten. Wie es scheint, begünstigte Tigranes den judäischen König Alexander, um den von ihm verdrängten Aretas im Zaume zu halten. Alexander war dadurch in den Stand gesetzt, wieder seine Kriegslust zu befriedigen und neue Eroberungen zu machen. Er bekriegte einige wichtige transjordanische Städte mit griechischen Einwohnern, welche Aretas untertänig waren, Diospolis (Dion), Pella und Gerasa, wo Theodoros, sein Gegner, Schätze niedergelegt hatte. Von hier aus zog er nördlich, nahm das niedere Gaulanitis mit der Hauptstadt Gamala, das obere mit dem Vorort Sogane und noch dazu Seleucia im Osten des hohen Sees (Merom, Samachonitis44) ein. Die Bewohner aller dieser Städte zwang er, das Judentum anzunehmen und sich die Beschneidung gefallen zu lassen. Die Stadt Pella, deren Bewohner sich dagegen sträubten, ließ er zerstören45. Auch die früher im Osten des Toten Meeres eroberten Städte, die Aretas ihm entrissen hatte, brachte er wieder in seine Botmäßigkeit. Judäa wurde durch eine Reihe von Städten vergrößert, jenseits des Jordans von Seleucia im Norden bis Zoar, der Palmenstadt, im Süden des Toten Meeres, und am Mittelmeere von Rhinokrura und Raphia im Süden bis zum Karmelgebirge im Nordwesten. Wichtig waren besonders die Seestädte. Für seine griechischen Untertanen ließ Alexander zuerst Münzen mit der griechischen Inschrift: »König Alexander« (Βασιλέως Αλεξάιδρου) prägen, mit einem Anker auf der einen Seite und auf der anderen mit hebräischen Buchstaben: »Jonathan, der König« (Jehonathan ha-Melech). Seine Münzen aus früherer Zeit dagegen hatten nur die Inschrift: »Der Hohepriester Jonathan und das Gemeinwesen der Judäer«, wie die seiner Vorgänger46. Nach dreijährigem Feldzuge jenseits des Jordans (83 bis 80) kehrte er nach Jerusalem [132] zurück und wurde vom Volke als Sieger begrüßt47. Er hatte seine Untaten zum Teil vergessen gemacht. In der oberen Jordan-Gegend diesseits auf einem von allen Seiten freien Berge Sart@ba hatte er eine starke Festung anlegen lassen, die seinen Namen führte: Alexandrion, und auch jenseits des Jordans sicherte er die Eroberungen durch die starke Wehr Machärus (Machwar), in einer sehr günstigen Lage auf einer steilen Höhe von allen Seiten durch Schluchten geschützt, in der Nähe des Toten Meeres48. Diese zwei Berg-Kastelle samt dem dritten Hyrkanion, welches Johann Hyrkan im Westen hatte anlegen lassen, waren durch Natur und Kunst so stark befestigt, daß sie als fast uneinnehmbar galten.

Noch im letzten Jahre seiner Regierung, obwohl er mehrere Jahre an einem viertägigen Fieber litt, das er sich durch Trunk zugezogen haben soll, nahm er den Krieg gegen die noch uneroberten Festungen der transjordanischen Gegend wieder auf. Bei der Belagerung der Festung Ragaba (Argob) erkrankte er aber so schwer, daß er sich auf den Tod vorbereitete. Der Ernst der letzten Stunde ließ ihn seine Taten in einem andern Lichte erscheinen. Er sah jetzt mit Grauen ein, daß er ebenso unklug wie ungerecht gehandelt, die Pharisäerpartei zu verfolgen und dadurch sich das Volk zu entfremden, und empfahl daher der um ihrer Söhne Zukunft tief besorgten Königin, welche er als Regentin einsetzte, auf das dringendste, sich eng an die Pharisäer anzuschließen, sich mit Räten aus ihrer Mitte zu umgeben und nichts ohne deren Zustimmung zu unternehmen. Er schärfte ihr auch ein, seinen Tod den Kriegern so lange zu verheimlichen, bis die belagerte Festung gefallen sein würde, und dann seine Leiche den Pharisäern zu überlassen, damit sie nach Belieben ihre Rache an derselben befriedigen oder sie großmütig beerdigen sollten49. Doch ist diese Nachricht nicht ganz glaublich. Nach einer mehr verbürgten Quelle habe Alexander die Bekümmernis der Königin wegen des Parteihaders mit folgenden Worten zerstreut: »Fürchte weder die wahren Pharisäer, noch ihre aufrichtigen Gegner, sondern sei vor den Heuchlern beider Parteien (den Gefärbten, Unechten) auf deiner Hut, die, wenn sie Untaten wie der verbuhlte Stammesfürst Simri verübt, Lohn dafür erwarten, wie Pinehas, der Eiferer fürs Gesetz«50. Alexander starb im siebenundzwanzigsten [133] Regierungsjahre (79) und hinterließ zwei Söhne Hyrkan und Aristobul. Die Pharisäer setzten seinen Todestag ungroßmütig unter die freudigen Gedenktage51. Er hatte durch seine Untaten gegen die Pharisäer nicht bloß sich, sondern auch die Hasmonäerfamilie so verhaßt gemacht, daß die Bestimmung des Jahres in Urkunden nach dem Regierungsjahre des Hohenpriesters: »im Jahre des Hohenpriesters des höchsten Gottes« fortan aufgehoben wurde52.


Fußnoten

1 Josephus Altertümer XX, 10, 3; auch auf den Münzen führt er den Namen הדוהי.


2 Das. XIII, 11, 1.


3 Das. Vergl. Note 7.


4 Man hat bis jetzt etwa zehn Münzenexemplare gefunden, welche mehr oder weniger deutlich die Inschrift haben םידוהיה רבחו לודג ןהכ הדוהי. Vergl. Merzbacher, Untersuchungen A., S. 196. De Saulcy, welcher zuerst eine Kupfermünze mit der Inschrift Juda entdeckt hat, bezog sie auf Juda Makkabi. Es ist aber als Irrtum erkannt worden. Das Emblem auf Aristobuls Münzen ist auch ein Füllhorn.


5 Timagenes bei Strabo und Josephus das. XIII, 11, 3.


6 Josephus das. 11, 1.


7 Das. 11, 2.


8 Timagenes bei Josephus das. 11, 3.


9 Das. XIII, 11, 2-3.


10 Josephus Altert. das.


11 Das. 12, 1.


12 Das. Doch dieses Faktum ist aus Josephus Konfusion entstanden. Aristobuls Frau hieß Salome, und ebenso die Alexanders. Josephus hat sie identifiziert und auch die andere, des Ersteren Frau, Alexandra genannt, wie die des Letzteren, die später Alleinherrscherin wurde. Denn bei Alexanders Regierungsantritt 105 war er bereits mit Salome-Alexandra verheiratet und hatte bereits von ihr den ältesten Sohn, Hyrkan, geb. um 110. Denn dieser wurde hingerichtet im I. 30 und war schon 80 Jahre alt. Ebenso Madden, history of the jewish coinage, p. 71.


13 Jüd. Kriege I, 4, 1.


14 S. Note 13.


15 Josephus Altert. XIII, 13, 5; jüd. Kr. I, 4, 3.


16 Das. 12, 2-6.


17 Josephus Altert. XIII, 12, 4.


18 Josephus das. 12, 4-5: πειράσας δὲ καὶ Σεπφώριν μικρὸν ἄποϑεν τῆς πεπορϑƞμένƞς. Tosefta Sabbat c. XIV, 9: ein Brand ist ausgebrochen in ןיחיש und die Soldaten der ירופיצבש הרטצק kamen ihn zu löschen. Auch b. Sabbat p. 121 a und jerus. z. St. und Parallelen. Daraus folgt, da Asochis ebenfalls nahe bei Sepphoris lag, die Identität von ןיחיש und Ἀσοχίς.

19 Jos. das. 12, 5-6; 13, 1.


20 Das. 13, 1.


21 Das. 13, 2.


22 Das.


23 Nach einer Quelle identisch mit Zaphon (Asophon) Jerus. Schebiit 9, 1 p. 38 d.


24 Josephus Altert. XIII, 13, 3.


25 Note 13.


26 Note 1, No. 16.


27 Josephus Altertümer XIII, 13, 5. Vergl. Note 13.


28 Jos. das.


29 Josephus das. 13, 5.


30 Josephus das.


31 Das. 14, 1-2.


32 Vielleicht Kephar-Ithome; nach einer anderen L.-A. Be-Meselis; jüd. Krieg I, 4, 6. [Eine Vermutung Furrers s. bei Schürer I3, 282.]


33 Jos. das. 14, 2.


34 Das. die Benennung: ὤστ? ... ἐπικλƞϑῆναι αὐτὸν ὑπὸ τῶν Ἰουδαίων Θρακίδαν, scheint eine andere Bedeutung zu haben als Thrazier, vielleicht von קרט »schlagen«.


35 Das. 13, 5.


36 Jüd. Krieg I, 4, 4.


37 S. Note 1, Nr. 33.


38 Jerus. Chagiga II, 2, p. 77 d.


39 Das. Baba-Mezia II, 5, p. 8 c. Deuteron. Rabba c. 3.


40 Josephus Altert. XIII, 15, 1. Hier ist angegeben, daß Antiochos direkt Judäa bekämpft habe, dagegen in jüd. Krieg I, 4, 7, wohl richtiger, er habe einen Zug gegen Aretas unternehmen wollen, und Alexander habe ihm Hindernisse entgegengestellt. Die L.-A. Χαβαρζαβὰ ist nicht richtig, sondern mit σ, wie einige Codd. haben, und auch Altert. XVI, 5, 2 in der Edition Χαφαρσαβά. Im Talmud lautet der Name ebenfalls אבס-רפכ. [Niese hat »Χαβερσαβᾶ« in den Text aufgenommen.]


41 Vergl. über Aretas Philhellen oder וטבנ ךלמ תתרח und die von ihm geprägten Münzen die Abhandlung des Herzogs de Luynes Revue numismatique 1858, p. 292 fg. und des Grafen de Vogüé das. 1868, p. 157 fg. Wenn der Letztere angibt, daß Aretas von 95 bis 50 regiert haben müsse, so hat er Josephus Angabe gegen sich. Denn dieser nennt den arabischen König, welcher Alexander durch einen Hinterhalt eine Niederlage beigebracht Ὀβέδας oder Ὀβόδƞς (Altert. XIII, 13, 5; jüdischer Krieg I, 4, 4) und zwar geschah dieses nach dem Tode der beiden syrischen Gegenkönige Grypos und Kyzikenos, d.h. nach 95. Damals kann also dieser Aretas noch nicht regiert haben. Jos. nennt zwar (Altert. das. 13, 3) einen König der Araber, welcher den Gazäern Hilfe versprochen. Dieser muß aber Obodes Vorgänger gewesen sein. Übrigens spricht auch Justin von diesem Aretas Philhellen (39, 5): Arabum rex Erotimus (l. Aretas) fiducia 70 filiorum ... divisis exercitibus, nunc Aegyptum nunc Syriam infestavit, magnumque nomen Arabum ... fecerat. [Das Richtige, daß im Texte Aretas III. gemeint sei, hat hier wohl SchürerI3, S. 732 f.]


42 Joseph. Altert. XIII, 15, 2.


43 Aus Appians Zeugnis (de rebb. Syr. 48. 70) und aus Justin 40, 1 geht hervor, daß Tigranes eine Reihe von Jahren König von Syrien war. Über die Ausgleichung der Data vergl. Clinton fasti hell. III, p. 348. Dann muß er Aretas verdrängt haben. Der Anfang fällt ins Jahr 83, und gerade in diese Zeit, drei Jahre und darüber vor Alexanders Tod, fallen seine Eroberungen in Peräa und Gaulanitis. Alexander muß sie also mit Tigranes Erlaubnis gemacht haben. Aus Joseph. Altert. XIV, 1, 4 geht hervor, daß 12 Städte in Peräa, die Alexander erobert hatte, den Arabern, d.h. Aretas, gehört hatten. Er hat demnach gegen Aretas Krieg geführt.


44 Jos. jüd. Krieg 1, 4, 8; Altert. XIII, 15, 3; statt Ἔσσαν muß gelesen werden Γέρασαν, wie an erster Stelle. Über Gaulanitis vergl. jüd. Krieg IV, 1, 1.


45 Jos. Altert. das. 15, 4.


46 Vergl. Madden, history of jewish coinage, p. 65 fg. Numism. Orient II, 85 f., Merzbacher, Untersuchungen über althebr. Münzen, S. 197 fg.


47 Jos. Altert. das. 15, 3.


48 Über die Lage von Alexandrion auf dem Berge אבטרס (jetzt Karn-Sartabe) Monatsschrift 1880, 14 [vgl. Guthe, a.a.O., S. 181], und über die von Machärus, hebr. רוכמ ירה , Jos. jüd. Kr. VII, 6, 2-3 [das. S. 268]. Über ךלמה רה und אכלמ רוט Monatsschr. das. S. 17.


49 Jos. Altert. XIII, 15, 5.


50 Sota p. 22 b. Irrtümlich bezieht Derenburg die Nachricht in Sopherim I, 9, von der Vergoldung der Gottesnamen in einem Pentateuch auf Alexander (Essai sur l'histoire de la Palestine p. 101). Alexander wird im Talmud niemals mit seinem griechischen Namen genannt, sondern stets יאני. Massechet Sepher Thora ed. Kirchheim I, 10 hätte ihn über das Richtige belehren können. Dort lautet die Stelle: ןתרותב השעמ בהזב םיבותכ םהיתורכזא לכ ויהש םיירדנסכלא לש. Alexandriner also und nicht Alexander Schürer hat sich zum selben Irrtum verleiten lassen.


51 S. Note 1, Nr. 21 und 25.


52 Vergl. Note 1, 28. Josephus läßt Alexander im 49. Lebensjahre sterben (Altert. XIII, 15, 2). Er wäre geboren 128 ante, was aber nicht recht damit stimmt, daß er bereits vor 110 einen Sohn hatte (o. S. 122). Er müßte ihn dann vor dem 18ten Jahre gezeugt haben. Jedenfalls steht im Widerspruche damit, daß seine Frau Salome Alexandra 73 Jahre alt geworden sei (das. 16, 5), denn sie wäre dann 148 [142!] geboren, und also 20 [14!] Jahre älter als ihr Mann gewesen. Eine oder die andere Zahl ist jedenfalls [?] falsch.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1905, Band 3.1, S. 135.
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