20. Kapitel. (320-363.)

[319] Exilarchat Mar-Ukban, Mar-Huna und Abba-Mari. Babylonische Amoräer: Rabba bar Nachmani, R. Joseph, Abaji in Pumbadita, Raba in Machuza Verfall der suranischen Metibta. Höchste Entwicklung der talmudischen Dialektik. Die persische Königin Ifra und ihr Sohn Schabur II. R. Papa, Gründer einer neuen Metibta in Nares.


Jener Druck, der die Palästinenser traf und die Veranlassung zu Hillels Kalenderordnung war, vermehrte die Bedeutsamkeit und den Einfluß Babyloniens, und wenn das Christentum sich rühmen konnte, in den Lehrstätten in Judäa gleichsam den Lehrtempel, den Vertreter des Opfertempels, aufgelöst zu haben, so war diese Auflösung nur eine örtliche. Denn in Babylonien nahm das Gesetzesstudium einen solchen Aufschwung, daß es die ältere Zeit fast verdunkelte; es feierte seine Zeit der Reife. Die zwei Richtungen, die sich überhaupt in der Lehrart der Traditionen entwickelt haben, die der zuverlässigen Aufnahme, treuen Weiterlieferung und die der fruchtbaren Anwendung und Weiterförderung, waren in Babylonien in den zwei Hochschulen vertreten. Sura war die rezipierende, Pumbadita die schöpferische Metibta. Sura kann überhaupt nur als die Fortsetzung der judäischen Lehrhäuser, gewissermaßen als das babylonische Tiberias, betrachtet werden, und wenn auch der Geist, der in Sura waltette, durch die babylonische Eigentümlichkeit verschieden war, so förderte doch die suranische Schule die Studien nicht merklich weiter. Zur höchsten Höhe brachte sie erst Pumbadita. Die Scharfsinnigen Pumbaditas (Charife de Pumbadita), aus R. Judas Schule hervorgegangen, führten in diesem Zeitalter die Hegemonie über Babylonien und die davon abhängigen Länder. Die Träger und Vertreter dieser Richtung bildeten das Triumvirat Rabba und seine Jüngergenossen Abaji und Raba. Diese drei vollendeten den völligen Ausbau des Talmuds, oder richtiger sie erhoben das Halachastudium zur geistreichen Dialektik, und wiewohl sie nicht Schöpfer derselben waren, so [319] ist die konsequente Benutzung und Verwendung derselben nach allen Seiten hin ihre Eigenart.

Rabba bar Nachmani (geb. um 270, gest. 330)1 hatte, wie die Familie, der er angehörte, etwas Originelles. Er stammte aus Judäa und zwar aus einer galiläischen Stadt Mamal oder Mamala, deren Einwohner größtenteils Ahroniden aus dem Hause Eli waren und, wie sie behaupteten, noch an dem Fluche dieses Hauses litten, kein hohes Alter erreichen zu können. Wer nach Mamala kam, war über die vielen Schwarzköpfe verwundert, die er da antraf, während ein Graukopf zu den Seltenheiten gehörte.2 – Rabba hatte drei Brüder mit Namen Kajlil, Uschaja und Chananja, welche sämtlich in großer Dürftigkeit lebten, und auch dieses Mißgeschick schrieben sie dem auf dem Hause Eli ruhenden Fluche zu. Uschaja der Jüngere und Chananja, die nach Judäa zurückgekehrt waren, nährten sich kümmerlich von Schuhmacherarbeit, welche sie aus Mangel an Kundschaft an Buhldirnen zu liefern genötigt waren. Trotzdem blieb ihr Sinn so rein und keusch, daß man ihnen nicht einmal einen unerlaubten Blick nachsagen konnte, und sie wurden infolgedessen als »Heilige des Landes Israel« hochverehrt.3 Diese zwei Brüder verlegten sich auf die Agada, das Lieblingsstudium in Judäa, und auf die Pflege einer Art Mystik, ohne der Weihen teilhaftig zu werden,4 während ihr nüchterner Bruder Rabba, der von Jugend an viel Geistesschärfe gezeigt, mehr Vorliebe für die Halacha hatte, und auf diesem Gebiete epochemachend wurde. Weil derselbe in Babylonien zurückgeblieben war, konnten sich seine Brüder über sein Los nicht beruhigen und bemühten sich, ihn nach Judäa zu locken. »Es ist nicht gleichgiltig«, ließen sie ihm sagen, »ob man in oder außer Judäa stirbt, wie ja auch der Erzvater Jakob Wert darauf legte, im heiligen Lande begraben zu sein. Wenn du auch weise bist, so ist es immer besser, einen Lehrer zu haben, als sich selbst auszubilden. Wenn du uns einwendest, du kennest keinen Lehrer von Bedeutung in den judäischen Lehrhäusern, so wisse, daß du wohl hier einen solchen finden wirst«.5 Infolge dieser dringenden Aufforderung wanderte Rabba, dem Grundsatze seines Lehrers R. Juda zuwider, nach Judäa aus. Nach einiger Zeit kehrte er indes wieder nach Babylonien zurück6 – vermutlich [320] weil sein Geist von der judäischen Lehrweise sich unbefriedigt fühlte – als R. Huna und R. Chasda noch lehrten (vor 293), und wurde ihr Zuhörer. – Rabbas zeitliche Verhältnisse werden als sehr traurig und als Gegenstück zu dem ungetrübten Glücke R. Chasdas geschildert. Aber höchst übertrieben ist die Schilderung von seiner Armut jedenfalls, die so erschreckend gewesen sein soll, daß seine Familie kaum Gerstenbrot zur Nahrung hatte, während in R. Chasdas Haus die Hunde mit Weizenmehl gefüttert wurden. Auch die Unglücksfälle, die ihn betroffen haben sollen, und sein kurze Lebensdauer (nur vierzig Jahre) scheinen übertrieben und des Gegensatzes wegen zu R. Chasdas hohem Glücke sagenhaft aufgestellt worden zu sein; denn unbestreitbar ist es, daß er keineswegs so sehr jung gestorben ist.7

Nach dem Tode seines Lehrers R. Juda (299) hielt das aus Liebhabern der Dialektik bestehende pumbaditanische Kollegium Rabba allein für würdig, die in der Metibta entstandene Leere auszufüllen, und übertrug ihm die Würde, Nachfolger R. Judas zu werden, die er jedoch aus Bescheidenheit ablehnte. Man besetzte die erledigte Stelle durch R. Huna ben Chija,8 dessen Reichtum so groß war, daß er für die Zuhörer in der Lehrversammlung vergoldete Sitze lieferte. Noch zählte die pumbaditanische Hochschule 400 Zuhörer, obwohl sich der größte Teil der Jünger nach Sura gewendet hatte. Auch Rabba und sein Freund R. Joseph beteiligten sich an der heimischen Hochschule mit Unterordnung unter ihr derzeitiges Oberhaupt, um ihr eben erlangtes Ansehen nicht schwinden zu lassen. Als man jedoch erfuhr, woher der Reichtum des R. Huna ben Chija stammte, daß er ihn von der Zollpacht gewonnen hatte, gab man ihm zu verstehen, die Lehrwürde nicht durch den gehässigen Erwerb zu schänden, sondern das eine oder das andere zu lassen. Nachdem derselbe die Zollpacht aufgegeben, erkannte ihn das Kollegium nach Rabbas Beispiel als würdigen Resch-Metibta an; nur der strengere R. Joseph zog sich von diesem Kreise zurück.9 Indessen drohte die pumbaditanische Metibta durch den nicht ganz makellosen Ruf ihres Oberhauptes in Verfall zu geraten; daher beeilte sie sich nach dem Tode dieses R. Huna, um sich Teilnehmer und Hörer zu verschaffen, eine bessere Wahl zu treffen. Zwei schienen dafür würdig: Rabba bar Nachmani und R. Joseph ben Chija, der eine Vertreter der talmudischen Dialektik, der andere Pfleger der halachischen Gelehrsamkeit. Die Wahl zwischen beiden war schwer, man wandte sich [321] daher nach Judäa um Rat und stellte die Frage: »Wem gebührt der Vorzug, dem Sinaï (Mann des Wissens), oder dem Bergeversetzer (Mann des Scharfsinns)?« In Tiberias, wo die scharfsinnige Lehrweise, wenn nicht verhaßt, doch mindestens nicht beliebt war, entschied man sich für den ersteren.10 Allein R. Joseph hatte eigene Bedenklichkeiten gegen die Annahme der Resch-Metibtawürde. Ein Chaldäer hatte ihm die Nativität gestellt, er werde zwar zu hohem Ansehen gelangen, aber sich darin nur zwei Jahre und sechs Monate behaupten können und dann sterben.11 Trotz der gesetzlichen Verbote, auf die Chaldäerweisheit zu hören, konnten sich die angesehensten Gesetzeslehrer ihrem Einflusse nicht entziehen: das tägliche Beispiel war mächtiger als das Gesetz. Da R. Joseph die Würde ablehnte, so wurde sie auf Rabba übertragen (309), und in ihm fand die pumbaditanische Hochschule ihr Ideal.

Rabba erhob ihren erloschenen Glanz von neuem und zog eine Menge Zuhörer heran, die sich zuweilen auf 1200 belief. Er beschränkte seine Vorträge nicht bloß wie R. Juda auf den praktischen Teil des Talmuds, sondern erläuterte sämtliche Teile der Mischna, suchte alle Widersprüche zwischen der Mischna, den Boraitas und den Zusätzen der amoräischen Autoritäten (Memra) auszugleichen und überhaupt Klarheit in das Halachastudium zu bringen. Selbst dem ganz entlegenen Lehrstoff über die levitischen Reinheitsgesetze wandte er seine Aufmerksamkeit zu und machte ihn dem Verständnis zugänglich, stand aber mit diesen dem Leben entschwundenen Studien ganz allein, worüber er sich beklagte: »Ich stehe allein,« sprach er, »in der Kenntnis der Lehre vom Aussatze, allein in der Lehre von Verunreinigung der Häuser«.12 Eigentümlich war ihm, tiefer auf die Motive der Gesetze, sowohl der sopherischen und mischnaitischen, wie der pentateuchischen, einzugehen und daraus Konsequenzen zu ziehen. Seine Einleitungsformeln für solche Untersuchungen lauteten: »Warum hat das Gesetz dieses bestimmt?« oder »Warum haben die Gesetzeslehrer dieses oder jenes verboten?« Durch geistreiche Auffassung und Erläuterung der Themata wußte er sie lebendig, und durch die Abwechselung, die er dem trockenen Gegenstande durch Einflechtung agadischer Sentenzen verlieh, interessant und fesselnd zu machen. Zuweilen unterhielt er die Zuhörer vor dem Beginn des Vortrages mit interessanten Anekdoten und wenn er sie in heitere Stimmung versetzt glaubte, begann er das Ernste und Geistanstrengende zu behandeln. Sein leitender Grundsatz dabei war, die Seele müsse für [322] die Aufnahme ernster Gedanken empfänglich gemacht werden, und die Empfänglichkeit werde durch Heiterkeit geweckt. Oft stellte Rabba verfängliche Fragen oder teilte paradoxe Halachas mit, um das Urteil seiner Zuhörer zu prüfen und ihren Verstand zu schärfen. Rabba hat unter den Amoräern dieselbe Bedeutung, wie R. Akiba unter den Tannaiten; er brachte das Einzelne und Abgerissene unter allgemeine Gesichtspunkte. Er genoß daher unter den Gesetzeslehrern eine Verehrung, welche derjenigen gleichkam, die sie für den Schöpfer des babylonisch-jüdischen Lebens hegten. Allein eben so sehr, wie er in diesem Kreise beliebt war, eben so mißliebig war er beim pumbaditanischen Volke. Seine Landsleute verziehen dem strengen Sittenrichter nicht die scharfen, züchtigenden Worte, mit denen seine Gradheit und sein sittlicher Ernst gegen ihre Kniffe und Betrügereien ankämpfte.13 Als Rabba einst zur Zeit der Dürre öffentliches Fasten und Gebet veranstaltet hatte, ohne daß sich Regen einstellte, sprach er rügend zur Menge: »Nicht weil wir Volksführer schlimmer sind, als zur Zeit R. Judas, und nicht weil wir das Gesetzesstudium weniger pflegen, versagt uns der Himmel unsere Wünsche. Aber was können die Vertreter dafür, wenn das Geschlecht entartet ist?«14

Wegen seiner dürftigen Verhältnisse scheint Rabba und ein anderer Amora R. Ada Hausgelehrter (Chacham) des derzeitigen Exilsfürsten Mar-Ukban gewesen und von demselben unterhalten worden zu sein.15 Während die suranischen Schulhäupter begütert waren, die Kosten des Lehrhauses selbst trugen und öfter auch eine große Jüngerzahl auf eigene Kosten verpflegten, waren die pumbaditanischen größtenteils wenig bemittelt. Dieser Umstand machte in Pumbadita eine Lehrhauskasse (Schipura) nötig, zu welcher wohl die Gemeinden und Exilarchen beisteuerten.16 Mar-Ukban oder Rabbana-Ukban, mit dem Zunamen Dezizuta, ist der erste Exilarch, welcher im Namen Samuels halachische Traditionen, und zwar an Rabba, mitgeteilt hat.17 Er war der Sohn des Exilsfürsten Nehemia und also ein Urenkel Rabs.

Mar-Ukban wird daher mehr als sein Vorgänger rühmend genannt. Eine Jugendsünde scheint indessen auf ihm gelastet zu haben, denn er wird unter die Reuigen gezählt, welche bei Gott wohlgefälliger seien, als die ganzen Sündenfreien.18 Von welcher Art diese Sünde [323] gewesen, war den Späteren nicht mehr bekannt. Die einen erzählen, Mar-Ukban habe in der Jugend der Eitelkeit gefröhnt und sein Haar gekräuselt, wofür er im reifern Alter Buße getan. Andere, Mar-Ukban habe eine Ehefrau leidenschaftlich geliebt und sei dadurch in eine unheilbare Krankheit gefallen; als aber die Frau seiner Leidenschaft einst wegen einer Gefälligkeit zu ihm gekommen war und er gerade in der Lage war, seine Leidenschaft zu befriedigen, habe seine Sittlichkeit den Sieg errungen. Die Sage fügt hinzu, daß man seit der Zeit einen Glorienschein um sein Haupt habe glänzen sehen und er deswegen Dezizuta (der Strahlende) genannt worden sei. Indessen wird diese Verherrlichung so verschiedenen Personen beigelegt,19 daß es von selbst einleuchtet, es sei dies weiter nichts als ein dichterischer Mythus, um den Sieg der Keuschheit über die brennende Leidenschaft recht anschaulich zu machen (der Name Dezizuta, welcher der Sage den Stoff gegeben, scheint von einem Orte abgeleitet). Mar-Ukban ließ sich, wie ein Exilarch vor ihm, nach seinem Tode nach Judäa bringen, um in heiliger Erde begraben zu sein.20.

Unter diesem Exilsfürsten erlitten die babylonischen Juden eine Anfechtung, die zwar im Vergleiche zu der im römischen Reiche vorgefallenen unbedeutend und vorübergehend, die aber doch geeignet war, die Betroffenen aus ihrer tiefen Sicherheit zu stören. Unter dem neuen Sassanidenkönig, dem lange regierenden Schabur II., (303-380), der noch im Mutterleibe die Herrscherhuldigung empfangen, trübte sich das freundliche Verhältnis des persischen Hofes zu den Juden, und sie wären vielleicht ebenso hart wie die Christen verfolgt worden, wenn nicht seine Mutter Ifra für Juden und Judentum eingenommen gewesen wäre. Es wird kurzweg berichtet, eine Kriegsschar sei in Pumbadita eingerückt, worauf sich Rabba und R. Joseph durch die Flucht gerettet haben.21 Gegen Rabba wurde eine schwere Anklage erhoben, indem dem Könige oder seinen Räten hinterbracht wurde, daß durch dessen Vorträge an den Kallamonaten seine 1200 Zuhörer sich der Kopfsteuer (Charaǵ) entziehen. Ein königlicher Häscher (Firisteki) wurde darauf ausgeschickt, sich des Schulhauptes von Pumbadita zu bemächtigen. Vorher gewarnt, entfloh Rabba und irrte, um unentdeckt zu bleiben, in der Gegend von Pumbadita umher. In Agma setzte er sich auf einen Baumstamm, und die Beschäftigung mit dem Gesetze schützte ihn vor Verzweiflung und Gedanken des Selbstmordes; dieses will die poetische [324] Sage mit den Worten andeuten: »Solange er in das Gesetz vertieft war, wagte der Todesengel sich nicht an ihn heran.« Da rauschte ein heftiger Wind in den Binsen, welches Geräusch der Flüchtling für das Anrücken einer bewaffneten Schar hielt, die ausgesendet sei auf ihn zu fahnden, und die Furcht vor den Häschern soll ihn ums Leben gebracht haben. In Pumbadita erfuhr man vom Tode Rabbas, wie die Sage will, durch ein Schreiben, das vom Himmel gefallen war, worauf sich seine vorzüglichsten Jünger Abaja, Raba und die übrigen Mitglieder der Hochschule Mühe gaben, seine Leiche zu suchen. Nach langem Suchen fanden sie sie von Vögeln beschattet und verhüllt; sie hielten eine siebentägige Trauer um den hochverehrten Amora (330).22 Die Anklage, durch deren Veranlassung Rabba sein Leben verlor, scheint aber keine weiteren Folgen gehabt zu haben. Die Königin-Mutter Ifra schickte sogar einen Beutel voll Denare an seinen Nachfolger und überließ es ihm, den besten und frömmsten Gebrauch davon zu machen; er löste damit jüdische Gefangene ein.23

Rabbas Nachfolger war sein Freund R. Joseph ben Chija (geb. um 270, gest. 333). Er war kränklich, empfindlich und dadurch von heftiger Gemütsart. Diese seine Fehler kannte er selbst und klagte. daß er deswegen seines Lebens nicht froh werden könnte.24 Er scheint sehr begütert gewesen zu sein, besaß Äcker, Palmbäume, Weingärten, die er besser als andere pflegte und aus denen er daher bessern Wein als andere zog.25 Als er sein Augenlicht verlor, grämte er sich weniger über die Blindheit, als darüber, daß er dadurch von mancher gesetzlichen Pflicht entbunden sei, weil sein Verdienst geschmälert sei, wenn er jetzt das freiwillig täte, wozu er vor seinem Erblinden durch die gesetzliche Vorschrift verpflichtet war.26 R. Joseph war eine Ausnahme unter den pumbaditanischen Schulhäuptern, insofern er mehr auf gedächtnismäßige Kenntnis der Mischna und Boraitas gab, als auf scharfsinnige Folgerungen. Man legte ihm daher den Ehrentitel »Sinaï« und »Speicherbesitzer« bei.27 Außer dem Halachastudium beschäftigte er sich mit dem Targum oder der chaldäischen Übersetzung der heiligen Schrift. Die Thora und wahrscheinlich auch einzelne Stücke aus den Propheten, waren zwar längst zum Gebrauch für die öffentliche Vorlesung (Haftara) ins Aramäische übertragen, sowohl in der syrischen, wie in der chaldäischen [325] Mundart. Die chaldäische Übersetzung der Thora, wahrscheinlich nach der beliebten griechischen Übersetzung des Akylas angelegt, führt den Namen Targum Onkelos; die syrische zum Gebrauch für die Syrisch redenden Juden in Mesopotamien und Syrien hieß Peschitho (die einfache). Aber der größte Teil der Propheten war nicht verdolmetscht, und R. Joseph war es, der die chaldäische Übersetzung derselben vervollständigte.28 Einige glauben, daß es ein Werk der Frömmigkeit gewesen, weil er wegen seiner Blindheit am Lesen verhindert war und wegen des Verbotes, das Geschriebene mündlich vorzutragen, nicht auswendig rezitieren wollte, habe er zunächst für sich die Propheten übersetzt, um die nötigen Stellen chaldäisch anzuführen. R. Josephs Übersetzung ist in die Targumsammlung aufgenommen worden und galt als entscheidende Autorität für zweifelhafte Worterklärungen. – Als Schulhaupt war er äußerst streng in Handhabung der Disziplin; einen seiner Zuhörer, Nathan bar Assa, ließ er geißeln, weil er am zweiten Feiertag eine Fußwanderung vom Lehrhause nach Pumbadita gemacht hatte. Die wenigen Jahre seines Amtes wurden ihm vielfach verkümmert. Er verfiel in eine schwere Krankheit, büßte dabei sein Gedächtnis ein und mußte daher von seinen Zuhörern oft daran erinnert werden, daß er selbst ihnen früher einmal dasjenige überliefert habe, was er gerade in Abrede stellte. Schonend machten sie ihn auf seine Ungereimtheiten aufmerksam, und er, empfindlich wie er war, betrachtete die Erinnerungen als Geringschätzung und beklagte sich darüber: »Habet Nachsicht,« sprach er, »mit einem Greise, der sein Erlerntes durch Unglück vergessen hat, und vergesset nicht, daß die Bruchstücke der ersten Gesetzestafeln neben den ganzen Gesetzestafeln aufbewahrt wurden«.29 R. Josephs mißliches Geschick kann als Typus für den Mangel der gedächtnismäßigen Lehrweise gelten. Sie speicherte Schätze von Wissen und Überlieferungen auf, überwachte peinlich wie der Geiz jedes Atom ihrer Schätze, jeden gedankenmäßigen Einfluß zurückweisend, als wenn er ihre spiegelnde Lauterkeit trüben könnte; aber an einem unglücklichen Tage verliert sie all ihr mühsam Gesammeltes, ihr Gedächtnis erlischt und sie besitzt kein Mittel, das Verlorene wieder zu erlangen. Auch die suranische Schule, die die gedächtnismäßige Lehrweise betrieb, verfiel, weil sie das Element zur Weiterbeförderung der Lehre nicht genug benutzte. Nach R. Chasdas Tod stand ihr R. Hunas Sohn Rabba oder Rab Abba dreizehn Jahre (309-322) vor; aber die lernbegierige Jugend fühlte sich mehr von dem aufgehenden Gestirn [326] der pumbaditanischen Metibta angezogen. Es ist daher von Rabba nichts weiter als seine Bescheidenheit im Andenken geblieben. Er starb gleichzeitig mit R. Hamnuna, der in Charta di Argas ein Lehrhaus geleitet hatte. Beider Leichen führte man nach Judäa. – Nach Rabba bar Huna stand die suranische Schule verweist und wurde erst ein halbes Jahrhundert später wieder besetzt, von welcher Zeit an sie einen neuen Aufschwung nahm.

Nach R. Josephs Tod war das Kollegium wegen der Wahl seines Nachfolgers in Verlegenheit. Vier schienen würdig dafür, weil sie in gleichem Ansehen standen, Abaji, Raba, R. Seïra II. und Rabba bar Matana. Sie entschieden unter sich, demjenigen ihre Stimme zu geben, der über eine aufgeworfene Frage eine so treffende Bemerkung machen würde, daß gegen sie keine Einwendung vorgebracht werden könnte. Abaji trug in diesem Geistesturnier den Sieg davon und wurde zum Resch-Metibta gewählt. Abaji, mit dem Beinamen Nachmani30 (geb. um 280, gest. 338), war elternlos; sein Vater Kajlil starb vor seiner Geburt, seine Mutter kurz darauf. Eine Erzieherin ersetzte ihm die Mutter, und Rabba, der scharfsinnige Amora von Pumbadita, den Vater. Mit Dankbarkeit und Rührung sprach er später von seiner Pflegemutter und teilte in ihrem Namen verschiedene Heilmittel mit, welche teils auf Erfahrung beruhten, teils in dem Aberglauben des Landes wurzelten. Seinem Oheim Rabba verdankte Abaji die Gesetzeskunde und die Gewandtheit in der talmudischen Dialektik. Abaji sowohl, wie sein Zwillingsamora Raba erweckten schon in der Jugend große Erwartungen; man sagte von ihnen: »Was eine Melone werden soll, zeigt sich in der Knospe.« Abaji scheint nur ein mäßiges Vermögen besessen zu haben, so daß auf seine Tafel kein Wein kam,31 obwohl dieses Getränk in Babylonien heimisch war und für den Weinhandel ein Marktplatz in Sul-Schafat bestand.32 Doch hatte er einen eigenen Acker, wie die meisten babylonischen Gesetzeslehrer, welchen er durch einen Freigärtner bearbeiten ließ. Sein Charakter war sanft, nachgiebig und er bewährte ihn im Umgange mit den verschiedenen Klassen der Gesellschaft. Sein Wahlspruch war: »Der Mensch sei klug in der Gottesfurcht, seine Sprache sei milde, zornversöhnend, er halte Frieden mit Brüdern, Verwandten, mit aller Welt, selbst mit den Heiden draußen, damit [327] er überall geliebt, geachtet und einflußreich bei den Menschen sei.«33 In dieser Zeit war Gesinnung, Wort und Tat noch ein und dasselbe. Seine Rechtlichkeit war selbst bei den in Babylonien wohnenden Samaritanern anerkannt. Als ihm einst ein Esel abhanden gekommen war, den Samaritaner aufgefangen, brachten sie ihn dem Abaji zurück, obwohl er kein spezielles Kennzeichen anzugeben imstande war. »Wärst du nicht Nachmani,« ließen sie ihm sagen, »so hätten wir auch auf ein Merkzeichen nichts gegeben.«34 Unter Abajis Leitung der pumbaditanischen Metibta (333-338) verlor sich die Zuhörerzahl bis auf 200, und er nannte sich deswegen in Erinnerung an die Zuhörermenge zur Zeit Rabs und R. Hunas, seiner Vorgänger »eine Waise von Waisen.«35 Es hatte nicht die Teilnahme und die Lust am Studium abgenommen, sondern Abaji hatte einen Nebenbuhler an Raba, der ein eigenes Lehrhaus in Machuza gegründet und viele Zuhörer angezogen hatte. Beide erreichten den Höhepunkt der pumbaditanischen Lehrweise. Auf Fragen, die durch Rabba und R. Joseph nicht erledigt waren, fanden sie, an Geist und Scharfsinn wetteifernd, die Lösung.

Aus Mangel an Diskussionsstoffen, weil der überkommene Traditionsstoff bereits erschöpft und nach allen Seiten hin erläutert war, warfen sie neue Themata auf, die sie mit Hilfe bereits anerkannter Formeln lösten. Unter anderem behandelten sie die Frage: Wenn ein Zeuge der falschen Aussage geziehen und dadurch zur ferneren Zeugenschaft untauglich geworden ist, beginnt dann diese Untauglichkeit bereits von dem Augenblick der falschen Aussage, oder erst vom Moment der Überführung? Praktische Folgen sollte diese Frage haben, falls dieselben Zeugen in der Zwischenzeit einen Akt beglaubigt haben. Eine ähnliche Frage war: Wenn einem Schuldner, der seine Schuld nicht getilgt, die dafür haftenden Güter von Rechtswegen entzogen und dem Gläubiger zugefallen sind, ob jenes Recht des Gläubigers an diese erworbenen Güter schon mit dem Augenblick der Anleihe, oder erst mit dem Augenblick der Zahlungsunfähigkeit eintritt? Die praktische Wendung dieser Frage war: Ob der Gläubiger das Recht hat, in der Zwischenzeit über die Güter des Schuldners zu verfügen. Eine andere, mehr dogmatische Frage war: Ob eine vom Gesetz verbotene und trotzdem vollzogene Handlung als Tat zu betrachten, oder als null und nichtig anzusehen sei, was auf die Frage hinausläuft, ob die von der Thora verfügten Strafen dem tatsächlichen Vergehen oder dem [328] Ungehorsam gegen den Gesetzgeber gelten. Man unterschied bei Gesetzesübertretungen zwischen Frechheit, Leidenschaftlichkeit, Unachtsamkeit und Unwissenheit.36 Diese subtile talmudische Dialektik hat von Abaji und Raba, ihren Meistern, den Namen »Hawajot (tiefere Fragen) d'Abaji we Raba« erhalten.

Abaji fungierte nur etwa fünf (und nicht zwölf oder dreizehn) Jahre.37 Vor seinem Tode hörte er noch von den harten Verfolgungen, die seine Stammverwandten in Judäa unter Konstantius erduldeten. Die Flüchtlinge, die diese traurigen Nachrichten nach Babylonien brachten, führten auch neue Halachas aus R. Jochanans Kreise zu und frischten dadurch das wissenschaftliche Leben auf. Nachdem Abaji noch auf den Rat eines dieser Auswanderer, die wegen ihrer Schönheit zu ihrer Zeit berühmte, zweimal verwitwete Choma, eine Enkelin R. Judas, gegen das bestehende Omen geheiratet hatte,38 starb er im Mannesalter (338).

Nach seinem Tode wurde die Resch-Metibtawürde ohne weiteres, als wenn sich das von selbst verstände, auf Raba bar Joseph bar Chama aus Machuza übertragen (geb. 299, gest. 352). Raba war reich, geistvoll, scharfsinnig, hatte aber schwache Seiten, wodurch er seinen Mit-Amoräern nachstand, wie er sie durch Geistesschärfe überstrahlte. Er kannte sich selbst genau und schildert sich mit den Worten: »Von den drei Wünschen, die ich stets hegte, sind mir zwei in Erfüllung gegangen, der dritte aber blieb mir versagt; ich wünschte R. Hunas Wissen und R. Chasdas Reichtum und erlangte sie, aber die bescheidene Anspruchslosigkeit Rabba bar Hunas wurde mir nicht beschieden.« Obwohl hoch über seinen Landsleuten stehend, hatte er doch einen Anflug von dem Charakter der Machuzaner, war luxuriös, stolz, übermütig, schmeichelte aber seinen Landsleuten, obwohl sie in Babylonien nicht den besten Ruf hatten, mehr als gebührlich. Es lag ihm sehr am Herzen, ihre Gunst zu erlangen und zu erhalten. »Als ich,« erzählt er selbst, »Richter wurde, fürchtete ich, daß die Machuzaner mir ihre Anhänglichkeit entziehen würden, indessen da sie meine Unparteilichkeit im Rechtsprechen erkennen, müssen mich entweder alle hassen oder alle lieben.«39 Dieses Haschen nach Volksgunst auf Kosten der sittlichen Würde scheint Abaji an ihm gerügt zu haben: »Wenn ein Gesetzeslehrer,« sprach er, »bei seinen Mitbürgern allzusehr beliebt ist, so ist nicht sein höheres Verdienst die Ursache, sondern seine Nachsicht, weil er sie nicht auf ihre [329] Untugenden aufmerksam macht und sie nicht ernstlich zurechtweist.«40 – Die Machuzaner stammten, wie bereits angedeutet, zum großen Teile von Proselyten ab, darum scheuten sich die Adelsstolzen Babyloniens, Ehen mit ihnen einzugehen. Weil sie daher in Verlegenheit waren Frauen zu bekommen, gestattete ihnen R. Seïra II. in einem öffentlichen Vortrage, sich mit unehelich Geborenen zu verheiraten. Aber diese Erlaubnis, welche eine Herabsetzung für sie enthielt, verletzte den Stolz der Machuzaner so sehr, daß das Volk ihn beinahe mit den Festfrüchten – es war gerade am Hüttenfeste – gesteinigt hätte, wie es einst dem König Alexander Jannaï im Tempelvorhofe erging. Diesen Freimut R. Seïras konnte Raba nicht genug tadeln: »Wer wird auch eine so rücksichtslose Entscheidung in einer Gemeinde vorbringen, wo es so viele Proselytenabkömmlinge gibt!« Um die Volksgunst noch mehr zu gewinnen, bewies er im Gegensatze zu R. Seïra, daß Proselyten sogar Priestertöchter ehelichen dürfen, und diese Schmeichelei verfehlte nicht, die Machuzaner so sehr zu entzücken, daß sie ihn mit Seidenstoffen überhäuften. Später wollte Raba diese allzuausgedehnte Gleichstellung der Proselyten beschränken, weil sie in manchen Kreisen Mißfallen erregt haben mochte und fügte hinzu, daß sich Proselyten mit Bastardfamilien verschwägern dürften. Als aber dieser Zusatz Unzufriedenheit hervorrief, beschwichtigte er seine Landsleute mit den Worten: »Ich meine es ja nur gut mit euch, und lasse euch beide Seiten frei.«41

Ein anderer Fehler Rabas war, daß er, obwohl sehr bemittelt, vom Eigennutze nicht frei war und ihn bei manchen Gelegenheiten durchblicken ließ. Ein Proselyte, mit Namen Ißor in Machuza hatte bei Raba eine Summe von 12000 Sus (Denar)42 hinterlegt, um sie seinem Sohne, den er zum Gesetzesjünger heranbilden ließ, zu hinterlassen. Als Ißor erkrankte, spekulierte Raba darauf, dieses Geld als herrenloses Gut zu behalten, weil nach talmudischem Gesetz ein Proselyte sein Vermögen auf einen vor dem Übertritt zum Judentume erzeugten Sohn nicht vererben konnte. Der mit allen Falten des Gesetzes vertraute Resch-Metibta faßte alle möglichen Fälle ins Auge, um Ißors Verfügung über sein Vermögen zugunsten seines Sohnes zu vereiteln, und hatte sich sogar vorgenommen, wenn er zum Kranken gerufen werden sollte, nicht zu erscheinen, um durch seine Anwesenheit nicht zur Herausgabe des hinterlegten Vermögens [330] genötigt zu sein. Indessen hatte ein anderer Gesetzeskundiger dem besorgten Vater den Fingerzeig gegeben, wenn er verhindert wäre, seinem Sohne die hinterlegte Summe auf dem Wege des Testamentes zuzuwenden, so könne er es auf dem Wege des Eingeständnisses vor Zeugen tun. Über diesen heimlichen Rat war Raba sehr ungehalten und beklagte sich sogar über den Ratgeber, als wenn ihm dadurch ein rechtmäßig erworbenes Vermögen entzogen worden wäre. Rabas Handlungsweise verstieß noch dazu gegen eine anerkannte Halacha, welche denselben Fall bespricht und dahin lautet, daß man zwar rechtlich nicht verpflichtet sei, das von einem Heiden anvertraute Vermögen, über welches er nicht anderweitig verfügt hat, seinen Proselyten gewordenen Söhnen als Erbschaft zuzustellen, daß man aber gegen die höhere Sittlichkeit frevele, wenn man es ihnen vorenthalte.43 – Ein anderes Beispiel eigennützigen Handelns gab Raba, indem er von seinen Feldpächtern eine höhere Pacht nahm, als der Brauch in Babylonien war, was sogar den Schein des Zinsnehmens an sich trug; aber Raba entschuldigte sein Verfahren damit, daß er ihnen ja erlaube, die Halme auf seinen Feldern einen Monat länger stehen zu lassen.44 – Zuweilen zeigte er gegen Unbemittelte eine Härte, die mit den Lehren der Milde und des Erbarmens, welche die Halacha nicht minder als die Schrift einprägt, in grellstem Widerspruche stand. R. Papa, ein sehr angesehener Amoräer, hatte sich bei ihm über einige Mitglieder der Metibta darüber beklagt, daß sie sich allzu herzlos gegen Arme benähmen. Sie schössen ihnen nämlich Geld zum Charaǵ (Kopfsteuer) vor, ließen sie aber dafür wie Sklaven schwer arbeiten, was R. Papa zugleich als Härte und Zinsnahme erschien. Aber Raba hatte an diesem ungerechten Verfahren nichts auszusetzen, da es ja die königlichen Dekrete sanktionierten, daß diejenigen, welche keinen Charaǵ zahlen, den Zahlenden leibeigen sein müßten.45 Sein Bruder Saurim verfuhr noch herzloser. Er warf sich zum Sittenrichter auf und machte Arme, die ihm nicht religiös genug schienen, zu seinen Sklaven und ließ sich von ihnen in seiner vergoldeten Sänfte tragen. Auch daran hatte Raba nichts auszusetzen, und sanktionierte diese Willkür noch durch eine entlegene dahin lautende Boraïta, daß man Juden, die nicht nach dem Gesetze leben, als[331] Sklaven behandeln dürfe.46 In der Jugend hatte Raba seinen Vater von einer ähnlichen Härte zurückgebracht, aber nicht aus sittlichem Drange, sondern weil sie gegen eine Halacha verstieß. Er hatte nämlich an Arme Geld ausgeliehen, und zwar dem Gesetze gemäß ohne Zins; aber dafür fahndete er auf die Sklaven seiner Schuldner und ließ sich von ihnen bedienen. Diese Gewalttätigkeit rügte Raba, weil sie einen Schein von Zinsnahme habe, und brachte seinen Vater dahin, daß er eingestand, Unrecht getan zu haben.47

Überhaupt war in dieser Zeit unter den babylonischen Juden die Sitteneinfalt und die Biederkeit der früheren Zeit gesunken und hatte dem Luxus, der Eitelkeit und der Herrschsucht Platz gemacht. Manche Gesetzeslehrer rauschten in prachtvollen Gewändern einher und ließen sich in vergoldeten Sänften tragen.48 Sie fühlten sich nicht mehr eins mit dem Volke, aus dem sie hervorgegangen, sondern bildeten eine eigene Kaste, eine Patrizierklasse, welche ihre eigenen Interessen gegenseitig schützte und mit Stolz und Verachtung auf den niederen Teil des Volkes herabblickte. Raba selbst gestand, daß er, wenn er für einen Standesgenossen einen Rechtsfall zu entscheiden habe, keinen Schlaf finden könne, bis er das Recht auf dessen Seite herausgeklügelt.49 Brachte ein Mitglied der Metibta seine Ware zu Markt, so bekam er das Privilegium, zuerst zu verkaufen, damit er einen höheren Preis erzielen könne.50 Vor Gericht wurde der Prozeß eines Mitgliedes zuerst verhandelt. Von Abgaben, welche die Gemeinden in Pauschsummen zahlten, waren die Gesetzeslehrer befreit. Raba erlaubte den Genossen in Orten, wo man sie nicht kannte, sich als solche zu nennen, um Vorteile zu genießen.51 Welch ein Kontrast zu der früheren Zeit, wo es die Tannaiten scheuten, selbst auf Kosten ihrer Existenz, Nutzen von der Gesetzeskunde zu ziehen! Raba ging in Bevorzugung der Gesetzeskundigen am weitesten. Er erlaubte den Genossen, sich als Feueranbeter auszugeben, um vom Charaǵ befreit zu sein.52

Aus diesem Verhalten der Gelehrtenklasse entstand allmählich im Volke gegen diese eine Abneigung. Die Volksklasse sprach in verächtlichem Tone von ihr, »diese Gelehrten da.« In diesem Ausdruck muß so viel treffender Spott gelegen haben, daß die Gesetzeslehrer ihrerseits denjenigen für einen Ketzer (Epikuros) erklärten, der [332] sich eines solchen Ausdrucks bediene.53 Die Gelehrsamkeit fand daher keine Anerkennung mehr; man sagte sich: »Was nützen uns denn die Gelehrten, sie treiben die Gelehrsamkeit zu ihrem eigenen Nutzen.« An der Spitze der Opposition gegen die Rabbanan stand die Familie des Arztes Binjamin (oder Minjome) in Machuza, die bedeutendes Gewicht gehabt zu haben scheint, da Raba viel Rücksicht auf sie genommen hat. Diese Familie spöttelte: »Welchen Nutzen haben wir denn eigentlich von den Gesetzeslehrern? Sie können uns weder Raben erlauben, noch Tauben verbieten,« d.h. bei all ihrer Dialektik kommen sie nicht aus dem Kreis des Hergebrachten heraus.54 Obwohl Raba diese Äußerung des Binjamin Assia für ketzerisch erklärte, so findet man nicht, daß er ihn in den Bann getan hätte; im Gegenteil behandelte er ihn durchaus rücksichtsvoll, weil er wahrscheinlich zu dem Gefolge des Exilarchen gehörte.

Indessen hatte der Eifer für das Gesetzesstudium noch mehr zugenommen. Mehr noch als früher strömten die Jünger zu Rabas Lehrhaus in Machuza und vernachlässigten deswegen ihre weltlichen Angelegenheiten. Raba mußte sie vor dieser Übertreibung warnen: »Ich bitte euch, laßt euch nur nicht bei mir in den Frühlings- und Herbstmonaten sehen, damit ihr nicht, wenn ihr die Zeit der Ernte, der Wein- und Ölbereitung versäumt, das ganze Jahr von Nahrungssorgen gequält seid.«55 Beliebt waren seine Vorträge mehr noch als die Abajis wegen der Klarheit der Erläuterungen, der Schärfe der Unterscheidungen und der Rücksichtslosigkeit in der Behandlung des Traditionsstoffes.56 Boraïtas, deren Inhalt mit einem Widerspruch behaftet schien, erklärte er für unecht und meinte, man müsse in solchen Fällen sich nicht von der Autorität, sondern von dem Verstand leiten lassen.57 Raba zog daher die Auseinandersetzung zu den Mischnas der trocknen Mischna vor. Denn jene bot der Dialektik weiten Spielraum, während diese, einfach gefaßt, eine Gedächtnissache wurde. Raba stellte aus diesem Grunde die Amoräer über die Tannaiten;58 was diesen zweifelhaft war, das lösten jene, oder lösten es besser. Darum pflegte er zu sagen: »Ein Körnchen Pfeffer (Scharfsinn) ist besser als ein Korb Melonen.«59 [333] Im Gegensatze zu R. Seïra I., der, ein Feind der scharfsinnigen Lehrweise, die Einfachheit der Mischnas höher schätzte, stellte Raba auf: »Wer Steine bricht, beschädigt sich daran (Kohelet 9. 10.); damit sind die bloßen Kenner der Mischna abgefertigt, wer aber Holz spaltet, wärmt sich daran, das ist der Talmudkundige.«60 Der eigentliche Talmud, das anziehende Geistesspiel von scharfsinnigen Fragen, Antworten, Vergleichungen, Unterscheidungen, der hohe Gedankenflug, der von einem Punkte ausgehend, mit Blitzesschnelle die Stufenleiter der Schlußreihen durchmißt, diese dialektische Form des Talmuds ist das Produkt des dritten Amorageschlechtes. Die Vorgänger Rabbas, Abajis und Rabas waren mehr oder weniger Amoräer im ursprünglichen Sinne, d.h. Mischnaerklärer; dieses Triumvirat hingegen waren Talmudisten im eigentlichen Sinne des Wortes, d.h. Dialektiker. Der Talmud in diesem Sinne war das Erzeugnis der pumbaditanischen und machuzanischen Schule; in Judäa hatte man kaum einen Begriff davon.61 Wegen seiner umfangreichen Kenntnisse, seiner Verstandestiefe und vielleicht auch wegen sei nes Reichtums war Raba die einzige Autorität während seiner Wirksamkeit an der Metibta. An ihn wendete man sich sogar von Judäa aus, als die vielfachen Verfolgungen unter Konstantius und Gallus tiefes Elend über das heilige Land brachten.

Auch für die Juden unter persischem Zepter war diese Zeit nicht die glücklichste. In den hartnäckigen Kriegen zwischen Rom und Persien blieben sie keineswegs verschont. In Machuza hatte ein persisches Heer Standquartier und mußte von den Einwohnern verpflegt werden, was für die durchweg jüdische Bevölkerung manche Unannehmlichkeit hatte.62 Schabur II. war kein Freund der Juden. Aus Armenien, wohin viele Juden seit undenklichen Zeiten, wenn auch nicht unter Nebukadnezar, doch unter dem armenischen König Tigranes (70 der vorchristlichen Zeit) verpflanzt worden waren und wo sie eigene Städte bewohnten, führte Schabur eine ungeheure Menge derselben (angeblich 71 000) in Gefangenschaft und kolonisierte sie in Susiana und Ispahan. Diese Stadt, ehemals die Hauptstadt des persischen Reiches, hat von den vielen seit der Gefangenschaft dort angesiedelten Juden den Namen Jehudia erhalten.63 In Babylonien scheint Schabur nicht minder Bedrückungen über die Juden verhängt zu haben, da Raba genötigt war, sie durch bedeutende [334] Summen abzuwenden. Als seine Freunde sein Glück so sehr rühmten und meinten, daß er gewissermaßen als Ausnahme von dem dem jüdischen Volke vorherbestimmten Mißgeschick verschont geblieben sei, weil bei ihm noch keine Erpressungen vorgekommen wären, entgegnete er ihnen: »Was wißt ihr, wieviel ich heimlich für Schaburs Hof tun muß!«64 Kaum entging er einer persönlichen Gefahr, die über ihm als Schulhaupt schwebte. Er hatte nämlich einen Juden geißeln lassen, weil er mit einer Perserin fleischlichen Umgang gepflogen hatte, und die Züchtigung hatte dem Sträfling den Tod zugezogen. Der Fall kam Schabur zu Ohren, und Raba sollte wegen der Ausübung der peinlichen Gerichtsbarkeit hart bestraft werden. Es scheint, daß er sich der Strafe durch die Flucht entzog, aber sein Haus wurde geplündert. Die weiteren Folgen wendete die Königin-Mutter Ifra ab, die zu ihrem Sohne gesagt haben soll: »Laß dich nicht mit den Juden ein, denn was sie von Gott erflehen, das gewährt er ihnen.«65 Ifra hatte im Gegensatze zu ihrem Sohne eine ganz besondere Zuneigung für die Juden und namentlich für die Gesetzeslehrer, denen sie einen Blick in die geheimsten Herzensfalten zutraute. Wie sie früher einen Beutel mit Gold R. Joseph zugestellt hatte, so schickte sie auch Raba 400 Golddenare zu, die Rami, ein Zeitgenosse, zurückweisen wollte, weil man von Heiden kein Almosen nehmen dürfe. Raba nahm jedoch das Geld an, verteilte es aber unter heidnische Arme.66 Die Königin-Mutter Ifra hatte auch den sonderbaren Einfall, dem Schulhaupte von Machuza ein Opfertier zuzuschicken, welches sie, um ihre Verehrung des einzigen Gottes zu betätigen, nach jüdischem Gebrauch zu opfern befahl. Um die mächtige Gönnerin nicht zu erzürnen, mochte es Raba nicht zurückweisen und ließ es daher auf einer Sandbank im Meere von zwei unbefleckten Jünglingen auf frisch gefälltem Holz mit unbenutztem Feuer verbrennen.67 Raba erlebte weder die Einführung des Kalenders durch Hillel, noch den kurzen Sonnenblick, welcher den Juden lächelte. Er starb nach vierzehnjähriger Wirksamkeit (352).

Nach Rabas Tod hörte die Bedeutung Machuzas auf, und Pumbadita trat wieder in seine frühere Stellung ein, da es nur unfreiwillig sich die Palme von Raba hatte entreißen lassen. Merkwürdigerweise trat von jetzt an eine Mittelmäßigkeit und Erschöpfung ein, als wenn sich die geistige Tätigkeit nach so vielen Anstrengungen [335] erholen wollte. Kein einziger unter Rabas Nachfolgern war imstande, ihn zu ersetzen. Die Vertreter der babylonischen Lehrhäuser, R. Nachman ben Isaak, R. Papa und R. Chama aus Nahardea, hatten keine hervorragende Bedeutung; der pumbaditanische Geist der scharfen Analyse und Dialektik fand wohl Pflege, aber keine Fortbildung.

R. Nachman ben Isaak (geb. um 280, gest. 356) wurde Leiter der pumbaditanischen Metibta, aber nur wegen seines vorgerückten Alters, wegen seiner besonderen Frömmigkeit und vielleicht auch wegen seiner Selbständigkeit.68 Er hinterließ durchaus keine Spuren seines vierjährigen Rektorats.69 Zu gleicher Zeit entstand ein neues Lehrhaus in der Nähe von Sura, in Nares, am Kanal gleichen Namens (Naarsares) gelegen.

R. Papa bar Chanan (geb. um 300, gest. 375), früh verwaist, reich und seinem Gewerbe nach Bierbrauer aus Datteln, war der Gründer dieses neuen Lehrhauses, dessen Resch-Metibta er wurde; sein Freund R. Huna ben Josua, ebenfalls begütert und sein Geschäftsteilnehmer, wurde Resch-Kalla an derselben.70 Aber beide waren nicht imstande, die durch Raba entstandene Leere auszufüllen. Wohl sammelten sich um sie die Mitglieder der machuzanischen Metibta, aber diese fanden bald Gelegenheit, Vergleiche anzustellen, die nicht zum Vorteil R. Papas ausfielen. Als charakteristisch für den naresischen Resch-Metibta mag folgender Zug dienen. R. Huna ben Manoach, Samuel bar Juda und R. Chija aus Vestania waren nach Nares gekommen, um R. Papas Vorträgen beizuwohnen. Dieser hatte aber das Thema so unklar gelassen, daß sie einander verstohlen zuwinkten und R. Papa, der es merkte, sich so sehr darüber kränkte, daß er zu ihnen sagte: »Mögen die Rabanan sich in Frieden von hier entfernen.«71 Ein anderes Mitglied, R. Simaï bar Aschi (Vater des später berühmt gewordenen R. Aschi), pflegte R. Papa durch Fragen stark zuzusetzen, die dessen bescheidene Geistesfähigkeit überstiegen. R. Papa, in Verzweiflung und fürchtend, vor seinen Zuhörern beschämt zu werden, warf sich im Gebet nieder und flehte, der Barmherzige möge ihn vor dem vernichtenden Gefühl der Beschämung behüten. S. Simaï, unbemerkter Zeuge des inbrünstigen Gebetes, nahm sich von dieser Zeit an vor, lieber zu schweigen, als unwillkürlich R. Papas Gemüt zu kränken; er blieb seinem [336] Vorsatze treu.72 R. Papa repräsentiert in der Halacha die Schwäche und Unselbständigkeit, die nicht einmal ein eigenes Urteil über die Meinung anderer hat. So oft zwei oder mehrere Ansichten eine Gesetzesbestimmung zweifelhaft ließen, pflegte R. Papa zu sagen: »Nun richten wir uns nach beiden Meinungen oder nach allen Ansichten.«73 Neunzehn Jahre fungierte R. Papa als Resch-Metibta (356-375). Erst sein Nachfolger entriß die Geister der bereits tief eingewurzelten Erschlaffung. – Pumbadita hatte an R. Chama aus Nahardea einen Resch – Metibta, der R. Papa ähnlich war und den eine einzige Anekdote charakterisiert. Der König Schabur fragte ihn, ob die Beerdigung der Toten in der Thora begründet oder bloß eine alte Sitte sei. Die Frage entstand aus der Gewohnheit der Perser, die Leichen weder zu begraben, noch zu verbrennen, und Schabur scheint aus diesem Grunde an der Beerdigung Anstoß genommen zu haben. Aber R. Chama wußte keinen Beleg aus der Schrift für die Beerdigung vorzubringen. R. Acha ben Jakob, ein Hausgenosse des Exilarchen, der sich etwas erlauben durfte, äußerte sich über dieses Schulhaupt: »Die Welt ist Toren in Händen gegeben, warum hat er nicht den Vers angeführt: ›Du sollst ihn am selben Tage begraben!‹74 Während der einundzwanzig Jahre, in welchen R. Chama fungierte (356 bis 377), ging eine Veränderung im römischen Reiche vor, die nicht ohne Folgen für die judäischen und babylonischen Gemeinden ablief.


Fußnoten

1 S. Note 1.


2 Jebamot 76 a und Tosaphot das. Genesis Rabba, c. 59 über Mamal s. Erubin 51 b und Jerus. das. IV, p. 22 a.


3 Pesachim 113 b.


4 Synhedrin 14 a, 66 b.


5 Ketubbot 111 a.


6 Siehe Note 32.


7 Siehe Note 32.


8 Scheriras Sendschreiben.


9 Bechorot 31 a.


10 Berachot 64 a. Horajot 14 a.


11 Daselbst.


12 Baba Mezia 86 a. Berachot 20 a.


13 Sabbat 153 a. Raschi das.


14 Taanit 24 a, b.


15 Seder Olam Sutta.

16 Scheriras Sendschreiben.


17 Baba Batra 55 a.


18 Sabbat 55 b.


19 Vergl. Kerem Chemed, Jahrgang 1830, S. 80.


20 Seder Olam Sutta.


21 Chullin 46 a.


22 Baba Mezia 86 a.


23 Baba Batra 8 a.


24 Pesachim 113 b.


25 Menachot 87 a.


26 Baba Kama 87 a.


27 Horajot Ende. Synhedrin 42 a.


28 Note 13.


29 Vergl. die Stelle in Seder ha-Dorot, Artikel: Joseph ben Chija.


30 [So nach Raschi Pesach. 112 b u.a.a.O. Nach Scherira in dem von Aruch a.v. ייבא zitierten Sendschreiben war Nachmani der wirkliche Name und Abaji ein von Rabba ihm beigelegter Name. S. Weiß, Beth-Talmud, I, 121 ff.].

31 Ketubbot 56 a.


32 Baba Mezia 73 a. Baba Batra 98 a.


33 Berachot 17 a.


34 Gittin 45 a.


35 Ketubbot 106 a.


36 Synhedrin 27 a. Pesachim 30. Temura 4 b ff. Chullin 4 b. Makkot 7 b.


37 Note 1.


38 Jebamot 64 b.


39 Ketubbot 105 b. [Die Stelle ist gekürzt und im Original verständlicher].


40 Ketubbot 105 b.


41 Kidduschin 73 a. [Nach unserer Meinung spricht diese Stelle nicht für den Charakter des einen oder andern, sondern nur für die bessere Lehrmethode Rabas].


42 Etwa 2000 Taler.


43 Baba Batra 149 a, s. Tosafot dazu.


44 Baba Mezia 73 a.


45 Daselbst b. Der Fall, welcher für Rabas Uneigennützigkeit geltend gemacht werden kann, nämlich sein Verfahren gegen Ißors Sohn Mari bar Rachel (das. oben) ist nicht sehr erheblich, und jedenfalls zeigte sich dieser uneigennütziger als Raba. [Vergl. die Darstellung von Bacher, Die Agada der babylonischen Amoräer 114 ff. und Weiß, Dor dor III, p. 201 ff.].


46 Baba Mezia 73 a.


47 Daselbst 64 a.


48 Daselbst 73 b. Gittin 31 b.


49 Sabbat 119 a.


50 Nedarim 62 b. Baba Batra 22 a.


51 Daselbst.


52 Daselbst. [Vgl. dagegen die Ausführungen des Übersetzers, S. 418, A. 2].


53 Synhedrin 99 b. Jerus. das. X, 1.


54 Das. Sabbat 133 b.


55 Berachot 35 b.


56 Baba Batra 22 a.


57 Gittin 73 a.


58 [Nicht über die Tannaiten, sondern über diejenigen, die die Mischnajot gedächtnismäßig auswendig lernten, wie die sogenannten [םיאנת.


59 Chagiga 10 a.


60 Synhedrin 100 b.


61 [Bei genauerem Eingehen läßt sich dieser Unterschied schwerlich aufrecht erhalten].


62 Taanit 20 b. Pesachim 5 b.


63 Ritter, Erdkunde X, 588 nach Faustus von Byzanz und Moses von Khorene.


64 Chagiga 5 b.


65 Taanit 24 a. Beracchot 56 a.


66 Baba Batra 10 b.


67 Sebachim 116 b.


68 Gittin 31 b.


69 [Vergl. Lewy, Der palästinensische Talmudtraktat Nesikia, S. 16].


70 Pesachim 113 a. Berachot 57 a. Scheriras Sendschreiben, S. 37 a.


71 Taanit 9 b.


72 Taanit 9 b.


73 Note 33.

74 Synhedrin 46 b.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1908, Band 4, S. 338.
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