5. Rabbi Elieser ben Hyrkanos.

[392] Von der Starrheit des schammaitischen Lehrsystems, auch nicht ein Haarbreit weiter zu gehen als der vorhandene Traditionsstoff bestimmt, und dem selbstständigen Forschen kein Jota einzuräumen, gibt R. Elieser ben Hyrkanos einen sprechenden Beweis. Er hat stets nur Vernommenes, und wie er es vernommen, gelehrt, und nie etwas mitgeteilt, was er nicht vernommen: והולאשו ןוילעה לילגב תבשש רזעילא 'רב השעמ ל"א ח"י יתעמש םהל רמא ב"י .הכוס תוכלהב תוכלה םישלש ל"א ?העומשה יפמ אלא ןניא ךירבד לכ ול ורמא יתעמש – אל רבד יתרמא אלו – יתובר יפמ יתעמש אלש רבד רמול ינותקקזה יבר יפמ יתעמש אלש (Succa 28 a). Auf Anfragen, für welche er keine traditionelle Entscheidung hatte, gab er ausweichende Querfragen (das. Tosifta Jebamot c. 3, 3. Joma c. 3, 14. Babli Joma 66 b, zum Teil j. Joma VI, p. 43 c), (Caesarea Philippi) א"רב השעמ ןוירסיקב יעלא 'רב ןנחוי 'ר לש ותכוסב ןוילעה לילגב תבשש טבשו טבש לכ ךל ןיא ל"א ?ןידס הילע שרפאש והמ ול רמא והמ ל"א הכוסל יצחל המח עיגה .טפוש ונממ דימעה אלש אלש לארשימ טבשו טבש לכ ךל ןיא ל"א ןידס הילע שרפאש אלש ינפמ אלא םירבדב ןגילפהש ינפמ אל – םיאיבנ ונממ ואצי והמ רזממ רזעילא 'ר תא ולאש :ובר – יפמ עמש אלש רבד רמא ול ורמא ?שריל אוה המ ?ץולחל והמ ?ץולחל והמ ל"א שריש לדגל והמ – ורבק תא דוסל אוה המ ל"א ותיב תא דוסל אוה המ הלחש ירה א"ר תא ולאש .ןילוגנרת .לדגל והמ םהל רמא םירזח הלח םירחא ביכרהל אוה לוכי ל"א וביכרהל והמ חלתשמה ריעש ינא םולשב (היחת) .אהא ל"א רחא דיב וחלשיש והמ וחלשמ ויהי ךכ ל"א .ונתימיו וירחא דריש והמ תמ אלו ופחד .םתאו םוקמה יביוא. Ähnliche Querfragen, die von R. Elieser an diesen Stellen erzählt werden, scheinen eine dunkle Anspielung auf die politische Lage und auf das Christentum zu enthalten. השבכה תא ליצהל והמ א"ר תא ולאש תאו השבכה לע אלא ינותלאש אלש המוד ל"א (באזה) יראה דימ אלש המוד ל"א ?אבה םלועל אוה המ ינולפ ?ליצהל והמ העורה אלש אלא םירבדב ןגילפמ היהש אלו .ינולפ לע אלא ינותלאש ובר יפמ עמש אלש םירבד רמא.9 Höchst merkwürdig ist es, daß R. Elieser nicht einmal die Schlußfolgerung רמוחו לק gelten lassen mochte und ihrer Beweiskraft[392] sein »ich habe es nicht also vernommen« entgegensetzte: 'ר ל"א אמטמ יחה ןמ רבאש יתעמש רזעילא 'ר רבא – רוהט אוהש יח המו רמוחו לקו ?תמה ןמ אלו יחה ןמ עשוהי אלד אריעז אחספ תליגמב ביתכו ןכש לכ אל אמט אוהש תמ ול רמא .ןכד לכ ימנ אכה ןכד לכ אלא !דפסמל אבר אה דפסמל -.(יחה ןמ רבא לע אלא ורמא אל) יתעמש ךכ רזעילא 'ר (Chullin 129 b. Edujot 9 b. לודגל ןיכז רמוא א"ר היהש לודגל ו"ק תרמא ןטקל םא ו"ר ל"א Megillat Ta'anit, c. 2). Vergl. b. Pesachim, p. 38 b: 'ר תא יתלאש יאעליא 'ר רמא .יתעמש אל ?ריזנ יקיקרו הדות תלחב םדא אציש והמ רזעילא םירבד יתצרהו יתאבשכ ... יל רמא עשוהי 'ר ינפל יתלאשו יתאב יניסב השמל ול ורמאנש םירבדה ןה ןה תירב יל רמא א"ר ינפל Der letzte Satz ist offenbar eine Ironie, wie es zum Teil der Talmud auffaßt: »Beim Bündnis! Das sind wohl Worte, die Mose auf dem Sinaï offenbart worden!« In Tosifta Challa I ist der ganze Sachverhalt gräulich entstellt.10 Wenn wir dagegen anderweitig finden, daß R. Elieser diese Schlußformel mit Gewandtheit handhabte (s. Frankel, Hodegetik z. Mischna, p. 78), so scheint er sie nur in solchen Fällen angewendet zu haben, wo eine tradierte Halacha dadurch eine Stütze erhielt, aber nicht um eine daraus zu folgern. Vgl. Negaim 9, 3; 11, 6. – רזעילא 'ר תא ולאש ל"א .וב דמלא הריתב ןב הדוהי 'ר ול רמא .יתעמש אל ןהל רמא םכח(ב"ביר 'רל) ול רמא – ןה םימכח ירבד םייקל םא (א"ר) .םימכח ירבד תמייקש התא לודג Ich glaube daher in der merkwürdigen Sentenz R. Eliesers ןויגהה ןמ םכינב וענמ םימכח ידומלת יכרב ןיב סובישוהו (Berachot II, Ende), die weder von Raschi noch in Aruch eine befriedigende Erklärung gefunden hat, seine Abneigung gegen das Deuten und Folgern und seine Vorliebe für das gedächtnismäßige Empfangen ausgesprochen zu finden. Man wird in diesen Momenten nicht verkennen, daß Elieser ein treuer Anhänger der schammaitischen Richtung, d.h. des schammaitischen Geistes war, für die Halacha der logischen Folgerung keinen Spielraum einzuräumen; damit ist nicht gesagt, daß er solidarisch sämtliche Halachas dieser Schule, der ירבד ש"ב, akzeptiert haben müßte. Wenn übrigens Jeruschalmi auch nicht ausdrücklich die Benennung יתומש, welche R. Elieser beigelegt wurde, als Anhänger Schammaïs erklärte, so würde sich dasselbe durch das Lob ergeben, das R. Elieser den sogenannten achtzehn Bestimmungen (רבד ח"י) erteilte. Diese erschwerenden, von den Schammaiten durchgesetzen Bestimmungen, gegen welche die Hilleliten eine energische Opposition gemacht und gewissermaßen nur durch Gewalt gezwungen, nachgegeben haben (s.B. III, Note 26), lobt R. Elieser mit den Worten, daß deren Urheber damals das Maß der Lehre erst recht gefüllt hätten: האס ושדג םויב וב Tosifta Sabbat I; J. Sabbat I, 3 c, das. Bab. 153 b).


Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1908, Band 4, S. 392-393.
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392 | 393
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