3. Kapitel. Die Juden der arabischen Halbinsel. 500-662.

[72] Einwanderung der Juden in Arabien. Die jüdischen Stämme in und um die Stadt Jathrib und in der Landschaft Chaibar. Ihre Festungen und Schlösser. Die Juden in Jemen. Ihre Macht und ihr Einfluß auf die arabischen Stämme. Einige Stämme nehmen das Judentum an. Das jüdisch-himjaritische Reich. Abu-Kariba, der erste jüdisch-himjaritische König und die jüdischen Weisen Kaab und Assad aus Jathrib. Jussuf Dhu-Nowas, der letzte jüdisch-himjaritische König und sein Ende. Fehden der jüdischen Stämme in Jathrib mit den Arabern. Der jüdische Dichter Samuel ben Adija und sein Sohn Schoraich. Der jüdische Häuptling Kaab und die Kämpfe der Juden von Jathrib.


Ermüdet von der Betrachtung der kläglichen Lage der Juden in ihrer Urheimat und in den europäischen Ländern und von dem Einerlei fanatischer Bedrückung in der Christenheit, ruht der Blick des Beobachters freudig aus auf ihren Zuständen in der arabischen Halbinsel. Hier durften die Söhne Judas frei ihren Nacken erheben und brauchten sich nicht scheu und gebückt ängstlich umzusehen, ob sich nicht der geistliche Zorn auf sie entladen und der weltliche Arm gegen sie erheben würde. Hier wurden sie nicht von den Bahnen der Ehre und staatlicher Gleichberechtigung zurückgewiesen, sondern durften unter einer freien, frischen, begabten Bevölkerung ihre Kräfte frei entfalten, durften Mannesmut zeigen, um den Preis des Ruhmes wetteifern und mit dem Schwerte in der waffengeübten Hand sich mit dem Gegner messen. Weit entfernt, ein Joch zu tragen, waren die arabischen Juden nicht selten die Führer arabischer Stämme. Sie bildeten eine Macht durch ihre geistige Überlegenheit, schlossen Schutz- und Trutzbündnisse und führten Fehden, handhabten aber auch neben dem Schwerte und der Lanze die Pflugschar und die Lyra und wurden allmählich die Lehrer des arabischen Volkes. Die Geschichte der Juden in Arabien in dem Jahrhunderte vor Mohammeds [72] Auftreten und während seiner Wirksamkeit bildet ein schönes Blatt in den jüdisch-geschichtlichen Jahrbüchern.

Die erste Einwanderung jüdischer Stämme in die freie, mannigfaltige, krafterweckende Halbinsel ist in die Nebel der Sage gehüllt. Bald sollen Israeliten, welche Josua zur Bekämpfung der Amalekiter gesandt hatte, sich in der Stadt Jathrib (später Medina)1 und in der Landschaft Chaibar (4-5 Tagereisen im Norden von Jathrib) zum Teil niedergelassen haben. Bald sollen die israelitischen Krieger unter Saul, welche den schönen, jungen, amalekitischen Königssohn verschont haben, und von dem Volke wegen ihres Ungehorsams verstoßen worden wären, nach dem Heǵas (Nordarabien), dem Wohnsitze der Amalekiter, zurückgekehrt sein und sich dort angesiedelt haben. Auch unter David soll eine israelitische Kolonie nach Nordarabien gekommen sein. Der unglückliche König, der vor seinem ehrgeizigen Sohne entfliehen mußte, habe sich nach Heǵas gewandt, dort einige Jahre bis Absaloms Tod geweilt und jüdische Ansiedler dort zurückgelassen.2 Möglich, daß seefahrende Israeliten unter den mächtigen Königen Judas, welche auf dem roten Meere nach dem Goldlande Ophir steuerten, in Südarabien (Jemen, Himjara, Sabäa), in den bedeutenden Handelsplätzen Mariba, Sanaa (Usal) Faktoreien für den Tauschhandel mit Indien angelegt und eine jüdische Kolonie gegründet haben. Die späteren arabischen Juden wollten aber von ihren Vorfahren gehört haben, daß viele jüdische Flüchtlinge bei der Zerstörung des ersten Tempels unter Nebukadnezar nach Nordarabien gekommen seien.3 Ganz zweifellos ist es indes, daß die Kriege zwischen Juden und Römern der arabischen Halbinsel eine jüdische Bevölkerung zugeführt haben. Jene todesmutigen Zeloten, welche nach der Einäscherung des zweiten Tempels sich zum Teil nach Ägypten und Kyrene geflüchtet haben, um dort den verzweifelten Widerstand gegen Roms Knechtung fortzusetzen (B. III3 S. 553 f.), [73] haben sich in zersprengten Scharen auch nach Arabien gewendet, wo sie ihren Freiheitssinn und ihre kriegerische Haltung nicht aufzugeben brauchten. Von diesen Flüchtlingen stammten drei jüdisch-arabische Stämme, die Benu-Nadhir, die Benu-Kuraiza und die Benu-Bachdal, von denen die beiden ersteren aharonidischer Herkunft waren und sich daher Kohanim (Alkahinani) nannten.4 Noch ein anderer jüdischer Stamm war in Nordarabien ansässig, die Benu-Kainukaa, mit anderer Lebensweise als die Nadhir und Kuraiza5, und wohl auch von einer anderen geschichtlichen Welle dahin verschlagen. Diese Stämme mit noch einigen anderen, wenig bedeutenden und wenig genannten, den Benu-Akra, Benu-Ghaura, Benu-Zaid, Benu-Auf, Benu-Alaßis, hatten ihren Mittelpunkt in der Stadt Jathrib in der Landschaft Heǵas, die in einer fruchtbaren, mit Palmen und Reispflanzen bebauten, von kleinen Bächen bewässerten Gegend lag. Da die jüdischen Stämme öfter von Beduinen belästigt wurden, so bauten sie in der Stadt und Umgegend Kastelle auf hochgelegenen Plätzen, welche ihre Unabhängigkeit schützten. Wenn sie anfangs die Alleinherrscher dieses Landstriches waren, so mußten sie später den Bodenbesitz und die Macht mit arabischen Stämmen teilen, als (um 300) zwei Bruderstämme sich in derselben Gegend niederließen, die Benu-Aus und Chazraǵ (zusammen die Stämme Kaila genannt), zu welchen die Juden bald in freundliche, bald in feindliche Verhältnisse traten.

Nördlich von Jathrib war die Landschaft Chaibar, durchgängig von Juden bewohnt, die dort ein eigenes Gemeinwesen bildeten. Die Juden von Chaibar sollen von den Rechabiten abstammen6, die auf Geheiß ihres Urahns Jonadab ben Rechab ein nomadisierendes, nasiräisches Leben führten und nach der Zerstörung des ersten Tempels bis in die an Palmen und Getreide reiche Gegend von Chaibar gewandert sein mögen. Die chaibarensischen Juden besaßen eine Reihe von Festungen oder Schlössern7, gleich [74] den christlichen Ritterburgen: Bara, Fadak, Kulla, Naïm, Natum, Sab, Sulalim, Ubej, Watih. Die stärkste Festung war Kamus, auf einem schwer zugänglichen Berge erbaut. Diese Schlösser schützten sie vor räuberischen Einfällen der kriegerischen Beduinen und setzten sie in den Stand, manchem Verfolgten Asyl zu geben. Wadil-Kora (das Tal der Dörfer) eine fruchtbare Talebene, eine Tagereise von Chaibar entfernt, war ebenfalls ganz von Juden bewohnt.8 Ob dasselbe zu Chaibar gehörte oder ein selbständiges Gemeinwesen bildete, weiß man nicht. In Mekka dagegen, wo das Heiligtum der Araber stand, wohnten wohl nur wenig Juden.

Dagegen waren sie zahlreich in Südarabien (Jemen) vertreten, in dem Lande, »dessen Staub Gold war, das die gesündesten Menschen erzeugte, und dessen Frauen ohne Schmerz gebaren« (wie die Einwohner es rühmten). Aber die Juden des glücklichen Arabiens lebten, ungleich denen in Heǵas, ohne stammesgenössischen, gewissermaßen politischen Zusammenhang und wohnten unter den Arabern zerstreut. Dennoch erlangten sie mit der Zeit so viel Einfluß auf die arabischen Stämme und Könige von Jemen (Himjara), daß sie die Ausbreitung des Christentums in dieser Gegend zu verhindern vermochten. Die byzantinisch-christlichen Kaiser hatten nämlich ihr Augenmerk auf diese Stapelplätze für indische Erzeugnisse gerichtet. Ohne gerade an Unterjochung der tapferen Himjariten (Homeriten) zu denken, wollten sie sich dieselben durch Bekehrung zum Christentume befreunden. Das Kreuz sollte die Handelsverbindung vermitteln. Der zweite christliche Kaiser Konstantinus hatte schon Missionäre nach Himjara gesendet, aber sie vermochten die Bekehrung nicht durchzusetzen, da ihnen die Juden entgegenarbeiteten.9 Erst zu Ende des fünften oder im Anfange des sechsten Jahrhunderts gelang es den christlichen Sendboten, einen arabischen Häuptling mit seinem Stamme, der seinen Hauptsitz in der Handelsstadt Naǵaran hatte, für das Christentum zu gewinnen.10 – Nur halb zu Arabien gehörte eine Insel Jotabe (jetzt Tijbân) im roten Meere (15 Meilen südlich von der Hauptstadt Aila), auf welcher seit undenklichen Zeiten ein kleiner jüdischer Freistaat bestand, der seine Unabhängigkeit gegen Perser, [75] Griechen und Römer behauptete und erst unter Kaiser Justinian erobert wurde.11

Vermöge ihrer semitischen Abstammung hatten die Juden Arabiens viele Berührungspunkte mit den Eingeborenen des Landes. Ihre Sprache hatte Verwandtschaft mit der arabischen, ihre Sitten, insoweit sie nicht die Religion erzeugt hatte, waren nicht verschieden von denen der Söhne Arabs. Die Juden arabisierten sich daher so vollständig, daß sie sich nur durch ihr religiöses Bekenntnis von den Landesbewohnern unterschieden. Eheverbindungen zwischen beiden beförderten die Verähnlichung des Charakters beider Völkerschaften. Die südarabischen Juden verlegten sich gleich den Himjariten mehr auf den Welthandel zwischen Indien, dem byzantinischen Reiche und Persien, die nordarabischen Juden dagegen trieben ein Beduinenleben: Ackerbau, Viehzucht, Zwischenhandel in Karawanenzügen, Waffenhandel, auch wohl Räuberhandwerk. Nur der Stamm Kainukaa betrieb wenig Ackerbau, besaß auch keinen günstigen Boden für Palmenpflanzung, wovon die Bewohner von Heǵas ihre Hauptnahrung zogen, sondern betrieb mehr die Goldschmiedekunst und Geldwechselgeschäfte.12 Ein Platz in Jathrib, wo die Kainukaa ihre Geschäfte hatten, hieß Markt der Kainukaa (Ssuk al kainukaa).13 – Die arabischen Juden hatten ebenfalls eine patriarchalische Stammesverfassung, mehrere Familien waren unter einem Namen vereinigt und wurden von einem Häuptling (Schaïch) geführt, der im Frieden die Händel schlichtete und Recht sprach, im Kriege die waffenfähige Mannschaft anführte und Bündnisse mit Nachbarstämmen abschloß. Gleich den Arabern übten die Juden der Halbinsel Gastfreundschaft gegen jedermann, der ihr Zelt betrat, und unverbrüchliche Treue gegen Bundesgenossen; aber sie teilten auch die Fehler der Urbewohner, rächten den Tod eines ihrer Glieder mit unerbittlicher Strenge, legten sich in Hinterhalte, um Feinden aufzulauern und ihnen den Garaus zu machen. Es kam auch vor, daß ein jüdischer Stamm in Bundesgenossenschaft zu einem arabischen trat und dadurch feindselig gegen einen Bruderstamm verfuhr, der zu einer anderen Partei gehörte. Aber wenn Juden auch miteinander Fehden hatten, so milderte doch bei ihnen die angestammte Tugend die Beduinen-Grausamkeit, den Feind schonungslos zu behandeln. [76] Sie lösten die Gefangenen eines Bruderstammes, mit dem sie eben Krieg geführt, aus der Hand der Bundesgenossen aus, um sie nicht in heidnischer Gewalt als Sklaven zu lassen, weil, wie sie sagten: »die Auslösung der religionsgenössischen Gefangenen eine religiöse Pflicht ist.«14 Wie die Juden den Arabern an Tapferkeit nicht nachstanden, so rangen sie auch mit ihnen um die Palme der Dichtkunst. Denn zur Zierde eines edlen Arabers gehörte nebst Mannhaftigkeit und Mut auch die Poesie, welche auch von Häuptlingen gepflegt und von arabischen Königen, wie die von Hira und Jemen, reich belohnt wurde. Der Dichter war nebst dem Helden der gefeierteste Mann in Arabien, dem sich die Herzen und Zelte weit öffneten. Die Juden Arabiens verstanden es ebenfalls, die arabische Sprache wohllautend zu sprechen und die gebundene Rede durch den Gleichklang des Reimes zu zieren.15

Die Religionskenntnis, welche die arabischen Juden bei ihrer Flucht aus Judäa aus der Heimat mitbrachten, und die ihnen später von den Lehrhäusern noch zugeführt wurde, gab ihnen eine Überlegenheit über die heidnischen Stämme, die sie zu Herren derselben machte. Während nur wenigen Arabern bis tief ins siebente Jahrhundert die Schreibekunst geläufig war, verstanden sie die Juden im allgemeinen, bedienten sich aber dazu der Quadratschrift, der sogenannten assyrischen Schriftzeichen. Da die wenigen Araber, welche es dahin gebracht, schreiben zu lernen, sich ebenfalls mehr der hebräischen Schriftcharaktere bedienten, so scheinen sie die Schreibekunst erst von den Juden erlernt zu haben.16 Die heilige Schrift [77] lesen konnte wohl jeder Jude in Arabien. Darum nannten sie die Araber »das Volk der Schrift« (Ahl'ul Kitab).17

Das Judentum war den arabischen Juden in der Form, wie es überliefert wurde, mit dem Gepräge, das ihm die Tannaiten und Amoräer gegeben, hochheilig. Sie hielten streng Speisegesetze, Festtage und den Fasttag des Jom Kippur (bei ihnen Aschura genannt).18 Den Sabbat beobachteten sie so streng, daß sie trotz ihrer Kriegslust und der Gelegenheit, sie zu befriedigen, an demselben das Schwert in der Scheide ruhen ließen.19 Obwohl sie sich in diesem gastfreundlichen Lande über nichts zu beklagen hatten und es als ihr Vaterland betrachten und lieben durften, so sehnten sie sich doch nach der Rückkehr ins heilige Land ihrer Väter und erwarteten jeden Tag die Ankunft des Messias, der sie mit den übrigen Zerstreuten des Volkes Israel vereinen und das Davidische Reich wiederherstellen werde.20 Beim Gebete richteten sie daher, wie sämtliche Juden auf dem Erdenrund, ihr Gesicht nach Jerusalem.21 Mit den Juden in Palästina standen sie in Verbindung; den Autoritäten in Tiberias ordneten sie sich auch nach dem Untergange des Patriarchats willig unter und empfingen von dort aus und wahrscheinlich auch von den babylonischen Lehrhäusern religiöse Anordnungen und Schriftdeutungen. Jathrib war der Sitz jüdischer Gelehrsamkeit; dort gab es Gesetzeslehrer (Achbâr, Chabar genannt) in einem Lehrhause (Midras)22, welche die Schrift auslegten. Aber bedeutend war die Schriftkunde der arabischen Juden nicht. Sie kannten sie nur durch die Brille agadischer Auslegung, weil sie ihnen auf ihren Reisen bekannt oder durch Einwohner zugetragen wurde. Die glänzende Geschichte der Vorzeit wuchs ihnen mit den legendenhaften Zusätzen so sehr zusammen, daß sie das Gold von den Schlacken nicht mehr zu sondern vermochten. Mit dichterischer Phantasie begabt. [78] schmückten arabische Juden ihrerseits die biblische Geschichte mit interessanten Zügen aus, die dann als echte Tatsachen in Umlauf kamen. Josephs Geschichte, schon in der Bibel eine anziehende, fast dramatisch spannende Erzählung, wurde in Arabien von jüdischen Dichtern noch romantischer fortgebildet. Der Kern der schönen Dichtung von Joseph und Zuleika (der arabische Name für Potiphar), ist sicherlich in jüdisch-arabischem Kreise entstanden.23

Indem die Juden Arabiens die Freiheit in vollem Maße genossen und keinerlei Zwang unterworfen waren, konnten sie ihre Religionsansichten ohne Scheu vertreten und ihre heidnischen Nachbarn in harmlosen Mitteilungen damit bekannt machen. Der für Geistiges empfängliche Sinn der Araber fand Gefallen an dem halb kindlichen, halb erhabenen, poetisch-religiösen Inhalte der heiligen Schrift, und allmählich wurden gewisse jüdische Vorstellungen und religiöse Begriffe in Arabien heimisch und geläufig.24 Die arabischen Juden gaben den Arabern eine Kalenderordnung, ohne welche sie sich gar nicht zurecht finden konnten. Die Araber hatten nämlich vier heilige Monate im Jahre, in denen Waffenstillstand zwischen den sich befehdenden Stämmen und das Aufschieben der Blutrache stattfanden. In diesen Monaten fand die Pilgerschaft nach Mekka und der Besuch von Marktplätzen statt. Der ganze öffentliche und friedliche Verkehr beruhte auf diesen Monaten. Da die Araber aber nur zwölf Mondmonate zählten, so fielen die Friedensmonate nach und nach in alle Jahreszeiten und in Zeiten, wo das Reisen und der Geschäftsverkehr erschwert waren. Gelehrte Juden aus Jathrib lehrten daher die Araber, einen Monat in solchen Jahren einzuschalten, welche hinter dem Sonnenjahre sehr zurückblieben. So nahmen die Araber den neunzehnjährigen Zyklus von den Juden an (um[79] 420)25 und nannten die Einschaltung Naßi, sicherlich nach dem Umstande, weil die Juden ihren Festkalender von ihrem Naßi (Patriarchen) zu empfangen pflegten.

Es gelang den Juden sogar, die Araber über ihren geschichtlichen Ursprung zu belehren, von dem ihre Erinnerungen schwiegen, und den sie gläubigen Sinnes als ihr Ureigenes annahmen. Es lag nämlich den Juden viel daran, von den Arabern als Stammesverwandte betrachtet und anerkannt zu werden. Es waren zu viele gesellschaftliche Interessen daran geknüpft, als daß sie es sich hätten entgehen lassen sollen. Der Mittelpunkt des Landes, die heilige Stadt Mekka (Alcharam), um einen alten Tempel (Kaaba, das Viereck) oder eigentlich um einen schwarzen Stein erbaut, an der Grenze zweier feindlichen Hauptstämme, der Uraraber und der unechten, eingewanderten Araber (Mostarab) gelegen, war ein Asyl für sämtliche Araber, an dem das Schwert nicht aus der Scheide kommen durfte. Die fünf Messen, die größte zu Okaz und die übrigen zu Menganna und Minai bei Mekka, zu Honain zwischen Mekka und Thaif, und die fünfte zu Dh’ul-Meǵaz am Hafen, konnten nur in den vier heiligen Monaten des Jahres bezogen werden, wo der Gottesfriede herrschte. Wer diesen Waffenstillstand und die Sicherheit des Lebens inmitten einer kampfeslustigen und gegen Blutvergießen wenig gewissenhaften Bevölkerung mitgenießen wollte, mußte seine Verwandtschaft mit den Arabern nachweisen, sonst war er von diesen Vorteilen ausgeschlossen.

Zum Glücke erinnerten sich die arabischen Juden der Abstammung der Araber, wie sie in dem ersten Buche des Pentateuchs angegeben ist, und sie bot ihnen eine Handhabe, ihre Stammverwandtschaft mit den Arabern darzutun. Nach der biblischen Genealogie war Eber (Heber) Stammvater der Hebräer und sein Sohn Joktan Stammvater der Araber. Aber auch Ismael, Abrahams Sohn, wird in der Bibel als Stammvater der Araber bezeichnet. Die Juden waren also überzeugt, von zwei Seiten her mit den Arabern verwandt zu sein, durch Joktan und [80] durch Ismael. Auf diese zwei Urahnen führten die zwei arabischen Hauptstämme, von den Juden belehrt, ihre Ahnenreihe zurück, indem die echten Araber (die Himjariten) von Joktan, die unechten dagegen (die Nordaraber) von Ismael ausgegangen seien. Durch diese Anknüpfungspunkte hatten die Juden weiten Spielraum, die Beweise für ihre Stammverwandtschaft zu vervielfältigen. Sie mochten zu den Arabern gesprochen haben: »Sehet, diese heilige Kaaba, die ihr so hoch verehret, sie ist von Ismael erbaut, dem Sohne unseres gemeinsamen Ahnen Ibrahim; er hat die Steine dazu auf seinen Schultern herbeigeschafft. Der schwarze Stein in der Kaaba (ursprünglich ein Fetisch), er trägt in seiner Vertiefung die Spuren von Ibrahims Fußtapfen, als er einst bei seinem Sohne zum Besuch war. Jenes Bild im Tempel, das euch hochheilig ist, es stellt den ehrwürdigen Patriarchen vor, unsern und euren Stammgründer. Die heilige Quelle Semsem bei Mekka, die euch zur Zeit der Pilgerfahrt so sehr labt, sie sprudelte zuerst aus der Erde für Hagars Sohn Ismael, als sie vor Sarah entfloh. Die Zeremonie, siebenmal um die Kaaba zu laufen, geschieht zur Erinnerung an Hagar, welche sich hierher geflüchtet und ihren Sohn hierher gebracht hat.« Das alles schien den Arabern, welche genealogische Stammtafeln liebten und froh waren, ihre Abstammung und Geschichte so hoch ins graue Altertum hinaufrücken zu dürfen, ebenso einleuchtend, wie schmeichelhaft. Sie bemühten sich infolgedessen, ihre genealogischen Erinnerungen und Traditonen mit den biblischen Nachrichten in Einklang zu bringen. Obwohl ihre Erinnerungen kaum sechs Jahrhunderte hinaufreichten, einerseits auf ihren Stammahnen Jarob und dessen Söhne oder Enkel Himjar und Kachtan, anderseits auf Adnan, so war das keine Schwierigkeit für ihren gegen Geschichtstreue gleichgültigen Sinn. Sie machten Jarob getrost zum Sohne Kachtans (Joktans), und Ismael gaben sie einen Sohn Adnan oder knüpften die genealogischen Fäden auf andere Weise an. Von der Kluft der Jahrtausende zwischen den angeblichen Vätern und Söhnen hatten sie keine Ahnung. Die Südaraber nannten sich fortan ohne Skrupel Kachtaniden und die Nordaraber Ismaeliten.26 Gerne räumten sie den Juden Stammesrechte. [81] d.h. Gleichberechtigung an allen Vorteilen der Gesellschaft ein.

Bei dem innigen Verkehr zwischen Juden und Arabern und bei der reichen Belehrung, die das Judentum den Söhnen der Wüste darbot, deren unpoetische Mythologie ihnen keinen Stoff zur Begeisterung lieferte, konnte es nicht fehlen, daß manche arabische Häuptlinge eine besondere Zuneigung zum Judentume faßten und sich dazu bekehrten, ohne daß es gerade die Juden auf Bekehrung angelegt hätten. Da die Araber noch im Heidentume die Beschneidung hatten, so war der Übertritt zum Judentume ein ganz Leichtes. Bei dem engen Zusammenhange und dem Aufgehen der Familienglieder im Stamme nach der phylarchischen Verfassung der Araber, brachte es die Ordnung mit sich, daß, wenn der Häuptling, als der Weiseste, zum Judentume überging, er sogleich seinen ganzen Anhang mit herüberzog. Von mehreren arabischen Stämmen wird ausdrücklich beurkundet, daß sie sich zum Judentume bekehrt haben27: die Benu-Kinanah, ein kriegerischer streitlustiger Stamm, der mit den hochangesehenen Koraischiten in Mekka verwandt war, ferner mehrere Familien aus dem Stamme Aus und Chazraǵ in Jathrib, die von den Familien Zoraik, Haritha, Naddǵar und endlich ein gafanidischer Stamm, aus welchem ein gefeierter jüdischarabischer Dichter hervorgegangen ist.

Epochemachend in der arabischen Geschichte ist aber der Übertritt eines mächtigen jemensischen Königs zum Judentume, dessen Geschichte früher in das Dunkel der Sage gehüllt war und erst durch neuentdeckte Quellen und mühsame Forschung den Charakter einer beglaubigten Tatsache erhalten hat. Die Fürsten oder Könige von Jemen mit Namen Tobba, wel che öfter über ganz Arabien herrschten, führten ihren Ursprung geschichtlich auf den Stamvater Himjar und sagenhaft auf Kachtan zurück. Einer dieser Tobba, der jüngere, mit Namen Abu-Kariba Assad-Tobban (Sohn des Maliki-Kariba) war ein Mann von Einsicht, Kenntnissen, dichterischer Begabung und von einer Tapferkeit, die ihn zu Eroberungen aufstachelte. Abu-Kariba unternahm also einen Kriegszug (um 500) einerseits gegen Persien, das damals unter dem König Kawâdh zerrüttet [82] war, und anderseits gegen die arabischen Provinzen des byzantinischen Reiches. Auf seinem Zuge berührte er die nordarabische Hauptstadt Jathrib und ließ seinen Sohn daselbst als Statthalter zurück, weil er sich nichts Schlimmes von den Einwohnern versah. Kaum war er aber weiter gezogen, als ihm die trübe Kunde zukam, daß die Jathribener seinen Sohn erschlagen hätten. Von Schmerz und Zorn ergriffen, beweinte Abu-Kariba ihn durch einige Verse und kehrte um, um Blutrache an der verräterischen Stadt zu nehmen. Sein Plan war, alle Palmenwälder zu zerstören, die Stadt dem Erdboden gleich zu machen, die Männer mit der Schärfe des Schwerts zu erschlagen, Frauen und Kinder in die Sklaverei zu führen.

In Jathrib wohnten zwei arabische Stämme die Benu-Aus und Chazraǵ und die jüdischen Stämme Kuraiza und Nadhir (wie schon erwähnt). Abu-Karibi entbot zuerst die Stammeshäuptlinge zu sich ins Lager zum Zweck einer scheinbar friedlichen Unterredung. Als sie aber vor ihm erschienen, ließ er sie sämtlich enthaupten, bis auf einen ebenso tapferen wie dichterisch begabten Mann, Ochaichah, der dem Gemetzel entkam, nach der Stadt zurückkehrte, und einen festen Widerstand organisierte. Darauf belagerte Abu-Kariba mit seiner zahlreichen Reiterschar die Stadt und ließ die Palmenbäume, von denen die Bewohner ihre Hauptnahrung zogen, umhauen. Ein jüdischer Dichter aus Jathrib sang bei dieser Gelegenheit eine Elegie auf die umgehauenen Palmbäume28, welche die Araber wie lebende Wesen liebten und über deren Zerstörung sie wie über den Tod eines teuren Verwandten klagten. Die Juden kämpften, an Tapferkeit mit den Ausiten und Benu Chazraǵ wetteifernd, gegen Abu-Kariba und ermüdeten seine Schar. Während der Belagerung erkrankte der himjaritische König schwer und fand kein frisches Wasser in der Nähe, seinen brennenden Durst zu löschen. Alle diese Umstände machten ihn geneigt, auf friedliche Unterhandlung einzugehen. Zwei jüdische Gesetzeslehrer (Achbâr) aus Jathrib vom Stamme Kuraiza, mit Namen Kaab und Assad29, benutzten die Erschöpfung, in der sich Abu-Kariba befand, sich in sein Zelt zu begeben und ihm ins Herz zu reden, den Jathribenern zu verzeihen [83] und die Belagerung aufzuheben. Was ihm die jüdischen Weisen sagten, ist nicht bekannt, da die arabischen Quellen an diesem Punkte den Faden der Geschichte abgeschnitten und das Spinngewebe der Sage angeknüpft haben, um ihren Religionsstifter Mohammed und die Stadt seiner Hauptwirksamkeit (Medina) zu verherrlichen. Die Sage erzählt, Kaab und Assad hätten den himjaritischen König gewarnt, Jathrib zu bedrohen und zu zerstören, weil Gott selbst sie überwache, indem in derselben einst ein Prophet auftreten werde, der in Jathrib sein Asyl und sein Grab finden werde. Darauf habe sie Abu-Kariba gefragt, woraus sie das alles läsen, und sie hätten geantwortet: »In der Thora!« Als sie darauf der König gefragt, was denn an der Thora sei, hätten sie ihm von Moses Sendung gesprochen und ihm den Inhalt des Judentumes auseinandergesetzt30. Sicher ist nur so viel, daß die jüdischen Weisen Gelegenheit fanden, mit Abu-Kariba vom Judentume zu sprechen und ihm lebendiges Interesse dafür einzuflößen wußten. Die Auseinandersetzung von Kaab und Assad errege so sehr seine Teilnahme, daß er beschloß, das Judentum anzunehmen, und er bewog auch das himjaritische Heer, dasselbe zu tun.31.

Auf seinen Wunsch begleiteten ihn die zwei jüdischen Weisen aus Jathrib nach Jemen, um das Volk zum Judentume zu bekehren. Indessen war die Bekehrung nicht so leicht; ein Volk läßt nicht sofort auf Verlangen von seiner angewöhnten Denkart, seinen Sitten und Unsitten. Die Sage erzählt noch, die Bewohner der Hauptstadt Sanaa hätten dem Könige die Tore verschlossen und ihn mit Krieg bedroht, weil er den Kultus seiner Väter abgestellt. Darauf habe Abu-Kariba die Himjariten durch eine wunderbare Probe von der Göttlichkeit des Judentums überzeugt. In einem Berge, nahe bei Sanaa, gab es nämlich eine Höhle, welche von den Einwohnern benutzt wurde, um zweifelhafte Fälle zur Klarheit zu bringen. So oft ein Streit unter Parteien ausbrach, sandten die Richter beide in die Höhle, und regelmäßig soll der schuldige Teil von einem ausbrechenden Feuer verzehrt worden und die gerechte Partei verschont geblieben sein. In dieser Höhle soll auch das Judentum nach der [84] arabischen Sage die Feuerprobe bestanden haben. Während die Priester mit ihren Götzen von einer Flammenzunge, wie man sie bis dahin nicht gesehen, verbrannt worden wären, seien die zwei jüdischen Weisen, welche die Thora an ihren Hals gebunden hatten, unversehrt geblieben.32 Darauf hätten sämtliche Himjariten das Judentum angenommen.33 Kaab und Assad sollen auch einen Tempel des Götzen Rajam in Sanaa mit Erlaubnis des Königs zerstört haben, und der Dämon sei daraus unter der Gestalt eines schwarzen Hundes entflohen.34

Indessen weiß die beglaubigte Geschichte, daß nicht sämtliche Himjariten das Judentum angenommen, sondern daß ebensoviele Heiden wie Juden im Lande wohnten, ihre Götzentempel behielten und ihren Kultus frei üben durften. Überhaupt wird das Judentum, zu dem sich der König von Jemen bekannte, nur ein sehr oberflächliches geblieben sein, ohne tief in Sitte und Lebensweise einzudringen. – Auch ein Häuptling des edlen Stammes der Kenditen mit Namen Harith Ibn-Amru, Schwestersohn des Königs von Jemen, nahm das Judentum an. Abu-Kariba setzte ihn zum Unterkönig über die Maadditen am roten Meere und gab ihm auch die Statthalterschaft über Mekka und Jathrib.35 Mit Harith ging auch ein Teil der Kenditen zum Judentume über. Die Nachricht von einem jüdischen Könige und einem jüdischen Reiche in dem schönsten und fruchtbarsten Teile Arabiens verbreitete sich durch die vielen Fremden, welche das Land geschäftshalber besuchten, und drang bis zu den Juden der entferntesten Länder. Auch die Juden des westgotischen Spanien erfuhren davon, glaubten aber, daß der himjaritische König vom Hause Davids stammte (oben S. 70), wie denn überhaupt die Sage verbreitete, in Jemen befänden sich mehrere israelitische Stämme in ungebrochener Kraft, welche noch vor der Zerstörung des ersten Tempels und vor dem Untergange des israelitischen Reiches dorthin ausgewandert wären.36

Abu-Karibas Regierung war nach Annahme des Judentums nicht von langer Dauer. Sein kriegerischer Sinn ließ ihn nicht auf [85] dem Throne ausruhen, sondern trieb ihn zu kühnen Unternehmungen. Auf einem dieser Kreuzzüge soll er von seinem eigenen Heer, das der Mühen und Märsche überdrüssig war, erschlagen worden sein. Da Abu-Kariba drei unmündige Söhne hinterließ, Hassan, Amru und Zu'ra, so kam das Reich unter Vormundschaft. Der Regent Rabia Ibn-Nass'r aus dem Stamme der Lachmiden, bekannte sich ebenfalls zum Judentume.37 Er scheint gewissenhaft die Krone dem rechtmäßigen Thronerben Hassan übergeben zu haben (um 503), der aber, gleich seinem Vater, von Lust zu Kriegsabenteuern hingerissen, nicht lange regierte. Er soll durch die Hand seines eigenen Bruders Amru, den die Offiziere des himjaritischen Heeres dazu aufgestachelt hätten, gefallen sein (um 508). Amru soll aber seine blutige Untat bereut und die bösen Ratgeber haben hinrichten lassen. Er verfiel in eine schwere Gemütskrankheit, konnte sich nicht bewegen und mußte auf einer Sänfte getragen werden. Davon erhielt er den Namen der Mann der Sänfte (Dhul-Awad) oder der Sitzende (Al-Mauthabân). Während seiner kurzen Regierung und nach seinem Tode (um 510) geriet das himjaritische Reich in große Verwirrung und Zerstückelung. Die Unterkönige über verschiedene Landstriche machten sich unabhängig, verwandelten ihre Statthalterschaften in eigene Königreiche und regierten unter dem Titel Kail oder Dhu.38 Ein Usurpator Lachiatha Janûf39 bemächtigte sich der himjaritischen Städte Zafar und Sanaa, setzte sich auf den himjaritischen Thron und schändete ihn durch Weichlichkeit und Laster. Von dem Umstande, daß er nach Weiberart Ohrringe trug, erhielt er den Schimpfnamen Dhu-Schanatir (Ohrringträger).40 Der Wollüstling befleckte die übriggebliebenen Prinzen des himjaritischen Königsstammes durch unnatürliche Lüste. Sicherlich bekannte er sich nicht zum Judentume. Als sich aber Dhu-Schanatir auch an dem jungen Prinzen Zu'ra vergreifen und ihn schänden wollte, warf dieser sich auf den Lasterhaften, überwältigte den Schwächling und tötete ihn mit einem Messer. Die [86] Nachricht von dem Tode des Tyrannen verbreitete Jubel in der himjaritischen Hauptstadt. Die Bevölkerung begrüßte Zu'ra als den Retter des Landes, setzte ihm die Krone auf erklärte ihn für den Würdigsten, sie zu tragen41 (um 520).

Zu'ra, der von einer Burg42 den Namen Dhu-Nowas erhielt, war ein eifriger Anhänger des Judentums. Er legte sich deswegen zu dem arabischen auch den hebräischen Namen Jussuf bei. Sein Eifer für die Religion, für die sein Vater sich begeistert hatte, verwickelte ihn aber in Unannehmlichkeiten und brachte Unglück über ihn, sein Reich und die jüdischen Bewohner Himjaras. Als sollte das Judentum durchaus eines politischen Unterbaues und staatlicher Grundlage entbehren, führten Bestrebungen, welche der Kirche von Eroberung zu Eroberung verhalfen, das Judentum zu neuen Niederlagen. Der König Zu'ra Jussuf Dhu-Nowas hatte erfahren, welche Mißhandlungen seine Glaubensgenossen im byzantinischen Reiche täglich zu erdulden hatten, und es erfüllte ihn mit Teilnahme für die Bedrückten. Er wollte daher durch Repressalien die byzantinischen Kaiser zur Gerechtigkeit gegen die Juden zwingen. Als einst römische (byzantinische) Kaufleute in Handelsgeschäften durch Himjara reisten, ließ er sie auffangen und hinrichten. Diese Tat verbreitete Schrecken unter den christlichen Kaufleuten, welche mit dem Lande der Wohlgerüche und indischer Reichtümer in Verbindung standen. Der indisch-arabische Handel geriet dadurch ins Stocken. Dhu-Nowas beschwor aber dadurch einen schweren Krieg über sein Land herauf.

Ein Nachbarkönig, Aidug, wohl einer der Vasallenkönige, die sich losgerissen hatten, und der noch dem Heidentume zugetan war, machte dem jüdischen Könige Vorwürfe über seinen unpolitischen Schritt, den Handel mit Europa zu untergraben. Die Entschuldigung, welche Dhu-Nowas ihm gab, daß jährlich viele Juden unschuldigerweise im byzantinischen Reiche umgebracht werden, machte auf Aidug keinen Ein druck. Er erklärte ihm den Krieg, besiegte ihn in [87] einer Schlacht (521) und soll infolgedessen das Christentum angenommen haben. Indessen verlor Dhu-Nowas in diesem Kriege nicht das Leben, wie christliche Ouellen angeben, sondern raffte sich wieder auf, verwickelte sich aber durch heftige Erbitterung in neue Verlegenheiten. Die Stadt Neǵran in Jemen war meistens von Christen bewohnt und hatte auch einen christlichen Häupling Harith (Aretas) Ibn Kilâb, welcher ein Vasall des jüdisch-himjaritischen Reiches war. Harith mag bei dem Kriege gegen Aidug seine Vasallenpflicht nicht getan und sonst Widerspenstigkeit gezeigt haben. Eine Nachricht erzählt, in Naǵaran seien mit Wissen des Häuptlings Harith zwei jüdische Jünglinge ermordet worden, was den jüdischen König mit Unwillen erfüllt habe.43 Genug, Dhu-Nowas hatte Grund, den Herrscher von Naǵaran als einen Empörer zu züchtigen. Er belagerte die Stadt mit 120 000 Mann, wie übertreibend angegeben wird, und brachte die Einwohner in solche Bedrängnis, daß sie kapitulieren mußten. Dreihundertundvierzig angesehene Männer, mit Harith an der Spitze, begaben sich darauf in Dhu-Nowas' Lager, um die Friedensbedingungen zu unterzeichnen (523). Das soll der König vom Himjara, obwohl er den Männern Unverletzbarkeit zugesichert hatte, ihnen die Wahl zwischen Annahme des Judentums oder Tod gestellt haben, und, als sie sich weigerten, ihr Bekenntnis abzuschwören, sollen sie enthauptet und ihre Leichen in den Fluß geworfen worden sein. Die ganze Begebenheit ist aber so sagenhaft gehalten, daß der geschichtliche Kern nicht zu ermitteln ist.44 Sicher ist nur soviel, daß Dhu-Nowas den Christen im himjaritischen Reiche hohe Steuern aufgelegt hat, als Repressalie für die Mißhandlungen, welche seine Glaubensgenossen in den christlichen Ländern erlitten.

Das Gerücht trug die Vorgänge in Naǵaran von Zunge zu Zunge, vergrößerte die Zahl der Opfer, stempelte die Bestrafung von Empörern zu einer Christenverfolgung von seiten eines jüdischen Königs und dichtete daraus ein tränenreiches Matyrologium, das, obwohl die Erfindung und die Übertreibung an demselben noch kenntlich ist, noch heutigen Tages buchstäblich geglaubt wird. Nahrung erhielt das falsche Gerücht von Dhu-Nowas' Grausamkeit gegen die Christen durch einen Flüchtling Daus Dhu-Th'alabân, [88] welcher durch Arabien, Syrien und das byzantinische Reich wanderte und überall die gehässigsten Schilderungen von dem jüdischen Könige und den Leiden der Christen im Himjara entwarf, um die Gemüter zu einem Kreuzzug gegen den angeblichen Tyrannen und Christenverfolger zu erhitzen. Ein syrischer Bischof, Simeon, von Bet-Arscham, der gerade auf einer Reise nach Nordarabien begriffen war und den übertriebenen Schilderungen Glauben schenkte, tat ebenfalls das Seinige, dem jüdischen Könige Feinde zu erwecken. Simeon schickte ein geharnischtes Sendschreiben an einen anderen Bischof in der Nachbarschaft von Arabien (524) und beschwor ihn darin, die Christen gegen den jüdischen König aufzuhetzen und namentlich den Neǵus (König) von Äthiopien zum Kriege gegen ihn zu entflammen. Er machte auch den Vorschlag, daß die Lehrer des Judentums in Tiberias verhaftet und gezwungen werden sollten, an Dhu-Nowas zu schreiben, er solle die Bedrückung der Christen um ihretwillen einstellen. Daus begab sich seinerseits zum byzantinischen Kaiser Justin I., schilderte ihm übertreibend Dhu-Nowas' Grausamkeiten gegen die Christen, zeigte ihm ein halbverbranntes Evangelium, das er aus den Flammen gerettet haben wollte, und forderte von ihm im Namen der Religion Rache an dem jüdischen Könige. Der Kaiser, ein schwacher blödsinniger Greis, dessen Heer in einen Krieg mit Persien verwickelt war, ging auf Daus' Plan nicht ein. Er antwortete: »Himjara ist zu weit entfernt von uns, und ich kann kein Heer in so weite Strecken durch Sandwüsten marschieren lassen. Aber ich werde an den König von Äthiopien schreiben; er bekennt sich zum Christentume wie wir, und er ist Arabien näher als ich.« Er schrieb auch in der Tat an den äthiopischen König Elesbaa (oder Atzbeha), Truppen nach Himjara zu senden.

So verschworen sich viele Feinde, einen König zu verderben, der es gewagt hat, sich seiner Glaubensgenossen mit Wärme und Eifer anzunehmen. Dhu-Nowas' mächtigster Feind war der Neǵus von Äthiopien, Elesbaa, ein Mann von Glaubenseifer durchdrungen, der mit Mißgunst die Krone auf dem Haupte eines Juden sah.45 Es bedurfte bei ihm nicht der Aufstachelung von allen Seiten, ihm war das jüdische Reich längst ein Dorn im Auge. Elesbaa rüstete eine bedeutende Flotte aus, welche der byzantinische Kaiser oder [89] vielmehr sein junger Mitregent Justinian durch Schiffe von Ägypten aus verstärkte. Ein zahlreiches Heer setzte über die schmale Straße des roten Meeres nach Jemen über, und die christliche Mannschaft schloß sich ihm rachevoll an. Dhu-Nowas traf zwar Vorkehrungen, das äthiopische Heer am Landen zu hindern, indem er die Landungsplätze mit Ketten sperren ließ und seinerseits ein Heer sammelte. Allein das himjaritische Heer stand im Mißverhältnis zu den zahlreichen äthiopischen Kriegsscharen. Die kleinen Könige von Jemen (die Kail), welche Dhu-Nowas aufgefordert hatte, das gemeinsame Vaterland vor dem Eindringen fremder Heere zu verteidigen, blieben gleichgültig gegen die herannahende Gefahr oder waren im voraus von Elesbaa gewonnen. So war der jüdisch-himjaritische König auf sein treues Heer, das aus Reiterei bestand, und auf seinen Mut angewiesen. Das erste Zusammentreffen fiel ungünstig für Dhu-Nowas aus. Die Stadt Zafara (Thafar) fiel in die Hände des Feindes und mit ihr die Königin und die Schätze. Den himjaritischen Kriegern entsank der Mut. Juffuf Dhu-Nowas, der alles verloren sah, starb eines Königs würdig. Um nicht in die Hände des übermütigen Feindes zu fallen, stürzte er sich mit seinem Rosse von einem Felsen ins Meer, das seine Leiche ins Weite trug (um 530.46) Die siegenden Äthiopier wüteten in Himjara mit Feuer und Schwert, plünderten, mordeten und führten die Wehrlosen als Gefangene hinweg. Am heftigsten waren sie gegen die Juden in Himjara entflammt, und Tausende von ihnen fielen als Sühnopfer für die zweideutigen christlichen Märtyrer von Naǵaran. Das war das Ende des jüdisch-himjaritischen Reiches, das über Nacht entstanden und über Nacht wieder verschwunden war. Etwa drei Jahrzehnte, seitdem Abu-Kariba das Judentum in Jemen eingeführt hatte, beherrschte es ein christlicher König. Die Juden, welche dem Schwerte der Äthiopier entgangen waren, retteten sich sicherlich nach Nordarabien, so daß gewiß kein Jude in Himjara geblieben ist. Um so mehr erscheint die Erzählung als augenfällige Erfindung, daß ein Bischof, Gregentius von Tafar, vierzig Tage lang einen Religionsdisput mit einem gelehrten Juden gehalten und ihn wie die übrigen Juden für das Christentum gewonnen habe.47

[90] Ungefähr um dieselbe Zeit gerieten auch die Juden von Jathrib in heftige Fehden mit ihren arabischen Mitbewohnern. Sie scheinen mit dem Untergange des jüdisch-himjaritischen Reiches in ursächlichem Zusammenhange zu stehen. Die jüdischen Stämme in Jathrib hatten wegen ihrer Beziehung zum himjaritischen Könige, dem Oberherrn der Landschaft, die Herrschaft über die heidnisch-arabischen Stämme. Ein jüdischer Häuptling, den einige Quellen Alghitjun, andere Scherif Ibn-Kaab nennen, führte das Regiment. Die Araber aus den Stämmen Kaila (Aus und Chazraǵ) trugen aber mit Unwillen die Abhängigkeit von den Juden und nahmen die Gelegenheit wahr, sobald die letzteren keine Unterstützung von Himjara aus zu erwarten hatten, sie abzuschütteln. Die näheren Vorgänge sind jedoch nicht bekannt; es wird nur berichtet, daß ein chazraǵitischer Häuptling Malik, Sohn oder Enkel Aǵlans, auswärtige Hilfe herbeirief, um seine Stammesgenossen unabhängig zu machen. Ein Häuptling der Araber aus dem Stamme Ǵafan, Harith Ibn Abu-Schammir, mit dem Beinamen Alaraǵ (der Hinkende), der mit den Stämmen Kaila blutsverwandt war, wurde angegangen, mit seinen kriegerischen Scharen nach Jathrib zu kommen. Dieser abenteuerlustige Araberfürst, der im Dienste des byzantinischen Hofes stand, nahm die Einladung nur zu willig an. Um den Argwohn der Juden nicht zu erregen, als gälte der Kriegszug ihnen, gab Ibn-Abu-Schammir vor, er beabsichtige seinen Marsch nach Himjara zu nehmen. Er schlug bei Jathrib ein Lager auf und lud die jüdischen Häuptlinge zu sich ein. Viele von ihnen erschienen in der Erwartung, von dem freigebigen Fürsten mit Geschenken bedacht zu werden, wie es Sitte war. Sobald sie aber das Zelt des gafanidischen Fürsten betraten, wurden sie einzeln niedergemacht. Darauf sprach Ibn-Abu-Schammir zu den Arabern von Jathrib: »Ich habe euch von einem großen Teil eurer Feinde befreit; jetzt wird es euch leicht sein, die übrigen zu bewältigen, wenn ihr Kraft und Mut zeigt.« Er zog ab. Die arabischen Stämme wagten aber doch nicht, offen mit den Juden anzubinden, sondern nahmen zur List ihre Zuflucht. Malik, der chazraǵitische Häuptling, wußte die Juden zu überzeugen, daß der von dem gafanidischen Fürsten begangene Mord an den jüdischen Häuptlingen ohne ihr Wissen und Wollen geschehen sei, und forderte sie auf, jedes Mißtrauen fahren zu lassen und ein Friedensbündnis mit ihren Nachbarstämmen zu schließen. Er bereitete zu diesem Zweck ein Gastmahl vor und lud die jüdischen [91] Häuptlinge dazu ein. Sie gingen in die Falle und wurden während des Mahles ermordet. Auch der jüdische Fürst Alghitjun oder Ibn-Kaab wurde von Malik erschlagen. So ihrer Führer beraubt, wurden die Juden von Jathrib leicht von den Arabern überwunden und mußten ihnen die besten Plätze einräumen (um 530-35). In der ersten Zeit konnten sie den Verlust ihrer Herrschaft und das Gefühl der Demütigung nicht verschmerzen. Ihr ganzer Unwille war gegen Malik Ibn-Aǵlan, den Urheber ihres Sturzes, gerichtet. Sie sollen sein Bild in ihren Synagogen aufgehängt und, so oft sie dieselben betraten, Flüche gegen dasselbe ausgestoßen haben. Die Unsicherheit ihres Daseins bewog sie aber, ihrem Hasse keinen Raum zu geben. Sie begaben sich nach und nach unter den Schutz des einen oder des anderen Stammes und wurden auf diese Weise Klienten oder Schutzgenossen (Mawâli) der Aus und Chazraǵ.48 Sie hofften aber auf die Ankunft des Messias, der ihre Feinde demütigen werde.49

Der ǵafanidische Fürst Harith Ibn-Abu Schammir führte auch auf seinem Rückzuge von Jathrib eine Fehde gegen einen jüdischen Dichter, der dadurch unter den Arabern eine außerordentliche Berühmtheit erlangt hat. Samuel Ibn-Adija (geb. um 500, gest. um 560), dessen ritterlicher Charakter sich durch die Angriffe der Gafaniden bewährt hat, ist durch seine Verbindung mit dem bedeutendsten arabischen Dichter der vormohammedanischen Zeit zur Unsterblichkeit gelangt. Seine Geschichte gewährt einen Einblick in die Lebensverhältnisse der arabischen Juden. Samuel stammte nach einigen aus einem heidnischen Geschlechte, aus dem Stamme der Gafaniden, nach anderen dagegen war er jüdischen Ursprungs oder richtiger, er hatte eine arabische Mutter und einen jüdischen Vater.50 [92] Sein Vater Adija wohnte früher in Jathrib, baute aber später in der Gegend von Taima eine Burg, die von ihrer bunten Farbe Alablak genannt und in der arabischen Poesie verewigt wurde. Samuel, Häuptling eines kleinen Stammes, war in Heǵas so angesehen, daß sich schwache arabische Stämme, wie die Benu-Fezara, unter seinen Schutz begaben. Jeder Verfolgte und Geächtete fand in Alablak Asyl, und der Besitzer der Burg stand mit seinem Leben für die Sicherheit der Schützlinge ein. Als der abenteuernde kenditische Fürstensohn Imrulkais Ibn-Hoǵr, der Dichterkönig der Araber, der den Meuchelmord an seinem Vater zu rächen hatte, von heimlichen und offenen Feinden umlauert und eingeengt, nirgends Schutz finden konnte, kam er einst nach langen Irrfahrten zu einem Häuptling der Benu-Fezara und bat ihn um gastfreundliches Asyl. Dieser, mit Namen Amru Ibn-Gabir, vermochte ihm aber keines zu gewähren und erwiderte ihm mit echt arabischer Beredsamkeit: »Soll ich dir einen Schutzort zuweisen? Ich habe den Kaiser der Griechen besucht und das Reich des Naman von Hira gesehen, aber ich habe nirgends eine Stätte gefunden, welche die Hilfeflehenden besser zu schützen vermöchte als der Ort, den ich dir nennen werde, und ich habe keinen eifrigern Beschützer kennen gelernt, als den Herrn desselben.« »Wer ist der Mann und wo wohnt er?« fragte Imrulkais. »Es ist der Jude Samuel, Sohn Adijas«, antwortete Amru, »und ich werde dich durch einen sicheren Führer in seine Burg geleiten lassen. Sicherlich ist das der rechte Mann, der dir in deiner Ratlosigkeit beistehen wird.« Der Ratgeber gab ihm hierauf einen Führer, Rabia Ibn-Dhaba, der ebenfalls Dichter war. Unterwegs sprach Rabia zum Fürstensohn: »Samuel liebt die Dichtkunst; dichten wir beide ein Loblied auf ihn, das wir in seiner Gegenwart abwechselnd vortragen, um ihn für dich einzunehmen.«

In Alablak angelangt und zu dem jüdischen Burgherrn geführt, begannen beide arabische Dichter ihren Wettgesang, um Samuels Wohlwollen durch die Verherrlichung seiner Person zu gewinnen, nach der übertreibenden Manier der Araber. Imrulkais' Lobgedicht auf [93] Adijas Sohn ist nicht bekannt. Von Rabias Versen dagegen sind einige erhalten und enthalten eine ziemlich plumpe Schmeichelei:


»An Samuel erkennt man Überlegenheit jeder Art, er übertrifft die

Sterblichen alle und läßt seine Zeitgenossen weit hinter sich zurück.«


Der jüdische Dichter und Burgherr, wenn auch nicht von solcher Schmeichelei gewonnen, war jedenfalls stolz darauf, dem gefeiertesten Dichter Arabiens, dessen Ruf und Abenteuer auf der Halbinsel erklangen, Asyl zu geben. Er nahm Imrulkais, seine Tochter und sein übriges Gefolge in Alablak auf und beherbergte sie einige Zeit. – Da der kenditische Prinz keine Aussicht hatte, unter den arabischen Stämmen Hilfe zur Rachenahme an dem Mörder seines Vaters (Mondhir, König von Hira) und zur Wiedereroberung seines väterlichen Erbes zu finden51, ging er mit dem Plane um, dem byzantinischen Kaiser Justinian, dessen morgenländische Besitzungen durch den lachmidischen Araberfürsten Mondhir sehr viel gelitten hatten, für sich zu gewinnen. Er wollte eine Reise nach Konstantinopel unternehmen und ein Heer zur Bekämpfung seines Erzfeindes anwerben. Als sich Imrulkais zur Reise anschickte, ließ er sich von Samuel ein Empfehlungsschreiben an den hinkenden Gafanidenfürsten, den schon genannten Harith Ibn-Abu-Schammir, geben, welcher im Dienste des byzantinischen Kaisers stand. Harith sollte auf Samuels Empfehlung dem kenditischen Fürstensohne sicheres Geleite bis zur Hauptstadt des byzantinischen Reiches verschaffen. Der jüdische Dichter mußte also bei dem Gafanidenfürsten etwas gegolten haben, vermutlich wegen seiner Abstammung vom Gafanidenstamme mütterlicherseits. Imrulkais übergab Samuel bei seiner Abreise seine Tochter, seinen Vetter, fünf wertvolle Kettenpanzer und andere Waffen zur Bewahrung. Samuel versprach ihm, die ihm anvertrauten Personen und Gegenstände wie seinen Augapfel zu hüten. Aber diese Waffen brachten ihm Unglück. Als nämlich der Gafanidenfürst in Heǵas war, sicherlich zur Zeit, als er von den Stämmen Kaila gegen die Juden von Jathrib gerufen worden war, rückte er vor Samuels Burg Alablak und verlangte die Auslieferung von Imrulkais' Waffen, man weiß nicht, ob noch während dessen Leben oder nach seinem Tode. Welches Recht Harith darauf geltend machte, oder ob die Forderung nur ein Vorwand war, und [94] wodurch sich überhaupt seine Gesinnung gegen Samuel feindselig geändert hat, dies alles ist sehr dunkel.

Samuel verweigerte, seinem Versprechen gemäß, die Auslieferung der Waffen. Darauf veranstaltete Harith eine förmliche Belagerung der Burg. Da diese aber unangreifbar war, so wandte der Unmensch ein grausames Mittel an, Samuel zur Nachgiebigkeit zu zwingen. Er hatte einen Sohn Samuels, der von seiner Amme außerhalb der Festung geführt wurde, gefangen, und drohte ihn zu töten, falls der Vater seinen Wunsch nicht erfüllte. Einen Augenblick nur schwankte der unglückliche Vater zwischen der Pflicht für seinen Schützling und dem Gefühle für seinen Sohn; bald gewann jene die Oberhand, und er sprach zu dem Gafanidenfürsten: »Tue was du willst; Verrat ist ein Halsband, das nicht rostet, und mein Sohn hat Brüder!« Der Unmensch, ungerührt von solchem Hochsinn, tötete den Sohn vor den Augen seines Vaters. Harith mußte dennoch unverrichteter Sache von Alablak abziehen. Auf seinem Rückzuge durch die Landschaft Chaibar bekämpfte er, vielleicht aus Rachegefühl, die dortigen Juden, machte viele Beute und schleppte Frauen und Kinder als Gefangene mit. Später gab er ihnen wieder die Freiheit.52 Samuel überlieferte die Waffen auf der Messe zu Okaz den rechtmäßigen Erben. Es bildete sich daher unter den Arabern ein Sprichwort: »Treuer als Samuel« sagten sie, wenn sie übertreibend den höchsten Grad von Treue bezeichnen wollten.

Gegen diejenigen, welche ihn ob seiner Härte gegen seinen Sohn tadelten, verteidigte er sich in einem Gedichte, das Gesinnungsadel, Mut und Ritterlichkeit auf eine kräftige Weise ausdrückt:


»O Tadlerin, laß ab den Mann zu tadeln,

Den man schon oft dem Tadel trotzen schaute.

Du solltest, irrte ich, zurecht mich weisen,

Nicht irren mich mit unverständigem Laute.

Bewahrt hab' ich des Kenditen Panzer,

Verrat' ein anderer das ihm Anvertraute!

So riet vordem mir Adija, mein Vater:

O, reiß nicht ein, Samuel, was ich baute!«

Er baute fest die Feste mir, in welcher

Dem Dränger Trotz zu bieten mir nicht graute.«


Von den Lebensschicksalen und dem Ende des ritterlichen Dichters ist sonst nichts bekannt. Er scheint aber mit viel Ungemach gekämpft und stets seine Ehre gewahrt zu haben, wie folgendes Gedicht bezeugt:


[95] »Wenn zweifelhaft und mißlich stehn die Sachen,

Und den Bedenker bang die Folgen machen,

Die Knochen bricht der enggeschnallte Brustgurt,

Und sich von Brüdern sagenlos die Schwachen:

Dann meid' ich, was bequemer meiner Schwäch' ist,

Und tu' was dient die Ehre zu bewachen.«


Vor seinem Ende (um 560) konnte er mit stolzem Bewußtsein auf sein ritterliches Leben und seinen Schutz, den er den Schwachen gewährt, zurückblicken. Sein Schwanenlied lautet:


»O wüßt' ich, wann sie meinen Tod einst klagen,

Was mir die Klagefraun für Zeugnis geben,

Ob sagen: »Geh nicht von uns! Denn in mancher

Bedrängnis wußtest du, uns zu erheben.

Dein Recht zu nehmen ließest du niemals zu,

Und ließest dich nicht mahnen, es zu geben«53.


Sein Sohn Schoraich54 folgte in seine Fußstapfen der Ehre und Hochherzigkeit. Als einst der gefeierte arabische Dichter Maimun Ascha, dessen ungebundene Laune ihm viel Feinde gemacht, von einem Gegner verfolgt, gefangen und zufällig unter anderen Gefangenen unerkannt in Schoraichs Burg Taima gebracht wurde, sang er als Mittel zur Rettung ein Lobgedicht auf Samuel:


»Sei wie Samuel, als ihn dort umdrängte

Der Kriegsfürst mit des Heeres Waffenlast:

Steh' zwischen Kinderlosigkeit und Untreu!

O schlimme Wahl, die du zu wählen hast.«

Doch er sprach schnell gefaßt: Ermorde deinen

Gefangenen, ich beschirme meinen Gast.«


Schoraich, gerührt von den Versen zum Andenken an seinen Vater, bemühte sich den gefangenen Dichter Ascha zu befreien. Er bat den Sieger, mit dem er befreundet war, ihm diesen Gefangenen zum Geschenk zu machen, was dieser ihm gern gewährte, da er in ihm nicht seinrn Feind vermutete. Ascha, von den Fesseln befreit, ließ sich von Schoraich ein schnellfüßiges Kamel geben, eilte davon und dankte seine Rettung Samuels edlem Sohne (um 580).

[96] Gegen das Ende des sechsten Jahrhunderts hatten sich die Juden von Jathrib wieder von den harten Schlägen, welche ihnen die arabischen Nachbarstämme versetzt hatten, so ziemlich erholt. Ihre Herren, die Stämme Aus und Chazraǵ, hatten sich in blutigen Fehden, die zwanzig Jahre gedauert haben, erschöpft, während die Juden in ihrem Schutzverhältnisse weniger davon berührt waren. Infolge eines zweiten Krieges zwischen denselben Stämmen kamen die Juden wieder zu einer Bedeutung in Jathrib. Dieser Krieg, der infolge der Ermordung eines jüdischen Schützlings ausbrach und über dreißig Jahre dauerte (um 583-615), hatte folgenden Ursprung: Ein Mann aus dem Stamme Aus, Hatib, hatte einen Juden erschlagen, der zu den Schützlingen der Chazraǵ gehörte; dafür nahmen diese Rache und töteten den Mörder. Dieser Vorfall entzündete wieder den unter der Asche glimmenden Funken des Hasses zwischen den beiden Stämmen. Anfangs hatte die Feindseligkeit einen harmlosen Charakter. Man schlug sich mit Stöcken, so oft die feindlichen Parteien aneinander gerieten. Nach und nach wurde sie blutig, zumal als die Aus ihren Anführer verloren, ihre Gegner die Oberhand in Jathrib erhielten und einen Zweig der Aus, die Benu-Nabit, daraus verbannten. Die zwei kriegerischen jüdischen Stämme Kuraiza und Nadhir hielten sich anfangs neutral, obwohl der Krieg wegen Ermordung eines ihrer Glaubensgenossen ausgebrochen war.

Die gedemütigten Aus, welche Verstärkung brauchten, wandten sich an die Juden mit der Bitte, Partei für sie zu nehmen, und diese waren auch einet geneigt dazu, da sie wahrscheinlich von dem Übermut der Chazraǵ manches zu erdulden hatten. Als die Sieger Nachricht von dieser Geneigtheit der jüdischen Stämme erhielten, ihren Gegnern beizustehen, schickten sie eine Botschaft an sie ab, folgenden Inhalts: »Wenn euch mit den Aus vereinigen werdet, rufen wir andere zahlreiche ihr Stämme für uns auf, durch deren Hilfe wir euch vernichten werden. Und selbst wenn wir unterliegen sollten, werdet ihr nicht verschont bleiben; denn unsere Verbündeten werden unsere Niederlage rächen und euch züchtigen. Wenn ihr daher klug seid, so nehmet keine Partei und laßt uns unseren Streit mit unseren Brüdern unter uns auskämpfen.« Die Stämme Kuraiza und Nadhir fanden diesen Rat gerecht und versprachen Neutralität. Die Chazraǵ verlangten aber Bürgschaft für dieses Versprechen und ließen sich vierzig jüdische Kinder als Geiseln liefern, welche verschiedenen chazraǵitischen Familien zur Wahrung übergeben wurden.

[97] Einige Zeit darauf benutzte ein treuloser Häuptling Amru Ibn-Noman aus dem chazraǵitischen Zweig Bejdha die jüdischen Geiseln zur Bedrückung der Juden. Er sprach zu seinen Stammesgenossen: »Unser Vater Bejdha hat uns ein undankbares Gefilde hinterlassen, während die Juden der Kuraiza und Nadhir das beste Wasser und die fruchtbarsten Dattelpflanzungen haben. Zwingen wir sie, uns ihr Gebiet abzutreten.« Die Benu-Bejdha waren damit einverstanden und ließen den Juden wissen, wenn sie ihnen ihre Ländereien nicht überlassen wollten, würden sie ihre Kinder umbringen. Die Kuraiza waren aus Erbarmen für ihre Kleinen geneigt, sich der harten Bedingung zu fügen. Aber einer unter ihnen, Kaab Ibn-Assad stachelte ihren Mut auf, sich diese Schmach nicht gefallen zu lassen, und sie ließen den Benu-Bejdha sagen: »Wir treten nichts ab von unserem Gebiete, führt eure Drohung aus, wenn ihr es wollet.« Darauf töteten diese auf Amrus Anraten die jüdischen Geiseln, welche bei ihnen untergebracht waren. Sie überredeten auch andere chazraǵitische Familien, ihre Untat nachzuahmen. Die Besonnenheit eines chazraǵitischen Häuptlings rettete den übrigen Geiseln das Leben. Abdallah Ibn-Ubej, ein Mann von eben so großer Klugheit und Gerechtigkeitsliebe, wie von Tatkraft, erklärte, er wollte nicht Mitschuldiger einer solchen Grausamkeit und eines solchen Wortbruches sein, und schickte ein jüdisches Kind, das ihm übergeben war, seinen Eltern zurück; sein gegebenes Beispiel wurde von anderen Häuptlingen nachgeahmt.

Darauf nahmen die Juden sofort offen Partei für die Aus, boten den vertriebenen Benu-Nabit ihre Häuser als Zufluchtsstätten an und erklärten, daß sie sie als Brüder aufnehmen und verteidigen werden. Die Kuraiza und Nadhir rüsteten sich alsbald zum Kampfe und sammelten sich unter dem Befehle des Kaab Ibn-Assad. Der jüdische Stamm Kainukaa, der mit den Chazraǵ verbunden war, wollte jedoch die Verbindung nicht auflösen und kämpfte fortan in deren Reihen gegen die eigenen Religions- und Stammesgenossen. Da beide Parteien sich durch Hinzuziehung von Hilfsscharen gestärkt hatten, so fiel das Treffen, das sie einander auf dem Gebiete der Kuraiza in Buath lieferten, blutig aus; die Kuraiza und Nadhir kämpften unter Kaab mit Löwenmut. Die Chazraǵ wurden aufs Haupt geschlagen und zersprengt, und der grausame Amru Ibn-Noman wurde tödlich verwundet. Die Kainukaa litten mit ihnen, aber ihre Religionsgenossen aus den Familien Kuraiza und Nadhir lösten deren[98] Gefangene aus, welche in die Hände der siegenden Aus und ihrer Bundesgenossen gefallen waren. Nachdem die Chazraǵ die Sieger um Schonung ihres Lebens angefleht hatten, stillte sich die Wut der Sieger; aber sie verwüsteten die Häuser und Palmenpflanzungen ihrer Gegner. Abdallah Ibn Ubej hatte keinen Anteil an dem Kampfe genommen und sich, um der Wut der Sieger zu entgehen, in seiner Burg verschanzt. Aber der ausitische Führer Hodhair und der jüdische Häuptling Kaab hatten vor der Schlacht geschworen, sie wollten nicht eher Wein trinken, bis sie die Chazraǵ besiegt und das Schloß Muhazem zerstört haben würden. Sie unternahmen daher mit ihren Truppen die Zerstörung desselben. Da aber Abdallah Zeugen aufstellen konnte, daß er nicht beteiligt am Kampfe war, und daß er sich Mühe gegeben, seine Stammesgenossen von dem heillosen Kriege abzuraten, so begnügten sie sich, in der Mauer eine Bresche zu machen.55 Infolge dieses Jathribkrieges, auf den ein Friedensschluß folgte (615), wurden die jüdischen Stämme wieder ebenbürtige Bundesgenossen der Araber von Jathrib. – Indessen war mit dem Friedensschlusse die Erbitterung nicht aus den Gemütern verwischt. Die Chazraǵ konnten ihre Demütigung nicht verschmerzen und die Aus ihren Übermut nicht zügeln. Es gab noch immer kleine Reibungen in Jathrib, die nur durch die Klugheit Abdallahs nicht zur Kriegsflamme aufloderten. Abdallah ging damit um, König von Jathrib zu werden und hatte zu diesem Zwecke die Kainukaa eng an sich gefesselt. Sie verteidigten ihn gegen die Ausiten und seine Gegner aus dem eigenen Stamme.56 Er wußte aber auch den Stamm Nadhir von ihren Bundesgenossen abzuziehen und für die Chazraǵ zu gewinnen. Die Nadhir wurden nun Gegner der Ausiten und der Juden aus dem Stamme Kuraiza (615-622). Der Schutz, den ihnen Abdallah verhieß und gewährte, kam ihnen aber zu statten, als ein mächtiger Feind, zu dessen Größe die Juden viel beigetragen, den Fanatismus der Araber gegen sie entzündete.


Fußnoten

1 [Über Juden in Medina vor und nach Muhammeds Auftreten vgl. besonders Hirschfeld in Rev. des. Ét. juives VII. S. 147 ff., wo auch Proben aus jüd.-arab. Dichtern gegeben werden; vgl. ferner ebendenselben in The Jewish Encyclopaedia II, S. 42.]


2 Die Quellen dieser Sagen, Mohammed Abulfara's Kitab Al-Aghani, Abulfeda historia anteislamitica und Ibn-Khaldun sind angegeben von Caussin de Perceval: essai sur lhistoire des Arabes T. II. p. 642 f.


3 Tabari mitgeteilt von de Sacy, mémoire de l'Académie des inscriptions T. XLVIII. p. 670. Abulfeda und Ibn-Khaldun bei Caussin de Perceval das. 644.


4 Kitab Al-Aghani und Ibn-Khaldun bei demselben 645 f. Ibrahim Halevi bei Weil: Mohammed der Prophet S. 413 zu Anmerkung 144.


5 Es ist sicherlich ein Fehler, aus falscher Etymologie hervorgegangen, wenn der Verf. des Samhudi die Kuraiza mit den Karäern identifiziert. Ritter Erdkunde XII. S. 63.


6 Rapoport in Bikure ha-Ittim (Zeitschrift) Jahrg. 1824. S. 51 ff.


7 Abulfeda ed. Adler I. 65. Vgl. Weil: Mohammed 186 f.


8 Vgl. Ritter Erdkunde XII. 62. 402.


9 Philostorgius c. III. No. 4.


10 Vgl. Caussin de Perceval, essai sur l'histoire des Arabes ebendas. I. 34.


11 Procopius de bello persico I. 19. Ritter Erdkunde XIV. 19.


12 Ibn-Khaldun bei Caussin de Perceval III. 80.


13 Das.


14 Koran Sura II. Vers 85 und die Kommentatoren dazu. Ich zitiere den Koran nach Maraccios Text und nach dessen Versabteilung.


15 Vgl. ein Fragment eines jüdischen Dichters aus dem Kitab-al-Aghani, mitgeteilt von Perron im Journal asiatique 1838 Novembre p. 446 noch aus dem Jahrhundert vor Mohammed. Vgl. weiter.


16 Weil im Leben Mohammeds stellt unrichtig auf, daß das Assirjanijiah, dessen sich die jüdischen Sekretäre Mohammeds bedient, und das im Chamis mit Kitab al-Jahûd identifiziert wird, syrisch bedeute (S. 140 und Note 209). Warum sollten sich die Juden der syrischen Schriftzüge bedient haben? Das Assirjanijiah bedeutet aber nichts anders als das im Talmud erwähnte Kitab aschurit, welches die übliche Quadratschrift ist, im Gegensatze zu Ibrit, der alten oder samaritanischen Schrift. Die Araber lernten das Schreiben erst wenige Jahrzehnte vor Mohammed. Vgl. de Sacy mémoire de l'Académie des inscriptions T. L. 315 und Journal asiatique 1836 S. 533 S. 537 f. Caussin de Perceval histoire des Arabes I. 262. [Es beweisen jedoch alte, aus dem 6. Jahrhundert stammende arabische Inschriften, daß der arabischen sogen. kufischen Schrift, ebenso wie der hebräischen Quadratschrift, die alte aramäische Schrift zugrunde liegt; vgl. Harkavy bei Rabbinowitz a.a.O. S. 79.]


17 Öfter im Koran.


18 Alkazwini bei Pococke specimen ed. White 301 und die alten Traditionen darüber zusammengestellt von Mahmud Effendi im Journal asiatique, Jahrg. 1858 S. 117 ff.


19 Vgl. Weil Mohammed S. 93, 164.


20 Koran an mehreren Stellen.


21 Folgt aus Sura II. und G'elaldeddin bei Maraccio I. 61.


22 Baidawi zu Koran Sura II. 90.


23 Der Eingang der zwölften Sura des Koran von Joseph zeigt deutlich, daß die Geschichte und Sage von Juden stammen.


24 Geiger schließt irrtümlich aus dem Vorkommen mehrerer hebräischen und talmudischer Wörter im Koran, wie Thaurât, Luchât, G'anat-Adn, G'ahannam, Sabt, Thâbût, Sekinah, Achbâr, Taghut (Taut, תועט Götzendienst), zu denen man noch hinzufügen könnte Messieh, Nebi, und andere, daß Mohammed sie aus dem Judentume aufgenommen habe. Im Gegenteil, da sie im Koran ohne Erläuterung gebraucht werden, so folgt daraus, daß sie bereits vor Mohammed eingebürgert waren und von Mohammeds Zuhörern ohne weiteres verstanden waren. Vgl. Geigers Preisschrift: Was hat Mohammed aus dem Judentum aufgenommen S. 44 ff.


25 Diesen interessanten Punkt überliefern die meisten arabischen Schriftsteller, von den ältesten Abu-Mâschar, Albiruni und Maßudi bis auf Abulfeda, Vgl. Mémoire de l'académie des inscriptions vol. LXVIII p. 616 ff.; Journal asiatique 4me. série T. I. p. 346, und die ausführliche Abhandlung von Mahmud Effendi: sur le calendrier arabe avant l'islamisme im Journal asiatique 5me. série T. II, p. 173 ff.


26 Die Sagenhaftigkeit der Abstammung der Araber von Ismael, welche sich gewiegte Historiker nicht klar machen konnten, sowie der Ursprung der Kaaba ist lichtvoll behandelt von Dr. Ley in einer Inauguraldissertation: de templi Meccani origine, Berlin, 1849, bei Schade. Die Verwandtschaft zwischen Arabern und Juden durch Abraham galt schon vor Mohammed als Tatsache. [Vgl. von jüd. Quellen den Bericht in Pirke di R' Eliëser Kap. 30.]


27 Vgl. Note 10. T. Ende.


28 Kitab al-Aghani, mitgeteilt von Perron im Journal asiatique, Jahrg. 1838, S. 446.


29 Tabari, mitgeteilt von de Sacy in mémoire de l'académie des inscriptions T. XLVIII. S. 873. Da heißt es ausdrücklich: deux docteurs juifs habitants de Koreïta, dont l'un se nomma Caab et l'autre Asad, vinrent le trouver (Tobba).


30 Kitab al-Aghani im Journal asiatique das. und andere Schriftsteller im genanntem mémoire.


31 Über die Geschichtlichkeit der Tatsache und die Chronologie vgl. Note 10. I. [Indessen hat erst sein Sohn Jussuf sich förmlich zum Judentum bekannt; vgl. Nöldeke a.a.O. S. 178.]


32 Tabari bei de Sacy das. 675, und andere arabische Schriftsteller.


33 [Die Bekehrung der Himjariten zum Judentum unter Jussuf erstreckte sich auch nicht über das gesamte Volk; vgl. Nöldeke a.a.O. Anm. 4].


34 Ibn-Ischak in Sirat ar-Rasul f. 5.


35 Vgl. Note 10. I.


36 Vgl. weiter bei Eldad, dem Daniten, Note 19.


37 [Vgl. jed. Rothstein, Die Dynastie der Lachmiden in Al-Chira, Berlin 1899, S. 39.]


38 Vgl. darüber Caussin de Perceval, histoire des Arabes T. I. S. 100-105, 117 f.


39 [Über den Namen vgl. Nöldeke a.a.O. S. 173 Anm. 1.]


40 [Schanâtir bedeutet vielleicht »Finger«; möglich auch, daß es bedeutet: der von Schanâtir. Vgl. Nöldeke a.a.O.]


41 Ibn-Ischak Sirat ar-Rasul f. 5. Abulfaraǵ Isfahani Kitab al-Aghani IV. 298. Ibn-Badran ed. Dozy 84 f. Schultens historia Joctanidarum 26. 78.


42 Kremer bei Nöldeke, a. a O. S. 174 ff. Fell, die Christenverfolgung in Südarabien, Zeitschrift der D. M. Gesellsch. 1881. [Über die jüd.-himjaritische Christenverfolgung vgl. auch Halévy in RÉJ. XVIII, 16-42, 161-178, u. XXI. 73-76.]


43 Ibn-Alkelbi, zitiert von Ibn-Khaldun bei Caussin de Perceval, histoire des Arabes I. 128.


44 Vgl. Note 10. II.


45 [Über den Beweggrund vgl. Nöldeke a.a.O. S. 188, Anm. 1.]


46 Vgl. Note 10 II.; Caussin de Perceval, histoire des Arabes das. 110 f.


47 Schon von Pagi als Fabel erkannt, zu Baronius annales Jahr 523. Note X.


48 Kitab al-Aghani und Ibn-Khaldun bei Caussin de Perceval, histoire des Arabes T. II. 650 f. Vgl. Note 10. III.


49 Weil, Mohammed S. 411 nach Ibrahim Halebi.


50 Ibn-Doraid bei Rasmussen: historia regnorum Arabum ante Islamismum p. 11, berichtet über ihn nach dessen Übersetzung: Samuel religione erat Judaeus, neque vero gente. Erat enim Arabs et quidem de nobilissima prosapia regum ghassanidarum. Vgl. darüber Baron de Slane: Divan d'Amroulkais p. 25. Note 1 und Caussin de Perceval das. II. Note 2: Suivant les uns le père de Samouel était d'origine ghassanide: d'autres disent que sa mère appartenait à la race de ghassan, mais que Ad'ia était issu de Cohin, fils de Haroun, père des tribus juives Corayzha et de Nadhir. Kitab al-Aghani IV. 264, bei Ibn-Khaldoun f. 129. Jedenfalls ist Geigers Zweifel, ob Samuel dem Judentum angehört hat (Preisschrift S. 9) gründlich beseitigt. [Der Name von Samuels Vater wird verschiedentlich angegeben; Adija war der Name des Großvaters. Zur neuesten Literatur über Samuel, arabisch Samau'al, vgl. Steinschneider Arabische Literatur der Juden, Berlin 1902 S. 4-5. Über den jüdischen Charakter seiner Dichtungen vgl. Hirschfeld in JQR XVII. S. 431 ff.]


51 [Vgl. Rothstein a.a.O. S. 93-94.]


52 Ibn Kutaiba edit. Wüstenfeld p. 314, vgl. Note 10. III.


53 Nach Rückert Übersetzung der Hamasa 22 f. Über Samuel ben Adija vgl. Abulfeda in Pocock's specimen ed. White 524. Freytag: Hamasae carmina p. 49 f., über sein Leben und chronologisches Datum de Slane Divan d'Amroulkais p. 23 ff., nach dem Kitab al-Aghani; Caussin de Perceval, histoire des Arabes II. 318 f., 322 f.


54 De Sacy chrestomathie arabe T. II. p. 475.


55 Caussin de Perceval II. 674 ff. nach dem al-Aghani.


56 Folgt aus den Zitaten aus dem Tarikh al-Chamis bei Weil: Mohammed 119. Note 159.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1909, Band 5, S. 100.
Lizenz:
Faksimiles:
Kategorien:

Buchempfehlung

Lohenstein, Daniel Casper von

Cleopatra. Trauerspiel

Cleopatra. Trauerspiel

Nach Caesars Ermordung macht Cleopatra Marcus Antonius zur ihrem Geliebten um ihre Macht im Ptolemäerreichs zu erhalten. Als der jedoch die Seeschlacht bei Actium verliert und die römischen Truppen des Octavius unaufhaltsam vordrängen verleitet sie Antonius zum Selbstmord.

212 Seiten, 10.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Spätromantik

Große Erzählungen der Spätromantik

Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.

430 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon