5. Kapitel. Das judenfeindliche Kleeblatt und das ausgedehnte Religionsgespräch von Tortosa. (1411-1420.)

[105] Josua Lorqui Geronimo de Santa Fé, Vicente Ferrer und der Gegenpapst Benedictus XIII. Ferrer's Bekehrungseifer. Die Ausschließungsgesetze des castilianischen Hofes gegen die Juden. Massenhafter Uebertritt der Juden zur Kirche. Die Disputation von Tortosa; die jüdischen Notabeln, Don Vidal, Joseph Albo, Serachja Saladin, Mathatia Jizhari. Das Programm zur Disputation. Geronimo's boshaftes Benehmen und Anklage gegen den Talmud. Spaltung unter den jüdischen Notabeln. Bulle zur Verbrennung des Talmud; Beschränkungen und Zwangspredigten. Das Ende des Papstes Benedictus. Papst Martin und Kaiser Sigismund im Verhalten zu den Juden. Die günstige Bulle des Papstes Martin.


Als wenn die Juden in Spanien noch nicht genug Feinde gehabt hätten an den verarmten und trägen Bürgern und Adligen, welche den Wohlstand der Juden als einen, an ihnen begangenen Raub betrachteten, an den polternden Geistlichen, welche ihre Unsittlichkeit mit dem Mantel des Bekehrungseifers zudeckten, an den neugetauften Emporkömmlingen, welche durch Haß gegen ihre Stammgenossen ihre Abkunft vergessen machen wollten, traten im Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts drei Feinde zu gleicher Zeit auf, welche zu den erbittertsten und verbissensten gehörten: ein getaufter Jude, ein Dominikanermönch und ein von allen Seiten verlassener Papst. Diese drei, Josua Lorqui, Fray Vicente Ferrer und Pedro de Luna oder als Gegenpapst Benedictus XIII., haben den verhängnißvollen Knoten zum thränenreichen Trauerspiel der spanischen Juden geschürzt. Josua Lorqui, der seinem Meister Pablo de Santa-Maria gegenüber nur deswegen verfängliche Fragen über den Werth der Jesuslehre aufgeworfen zu haben scheint (o. S. 84), um seine Bekehrung um so lohnender zu machen, – Lorqui, nach seiner Taufe Geronimo de Santa-Fé genannt, wurde Leibarzt des avignonensischen Papstes Benedictus und betrachtete es gleich seinem Meister als [105] seine Lebensaufgabe, seine ehemaligen Glaubensgenossen durch jedes Mittel zum Christenthum hinüber zu ziehen oder zu verunglimpfen. Vicente Ferrer, den die Kirche heilig gesprochen hat, war eine jener düstern Naturen, welche die Erde als ein Jammerthal betrachten und sie dazu machen möchten. Er stach allerdings damals gegen den Troß der Welt- und Klostergeistlichen als ein Heiliger ab. Er war nicht den Lüsten ergeben, trachtete nicht nach Gold und Glanz, war von Demuth durchdrungen und nahm es mit seinem Berufe ernst. Allein er war von der Verkehrtheit befangen, weil die Christenheit, Geistliche und Weltliche, durch und durch verderbt und angefault war, so stünde der Untergang der Welt nahe bevor, und sie sei nur dadurch zu retten, daß alle Menschen zum Christusglauben und zum mönchischen Büßerleben gebracht würden. Vicente Ferrer erneuerte daher die alte Entmenschung der Geißelbüßung, zog durch die Länder mit einer Schaar Blindgläubiger, geißelte den entblößten Leib täglich mit Knotenstricken, entflammte die Menge zu denselben Uebungen und glaubte dadurch das Heil der Welt herbeiführen zu können. Mit beredter Sprache und sympathischer Stimme begabt, gewann dieser Dominikanermönch eine große Gewalt über die Gemüther. Wenn er unter Schluchzen an die Leidensgeschichte Jesu erinnerte oder den nahen Untergang der Welt ausmalte, so rührte er die Zuhörer bis zu heftigem Thränenerguß und konnte sie zu jeder That und Unthat leiten. Er hatte eine hohe Würde am päpstlichen Hofe aufgegeben, um einfacher Barfüßermönch und Geißelbruder zu werden. Dieser Umstand wirkte besonders mit, ihm viele Bewunderer und Anhänger zuzuführen, weil ein solches Verzichtleisten auf Ansehen und Einnahmequellen von Seiten eines Geistlichen zu jener Zeit ein unerhörtes Beispiel war. Aber Ferrer mißbrauchte die Vorzüge, welche ihm die Natur verliehen hatte, seine Gewalt über die Gemüther durch seine Stimmmittel und seine Herzensdemuth, zu blutigen Gewaltthätigkeiten. Nicht nur gegen Juden und Ketzer kehrte er seine fanatischen Reden, sondern selbst gegen seinen Wohlthäter, der ihn aus dem Staube erhoben hatte. Die tiefe Verderbniß der Kirche beweist am schlagendsten die Haltung dieses Mönches. Daß die Kirche damals durch drei gleichzeitige Päpste zerrissen war, von denen jeder sich als Statthalter Gottes geltend machte und die Gegenpartei mit Wort und That verfolgte, und daß einer dieser Päpste, Johannes XXIII. (1410-1415), alle Laster und Todsünden erschöpfte, Seeräuber, Ablaßkrämer, Henker, Wollüstling und Weiberschänder war, das kennzeichnet die Entartung noch nicht so sehr, als daß eine wirklich reine und sittliche Natur wie Vicente Ferrer Mordgedanken [106] hegte und predigte gegen alle solche, welche seine Verkehrtheiten nicht theilten. Die Taube ist zur Giftschlange, das Lamm zum reißenden Thiere geworden. Eine solche Fäulniß kann nicht in den Menschen, den Trägern der christlichen Religion, sie muß in der Lehre selbst gesteckt haben.

Anstatt wie Wykliffe und andere Kirchenreformatoren seine Stimme gegen die Gebrechen der kirchlichen Institutionen zu kehren, richtete der Büßermönch Ferrer seinen Bekehrungseifer besonders gegen Juden, Mohammedaner und Ketzer, die ihm als Leugner des Christenthums oder als Widersacher der päpstlichen Unfehlbarkeit gleich verhaßt waren. Mit Schrift1 und Wort eröffnete er einen Kreuzzug gegen die Juden. Zunächst galten seine heftigen Ausfälle den Neuchristen in Spanien, welche während des Gemetzels von 1391 zur Kirche übergetreten waren, aber zum großen Theil dem Judenthum nach wie vor warm anhingen. Theils aus Furcht, der schweren Strafe der Apostasie zu verfallen und theils von den beredten und feurigen Worten des Predigermönchs gewonnen, legten viel Marranen ein reumüthiges Glaubensbekenntniß ab, und Ferrer betrachtete solches als einen großen Sieg der Kirche, als einen Triumph für die Wahrheit des Christenthums. Dieser Erfolg ließ ihn hoffen, auch sämmtliche Juden bekehren zu können. Durch seine Gewalt über das Volk, das ihn als einen Heiligen verehrte, wurde Ferrer von den Königen Spaniens gebraucht, wo es galt, Volksaufstände während der Unruhen und Bürgerkriege unblutig zu beschwichtigen. Die Regentin von Castilien Donna Catalina lud einst den Geißleranführer an den Hof ein, um dort zu predigen (December 1411). Seine Predigten machten wie immer einen tiefen und nachhaltigen Eindruck. Durch die rücksichtsvolle Behandlung von Seiten der castilianischen Königsfamilie ermuthigt, erbat sich Ferrer die Befugniß, in den Synagogen (und Moscheen) nicht nur predigen, sondern auch die Juden zum Anhören seiner Kapuzinaden zwingen zu dürfen. Mit dem Kreuze in der Hand und einer Thora-Rolle im Arme, mit Gefolge von Geißelbrüdern und Lanzenträgern, forderte er die Juden »mit fürchterlicher Stimme« auf, sich unter das Kreuz zu sammeln2.

[107] So seraphisch auch sein Thun war, so wollte Vicente Ferrer doch Gewaltmittel zur Bekehrung der Juden angewendet wissen. Er drang bei den Machthabern Spaniens darauf, daß die Juden streng von den Christen geschieden werden, weil ihr Verkehr unter einander und besonders mit den Neuchristen dem Glauben zum Schaden gereiche3. Er fand nur allzusehr Gehör. Durch ihn und die beiden andern Judenbekehrer entstanden so unsägliche Leiden für die spanischen Juden, daß die Jahre (1412-1414) zu den traurigsten der leidensreichen jüdischen Geschichte zählen. – Eine kurze Zeit nach Ferrer's Erscheinen am christlichen Hofe erließen die Regentin Donna Catalina, der Infant Don Fernando und dazu der Apostat Paulus Burgensis de Santa Maria im Namen des königlichen Kindes Juan II. ein Edikt von vier und zwanzig Artikeln (12. Januar 1412), welche zum Zwecke hatten, die Juden verarmen zu machen, sie zu demüthigen und sie zur verachtetsten Stufe der Gesellschaft zu erniedrigen. Sie sollten nur in eigenen Judenquartieren (Juderias) wohnen, welche lediglich eine einzige Eingangs- und Ausgangspforte haben dürften. Jede Uebertretung zog Verlust des Eigen thums und noch dazu körperliche Züchtigung nach sich. Sie sollten keinerlei Handwerk treiben, auch nicht die Arzneikunst ausüben und überhaupt [108] gar kein Geschäft mit Christen treiben. Es verstand sich von selbst, daß sie keinerlei christliche Bedienung halten und keinerlei Amt bekleiden dürften. Die eigene Gerichtsbarkeit sollten sie einbüßen, nicht blos die peinliche, die ihnen schon früher genommen war, sondern auch die civilrechtliche. Einige Artikel des Edikts bestimmten die eigne Tracht der Juden. Männer und Frauen sollten lange Kleider, die ersteren von grobem Stoffe, tragen. Wer von ihnen sich der kleidsamen Landestracht bediente oder feinere Stoffe trüge, sollte einer schweren Geldstrafe verfallen, die sich bei wiederholter Uebertretung bis zur Leibesstrafe und Confiscation steigern sollte. Das Tragen der Judenabzeichen von rother Farbe wurde natürlich aufs strengste eingeschärft. Den Männern wurde auch untersagt, sich den Bart abzunehmen oder das Haupthaar irgendwie zu stutzen; die Uebertreter sollten mit 100 Geißelhieben bestraft werden. Kein Jude sollte schriftlich oder mündlich mit dem Ehrentitel Don (Herr) angeredet werden; eine bedeutende Geldstrafe war auch für diese Uebertretung gesetzt. Waffen zu tragen wurde ihnen ebenfalls untersagt. Auch sollten sie nicht mehr von einer Stadt zur andern ziehen, sondern jeder an seinen Wohnort gebannt bleiben. Und nicht einmal entfliehen durften sie dieser Erniedrigung. Der Jude, welcher sich unterfinge, auszuwandern und dabei ergriffen würde, sollte seine Habe einbüßen und zum Leibeignen des Königs gemacht werden. Die Granden und Bürger wurden mit schwerer Strafe bedroht, wenn sie den Juden irgend einen Schutz gewährten4.

Es ist nicht zu verkennen, daß bei der Specialisirung dieser judenfeindlichen Gesetze der Apostat Paulus de Santa Maria die Hand im Spiele hatte. Die Juden sollten gerade an ihrer empfindlichsten Stelle, in ihrem Stolze und ihrem Ehrgefühl gekränkt werden. Die jüdischen Reichen, welche gewohnt waren, in Prachtgewändern mit glattem Kinn einherzugehen, sollten in entstellender Tracht mit struppig langem Bart erscheinen. Die Gebildeten, welche als Aerzte oder als Rathgeber der Granden mit den hohen christlichen Ständen verkehrten, sollten auf ihr Judenquartier beschränkt bleiben – oder sich taufen lassen. Darauf liefen alle diese harten Beschränkungen hinaus. Und sie wurden mit unerbittlicher Strenge ausgeführt. Ein Zeitgenosse (Salomon Alami) beschreibt das in Folge des Edikts [109] eingetretene Elend vieler Klassen: »Die in Palästen gewohnt, wurden in elende Winkel, in niedrige finstere Hütten gewiesen. Statt der rauschenden Gewänder mußten wir elende Kleider tragen und geriethen in Verachtung. Statt des geschorenen Bartes mußten wir wie Trauernde umherwandeln. Die reichen Steuerpächter geriethen in Dürftigkeit, da sie kein Handwerk verstanden, sich davon zu ernähren. Und auch die Handwerker fanden keine Nahrung. Noth stellte sich bei Allen ein. Kinder starben auf dem Schooße der Mütter vor Noth und Nacktheit«5.

In diesem Elend trat der Dominikanermönch Ferrer mit dem Kreuze in der Hand in die Synagogen und predigte mit Donnerstimme das Christenthum, bot auf der einen Seite Lebensgenuß und Ehrenstellung und drohte auf der anderen Seite mit Verdammniß im Himmel und auf Erden. Das Volk, von den heftigen Predigten zum Fanatismus gehetzt, gab ihnen durch thätliche Angriffe auf die Juden Nachdruck. Welche schwere Prüfung für die unglücklichen Juden Castiliens? An Flucht vor diesem Elend war nicht zu denken, da das Gesetz die schrecklichste Strafe darüber verhängt hatte. Es ist daher kein Wunder, wenn die Schwachen und Lauen, die Bequemlichkeit Liebenden und Weltlichgesinnten der Versuchung erlagen und sich durch die Taufe retteten. So gingen viele Juden der Gemeinden Valladolid, Zamora, Salamanca, Toro, Segovia, Avila Benevento, Leon, Valencia, Burgos, Astorga und anderer kleinen Städte, überall wo Vicente Ferrer predigte, zum Christenthum über6. Manche Synagogen wurden von Ferrer in Kirchen[110] verwandelt. Als er in der größten, allerdings damals bereits verminderten Gemeinde Toledo umsonst sein büßermäßiges Christenthum predigte und die Juden halsstarrig fand, drang er mit dem Kreuze in eine Synagoge, verjagte die dort zum Gebet Versammelten und weihte sie als Kirche ein unter dem Namen: »Heilige Maria vom Schnee«7. Die Synagoge von Salamanca wurde in eine Kirche unter dem Namen: »Das wahre Kreuz« umgetauft. Die daselbst getauften Juden nannten sich nach seinem Namen Vicentiner8.

Als er sich nach dem Königreich Aragonien begeben hatte, berufen nach dem Tode des Königs Martin, in dem Streit um die Krone zwischen mehreren Prätendenten mitzurathen, und als durch seine Thätigkeit der castilianische Infant Don Fernando die Krone von Aragonien erhielt (Juni 1414), trat zwar für die Gemeinden Castiliens eine geringe Milderung ein. Die Regentin Donna Catalina erließ im Namen ihres Sohnes ein neues Edikt (17. Juli): daß die [111] Juden zwar noch ferner keinerlei Handwerk ausüben, aber doch Märkte mit ihren Waaren beziehen dürften, freilich unter vielen Clauseln und Beschränkungen, daß sie zwar keine christlichen Diener halten dürften – auch nicht mohammedanische – aber doch Tagearbeiter für ihre Aecker und Weinberge, Gärtner für ihre Gärten und Schäfer für ihre Heerden. Läppisch genug gestattete das neue Gesetz die Frisur des Haupthaares, auch das Scheren des Bartes mit der Schere, aber nicht des ganzen Bartes, sondern nur mit Zurücklassung einer Linie von Haaren um das Kinn, verbot auch das Rasiren des Bartes mit dem Messer, als wollten die Königin und ihr weiser Rath der Orthodoxie der Juden nicht zu nah getreten wissen. Auch erlaubte das neue Gesetz Kleidungsstoffe im Werthe von sechszig Maravedis zu tragen (nach dem alten Edikt durften sie höchstens die Hälfte werth sein), befahl aber trichterförmige Kopfbedeckung und verbot solche mit Quasten zu tragen. Gegen das Staatmachen der jüdischen Frauen eiferte das Gesetz so heftig, daß man darin eine weibliche Urheberin erkennt. Das neue Gesetz gestattete auch die Freizügigkeit der Juden; aber der Beschränkungen und Demüthigungen blieben noch genug bestehen. Wer oder was hat diese geringe Milderung herbeigeführt? Merkwürdiger Weise galt dieses Gesetz lediglich den Juden, während die Beschränkung der Mohammedaner (Mudajares) bestehen blieb.

Mit der Reise des Fanatikers Ferrer nach Aragonien kamen auch über die Gemeinden dieses Königreichs Prüfungen und Elend. Der neugewählte König, der castilianische Infant und Regent Don Fernando, hatte dem Dominikanermönch seine Krone zu verdanken, da er als Schiedsmann dessen Partei genommen, ihn als König proclamirt und das Volk für ihn gegen die übrigen Kronbewerber gewonnen hatte. Der aragonische König Fernando verehrte daher den Dominikanermönch ganz besonders als Heiligen, ernannte ihn zu seinem Beichtvater und Gewissensrath und gewährte ihm gern die Erfüllung seiner Wünsche. Obenan stand für Ferrer der Wunsch der Judenbekehrung, und Fernando erließ auch an die Juden Aragoniens den Befehl, die Predigten des fanatischen Bekehrers anzuhören9. [112] Auch hier eiferte Ferrer in jeder Stadt, wohin er seinen Fuß setzte, gegen die Juden und brachte Viele zur Bekehrung, so in Saragossa, Daroca, Tortosa, Valencia, Majorca und anderen. Im ganzen sollen mindestens 20000 Juden in Castilien und Aragonien bei dieser Gelegenheit zwangsweise zum Christenthum übergegangen sein10.

Die Leiden der spanischen Juden waren damit noch lange nicht zu Ende. Der Papst Benedictus XIII. hatte noch Schlimmeres gegen sie im Sinne und gebrauchte dazu seinen neubekehrten Leibarzt Josua Lorqui oder Geronimo de Santa Fé. Dieser Papst, der von dem allgemeinen Concil von Pisa als Schismatiker, Ketzer und Eidbrüchiger und noch wegen anderer Verbrechen abgesetzt, ja, selbst seiner geistlichen Würde entkleidet und in den Bann gethan worden war, arbeitete daran, die Juden Spaniens massenhaft zur Kirche – die damals von aller Welt als geschändet bezeichnet wurde – hinüberzuziehen. Auf der pyrenäischen Halbinsel wurde er noch als Papst anerkannt und setzte von da aus alle Hebel in Bewegung, seiner Obedienz allgemeine Anerkennung zu erringen. Die massenhafte Judenbekehrung sollte ihm als Mittel dazu dienen. Wie, wenn es ihm gelänge, die Verstocktheit, Verblendung und den Unglauben Israels endlich zu überwinden und es um das Kreuz zu sammeln? Wäre das nicht der größte Triumph für die Kirche und namentlich für ihn? Würde er nicht damit alle seine Feinde beschämen? Würden dann nicht alle Gläubigen sich um den Papst schaaren, der die Kirche so sehr verherrlicht hätte? Wäre er dann nicht unter den falschen Hirten der einzige echte? Für das Gemetzel der Juden von 1391 wurde in einigen Kirchen Gott durch ein Te Deum gepriesen11. Müßte nicht in der ganzen Christenheit ein noch feurigerer Lobgesang angestimmt werden, wenn es ihm gelänge, die Juden ohne Blutvergießen zu bekehren?

Zu dem Zwecke ließ der Papst mit Bewilligung des Königs [113] Don Fernando eine Einladung an die gelehrtesten Rabbinen und Männer der Schrift des Königreichs Aragonien ergehen (25. Nov. 1412), daß sie sich zu einem Religionsgespräche in Tortosa einfinden mögen. Da sollte ihnen der in der jüdischen Literatur belesene Apostat Josua Lorqui – dessen Rathschläge dabei maßgebend waren und der die Hauptrolle spielen sollte – aus dem Talmud beweisen, daß der Messias bereits erschienen sei und in Jesus seine Verkörperung gefunden habe. Durch alle Mittel woll te der päpstliche Hof auf die hochstehenden Juden einwirken, um sie für den Uebertritt zu gewinnen. Dann, wenn erst die Fahnenträger der Juden das heilige Lager verlassen haben, würden die Gemeinden, der Troß, von selbst nachfolgen. Die Einzuladenden waren von Geronimo besonders bezeichnet und vom Papste durch die Bischöfe zur Betheiligung aufgefordert und von ihm oder dem Könige mit Strafe bedroht worden, wenn sie sich nicht einfinden sollten. Was sollten die Berufenen thun? Sich einfinden oder ausbleiben, annehmen oder ablehnen war gleich gefährlich. So erschienen denn zwei und zwanzig12 der angesehensten Juden Aragoniens. An ihrer Spitze war Don Vidal Ben-Benveniste Ibn-Labi (Ferrer) aus Saragossa, ein Mann von altem jüdischen Adel, von Ansehen und Bildung, Arzt und neuhebräischer Dichter; ferner Joseph Albo aus Monreal, ein Jünger des Chasdaï Crescas, ein Mann von philosophischen Kenntnissen und himmelsreiner Frömmigkeit; Serachja Halevi Saladin aus Saragossa, der Uebersetzer eines arabisch-philosophischen Werkes; Mathatia Jizhari (En-Duran?) aus derselben Stadt, ebenfalls ein gebildeter Schriftsteller Astrüc Levi aus Daroca oder Alcañes, ein angesehener Mann in seiner Zeit; ferner Don Todros aus der geachteten Familie der Ibn-Jachja, ein ehrwürdiger Mann; Ben-Astruc aus Gerona, den der Pseudo-Papst dringlich einladen ließ, weil er in den Religionsschriften besonders kundig sei.

Obwohl sämmtliche berufene jüdische Notabeln allgemeine Bildung besaßen und Don Vidal gut lateinisch sprach, so hatte doch keiner von ihnen jene Seelenstärke und Charaktergröße, die auch dem boshaftesten Feinde imponirt, wie sie Nachmani zeigte, als er ganz allein zweien erbitterten Widersachern, dem Dominikaner de Peñaforte und dem Apostaten Pablo Christiani, kräftig und entschieden gegenübertrat (VII.a 131). Die gehäuften Demüthigungen und Verfolgungen hatten auch ihnen, den Hervorragendsten der Judenheit, den Mannesmuth benommen und sie zu Schwächlingen gemacht. Sie waren der gefahrvollen[114] Lage keineswegs gewachsen. Als die Einladung an sie erging, zitterten sie. Obwohl sie unter einander verabredet hatten, mit Besonnenheit und Gelassenheit aufzutreten und zu disputiren, dem Gegner nicht in die Rede zu fallen und überhaupt geeint und geschlossen zu handeln, so wichen sie doch von ihrem Vorsatze ab, gaben sich Blößen und zerfielen zuletzt in Parteiungen.

Der boshafte Abtrünnige Geronimo hatte im Auftrage des schismatischen Papstes vorher ein Programm entworfen, welches den Gang der Disputation leiten sollte. Zuerst sollte aus dem Talmud und anderen damit verwandten Schriften bewiesen werden, daß der Messias bereits erschienen und in Jesus von Nazaret auferstanden sei. Wenn dieses Mittel fehlschlagen und nicht eine massenhafte Bekehrung der Juden – wie sich der päpstliche Hof schmeichelte – herbeiführen sollte, dann sei ein Vertilgungskrieg gegen den Talmud zu eröffnen, weil er lauter Abscheulichkeiten enthalte und die Verblendung der Juden bestärke. Zu diesem Zwecke arbeitete Geronimo de Santa Fé zuerst eine Schrift zur Begründung von Jesu Messianität und Göttlichkeit aus jüdischen Schriftwerken aus. Er trug darin Alles zusammen, was bis dahin an Scheinbeweisen, Sophistereien und Schriftverdrehungen, auf einer trüben und sinnlosen Auslegung beruhend, von seinen Vorgängern geleistet worden war, fügte neuen Blödsinn hinzu, erhob naive, harmlose, spielende Agada-Stellen zu wesentlichen Glaubenslehren und widerlegte was jüdischerseits bis dahin öfter dagegen geltend gemacht worden war. Er stellte vier und zwanzig Bedingungen auf, welche sich beim Erscheinen des Messias erfüllen müßten, und gab sich Mühe nachzuweisen, daß sie sich sämmtlich in Jesus erfüllt hätten. Als Hauptbeweismittel galt ihm die Voraussetzung, daß die Christen das wahre Israel bildeten und in der göttlichen Gnade an die Stelle des jüdischen Volkes getreten seien, und daß die biblischen Bezeichnungen: »Berg, Zelt, Tempel, Haus Gottes, Zion, Jerusalem« allegorisch von der Kirche zu verstehen seien. Die Nothwendigkeit der allegorischen Deutung von Bibelstellen bewies Geronimo von jüdischen Auslegern selbst; Maimuni, Raschi Ibn-Esra und Mose de Gerona hätten sie ja angewendet. Als Proben seiner lächerlichen Beweisführung mögen einige Punkte herausgehoben werden. Wie Johannes von Valladolid sah er in der unregelmäßigen Schreibweise eines Buchstabens in dem Worte eines Jesaianischen Verses ein tiefes Geheimniß von der Jungfräulichkeit Maria's und der Erfüllung der messianischen Zeit bei Jesu Ankunft13. Einen anderen[115] Propheten-Vers deutete er auf eine so schamverletzende und lächerliche Weise, um wiederum die jungfräuliche Geburt Jesu aus der Schrift zu belegen14, daß man es gar nicht wiedergeben kann. Diese Schrift, welche zugleich einen kirchenväterlichen und rabbinischen Geist athmet, wurde, nachdem sie vom Papste und den Cardinälen geprüft war, der Disputation als Leitfaden zu Grunde gelegt.

Diese Disputation ist die merkwürdigste, die je gehalten wurde. Sie zog sich nach manchen Unterbrechungen ein Jahr und neun Monate hin (vom Februar 1413 bis 12. Nov. 1414) während neun und sechzig Sitzungen. Im Vordergrunde der Papst, der, fast von der ganzen Christenheit verlassen und aus seiner Residenz verjagt, einen günstigen Ausfall nicht zur Verherrlichung des Glaubens, sondern zu seiner eigenen Erhebung wünschte; ferner ein getaufter Jude, der mit rabbinischen Waffen das rabbinische Judenthum bekämpfte, und im Hintergrunde ein wahnbethörter Dominikanerprediger mit seiner Geißlerschaar, die eine Hetzjagd auf die Juden anstellten, um dem Bekehrungseifer, der in Tortosa betrieben wurde, Nachdruck zu geben. Die hilf- und rathlosen Notabeln konnten ihren Blick nur nach dem Himmel richten, denn auf Erden sahen sie sich nur von erbitterten Feinden umgeben. Als sie zuerst zur Audienz vor dem Papste Benedictus zugelassen (7. Februar 1413) und aufgefordert wurden, ihren Namen zu Protokoll zu geben, befiel sie eine große Angst; sie dachten, es ginge an ihr Leben. Der Papst beruhigte sie [116] aber und erklärte: er verlange nur eine übliche Förmlichkeit von ihnen15. Ueberhaupt behandelte er sie Anfangs mit vieler Milde und Süßlichkeit, wie es den Kirchenfürsten eigen ist, wenn sie einen Zweck erreichen wollen. Er beruhigte sie, daß ihnen nichts zu Leide geschehen sollte. Er habe sie lediglich berufen, um sich selbst zu überzeugen, ob Geronimo's Behauptung: der Talmud bezeuge Jesu Messianität, eine Wahrheit oder ein Possenspiel sei. Er sicherte ihnen vollständige Redefreiheit zu. Nach der ersten Audienz entließ sie der Papst gnädig, wies einem jeden der Notabeln Wohnung an und ließ überhaupt für ihre Bequemlichkeit sorgen. Einige unter ihnen prophezeihten von diesem freundlichen Empfang einen guten Ausgang für sich und die Sache ihrer Religion; sie kannten Rom und die Stellvertreter Gottes sehr wenig.

Tags darauf sollte die Disputation beginnen. Als die jüdischen Notabeln in den Sitzungssaal traten, machte die Versammlung einen überwältigenden Eindruck auf sie. Der Papst Benedictus auf einem erhöhten Throne in seinem Prachtornate; um ihn etwa siebzig Kardinäle und hohe Kirchenfürsten in ihrem auf Augenblendung berechneten Schmuck, Mönche und Ritter, fast tausend Zuhörer aus den hohen Ständen. Der Muth entfiel dem Häuflein Vertheidiger des Judenthums gegenüber dieser siegesgewissen Machtentfaltung des Christenthums. Der Papst selbst leitete die Verhandlung und eröffnete die Sitzung mit einer Anrede an sie, worin er hervorhob: es solle nicht um die Wahrheit des Judenthums oder Christenthums verhandelt werden. Denn der christliche Glaube sei über jeden Streit erhaben und unanfechtbar; das Judenthum sei einst wahr gewesen, aber von der späteren Offenbarung aufgehoben worden. Die Disputation sollte sich daher lediglich um den Punkt drehen, ob der Talmud Jesus wirklich als Messias anerkenne. Die Juden waren demnach auf die schmale Linie der Vertheidigung beschränkt. Als der Papst seinem Werkzeuge Geronimo das Wort abtrat, hielt dieser, nach vorangegangenem Fußkusse, eine weitschweifige, von christlichen, jüdischen und noch dazu scholastischen Spitzfindigkeiten strotzende Rede16, um das Thema auseinanderzusetzen, und hob die Hochherzigkeit und Gnädigkeit des Papstes hervor, vermöge deren er die Juden zur Seligkeit bringen wollte. Er bediente sich dabei als Text eines jesaianischen Verses, mit Anwendung auf die Juden: »Wenn ihr [117] zustimmt, werdet ihr das Gute genießen, so ihr aber widerstrebet, so rafft euch das Schwert hinweg« – und ließ hiermit im Hintergrunde den letztentscheidenden Beweisgrund der Kirche erblicken. Darauf hielt Don Vidal Benveniste, den die Notabeln zum Hauptsprecher erwählt hatten, eine Gegenrede in lateinischer Sprache, worüber ihm der Papst Complimente machte. Don Vidal setzte Geronimo's Bosheit ins Licht, daß er, ehe noch der Beweis für oder gegen geführt ist, mit dem Schwerte und mit Strafe gedroht. Der Papst erkannte den Tadel als richtig an, meinte aber, das sei eine Unart, die an Geronimo noch von seiner Abstammung haften geblieben sei17. Zuletzt machten sich die Notabeln Muth, die Bitte vorzutragen: der Papst möge sie überhaupt von der Disputation entbinden. Sie machten als Grund geltend, daß ihr Gegner sich der scholastischen Methode der Beweisführung bediente, worin sie ihm nicht folgen könnten, da ihr Glaube nicht auf Syllogismen, sondern auf Ueberlieferung beruhe. Natürlich ging der Papst nicht darauf ein, sondern lud sie auf den andern Tag zur Fortsetzung ein und ließ sie von hochstehenden Personen nach ihren Wohnungen geleiten.

Mit bangen Gefühlen im Herzen begaben sich die jüdischen Notabeln und die ganze Gemeinde von Tortosa noch an demselben Tage in die Synagoge und flehten denjenigen um Hilfe an, der ihren Vorfahren so oft in Nöthen beigestanden, daß er ihnen das rechte Wort auf die Zunge lege, damit sie nicht durch eine entfahrene Aeußerung die Löwen, die mit ihren Rachen nach ihnen schnauben, reizen. Serachja Halevi Saladin gab in einer Predigt die trübe Stimmung der zum Gebete Versammelten wieder.

Die Disputation behielt Anfangs einen freundlichen Charakter. Geronimo zog verschollene Stellen aus dem Talmud und andern jüdischen Schriften heran, um das Unglaublichste zu beweisen: daß der Talmud selbst Jesu Messianität gewissermaßen bezeuge. Der Papst führte oft dabei den Vorsitz. Aber bei dieser Beschäftigung quälten ihn drückende Sorgen um die Behauptung seiner Würde, weil die Fürsten das Concil zu Costnitz ausgeschrieben hatten, welches sich zum höchsten Gerichtshof über die drei Päpste erhob. Benedictus mußte daher öfter abwesend sein, um mit seinen Freunden Berathung zu halten. In seiner Abwesenheit präsidirte der General der Dominikaner oder der Magister des päpstlichen Palastes. Die Beweise, welche Geronimo für seine Behauptung aufstellte, waren zu abgeschmackt, als daß es den Notabeln hätte schwer werden können, sie [118] zu widerlegen. Allein die Worte wurden ihnen im Munde verdreht, und es wurde öfter im Protokoll aufgenommen: sie hätten diesen oder jenen Punkt zugegeben. Einige von ihnen sahen sich daher veranlaßt, ihre Widerlegung schriftlich aufzuzeichnen. Aber auch diese wurde mit vieler Willkür behandelt. Dieser und jener Punkt wurde, als nicht zur Sache gehörig, nicht zur Diskussion zugelassen. Die Vertheidiger des Judenthums, die ohnehin mit Unmuth daran gingen, wurden müde gesprochen und gehetzt und wollten jede Erwiderung vermeiden. Mit einem Mal warf der Papst die Maske der Freundlichkeit ab, zeigte sein wahres Gesicht und bedrohte sie mit dem Tode18. Zwei und sechzig Tage hatte bereits die Zungendrescherei gedauert, und noch zeigte sich bei den Vertretern des Judenthums keine Spur von der christlicherseits so sehr erhofften Geneigtheit, sich zu bekehren. Ihre Widerstandskraft wuchs vielmehr im Kampfe. So ließ denn der Papst in der drei und sechzigsten Sitzung die Angriffsweise ändern. Geronimo trat auf des Papstes Geheiß als Ankläger gegen den Talmud auf und behauptete: daß darin Abscheulichkeiten, Lästerungen, Unsittlichkeit und Ketzerei aller Art enthalten seien, und daß dieses Buch verdammet werden müsse19. Einige Neuchristen, Andreas Beltran (Bertrand) aus Valencia, Almosenier des Papstes, Garci Alvarez de Alarcon, beide mit dem jüdischen Schriftthum vertraut, standen ihm darin wacker bei20.

Geronimo hatte bereits im Auftrage des Papstes zu diesem Zwecke eine Abhandlung ausgearbeitet21, worin er Alles zusammenkramte, was irgend einem Agadisten unter so vielen Hunderten im Talmud Unangemessenes entfahren war. Er stellte aber auch, man weiß nicht, ob aus frecher Bosheit oder aus Unwissenheit, Anklagen gegen den Talmud auf, die augenfällig falsch sind. Geronimo behauptete nämlich in seiner Abhandlung: Der Talmud erlaube, die Eltern zu schlagen, Gott zu lästern, Götzendienst zu üben. Weil nämlich die talmudische Gesetzgebung aufstellt: Wer seine Eltern schlägt, ohne ihnen eine Wunde beizubringen, verfällt nicht der über dieses Verbrechen verhängten Todesstrafe; wer Gott bei einem andern Namen als Ihwh lästert, sei nicht todeswürdig; wer Götzen aus Furcht vor Strafe anbetet, nicht straffällig (aber jedenfalls betrachtet der Talmud alle diese Handlungen als Vergehen), daraus folgerte nun Geronimo, die Lehre der Talmudisten sei die allerunsittlichste [119] und verwerflichste22. Das unschuldigste Buch Pirke di R. Elieser, das nichts weniger als philosophisch ist, schuldigte er an; es lehre das Vorhandensein einer ewigen Materie, aus welcher Gott die Welt geschaffen, weil es in agadischer Harmlosigkeit predigt: Gott habe den Himmel aus dem Lichte seines Gewandes und die Erde aus dem Schnee unter dem Throne Gottes geschaffen23. Lügenhaft behauptete Geronimo ferner, daß der Talmud den Juden Eide zu brechen lehre, wenn sie dieselben im Voraus am Versöhnungstage für ungültig und als nicht geschehen erklärten. Eine skrupulöse Anordnung in Betreff der Eide und Gelöbnisse verwandelte er in eine Gewissenlosigkeit24. Er folgerte daraus, daß die Juden den von ihnen geleisteten Eid gegen Christen nicht halten. Es versteht sich von selbst, daß dieser Apostat die Verleumdung des Alfonso von Valladolid (VII.2 S. 320) wiederholte, als verwünschten die Juden die Christen in ihren täglichen Gebeten. Alles, was im Talmud Feindseliges theils gegen Heiden, theils gegen apostatische Judenchristen ausgesprochen ist, das deutete Geronimo der Art, daß es sich auf Christen bezöge25; eine Fälschung, welche die schlimmsten Folgen hatte. Denn die Judenfeinde schrieben und sprachen diese tödtlichen Anschuldigungen ohne weiteres nach. – Als die Angriffe auf den Talmud wider Erwarten Gegenstand der Disputation wurden, vertheidigten die Vertreter des Judenthums die vorgebrachten Anklagestellen, wurden aber so sehr bedrängt, daß sie in zwei Parteien zerfielen. Don Astrüc Levi überreichte eine schriftliche Erklärung26, daß er den Agada-Stellen im Talmud, welche als Anklagepunkte gegen denselben geltend gemacht wurden, keine Autorität beilege, sie für [120] nichtig halte und sich von ihnen lossage. Dieser Erklärung stimmten die meisten Notabeln bei. Um das Leben des Ganzen zu erhalten, opferten sie ein Glied auf. Nur Joseph Albo und Ferrer (Don Vidal) waren damit nicht einverstanden und erklärten, daß die talmudische Agada für sie vollgültige Autorität habe, die verfänglichen Stellen hätten aber einen anderen Sinn, und man dürfe sie nicht nach dem Buchstaben beurtheilen. So war doch dem Papste und seinen Creaturen eines gelungen, eine Spaltung unter den Vertretern des Judenthums hervorzurufen.

Alle Mittel, welche sie zur Erreichung des Hauptzweckes – eine massenhafte Bekehrung der Juden durch das Beispiel ihrer hervorragendsten Führer zu erlangen – angewandt hatten: die freundliche, herzgewinnende Miene, die Drohung, die Verdächtigung und Unterwühlung der jüdischen Ueberzeugungen, alle diese Mittel schlugen fehl. Die Judenfeinde hatten aber etwas in Scene gesetzt, das ganz besonders auf Effect berechnet war. Es sollte einen niederbeugenden Eindruck auf die Notabeln machen, damit sie, betäubt und überwältigt, den Kampf aufgeben und die Waffen strecken sollten. Der fanatische Judenbekehrer Vicente Ferrer war nämlich von Mallorca nach Catalonien und Aragonien zurückgekehrt, setzte da wieder mit seiner schreckenerregenden Geißlerschaar, mit düstern Gesängen und Kreuzpredigten seine Thätigkeit fort, und es gelang ihm, wiederum viele Tausend Juden zum Christenthum hinüber zu ziehen (vom Februar bis Juni 1414). Aus den größern jüdischen Gemeinden Saragossa, Calatajud, Daroca, Fraga, Barbastro ließen sich einzelne taufen, kleinere Gemeinden, wie Alcañiz, Caspe, Maella, Lerida, Alcolea, Tamarit, die in der ihnen feindlichen christlichen Umgebung keine Sicherheit der Existenz mehr hatten, gingen ganz und gar zum Christenthum über. Alle diese neubekehrten Juden ließ der päpstliche Hof nach und nach in kleinern und größern Gruppen nach Tortosa kommen, in den Sitzungssaal führen und dort in öffentlicher Versammlung ihr christliches Glaubensbekenntniß ablegen27. Sie sollten als lebendige Trophäen [121] den Sieg der Kirche verkündigen, die Vertheidiger des Judenthums entmuthigen und ihnen den Glauben beibringen, daß ihr Widerstand vergeblich sei, und daß sie bei ihrer Rückkehr keine jüdische Gemeinde mehr vorfinden würden. Es ist kein geringes Verdienst, daß sich Don Vidal, Joseph Albo und ihre Genossen von allen den auf sie einstürmenden Eindrücken nicht niederbeugen ließen. Der Papst sah seine Hoffnungen getäuscht; nicht ein einziger der jüdischen Notabeln wurde schwankend. Die großen Gemeinden Aragonien's und Catalonien's blieben bis auf einzelne Schwachmüthige ihrem Glauben treu. Von jüdischen Gelehrten und Dichtern, welche bei den Disputationen anwesend waren, bekehrten sich einige aus Ueberzeugung oder vielleicht aus Antipathie gegen den Talmud, aus dessen Inhalt so manches Anstößige aufgedeckt worden war. Genannt werden Todros Benveniste und Vidal Ibn-Labi de la Caballeria, welche in hohem Ansehen standen, und deren Bekehrung den Notabeln tiefen Schmerz und den Bekehrungssüchtigen Freude machte. Allein dieser Gewinn war nach Zahlen berechnet auch nicht von großer Bedeutung für die Kirche. Benedictus konnte nicht vor dem Concil von Costnitz, das bald zusammentreten sollte, als Triumphator über den Unglauben der Juden auftreten und nicht Siege geltend machen, die ihm das Uebergewicht über seine zwei nebenbuhlerischen Päpste hätten verschaffen können.28

In seinem Unmuthe schüttete er seine Galle gegen den Talmud und schmälerte die geringe Freiheit der Juden. In der letzten Sitzung der tortosaner Disputation entließ er die jüdischen Notabeln sehr unfreundlich und ließ ihnen seine feindlichen Beschlüsse verkünden29, [122] die aber wegen Hindernisse erst ein halbes Jahr später (11. Mai 1415) in einer Bulle von dreizehn Artikeln veröffentlicht wurden30. Es wurde darin den Juden untersagt: den Talmud und die dazu gehörigen Schriften zu lesen und darin zu unterrichten. Die Exemplare sollten aufgesucht und vernichtet werden.

Auch die antichristlichen Schriften, von Juden verfaßt, und namentlich eine Schrift Mar Mar Jesu31 durften unter Strafe wegen Gotteslästerung nicht gelesen werden. Jede Gemeinde, groß oder klein, sollte nur eine einzige kleine, dürftig ausgestattete Synagoge besitzen. Die Juden sollten von den Christen abgesondert werden, nicht mit ihnen speisen, baden, Geschäfte machen; nicht einmal ihnen am Sabbat einen geringen Dienst zu leisten, Feuer anzuzünden, Licht auszulöschen, war gestattet. – Nach dem Vorgang des Gesetzes der Königin Catalina verbietet die Bulle jede Gerichtsbarkeit der Juden unter einander. Sie sollten kein Amt bekleiden, kein Handwerk ausüben, auch nicht die Arzneikunde betreiben. Das Tragen der Judenabzeichen von rother oder gelber Farbe schärfte die Bulle des Papstes nachdrücklich ein. Endlich sollten sämmtliche Juden gezwungen werden, dreimal des Jahres christliche Predigten anzuhören, zur Zeit des Advents, zu Ostern und im Sommer. In der ersten Predigt sollte ihnen nach Anleitung aus den Propheten und dem Talmud bewiesen werden, daß der wahre Messias bereits gekommen sei; in der zweiten Predigt sollte den Juden vor Augen geführt werden, welche Abscheulichkeiten und Ketzereien im Talmud enthalten seien (abermals nach Geronimo's Schrift), und daß er allein an ihrem Unglauben Schuld sei, und endlich in der dritten ihnen ans Herz gelegt werden, daß der Untergang des jüdischen Tempels und ihre Zerstreuung von dem Stifter des Christenthums prophezeit worden sei. Nach jeder Predigt sollte den Juden der Inhalt der Bulle vorgelesen werden. Mit strenger Ueberwachung der Ausführung der in der Bulle enthaltenen Feindseligkeiten betraute der Papst den Sohn des Apostaten Paulus, Namens Gonzalo de Santa Maria32, den der Vater [123] zum Christenthum herübergezogen hatte. Nur einen einzigen für die Juden günstigen Punkt enthielt diese Bulle: daß sie nicht mit Gewalt zur Taufe gezwungen und überhaupt nicht vergewaltigt oder todtgeschlagen werden sollten33 – ein charakteristisches Armuthszeugniß für die Christenheit, daß dergleichen ausdrücklich untersagt werden mußte. – Die Bulle blieb nicht todter Buchstabe. In Gerona wurde die einzige Synagoge geschlossen und vermauert34.

Augenblicklich hatten die Gehässigkeiten des Papstes Benedictus keine Wirkung. Während er noch die Juden peinigte, erklärte ihn das Concil von Costnitz sür abgesetzt. Da er der Zumuthung von Seiten des Königs Don Fernando und des deutschen Kaisers Sigismund, von selbst abzudanken, Halsstarrigkeit entgegensetzte, so sagten sich auch seine spanischen Beschützer von ihm los. Die Pfeile, deren er sich bedient hatte, prallten auf sein eigenes Haupt zurück. Vicente Ferrer's fanatische Predigten entzogen ihm die letzten Anhänger. Der Geißlerprediger. ermahnte nicht nur den König von Aragonien, den »entarteten und heuchlerischen Papst« zu verlassen, sondern predigte überall in den Kirchen und auf den Straßen, daß »ein solcher Mensch wie dieser Papst bis aufs Blut verfolgt und von jedem rechtgläubigen Christen todtgeschlagen zu werden verdiente«35. Auch der ehemalige Rabbiner Salomo-Paulus von Burgos, den dieser Papst so hoch erhoben hatte, erwies sich undankbar gegen ihn und entzog ihm die Gunst des Königs von Aragonien. Dem von seinen Beschützern, Freunden und selbst seinen Schützlingen verlassenen Pedro de Luna blieb von seiner Herrlichkeit nichts weiter, als eine kleine Festung Peñiscola, worin ihn noch dazu König Fernando auszuhungern drohte. Der ehrgeizige und halsstarrige Mann bedeckte sich noch zuletzt mit Lächerlichkeit, indem er in seiner winzigen Residenz den Papst mit einem Collegium von vier Cardinälen spielte und diese vor seinem Tode beschwor, den in Costnitz gewählten Papst nicht anzuerkennen, sondern einen aus ihrer Mitte als solchen aufzustellen. Diese wählten nach seinem Ableben anstatt Eines Papstes gar zwei. So war die Unfehlbarkeit der Kirche beschaffen, unter deren Joch man die Juden zwingen wollte. Was aus dem [124] boshaften Apostaten Josua Lor qui-Geronimo de Santa Fé nach dem Sturze seines Papstes geworden, ist nicht bekannt. Er erhielt im jüdischen Kreise den wohlverdienten Namen »der Lästerer« (Megadeph36). Auch der von Judenfeinden umstrickte König Fernando von Aragonien trat vom Schauplatz ab (1416). Darauf starb auch die judenfeindliche Regentin Catalina von Castilien, das Werkzeug zu Vicente's Judenverfolgung (1418), und endlich dieser selbst (1419), nachdem er noch den Schmerz erleben mußte, daß seine Geißelschwärmerei, die ihn zum Heiligen gestempelt hatte, vom Concil zu Costnitz verdammt, und er gezwungen wurde, seine »weiße Bande« zu entlassen.

Indessen wenn auch die Träger der Judenverfolgung vom Schauplatz abgetreten waren, so blieben doch die von ihnen geschaffenen schlimmen Zustände. Die Ausschließungsgesetze in Castilien und die Bulle des Papstes Benedictus waren noch in Kraft. Ferrer's Judenbekehrungen hatten den spanischen und selbst außerspanischen Gemeinden tiefe Wunden geschlagen. Nur in Portugal hatte er keinen Anklang gefunden. Der portugiesische Herrscher Don João I. verfolgte andere Interessen als Judenbekehrungen. Er war damals mit der ersten Eroberung an der gegenüberliegenden Spitze von Afrika beschäftigt, welche den Grund zur Seeherrschaft der Portugiesen legen sollte. Als Vicente Ferrer sich vom König João die Erlaubniß erbat, nach Portugal kommen zu dürfen, um auch dort die Kanzeln und Straßen von seinen düstern Predigten von der Sündhaftigkeit der Welt und der Blindheit und Verstocktheit der Juden wiederhallen zu machen, ließ ihm der portugiesische König sagen: Er möge kommen, aber mit einer Krone von glühendem Eisen auf der Stirne37. Portugal war das einzige Asyl für die Juden vor der Bekehrungswuth; dorthin flohen auch Viele aus Spanien, welche sich der Hetzjagd entziehen konnten. Doch erließ Don João, [125] von manchen Seiten gedrängt, später ein Gesetz, daß diejenigen jüdischen Einwanderer, welche durch Zeugen überführt wurden, daß sie, nach dem Ritus getauft, zum Judenthum zurückgetreten wären, als Apostaten bestraft werden sollten38, was sie der willkürlichen Beurtheilung der Gerichte und der Geistlichen aussetzte. Auch sonst legte er ihnen vielfache Beschränkungen auf.

In vielen andern Gegenden Europa's dagegen, welche der Fuß des fanatischen Dominikaners betreten hatte, oder wohin der Ruf von seinen Thaten oder Unthaten gedrungen war, mußten die Juden den bittern Kelch der Leiden leeren. In Savoyen, das Vicente Ferrer auch berührt hatte, waren die Juden gezwungen, ihre heiligen Schriften vor der Zerstörungswuth in Gebirgshöhlen zu verbergen39. Deutschland war stets ein ergiebiger Boden für Judenverfolgung, und die Anarchie, die dort während Sigismunds Regierung und der Dauer des Costnitzer Concils herrschte, beförderte sie noch mehr. Selbst die italienischen Gemeinden, die meistens unangefochten blieben, lebten in Angst, daß die Hetzereien der Fanatiker in dem politisch so sehr zerrissenen Lande Anklang finden könnten. Sie veranstalteten daher eine Synode, zuerst in Bologna (Nov. 1415) bestehend aus den Abgeordneten von den Gemeinden Rom, Padua, Ferrara, Bologna, Romagna und Toskana, je zwei von jeder Gemeinde, zunächst um eine Umlage für die Beiträge zu der Geldsumme zu machen, womit die päpstliche Curie günstig für die Juden gestimmt werden könnte, und die ihnen drohenden Gefahren abzuwenden.

Als dann nach langer Kirchenspaltung mehrerer Gegenpäpste und bitterm Hader von der Costnitzer Kirchenversammlung der Papst Martin V. gewählt wurde, versammelten sich abermals etwa zwanzig Delegirte jüdisch-italienischer Gemeinden in Forli (Mai 1418), um ihn anzuflehen, die Privilegien der Juden, welche mehrere Päpste ertheilt, andere aber in unduldsamer Kirchlichkeit außer Kraft gesetzt hatten, zu erneuern. Die Delegirten wußten aber recht gut, daß mit leeren Händen bei der Curie nichts auszurichten ist; darum machten sie eine neue Umlage für Beiträge, und zwar um eine recht erkleckliche Summe zu Stande zu bringen40. Nebenher hat die Synode auch Bestimmungen gegen den Luxus der Juden getroffen. Martin V., von dem die Zeitgenossen sagten: vor seiner Wahl habe er als einfältig und [126] gut gegolten, nachher aber sich als sehr klug und wenig gütig gezeigt, – Martin fuhr zwar die Juden barsch an41, als sie ihm bei seinem Umzuge in Costnitz in feierlicher Procession mit brennenden Kerzen die Thora-Rolle entgegen reichten und ihn um Bestätigung der Duldung baten, und entgegnete ihnen von seinem weißen Zelter mit seidenen und goldenen Verzierungen herab: »Ihr habt das Gesetz, versteht es aber nicht; das Alte ist entschwunden, und das Neue ist gefunden« (der Blinde tadelte die Sehenden). Indessen erwies er ihnen doch einigermaßen Milde. Auf Antrag des Kaisers Sigismund bestätigte der Papst den Juden Deutschlands und Savoyens sämmtliche Privilegien, welche seine Vorgänger ihnen bewilligt hatten (12. Febr. 141842) d.h. so viel: er rügte die gewaltsamen Angriffe auf das Leben und Vermögen der Juden und ihre Zwangsbekehrungen. Darauf erließ der Kaiser Sigismund – welcher zwar leichtsinnig und geldgierig war, die Kosten, welche die Kirchenversammlung zu Costnitz erforderte, meistens den jüdischen Gemeinden aufbürdete43 und sie überhaupt schindete, wo und wie er nur konnte, aber nicht verfolgungssüchtig war – einen Befehl an alle deutschen Fürsten, Beamte, Städte und Unterthanen, seinen Kammerknechten die Gnaden und Freiheiten zu lassen, welche der Papst ihnen bestätigt hat (26. Febr. 141844). Als die von der italienischen Synode abgeordneten jüdischen Deputirten den nach so langer Spaltung allgemein anerkannten Papst um Schutz baten, gewährte er ihnen – um wer weiß welchen hohen Entgelt – eine päpstliche Bulle (Jan. oder Febr. 141945). Selbst die spanischen [127] Juden scheinen eine Deputation an denselben Papst gesandt zu haben46, und zwar zwei angesehene Männer Don Samuel Abraballa und Don Samuel Halevi. Auf die Klagen der Juden über die Gefährdung ihres Lebens, über die Angriffe auf ihre Ueberzeugung, über die Schändung ihrer Heiligthümer, erließ der Papst eine Bulle (vom 31. Januar 1419) mit der Eingangsformel: »Da die Juden Gottes Ebenbild tragen, ihr Ueberrest einst selig werden soll, und sie unsern Schutz angefleht haben, so bestimmen wir nach dem Beispiel unserer Vorgänger, daß sie in ihren Synagogen nicht belästigt, ihre Gesetze, Rechte und Gewohnheit nicht angegriffen, sie nicht mit Gewalt zur Taufe gezwungen, auch nicht zur Feier der christlichen Feste angehalten, keine neuen Abzeichen zu tragen genöthigt und ihr geschäftlicher Verkehr mit Christen nicht gehindert werden sollten«47. Was mag den Papst Martin bewogen haben, den Juden ein so freundliches Gesicht zu zeigen? Wohl wollte er damit dem judenfeindlichen Benedictus, der sich noch immer in einem[128] Winkel als Papst geberdete, Schach bieten. Am meisten mochten wohl aber die reichen Gaben, welche die jüdischen Abgeordneten ihm boten, dazu beigetragen haben, ihn milde zu stimmen. Denn obwohl Martin auf dem Concil zu Costnitz der ärmste Cardinal war und deswegen vorgezogen wurde, so verschmähte er auf dem Petristuhl das Geld keinesweges. Man konnte von ihm ohne klingende Münze Nichts, mit solcher aber Alles erlangen. »Denn hier am (päpstlichen) Hofe alle Freundschaft endet, so sich der Pfennig wendet«, bemerkte der Gesandte des deutschen Ordens48. Als der Kaiser Sigismund den deutschen und italienischen Juden außerordentliche Steuern auflegte, entschuldigte er sich damit, daß die von Seiten des Papstes erneuerten Privilegien der Juden zu ihrem Schutze, die er durchgesetzt habe, nicht ohne Geld und Kosten erlangt werden konnten49.


Fußnoten

1 Nach Antonio, Bibliotheca hispanica vet. Test. II. p. 136 war Ferrer Mitarbeiter an dem: tractatus novus ... contra perfidiam Judaeorum editus.. jussu Benedicti Papae.. per quatuor famosos magistros in Sacra Theologia, quorum unus fuit frater Vincentius Ferrerius; Ms. in der Vaticana.


2 Sehr anschaulich beschreibt es Samuel Usque (Consalocoes III. No. 22): e amuntinando um grande numero de gente, sahio (Frey Vicente) com ella pellas cidades com um crucifico nas manos e um Cefer da Ley em braços, chamando a os Judeos em altas e temerosas vozes, que se viesem recolher debaixo a cruz; vergl. Note 1 daß diese Erzählung von Profiat Duran, einem Zeitgenossen stammt.


3 Alvar Garcia de Santa Maria (ein Sohn des Paulus Burgensis) in der Chronica de Juan II. gesammelt von Ferran Perez de Guzmann, Valencia 1779 p. 109 bei Amador II. p. 490. Ueber Vicente Ferrer (nicht Ferrier) vergl. die Monographie: Heller, Vicentius Ferrer nach seinem Leben und Wirken, Berlin 1830. Amador führt an mehreren Stellen als Thatsache an, daß Vicente Ferrer bei dem Gemetzel von Valencia beschwichtigend und rettend aufgetreten sei. Er nennt als Quelle dafür das Breviario de Valencia (a.a.O. p. 367). Dagegen bemerkt Francisco Danvila, daß er keine Spur zum Beleg für diese Thatsache gefunden habe (Boletin de la Real Academia de la historia 1886 in der Erzählung vom Gemetzel in Valencia). Amadors Schwiegersohn Fernandez y Gonzalez hat zwar eine Quelle dafür zu finden geglaubt, nämlich in der historia de la vida de San Vicente Ferrer. Allein dieser Bericht von Diago stammt vom Jahre 1600 und ist keine glaubwürdige historische Quelle. Mr. Isidor Loeb bemerkte mit Recht, daß Diago diese Thatsache in Joseph Kohens Bericht über Ferrer herausgelesen und falsch herausgelesen hat (Revue des Et. 1886, p. 245). Ferrer hat die Judenbekehrung keineswegs als sanfter Johannes bewirkt, sondern als Engel der Apokalypse, – wie ihn Amador einmal richtig bezeichnet – mit dem Schwerte. So referirt Luis de Hurtado de Mendoza, daß Ferrer die Synagoge in Toledo mit bewaffneter Hand – con mano armada – in eine Kirche verwandelt hat.


4 Das Edikt in Alfonso de Spina's fortalitium fidei III. ed. Nürnberg p. 93 b und zum Theil mitgetheilt von Schem-Tob Ibn-Schem-Tob in Schebet Jehuda No. 49 und Salomo Alami רסומה תרנא p. 22. Im Original mitgetheilt aus der National-Bibliothek und dem Municipal-Archiv von Leon bei Amador historia II. p. 618 fg. No. XIX.

5 Salomo Alami ed. Jellinek p. 23.


6 Die Leiden der Juden in den einzelnen Städten giebt ein Klagelied aus einem Firkowitzschen Codex, welches Ben-Jakob und Jellinek mitgetheilt haben, im Eingange zu תובא ןגמ des Simon b.Z. Duran ed. Leipzig 1855. Es geht auch aus dieser Kinah hervor, daß Vicente Ferrer's Judenbekehrungen nicht so harmlos waren, wie sein Biograph Heller und zum Theil auch Amador sie darstellen. Ich theile sie mit, weil sie, in einem entlegenen Winkel edirt, wenig verbreitet ist:


שניק

I.

.רמשנ דעל יאטח יכ ,ילבא בורב ,יל יללא

.רמכמ אותכ ופלוע ,תולהק לע ,תוללי לוק

.רמה םויב ושרוג ,םתדרחב ,םתיבמ יכ

.רמאתי רצ תררחב ,ארומ םשוה ,ארומסב

.רמוה רזל ךר בבלב ,הקחו תירב םשוה ,אקנמלסב

רמחנ םיכ דילודיילבב ,הרצ תעב ,הרח ףאו

.רמס ירשב ןכ לע ,ורוס רמוהל ,ורוט להק

.רמאתי הכ ביואו ,הי ףא ןורח ,איבוגש להקב

.החונמה לא הנפ אל יס ,הל אנ יוא ,אליוא תדע

:החבט ןאצכ ונבשחנ םויה לכ ונגרוה


II.

.הלהת ריע וטניבניבל ,יב ערקנ ,יבל רוגס

;הלחלחכ אסנילבו ,ןואיל ריעל ןואש אבו

.הלכ ושע אסנילפבו ,אגרוימו ,אגרוטשאב

.הלילע םב ללועתהל ,םב ורחנ ,םביבס לכבו

.הלפת רובעמ .בעב תובס ,ב"עק תנשב

.'וכו ונגרוה ,החוסכ איה שוגרובו ,שידירפל ,שדק אבו


III.

.תורורמ ילע ובתכו ,ינועצפ ,ינוכה

.תוריזג המכ ורזג ,הלא לכ לע ,הלחנ םעל

.תורותהו םיקחה ,ורימה דע ,ורימחהו

ונגרוה .החטבו טקשהב ןיכשיו ,הזחי הז לכ ,הז אוה ימ אנא .'וכו


Daß Vicente Ferrer der Urheber dieser Leiden war, ist in dem Satze שדק אב (Strophe II. Ende), per antiphrasin so genannt, angedeutet. In den Acta Sanctorum (Bollandistae) ad 5. April p. 494 und in Bzovius, annales eccles. ad annum 1412 werden nur einige Städte namhaft gemacht, in denen Vicente Ferrer's Judenbekehrungen gelangen, und es ist nur allgemein angegeben: In diversis utriusque Hispaniae urbibus supra 20,000 (Variante: 22,500) ex iis Judaeis ad suscipiendam adduxit religionem et eorum templa in ecclesias dedicari fecit.


7 Amador a.a.O. II. 426.


8 Das. p. 430. In dieser Kirche wurden Commemorativ-Verse angebracht.


Antiquum coluit vetus hoc Sinagoga Sacellum,

At nunc est verae religionis sacrum.

Judaeo expulso, primus Vicentius istam

Lustravit pura religione domum.

. . . . . . . . . . . . . . . . . .

. . . . . . . . . . . . . . . . . .

Judaei trahunt cives Vicentii nomina multi,

Et templum hoc Verae dicitur inde Crucis.


9 Ueber Fernando's und Vicente's Verhalten gegen die aragonischen Juden sprechen zwei Belege, eine Nachricht in den Acta sanctorum l.c.p. 508: jussu Ferdinandi regis decretum est, ut singuli Judaei, qui Perpiniani commorantur, quadam die dominica Vicentii praedicationi interessent. Dann ein Sendschreiben des Dominikaners an denselben König, anknüpfend an das angebliche Erscheinen eines Kreuzsternes am Himmel, bei Raýnaldus annales eccles.: ad annum 1414 No. 19:.. demum regem piis suadet monitis (Vicentius), ut regia studia in Judais et Saracenis ad Christi fidem traducendis ... collocaret.


10 Vergl. das Citat aus den Acta sanctorum o. S. 112, Anmerk. Zacuto giebt die Zahl der Bekehrten wahrscheinlich übertrieben auf mehr als 200,000 an (in der Filipowskischen Edition p. 225): דמש היה ב"קע הנשב ארפ חלג ידי לע איליטשקבו ןוגראב והומכ היה אלש לודג ודנאנריפ ןוד ךלמה י"עו םירצונל שרוד (יטניסיב l.) יטנוסיב התיהש איליטשאק תכלמ אנילטק הנוז י"עו .... ןוגרא ךלמ םהב םיראשנדו .םידוהי ףלא םיתאממ רתוי םתד ורימהש הנמלא לאגטרופל וחרב םהמו הדשב םילהאב םינש 'ז ויה. Dieselbe Zahl hat auch Joseph Ben-Zadik aus Arevalo. In Schebet Jehuda über die Verfolgung desselben Jahres No. 46 ist die Zahl der übergetretenen Juden auf 16,000 angegeben. Joseph Kohen giebt an, daß durch Vicente 150,000 umgekommen und 15,000 sich getauft hätten (Emek ha - Bacha p. 1). Mariana schätzt die Zahl auf 35,000, dagegen Isaak Cordoso nur auf 15,000 (Excellencias de los Hebreos L. XIX. c. 12).


11 Bei Amador II. p. 400 Note.


12 Vergl. das Einzelne über die Disputation von Tortosa und über die Quellen Note 3.


13 In dem tractatus contra Judaeorum perfidiam (vergl. Note 3) heißt es c. 2: Illa enim litera mem (in versu Jesaiae 9. 6: הרשמה הברסל) nomen suum ostendit, sive in Hebraico, quia dicit Miria(m), sive in Latino Maria, verumque nomen incipit in mem; verum tamen secundum veram orthographiam »Lemarbe« (et multiplicabitur) debet scribi cum mem aperta, sed ideo hic singulariter posita est mem clausa, in medio ditionis, ut hujus Virginis Mariae virginitas esset praenosticata etc. Dasselbe auch cap. 4. Vergl. dieselbe Deutung von Johannes de Valladolid o. S. 21 Anmerk. 1.


14 Item potest ista conclusio verificari per hoc, quod habetur Ezechiel 44, 2: »et converti me ad viam portae sanctuarii exterioris ... et erat clausa, et dixit dominus ad me: porta haec erit clausa, non aperietur, et vir non transibit per eam, quoniam Dominus Dcus Israel ingressus est per eam.« Haec prophetia nequaquam intelligi posset realiter. ... sensum intrinsecus habet. ... per portam vero clausam virginis Mariae intellige virginitatem ... Sunt ergo illa verba de gloriosae Mariae virginitate intelligenda. Porta haec clausa erit in conceptione, non aperietur in partu, et vir non transibit per eam post partum, quoniam Dom. Deus Israelis, Dei filius, patri coaeternus, ingressus est per eam, et erit clausa usque in finem seculorum. Das. c. 4. Vergl. eine ähnliche, aber lange nicht so blasphemirende Deutung im Sohar B. VII.2 S. 478 f.


15 Bonastrüc's Sendschreiben nach Gerona in Schebet Jehuda No. 40.


16 Die lange Rede ist mitgetheilt in Rodriguez de Castro's Bibliotheca I p. 207 ff.


17 Bonastrüc's Sendschreiben in Schebet Jehuda p. 69.


18 Das. p. 74.


19 Auszug der Protokolle bei de Castro a.a.O. p. 221.


20 Das. p. 222. Zurita, Annales de Aragon III. 12 c. 45.


21 Vergl. Note 3.


22 Tractatus contra Talmud c. 1, 2.


23 Das. c. 3.


24 Meines Wissens ist Geronimo der Erste, welcher die Kol-Nidré-Formel zum Gegenstande der Anklage gemacht hat. Seine Worte lauten, nachdem er die Talmudstelle, welche gerade diese Vorkehrung zur Vereitelung eines Gelübdes nicht billigt, citirt hat (das. c. 3):.. et isto modo utuntur ad praesens isti Judaei. Nam in nocte ante diem expiationum stat Rabbi in synagoga tenens rotulum legis in brachiis, et omnes Judaei coram ipso cum magna solemnitate, eadem verba proferens supradieta (quod juramenta, promissiones et vota, quae acciderint sibi per totum annum, nullam valorem habeant), et in hoc intelligunt. quod sine onere violandi quodcunque fecerunt juramentum, et signanter Christiano.


25 Das. c. 4-6.


26 Vergl. Note 3. Irrthümlich stellt Amador auf (a.a.O. p. 441), als hätten sich Astrüc Levi und sein Anhang, d.h. die zwanzig Notabeln, außer Albo und Vidal Ferrer vom Judenthum völlig losgesagt. Sie haben nur erklärt, daß die anstößigen Agada-Stellen für sie keine Autorität haben.


27 In den Protokollen ist öfter notirt: an dem und dem Tage der Disputation haben sich Juden bekehrt; so zur 14ten Sitzung: In dicto die conversi fuerunt ad fidem 13. Judaei cum suis uxoribus et familiis; zur 22ten Sitzung: plures ex Judaeis ad fidem conversi, und in der 62ten Sitzung: tunc grandis multitudo Judaeorum ad sanctam fidem catholicam se convertit. Den Schlüssel dazu bieten die Judenbekehrungen des Vicente Ferrer in Aragonien und Catalonien. Sie coincidiren mit der Zeit der Disputation. Die 62te Sitzung, wo »eine große Menge Juden« sich bekehrte, fiel bereits in's Jahr 1414, und gerade in dieser Zeit fanden Vicente's Bekehrungen in den genannten Ländern statt. Zurita berichtet a.a.O.: En el estio del año passado se convierteran de las synagogas de Zaragoza, Calatajud y Alcañiz mas de dozientas, y entre ellos.. un Judio de Zaragoza ... Todroz Benvenist ... noble en su ley; y despues successivamente en los meses de Hebrero, Marzo, Abril, Mayo y Junio deste año (1414) ... muchos de los mas enseñados Judios de las ciudades de Calatajud, Daroca, Fraga y Barbastro se convierteran hasta en numero de 120 familias, y todas las Aljamas de Alcañiz, Caspe.. la Aljama de Lerida y los Judios de la villa de Tamarit y Alcolea, y fueran en numero de 3000 los que entonces se convierteran en la corte del Papa. Auch in Benedicts Bulle (weiter unten) ist erwähnt: fere tria milia ... ex illorum gente fidem catholicam susceperunt. Aber gerade in dieser Zeit bekehrte Vicente in diesen Städten. Er war Februar 1414 von Valencia nach Aragonien gekommen. Vergl. Heller, Vincentius Ferrer S. 106. Zahlreiche Bekehrungen sind auch aus jüdischen Quellen bezeugt, vergl. Note 3.


28 Vorige Note und am Ende Note 3.


29 Protokollauszug bei de Castro (p. 222).


30 Bei de Castro a.a.O. p. 223 ff., ausführlich in Bartolocci Bibliotheca Rabbinica T. III. p. 731 ff. und bei Amador II. Documentos No. XX. aus dem Archiv einer toledanischen Kirche mit einigen unwesentlichen Varianten.


31 Diese Schrift, welche in der Bulle a.a.O. (bei Bartolocci p. 734) mit den Worten angeführt wird: ut nullus Judaeus de caetero libellum illum, qui apud eos Marmar Jesu nominatur, quique in contumeliam Redemptoris nostri affirmatur compositus, legere ... praesumat – ist weiter nicht bekannt. Ob sie identisch ist mit der Schrift ושי תדלות? Bei Amador lautet der Titel Macellum statt Marmar Jesus, gewiß ein Schreibfehler.


32 Zurita, Annales de Aragon III. L. 12, c. 53. Aus einer gelegentlichen Angabe des Isaak Arama scheint hervorzugehen, daß noch zu seiner Zeit, über ein halbes Jahrhundert später, die Juden Aragoniens gezwungen waren, Predigten anzuhören: השק תוזח Porta IV. םע תולהקמב רבד רשא וירבד ךותב םיוגה ימכחמ דחא םכח רבד ויפמ עומשל ונל ארק רשא ןיאדוהי ןירבוג תצק ינזאבו בר .םגהנמב


33 Der letzte Passus in der angeführten Bulle.


34 Bei Amador III. p. 524 Note.


35 Baronius (Raynaldus) Annales ecclesiastici ad an. 1415. No. 52.


36 ףדגמ, ein Notaricon seines Namens Maestre Geronimo de (St.) Fé schon in Schebet Jehuda p. 68 erwähnt.


37 Usque III. No. 21:.. acometeo passar a Portugal (frey Vicente).. e antes que o fizese, mandou pidir licença. Porem Elrey dom Duarte ... lhe respondeo, que elle podia entrar, mas que primeiro lhe avia de mandar una corroa de ferro ardendo na cabeça. ... p. 65: mais destes (Convertidos por Vicente) se passarão a terra de Mouros e outros a Portugal. Aus Usque schöpfte diese Nachricht Joseph Kohen Emek ha-Bacha p. 71. Aber wenn das Factum wahr sein soll, so kann nicht der König Duarte mit Vicente Ferrer verhandelt haben; denn er kam erst 1433, lange nach Ferrer's Tod zur Regierung. Man müßte also Don João emendiren.


38 Codigo Affonsino Liber II. Titel 77.


39 Joseph Kohen Emek ha-Bacha p. 71.


40 Die Akten der Synoden von Bologna und Forli sind jetzt edirt aus einer Halberstamm-Handschr. unter dem Titel: 'שב ילרופו אינולובב ושענ תוינומדק תונקת ח"עקו ו"עק, in Graetz Jubelschrift, hebr. Theil, S. 53 f.


41 Aschbach: Kaiser Sigismund II. S. 304 und Note 28.


42 Lang, Regesta Boica XII. p. 276. datum 12. Febr. Martinus papa ad supplicationem regis Romanorum (Sigismundi) privilegia omnia a praedecessoribus suis Judaeis in Allemannia et Germania ac ducatu Sabaudiae et Greciae (?) commorantibus concessa confirmat.


43 Stobbe a.a.O. S. 36 fg.


44 Lang a.a.O. S. 278. »Sigmund, römischer König, befiehlt allen Fürsten, Räthen, Knechten, Vögten, Amtslcuten, Bürgermeistern und Reichsunterthanen die Jüdischheit, welche in seine Kammer gehören, bei den Gnaden und Freiheiten, die ihr Papst Martin V. bestätigt hat, bleiben zu lassen.«


45 Aus der Urkunde von der Synode in Forli (o. S. 126) ergiebt sich, daß die Nachrichten, welche Gedalja Ibn-Jachja (in Schalschelet) mittheilt, nicht so wegwerfend zu behandeln, daß sie vielmehr, wenn auch manchmal entstellt, doch immer authentisch sind. So namentlich seine Nachricht von den italienischen Synoden, von einer Deputation an den Papst und einer günstigen Bulle von demselben (p. 94 a): 'ה תנשבו תוריזג םהילע שדחתי ןפ האילטיאבש םידיהיה דחפ לפנ ו"עק םשפנ לע ודמעיו ולהקיו םלועב םירזופמא םהיחא רתי לעש ומכ ילרופ ןיעב תינש ודעונ ח"עק תנשבי .איינלוב ריעב יללכ דעוב ןיטרמ לא וחלשיו םישנא ורחבו הברה תונקתו תוריזג ושעו הטבמויפניא הלוב וגישהו המורב רויפיפא (Bulla empiombata) ד"י ח"יר ןיטרמ הפפה דימ המתהנו םיבוט םיאנת הברה םע ךלמ הנש וט יכ וכלמל ב"י 'ארביפ. Eine Bulle des Papstes Martin zu Gunsten der Juden theilt auch Raynaldus annales eccles. (ad annum 1419, No. 2) mit, worin deutlich angegeben ist, daß die Juden ihn um Schutz angefleht hatten: quia imaginem Dei habent (Judaei) et reliquiae eorum salvae fient. ... nostramque defensionem et auxilium suppliciter postulant et christianae pietatis mansuetudinem exposcunt, nos. ... statuimus etc. Diese Bulle ist ausgestellt Mantuae 2. Kal. Februarii pontificii nostri anno secundo, d.h. 31. Januar 1419. Das Datum bei Ibn-Jachja scheint demnach corrumpirt zu sein, da jedenfalls statt וכלמל ב"י gelesen werden muß 'ב. Möglich, daß der Papst im Jan. und auch Febr. 1418 für die Juden eine günstige Bulle ausgestellt hat.


46 Von einer jüdisch-spanischen Gesandtschaft bei diesem Papste berichtet auch Schebet Jehuda No. 41, nur muß im Eingange emendirt werden statt: ןמזב ורדיפ יארפ וינפל אב ןיטנרולפ וקרמ רופיפאה in רויפיפא ןיטרמ. Im Verlaufe läßt die Relation den Papst sprechen: עמשנו וארקי ינפל תוארהל שמא ועיגה םיחולש ינש הנה לאומש ןוד םהו םהה םישנאה וארקנ .םהל שי הבושת המ בותכש רשפא רויפיפאה םהל רמאו יולה המלש ןודו אילבארבא גורה םיוגבש בוט םכלש דומלתב. Wenn auch der ganze Dialog daselbst den Charakter der Fiction hat, so scheint doch der Hauptkern authentisch zu sein, namentlich die Namen der zwei jüdischen Delegirten Samuel Abraballa und Salomo Halevi. Ob der Erstere identisch mit dem reichen S. Abravalla ist, der sich bei dem Gemetzel in Valencia getauft (o. S. 60) und den Namen Villanova angenommen hat? Es heißt von ihm in dem Document bei Amador II. p. 603: E hir lo gran don Samuel Abravalla se batejá ... e ha nom Alfonso Fernandes de Villanova. Dann müßte er aus dem Christenthum ausgetreten, nach Rom entkommen sein, dort über seine und seiner Religionsgenossen Gewalttaufen geklagt und vermöge seiner Reichthümer beim Papste Gehör gefunden haben.


47 Raynaldus, annales eccles. a.a.O.

48 Raumer, historisches Taschenbuch, Jahrg. 1833, S. 94.


49 Stobbe das. 37.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig [1890], Band 8, S. 130.
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