7. Jonathan Eibeschütz und sein Verhältnis zum Sabbatianismus.

[510] Die Frage, ob Eibeschütz ein Krypto-Sabbatianer war oder nicht, welche im 18. Jahrhundert und auch noch im Anfang des vorigen jüdische Kreise so lebhaft und leidenschaftlich aufgeregt und auch einige christliche Kreise beschäftigt hat, ist heute noch nicht kritisch untersucht und noch weniger spruchreif. Josts Urteil über Eibeschütz (sowohl in der älteren Geschichte B. IX, S. 52, als in der jüngeren Überarbeitung III, S. 256) ist, gelinde ausgedrückt, höchst vage gehalten. Spaziers Urteil wie Biographie (Galerie ausgezeichneter Israeliten, Stuttgart 1834, S. 26 f.) ist nur von der Oberfläche geschöpft. Er stützte sich teils auf Jost, teils auf Karl Anton (dessen Angabe sehr unzuverlässig ist, wovon weiter) und teils auf die Aussage eines posthumen Bewunderers von Eibeschütz aus Metz. Lebrechts Artikel in Ersch und Gruber, Enzyklopädie (1843, II. sect., B. 22, S. 413) spricht ihn vollständig von der Anschuldigung des Krypto-Sabbatianismus frei und beschuldigt [510] seine Gegner willkürlicher Deutelei, um ihn zu verunglimpfen, beides ohne Begründung. G. Klemperers biographische Skizze: R. Jonathan Eibeschütz (Prag 1858) ist in ihren Helden zu sehr verliebt, als daß sie zu einem unparteiischen Urteil hätte gelangen können. Sie ist eine glorifizierende Apologie. Dr. Beer, der sich viel mit Eibeschütz beschäftigt hat, sprach ihn »im Alter« von dem Verdachte frei, »doch mag er in seiner Jugendzeit ... sich hin und wieder (über den Sabbatianismus) günstig geäußert haben, da ein gewisser Hang zur Eitelkeit ihm nicht abzusprechen ist.« (Frankels Monatsschrift 1858, S. 392). Keiner der genannten Historiker oder Biographen ist auf das Objekt, auf das Korpusdelikti, auf die verdächtigten Amulette, eingegangen. Verzeihlich ist diese Vernachlässigung, da das Thema zu abstrus und abgeschmackt ist; aber sie kann kein sicheres Urteil, sondern nur ein vages Gerede ergeben. Mich hat eine gewissenhaft angestellte Untersuchung zum Resultate geführt, daß Jonathan Eibeschütz, allerdings heimlich, in seiner Jugend und im Alter dem sabbatianischen Schwindel oder der Theorie von dem Dualismus in der Gottheit gehuldigt hat, und eben dadurch war sein ganzes Leben eine Kette von Zwiespältigkeit und Heuchelei. Ich muß einige meiner Freunde, die noch heute eine schwärmerische Verehrung für ihn, für den Verfasser von Urim we-Tumim und Kreti u-Pleti, haben, um Verzeihung bitten, daß ich ihrem Herzen wehe tun und über ihren Heros den Stab brechen muß. Die Pflicht des Historikers, Personen und Vorgänge in ihrem eigenen Lichte zu zeigen, zwingt mich dazu. – Um die Leser in den Stand zu setzen, sich selbst ein Urteil zu bilden, muß ich ihnen das Thema faßlich machen und ein historisches Zeugenverhör anstellen.25

Zunächst vom streitigen Objekt selbst. Die Frage liegt eigentlich sehr einfach. Sind die damals von den meisten deutschen, einigen polnischen und italienischen Rabbinen verketzerten תועימק (Amulettenzettel) sabbatianisch oder nicht? Hat sie Eibeschütz geschrieben und verteilt oder nicht? Fällt die Antwort verneinend aus, so war er ein unschuldig Verfolgter. Fällt die erste bejahend und die zweite verneinend aus, so ist er ab instantia freizusprechen. Müssen aber beide Fragen bejaht werden, so war Eibeschütz nicht bloß in seiner Jugend, sondern auch noch im Greisenalter ein heimlicher Sabbatianer, und daraus lassen sich Konsequenzen für seine Theorie und seinen Charakter ziehen. Abweisen läßt sich diese Untersuchung nicht. Das Verständnis für die tief leidenschaftliche Aufregung jener Zeit und für die große Zahl der damals erschienenen Streitschriften erfordern von dem Historiker ein bestimmtes Urteil. – Es sind damals, 1750 und 1751, etwa 26 תועימק, welche Eibeschütz angeblich zur Heilung von Krankheiten und zur Erleichterung von Entbindungen in Metz, Frankfurt a.M. und Hamburg geschrieben und verteilt haben soll, geöffnet, untersucht und verdächtig befunden worden. Sie sind meistens in der polemischen Briefsammlung תמא תפש (s.l. 1752, ed. Lemberg 1877, nicht von Jakob Emden) zusammengestellt und kopiert. Von diesen 26 wollen wir jedoch nur sechs herausheben, eine, die er für eine Wöchnerin in Hamburg, und fünf, die er in Metz geschrieben haben soll. [511] Diese fünf, auf ein Blättchen gedruckt, zur Begründung der Anklage gegen ihn überall hin verteilt und auch der holsteinschen Regierung sowie dem König Friedrich V. von Dänemark, als Herzog von Holstein, vorgelegt, waren von den Gemeindebeglaubigten in Metz und von einem Procureur du roi als echt legalisiert worden, d.h. die Besitzer dieser fünf Amulette haben an Eidesstatt ausgesagt, daß sie dieselben von ihrem ehemaligen Metzer Rabbiner Jonathan Eibeschütz empfangen hatten, und die Kopisten haben die fides copiae bezeugt: תואב תוא קתעומ ... תועימק ’ה ולא (ץימ) ונתליהק ינבמ םידיחי השמח דיב ויהש ... הרושב הרושו ןתנוי ’ר) גרובמאה ק"קב תעכ אוהש ד"בא ןמ שממ םדיל ואבו ’ד םוי םויה םתוחה לע הליהקה ינמאנ ונחנא ונאב ... (ץישבייא א"יקת רדא שדוחל ’כ. Es ändert an der Sache gar nichts, daß einer der Beglaubigten sich später Eibeschütz gegenüber entschuldigt hat, er sei zum Kopieren und Unterzeichnen gezwungen worden. Eibeschütz gestand selbst zu, daß diese fünf von dem Procureur als echt legalisiert worden sind (תודע תוחול Einl. p. 6: יהערקארפ ארקנ יאכרע לצא [ץימד] תועימק ירבד תינש ומייקש יהאר עד). Wählen wir von diesen fünf zwei aus, weil sie Eibeschütz selbst als echt anerkannt hat, von den übrigen dagegen behauptete er, er könnte deren Richtigkeit nicht zugeben, da sie ihm nicht originaliter, sondern nur gedruckt vorgelegt worden seien; sie könnten möglicherweise gefälscht sein.

Eine dieser beiden, genannt die des Mose ben Miriam, deren Echtheit Eibeschütz im ganzen zugestanden hat (Nr. 2), hat die beglaubigte Unterschrift: וז עימק םירמ ומא םשו שבייפ ירוא ןב השמל (ןתנוי ’ר) ןתנ.

Sie lautet: וזוע תגאפתב טכזבה ךארבי םהבא הפהי םשב יתבבז ףחמבמ סהכא םלענה ברשבו נויכע דפחיב דחוימו דיחי לע גזוג ינא עבר תימי ףמפ חורבו ףנל תפרנ ותרבחב רשא ימבה רעצ דזנ םושב ףקיזי תלש ידא ינב םעגפו םעגנ טידיזמ טיחור ךכ םמרמ ןב צבמ ףז עימק תשונל םלועבש בבל דבוכו הלהב קחפ (zuletzt ein vielfach versetzter Bibelvers).

Dann folgt ein Hexagramm (sogenannter דוד ןגמ) mit folgenden Schriften:


oben ןטש ערק, links אראפת, rechts ףזוע

in der Mitte דבמ םתוח

ל םא בשז

םבס ןה

unten links יהכא rechts ךארבי, und ganz unten links שכידגנ.


Ganz von selbst kommt man darauf, daß geflissentlich eine Buchstabenpermutation stattgefunden hat und daß der Schlüssel von אב תא das scheinbare Rätsel lösen kann. Nehmen wir zuerst die unschuldigen Wörter וזוע תגאפת oder וזוע אראפת, so ist in תראפת im ersten Falle ג für ר, im zweiten א für ת gesetzt. Der Name dessen, welcher die עימק tragen sollte: ןב צבמ םירמ ןב השמ = םמרמ. Endlich der jesaianische, angeblich messianische Vers: ףנל תפרנ ותרבחב רשא ist von selbst durch Permutation verständlich. דבמ in eine damals häufig gebrauchte Abbreviatur דוד ןב חישמ. Zwei Dinge sind also gewiß, daß der Messias darin eine Rolle spielt und daß hin und wieder eine Buchstabenversetzung angewendet wurde. Lesen wir also: םשב ןוילע רוחיב דחוימו דיחי וזוע תראפתב רחובה לארשי יהלא הוהי וחישמ יהלא םלענה שרשבו. Wer ist der Messias? יתבבז ימבה. Das erste Wort יתבב(ז), wenn man das ז wegdenkt: יתבב = יתבש und םבה = יבצ plus י, also יבצ יתבש plus ז und י. Ebenso in der Mitte: ל םאבשז דבמ, bedeutet [512] םאבש = יתבש plus ז und ל, was auch = הכרבל ונורכז ל"ז bedeuten kann. םב(םן)ה ist יבצ plus םן, die zum Irreführen bei etwaiger Entdeckung bestimmt zu sein schienen. Nehmen wir das Ganze wieder auf: יהלא תימי ויפ חורבו ונל אפרנ ותרבחב רשא (י) יבצ יתבש(ז) וחישמ וקיזי אלש םדא ינב יעגפו יעגנ ןיקיזמ ןיחור לכ לע רזוג ינא עשר .םירמ ןב השמ וז עימק אשונל ...

Wie rechtfertigt sich Eibeschütz dagegen? Sachkundigen gegenüber hat er die Anwendbarkeit des Schlüssels von At Basch gar nicht bestritten; nur die Behörden ließ er durch Karl Anton mit der Behauptung irreführen, mittels dieses Verfahrens könne man aus allem alles machen. Was sagte er aber seinen mährischen, böhmischen und polnischen Anhängern, welche an dergleichen Buchstabenversetzung in der kabbalistischen Deutung gewöhnt waren? Er erkannte die Echtheit an, bediente sich aber einer faulen Verteidigung. Hören wir sie (תודע תוחול Einl., Bl. 3a): ןיצקה יל בתכו ולש עימקמ קתעה יל חלש ראייפש פ"ר ק"ה ןב השמ ’ר ול רסמנש עימקמ תמא קתעה אוהש גנכרעמ לזוי ’ר ינרותהו בתכב תנמוא ידי יתלבל יכ ףכית יתשגרה קתעה יארקבו ... יתאמ יתאצב היה אוהה עימקה השמ ’רל יתבתכשב זא טרפבו תירושא ןוכנל וניבה אל ... שממ םיניע באכ יל היה יכ לכל עודיו ץיממ םהו המודכו ... ’רל ’ד ’כל ’ב תומודה תויתואב ועטו תויתואה יעמ יכ ףכית יתרכה ינאו יתבבז דחא םש בותכו חסונה יל וחלש ונינעו ושרש יתררב רשאכ שודק םש אוהש יתבכז תויהל ךירצו .ינש תוא ... ליה ורזא םילשכנו םיתח םירבג תשק קוספ ןמ ...

Also, weil er, der Rabbiner, die Quadratschrift überhaupt nicht gut zu schreiben verstand und weil er beim Ausstellen dieses Amuletts an den Augen gelitten, hat er יתבבז statt יתבכז geschrieben!26 Und diese Buchstaben kämen je in dem zweiten Worte eines Psalmenverses vor (mit Ausnahme des ersten Wortes!). Aber war es nicht leichtsinnig von ihm, Kamiot überhaupt zu schreiben, wenn er sich in den Buchstaben zu irren pflegte, und diese Buchstaben als angebliche Gottesnamen magische Wirkung haben sollen. Wie schlecht muß es mit seiner Sache gestanden haben, daß er zu einer solchen kindischen Verteidigung Zuflucht nehmen mußte! Ein anderes Mal sagte er, er habe יתככז schreiben wollen; das sei wieder ein anderer Gottesname! Lauter Ausflüchte.

Indessen würde ihn ein Richter auf dieses einzige Indizium und diese erbärmliche Verteidigung hin, wenn es darauf ankäme, vielleicht noch nicht verurteilen. Ziehen wir daher ein anderes Metzer Amulett hinzu (Nr. 3), das er ebenfalls als echt anerkannt hat (תודע תוחול, p. 63 a): ברו תומכ ןטק עימק חסונ םכל אהו רבשמ לע הבשי רשא השאל ... יתבתכש תוכיאה. Außer der Dismembrierung des Verses ונל דלוי דלי ונל ןתנ ןב, geschrieben לדוי für דלוי, נול für ונל, kommt in der Mitte des Hexagramms vor: ונל םימתבב דכמ םתוח; nun ist םתבב = יתבש plus םי; dieses ’מ’מ = חישמ ךלמ. Wie verteidigt er sich dagegen? Man sehe es an (das. p. 63-71), lauter Gottesnamen aus Versen, abgeleitet nach der willkürlichsten Methode! Diese [513] Verteidigung ist womöglich noch kindischer ausgefallen als die bei der erstgenannten. – Die dritte Kamia, welche er in Hamburg geschrieben und als echt anerkannt hat, lautet (א"ש f. 14b): טכובה ךארשי םהכא הוצי אנא הבאל האופר חלש קיבה אאבב ודבע אוכזב אנ וזוע אראפתב ...מלועב קבהי אאבב ףחיבמ משו ךממ ברקתי טעמל תאז

Den ersten Teil können wir leicht lesen. Die wichtigen Worte sind: קיבה אאבב ורבע אוכזב = d.h. יבצ יתבש ק = שודק ;’ק. Wie erklärte Eibeschütz diese Buchstaben? אאבב sei ein Anagramm für םיהלא ארב תישארב תא. Wie lächerlich! Entgegnet man ihm, daß dann Sinn und Zusammenhang dieser Kamia zerhackt wären, so replizierte er, eine Kamia solle eben keinen Sinn haben (das. Einleitung Nr. 6): רמול םילגרה ןיאמו ?םירבדה שרושו ךשמהו שוריפ וילע ןתיש העימק בתוכ לע. Ein Mann von Kopf wie Eibeschütz hat sich mit einer solchen Verteidigung selbst gerichtet. Zum Überfluß führen wir noch die inkriminierten Stellen in den noch übrigen drei Metzer Amuletten an, deren Echtheit er selbst anerkannt hat:

Nr. 1 יתבש = (ק) יבה(אק) יתבב (ק) ונמאנ וחישמ יהלא יבצ;

Nr. 4: (ל)ימבה (ל)םתבב (ה) וחישמ יהלא: wiederum יבצ יתבש; Nr. 5: (ן) יבה (ל) יתבב (ק) שדקה = וחישמ יהלא (יבצ יתבש): also immer שדקה יבצ יתבש. Mehr oder minder entstellt und verhüllt kommt dieser Name in sämtlichen Amuletten vor, welche deren Besitzer als Eibeschütz' Werk ausgegeben haben.

Ich will kein Gewicht darauf legen, daß die meisten deutschen Rabbinen damals die Amulette so lasen, auslegten und ihn verdammten, nicht bloß seine offenen Gegner Jakob Emden, Josua Falk von Frankfurt a.M., Arje Loeb von Amsterdam [über seine Tätigkeit in dieser Angelegenheit vgl. noch Landshuth תודלות םש ישנא, S. 71-78], Samuel Heilmann von Metz, sein ehemaliger Assessor Nehemia Reischer von Lothringen, Selig Karo von Hannover, die Rabbinen von Schwabach, Trier, Hanau, Hildesheim, Fürth. Wie haben sie Unparteiische aufgefaßt? Unter seinen Anhängern oder denen, die ihm das Wort geredet haben, war der bedeutendste Ezechiel Landau, bekannt als Verfasser des הדוהיב עדונ ’ס, damals noch ein junger Rabbiner in Jampol (Podolien), später nach Prag berufen. Eibeschütz hat Landaus versöhnliches Sendschreiben an die Rabbinate von Frankfurt, den Drei-Gemeinden und von Nikolsburg, um Frieden herbeizuführen, in der Zeugnissammlung (zum Teil) abgedruckt (תודע תוחול, p. 42 f., ausführlicher in םיניע חתפ mit Glossen von Jakob Emdens Jünger, p. 1-8). Landaus Urteil lautet über die Kamiot: רשא תועימקה ףוג הנה הארנה ןטושפ יפ לע ץימו גרובמאה ק"קמ ונתנידמל וחלתשנ יכ רמואו רזוג יתייה ... ןואגה לש תורשכ תקזח ואל יא םיניעל ךותב הנעלקי ושפנו ... רובש יבצ חדומ יבצ תשרב דכלנ ןבתוכה עלקה ףכ. Er urteilte, wie es damals viele taten (und noch heute einige tun): die Amulette bekunden einen sabbatianischen Verfasser, der in die tiefste Hölle verdammt zu werden verdiente. Aber eben darum könne Eibeschütz, er, der Gaon, der berühmte Lamdan, der Heros talmudischer Gelehrsamkeit, sie nicht geschrieben haben! Nun hat aber Eibeschütz diese sechs als echt anerkannt und sie nur gedeutelt; folglich war er der verdammenswerte Ketzer und Sabbatianer. – Landau verkannte nicht einen Augenblick die Tragweite dieser sabbatianischen Theorie. Er wußte wohl, daß sie in seiner Gegend von mehreren Rabbinen vertreten wurde, die sich wenige Jahre später als Frankisten, Kontratalmudisten und Denunzianten gegen das Judentum bei den geistlichen Behörden entpuppten[514] und zuletzt sich taufen ließen. Er sagte gerade heraus, daß diese sich an Eibeschütz heften würden: ןתנו יכ ... ץ"ש ינימאמ םיעשופל די הזב (ןתנוהי ר"רוהמ ןואגה) תחפסמה התשפ זאמ רשאכ ... עייסמד אנת ונאצמ ונל בר ורמאי לוע וקרפ עילודופו עיטוקאפ תוזוחמ הברהב הנידמה תאזב יבייחו םיואלה לכו השעת אלל וכפהתנ השע ,תוצמה לכו הרותה ... רושימל םהל םימוד תוירעה לכו ,ובשחי השע תוצמל תותירכ איסהרפב תוירע םהל ריתהל. Darum hielt er es für unumgänglich, daß Eibeschütz die betreffenden Amulette öffentlich verdamme; aber das konnte Eibeschütz nicht: er hatte sie bereits als die seinigen anerkannt, mußte sie anerkennen. Josua Falk teilte noch dazu mit, im Vertrauen habe Landau an ihn und andere Rabbinen geschrieben, er sei von Eibeschützens sabbatianischer Ketzerei überzeugt, bitte aber, zur Vermeidung öffentlichen Ärgernisses, ihn zu schonen und nicht zu verdammen (םיניע התפ, p. 13b): הז בתכש המ םינברהמ דחאו דחא לכל הנושארב (אודנל לאקזחי) ילפמימ ברה לש) תובעותהו םירעוכמה םינינע לכש רוריבב ול עודיש ףאש ... דובכ לע סוחל ונתאמ שקבש קר ןכ םג ול םיעודי (ןתנוי ’ר ויעשפ לע תצק תוסכל םשה לולח ינפמו ותרות; (das. p. 14 a): לש ותונגב גילפהש ילפמאי ברהמ הנושארה תרגא יתאצמ עשרה ותוא, nämlich Eibeschütz. Das ist also die Stimme eines Mannes, den sich Eibeschütz zum Schilde gegen seine Ankläger genommen hat. In einer Supplik an die Kaiserin Maria Theresia gegen die erbetene Begnadigung bemerkte Landau: »Ungeacht allen dessen ist derselbe (Eibeschütz) um so mehr in seinem üblen Lebenslauf verhärtet geblieben, da er die falsche Lehre der ... falschen Messiae Schabshetzvi und seines Nachfolger Brachiae erneuret und ausgebreittet ... Ursach wessen dann der ... Jonas Nathan Eybeschitz von denen Oberrabbinen ... in den großen Bann erklärt worden ist« (Monatsschrift 1877, p. 21).

Hören wir eine andere unparteiische, eine christliche Stimme. In den »Freimütigen Nachrichten von neuen Büchern (Zürich, Jahrg. 1752, S. 398) ist ein Resümee des Verlaufes dieses Streites gegeben, das dem Leser um so lieber sein wird, als bisher Eibeschützens Biographen kein Wort von Urteilen aus christlichen Federn auch nur angedeutet haben:

Der Streit, welcher die hiesige Judenschaft in Absicht auf den sogenannten Metzer-Rabbinen Eibeschütz trennet, hat bisher so viel Aufsehens gemacht, daß wir glauben können, unsere Leser werden begierig sein, etwas Genaueres davon zu erfahren. Und wir können ihnen von der Hauptsache dieses Streites desto eher einiges Zuverlässiges melden, da von bei den Teilen an einen Mitarbeiter dieser Zeitung Nachrichten gelangt sind. Die Partei, welche mit der Wahl dieses Metzer-Rabbinen übel zufrieden ist, beschuldigt ihn, daß er an den Sabbataï Zewie glaube oder (wie sie es nennen) Schabsaswite sei. Sie beruft sich unter anderm zum Beweis dieses Vorgebens auf einige von ihm ausgestellte Kemioth (Zauberzettel, Amulette), dergleichen wir auch einige vor der Hand haben. Sie halten für offenbar, daß in diesen Kemioth öfters das Kunststück der Juden gebraucht sei, das sie Atbasch nennen, da man für den ersten Buchstaben des Alphabets den letzten, für den zweiten den einundzwanzigsten, für den dritten den zwanzigsten usf. setzt, und zwar scheine solches nicht nur in ganzen Worten, sondern auch bei einzelnen Buchstaben geschehen zu sein. So werde zum Exempel für הוהי bald היצי, bald aber הפהי geschrieben. Nach eben diesem Kunststück deutet sein Gegenteil einige Worte, die in dem Hebräischen gar keine Deutung haben würden, wenn sie ordentlich gelesen werden sollten, und findet dadurch seiner Meinung nach [515] in jedem Zettel den versteckten Namen Sabbataï Zewi, und zwar dergestalt an einem bequemen Orte, daß man sich wundern müßte, wenn es ein bloßer Zufall und Verdrehung sein sollte. So übersetzen sie in dem ersten Zettel: ›Sabbataï Zewi, der durch den Odem seines Mundes den Gottlosen töten wird,‹ und am Ende: ›Damit geheiligt werde der Name des Gottes Israels und der Name Zewi Sabbataï.‹ Im zweiten und dritten Zettel kommt etwas Ähnliches mit dem schon Gemeldeten vor. Unter dem vierten erklären sie die in einer Art von Siegel stehende Unterschrift: ›Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, Messias, Davids Sohn, Sabbataï Zewi.‹ Von gleicher Art sind die übrigen Übersetzungen, und wir wollen bloß den sechsten Zettel seiner Kürze wegen ganz übersetzen: ›Ach, der Herr, der Gott Israels, der da wohnet in der Zierde seiner Macht; ach, wegen des Verdienstes seines Knechtes, des Sabbataï Zewi ק (d.i. heilig), schicke Heilung diesem Weibe, damit dein Name geheiligt werde und der Name seines Knechtes, des Sabbataï Zewi des Heiligen.‹ Der Metzer-Rabbiner, dem die Abschrift dieser Zettel von hier aus übersandt ist, beschwert sich hiergegen, daß in seine Zettel einige Buchstaben hineingerückt wären, die er uns doch nicht deutlich hat melden lassen. Er bezeugt auch, daß er die Auslegung ganz und gar nicht annehme, die seine Widersacher über seine Zettel machen. Allein, was er unter den bedeutungslosen Worten verstehe, will er nicht anzeigen, und es wird zur Ursache vorgebracht, daß er in der Kabbala und insonderheit in der Kunst, dergleichen Zettel zu schreiben und Geister zu beschwören, seinesgleichen in Deutschland nicht habe und sich vor dem Gerichte eines weniger gelehrten Juden nicht ein lassen könne. Man muß auf der einen Seite bekennen, daß vielerlei auch aus unschuldigen Worten herausgebracht werden könne, wenn man einzelne Buchstaben nach dem jüdischen Atbasch versetzt, sonderlich, wenn man noch einzelne Buchstaben von dem übrigen Worte trennet und gleichfalls nach jüdischer Art als Anfangsbuchstaben ganzer Worte ansieht. Es würde daher der Metzer-Rabbiner für ganz unschuldig zu halten sein, sobald er eine andere Erklärung über die verdächtigen Worte gebe, die denselben genug täte. Allein es ist doch bedenklich, daß eben an allen Stellen, wo sich der Name des Messias hinschickte, der Sabbataï Zewi gefunden werden kann. Und das tiefe Stillschweigen und Verweigerung aller Antwort macht es noch bedenklicher. Wir müssen daher unser Urteil zurückhalten ... Soviel können wir zuverlässiger sagen, daß unter den Verteidigern des Metzer-Rabbinen solche auch uns bekannte Juden sind, die gewiß keine Anhänger des Sabbataï Zewi sind, und denen man ihre jüdische Gelehrsamkeit nicht absprechen kann.« Auch »Göttinger Gelehrten-Anzeigen« 1752, Nr. 38, S. 394, und Acta historiae ecclesiae T. XVIII. (1753), S. 1026.

Ein ausführlicher Bericht über den Amulettenstreit findet sich auch in den »Mecklenburgischen Gelehrten-Nachrichten«, Jahrg. 1752, S. 410, 418, eigentlich eine Rezension der ersten polemischen Schrift תמא תפש in dieser Streitsache. Der Rezensent nennt sich am Ende Carpow27, der kein eigenes [516] Urteil in der Sache hatte. Aber das Urteil in den »Freimütigen Nachrichten« ist für einen Außenstehenden wichtig genug, wie es auch milde klingt: Eibeschütz wollte keine genügende Erklärung geben, folglich konnte er es nicht.

Karl Anton hat zwar Eibeschütz in Schutz genommen und in seiner Schrift einen förmlichen Panegyricus geliefert. Aber dieses Machwerk wirft erst recht einen Schatten auf ihn. Das, was Emden öfter in תודע בקעיב und תוקבאתה behauptete, daß Eibeschütz diese Lobhudelei auf sich seinem getauften Jünger Karl Anton übergeben habe, das fand ich auch in einem gedruckten Blatte in deutscher Sprache, d.d. Altona, 19. März 1759, mit einem Testat des kaiserlichen Notars von der Hude in Altona bestätigt. Der Hauptinhalt ist: »Wie ... Herr v. Neuendahl (Obergerichtsadvokat) mir discursive erzählt, daß circa ein Vierteljahr vorher, ehe und bevor bemeldete Schrift des Karl Anton im Druck erschienen, er (Neuendahl) bei dem Ober-Rabbiner Eibeschütz, für welchen er derzeit verschiedene Arbeiten habe verrichten müssen, sowohl einen Aufsatz von denen er in dem ... vom Oberrabbiner gegebenen Amulet, von dessen Gegenpartei unrichtig übersetzten Stellen, als auch eine völlige Explication vom gedachten Amulet habe aufsetzen müssen, wel che mit derjenigen genau übereingekommen, die sich nachhero in der vorangeführten Schrift des Karl Anton befunden, dargetan, daß er (Neuendahl) auch zu derselben Zeit bei gedachtem Ober-Rabbiner dessen Lebenslauf auf sein Geheiß zu Papier bringen müssen, welcher gleichfalls mit Karl Antons Buch ganz übereinstimmig gewesen wäre.« Diese Notiz ist auch abgedruckt als Beilage zu Emdens Biographie von Wagenaar p. IV. Hier haben wir den Schwindel aktenmäßig belegt. Eibeschütz diktierte seinem Advokaten von Neuendahl die läppische Erklärung eines Amuletts, die für Christen gut genug war, und zugleich seinen von Eigenliebe strotzenden Lebenslauf in die Feder und übergab alles seinem getauften Jünger zur Veröffentlichung unter dessen Namen.

Wir können uns jetzt kurz fassen: der Beweis für Eibeschützens Kryptosabbatianismus ist geführt. Wir können nichts darauf geben, daß er einen feierlichen Eid geleistet hat, er gehöre nicht zu den Sabbatianern. Er hat 25 Jahre vorher (1725) mit anderen in Prag einen feierlichen Bann gegen S. Zewi und die Sabbatianer öffentlich ausgesprochen (abgedruckt in Emdens Torat ha-K., p. 38 a b), und nichtsdestoweniger war es damals notorisch, daß er mit ihnen unter einer Decke steckte. In einem Konvolut von Briefen, [517] welches Eibeschützens Frau einem seiner Jünger in dieser Zeit zu verbrennen übergab, fand dieser einen konfidentiellen Brief von Löbele Proßnitz an Eibeschütz und ließ ihn zirkulieren (abgedruckt in תוקבאתה, p. 42 a). Unter den Schriften des entlarvten Jesaia Chassid fand man einen kompromittierenden Brief von Eibeschütz an denselben. Er bat ihn dringend um Stillschweigen und Geheimhalten (in ןתנוהי תיב p. 4a): ןמ היהי לא אנו ... היעשי ’רהמ אלפומ םכחה ףירחה ה"הל ינא םלוא יכ ודוס ישנא לכל ריהזיו דאמ ענצה א"כ םימסרפמה היהי אלש דע ריעז רתכ ... דואמל ילומל ... םיבלכ תקעצ האור ןתנוהי ... ינממ ... םלועב הורע. In einem Zeugenverhör (Freitag, 11. Tammus 1725) in Mannheim wurde Eibeschützens Name öfter in Verbindung mit den sabbatianischen Schwindlern genannt, daß sie ihn für den Davidischen Messias (und Nachfolger Sabbataïs) gehalten und seine Korrespondenz mit ihnen beiseite gebracht haben (das. a, b); das Original dieses Zeugenverhörs war im Besitze des Herrn Carmoly. Chajon hat sich stark an Eibeschütz gerieben (o. S. 510). Eibeschütz' Lehrer Meïr Eisenstadt hat ihn wegen seines intimen Verkehrs mit den Sabbatianern zur Rede gestellt, und er versprach Besserung (בקעיב תודע, p. 65b, 60, auch p. 55a): תיבב ןיוב ותויהב ריאמ ’המ ברה ינפל רדחל (ןתנוי ’ר) ותוא סינכה םייהטריוו ףלאוו ’ר ןיצקה ילביל םע השעש םילקלוקמ םישעמ י"ע ותוא חיכוהו םינפלו םתוא ברקו ... םנולק םסרפתנש רחאל ןויח איוח םעו ץיטסורפ ערמ רוס תויהל ומצע לע לבקו ... םידי יתשב. [Vgl. Kauf mann, Samson Wertheimer, S. 88, n. 3.] Wie Arje Loeb, Rabbiner von Amsterdam, referiert, hätte ihn damals (1725) die Synode der Vier-Länder in Polen wegen Sabbatianismus in den Bann tun wollen; aber er, Arje Loeb, hätte für ihn interveniert (אירלקפסא הריאמה, Brief I, d.d. 1752): (ןתנוי ’ר) שיאה ותוא דשחנש ... המכסהה התלעו צ"ש לש תאזה הערה הנומאב םיקיזחמה תכמ לארשי תולהקה לכב ותודנלו ומירחהל תוצרא ’דד ידיגנ לצא ףושטניפד ד"בא ץריה ’והמ ... ודוד תשקב לדוגמו ןילופ תנידמב יתלטב ... םיברב ושיבל אלש ... םימוחנת ירבד ילא בתכ רשא ... םיברב ושיבל אלש ... םימוחנת ירבד ילא בתכ ףאו ... רבדה זיגאח השמ ברה ילא ובתכ ןמזה ותואבש ףאו ... רבדה יתלטב וייחל דע ומע דריל ... (אנהכ בקעי ’ר) פ"פ ק"קד ד"בא ברהו ודיב אוה הגשמ יתרמא ... ןידירומ ורמא ולאבו. Man berichtete ferner, daß der damalige Rabbiner von Frankfurt und den Drei-Gemeinden (Ezekiel Katzenellenbogen) einander aufgefordert haben, die Initiative zu ergreifen, Eibeschütz in den Bann zu legen (תוקבאתה, p. 2b). Jakob Reischer (Verf. von בקעי קח und anderen Schriften) hat ihn für einen förmlichen Apostaten gehalten. Das berichtet sein Enkel Nehemia Reischer, Rabbiner von Lothringen (תמא תפש, p. 35): ינקז ינודא (גארפב ןתנוי ’ר תציחמל יתסנכנ רשא לע) דואמ ילע ול הרח .ינומכ ותוא בוהאת ךינפלמ ותוא הארת םא :רומאל וינפ יתרחשו יכ ... ותשרב דוכלת אלש יאולהו ינפ תחת אביש ו"ח יל בישהו ינפל בשחנ רמומכו ודיב םימסק. Eibeschütz kam aber allen zuvor und sprach den Bann über die Sabbatianer aus. David Oppenheim mochte aber die Bannbulle nicht mit unterzeichnen, weil er Eibeschützens Manöver als eine Heuchelei betrachtete (das.): דוד ’ר ןואגה ןכא רקש ירבדב ועשי לבל םמע םותחי לבל ודי ךשמ םייהנפוא. Mose Chagis war wütend über diese Heuchelei, schrieb darüber dem Rabbiner Michael Chaßid28 von Berlin und prophezeite damals (1725) das Schlimmste [518] von Eibeschütz (Emden תואנקה תרות, p. 42a): יכנא הזע חור וחור םידק אלמו ללכה ןמ אצוי ןתנוי ’רש האורה אצי הזמש לודגה קזנה דיגי ןמזהו .ויריבחו ... ץיטסורפ ילבילמ יבלו ... תעכ ותפרח תולגל םדיבש םינברה ותוא ושיחכי אל םא םימיה תירחאב ימעל הזה ערה השעי רשאמ ... ךיראהל ימע לב. Vgl. noch Chagis' Brief an Arje Loeb in ןתנוהי תיב, p. 3 b.

Noch ist ein Wort über die scheußliche blasphemierende Schrift לגור ןיע ןויעה לא םויה אבאו [jetzt Cod. Oxf. No. 955, 4] nötig, die man damals Eibeschütz zugeschrieben hat. Ezechiel Landau forderte Eibeschütz auf, diese und ähnliche Schriften energisch zu verdammen, um den Verdacht von sich abzuwälzen. Bei dieser Gelegenheit zählt er sie auf und charakterisiert sie (םיניע חתפ, p. 8 a, fehlt in Eibeschützens תוחול תודע) folgendermaßen: ... ירפס ירבד לע ... בל ררועל יתאב תנומא שרוש שרשלו רוקעל ... וניתונידמב ואצמנש תונימ הריפכ יתעמש אל ... םיוגה תנומא לכבש יל ונימאת ... לארשי אבאו ותלחתה דחא סרטנוק 1. :םהינמיסב םיבתכה ריכזאו וזכ ינשה סרטנוקה 2 ;ףוס ןיא תחגשהב רפוכ ... ןויעה לא םויה תלגמ שוריפ ישילש 3. ;הלבנ רבוד הפ ... םירישה ריש ישוריפ תד לכו ... רפוש תעיקת תנוכ סרטנוק 4. ;רתסלפ בתכ רתסא יזוחמ בורב טעמכ םיבתכה וטשפתנ רבכ ... רפוכ םידוהיה םירחהל ... אנ ורוע .שדוק יבתכל ןתוא םיקיזחמו עיילאדאפ בויחב רתוי לטומ רבדה ןתנוי ’מ ןואגה לעו ... ןושארה רבחמה םישובכ םירבדה ואצי ונממ יכ וב םמצע (םירפוכה) םילותש .... Landau sagte es ihm also ebenso bestimmt wie höflich, daß man in Polen Eibeschütz für den Verfasser dieser lasziven und destruktiven kabbalistisch-sabbatianischen Schriften gehalten hat. Eibeschütz rechtfertigt sich auch gegen diese Anklage (תודע תוחול Einleitung, Nr. 19), allein diese Verteidigung ist nicht überzeugend, sie läuft darauf hinaus, daß man seine Autorschaft nicht beweisen könnte. Aber warum hat er diese Schriften, wie Landau mit Recht von ihm verlangt hat, nicht mit dem schwersten Banne verdammt? Dazu kommt noch, daß ein Reisender aus Prag, dessen Effekten auf David Oppenheims Befehl in Preßburg untersucht worden sind und bei dem man die Schrift םויה אבאו fand, ausgesagt hat, daß sie von Eibeschütz stamme (Emden תואנקה תרות, p. 42b, 43a; der Brief Emdens an D. Oppenheim ist Ende [7. Khislew = November] 1725 datiert, zur Zeit als er Eibeschütz noch nicht kannte: daher nahm er ihn in Schutz). Endlich ist in der Schrift םיניע חתפ (S. 15 b) ein Zeugenverhör vor dem Rabbinate von Brody mitgeteilt, in welchem die Zeugen geradezu aussagten, die genannten Schriften 1-4 seien von Eibeschütz verfaßt worden.

Sollte aber, wenn er so voll von sabbatianischer Häresie war, so gar nichts davon transspiriert sein? Eibeschütz war kein Freund von Bücherschreiben, war zu ungeduldig dazu und auch zu klug, um seine geheimsten Gedanken dem verräterischen Papier anzuvertrauen. Der Zufall brachte indes kabbalistische Ansichten Eibeschützens ans Licht. Mein gelehrter Freund, Hert J. Mises, entdeckte einen handschriftlichen Kodex, dessen Verfasser oder Sammler ein Jünger Eibeschützens war, Simon Buchhalter in Petersburg (unter dem Titel ינועמש טקל, auch םלוע םש), s. Mises, Darstellung der jüdischen Geheimlehre I, S. 7. Dieser Kodex ist Eigentum meines geehrten Freundes, Herrn Dr. Jellinek in Wien, der ihn mir zuvorkommend zur Benutzung übergeben hat. Dieser Simon Buchhalter stellte 1748 alles zusammen, was er von Eibeschütz mündlich und schriftlich (im Anfang einen [519] Dialog) über Kabbala und Philosophie 20 und mehr Jahre vorher vernommen hatte. Die Gespräche und die darauf folgende Korrespondenz fallen um 1728-1730. Das ist wichtig für die Beurteilung des Folgenden. Auch einige Bemerkungen über den Sammler, wie er sie in diesem Kodex gibt, müssen vorausgeschickt werden. Das Buch hat zwar nicht die große Bedeutung, welche Herr Mises ihm vindiziert hat. Es ist eine langweilige Wiederholung abgegriffener kabbalistischer Phrasen, mit Bombast ausstaffiert. Auch der Dialog im Anfang enthält nichts Neues. Aber um Eibeschützens Standpunkt zu erkennen, hat es einige Wichtigkeit. Der Sammler, Eibeschützens Jünger, kannte die sabbatianische Bewegung Cardosos und Chajons. Gegen Ende wirft er die Frage über die im Sohar angedeutete Dreieinigkeit auf, wodurch Cardoso, Chajon und andere auf Irrwege geraten wären (Bl. 99). Darauf schreibt Eibeschütz an ihn: לע תנעט תומדו תינבה לע אוה םה םינינעהש יתוא תלאשש המ ה"בקד אתונמיהמ לכד ןיגב ... רהזמ היאר תאבהו ... םיעוטה םירחאו ןויחו יזאדרק ןוגכ ונמע ינב וב ורבסו ... ומתסא אתלתב םהירפסב םיאיבמ תדספנה םתעד עויסל ןה םהמע. In der Antwort zeigt sich, daß auch Eibeschütz Cardosos Schriften kannte und daß er glaubte, seine Ansicht weiche bedeutend von der Cardosos ab, welcher in eine entschieden ausgeprägte Dreieinigkeit geraten sei המהו םא וליפאו ... יוברה אוה דחאו, דחא (השלש) יוברה םירמוא ינאה ... ו"ח תוהלאב הברמ התא הזמ הו םילולע םהש רמאי היתוכדו יזאדרק םהרבא ’המ תעדכ רמול קיחרמ. Bl. 11v. teilt Simon Buchhalter mit, daß er früher die Schriften Cardosos und Chajons gelesen, aber infolge des Bannes gegen sie habe er sie vernichtet; aber er habe noch manches von ihrem Gedankengange im Kopfe behalten. Dabei gibt er in nuce Cardosos und Chajons Trinitätslehre: לכ ואר יניעש רתויו הנש םירשע יל הזו יפרח ימימ תאזכ םינפלמו יזאדרק םהרבא ’ר םכח יבתכו ןויח םכח יבתכ יתיאר לכה תא .חדומו רובש יבצב םיעוטה תכו םיעורה תפיסאמ ינורכזב תויח ןידע לבא ... רועיב תוצמ ןהמ יתמייקו ילבה ימיב אתונמיהמד ירשק אתלת לע םהירבד תא ודסי ןכו .... Die ganze Korrespondenz zwischen ihm und Eibeschütz bewegt sich eigentlich um das Verhältnis der göttlichen Einheit im Pentateuch und der Dreiheit im Sohar. Eibeschütz beantwortet diese Fragen kabbalistisch; er meinte aber, sie philosophisch beantwortet zu haben. Die Quintessenz seiner Anschauung ist, daß die Gottheit aus einem Dualismus besteht, der ersten Ursache oder dem Urgrunde, הנושאר הבס, die keinerlei Einfluß auf die Welt habe, und dem Gotte Israels לארשי יהלא, dem Komplexe der Sephirot, dem von der ersten Ursache Effektuierten (לולע), gewissermaßen dem Reflex derselben (רויצ). Diese Anschauung wird durch das ganze voluminöse Buch gehetzt (vgl. Bl. 24b): לעפתמ וניאו הנתשמ וניא הנושארה הבסה תמאב יכ ’י רויצהו ... םיטרפב כ"ג ותעידי ןיא ןכ יתויהל ... םינפ םושב קובידהו קודיאה רושיקה תילכתב ומע קובד אוהש ףא תוריפס וניתליפת לכו ... הנושאר הבס דגנ לולע תניחבב אוה םוקמ לכמ אוה רשא תוהלא םצע אוהש ... ל"נה רויצל ול הדובעה תילכתו וליפא הנושאר הבס לע ןכ ןיאש המ דחא םש ראותי ולו וניהלא דחא םש ראותי (רויצ לע) וילע םנמא ... קדצי אל דחא םש לכב אצמנ אל ךכל הנושארה הביסה םע ותודחא לע תורוהל לע ןינע םוש םיבותכ םיאיבנ הרותב רהזו םישרדמו ארמגה ןתונה לארשי יהלא תמאב םנמא ... ר"ס יראות לע ... ותוהולא כ"א ... הנושאר הביסה םע קובד אוהו תוריפצ ’י רויצ אוה הרות םיללכב קר חיגשמ ר"סהש ... ל"נה רויצל קר ר"סל וניא הלפתה ר"ס תויהל הנתשמ וניאש ותראפת ... הז םיטרפב ףא רויצהו םיטרפב חיגשהל לוכי לולעה תניחבב אוהש רויצה םנמא .טושפו לארשי יהלא אוהו ... םיבוט םישעמו הלפתו הרות י"ע לעפתהלו תמאב. [520] Vgl. Bl. 16 b: םישרדמו ארמגה לכב אצמת אל ךכלו אוה קר ר"סה וניא תמאב יכ הנושארה הבסה אוה לארשי יהלאש לולע דוסב. Nun, diesen Blödsinn von Dualismus hat auch Cardoso aufgestellt, und seine Ansicht wird in derselben Schrift (S. 11 v.) entwickelt, daß die Bibel nicht die erste Ursache kenne, sondern das erste causatum: אלו םיבותכבו םיביבנב אלו הרותב רכזנ אל ר"סה יכ תורואמל םא יכ הרותה לכב זמר םוש וניבר השמ וב זמר .ונממ םיטשפתמה

Das ist eben der sabbatianische Schwindel (vgl. o. S. 450). Das sabbatianische Sendschreiben an Samuel de Pagas (o. S. 461) wiederholt oft, daß der Gott Israels verschieden von der prima causa sei (ךורב שודקהו ללכ הנושאר הבסה וניא אוה, p. 71, 67, 102, 142). Es ist der Grundton in Cardosos Schriften, wie bereits öfter angegeben ist. Vergleiche noch zum Überfluß den Auszug aus seinem םהרבא רקב bei J. Altaras (oder J. Lopez) תמאה הארמו תונומאה ףרצמ רוכ ’ס p. 102 d: ןיאש ,לכשה ןמו הרותה ןמ תויתמא תויאר ידי לע ... ראבתיו יהלא אוהו ,ונממ לצאנ רשא יוצמה אלא ארובה הנושאר הבסה תמא יהלא אלל דבוע ותלוזל דבועהו דובעל ךירצ ולו ,לארשי. Eibeschütz hat geradezu ein Plagiat an Cardoso begangen, wie auch Chajon ein Plagiator an demselben geworden war. Eibeschützens Jünger, Simon Buchhalter, hat es ihm auch vorgehalten, daß diese Theorie eben Chajons Ausgangspunkt war, und Eibeschütz schwindelte ihm eine Differenz vor, um eine solche zwischen seiner und Chajons Annahme zu statuieren (Bl. 58 v): םכח תטישל הטונ הזה דומלהש ת"כמ בתכש המו לובג שי ר"סלש רמוא אוה ןלציל אנמחר ןויח. Derselbe Dualismus kommt auch in dem Eibeschütz zugeschriebenen ןויעה לא םויה אבאו vor (bei Emden ק"הת, p. 44 a), nur daß die erste Ursache אשידק אקיתע genannt wird: דירפמו ותאמ ךשומ לארשי יהלאש תויהב אשידק אקיתע ךא תושעל ךירצ ןיא םירומג םידסח קר ראשנו םיגסה לכ ונממ הרותה םייקלו תוצמה. Mit Recht bemerkt Emden (das. p. 29 b), daß die Bezeichnung »Gott Israels oder heiliger König« gar nicht so harmlos war, sondern von den Sabbatianern als ein verschämter Terminus für Sabbataï Zewi und überhaupt für die messianische Inkarnation Gottes gebraucht wurde, אכלמ ותוא הנכמש המ יבצ יתבשל ובלו ותנוכ לארשי יהלאו אשידק. Wie dem auch sei, es ist jedenfalls gewiß, daß Eibeschütz dem einfachen Gottesbegriff des Judentums einen Dualismus substituiert hat, den er seinem Jünger gegenüber als eine eigene, von Cardoso und Chajon differierende Auffassung akzentuierte. Erwägt man, daß er die Korrespondenz mit demselben um 1728-1730 führte, d.h. wenige Jahre nachdem er kaum den gegen ihn herauf beschworenen Sturm wegen Zuneigung zum Sabbatianismus beschwichtigt hatte, so wird man es nicht auffallend finden, daß er auf seiner Hut war und von der Einreihung des Messiasbegriffes in diese Theorie nichts erwähnte. Ich hoffe, daß die Leser meine Charakteristik von Eibeschütz vollkommen gerechtfertigt finden werden.

Zum Schlusse noch ein Moment aus Eibeschützens Biographie, welches seinen Biographen völlig entgangen ist. Es ist bekannt, daß die Kaiserin Maria Theresia gegen die Juden von Böhmen und Mähren Ende 1744 und anfangs 1745 ein Ausweisungsdekret ergehen ließ. In dem Dekret, das in verschiedenen Quellen mitgeteilt ist, heißt es mysteriös: »Aus mehrerlei uns bewegenden höchst triftigen Ursachen.« Diese Ursachen waren, daß die böhmischen Juden, namentlich die von Prag des verräterischen Einverständnisses [521] mit den Feinden der Kaiserin beschuldigt wurden. Bodenschatz, Aufrichtung deutschredender Hebräer I, S. 172 f. zitiert eine authentische Relation darüber. Nachdem die Not der Juden ausführlich beschrieben wird, heißt es weiter: »Man beschuldige sie (die Prager Juden) als ob sie den Feinden ihrer k. Majestät allen Vorschub getan und sich dadurch des Lasters der beleidigten Majestät schuldig gemacht hätten.« Auch angedeutet bei Pilarz, Historia Moraviae II, p. 348 (woraus mir Herr Rabbiner Oppenheim freundlichst einen Auszug gemacht hat). Auch Mirabeau sur Moses Mendelssohn, réforme politique des Juifs, p. 85: En 1744 les Juifs furent bannis de la Bohème, parce qu'on les accusa de trahison, mais dès l'anné suivante ils furent reconnus innocents et rappelés. Daß Eibeschütz Veranlassung zu dem Verdachte gegeben hat, und daß daher gegen ihn dekretiert wurde, daß er nie mehr die Kaiserstaaten betreten dürfte, ist aber nicht bekannt. Karl Anton oder vielmehr Eibeschütz selbst erzählt es aber deutlich in der Antonschen Schrift (S. 53): »Er zog im Jahre 1742 nach Metz und seine Frau, Familie und ganzes Vermögen ließ er auf eine kleine Weile in Prag zurück. Diese Veränderung setzte ihn in den Verdacht, als wäre er den Franzosen zugetan, daher sein ganzes Vermögen sequestriert wurde.« Weiter gibt er zwar an, daß seine Unschuld an den Tag gekommen, aber dem ist nicht so. Emden berichtet, daß er schuld an der Ausweisung der Juden aus Prag gewesen, und daß er und die Seinigen aus dem Kaiserreiche verbannt wurden (תודע בקעיב, p. 38 a): שוריגל ןיקזנב אמרג רקיע (ןתנוי ’ר) אוהו םג יכ םהיפ ץראמ רזגנ ... םירעוכמה וישעמב (גארפ) ל"נה ק"ק תונידמ לכמ ןישורגו ןיחולשב ןודנו די םירה אעראד אתוכלמב הר"יקה.

(Auch das. p. 45 a): םש הרוצע התיהש גארפמ ותגוז טלמיו הליל חרב אוהו םש הבזע ה"ריקה תדוקפב (s. auch תוקבאתה, p. 23 a): תונידמ לכו םהיפ ץראמ רזגנ תמאב יכ וכלמב דרמ זאמ המש רודל םיאשר םניא ב"ב לכו אוה רסיקה ה"ריקהמ תד אצי רסיקה םע םיתפרצה תמחלמב המש וינודאו וצראב דוע ךורדי לב דרומכ ובשחל (auch das. p. 13 b). Daß Emden die Wahrheit erzählt hat, geht aus einem Briefe Mardochaï Jaffas an Eibeschütz hervor (d.d. 1753), worin er ihm anzeigt, daß Eibeschütz in Nikolsburg gewählt wurde, und er hoffe, die Kaiserin werde ihr Verbannungsdekret zurücknehmen תוחול, (תודע p. 14 b): םיכסהל הכלמה בלב ןתיל תאז היהי ’המ םאו הנשויל הרותה רוזחיש הוקא יזא םינטוש תצע רפחל. Vgl. die oft zitierte Supplik Landaus an Maria Theresia (Monatsschrift 1877, p. 20). »Daß Selbter Bey Vorigen Turbelenten Kriegszeiten mittelst colludirung deren dazumal feindlichen Frantzössischen Truppen sich mit denen Selben in der Stille von hier in die Stadt Metz verfüget, folgsamb denselben als reum criminis laesae majestatis sammbt seinen Weib und Ehelichen Kindern aus Höchstdero Sämmtlichen Erb-Ländern zu verweysen geruht haben.«

Das Ausweisungsdekret ist zwar erst nach Abzug der Preußen von Prag im zweiten schlesischen Krieg (1744) erlassen worden, während die Anschuldigung gegen Eibeschütz sich nur auf den ersten schlesischen Krieg während der Okkupation Prags von den Franzosen (1741-1742) beziehen kann. Aber die Anklage gegen die Juden Prags muß durch die Anklage gegen Eibeschütz erst Gewicht erhalten haben. Die Akten mögen revidiert worden sein, oder die Judenfeinde mögen auf Eibeschützens Anschmiegen an die Franzosen zur Begründung ihrer Anschuldigung verwiesen haben. – Daß die böhmischen und mährischen Juden in ihrem Unglück ihre Brüder überall um Schutz angefleht [522] haben, läßt sich voraussetzen und wird von Abraham Trebitsch in seinem םיתעה תורוק (einer Fortsetzung des דוד חמצ) ausdrücklich bezeugt (p. 18 b). Christliche Quellen geben ebenfalls an, daß die Verwendung mehrerer Mächte, namentlich Hollands und Englands, die Kaiserin bewogen hat, die Ausweisung aufzuschieben. Die Relation bei Bodenschatz (a.a.O.) sagt zum Schluß: »Man berichtet: als habe die kaiserl. Gnade oben erwähntes Emigrationsedikt auf Vorbitte einiger Potenzen und sonderlich beider Seemächte nunmehro zurückgezogen und ihnen erlaubt, im Lande zu bleiben.« Pelzel, Geschichte der Böhmen (zu Ende des Jahres 1744): »Sie (die Juden) fanden an der Republik Holland, am König von England und andern Mächten Fürsprache, deren Botschafter dringende und rührende Vorstellung machten«. Pilarz (a.a.O.): Et enim factum istud ab eis (Judaeis) suo intercessu averterunt Angliae, Hollandiae aliarum Aularum autores.

Schließlich sei hier noch die chronologische Reihenfolge der in der Streitsache gegen Eibeschütz erschienenen Polemika und ihre Autorschaft angegeben. Meines Wissens ist diese bibliographische Arbeit noch nicht kritisch unternommen worden. Es ist auch schwer, in die selten gewordenen Streitschriften Einsicht zu nehmen. Einige derselben sind ohne Jahresangabe erschienen.

1. םירופ תרגא, kurze Erzählung der Vorfälle bezüglich der Amulette in Hamburg und der Verfolgung gegen Emden, wohl von diesem selbst verfaßt Monat Ab = August 1751 (התלוע), Handschrift geblieben, gegenwärtig in Oxf. cod. hebr. 2190.

2. ם"וש תרגא, Emdens Sendschreiben an die polnischen Synoden mit der Aufzählung der Wirren, ferner Antwortschreiben des Synodalvorsitzenden, Abraham aus Lissa, und eine Warnung aus Jaroslaw, d.d. Marcheschwan = Oktober 1751. Diese Piecen sind in die Schrift בקעיב תודע (w.u.) übergegangen.

3. תואנקה תרות. Es ist die erste Schrift, die Emden in Amsterdam während seiner Emigration infolge der Streitigkeiten verfaßt hat. Sie ist, namentlich zum Schlusse, gegen Eibeschütz gerichtet und vollendet Adar = März 1752. Amsterdam [Altona], 4.

4. תירוהז לש ןושלו תמא תפש, eine Sammlung der verketzerten Amulette und Korrespondenzen gegen Eibeschütz, erschienen im Sommer in Amsterdam (?) 1752, wie aus der Anzeige in den »Mecklenburgischen Gelehrten Nachrichten« (o. S. 516) hervorgeht.

5. הנורחא הארתה, Aufforderung Josua Falks an Ei beschütz, sich dem Urteile des Schiedsgerichts zu unterwerfen, wahrscheinlich 1752 gedruckt, aber sine anno.

6. הריאמ אירלקפסמ, eine Fortsetzung der Urteile von vier Rabbinen mit noch anderen Piecen über Eibeschütz, erschienen [Altona 1753]. Der Sammler dieser und der vorhergehenden Schrift war nicht Emden, sondern Joseph Präger, sein Parteigänger. S. תודע בקעיב, p. 22 a: סופדב ועבק (פ"יר) ונלש דצהמ דחא קר, d.h. ריגערפ ףסוי ר.

7. ברקע תציקע von Emden, auf das Eibeschützens Anhänger in Emdens Behausung gefahndet haben (das. 17b) ist um 1753 angeblich in Amsterdam, wahrscheinlich in Altona erschienen; es enthält nicht viel Tatsächliches.

8. םיניע תריאמ, Protokoll über Zeugenverhör bezüglich der Vergehungen der Sabbatianer und Schreiben mehrerer Rabbinen in der Eibeschütz-Emdenschen Streitsache. 1753 (in Amsterdam?).

[523] 9. תודע תוחול von Eibeschütz, beendet 18. Tammus = 20. Juli 1753. Erst mit dem Erscheinen dieser umfangreichen Schrift begann die Polemik heftiger zu werden. Gedruckt in Altona 1755, 4.

10. ילא ’הל ימ, Widerlegung der Angriffe Eibeschützens auf den Rabbinen Loeb von Amsterdam 1755.

11. ןואה תוחול תריבש zur Verdächtigung der von Eibeschütz angeführten Zeugnisse und als Fortsetzung dazu:

12. םיניע חתפ Beleuchtung des von Ezechiel Landau erlassenen Sendschreibens, erschienen 1755-1756, angeblich nicht von Emden selbst verfaßt, sondern von seinem Jünger David Awas, der sich im Anfang nennt, Zolkiew [Altona 1756-1759], 4.

13. בקעיב תודע von Emden selbst, begonnen 1755, aber erst viel später, nach 1762 vollendet, s.l. [Altona], 4.

14. שומש רפס, von Emden (in drei Piecen) eigentlich gegen die Frankisten gerichtet, aber auch vielfach gegen Eibeschütz polemisierend, begonnen 1758, erst 1761 vollendet, gedruckt in Altona.

15. רפוסה ןתנוהי תיב, erschienen 1762 oder 1763 [in Altona] nicht von Emden selbst, sondern von einem seiner Jünger verfaßt (s. p. 7 a Nr. 3).

16. תוקבאתה (aus mehreren Piecen bestehend), auch nicht von Emden selbst verfaßt, sondern unter seinem Diktat begonnen 1762, vollendet 1769, in Altona gedruckt.

17. םירפסה תחפטמ, eigentlich eine kritische Beleuchtung des Sohar, aber auch gegen die Sabbatianer, Frankisten und Eibeschütz gerichtet, von Emden selbst, Altona 1768, 4.

18. םירוצ תוברח, Sendschreiben einiger Rabbinen zu Emdens Gunsten, sine dato.

19. ןיקיזנ רפס, Briefe und Proklamationen gegen Ei beschütz, Handschrift in Oxf. cod. hebr. 2229, 5.

20. שא ילחג, eine ausführliche Erzählung aller Vorgänge in dieser Streitsache, Verf. war Emdens Jünger, Joseph Präger, handschriftlich [in Oxford, jetzt cod. hebr. 2189. Nähere Mitteilungen daraus von Neubauer im Jahrgang 1887 der Monatsschrift, S. 202-214, 257-268].

Im Besitze meines Freundes, Herrn R. Kirchheim in Frankfurt a.M., sind einige handschriftliche Briefe an Joël Engers in Frankfurt a.M. über den ersten Ausbruch der Streitigkeiten in Altona: sie sind zu Eibeschützens Gunsten gehalten. – Die Streitschriften in dieser Affäre belaufen sich demnach nicht auf einige Hundert, wie de Rossi es darstellt (Dizionario storico s.v. Eibeschütz).


Fußnoten

1 Der richtige Name ist da Costa, den viele marranische und christliche Schriftsteller führten nach einem Städtchen Costa. Da aber Uriel sich in seiner Selbstbiographie latinisiert a Costa unterzeichnet hat, ist ihm der Name Acosta beigelegt worden. [Eine neue Ausgabe des »Exemplar humanae vitae« hat W. Volkmann in der »Festschrift zur 250jährigen Jubelfeier des Gymnasiums zu St. Maria Magdalena zu Breslau am 30. April 1893« S. 71 bis 90 besorgt. Im Vorwort dazu (S. 64 ff.) versucht er Graetz' Urteil über Uriels Charakter zu berichtigen. In den Noten zum Texte des Exemplar schöpft der neue Herausgeber sein Wissen über jüdische Dinge hauptsächlich aus Basnage und Schudt].


2 [maldisois do firmamento ist ohne Zweifel die Übersetzung von תירבה תולא = Flüche des Bundes].


3 [maldisois do firmamento ist ohne Zweifel die Übersetzung von תירבה תולא = Flüche des Bundes].


4 [Colerus spricht offenbar nicht sowohl von der Verhängung als vielmehr von der Verkündigung des Bannes, der jedenfalls nur durch einen Rabbiner geschah].


5 [Nach Kayserling, Bibliot. españ.-portugueza-jud., S. 17, erschien das Buch bereits 1663].


6 Delitzsch orthographiert diesen Namen unrichtig Penço (Zur Geschichte der jüdischen Poesie, S. 77), weil der Name in der Aprobaçao einmal so geschrieben wird. Allein die Spanier und Portugiesen gaben damals das S in Majuskeln öfter mit Ç wieder. [Vgl. über ihn auch Kayserling, Bibl. Españ. etc., S. 85 ff.].


7 [In dem der Bibliothek des jüdisch-theologischen Seminars zu Breslau gehörenden Exemplar der תו"ש בקעי להא, welches der selige Verfasser bei der Abfassung seiner Geschichte benutzt hat, fehlen, wie D. Simonsen in der Festschrift zum 80. Geburtstag M. Steinschneiders, S. 168, richtig hervorhebt, vier unpaginierte Blätter der Einleitung, auf welchen Aharon, der Sohn Jakob Sasportas', einen Abriß des Lebens seines Vaters gibt. Nach den Mitteilungen, die Sam. Wiener aus diesem Vorwort (in der Zeitschrift ץילמה, Jahrg. 1894, Nr. 203 und 245) gemacht hat, gebe ich hier in Kürze die erforderlichen Berichtigungen und Ergänzungen zu dem obigen Texte: Jakob Sasportas wurde 1610 in Oran geboren. Im Alter von 24 Jahren wurde er in Tlemsen, Marokko und Salé Rabbiner. Wegen ihm angedichteter Missetaten ins Gefängnis geworfen, entfloh er und entkam nach Amsterdam, wo er sich 1652 bereits befand. 1659 berief ihn der maurische Fürst Benbuquer nach Afrika zurück, damit er in Spanien Hilfstruppen für ihn erbitte. 1664 wurde er in London Rabbiner und flüchtete von dort 1665 vor der Pest nach Hamburg. Hier blieb er bis 1673 und folgte in diesem Jahre einem Rufe als Rosch-Jeschibah der von den Gebrüdern Pinto gestifteten Lehranstalt Kether-Thora. Von hier ging er 1675 als Dajjan und Rosch-Jeschibah nach Livorno und kehrte 1680 als Rosch-Jeschibah an der Lehranstalt Ez Chajjim nach Amsterdam zurück. Nach dem Tode Isaak Aboabs (27 Adar II 1693) wurde er dann Rabbiner und Moreh Zedek der portugiesischen Gemeinde und starb am 15. April 1698].


8 Aus diesem Nachworte erfahren wir etwas mehr von seinen Leiden, als aus der stilistischen Verschwommenheit in der Einleitung zu בקעי ’ת. Er sagt darin: יא יתדלומ ץראמ ישאר תציצב ינתאשנ ותרעס חור רשאכ תאזל יקתפרה בורמו ןאסמלת ריעל תויאגה תחאב ינכילשתו (ןארוא) הרבעמ יתרבעו ברע תולילג לכמ תעד ילבמ יתילג ילע ודעד ...’וכו םדריטשמא ריע הללוהמה ריעל יתאבו םיל רבעמ


9 Derselbe Schriftsteller hat noch eine andere Notiz, daß ein Zwist zwischen Manasse Ben-Israel und Saul Morteira ausgebrochen ist (das. p. 168): ב"ית תנשב ... הרייטרומ יול לואש ... ורבח ןיבו (’רשי ’ב ’מ ןיב) וניב הרעב םהיניב םולש ומש להקה יסנרפו תקולהמה שא. Auch gegen Sasportas war Morteira unfreundlich und, wie es scheint, hochfahrend, s. dessen Respp. No. 10 und 17.


10 Die Schrift von Buchenröden, Michael (Superintendent zu Heidelberg), Weiland Messiaspost oder Widerlegung des Gedichtes vom neuesten Messia der Juden und seinem Propheten, Nürnberg 1666, ist mir nicht zu Händen gekommen.


11 Asulaï II, s.v. םיכרד קבא erzählt, er habe Cuenquis Bericht über dessen zwei Reisen als Sendbote handschriftlich gesehen.


12 Vor ihm war Abraham Alhula oder Alhuli (ילוכלא) in diesem Amte. Manasse Ben-Israel schrieb über ihn in Esperança und in seiner Deklaration 1656: Der Vizekönig von Ägypten hat bei sich stets einen Juden mit dem Titel Zaraf-Pascha (Xaraf Bachi) oder Schatzmeister, die Steuern des Landes zu erheben. Gegenwärtig besitzt diesen Posten Abraham Alhula (auch Verf. des םלוע תוערואמ). 1656 war also dieser noch Zaraf Bascha; Raphael Joseph ist also erst nach 1656 dazu ernannt worden.


13 Am richtigsten sind wohl die Data in Quelle III, 5 angegeben (p. 14 f.): תיבל (צ"ש) אב הכונח לש ’ג םויב הברה םינומזפו תושקב רמול ליחתהו תוכלמ ידגב שבולמ תסנכה וטנלאג םכחה םשל אב ישש םויב אוהה םויב הלודג החמש השעו חישמ אוהש תמאב וילע דיעהל ליחתמו ,ודיב קיזחמ היה רשא יטנלאג כ"הב ארקנה ולש תסנכה תיבב תבש םויב יכ דע יאדו יסיגוטרופ לש כ"היבל ול ךלה ... תושקבב ךיראה םש היה רשא ויה אל יסיגוטרופ ק"ק ינבו םיזחופו םיקר םישנא ... וירחא וכליו ליחתהו ... ןזרג איבהל חלש לודג םערב אוהו ... וב םינימאמ תבשב תלדה רובשל. Diese Angaben stimmen. Der dritte Tag Chanuka (27. Kislew) war Sonnabend (5. Dezember 1665). Acht Tage später, wiederum am Sabbat, Zug zur portugiesischen Synagoge und Einbrechen der Pforte, am 4. Tebet = 12. Dezember.


14 [Vgl. auch die von Kaufmann herausgegebenen Memoiren der Glückel von Hameln (Frankfurt a.M. 1896), S. 80 f.].


15 J. Emden hat diese Abbreviatur richtig erraten, es ist ומירפ לאומש ’ר (das.).


16 In der kabbalistischen Theorie bedeutet תראפת die sechste Sefira von den zehn, als der Leib des menschlichen Organismus, welcher die oberen Emanationen mit den unteren verbindet. Die Kabbala trieb dabei ein Spiel mit dem Gottesnamen; ’י bedeutet die erste Sefira, das erste ’ה die zwei darauf folgenden, ’ו die folgenden sechs und das letzte ’ה die letzte Sefira, Tiféret allein werde durch das ’ו bezeichnet, daher ’ו היווהד. S. Zewi habe sich demnach als die Verkörperung derjenigen Sefira betrachtet, welche die oberen Emanationen mit den unteren vereinige, von oben empfangend und nach unten spendend.

17 [Der 14. September war vielmehr der 14. Elul].


18 [Der 10. Tischri 436 war allerdings am 30. September 1675. Im Jahre 437 aber – und so scheint bei Emden fol. 13a gelesen werden zu müssen – war der 10. Tischri am 17. September 1676, welches Jahr die christlichen Quellen übereinstimmend als das Todesjahr bezeichnen].


19 Von dem Rabbiner Samuel Primo in Adrianopel berichtet Asulaï I, p. 177, Nr. 135.


20 Daraus dürfte sich ergeben, daß Emdens (a.a.O.) Erklärung, Chajim habe den Beinamen Malach erhalten, weil er nach der Türkei zu den Sabbatianern gewandert sei, etwa gleich ךלהמ, nicht richtig ist; denn wir sehen, daß er schon anfangs in Polen den Namen ךאלמ führte.


21 So wird der Name ausgesprochen in den italienischen und spanischen Quellenschriften: Hayon oder Haijon, also ist die übliche Aussprache Chajun unrichtig.


22 Vgl. Emdens Biographie von ץ"בעי תודלות, p. 1 und p. 50, Nr. 21.


23 Wolf I, p. 177, 205 und Kayserling, Sephardim, S. 170 [berichtigt in Bibl. esp.-port.-jud., S. 68] verwechseln diesen mit einem älteren Namensverwandten, dem Psalmenübersetzer.


24 1725 erschien von ihm ein unbedeutendes Responsum (betitelt המלש ןחלש) über den Sabbatweg von einem Dorfe bei Amsterdam. Ein hebr. Gedicht von ihm (Katal. Bodl. Nr. 865). Der Name lautet übrigens Mesa span. für mensa und nicht Misa oder Mezza. [Vgl. Kayserling a.a.O. S. 71, wo die Jahreszahl 1711 jedenfalls falsch ist].


25 Eine neue »Ehrenrettung des R. Jonathan Eibeschütz« hat 1870 Dr. J. Cohn in den »Blättern aus der Michael Davidschen Stiftung in Hannover« (S. 1-62) versucht. Die vereinzelten sachlichen Berichtigungen, die er beibringt, sind gelegentlich berücksichtigt.


26 Die Darstellung ist insofern nicht ganz präzis, als Eibeschütz durch den Hinweis auf seine eigene Ungeübtheit und derzeitige Augenschwäche nur erklären will, wie der Irrtum der Abschreiber des Amuletts entstanden ist. Vgl. Cohn a.a.O. S. 32 f. Sachlich ist freilich für seine Verteidigung dabei nicht viel gewonnen, wenn man den Sinn und Zusammenhang des ganzen Amuletts im Auge behält.


27 Es war wahrscheinlich der Professor und Hebraist Carpzow. Jost erzählt in seiner Geschichte des Judentums (III, S. 254): Der König befahl, die Herschelschen (Emdenschen) Belege gegen Eibeschütz zu prüfen. Man wählte fünf gelehrte Sachkenner zur Begutachtung, nämlich die Professoren Karl Anton, Baumgarten, Acharius, Carpzow und Megerlin usw. Jost scheint sich dieses Faktum ohne Quelle kombiniert zu haben, was schon daraus folgt, daß er K. Antons mit Megerlins Gutachten in dieselbe Zeit setzt, während der erstere 1752 und der letztere 1756 über diesen Streit schrieb. Jost hat beider Schriften nicht angesehen, sonst konnte er nicht angeben, daß sie sie auf des Königs Wunsch geschrieben, während sie sich mit einer Bitte an ihn zugunsten Eibeschützens gewendet haben. Jost hatte dabei nur den Passus bei Emden (תיב רפוסה ןתנוהי, p. 11b) im Gedächtnis: םיאיקב ... ול אצמ סוירכאו ילאהמ ןיטראג םויב םה אלה ,תועימק תוביתכ תוכלהב טעטש םלעהב ןאטנא לראק קאטשארמ ףוצפראק ,להיקמ מ"דפפב ןילרגעמ. Daraus hat er ein Faktum gemacht. Aber diese christlichen Schriftsteller sind nicht vom Könige zur Begutachtung aufgefordert worden, sondern haben sich selbständig über diesen Streit in Zeitschriften und in eigenen Schriften ausgesprochen.


28 [Ausführliches über ihn bei Landshuth, ישנא תודלות םש, S. 11 ff.] Ein Enkel dieses Michael Chaßid war der getaufte Joseph v. Sonnenfels (Jüd. Plutarch I).


Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig [1897], Band 10.
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