8. Ibn-Esra, die Reihenfolge seiner Schriften und die Daten seiner Reise.

[378] Den Fachmännern ist die Konfusion bekannt, welche über Ibn-Esras biographische Data herrscht. Die gelehrten Untersuchungen Rapaports, Zunz', Geigers, Edelmanns vermochten sie nicht zu lichten. Um dabei zu einem sicheren Resultate zu gelangen, wollen wir von sicheren Punkten ausgehen, und es wird sich zeigen, daß die Schwierigkeit nicht gar zu groß ist. Die Reihenfolge seiner Schriften mit ihren Daten soll uns als Wegweiser dienen.

I. Dem ersten Datum begegnen wir im Kommentar zu Kohelet. Er hat ihn in Rom geschrieben und beendigt im Jahre 4900 = 1130-1140. Das erste sagt die Einleitung aus:

רפוס םהרבאל רפש ירמא עמש

ארזע ןב הנוכמ ארקנ ריאמ ןב

.תלהבנ שפנב דרי ימור לאו דרפסב איה רשא דרפנ וצראמו

Das andere sagt der Schluß: ןובשחל – םלשנ רפסהו העברא םיפלא םע שי תואמ עשת םיעושעש תדועת םיעדויה. Es geht auch daraus hervor, daß Drangsale ihn genötigt haben, sein Vaterland zu verlassen. Wahrscheinlich verfaßte er die Kommentarien zu den übrigen vier Megillot ebenfalls in Rom, d.h. im Anfang seiner exegetischen Karriere, denn zu Canticum und Threni bildet der Eingang eine Art Rechtfertigung seines exegetischen Standpunktes, daß er sich ebenso sehr von philosophischen Allegorien wie von agadischer Willkür fernhalten wolle. Diese Rechtfertigung paßt nur für die Erstlingsarbeit. Dafür spricht auch, daß er in der Einleitung zu Threni noch mehr als in der zu Kohelet über der Zeiten Not klagt, die ihn aus seinem Vaterlande ins Exil getrieben: ץראמ ריאמ ןב םהרבא ינאו ירפסו) ולא ירפסו םיקיצמה תמח דרפס ץראמ ינתאצוה םיקחרמ םימעטב םירפס ראבל ינוויו םיקיזחמ ידיב ויה יתולגב (?םיהלא םיקותמ תפונמ. Endlich spricht noch dafür, daß er in den Kommentarien zu Megillot keines seiner Werke zitiert, nicht einmal zu Kohelet, wo ihm doch Gelegenheit genug dazu geboten wäre.

In Rom verfaßte er auch sein grammatisches Werk םינזאמ, und zwar nicht lange nach seiner Ankunft, da er in den Eingangsversen von seiner überstandenen Mühseligkeit spricht, und sich der gegenwärtigen Ruhe mit einer gewissen Behaglichkeit zu freuen scheint: – הריכבמ תרצכ הרצ ילהאבו ארקנ ארזע ןבו – – םינזאמ וארק – רפס םשו – המור לא אב ידע. Daß »Mosnajim« seine Erstlingsarbeit auf dem Gebiete seiner hebräischen Grammatik war, bezeugen die Methode, die er darin entwickelt, und die historische Einleitung über die hohe Bedeutung der hebräischen Sprache und über die 16 hebräischen Grammatiken von Saadia bis Levi Ibn-al-Tabbèn [378] (o. S. 334). In den späteren Grammatiken setzt er diese Schrift voraus. Er zitiert darin keines seiner Werke als eben den Kommentar zu Kohelet (im Artikel םידבע und םישרש). – In Rom übersetzt er auch Chajuǵs sechs grammatische Werke ins Hebräische, wie der Schluß angibt: רפס םלשנ 'ררה שדוקה ןושלב ןמגרת רשאו הדוהי 'ר רבח רשא תויתואה יתבר םור תנידמב ידרפס הרזע ןב ריאמ רב םהרבא (ed. Dukes p. 178).

In Rom verfaßte er endlich den Kommentar zu Hiob, wie die Eingangsverse aussagen: ודסי שוריפ הזו ןושלב ורבח ימורב ארזע ונב ידרפס ריאמ ונב םהרבאל – בויא וניתובא. Er zitiert darin nur den Kommentar zu Kohelet (14, 16 תלהק רפסב יתשריפ רשאכ) und sein erstes grammatisches Werk 37, 6 (ינזאמ רפסב יתרכזה רבכו ןושלה). Die Schlußerklärung, worin er sich auf seinen Kommentar zu Exodus beruft, gehört wahrscheinlich einer späteren Rezension an. Den Kommentar zu Hiob verfaßte er zu Ehren seines Jüngers Benjamin ben Joab, wie Codex Vaticanus (54) angibt (Lippmann, Einleitung zu Sapha berura 1 b). – Wie lange er in Rom weilte, läßt sich nur annäherungsweise bestimmen.

II. Ehe er in Mantua war (wovon später) hielt er sich in einem Orte auf, der zwischen Rom und Mantua liegt, in welchem er seine Satire dichtete. Ich vermute, daß dieser Ort Salerno war, weil nur dadurch der Sinn der spitzigen Satire verständlich wird. In dieser Satire, bekannt unter dem Eingangsvers ריסה דודנ ינויער ליהבהו ינוא (abgedruckt von Luzzatto, Kerem Chemed IV. S. 138ff.), ich sage in dieser Satire, die man richtiger ein Pamphlet nennen könnte, beklagt er sich, daß ein Weiser aus arabischen Landen im christlichen Reiche nicht geachtet wird:


רדה ןיא םודאבו

רד אוה םכח לכל

.םיקרוש ונילעו רדק ןב תמדאב (Vers 21)


Wenn aber eine griechische Heuschrecke sich einfindet, so wird sie als Riese angestaunt.


בגח אב ולאו

בגש אב ינוי

.םיקנעכ בשחנו בג לכ לע בכרו (Vers 22)


Gegen diese »griechische Heuschrecke« scheinen die satirischen Spitzen am meisten gekehrt zu sein. Wer diese war, läßt sich wohl aus folgendem erkennen. Der Satiriker macht sich über einen Mann lustig, der zwar mit allen Ordnungen der Mischna vertraut ist, aber vom Hebräischen noch weniger als ein Kind versteht; er wird Rabbenu Isaak genannt (Vers 31-37):


םויהו (קחמ) קח וילא םירמא קחשמ ךרבי קחצי ונברו םיקחמנ

םיקזנו םישנו םיערזו דעומב םיעד אלמ ינא םיעותל רמאו

םיקילדמ המבו תובא עדי אלו תובע דע ועגנו תובר ויתוקעצו

העוטו ארוק אוה תורהטב הרוי םימי ריעצ הרממה תמלכ םיקוספב

יפב השרדנ איה רשא השק והיפ ילע השרפ תישארו .םיקוניתה


Irre ich nicht, so war die Zielscheibe von Ibn-Esras Satire R. Isaak ben Malki-Zedek, der Grieche ברה ינויה, der von Siponto, einer zum griechisch-byzantinischen Reiche gehörenden Stadt, nach Salerno kam, wo ihn der Tourist Benjamin von Tudela um 1165 bereits antraf: םיאפורה תבישי םשו (1. הנרילש) הפרילש דוע םידוהי תואמ שש ומכ םשו םודא ינבל [379] ןב קחצי 'ר םימכח םשו ןהכה המלש 'רו טנופיצ ריעמ היהש לודגה ברה קדצ יכלמ (יבר). Dieser Isaak aus Siponto schrieb einen Kommentar zu Seraim und Taharot, auch zu andern Ordnungen, die Asulaï zum Teil gesehen hat (vgl. dessen םילודגה םש ed. Ben-Jacob p. 106, No. 337, 351). Er ist ganz sicherlich identisch mit dem ינויה ברה, den Abraham ben David in seiner Kritik gegen Maimuni öfter zitiert und hin und wieder tadelt (vgl. Reifmann, Biographie des Serachja Halevi S. 65, Note 96). Das war also der Isaak, der sämtliche Ordnungen der Mischna gründlich kannte, aber mit Verachtung auf die grammatischen und exegetischen Studien Ibn-Esras herabsah, dafür von ihm als Idiot gegeißelt wurde und das Epitheton »griechische Heuschrecke« erhielt, »der mit lauter Stimme keifte und Bescheidenheit und Sanftmut, obwohl vom Talmud so sehr empfohlen, nicht kannte«:המבו תובא עדי אלו תובע דע ועגנו תובר ויתוקעצו םיקילדמ.15 Von der Interesselosigkeit der Salerner Gemeinde für hebräische Grammatik und Exegese spricht auch Salomon Parchon vom Jahre 1160 (Prolog zu Aruch p. XXII) יתיארו ונרילס תנידמל ינא יתאבשכו םולכ םישוריפה וליא לכמ םהל ןיא יכ. Was noch dafür spricht, daß Ibn-Esras Satire gegen die Gemeinde von Salerno gerichtet ist, ist der Umstand, daß er darin einen Rabbiner Rabbi Salomo auffordert, sich doch seiner, des Gekränkten und Geschmähten, anzunehmen (Vers 29-31):


םיסוכמ ארומ ישנא תאזל ארקמ יעדוי לכו הרות ןב ףרחו םיקשב

םיקתוש ויעמש לכו םידיסח םינמאנ םינבל םינימ ארקי ךיאו

.(?) םיתמל בר אל הז המלו ברעמ רנ המלש בר תאנק היאו .םיקושעו


Dieser Rabbi Salomo ist wohl identisch mit dem von Benjamin von Tudela genannten. Überhaupt wird diese Satire durch die vermutete Auffassungsweise viel verständlicher, wenn auch viele Partien darin noch dunkel bleiben, teils weil uns die Anspielungen auf die Detailgeschichte unbekannt sind, und teils weil der Text des Gedichtes sehr korrumpiert ist.

Kommen wir wieder auf den Ausgangspunkt zurück. Aus der Auseinandersetzung dürfte wohl die Vermutung nicht zu gewagt sein, daß Ibn-Esra auch in Salerno war. Aus einem Verse der Satire ergibt sich, daß er schon vorher Werke verfaßt hatte, worunter wohl die in Rom verfaßten zu verstehen sind (Vers 2, 3):


םיתתנ םירבעה ראוצב םיריש יתוניכה םירוענב םינפל םיקנעכ

.םיקצומ יארכו יתראב תודוסו יתרבח םירפס יתרג םוקמ לכב


Jedenfalls war er in Mantua später als in Salerno; denn in dem in letztgenannten Orte verfaßten Zachot zitiert er bereits seine Satire דיסח רודנ (ed. Lippmann p. 10 a).

III. Gegen Ende des Jahres 1145 war er in Mantua und verfaßte dort sein kritisch-grammatisches Werk Zachot הוחצ רפס (יתרבח) הווטנמ ריעבו, sagt er selbst (in Sapha Berua a.a.O.) und das Datum gibt das Schlußgedicht: תעבראו תואמ עשת םע ומלשנ שש תנש שאר ירשתב םיפלא: Tischri 4906 = September oder Oktober 1145. Im Eingangsgedicht gibt er zu erkennen. [380] daß er da mals bereits dem hohen Alter nahe stand: – םהרבאו ןקמ דדונ ףועכ – ןקז – Wahrscheinlich hat er auch in Mantua die kleine Schrift über Behandlung des Astrolabs unter dem Titel: בלרטצאה שוריפ oder תשוחנה ילכ bearbeitet, denn sie trägt das Datum 4906. Er hat übrigens dieselbe wie viele seiner Schriften in einer zweiten Rezension überarbeitet (Ohel Joseph zu Genesis 33 Nr. 29). Er verspricht darin die Abfassung astrologischer Schriften.

IV. Im Jahre 1147-1148 verfaßte er nun seine astrologischen Schriften; denn eins derselben, das 'ס םלועה trägt dieses Datum: הנשה תאז תעדל הצרת םאו ח"קתת תנש איהש. Es sind im ganzen acht Schriften, die aus einem Gusse hintereinander gearbeitet sind; denn er verweist von einer auf die andere; er werde diesen und jenen Punkt in diesem und jenem Buche bearbeiten, oder er habe ihn da und da bereits beleuchtet. Sie sind sämtlich noch Handschrift in mehreren europäischen Bibliotheken: 1. המכח תישאר oder תולזמה יטפשמ; 2. םימעט; 3. תולזמה 'ס; 4. םירחבמה 'ס; 5. םלועה 'ס; 6. 'ס הלאשמל תולאשה; 7. הנבלה תורדקב הלאשמל 'ס; 8. 'ס תורואמה. (Ich verdanke die Einsicht in das Ms. Herrn Dr. Jellinek.) Sämtliche Schriften haben in einigen Kodices den Gesamttitel: תונינגטצא 'ס oder םימשה תוקוח (vgl. Orient. Litbl. 1847 col. 470ff. und Michaels Katalog S. 317). – Wo er diese Schriften verfaßt, und wo er sich damals aufhielt, hängt von folgendem Punkte ab.

V. Im Jahre 1152-1153 war nämlich sein Kommentar zu Exodus (und wahrscheinlich auch zu Genesis) bereits vollendet. Denn mehrere Kodices und die Prinzepsausgabe des Kommentars zum Pentateuch von Neapel 1488 haben zum Schlusse von Exodus folgendes kurze Gedicht mit Datumangabe:


רקי ג"יקתת תנש םלשנ םהרבאל רובח תומש הלאו רפס .םהש ומכ


(Es wird sich später erweisen, daß dieses Datum richtig ist, und daß man es nicht, wie einige meinen, in ז"יקתת emendieren darf.) Als er an das Kommentieren des Pentateuchs ging, war er 64 Jahre alt und eben von einer Krankheit genesen, in welcher er das Gelübde getan, sich seinem Wohltäter dadurch dankbar zu zeigen. Dieses gibt ein Gedicht an, welches sich in einigen Kodices vor dem Pentateuchkommentar befindet (Ginse Oxford Einl. XVI):


... זוע וצי ריאמ ונב םהרבאל

הנומש לע הנומש וייח ינש רפסמו םולה דע והורזע

הנשי םג השדח הכמ דיב וינוע והורכמ ותונקזב

הננער הפככ ווג בשו וכמס ריאמ ונב השמ ברו

.הנותנ רהב יניס תד ראבל יילחב רדנ לאל יתרדנו


Es ist dies ein wichtiger Anhaltspunkt zur Bestimmung seines Geburtsjahrs. Er hat also im 64. Jahre die Arbeit unternommen und war mit Exodus im Jahre 1152-1153 fertig. Bei der Schnelligkeit, mit der Ibn-Esra arbeitete (wovon wir weitere Beispiele kennen lernen werden), darf man zwischen Anfang und Vollendung höchstens ein einziges Jahr setzen.

Wo er diesen Kommentar ausgearbeitet, muß erst ermittelt werden. Zu Exodus 12,2 gibt er selbst den Ort an, um die Meridianentfernung von Jerusalem bis dahin zu bestimmen. Aber die Lesart ist schwankend. Die editio princeps hat die Lesart: םלשורי ןיב הנה יכ תועש שלשמ רתוי סודור המשש תאזה ריעה ןיבו, ebenso las der Verf. des Ohel Joseph Einl. zu [381] Exodus. In den späteren Ausgaben dagegen heißt es durchweg: המשש (הכול ,אכול) אקול; ebenso haben zwei Kodices der Seminarbibliothek (Nr. 29 vom Jahre 1476 und Nr. 31 dem Duktus der Buchstaben und den gemalten Figuren nach zu urteilen, noch älter). Woher nun dieses Schwanken? Mir scheint, daß es sich leicht dadurch lösen läßt, daß Ibn-Esra in bei den Städten den Pentateuch kommentiert, in der einen die erste, in der andern die zweite Rezension. Möglich auch, daß Ibn-Esra selbst die Stadt gar nicht namhaft gemacht, sondern einfach תאזה ריעה geschrieben hat, und die Kopisten ihn hinzugefügt haben, der eine Lucca, der andere סודור, weil jedenfalls bekannt war, daß er in beiden Städten die Pentateuchkommentarien geschrieben hat. Es würde sich also fragen, ob er zuerst oder zuletzt in Lucca kommentiert hat. Um diese Frage zu lösen, muß ich zwei Punkte vorweg als Voraussetzung annehmen, die erst später bewiesen werden sollen: 1. daß סודור nicht die Insel Rhodus, sondern die Stadt Rhodez oder Rodez in Südfrankreich bedeutet, und 2. daß er die zweite Rezension 1167 vollendet hat. Die Frage müßte demnach also formuliert werden: War er zuerst in Italien oder in Südfrankreich? Durch diese Formulierung ist die Frage eigentlich schon halb gelöst. Denn wir wissen, daß er sich seit Ende 1155 größtenteils in Südfrankreich aufhielt. Er hätte sich also, wenn er die zweite Rezension in Lucca ausgearbeitet haben sollte, von Südfrankreich wieder nach Italien begeben haben müssen, was durchaus unwahrscheinlich ist. Die erste Rezension ist also höchst wahrscheinlich in Lucca entstanden, und somit ist die Lesart אקול המשש תאזה ריע gerechtfertigt. Wie ist aber die andere Lesart entstanden? Zu Exodus hat Ibn-Esra die sonderbare Behauptung aufgestellt, der Ort, in dem er den Kommentar schreibt, liege um mehr als drei Stunden = 45 Meridiangrade von Jerusalem entfernt. Nun mag er sich damals in diesem Punkte geirrt haben. Seine Bewunderer aber, welche sich so etwas von ihm nicht denken konnten und auch fanden, daß er in andern (spätern) Schriften die Entfernung richtiger bestimmt hat, setzten vielleicht statt Luccadas westlicher gelegene סודור (als Rhodez), um den Widerspruch einigermaßen aufzuheben. So mag die Lesart סודור statt אקול entstanden sein.

Sämtliche Schwierigkeiten, welche Joseph Sephardi (in Ohel Joseph zu Genesis 33 und in der Einl. zu Exodus) aufgeworfen, sowie seine Ausgleichung, daß der Kommentar zu Exodus eine Kompilation von Ibn-Esras Jüngern sei, fallen hiermit als unerheblich weg. Man kann also annehmen, daß er sich in Italien mindestens von 1140-1155 aufgehalten hat. – In Lucca verfaßte er auch astronomische Tafeln, worin er angab, daß diese Stadt von dem äußersten Westen (Algarb?) nur 4 Meridiangrade entfernt sei (Ohel Joseph zu Genesis a.a.O.): ריעב אקולב רבחש ויתוחולב 'דל ברעמה ןמ הקחרמ איה אקול ךרוא יכ רמא אידרבמול תולעמ, was ebenfalls unrichtig ist.

VI. Auch aus folgendem geht hervor, daß er in Lucca war. Joseph Tob Elem Sephardi bezeugt nämlich, daß er zum Schlusse des Jesajakommentars die Worte gelesen habe, er sei ה"קתת – 1145 daselbst vollendet: ה"תת 'ד תנש הכלב היה יכ רמא היעשי רפס ףוסב םלועל (in dessen handschriftlichem Zophnat Paaneach, wovon das Ohel Joseph eine Abkürzung ist; in dem letztern fehlt der Name der Stadt). Nun kann dieses Datum nicht ganz richtig sein. Denn im Jesajakommentar zitiert er bereits seinen Kommentar zu Genesis (zu Kap. 41 Ende): רפסב יתשרפ רבכו רזוג בורק ארב יכ תישארב, der doch erst 1153 (nach einigen gar erst 1157) verfaßt wurde. [382] Da nun der Psalmenkommentar damals noch nicht geschrieben war, indem er zu Jes. 2, 14 und 26, 4 bemerkt: םיליהת רפסב שרפא רשאכ, und dieser erst 1156 fertig war (wovon später), so muß der Jesajakommentar vor 1156 und nach dem Kommentar zu Genesis (und Exodus), also nach 1153, geschrieben sein. Hier paßt das Datum 1155. Man muß also bei Joseph Sephardi lesen: הי"קתת statt ה"קתת, was auch besser im Zusammenhange seiner Beweisführung paßt. Folglich war Ibn-Esra noch 1154-1155 in Lucca, also wohl schwerlich schon 1153 in Südfrankreich. – In Lucca verfaßte er zwei grammatische Werke, wie er selbst angibt (Sapha Berura p. 15): ריעבו םינזאמה 'ס אמור תנידמב קודקדב יתרבח רבכש רובעב רתי תפשו דוסיה 'ס אקול. Das letztere ist bis jetzt unbekannt geblieben; das erstere polemisch gegen Dunasch ben Labrat und apologetisch für Saadia, ist einem Jünger Chajim gewidmet: ומש דימלת םשב רפס רתי תפש והארק ריאמ ונב םהרבאל רפס – םייח. Gelegentlich sei hier bemerkt, daß er vor Abfassung des Sephat Jeter in Ägypten gewesen war; denn er gibt darin an, er habe Dunasch' Teschubot in diesem Lande in korrumpierter Gestalt gefunden: רפס הז םהרבא רמא םירצמ ץראב ויתאצמ םינודא 'ר בישהש תובושתה (zu Ende).

VII. Erst gegen Ende des Jahres 1155 treffen wir ihn in Rodez. Hier verfaßte er seinen Danielkommentar, wie der Epilog angibt: תנש ןושחרמב לאינד רפס םלשנ סודור ריעב ו"יקתתו םיפלא עברא; Marcheswan 4916 = Oktober 1155. Auch im Anfang des Kommentars nennt er diese Stadt, und aus einem Beispiele, das er dort anführt, scheint hervorzugehen, daß er ihn im Monat Tammus begonnen hat: ינפל 'ו םויב דלונב לשמהו ךורא םויהו זומת תפוקתב סודור איהש תאזה ריעב שמשה עוקש תועש ו"י. Man hat dieses סודור immer für die Insel Rhodus gehalten, und auch der Superkommentator J. Tob-Elem nahm es so und konnte sich darum nicht zurechtfinden. Ahron Fuld und Kirchheim haben aber das Richtige aufgestellt, daß es Rhodez oder Rodez in Languedoc ist, wie auch ein Superkommentator zu Ibn-Esra ausdrücklich sagt: תפרצב סודור (vgl. Orient. Litbl. 1846 col. 666). Schon daraus, daß einige lasen סודור איהש תאזה ריעב, geht hervor, daß nicht eine Insel, sondern eine Stadt zu verstehen ist. Auch aus dem Kommentar zu Daniel selbst ergibt sich, daß er in Frankreich verfaßt wurde. Zu 1, 16 heißt םניא םינופא םה םינופאהו – םיערו םירק םה הלא יכ תפרצב םיאצמנה הלא הצניוורפו םירצמו דרפסב םיאצמנ. Diese Bemerkung wäre ganz müßig, wenn der Kommentator nicht für südfranzösische Juden, sondern für Juden auf der Insel Rhodus geschrieben wäre. Übrigens scheint unser Danielkommentar eine zweite Rezension zu sein, denn er muß schon vorher dieses Buch kommentiert haben, da er sich im Exoduskommentar zu 32, 32 darauf beruft, diese Stelle findet sich aber in unserm Danielkommentar nicht. Also zwischen ה"יקתת und ו"יקתת = 1154-1155 begab er sich von Lucca nach Südfrankreich.

VIII. Ehe er Rhodez erreichte, muß er eine der südfranzösischen Seestädte berührt haben. In der Tat ergibt sich, daß er vorher in Beziers war (Bedares) (שרדב auch שירדב, provenzalisch Bedarrés vgl. Preuves zu Vaisette, Histoire générale de Languedoc III. p. 61). Denn in diesem Orte verfaßte er das zahlenmystische Werk S. ha-Schem für zwei edle Gönner, wie das Einleitungsgedicht angibt:


[383] םידוסי םשה דוסב תודוס ארק םידחאה לכ דוסי דחא

םידיסח ינשל זרבח שרדב תירקב ריאמ ונב םהרבאל

.םהרבאל םידוהי רש הדוהי ןב קחציו דוד ריבג םייח ןב

16

In Beziers wurde er von gelehrten frommen Männern der Gemeinde mit außerordentlicher Zuvorkommenheit behandelt, wie Jedaja Bedaresi erzählt: וניתובאו ורבעב ותארקל םינברו םידיסח ץראה ילדג תחמש ונל ורפס (ארזע ןב םהרבא) םהילא (Apologetisches Sendschreiben in Responsa ben Adret). Da er bereits im Danielkommentar S. ha-Schem zitiert, so muß es vor Oktober 1155 daselbst verfaßt sein.

IX. Neun Monate nach Abfassung des Danielkom mentars vollendete er den Psalmenkommentar ebenfalls in Rhodez. Dieses bezeugt ein de Rossischer Kodex (510), welcher folgenden Epilog hat: Ego Abr. filius Meir hispanus exposui librum psalmorum. Absolutus est anno 4916 ab O. C. sub dimidium mensis ellul in urbe Rhodi. 15. Ellul 4916 = Anfang September 1156.

X. Kaum vier Monate später hat er bereits die Kommentarien zu den kleinen Propheten vollendet, wie der Epilog dazu angibt: ןב םהרבא רבחמה ינא יתשרפ הרשע עבשו תואמ עשתו םיפלא תעברא תנשב ידרפסה ארזע סודור ריעב תבט שדוח שארב. 1. Tebet 4917 = 16. Dezember 1156. Also in etwa einem halben Jahre hat er die Kommentarien zu Daniel, den Psalmen und kleinen Propheten geschrieben! Wir lernen daraus die außerordentliche Arbeitskraft und Schreibfertigkeit Ibn-Esras kennen. – Ich komme jetzt auf den Punkt zurück, ob der Kommentar zu Exodus und also auch zu Genesis im Jahre 1153 oder 1157 verfaßt wurde, d.h. ob man mit Rapaport ג"קתת in ז"יקתת emendieren darf (Geigers Zeitschrift IV. S. 273). Da er, wie wie wir gesehen, im Jesajakommentar (mindestens verfaßt 1155) den Kommentar zur Genesis und im Psalmenkommentar nicht nur denselben, sondern auch den Kommentar zu Exodus zitiert, jener aber 1156 vollendet war, so kann es nicht zweifelhaft sein, daß er Genesis und Exodus vor 1157 kommentiert haben muß. Die Zitate im Psalmenkommentar aus Genesis und Exodus sind Ps. 149: םיבר ןושל וישועב לארשי חמשי תישארב 'פב יתשרפ רבכו םיהלא תלמו ךישוע ךילעוב יכ ךרדכ. Zu Ps. 103, 8: לע ול ךירצש המ תודמ הרשע שלשהמ ריכזה םוחר ריכזה אל יכ ותלפת תעב השמ השע רשאכ ויאולחת רבד ןמוקמב םעטה יתשרפ רבכו דסח רצונ אלו 'ה ןונחו. Dieses bezieht sich auf Exodus 34, 7, wo Ibn-Esra dieses Verhältnis näher entwickelt. Man ist also genötigt, die ursprüngliche Lesart גי"קת für Abfassung des Genesis-und Exoduskommentars festzuhalten.

XI. Im Sommer des Jahres 1158 finden wir ihn in England. Auf Verlangen eines jüdischen Mäzens in London verfaßte er sein orthodoxphilosophisches Werkchen Jesod Mora, und zwar in vier Wochen (Epilog in einem Oppenheimerschen Kodex, mitgeteilt von Dukes, Orient. Litbl. 1850 col. 301 Nr. 16: הז רבחל יתוליחה ארזע ןבא ארקנה ריאמ ןב ידרפסה םהרבא ינא חריב אריטלגנא יאב שורדנול ריעב ובתוכלו (ארומ דוסי) רפסה עשתו םיפלא תעברא תנש תועובש 'ד ףוס בא חריב םלשנו זומת האירבל הרשע הנומשו תואמ, d.h. zwischen Mai und Juni 1158). [384] Nach einem de Rossischen Kodex 314 sei es ein Jahr später abgefaßt. Er muß übrigens schon einige Zeit vorher in London gewesen sein; denn wie er in diesem Werkchen angibt, hatte er schon vorher für seinen lernbegierigen Gönner einige Bücher verfaßt: יתבהא בורמו ול יתרבחש םירפס ינפל דמלש בידנל ויתרבח שיא אוה יכ ויתיאר יכ תוצמב רפס ול בותכל ישפנ יתעגוה ותוא .'ה תא אריו תמא In London hat er auch einen Jünger Joseph aus Madeville (?), wie sein Superkommentator in der Einleitung zu Exodus mitteilt: רשע ירת ףוסב לייודממ ףסוי ינא ארזע ןב םהרבא 'רל רשע ירת 'יפ םלשנ בותכ – ויפמ יתעמשש ומכ וירבד לע 'יפ וב יתפסוהו והיתבתכ ודימלת הנושארה החסונהמ ולש הרותה 'יפמ תוישרפ תצק ואצמנ םג שרדנולב תוישרפה הלא 'יפ יתעמש ליידממ ףסוי 'מא םהב 'תכו

.ע"באר םכחה יפמ הפ לע

XII. Am 7. Dezember 1158 verfaßte er in England (wahrscheinlich auch in London) seine apologetische Abhandlung über den Sabbat, worin er der Ansicht entgegentritt, daß der Tag und also auch der Sabbat nicht mit dem Abend, sondern mit dem Morgen beginne: הרשע עשתו תואמ עשתו םיפלא תעברא תנשב היהו םהרבא ינאו תבט שדוחל םוי רשע העבראב תבש ליל יצחב יצק ארקנה יאה ירעמ תחא ריעב יתייה ארזע ןבא ארקנה ידרפסה שודקה םוי תאצ רחא יניעל תנש ןתא םא רדנ רודאו – ץראה. Weil ihm nämlich seine Jünger Schriften ins Haus gebracht, worin der Satz vorkam, daß der Sabbat an dem vorangehenden Abend gewissermaßen entweiht werden dürfe, sei ihm der personifizierte Sabbat im Traume erschienen und habe ihn aufgefordert, sein Ritter zu werden. Er läßt den Sabbat sprechen:


ךב האצמנ הגגש ךתנקזב

םירפס ךתיב ילא ואבוה רשא

יעיבש םוי ללחל בותכ םשו

םירדנ רודת אלו השחת ךיאו


שוריפב בותכ םש הנהו הנבלה רוא לא הצוח םירפסה איצואו םוי הלע זא ינש םוי רקוב היה רשאכ יכ איהו רקוב יהיו ברע יהיו .םויה רהא ךלוה הלילה יכ םלש דחא

Ibn-Esra ist natürlich entrüstet über diese ketzerische Ansicht und widmet ihrer Widerlegung sein תרגא תבשה. Merkwürdigerweise scheint gerade der berühmte Samuel ben Meïr (םבשר), Raschis Enkel, der Vertreter dieser Ansicht zu sein, wie aus seinem Pentateuchkommentar hervorgeht (Fragment in Kerem Chemed VIII. S. 44): םוי יהיו הליל יהיו ןאכ ביתכ ןיא :ברע יהיו ורקוב רקב יהיו רואה עקישו ןושאר םוי בירעהש ברע יהיו אלא םימי .וה ןמ 'א םוי םלשוה ירה רחשה דומע הלעש הליל לש ינש םוי ליחתה כ"חאו רמאש, und ein Vers vorher: ךשוחלו ךשח ךכ רחאו הלחת רוא םלועל :הליל ארק. Manches in der Einleitung zu Iggeret ha-Schabbat wird erst dadurch verständlich, wenn man von der Voraussetzung ausgeht, daß Ibn-Esra gegen Raschbams Ansicht in dessen Pentateuchkommentar polemisiert hat. Er läßt den Sabbat ausdrücklich sich darüber beschweren, daß diese Ketzerei in einer Erklärung zur Thora ausgesprochen worden: הל דגוה דגה תבשה ריצ ילא רמאיו ןעיו הרותה ישוריפ םירפס ךתיב לא לומתא ךידימלת ואיבה רשא תא דובכ רובעב ךנתמ רוזאת התאו .תבשה ליל תא ללחל בותכ םשו ינפ אשת אלו תבשה יביוא םע הרותה תמחלמ םחלהל תבשה שיא. Der letzte Satz: »Du sollst auf keine Persönlichkeit Rücksicht [385] nehmen«, deutet hinlänglich an, daß der Urheber dieser Ansicht als eine angesehene Persönlichkeit, als eine Autorität, galt. (Herr P. M. Heilperin, in Nordamerika gestorben, hat mich zum Teil auf diese Bemerkung aufmerksam gemacht.) Könnte man sich dieser Vermutung hingeben, so würde daraus hervorgehen, daß Samuel ben Meïr seinen Pentateuchkommentar um 1158 verfaßt hat, da Ibn-Esras Polemik angibt, erst Tagesvorher sei ihm der Kommentar zugebracht worden, er hat ihn also während seines Aufenthaltes in Südfrankreich und auf seiner Reise nach England noch nicht gekannt. Es darf aber nicht verschwiegen werden, daß Ibn-Esras Kommentar zu Exodus, der jedenfalls vor 1158 verfaßt ist (o. S. 381) bereits gegen diese Ansicht von dem Beginne des biblischen Tages mit dem Morgen polemisiert (zu Exod. 16, 25): קוספה הז רובעב ושבתשה הנמא ירסח םיבר ברע יהיו ושרפו הלילהו תבשה םוי רומשל םדא בייח יכ ורמאו .ינש םוי רקב םוי דע םילשה אל ןושאר םוי יכ – םנוצרכ – 'וכו הנוכנ ורבד אלו. Im Verlauf bringt der Kommentar zum Teil dieselben biblischen Beweise gegen diese Ansicht, wie im Iggeret ha-Schabbat heran. Ein Glossem einer seiner Jünger kann diese Stelle nicht sein. – Entweder auf dem Wege von Südfrankreich nach England oder auf der Rückreise wurde Ibn-Esra mit R. Tam bekannt und korrespondierte mit ihm, wie aus den Gedichten in Gawisons Omer ha-Schikhcha bekannt ist.

XIII. Der unruhige Geist hielt es nämlich nicht lange in England aus. Denn im Oktober 1160 stellte er in Narbonne das Horoskop für ein neugeborenes Kind (in der Sammlung seiner apologetischen Schriften, abgedruckt in Schete Meorot p. 4): ךרובמה דלונ חריל םוי ג"י תבש םויב הנושארה העשה ןמ ןושארה קלחב תאירבל תחאו םירשעו תואמ עשתו םיפלא תעברא תנש ןושחרמ תואמ עבראו ףלא תנש ןושארה שדוחל ו"ט םוי איהו םלוע בכוכהו – – תורטש ןינמ אוהו רדנסכלא ןובשחל םינשו םיעבשו לע רכזנה תעל ןקותמ לכה – – – ב"יה תולזמה ראשו חרוזה .הבחרו אנוברנ תדימ ךרוא 13. Marcheschwan 4921 = 15. Oktober 1160. Zu dieser Zeit war er in Narbonne. Auch hat er daselbst astronomische Tafeln angelegt, wie Joseph Sephardi bezeugt (zu Genesis 32, 32): הצניבורפ תוכלמב איהש הנוברנ ריע לא רבחש תוחולה רפסבו תולעמ ה"ס םילשורי ךרוא יכ רמא. Möglich, daß darunter die Albatinischen Tafeln zu verstehen sind, die er (nach einer Notiz in de Rossis dizionario storico I. p. 64) im Jahre 1160 übersetzt hat.

XIV. Vom Jahre 1160 bis nahe vor seinem Todesjahre verliert sich die Spur seiner Tätigkeit. In der letzten Zeit seines Lebens vollendete er nämlich noch zwei Werke, die uns seinen Aufenthaltsort in dieser Zeit ermitteln helfen. In zwei vatikanischen Kodizes (Nr. 39 und 240) befindet sich zum Schluß des Pentateuchkommentars ein Gedicht, welches angibt, daß er ihn im Jahre 4927 vollendet hat (abgedruckt in Kraft und Sterns hebr. Katalog der Wiener Bibliothek und in Lippmanns Sephat Jeter Einleitung S. 22):


םירודס יפ לע ויהי םעדאו ךתדב םכחתהל ינרזעו

םירפסה לכ טשפ דוע שרפל ךבוטב ינתרזע הכ דע ומכ

םירשעו עבש דועו תואמ עשת םיפלא תעבראב ויתמלשהו

דוקפת תנש ןוצר תנש ימורב םר רוזחמל ישש תנש םיריסא

.םירוהט םג םישודק לארשיל החמשו הבוט םויב ישש םויב


Der Monatstag ist dunkel, vielleicht am Chanukafeste (החמשו הבוט םויב), da er an Purim desselben Jahres bereits hingeschieden war. So [386] bestimmt aber auch das Jahresdatum ist, so zweifelhaft erscheint der Ort der Abfassung. Wir müßten nämlich nach dem Buchstaben annehmen, daß Ibn-Esra im Todesjahr wieder in Rom gewesen sei. Dagegen sprechen nun folgende Momente. Nach einem de Rossischen Kodex (314) hat Ibn-Esra sein letztes grammatisches Werk Sapha Berura in demselben Jahre und ebenfalls in Rom vollendet. De Rossi bemerkt zu dieser Nummer: Notandum quoque sunt, quae sub hujus libri finem in nostro codice occurrunt, auctoris verba et versus, testantis se eum Romae absolvisse feria sexta ... anno 4927. Aus dem Inhalt des Sapha Berura läßt sich aber mit Bestimmtheit annehmen, daß er es keineswegs in Rom abgefaßt hat. Dieses grammatische Werk ist nämlich für einen Jünger Salomo verfaßt, weil dieser die vier ältern grammatischen Werke Ibn-Esras nicht auftreiben konnte. Ibn-Esra referiert das selbst und bemerkt dabei, an welchem Orte er seine frühern grammatischen Werke abgefaßt hat, und spricht dabei von Rom, wie von einer Stadt, in der er sich damals nicht befunden hat (ed. Wien p. 16), םידימלתה ןמ דחא עמשיו השקיו ןושלה קודקד וב ריכהל לכויש רפס ול רבחל ינממ שקבו 'ס המור תנידמב קודקדב יתרבח רבכש רובעב לואשל וינעב םהמ שיא ןיא יכ רמאיו ןעיו 'וכו דיסיה 'ס אקול ריעבו םינזאמה יכ ילצא םירפסה ויה אלו ול םתתל הצריש ףלצא םה םירפסהש .'וכו יבל לע הלעי רשא לכ בותכל יגהנמ

Wäre S. Berura in Rom verfaßt, so hätte der Verfasser sagen müssen: הנידמב םינזאמה 'ס יתרבחש רובעב המור איהש תאזה. Er war also im Jahre 4927, wenigstens zur Zeit der Abfassung dieses Werkes, entschieden nicht in Rom. Man kann noch einen Beweis hinzufügen. Er gibt an einer Stelle an, daß Raschis unexegetische, auf die Agada gegründete Bibelerklärungen in der Gegend sehr beliebt waren: המלש 'ר ךרדכ ימכחו טשפ ךרד לע אוה יכ בשוח אוהו שרד יפ לע ך"נתה שרפש םירפסה הלאב וללהתי ונרוד. Nun waren wohl schwerlich Raschis Kommentarien etwa 60 Jahre nach seinem Tode in Italien so sehr verbreitet, wohl aber waren sie es in Frankreich, auch in Languedoc. Die Lesart ימורב in dem de Rossischen Kodex ist entweder ein Versehen von de Rossi oder eine Korruptel vom Kopisten. Kommen wir wieder auf das Gedicht zum Schluß des Pentateuchkommentars. Das Datum ist da auch nach den Mondzyklen angegeben, das 240., aber es ist falsch, wie schon Lippmann und Edelmann bemerkt haben. Es muß heißen ס"ר statt ם"ר. Aber dann paßt der beigefügte Gleichklang ימורב ס"ר nicht. Man muß dann eine Stadt dafür substituieren, welche dieselbe Endung hat, entweder שרדבב oder סדורב. Erinnern wir uns, daß es bekannt war, Ibn-Esra habe den Pentateuch in Lucca und Rhodez kommentiert, so bietet sich die Lesart סדור von selbst dar. Man müßte also lesen סדורב ס"ר רוזחמל ישש תנש. Weil nun der Kopist ם"ר gelesen hat, machte er daraus das Teǵnis ימורב. Demnach war Ibn-Esra im Todesjahr nicht in Rom, sondern in Rhodez. – Dasselbe ist wohl der Fall mit dem mystisch-philosophischen Büchlein הרותה תודוס, das nach Bartolocci ebenfalls im Jahre 4927 und zwar zu Rom verfaßt worden sein soll. Vgl. Wolf, Bibliotheca I. p. 47; III. p. 75 und de Rossi, Dizionario storico.

Der im Jahre 4927 vollendete Pentateuchkommentar ist die zweite Rezension (הינש אחסונ), wovon jetzt der Teil zu Exodus ediert ist (Prag 1840). Die zweite Rezension unterscheidet sich wesentlich von der ersten durch größere Kürze und durch den Wegfall vieler grammatischer Bemerkungen, weil Ibn-Esra [387] diese in seinen grammatischen Schriften bereits gegeben hatte. Rapaport hat richtig bemerkt, daß der Kommentar zu Genesis in den Editionen ebenfalls zur zweiten Rezension gehört (Geigers Zeitschrift IV. S. 269ff.) und wohl auch der zu Numeri und Deuteronomium, welche sich ebenfalls durch größere Kürze auszeichnen. Ein weitläufigerer Kommentar zu Genesis, der sich in der Michaelschen Bibliothek befindet (Katalog Nr. 316), stammt sicherlich von der ersten Rezension. Alle Widersprüche, die man bemerkt hat, sind auf die Verschiedenheit der Rezension zurückzuführen, und man braucht nicht mit Joseph Sephardi anzunehmen, daß der längst edierte Kommentar zu Exodus von einem Jünger Ibn-Esras angelegt sei. Wenn nun der edierte Kommentar zu Genesis der zweiten Rezension angehört, so kann er nicht in Lucca verfaßt sein; denn, wie schon vorausgeschickt, befand sich Ibn-Esra im letzten Lebensjahre nicht in Italien. In der Bemerkung zu Genesis 32 הנידמה תאז אקול המשו שוריפה הז הב יתרביחש, ist der Name der Stadt sicherlich Glossem, herübergenommen aus Exodus der ersten Rezension.

XV. Wenn Ibn-Esra im Jahre 4927 zwei Werke vollendet hat, den Pentateuchkommentar zweiter Rezension und Sapha Berura, wie konnte er in diesem Jahre gestorben sein? So fragten sich die Chronographen und folgerten daraus, daß er ein Jahr später gestorben sei, 4928 = 1168 (so Isaak Israeli in Jesod Olam und Zacuto in Jochasin; die Zahl 4908, welche bei dem letzteren vorkommt, ist keine Variante, sondern einfach eine Korruptel, indem das כ von 'ה ח"כקתת ausgefallen ist). Wir besitzen aber eine ganz authentische Notiz (zum Schlusse einiger Kodizes des Pentateuchkommentars), daß Ibn-Esra dennoch in demselben Jahre gestorben ist, in welchem er die zwei genannten Werke vollendet hat. Sie lautet: ינש םויב ןב אוהו ל"ז ארזע ןבא רטפנ ז"כקתת 'ד תנש ןושאר רדא ח"רב :ודי תביתכ ותריטפ (תעשב ל"צ) תנשב ומצעל ןמיס בתכנ ה"ע ףא ןורחמ ותאצב הנש םיעבשו שמח ןב םהרבאו. Diese biographische Notiz ist authentisch; denn sie befindet sich in einem Wiener Kodex, in zwei vatikanischen Kodizes Nr. 39 und auch Nr. 29 (correctis corrigendis; vgl. de Rossi, Diz. storico I. 124 a). Auch Zacuto hat sie zum Teil gekannt und tradiert infolgedessen: הנש ה"ע 'ב םוי רדא ח"ר ארזע ןבא רטפנ. Eine so bestimmt gehaltene Notiz, welche Jahr, Monat und Tag so genau fixiert, muß die Kritik respektieren, zumal da die Data auf keine andere Jahresform passen. Was Edelmann dagegen eingewendet hat (Ginse Oxford XVI. not.) ist von keinem Belang. 1. Adar I. 4927 entspricht dem 23. Januar 1167 am Montag. Da er nun im Beginne des christlichen Jahres gestorben ist, so hat er die letzten zwei Werke nicht in demselben christlichen Jahre, sondern zwischen dem 29. August 1166 (mit welchem das jüdische Jahr 4927 damals begann) und 23. Januar 1167 vollendet. Wenn Assemani im vatikanischen Kodex gelesen haben will, Ibn-Esra habe seinen Pentateuchkommentar Ab 4927 vollendet (catalogus codicum Vaticani p. 29), so hat er sicherlich falsch gelesen. Es ist also nichts im Wege anzunehmen, daß er Januar 1167 gestorben. Die von Zacuto angeführten drei Varianten in betreff seines Todesjahres stehen damit nicht im Widerspruche. Die Variante ח"כקתת beruht, wie schon gesagt, auf einer Kombination, die zweite ח"קתת auf einer Korruptel, und die dritte ד"מקתת hält Zacuto selbst für ein Datum für einen andern Ibn-Esra. – Der Ort, wo er sein Grab gefunden, ist wohl sicher, wie ihn Zacuto angibt, Calahorra: הרוהאלקב רטפנ; denn daß er in Palästina begraben [388] sei und gar zusammen mit Jehuda Halevi, ist sicherlich eine Sage. Auf einer Reise in Südfrankreich nach seiner Heimat mag er in Nordspanien dem Alter erlegen sein.

XVI. Es bleibt noch die Notiz zu beleuchten, daß Ibn-Esra im 75. Lebensjahre gestorben, und daß er witzig einen Schriftvers darauf angewendet. Der Wert dieser Notiz hängt natürlich mit der Fixierung seines Geburtsjahres zusammen. Nach Nr. V hat er den Kommentar zu Exodus (erste Rezension) 1153 vollendet und war beim Beginne des Kommentierens 64 Jahre alt. Diese beiden Data stehen unerschütterlich fest. Nehmen wir an, daß er bei seiner Schnelligkeit im Arbeiten mit dem Kommentieren von Genesis und Exodus ein Jahr zugebracht hat, so war er im Jahre 1152 64 Jahre alt, und war geboren 1088. Es stimmt damit, daß er sich bei Abfassung des Zachot (1145) ןקז nennt, da er den sechziger Jahren nahe war. Auch in seiner Satire spricht er von seinen םירוענה ימי, als von einer ihm entrückten Zeit. Ist er nun 1088 oder frühestens 1087 geboren und starb 1167, so wäre er 79 oder 78 Jahre alt geworden, da man bei Zeitrechnungen mindestens ein Jahr fallen lassen muß. Jene Notiz würde sich also nur darin bewähren, daß er als Siebziger gestorben ist. Sie mag auch ursprünglich so gelautet haben: הנומשו םיעבש ןב םהרבאו oder עשתו, aber die Tradenten, welche sein letztes Witzwort mit dem Bibelverse nach allen Seiten hinpassend machen wollten, mögen die Einheiten verwechselt haben.

XVII. Resümieren wir nun die gefundenen Resultate:


  • 1087 oder 1088 Geburtsjahr Ibn-Esras.
  • 1140 in Rom; Kommentar zu fünf Megillot zu Hiob und Mosnaïm.
  • 1140-1145 Salerno; Satire ינוה ריסה דודנ.
  • 1145 Mantua; Zachot, über Astrolab.
  • 1148 astrologische Schriften; Italien, Ort unbekannt.
  • 1152-1153 Lucca; Kommentar zu Genesis und Exodus (erster Rezension). In Lucca auch astronomische Tafeln.
  • 1155 Lucca; Kommentar zu Jesaja.
  • 1155-1156 Beziers; Sefer ha-Schem.
  • 1156-1157 Rhodez; Psalmenkommentar, Daniel, kleine Propheten.
  • 1158 London; Jesod Moreh, Iggeret ha-Schabbath.
  • 1160 Narbonne; astronomische Tafeln.
  • 1166 Rhodez; Pentateuchkommentar (zweiter Rezension), Sapha Berura.
  • 1167 Tod.


XVIII. Bis jetzt haben wir Ibn-Esras Wanderjahre seit 1140 bis zu seinem Tode verfolgt. Die nächste Frage ist, wann hat er sein Geburtsland verlassen, und welche Länder hat er außer Italien, Frankreich und England gesehen? Geiger folgert aus einer Notiz, er sei noch nach 1139, also mindestens um 1140 in Spanien gewesen (Diwan des Abul Hassan 129f.); folglich mußte Ibn-Esra unmittelbar von Spanien aus nach Rom gereist sein, da er 1140 in Rom war. Aber wann war er in Afrika, Ägypten, Palästina und in noch anderen Ländern? Diese Frage hat sich noch niemand klar gemacht. Die Quelle, aus welcher G. diese Kombination schöpfte, sagt aber eigentlich das nicht aus, was er daraus lesen will. David ben Joseph aus Narbonne fragte nämlich Ibn-Esra unter anderm, wie es denn komme, daß im Jahre 1139 die Differenz zwischen dem jüdischen Passahfeste und den christlichen[389] Ostern beinahe vier Wochen betrage, worauf ihm der letztere eine Antwort erteilte. Daraus wird nun gefolgert, daß die Anfrage nach 1139 geschehen sein müsse, und daß sich damals Ibn-Esra noch in Spanien befunden habe. Das letztere ist richtig, aber aus dem Texte geht gerade hervor, daß die Anfrage vor 1139 aufgeworfen wurde. Nehmen wir zuerst Ibn-Esras Antwort: תנש איה ח"נר רוזחמל ו"י תנשב תינשה לע הבושתה םג חספה דעומ תירחאב לאומש תפוקת היהת ט"צתת םיפלא 'ד רוזחמל שמח תנשב ןכ (Schete ha-Meorot S. 1). Das Jahr 4899 war also zur Zeit der Anfrage noch nicht eingetreten, und David aus Narbonne interessierte es nur zu wissen, wie es kommt, daß nächstens eine so große Differenz eintreten wird. Die Anfrage muß in demselben Sinne gefaßt werden: גח ןיב היה עודמ תינשה הלאשהו רוזחמל הרשע שש תנשב םילרע לש דעומ ןיבו ונלש חספה םימי תועובש העבראמ בורק תודלומה (das jüdische Fest fiel nämlich im Jahre 1139 auf den 18. März, und die christlichen Ostern auf den 16. April). Offenbar muß man in der Anfrage analog der Antwort היהי עודמ emendieren statt: היה עודמ. Die Anfrage kann also lange vor 1139 gestellt worden sein. Es bleibt demnach Raum zwischen seinem Aufenthalte in Spanien und seiner Ankunft in Rom. In diese Zwischenzeit fallen seine weiten Reisen.

XIX. Daß Ibn-Esra in Afrika war, erzählt sein Jünger Salomo Parchon (Einl. p. 4): יולה הדוהי 'ר ואבשכו יקירפאל ץ"ש ארזע ןב םהרבא 'רו ל"ז. – In Ägypten war er ebenfalls und fand dort Dunasch ben Labrats Polemik gegen Saadia (o. S. 383). – Daß er in Palästina war, sagt er selbst: 15 Weise von Tiberias haben ihm geschworen, daß sie einen Bibelkodex mit außerordentlicher Sorgfalt dreimal durchgelesen haben (zu Exodus 25): השמח ןיעבשנו הירבט ימכח םוקדבש םירפס יתיאר היהו הדוקנ לכו הלמ לכ ולכתסה םימעפ שלשש הינקזמ רשע תפרצו דרפס ירפסב הככ יתאצמ אלו השעית תלמב דוי בותכ םיל רבעמו. Jerusalem selbst hat er nicht gesehen; denn er begeht manche topographische Schnitzer, die einem Augenzeugen nicht passieren dürfen, was selbst seinen ihn hochverehrenden Superkommentator Joseph Sephardi befremdete. Ibn-Esra identifiziert nämlich den Gihon der Vierströme mit dem Nebenflüßchen Gihon bei Jerusalem (Genesis zur Stelle). Er verlegt den Berg Zion auf die Nordseite Jerusalems, während er gerade in der entgegengesetzten Richtung liegt (zu Ps. 48, 2). Joseph Sephardi rechtfertigt ihn damit, daß er bei Abfassung des Genesis- und Psalmenkommentars noch nicht in Jerusalem gewesen sei und die Reise dahin erst später angetreten habe: ןוחיג יכ רמאו רה יכ תולהת רפסה לע שורפב רמא ףאו לארשי ץראמ בורק אב אל םהרבא 'ר יכ ונינעב הארנ הזמו םילשורי ןופצל ןויצ הזו – תולהת 'יפ םג הרותה שוריפ רבחש רחא קר לארשי ץראל הרותה שוריפ רבחש רחא םא יכ םילשורי האר אלש תואל (Ohel Joseph zu Genesis Nr. 119, zu Leviticus Nr. 16; Zophnat Paaneach Ms. f. 17 verso 119 v). Dem ist aber nicht so; denn der edierte Genesiskommentar gehört, wie schon angegeben, der zweiten Rezension an, und diesen hat er kurz vor seinem Tode vollendet. Folglich hatte er bis dahin, d.h. nie Jerusalem gesehen. – Er scheint auch in Irak gewesen zu sein. Wenigstens geht dieses aus einer Angabe hervor, wo er sämtliche Länder aufzählt, die er selbst gesehen haben mag (zu Exodus 25, 18): ישנא וגהנ אלש רובעב המתת לא יכ םידומ םיאפורה לכ יכ םיזע ידג לוכאל (אילטיא) תומוקמ הלא ץראו אקירפאבו דרפסב ותוא םילכוא ןכו – םהומכ רשב ןיא לבבו סרפו לארשי. Zu Exodus 16, 3 [390] erzählt er, er habe Manna in einem Lande gesehen, wo es stets in den Frühlingsmonaten fällt. Der Name dieses Landes lautet in den Ausgaben ריצנלא, in den Kodizes (der Seminarbibliothek) lautet der Name dagegen רושא; also war er auch in Assyrien und Persien. – Sein Sohn Isaak dichtete in Bagdad, im Jahre 1143, ein überschwengliches Loblied auf den Arzt Nathanael H'ibat-Allah ben Malka (abgedruckt in Kochbe Jizchak Wien 1858 S. 23, Graetz, Blumenlese S. 125):


וירמג אוה דרפס רפסב רשא ויתבתכ םהרבא ונב קחצי ינא

וירושא לבב ילא דדמ רשא ארוקי ארזע ונב ריאמ ונב

.וירמאמ םייסו דאדגב ריעב ןויסב והבתכ דנ"תא תנש


1454 Seleucidarum = 1143. Wenn dieser seinen Vater auf seiner Reise nach dem Orient begleitet hat, wie es den Anschein hat, und er in Bagdad zurückblieb, so fällt diese Reise vor 1143 und, wenn man berücksichtigt, daß der Sohn sich daselbst bereits eingelebt hatte, mehrere Jahre vorher. Man kann also annehmen, daß Ibn-Esra, ermüdet von seinen orientalischen Wanderungen, nach Rom 1140 kam und dort Ruhe fand. Dieses liegt auch in den Worten seines Gedichtes:


.אמיר לא אב ידע הריכבמ תרצכ הרצ ול האבו


In seiner Satire, welche, wie angegeben, zwischen seinen Aufenthalt in Rom und den in Mantua fällt, klagt er schon, das Wandern habe seine Kraft geschwächt, seine Gedanken geraubt und seine Sprache gelähmt:


.םיקיזאב םירוסא ינושלו יפ םשו ינויער להבנו ינוא ריסה דודנ


Man geht daher nicht fehl, wenn man den Anfang seiner Reise zwischen 1138 und 1140 ansetzt. Damals war er bereits den fünfziger Jahren nahe. Schriftstellerisches hat er bis dahin nichts Nennenswertes geleistet. Denn die Werke, die ihn unsterblich gemacht, hat er, wie sich gezeigt hat, erst in Italien und Südfrankreich im Mannes- und Greisenalter verfaßt. Sagt er ja selbst, daß er in der Jugend nur Lieder gesungen hat:


םיתתנ םירבעה ראוצב םיריש יתיניכה םירוענב םינפל .םיקנעכ


Möglich, daß er kleine Schriften, welche weder Datum- noch Ortsangabe tragen, vor seinen exegetischen und grammatischen Hauptarbeiten verfaßt hat.

XX. So hat das arithmetisch-mystische Opuskulum, welches den Doppeltitel רפסמה רפסו דחאה רפס führt (Handschr. in mehreren Bibliotheken, gedruckt in Kobaks Jeschurun I. p. 3ff.) den Vers:


.הנוכתב םכחו םינש ןטק ריאמ ונב רבח רשא


Vgl. Michaels Katalog S. 317. – Auch zitiert er das 'ס דחאה im םשה 'ס. Das דחאה 'ס ist wohl auch identisch mit dem תרובשתה 'ס, wie Assemani bei de Rossi, Dizionario sub voce bemerkt. Zu unterscheiden von diesem Werkchen ist ein anderes unter dem Titel דוסי רפסמ, welches den grammatischen Gebrauch der Zahlwörter behandelt (Handschr. in mehreren Bibliotheken).

Mindestens zwölf kleine Schriften werden Ibn-Esra beigelegt, deren Echtheit jedoch zweifelhaft ist. Ihre Titel lauten: 1. המכחה סדרפו המזמה תגורע; 2. רעש םימשה; 3. ץיקמ ןב יח; 4. םימצעה 'ס; 5. תרשע לע 'ס םירבדה; [391] 6. םש בוט; 7. תויתוא תנומת דוס; 8. תודמ תיב; 9. 'ס ןויגהה, diese sämtlich philosophischen oder mystischen Inhalts; 10. תועשה טפשמו תוצעה ירעש, astrologisch; 11. רובעה 'ס, kalendarisch; 12. האופרה 'ס תונויסנה ע"בארהל. Die ersten drei Nummern (von denen Nr. 1 und 2 in Kerem Chemed IV. und Betulat abgedruckt sind, und Nr. 3 öfter ediert) sind sicherlich unecht. Es ist eine Beleidigung für Ibn-Esra, ihm diese Machwerke ohne Spur von Geist zu vindizieren. Ihr Inhalt ist ganz gegen seine Gedankenrichtung, wie schon Luzzatto und S. Sachs zum Teil bemerkt haben (Betulat XI, XIV, Kerem Chemed VIII, 88). Die Echtheit der übrigen Schriften, teils handschriftlich und teils nur vage angegeben, kann erst durch Autopsie ermittelt werden.


Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig [1896], Band 6, S. 378-392.
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