Dritte Epoche. Die rückläufige Bewegung.

1. Kapitel. Die Reichsspaltung und das erneuerte Prophetenthum.

Rehabeam. Das Thronfolgerecht. Jerobeam's Umsturzplan. Vorgang in Sichem. Rehabeam's Flucht. Trennung in zwei Reiche: das Zehnstämmereich und das Zweistämmereich. Jerobeam, König über Zehnstämme Sichem und dann Thirza Hauptstadt. Jerobeam's Verirrungen. Stierkultus in Bethel und Dan. Verhalten der Leviten. Nächste Folge der Reichsspaltung. Schischak's Einfall und Eroberung in Juda. Abfall der Vasallenländer. Reibungen beider Reiche gegen einander. Sturz des Hauses Jerobeam. Baescha und Ela im Zehnstämmereich. Aßa in Juda. Sturz des Hauses Baescha. Omri. Seine Pläne. Samaria, Hauptstadt; Baal- und Astarteneultus; Bündniß mit Tyrus und Juda. Ahab und Isebel. Verfolgung der Propheten. Der Prophet Eliahu und sein Eifer. Entstehung des Nasiräerthums. Vorgänge auf dem Berge Karmel. Ahab's Kämpfe gegen Ben-Hadad von Aram. Josaphat in Verbindung mit dem Hause Omri. Die neuen Prophetenschulen. Sturz der Omriden. Jehu vertilgt das Haus Omri und hebt den Baalkultus auf.


(977-887.)

Zum ersten Mal, seitdem das Königthum in Israel eingeführt wurde, konnte nach Salomo's Tod die Thronfolge ohne unruhige Bewegung und Spaltung vor sich gehen. Glücklicher als sein Vater und Großvater konnte Rehabeam unangefochten die Regierung über das zu einem Großstaate emporgehobene Land antreten, dem so viele Völkerschaften zinsbar waren, er konnte sich in goldene Träume von Herrschermacht und Glück wiegen. Sei es, daß Rehabeam keinen Bruder hatte, der ihm die Krone hätte streitig machen können, oder daß Salomo das alte Recht der Erbschaft für Privatbesitz auch auf die Besitznahme der Regierung angewendet hat, daß der Erstgeborene jedesmal den Vorzug genießen sollte, genug, Rehabeam bestieg ruhig den Thron seines Vaters. In der That, Thronstreitigkeiten zwischen Brüdern, wie bei Salomo's Regierungsantritt, [1] kamen in Jerusalem nicht mehr vor. Rehabeam wäre solchen auch nicht gewachsen gewesen. Denn so wenig wir auch von seinen persönlichen Eigenschaften wissen, so ist doch so viel gewiß, daß er seinem Vater nicht ähnlich war und daß seine Geistesanlagen noch weniger als mittelmäßig waren. Wie alle im Purpurgeborenen Königssöhne, denen keine hervorstechende Charaktergröße zu Theil geworden, war er kurzsichtig und hochmütig und dabei so unselbstständig, daß er sich selbst nicht rathen konnte. Er hatte weder kriegerischen Geist, noch Sinn für das Großartige. Der Thron sollte ihm lediglich Macht, süße Ruhe und Lebensbehaglichkeit sichern. Dieser Traum, den er gehegt haben mochte, war indessen nur von kurzer Dauer. Es erfolgte darauf ein schreckliches Erwachen Unerwartet stellte sich ein Feind ein, der ihm Macht, Ruhe und Lebensbehaglichkeit raubte und im israelitischen Staate einen Riß hervorbrachte, der nimmermehr geheilt werden konnte.

Jerobeam, Sohn Nebat's, der Ephraimite, welcher in Salomo's letzten Regierungsjahren die Fahne der Empörung geschwungen, aber für den ersten Augenblick keinen Erfolg erzielt hatte und nach Aegypten geflohen war (I. S. 363), kehrte bei der Nachricht von Salomo's Ableben sofort nach der Heimath zurück1, um zum zweiten Mal mit seinen ehrgeizigen Plänen, die von einem Propheten gebilligt waren, aufzutreten. Wahrscheinlich hat sein Gönner Scheschenk [2] (Schischak), König von Aegypten, seine Heimkehr befördert und ihn vielleicht zu Schiff nach einem israelitischen Hafenplatz bringen lassen. So wie dieser kecke, vor nichts zurückschreckende Ephraimite in Sichem, der zweiten Stadt des Landes, angekommen war, begann die Widersetzlichkeit der stets zum Aufruhr geneigten Sichemiten. Er wurde zur Volksgemeinde ein geladen, oder vielmehr er veranlaßte die Zusammenberufung derselben und leitete sie, um die Schritte zu berathen, die eingeschlagen werden sollten, um nicht plötzlich mit dem Herkommen zu brechen und doch das von ihm geplante Ziel zu erreichen. Die Aeltesten anderer Stämme wurden ebenfalls eingeladen, sich an dem Vorgehen der Sichemiten zu betheiligen und solchergestalt der Widersetzlichkeit einen imposanten, vom Volkswillen aufgedrückten Charakter zu geben. Beschlossen wurde zunächst, daß die Stammältesten sich nicht wie bisher nach Jerusalem zur Huldigung des neuen Königs begeben, sondern dieser eingeladen werden sollte, nach Sichem zu kommen, um hier die Huldigung zu empfangen. Es war der erste Schritt zur Empörung. Rehabeam entschloß sich dazu, wahrscheinlich mit Widerstreben und in der Erwartung, daß seine Gegenwart eine etwaige Auflehnung lähmen werde. Es war ein verhängnißvoller Augenblick von weittragenden Folgen in der Geschichte Israel's.

Rehabeam ließ sich von seinen Räthen nach Sichem begleiten, von älteren, welche seinem Vater beigestanden, und von jüngeren, die er in seine Nähe gezogen hatte. Für alle Fälle nahm er auch den Oberbeamten über die Frohnsklaven, Adoniram, mit, welcher gewöhnt war, ungefügige Arbeiter mit finsterem Blick und mit der Geißel niederzuschlagen. Als Rehabeam in Sichem angekommen war, begaben sich die Stammältesten zu ihm, um Beschwerden vorzubringen. Jerobeam hatten sie zu ihrem Sprecher gewählt, und er rückte mit den Beschwerden des Volkes so herb als möglich heraus: »Dein Vater hat uns ein hartes Joch aufgelegt und uns schwerer Dienstbarkeit unterworfen. Wenn du dieses schwere Joch erleichtern willst, dann wollen wir dir unterthänig sein.« Betroffen von dieser unverblümt kecken Sprache, antwortete Rehabeam mit verbissenem Zorne, sie mögen in drei Tagen wieder vor ihm erscheinen und sich die Antwort holen. Welche Antwort wollte er den Stammältesten geben? Er wußte es Anfangs selbst nicht, er pflog erst darüber Rath mit seinen Dienern. Die älteren Räthe stimmten für Milde, die jüngeren für Strenge, und der unkluge König folgte den Letzieren. Als er die Aeltesten und Jerobeam am dritten Tage wieder empfing, fuhr er sie mit einer Antwort an, von der er glaubte, sie werde niederschmetternd wirken. »Mein kleiner Finger ist mehr als meines Vaters Lenden! Hat er euch mit Ruthen [3] gezüchtigt, so werde ich euch mit Skorpionen züchtigen.« Das hatte Jerobeam erwartet, und darauf hatte er gerechnet. Zu den Aeltesten gewendet, sprach der von Anfang an auf Abfall von Rehabeam sinnende Ephraimite: »Was für Antheil haben wir an David und welches Erbe an Isai's Sohn? Zu euren Zelten kehret heim, Israeliten, und du, David, weide dein eigenes Haus!« Darauf entfaltete Jerobeam die Fahne der Empörung und versammelte die Sichemiten, die willfährig sich um ihn schaarten, um ihre Feindseligkeit gegen Rehabeam kund zu geben. Die ganze Eifersucht und der Haß, den die Ephraimiten während David's und Salomo's Regierung ob ihrer Unterordnung und vermeintlichen Zurücksetzung in stiller Brust gehegt hatten, brachen mit einem Male hervor. Sie ergriffen die Gelegenheit, um sich vom davidischen Königsthron loszumachen und wieder, wie einst zur Zeit der Richter, an der Spitze der Stämme zu stehen. Mit Waffen in der Hand drangen die Sichemiten, immer Jerobeam an der Spitze, auf das Haus ein, worin Rehabeam weilte. Dieser sandte seinen Frohnbeamten Adoniram, um die Aufrührer wie aufwieglerische Sklaven zu Paaren zu treiben. Ein Steinhagel empfing ihn, er sank leblos zu Boden. Rehabeam, dessen Leben gleichfalls bedroht war, entfloh auf seinem Wagen aus Sichem und gelangte nach Jerusalem. Der Riß war vollzogen, und Niemand war da, ihn zu heilen.

So empört und niedergebeugt durch den Vorgang in Sichem Rehabeam auch war, so mußte er sich doch erst, ehe er einen Schritt that, vergewissern, ob er noch auf treue Anhänger zählen konnte. Wie, wenn die Stämme in der Nähe seiner Hauptstadt, von dem Beispiel der Sichemiten verführt, ihm ebenfalls den Gehorsam aufkündigten? Wo würde der Abfall Halt machen? Von dieser Sorge wurde er indeß befreit. Der Stamm Juda, der mit David's Haus eng verwachsen war und es als die höchste Blüthe seines eigenen Wesens betrachtete, blieb seiner Anhänglichkeit an David treu. Der Stamm Simeon gehörte so sehr als Anhängsel zu Juda, daß er gar nicht als selbstständiger Stamm mitzählte; er war gewohnt, dem Stamme Juda Gefolgschaft zu leisten. Aber auch der Stamm Benjamin blieb Rehabeam treu; er war bereits mit Juda eng verschmolzen und konnte sein Geschick von diesem nicht mehr trennen. In den meisten benjaminitischen Städten wohnten zugleich Judäer, und diese hätten einen Abfall verhindert. In Jerusalem wohnten mehr Benjaminiten als Judäer2. [4] Diese Stämme hielten also zu Rehabeam. Sobald er von dieser Seite gesichert war und wußte, daß zwei (oder drei) Stämme fest zu ihm standen, dachte er selbstverständlich daran, die Sichemiten und Ephraimiten überhaupt mit dem Schwerte zum Gehorsam zurückzuführen, und es wäre ihm vielleicht gelungen, wenn nicht Jerobeam Vorkehrungen getroffen hätte, von diesem Abfall den größten Nutzen für sich zu ziehen. Er wußte den Ephraimiten beizubringen, daß nur ein König im Stande sein würde, dem Andringen Rehabeam's eine feste Gegenwehr entgegenzusetzen, und daß sie nur dadurch das herbe Strafgericht von sich abzuwenden vermöchten, das ihrer als Empörer harrte, falls sie sich wieder unterwerfen sollten. Und diese mögen selbst überzeugt gewesen sein, daß nur ein König aus ihrer Mitte ihnen die Macht über die übrigen Stämme verschaffen könnte. Sie beschlossen also, einen Gegenkönig aufzustellen. Wer war geeigneter dazu als Jerobeam? Er allein hatte Muth und Gewandtheit gezeigt, und er war ein Ephraimite. Die ephraimitischen Aeltesten riefen in Folge dessen ihn zum Könige aus und zogen die übrigen Stämme nach. Der Stamm Manasse folgte stets dem von Ephraim ausgegangenen Anstoß, und die übrigen Stämme im Norden konnten sich, wenn sie auch wollten, dem nicht entziehen. Von Juda waren sie räumlich getrennt, und zu einem eigenen Verbande fehlten ihnen alle Bedingungen. Darum gingen auch sie mit Ephraim. Die jenseitigen Stämme huldigten ebenfalls Jerobeam, vermuthlich, weil auch sie Beschwerden gegen das Haus David hatten und von Rehabeam keine Erleichterung erwarteten. So herrschte der aus der Dunkelheit aufgetauchte Mann aus Zereda über zehn Stämme (um 977-955), wobei die beiden Manasse, das diesseitige und jenseitige, Machir und Gilead, als zwei gezählt werden. Sein Gebiet umfaßte also das Zehnstämmereich. Beim Hause David blieben nur, wie erwähnt, die Stämme Juda, Benjamin und Simeon; da dieser aber keine Bedeutung hatte und in Juda völlig aufgegangen war, so bildete das dem Rehabeam treugebliebene Gebiet das Zweistämmereich. Das Volk war also wieder in zwei Theile [5] gespalten. Das Haus Israel, das kaum ein Jahrhundert mit dem Hause Jakob oder Hause Juda verbunden war, war wieder von ihm getrennt. Einer Verschmelzung beider Hälften widerstrebten Beide; die Ungleichheit ihres früheren Geschichtsganges verhinderte ihre Vereinigung. Das Haus Israel, zunächst der Stamm Ephraim, leistete lieber auf die großen Vortheile, welche die Vereinigung mit dem davidischen Königshause auch ihm gebracht hatte, Verzicht, um nicht, in Abhängigkeit von diesem, eine untergeordnete Stelle einzunehmen. Die Besseren in beiden Reichen mögen von Schmerz und Trauer ob des eingetretenen Risses erfüllt gewesen sein3, aber ihn rückgängig zu machen, vermochten sie nicht. Den Bürgerkrieg, welcher nahe daran war, auszubrechen, wendete ein Prophet Schemaja ab, der den Judäern und Benjaminiten bei ihrem Auszuge im Namen Gottes zurief: »Ziehet nicht zum Kriege gegen eure Brüder vom Hause Israel aus, denn von mir ist die Spaltung ausgegangen!« Nur kleine Fehden kamen eine geraume Zeit hindurch zwischen den beiden Bruderreichen vor, wie sie bei Grenznachbarn, welche gegen einander erbittert sind, nicht fehlen konnten4; aber sie führten zu keiner Entscheidung.

Beide Könige suchten indeß, um nicht stets auf dem Kriegsfuße zu bleiben und bis zu den Zähnen bewaffnet gegen einander zu stehen, sich durch Bündnisse zu stärken und etwaige Angriffe des Feindes von vorn herein zu lähmen. Rehabeam schloß ein Bündniß mit dem neu entstandenen Königreich von Damaskus5. Der unter Salomo von dem Bandenführer Rezon gegründete Staat (B. I, S. 365) hatte nämlich, weil von keiner Seite verhindert, eine große Bedeutung erlangt, Rezon6, oder sein Nachfolger Tabrimmon, hatte mehrere aramäische Länder mit Damaskus vereinigt und gebot über ein weites Ländergebiet. In Folge der Entstehung des Zehnstämmereiches wurde dieses Grenzland des damascenischen Aram. Das Bündniß Rehabeam's mit dem Könige von Damaskus hinderte Jerobeam, das judäische Reich mit einem nachhaltigen Kriege zu überziehen. Dieser wieder schloß mit einer anderen Macht ein Bündniß, um den König von Juda in Furcht zu halten.

Jerobeam wurde in seinen ehrgeizigen Plänen von dem ägyptischen König Scheschenk (Schischak), zu dem er Zuflucht genommen hatte, [6] auf's fördersamste unterstützt. Dieser soll ihm sogar die ältere Schwester seiner Frau, Namens Ano7, vermählt haben, wie er eine andere Schwester derselben dem idumäischen Königssohne, der ebenfalls Schutz bei ihm gesucht, gegeben hatte. Scheschenk hat ihm auch wahrscheinlich Mittel zur Rückreise nach seinem Vaterland gewährt. Mit ihm scheint Jerobeam ein Bündniß gegen Juda geschlossen zu haben. Dadurch war Rehabeam verhindert, einen Krieg im Großen gegen Israel zu unternehmen. Um sich zugleich von ägyptischer, wie von israelitischer Seite zu schützen, ließ Rehabeam eine Reihe von Festungen in einem Umkreise von mehreren Stunden rings um die Hauptstadt anlegen, mehr nach Süden und Westen als nach Norden8. In der Stunde der Noth bewährten sie sich aber durchaus nicht. Schischak unternahm nämlich einen umfassenden Kriegszug gegen Rehabeam in dessen fünftem Regierungsjahr (um 972) mit einer erdrückenden Zahl von Fußvolk, Reiterei und Kriegswagen. Auch Nubier und Aethiopier und noch andere Völkerschaften waren in seinem Gefolge. Von der Ueberzahl überwältigt, ergaben sich die festen Städte nach einander dem ägyptischen Heere, und Schischak drang bis Jerusalem vor. Wie es scheint, unterwarf sich auch die Hauptstadt ohne Gegenwehr; darum begnügte sich der Aegypterkönig mit der Erbeutung der Schätze, die Salomo in Palast und Tempel niedergelegt hatte, nahm alles Gold, das sich in Jerusalem befand, auch die goldenen Schilder und Speere, mit welchen die Trabanten den König bei seinem Zug nach dem Tempel zu begleiten pflegten, ließ aber das Königreich Juda bestehen, schleifte nicht einmal die Mauern Jerusalems und ließ auch Rehabeam auf dem Throne9. Bei seiner Rückkehr ließ Schischak seine Kriegsthaten und Siege über Juda und andere Gebiete in Schrift und Bild verewigen. In den Ruinen eines Tempels in Theben ist noch an einer erhaltenen Wand [7] eine Reihe von Halbfiguren (156) in halberhabener Arbeit abgebildet, welche durch die Schlingen um den Hals als Gefangene kenntlich sind. Der Gott Ammon führt sie dem siegreichen König zu. Diese Halbfiguren, welche von der Mitte abwärts in Schilder auslaufen, stellen nicht gefangene Personen dar, auch nicht den König Rehabeam (wie man früher irrigerweise vermuthet hat), sondern eine Reihe von Städten10, welche der ägyptische König unterworfen hat. In den Schildern sind die Namen der eroberten Städte angegeben (die meisten freilich unleserlich und unverständlich). Unter denselben sind auch einige Städte genannt, welche Rehabeam hat befestigen lassen. In den hieroglyphischen Inschriften auf einem Theil der Tempelwand preist der Gott Ammon den König Scheschenk dafür, daß er ihm Tempel in Theben und anderen Städten erbaut hat, und überschüttet ihn förmlich mit Lob, daß er Völker des Südens und des Nordens besiegt hat, so daß deren Könige sich vor ihm zur Erde warfen11. Das Bündniß, welches Salomo mit Aegypten geschlossen, dessen Unterpfand die ägyptische Königstochter sein sollte, war nur von sehr kurzer Dauer gewesen. Sein Sohn sollte schon die Eitelkeit solcher Bündnisse kennen lernen und erfahren, wie wenig Verläßlichkeit klug berechnete Pläne und staatsmännische Vorsichtsmaßregeln gewähren. Kurzsichtig hatte Salomo in seiner Weisheit dem Bündniß mit Aegypten und der Ehe mit der Pharao-Tochter Opfer gebracht, er hatte ihr einen eigenen Palast gebaut, und nur wenige Jahre nachdem er die Augen geschlossen, plünderte ein ägyptischer König alle Schätze und Kostbarkeiten dieses Palastes und der übrigen königlichen Gebäude, die er zu seinem Ruhme errichtet hatte.

Mit der Herrlichkeit und Größe des von Salomo hinterlassenen Reiches war es zu Ende. Es war gewissermaßen an einem Tage zusammengebrochen. Der größte Theil desselben hatte sich davon losgerissen, und der übrig gebliebene kleinere Theil wurde ein Vasallenland Aegyptens12 und mußte vielleicht an dasselbe jährlichen Tribut zahlen. Die früher zinsbaren Völkerschaften, Philister und Idumäer, haben ohne Zweifel Juda's Schwäche benutzt, um sich von ihm unabhängig zu machen. Wurde doch Hadad von Edom ebenso von Scheschenk begünstigt wie Jerobeam13. Herrschte Rehabeam nicht mehr über [8] Idumäa, so konnte er nicht mehr Schiffe nach dem Goldlande Ophir auslaufen lassen, und damit war die ergiebigste Quelle des Reichthums versiegt. Auch die andern Quellen hatten aufgehört zu fließen. Der Zwischenhandel mit Rossen und Kriegswagen aus Aegypten, welche eine königliche Handelsgesellschaft bis in die Euphratgegend zu liefern pflegte, konnte nicht mehr betrieben werden, da die Ausfuhr nach den Nordländern durch die Entstehung des Zehnstämmereichs abgeschnitten war. Der Goldglanz der salomonischen Zeit war unter Rehabeam in Judäa erloschen, die Zauberwelt zerronnen. Um äußerlich noch einen gewissen Glanz beizubehalten, sich beim Gang zum Tempel von Trabanten begleiten zu lassen, gab Rehabeam ihnen statt der goldenen Schilde und Speere, die Scheschenk nach Aegypten entführt, solche aus Erz in die Hand14. Juda war ein armes Land geworden, das sich wie vor Entstehung des Königthums nur durch den Betrieb des Ackerbaues ernähren konnte.

Auch im Zehnstämmereich ging es Jerobeam nicht nach Wunsch. Selbstverständlich machte er Sichem zu seiner Residenz und zum Mittelpunkt des Reiches, es sollte mit Jerusalem wetteifern oder es noch verdunkeln. Jerobeam hat es auch befestigt15. Der Stamm Ephraim bildete den Grundstock des Zehnstämmereiches, und dieses wurde in gleicher Weise Ephraim oder Haus Joseph oder Haus Israel genannt16. Allein die Sichemiten, die Führer des Stammes Ephraim, welche Jerobeam's Thronbesteigung gefördert hatten, waren zu keiner Zeit zuverlässige Bundesgenossen und noch weniger gefügige Unterthanen. Ungestüm, eine Neuerung zu unterstützen, hatten sie nicht die Geduld und Ruhe, sie zu ertragen, wenn sie ihnen lästig wurde. Wie sie in der Richterzeit mit Abimelech verfahren waren, ihn zuerst als König anzuerkennen und seine Unthaten zu unterstützen und gleich darauf eine feindselige Haltung gegen ihn anzunehmen, ebenso scheinen die Sichemiton Jerobeam Unbotmäßigkeiten gezeigt zu haben, als er mit seiner Königswürde Ernst machte, ihnen den strengen Herrn zeigte und von ihnen Gehorsam verlangte. Es scheint zu Reibungen zwischen Jerobeam und den Sichemiten gekommen zu sein, in Folge deren er Sichem verließ und eine andere Stadt zu seiner Residenz machte, die Stadt Thirza (jetzt Talusa)17. Sie lag etwa eine Stunde [9] nördlich von Sichem, auf einem hohen Hügel, in einer quellenreichen und fruchtbaren Gegend, in der noch jetzt ausgedehnte Oelgärten gedeihen. Diese Stadt befestigte Jerobeam und baute darin einen Palast, welcher zugleich als Festung (Armón) zur Vertheidigung dienen sollte18. Jenseits des Jordans befestigte er ebenfalls einige Städte, unter anderem Penuel (oder Peniel) südlich vom Jabbok gegen Einfälle feindlicher Stämme. Denn die Moabiter und Ammoniter haben sich wahrscheinlich in Folge der Spaltung ebenso von Israel losgemacht, wie die Idumäer von Juda19. Im Innern mußte Jerobeam aus Verlegenheit Neuerungen einführen. Aus Gewohnheit oder Ueberzeugung fuhren manche Familien der Nordstämme auch nach der Reichsspaltung fort, zur Herbstzeit zum Erntefest zum Tempel in Jerusalem zu wallfahrten und sich dort an dem Kultus ohne Bildniß der Gottheit zu betheiligen. Eine solche Hinneigung, sei es auch nur eines Bruchtheils des Volkes, zur judäischen Hauptstadt, machte Jerobeam Sorge. Wie, wenn das Volk immer zahlreicher zum Tempel in Jerusalem wallfahrten und sich mit dem Hause David wieder aussöhnen sollte? Würde er nicht eben so rasch wieder gestürzt werden, wie er erhoben wurde? Um diesen möglichen Abfall zu verhüten, sann er einen frevelhaften Plan aus, welcher Israel wieder in die Zeit der Barbarei und des Götzenthums zurückwerfen sollte.

Jerobeam hatte bei seinem mehrjährigen Aufenthalte in Aegypten die dort eingeführte Götterverehrung kennen gelernt und erfahren, daß die Anbetung der Thiere und besonders des Stieres den Königen ganz besonders zum Vortheil gereichte. Der Thierkultus hatte das Volk so verdummt, daß es auch nicht einen Augenblick zum Nachdenken kam, Alles, was die Könige thaten, vielmehr billig und gerecht fand und an deren Lastern und Ueberhebung keinerlei Anstoß nahm. Ein solcher [10] politisch vortheilhafter Kultus könnte auch ihm, dem Emporkömmling, zu Statten kommen, dachte Jerobeam. Er entwarf daher mit seinen Räthen den Plan, ihn im Zehnstämmereich einzuführen. Er berechnete, daß ein solcher Kultus ihm auch nach einer anderen Seite Nutzen bringen würde, er würde ihm die Gunst des ägyptischen Hofes erhalten. Israel würde nur als ein Anhängsel zu Aegypten erscheinen, und beide würden, so wie eine gemeinsame Gottesverehrung und gemeinsame Sitte, so auch gemeinsame Interessen haben. Das ägyptische Wesen war ihm überhaupt nahegelegt, da seine Frau wahrscheinlich eine Aegypterin war und aus dem Königshause stammte (o. S. 7). Um aber nicht als Neuerer in der Gottesverehrung zu erscheinen, gedachte er den Stierkultus gerade als die alte Religion der Israeliten auszugeben. Hatten doch die Israeliten in Aegypten und auch noch später in ihrem Lande den Apis-Abir verehrt20. Dagegen sollte der Gottesdienst im jerusalemischen Tempel ohne Bildniß der Gottheit als eine von Salomo eingeführte Neuerung und Jerobeam als Wiederhersteller der uralten israelitischen Religion erscheinen21. Diesen Plan, worin viel schlaue Berechnung steckte, führte Jerobeam aus. Er verbot zunächst das Wallfahrten zum Tempel nach Jerusalem und ließ den Gott Israels unter der Gestalt eines jungen Stiers (Kalbes) darstellen. Zwei solcher Bilder mit Gold oder mit einem goldenen Belag (Massechah)22 ließ er anfertigen und stellte sie in zwei Städten auf, welche schon früher als geheiligte Stätten galten, in Bethel und in Dan, das eine für die südlichen und das andere für die nördlichen Stämme. Jerobeam machte es den Stämmen bequem, damit die Entferntwohnenden nicht nöthig haben sollten, zum Erntefeste eine weite Reise zu machen. Als die zwei Rinderbilder aufgestellt waren, ließ Jerobeam verkünden: »Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Aegypten geführt hat.« In Bethel, an dessen Kultus er sich selbst zu betheiligen gedachte, errichtete er einen größeren Tempel (Bet-Bamoth)23, in dem man nun einen Altar zum Opfern aufstellte. Um das Volk zu entwöhnen, sich am Herbstfest in Jerusalem zu betheiligen, bestimmte er, daß ein solches einen Monat später (im achten statt im siebenten) gefeiert werden [11] sollte. Wahrscheinlich wurde auch eine andere Kalenderberechnung, nach der ägyptischen Jahresform, das längere Sonnenjahr statt des kürzeren Mondjahres eingeführt24. Das Volk im Großen und Ganzen nahm keinen Anstoß an dieser Neuerung, sie schien ihm in der That nur eine Wiederherstellung des uralten Kultus zu sein. Auch war ja dadurch die Grundlehre und die bereits tiefgewurzelte Ueberzeugung von der Einzigkeit Gottes nicht aufgehoben. Jerobeam hatte nicht Vielgötterei eingeführt, sondern lediglich dem einzigen Gott Israel's (Ihwh) eine Gestalt gegeben, welche die Kraft und Fruchtbarkeit symbolisiren sollte. Das Volk, sinnlich wie es noch war, fand auch mehr Gefallen daran, sich die Gottheit bildlich vorzustellen; die Geistigkeit Gottes, welche durch kein äußeres Zeichen dargestellt werden könnte, lag damals seinem Vorstellungskreise ferner, als die Einzigkeit desselben. Grobsinnliche Ausschweifung und Unkeuschheit waren mit dem Stierkultus nicht wie bei dem kanaanitischen Baaldienste verbunden, verletzten daher nicht das sittliche Gefühl25. So gewöhnte sich das Volk allmälig daran, nach Bethel oder Dan zu dem großen Feste zu wallen, sonst aber opferte es daheim oder an der nächstgelegenen alten geheiligten Stätte. Jerobeam erreichte vollkommen seinen Zweck; das Volk wurde dumm und folgte ihm in sklavischem Gehorsam.

Aber der Stamm Levi machte ihm Verlegenheit. Kein Levite mochte sich dazu hergeben, bei diesem Stierkultus das Priesteramt zu versehen, so nachhaltig hatte Samuel's prophetische Lehre auf diesen Stamm eingewirkt. Um nicht dazu gezwungen zu werden, wanderten die Leviten, welche in den israelitischen Städten gewohnt hatten, nach dem Reiche Juda aus26. Was sollte Jerobeam beginnen? Die Leviten und besonders die Abkömmlinge des Hauses Ahron galten einmal als Priesterstand und als Vermittler zwischen Gott und den Menschen vermittelst der Opfer und der religiösen Handlungen. Nun hatten diese ihn im Stiche gelassen und damit seine ganze Einrichtung verworfen und gebrandmarkt. Priester konnte er aber nicht entbehren, so nahm er sie da her, wo er sie fand. Den ersten Besten, der sich ihm anbot, ließ er als Priester gelten. Er selbst verrichtete an einem Feste das Priesteramt, um es dadurch in den Augen des Volkes zu heben oder [12] auch in Nachahmung der ägyptischen Sitte, laut welcher der Priester sich auch zum König aufschwingen konnte und der König auch Priesterdienst verrichten durfte. Man erzählte sich später, als Jerobeam an einer Handlähmung gelitten hatte, daß ein Prophet aus Juda, der ihm Vorwürfe wegen seiner Neuerung gemacht, ihm die Lähmung zugezogen habe. Indem der König im Zorn ausgerufen: »Haltet ihn fest!« und dabei die Hand ausgestreckt, sei diese gelähmt worden. So wurde Jerobeam schrittweise dahin geführt, das israelitische Grundwesen zu vernichten.

An Warnungen, in seiner Verleitung des Volkes auf götzendienerischem Abwege nicht zu verharren, hat es Jerobeam nicht gefehlt. Der greise Prophet Achija aus Schilo, welcher den ehrgeizigen Sohn Nebat's zur Empörung gegen das Haus David ermuthigt hatte (I. S. 362), konnte wegen Altersschwäche nicht gegen diesen auftreten, um sein Verfahren zu brandmarken. Als aber einst Jerobeam's Frau wegen der Krankheit ihres ältesten Sohnes ihn in Schilo aufsuchte, um ihn über den Ausgang der Krankheit zu befragen, sich dabei, um nicht erkannt zu werden, vermummte und wie ein schlichtes Weib auftrat, erkannte sie der Prophet und verkündete dem Hause Jerobeam's einen traurigen Untergang. Indessen konnte Jerobeam, wie die Dinge lagen, nicht mehr umkehren. Das Aufgeben seiner Wege hätte die Aussöhnung des Zehnstämmereiches mit dem Hause David zur Folge gehabt. Aus Selbsterhaltungstrieb mußte er auf dem einmal eingeschlagenen Wege verharren. Der neue Kultus erhielt sich daher während des ganzen Bestandes des Zehnstämmereiches; keiner von Jerobeam's Nachfolgern machte auch nur den Versuch, ihn zu ändern, wie sehr auch die großen Propheten dagegen eiferten und ihn mit beißendem Spott lächerlich machten. Die Israeliten im Zehnstämmereich glaubten immer noch den Gott ihrer Väter unter dem Namen Ihwh zu verehren, wenn sie sich ihn auch unter einem Bilde und noch dazu unter dem Bilde eines Stieres vorstellten; sie hatten keine Ahnung davon, welchen Rückgang sie dadurch machten, Gottes Größe sich unter einem grasfressenden Thier zu denken27. Dadurch wurde das Volk aller Einsicht bar. »Ephraim wurde gleich einer törichten Taube ohne Verstand28«; es gerieth wieder in jenen Gemüthszustand gedankenlosen Aberglaubens, daß es sich auch an das Sinnloseste, als eine Aeußerung des göttlichen Spruchs, anklammerte. Es befragte ein Holzstück um Orakel und ein Stock sollte ihm die Zukunft verkünden29. So wünschten es seine [13] Machthaber; sie tyrannisirten es weit schlimmer, als die Salomonischen Amtsleute, ohne daß es bei so vielen Palastrevolutionen in seiner Mitte gewagt hätte, sein Joch abzuschütteln.

Im judäischen Reiche oder im Hause Jakob's waren die Zustände nicht so arg. Politisch war es zwar schwach geworden, die Losreißung der Stämme und der Einfall der Aegypter unter Scheschenk hatten ihm Wunden geschlagen, die eine geraume Zeit brauchten, um zu vernarben. Aber religiös und sittlich war es noch nicht gesunken. Rehabeam scheint sich nicht viel um die sittlichen oder religiösen Zustände gekümmert zu haben; er war überhaupt schlaff und mag, nachdem sein Stolz gebeugt worden war, seine Tage in Unthätigkeit verbracht haben. Aber der Tempel auf der einen Seite und die Leviten auf der anderen Seite, welche zahlreich nach Jerusalem geströmt waren, haben hier den Verfall aufgehalten. Es blieb Alles äußerlich wenigstens beim Alten, wie zur Zeit Salomo's. Die Höhen-Altäre (Bamoth) bestanden zwar fort, auf denen die Familien das ganze Jahr hindurch ihr Opferbedürfniß befriedigten, aber zum Herbstfest wurde der Tempel aufgesucht. Abweichungen vom hergebrachten Gottesdienst blieben vereinzelt und beschränkten sich auf den Kreis der Hoffrauen. Wenn Salomo Altäre für seine heidnischen Frauen geduldet hatte (I. S. 362), so brauchte Rehabeam nicht strenger zu sein, sie zu verbieten. Seine Frau Maacha, Tochter oder Enkelin Absalom's30, hatte eine Vorliebe für den unzüchtigen kanaanitischen Kultus, stellte ein Astartenbild [14] in ihrem Palast auf, unterhielt dazu Tempeldirnen und ließ noch etwas Schandbareres (Miphlézet) anfertigen, dessen Bedeutung den Späteren glücklicher Weise abhanden gekommen ist. Rehabeam duldete dieses Alles, aber weit um sich gegriffen hat diese unzüchtige Neuerung nicht. Indeß, wenn auch götzendienerische Verkehrtheit im Reiche Juda nicht Platz gegriffen hat, so war doch der Aufschwung zu einer höheren Gesittung seit Rehabeam's Regierung gehemmt. Es trat eine Mattigkeit ein, als wenn das Volk bereits von Altersschwäche befallen wäre. Fast zwei Jahrhunderte vergingen, ehe sich wieder ein hoher Geistesflug kund gab. Kein Prophet ließ seine weckende und rügende Stimme vernehmen, um der Ermattung Einhalt zu thun. Es werden allerdings einige Propheten aus Juda genannt, Schemaja und Iddo31, aber die Erinnerung weiß nichts von ihren Thaten und Reden zu erzählen. Ruhmlos verging Rehabeam's siebzehnjährige Regierung (977-961) und ruhmlos seine Zeit. Die dreijährige Regierung seines Sohnes Abijam (960-958) war ihr ähnlich. Auch er führte kleine Fehden mit Jerobeam, die keinen Erfolg hatten32. Auch er duldete die götzendienerischen Gräuel seiner Mutter Maacha. Da Abijam, wie es scheint, jung starb und keine Nachkommen hinterließ33, so kam sein Bruder Aßa zur Regierung (957-918). Auch er war noch jung, und die Königin-Mutter Maacha führte Anfangs die Zügel der Regierung34. Es scheint, daß sie ihrem götzendienerischen und unzüchtigen Kultus unter seiner Regierung eine größere Ausdehnung gegeben hat oder geben wollte; es wäre dadurch im Reiche Juda selbst ein Riß ausgebrochen. Aber eine Revolution im Zehnstämmereich verhinderte dieses Unterfangen und führte eine andere Wendung herbei.

Nadab, welcher nach Jerobeam's Tod auf den Thron folgte (um 955-954), unternahm einen Krieg gegen die Philister und belagerte die danitische Stadt Gibbton, welche die Philister an sich [15] gerissen hatten. Im Lager verschwor sich ein Krieger aus dem Stamme Isaschar, Namens Baescha (Baascha) gegen ihn und tödtete ihn. Vom Lager zog er nach der Hauptstadt Thirza und vernichtete das ganze Haus Jerobeam's (954). Der Begründer dieses Hauses war nicht von einem Propheten gesalbt worden, er galt nicht für unverletzlich wie Saul und David, daher scheute sich die Mörderhand nicht, seinem Sohn den Tod zu geben. Baescha eröffnete die Reihe der Königsmörder im Zehnstämmereich, die noch mehr zur Zerrüttung desselben beigetragen haben. Nach der geschehenen Unthat nahm er Besitz von Thron und Reich (954-933). Er behielt Thirza als Hauptstadt des Reiches bei, weil sie mehr in der Mitte lag und bereits befestigt war. Hätte Baescha den Stierkultus abgeschafft, so hätte er vielleicht die Besseren im judäischen Reiche an sich gezogen, da diese wohl über die götzendienerische Neuerung der Maacha aufgebracht waren, die noch schlimmer als jener war, weil sie mit unzüchtigen Ausschweifungen der Tempeldirnen gepaart war. In Jerusalem scheint auch eine solche Befürchtung aufgetaucht zu sein, aber Aßa beeilte sich, die Folgen abzuwenden. Entweder auf eigene Anregung oder von einem Propheten aufgefordert, entriß er der Königin-Mutter die Zügel der Regierung, hob ihren Astartenkultus auf, entfernte die Tempelbuhlerinnen und verbrannte das Schambild, welches Maacha zur Anbetung aufgestellt hatte, im Thale Kidron. Durch diese entschlossene That gewann Aßa die Herzen der Besseren im judäischen Reiche.

Zwischen den beiden Reichen wiederholten sich unter Aßa und Baescha die alten erfolglosen Fehden. Aßa soll einige Städte von Ephraim erobert und seinem Reiche einverleibt haben35. Um vor Juda sicher zu sein, scheint auch Baescha ein Bündniß mit Aegypten geschlossen und dieses aufgestachelt zu haben, seinen Gegner mit Krieg zu überziehen. Ein ägyptischer Feldherr Namens Serach (Osorkon?) zog mit einem zahlreichen Heere von Aethiopiern heran und drang bis Marescha vor (etwa 10 St. südwestlich von Jerusalem). Aßa zog ihm indeß mit dem Heerbann von Juda und Benjamin entgegen, schlug das äthiopische Heer nördlich von Marescha, verfolgte es bis in die Gegend von Gerar und brachte zahlreiche Beute nach Jerusalem (um 943)36. Durch den Sieg gegen das ägyptisch-äthiopische Heer kühner [16] geworden, mag Aßa die Einfälle in das benachbarte Reich Israel thatkräftiger wiederholt haben. Dadurch gerieth Baescha in Angst und, um die Gefahr abzuwenden, bemühte er sich um ein Bündniß mit dem aramäischen König Ben-Hadad von Damaskus, der, bisher ein Bundesgenosse des judäischen Reiches (o. S. 6), kriegerische Angriffe auf dasselbe verhindert hatte. Ben-Hadad, Sohn Tabrimmon's, gab das Bündniß mit Aßa auf und stellte sich auf Baescha's Seite. So im Rücken frei, entwarf dieser einen Eroberungsplan gegen Juda. Zunächst eroberte er Rama, den Geburts-und Aufenthaltsort des Propheten Samuel, das zu Benjamin gehörte, und befestigte es, um von hier aus Einfälle in das benachbarte Gebiet zu machen. Er gedachte die Eroberungen noch weiter fortzusetzen. Dadurch erschreckt, bemühte sich Aßa wieder, das Bündniß mit dem König von Damaskus zu erneuern, schickte Gesandte an ihn und gab ihnen viele Schätze an Silber und Gold aus dem Tempel und seinem Palaste mit. Ben-Hadad ließ sich zur Umstimmung bewegen; es schmeichelte ihm, von beiden Reichen, denen die Aramöer früher tributpflichtig waren, umworben zu werden. Er gedachte von Beider Schwäche Nutzen zu ziehen und ließ ein Heer in den Norden des Reiches Israel einrücken, unterwarf Ijjon, Dan und das benachbarte Abel (Bet Maacha), ferner die Gegend um den Harfensee und das ganze Gebirgsland des Stammes Napthali. Aßa war auf Kosten des Brudervolks gerettet, Baescha mußte seine Eroberungsgelüste und Rama aufgeben. Aßa bot hierauf sämtliche waffenfähige Männer auf, um das Festungswerk von Rama zu zerstören, und mit den Quadersteinen und Bohlen befestigte er zwei judäische Städte, Geba und das hochgelegene Mizpa. Da Baescha bald darauf starb (um 933) und in Thirza bald darauf wieder eine Revolution ausbrach, so hatte Aßa von dieser Seite Ruhe37. Die hoch und günstig gelegene Stadt Mizpa machte Aßa zu einer wichtigen Festung und ließ in den Felsen eine tiefe und geräumige Cisterne anlegen, um bei einer Belagerung Wasservorrath zu haben38.

[17] Im Zehnstämmereich fielen indessen blutige Ereignisse vor, welche eine Wendung in beiden Hälften herbeiführten. Auf Baescha folgte sein Sohn Ela (933-932). Dieser war dem Müßiggang und dem Trunke ergeben. Während seine Krieger mit den Philistern Krieg führten und Gibbton abermals belagerten, brachte er seine Tage bei Gelagen zu. Diesen Umstand benutzte einer seiner Diener, Simri (Zimri), Befehlshaber über die Hälfte der Kriegswagen, welcher in Thirza zurückgeblieben war. Während Ela im Hause seines Palasthauptmanns schwelgte, tödtete ihn Simri (um 932), rottete zugleich das ganze Haus Baescha's aus und verschonte nicht einmal dessen Freunde39. Selbstverständlich setzte er sich auf den Thron; aber seine Regierung war von allzukurzer Dauer, nur eine einzige Woche. Sobald das Heer vor Gibbton von dem Königsmorde in Thirza Kunde erhalten hatte, rief es sofort den israelitischen Feldherrn Omri als König aus. Dieser zog mit dem Heere vor die Residenz; er fand aber die Thore verschlossen, belagerte die Stadt und machte eine Bresche in die Mauer. Sowie Simri merkte, daß er verloren war, mochte er sich nicht der Schande aussetzen, durch eine fremde Hand zu fallen, zündete vielmehr den Palast an und stürzte sich in die Gluth. Es war schon der dritte König von Israel unter fünf, welcher eines unnatürlichen Todes starb. und nur zwei waren in dem Erbbegräbniß der Könige, welches Jerobeam angelegt hatte, beigesetzt worden40. Bald sollte ein vierter König durch Mord fallen.

Omri, ein Kriegsmann, gedachte den leergewordenen Thron sofort einzunehmen, er fand aber Widerstand. Ein Theil der hauptstädtischen Bevölkerung stellte nämlich einen Gegenkönig an Thibni, Sohn Ginat's, auf, der wahrscheinlich ein Eingeborener war. Das Heer dagegen hielt an Omri fest. So bildeten sich zwei Parteien in der israelitischen Hauptstadt, die einander bekriegten und die Straßen von Thirza wohl mit Blut färbten. Ein Bürgerkrieg fehlte noch im Reiche Ephraim, um das Maß voll zu machen. Volle vier Jahre dauerte der Parteikampf (932-928). Endlich siegte die kriegerische Partei, Thibni wurde getödtet und Omri blieb Alleinherrscher (928)41. Er fühlte sich aber [18] unbehaglich in Thirza; der Palast war seit Simri's Tode verbrannt, Zerstörungen mögen auch sonst in dem vierjährigen Bürgerkriege vorgekommen sein. Die besiegte Partei war ihm feindlich gesinnt. Omri sah sich daher nach einer anderen Hauptstadt um. Sichem konnte er nicht dazu auswählen, weil der unruhige und aufrührerische Geist der Bevölkerung ihm keine Sicherheit gewährte; eine andere bedeutende Stadt in der Mitte des Landes gab es nicht. Omri kam daher darauf, eine neue Hauptstadt zu erbauen. Ein abgeplatteter Hügel, wenige Stunden nordwestlich von Sichem, schien ihm dazu geeignet: diesen kaufte er seinem Eigenthümer Schamar ab, errichtete darauf Bauten, einen Palast und andere Häuser, befestigte ihn und nannte ihn Schomron (Samaria). Woher er wohl neue Einwohner genommen haben mag? Vielleicht hat er den ihm anhänglichen Kriegern Wohnungen darin eingeräumt, wie David ehemals in dem neu erbauten Jerusalem. Ein Jahr nach seinem Siege (927) über den Gegenkönig verließ Omri Thirza und bezog die neue Hauptstadt Samaria, die zwei Jahrhunderte eine Nebenbuhlerin Jerusalems wurde und dann nach mehr denn zweihundertjähriger Verödung abermals aufleben und neue Feindseligkeiten gegen Juda und Jerusalem zeigen sollte. Samaria erbte den Haß Sichem's gegen Jerusalem und verzehnfachte ihn. Die neue Stadt gab dem Zehnstämmereich ihren Namen; es wurde später auch das Land Samaria genannt.

Omri, der erste König von Samaria, war nicht ein kräftiger und kriegerischer, aber ein kluger Mann; die Krone, die ihm mehr noch die Gunst der Zeit als die eigene Thatkraft aufgesetzt hatte, befriedigte ihn nicht, er wollte sein Land und sein Volk wieder groß, angesehen und auch reich machen. Konnte die salomonische Zeit nicht für Israel wiederhergestellt werden? Freilich war das Volk in zwei ungleiche Theile gespalten und dadurch geschwächt. Aber mußte denn zwischen beiden Theilen stets der Krieg herrschen und das Schwert verzehren? Könnten sie nicht, durch Stammverwandtschaft und gemeinsame Interessen ohnehin auf einander angewiesen, sich in Frieden vereinigen und zusammengehen? Omri versuchte vor Allem mit dem davidischen [19] Königshause Frieden zu schließen und es ihm nahe zu legen, wie vortheilhaft für beide eine Friedenspolitik wäre, indem sie dadurch die Herrschaft über die ehemaligen Tributländer wieder erlangen könnten42. In der That herrschte eine geraume Zeit hindurch Eintracht zwischen beiden Reichen, und sie unterstützten fortan einander, statt einander zu befehden. Ebenso sehr und vielleicht noch mehr lag es Omri am Herzen, mit Phönicien ein freundnachbarliches Verhältniß zu unterhalten. Von der Fülle, welche die ausgedehnte Schifffahrt und der Handel diesem Lande brachten, sollte auch dem Zehnstämmereich ein Theil zufließen. Auch in Tyrus waren während dieser Zeit königsmörderische Könige auf einander gefolgt, bis endlich Ithobal (Ethbaal)43, ein Priester der Astarte, nach der Ermordung seines Vorgängers Phelles den Thron bestieg. Durch die blutigen Vorgänge in der phönicischen Hauptstadt war das Land geschwächt worden. Vornehme Familien waren zur Auswanderung gezwungen worden und gründeten Kolonien an dem afrikanischen Nordgestade. Das mächtig gewordene Königreich von Damaskus trachtete nach dem Besitze der so ergiebigen phönicischen Küste. Ithobal mußte also daran denken, sich durch Bündnisse zu stärken, und am nächsten lag ihm das Zehnstämmereich. Omri und Ithobal hatten demnach das gleiche Interesse, ein Schutz- und Trutzbündniß mit einander zu schließen. Dieses Beiden erwünschte Bündniß wurde durch eine Verschwägerung besiegelt. Omri's Sohn Achab heirathete Ithobal's Tochter Isebel (Izebel, Jezabel), eine Ehe, welche tragische Ereignisse zur Welt bringen sollte.

Omri, von dieser Seite gestärkt, konnte an kriegerische Unternehmungen denken. Von Moab, das sich wohl unter Jerobeam unabhängig gemacht hatte, entriß er mehrere Städte und machte das Land wieder tributpflichtig44. Es mußte jährlich ganze Heerden von Böcken [20] und Widdern mit Wolle als Tribut liefern. Da aber zwischen Moab und Aram eine Art Bundesverhältniß zur gegenseitigen Hülfeleistung bestand und überhaupt ein Machtzuwachs Israels von Aram mit eifersüchtigen Augen betrachtet wurde, so erklärte der aramäische König von Damaskus, Ben-Hadad I., Omri den Krieg und entriß dem Zehnstämmereich abermals einige Städte. Omri war genöthigt, unter harten Bedingungen Frieden zu schließen und Ben-Hadad zu gestatten, daß ihm Karavanenstraßen durch das israelitische Reich offen gehalten wurden, daß die Züge unangefochten durch das Land gehen durften45.

Desto inniger schloß sich Omri an das tyrische Reich an und verfolgte den Plan, sein Volk zu kanaanisiren. Wozu denn die Absonderung Israels von den Nachbarn? Hat sie ihm Vortheile gebracht? Wäre es nicht klüger und ersprießlicher, wenn das Zehnstämmereich vollständig einen phönicischen oder tyrischen Charakter annähme? In Sprache und Sitte mit einan der verwandt, könnten die beiden Völkerschaften nicht noch enger mit einander verschmolzen werden, wenn die phönicische Religionsform auch in Israel heimisch würde? Diese Verschmelzung bahnte Omri an. Er führte den Kultus des Baal und der Astarte als officielle Gottesverehrung ein, baute einen Tempel des Baal in seiner Hauptstadt Samaria, berief Priester dazu und befahl, daß überall dem Baal und der Astarte geopfert werde46. Der Stierkultus in Bethel und Dan sollte schwinden, er schien noch immer zu israelitisch und bildete eine Scheidewand zwischen den Phöniciern und Israeliten. Ob Ihwh mit oder ohne sichtbares Bild verehrt wird, er bildete immer noch einen Gegensatz gegen den tyrischen Baal oder Adonis, und diesen Gegensatz wollte Omri aufheben, nicht aus besonderer Vorliebe für den Baalkultus, sondern aus politischer Berechnung, um Israel zu einem phönicischen Volke umzubilden und ihm dadurch die Vortheile des Bundeslandes zuzuwenden. In der That wurde Israel durch Omri wieder Gold und Silber in Fülle zugewendet. Sein Sohn durfte sich den Luxus erlauben, sich einen Palast mit Elfenbein auslegen zu lassen47, was nicht einmal Salomo bei aller seiner Prachtliebe haben konnte, der sich mit einem Thron aus Elfenbein begnügen mußte.

Omri's Neuerung hatte eine viel größere Tragweite als die Jerobeam's, oder in der Sprache der Quelle, er handelte noch viel frevelhafter als seine Vorgänger48. Jerobenm gab noch das Stierbild [21] als Gott Israel's aus; Omri dagegen wollte dem Volke seinen Gott und seinen Ursprung rauben oder es vergessen machen, daß es ein besonderes, den Götzendienern entgegengesetztes Volksthum bilden sollte. Wie diese Neuerung aufgenommen wurde, haben die Geschichtsquellen nicht angedeutet. Da Omri sechs Jahre nach der Erbauung Samaria's starb (um 922), so konnte seine Umkehrung aller bisherigen Gewohnheiten und Anschauungen nicht tief eingreifen. Erst sein Sohn Achab (922-901) sollte sein Werk fortsetzen, als hätte es ihm sein Vater als Vermächtniß eingeschärft. Selbstverständlich unterhielt auch er die innige Verbindung mit Tyrus und mit dem Könige von Juda.

Aber die Vollstreckung eines solchen Vermächtnisses gewaltsamer Eingriffe in das Innerste der Menschen hängt auch beim besten Willen des Nachfolgers von den Umständen oder von einer Fügung, welche der klügste Kopf nicht berechnen kann, ab. Zweierlei Hindernisse traten der Kanaanisirung des Zehnstämmereiches entgegen; das eine lag in Achab's Temperament, und das andere trat aus einem unerwarteten Gegenstoß auf, welcher den gewaltsamen Stoß geschwächt, wenn nicht ganz gelähmt hat. Um die Umwandlung des Volkes in ein Anhängsel von Phönicien und dessen Entfremdung von sich selbst, von seiner Vergangenheit und von seinen Erinnerungen durchzuführen, hätte Omri's Nachfolger starken Geistes, unbeugsamen Willens und rücksichtsloser Härte sein müssen, um jeden Widerstand mit starker Hand zu brechen. Achab war aber fast das Entgegengesetzte, schwach, milde, Ruhe und Gemächlichkeit liebend, eher geneigt, Störungen und Hindernissen aus dem Wege zu gehen, als sie aufzusuchen und zu beseitigen. Wäre es auf ihn allein angekommen, so hätte er das System seines Vaters fallen lassen und sich begnügt, unbekümmert um die Zukunft, die Genüsse, welche die Königsmacht ihm darbot, auszukosten. Achab war nicht einmal kriegerisch; von Seiten benachbarter Könige ließ er sich Zumuthungen gefallen, die einen auch nur halbwegs ehrenfesten König in Aufwallung gebracht und zu verzweifeltem Widerstande gereizt hätten. Allein wie er den Krieg gegen einen übermüthigen Nachbar gegen seinen Willen und seine Neigung unternehmen mußte, so war er auch gezwungen, den Kampf gegen das israelitische Volksthum aufzunehmen. Sein Vater hatte ihm eine Gemahlin zugeführt, die im Gegensatze zu ihm einen starken, männlichen Willen hatte und mit aller Strenge und Grausamkeit ihn durchzusetzen suchte. Isebel (Izebel), die phönicische Königstochter, deren Vater, ehe er König war, bei dem Astartenkultus das Priesteramt verrichtete, war von Eifer erfüllt, die Kanaani sirung des Volkes Israel durchzuführen, sei es aus verkehrter Vorstellung und Anhänglichkeit an die Religionsform [22] ihres Geburtslandes oder aus politischer Berechnung, um das israelitische Volk mit ihrem Geburtslande innig zu verschmelzen, Tyrier und Israeliten zu einem einzigen Volke zu machen. Sie unternahm das von Omri begonnene Werk mit Thatkraft und Rücksichtslosigkeit und riß ihren willensschwachen Gatten zu allen Gewaltsamkeiten und Frevelthaten fort49. Sie führte das Scepter, und Achab war nur ein Werkzeug in ihrer Hand50. Durch Isebel's finsteren, trotzigen Sinn und ihre vor nichts zurückschreckende Thatkraft entstand eine Gährung und Bewegung im Zehnstämmereich, welche zu blutigen Auftritten führte, aber auch wie ein zerstörendes Unwetter eine Luftreinigung zur Folge hatte. Zunächst ließ Isebel in der Hauptstadt Samaria einen großen Baaltempel errichten51. Zu einem solchen Tempel gehörten drei Altäre, Bilder und Spitzsäulen, welche einer Art göttlicher Dreieinigkeit geweiht waren: dem Baal, seiner Ehehälfte Astarte und dem Gott der Gluth oder Zerstörung (Moloch, Chammon)52. Für diesen Kultus zog Isebel einen Schwarm von Priestern und Propheten für die beiden Hauptgötzen in das Land, 450 für den Baal- und 400 für den Astarte-Dienst, welche auf Kosten des Königshauses unterhalten und zur Tafel der Königin zugezogen wurden53. Diese versahen zum Theil das Opferwesen in Samaria und zum Theil durchstreiften sie wie rasend das Land, um in Städten und Dörfern ihr Unwesen zu treiben. Die phönicischen Priester oder Propheten zogen nämlich Frauengewänder an, bemalten Gesicht und Augen nach Weiberart, hatten die Arme bis zur Schulter entblößt, trugen Schwerter und Beile, auch eine Geißel, Klappern, Pfeifen, rauschende Cymbeln und Pauken. Unter Tanz und Geheul drehten sie sich im Kreise, senkten abwechselnd das Haupt zur Erde und schleiften das Haar im Straßenkoth. Dann zerbissen sie sich die Arme und schnitten sich in den Leib mit den Schwertern und Messern, bis Blut herausfloß, das sie der blutdürstigen Göttin opferten. In der Raserei pflegten sich einige derselben zu entmannen und einen scheußlichen Aufzug zu machen54. Tempeldirnen (Kedeschôt), welche ihr Schandgewerbe zu Ehren der Astarte und zum Gewinn der Priester trieben, haben gewiß auch nicht gefehlt55. Mit dieser Schaar von [23] Baalspriestern und Astartenrasenden glaubte Isebel das israelitische Volk des Gottes seiner Väter zu entwöhnen und dessen völlige nationale Umwandlung durchführen zu können. An der Spitze der phönicischen Priesterschaft stand wohl ein Oberpriester, welcher derselben Weisungen und Befehle ertheilte, wie sie zu Werke gehen sollte56. Zunächst wurden die dem Gott Israels geweihten Altäre zerstört57 und dafür wohl andere in kanaanitischer Form aufgerichtet, mit Spitzsäulen, welche eine schandbare Bedeutung hatten (phallische Form). Wahrscheinlich wurden auch die Altäre in Bethel und Dan auf dieselbe Weise umgewandelt. Das opferbedürftige Volk sollte aus Mangel an eigenen Altären die Opfer auf den Stätten des Baal und der Astarte darzubringen gezwungen werden und sich an diesen Kultus gewöhnen.

Wie leicht ist es nicht, ein Volk, wenn die Machthaber mit List und Gewalt darauf ausgehen, zum Aufgeben seiner Gewohnheiten und Eigenthümlichkeiten und zur Annahme des Fremden zu bewegen? Ohnehin waren die Israeliten im Zehnstämmereich durch die schon ein halbes Jahrhundert dauernde Entfernung von dem geistig anregenden Mittelpunkt in Jerusalem und durch die Gewöhnung an den Stierkultus verdummt und an ihren eigenen Erinnerungen irre geworden. Die Städte waren durch den Wohlstand bereits an Verfeinerung, Verweichlichung und Hang zur Sinnlichkeit entartet, und diesem Hange schmeichelte der unzüchtige Baal- und Astartenkultus nur zu sehr. Die Städter haben sich ohne Zweifel größtentheils dem neuen Kultus gefügt oder ihm wenig Widerstand entgegengesetzt. Unter diesen drang die Umwandlung und die Entsittlichung durch. Nur etwa sieben Tausend blieben fest, knieeten nicht vor dem Baal und huldigten ihm nicht mit Küssen58. Ein Theil des Volkes, darunter die Dörfler, schwankte indeß in seinen Vorstellungen und Handlungen hin und her, wußte nicht, ob Ihwh ein mächtigerer Gott sei oder Baal59, verehrte diesen öffentlich und jenen heimlich. Es war eine Zeit der Spannung und Verwirrung, wie sie einer geschichtlichen Neugestaltung voranzugehen pflegt. Es mußte sich zeigen, ob die uralte Ueberzeugung von dem Gott Israels und den Anforderungen der Heiligkeit tief genug gewurzelt war, Lebensfähigkeit und Kraft genug besaß, den Gegensatz zu überwinden und das Fremde auszuscheiden. In einer solchen Zeit pflegt eine kräftige Persönlichkeit, in der die bessere Ueberzeugung lebendig geworden und die von ihr ganz beherrscht ist den Ausschlag zu geben, [24] durch ihre Festigkeit, ihre Gluth und ihren Opfermuth die Schwankenden hinzureißen, die Schwachen zu kräftigen, die Trägen aufzustacheln und solchergestalt eine Schaar von Vertheidigern um die von der Entfremdung bedrohte Eigenart zu sammeln und sie zu retten. Wird eine solche Persönlichkeit gerade durch den feindlichen Gegensatz erweckt und zur Thatkraft angespornt, so wirkt sie wie eine strotzende Triebkraft und bringt eine Neugestaltung, gemischt aus alten und neuen Elementen, hervor. Eine solche Persönlichkeit trat damals während der Spannung in dem Propheten Eliahu auf (um 920-90060).

Woher stammte dieser thatkräftige, hinreißend wirkende Prophet? In welchem Stamme stand seine Wiege? Wer war sein Vater? Man weiß das Alles nicht. Er wird nur schlechthin Eliahu (gekürzt Elia) der Thisbite genannt; in Gilead, jenseits des Jordans, war er nicht heimisch, sondern gehörte zu den nur halbberechtigten Einsassen (Toschabim) dieses Landes61. Er war eine stürmische Natur, die keinerlei Rücksicht kannte, ihr Leben für die eigene Ueberzeugung ohne Bedenken einzusetzen bereit war. Er galt den Späteren als die Verkörperung des religiösen und sittlichen Eifers (Kanná)62. Im Sturme trat er auf, wie ein Sturm brauste er an den schwachen, von seinem Weibe gegängelten König Achab heran, donnerte ihm ein betäubendes Wort zu, wie der Sturm brauste er wieder davon und konnte niemals festgehalten werden63; und im Sturme verschwand er plötzlich vom Schauplatz. Eliahu war einzig und allein von dem Gedanken beseelt, das Andenken an den Gott Israels, das aus den Gemüthern des Volkes zu schwinden drohte, zu retten; ihm weihte er sich, in seinen Dienst stellte er sich64.

Aeußerlich machte sich Eliahu durch seine Tracht kenntlich. Im Gegensatz zu dem weibischen, üppigen und sonderbaren Wesen der Baal- und Astartenpropheten trug er um das Unterkleid einen Gürtel von Leder, über dasselbe einen schwarzen, härenen Mantel (Sak) und ließ [25] das Haupthaar lang wachsen65. Im Gegensatz zu dem üppigen Leben der Baalsverehrer enthielt er sich des Weines und führte das Nasiräerwesen ein, welches eben darin bestand, keinen Wein zu trinken66 und das Kopfhaar nicht abzuscheeren67. In dieser Tracht und mit dieser Lebensweise trat er wahrscheinlich zuerst in Gilead auf und verkündete den einen Gedanken, der viel umfaßt: Ihwh allein ist Gott. Hier, wo der Jordan den Schwärmen der Baalspropheten Hindernisse entgegenstellte und die Furcht vor Achab und Isebel nicht die Gemüther lähmte, fanden sich noch treue Anhänger des Gottes Israels. Unter diesen fand Eliahu wohl zuerst Zuhörer und Jünger, die er mit seinem stürmischen Wesen zur Mitthätigkeit fortriß. Ehe man sich's versah, war eine Schaar Propheten oder Prophetenjünger (Bene-Nebiim) da, welche ihr Leben für die Erhaltung des Ureigenen hinzugeben bereit waren68. Auch diese nahmen Eliahu's Lebensweise an und wurden Nasiräer69. Die Losung in diesem neugebildeten Kreise war, eine einfache Lebensweise zu führen, nicht in Städten zu wohnen, wo Ueppigkeit und Weichlichkeit herrschten, sondern in Zeltdörfern, keinen Wein zu trinken, noch Weinberge zu pflegen, überhaupt den Ackerbau zu meiden, sondern wie die Erzväter und die Stämme in der Jugendzeit von Viehzucht zu leben. Jonadab, Sohn Rechab's, der ohne Zweifel zu Elia hu's Anhängern zählte, hat zuerst für sich und sein Haus diese Lebensregel festgestellt. Er schärfte es seinen Nachkommen als Vermächtniß ein, sich stets des Weines zu enthalten, kein festes Haus zu bauen, keine Saat zu bestellen und besonders niemals einen Weinberg anzupflanzen70. Eliahu hat nicht blos für den Augenblick eine Schaar Vertheidiger der ureigenen Lehre erweckt und entflammt, sondern auch für die Zukunft eine neue Richtung angebahnt. Er hat der Weichlichkeit und der Genußsucht die Einfachheit und Enthaltsamkeit entgegengesetzt.

Mit der Schaar von Propheten oder Prophetenjüngern begann er in seinem Eifer für Ihwh den Baalspriestern und Propheten entgegenzuwirken, [26] flog wahrscheinlich von Stadt zu Stadt, rief die Bevölkerung zusammen und riß sie durch seine stürmische Beredtsamkeit hin, deren Spitze war: »Ihwh allein ist Gott, und Baal und Astarte sind stumme, todte Götzen.« Er mag auch manche Gewaltthätigkeiten an den Baalspriestern begangen haben, mit denen er zusammenstieß. Lange konnte Isebel das Treiben des eifervollen Thisbiten nicht ruhig mit ansehen; es durchkreuzte ihre Pläne. Sie sandte wohl ihre Trabanten gegen Eliahu's Schaar aus, und diejenigen, welche in deren Hände fielen, wurden schonungslos getödtet. Es waren die ersten Märtyrer, welche für die altisraelitische Lehre fielen. Isebel, die Tochter des Astarteprie sters Ethbaal, war die erste Religionsverfolgerin71. Eliahu selbst indeß, auf den es Isebel ganz besonders abgesehen hatte, konnte nie erreicht werden; er entschwand stets den Händen der Häscher. Schon hatte sein Eifer eine bedeutende Wirkung hervorgebracht, Achab's Palast-Aufseher Obadiahu war heimlich der alten Lehre zugethan. Er, der vielleicht Auftrag hatte, die Prophetenjünger zu verfolgen, wußte hundert derselben in zwei Grotten, wahrscheinlich im Gebirge Karmel, je fünfzig in einer, zu verbergen und sie mit Brod und Wasser zu versorgen72. Obadiahu stand wohl nicht allein, sondern hatte Gesinnungsgenossen, die seine heimlichen Aufträge ausführten. Eliahu war dadurch eine Macht geworden, die nicht so leicht zu brechen war. Wie konnte Isebel gegen einen unsichtbaren Feind ankämpfen, der in ihrem eigenen Hause Helfer fand?

Eines Tages machte sich Eliahu, obwohl er seiner Anhänger beraubt war, in Achab's Nähe, um ihn selbst, dessen schwacher, lenksamer Charakter bekannt war, ob der von ihm geduldeten Unthaten zu erschrecken. Achab hatte eine Vorliebe für Bauten und Befestigung von Städten73. Auf seine Veranlassung wurde Jericho, das seit dem Einzuge der Israeliten seiner Mauern beraubt war, von Chiel aus Bethel befestigt74. Es gehörte eigentlich zum Stamm Benjamin75, wurde aber in den Kriegen zwischen dem Zehnstämmereich und dem Reiche Juda diesem entrissen und zu Ephraim geschlagen. Achab legte auch eine neue Residenz in der schönen Ebene Jesreel an, um in derselben die rauhen Wintermonate zuzubringen; Samaria diente nur als Sommerresidenz76. Diese neue Stadt Jesreel, welche Schauplatz [27] tragischer Auftritte werden sollte, wurde mit vieler Pracht erbaut. Das Königspaar ließ sich einen Palast aus Elfenbein darin errichten77. Achab brauchte aber in Jesreel viel Raum für Gartenanlagen und hatte ein Gelüste nach einem schönen Weinberge nahe bei seinem Palast, welcher Naboth, einem der angesehensten Bürger von Jesreel, gehörte. Dem Besitzer bot Achab Ersatz dafür in Tausch oder Geld an, aber jener mochte das Erbe seiner Väter nicht veräußern. Mißmuthig darüber, daß er seinen Palast nicht mit großen Gartenanlagen umgeben konnte, mochte Achab nicht einmal Speise zu sich nehmen. In dieser Verstimmung fand ihn Isebel, spottete über seinen kindischen Mißmuth und seine feige Rathlosigkeit: »Du wirst so jetzt die Herrschaft über Israel behaupten!«78 Sie versprach ihm indeß, ihn bald in den Besitz des gewünschten Weinbergs zu setzen. Im Namen des Königs richtete sie Briefe an diejenigen Aeltesten von Jesreel, deren sklavischer Ergebenheit sie sicher war, eine Gerichtsversammlung zusammen zu berufen und zwei Zeugen aufzustellen, welche Naboth beschuldigen sollten, er habe die Götter und den König geschmäht. Die feigen oder feilen Aeltesten überwanden das Bedenken, einen Unschuldigen auf den Tod anklagen zu lassen. Als nun die Gerichtsversammlung an einem der Thore Jesreel's zusammen gekommen war, und Naboth als der Aelteste an der Spitze derselben saß, traten zwei verworfene Menschen auf und sagten als Zeugen aus, sie hätten vernommen, wie Naboth die Götter und den König gelästert habe. Gegen die Zeugenaussagen verschlug die Unschuldsbetheuerung des Angeklagten nichts. Er wurde von den Aeltesten zum Tode verurtheilt, und das [28] Todesurtheil wurde sofort vollstreckt, nicht bloß an ihm, sondern auch an seinen Söhnen79. Die Güter eines Hingerichteten verfielen dem König. Triumphirend sagte hierauf Isebel zu ihrem Gatten: »Jetzt kannst du Naboth's Weinberg in Besitz nehmen, denn er ist todt.«80 Sobald Eliahu von dieser empörenden Unthat vernommen hatte, hielt es ihn nicht länger. Er begab sich nach Jesreel und traf den König gerade, wie er sich Naboth's Weinberg ansah; hinter ihm ritten zwei Männer, von denen einer später Naboth's Rächer werden sollte. Donnernd rief der Prophet dem Könige zu: »Hast du gemordet und ergreifst jetzt Besitz? Das unschuldig vergossene Blut Naboth's und seiner Söhne hat Gott gestern gesehen, auf diesem Felde sollst du die Strafe dafür erleiden81.« Diese Drohung machte einen betäubenden Eindruck auf den nicht gemüthverhärteten Achab, er ging in sich und kasteiete sich demüthig. Aber zu einer Sinnesänderung ließ es die ruchlose Isebel nicht kommen; sie beherrschte den schwachen Mann vollständig.

Eliahu, welcher ebenso plötzlich wieder verschwand, näherte sich Achab zum zweiten Male, um ihm zu verkünden, daß einige Jahre Hungersnoth im ganzen Lande sein werde; dann entfernte er sich wieder, hielt sich in der Nähe des Jordans, dann in der phönieischen Stadt Sarepta (Zarphat) bei einer Witwe auf, dann weilte er in einer Höhle des Berges Karmel. Inzwischen wüthete die Hungersnoth im Lande, und es gab nicht einmal Futter für die Rosse und Maulthiere des Königs82. In dieser Noth schickte Achab Boten über Boten überall hin, auch in die Nachbarländer, den finsteren Propheten aufzusuchen, um sich mit ihm abzufinden83; sein Aufenthaltsort blieb aber unbekannt. Eines Tages zeigte sich Eliahu dem Palasthauptmann Obadiahu und rief ihm kurz die Worte zu: »Geh', sage deinem Herrn: Eliahu ist da.« Bei seinem Anblick bemerkte Achab: »Bist du es, du Unterwühler Israels?« Darauf entgegnete ihm der Prophet: »Nicht ich habe Israel unterwühlt, sondern du und deines Vaters Haus, indem [29] ihr dem Baal anhänget.« Als wäre er derjenige, welcher Befehle zu ertheilen hätte, bedeutete er dem König, die Baalspriester zum Berge Karmel zusammen kommen zu lassen, dort solle offenkundig werden, wer ein echter und wer ein falscher Prophet sei.

Der Vorgang auf dem Berge Karmel, wo der Streit ausgetragen wurde, muß von außerordentlicher Wirkung gewesen sein; die Nachricht darüber ist aber nur verschleiert überliefert worden. Achab bestellte sämmtliche Baalspropheten zum Berge, auch er kam dahin, und viel Volk fand sich ein, gespannt darauf, wie die Zwistigkeit zwischen dem Propheten und dem König ausfallen, und ob dadurch die anhaltende Regenlosigkeit aufhören würde. In der Grotte des Karmel waren wahrscheinlich die hundert Propheten verborgen, welche Obadjahu gerettet und verpflegt hatte. Auch sie fanden sich wohl zur Entscheidung ein. Eliahu, welcher die Versammlung beherrschte, sprach zu den Anwesenden: »Wie lange wollt ihr noch wie Vögel von einem Zweige auf den andern hin und her hüpfen84? Ist Ihwh Gott, so hängt ihm an; ist Baal ein Gott, so bleibt bei ihm.« Darauf befahl er den Baalspropheten, einen Altar zu errichten, zu opfern und ihren Gott anzurufen, daß er ein Wunder thun möge. Sie thaten es auch auf ihre Weise, verwundeten sich mit Messern und Schwertern, bis das Blut ihren Leib bedeckte und riefen von Morgen bis Mittag: »O, Baal, erhöre uns!« Aber es rührte sich nichts. Eliahu ermunterte sie mit beißender Ironie, welche ein Grundzug der prophetischen Beredtsamkeit wurde, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, um dem Baal ein Lebenszeichen zu entlocken. »Rufet ihn lauter an, vielleicht hat er eine Unterredung, eine Zerstreuung oder ist auf Reisen, vielleicht schläft er, daß er erwache!« Als die Baalspriester mit Beschämung von ihrem Thun abstanden, errichtete Eliahu einen Altar mit zwölf Steinen, opferte ebenfalls darauf und betete leise: »Erhöre mich, Gott Abraham's, Isaak's und Israel's, damit das Volk erkenne, daß du Gott bist, daß ich in deinem Auftrage gehandelt habe und daß du ihren Sinn gewendet hast.« Darauf erfolgte ein Zeichen so plötzlich, daß die anwesende Versammlung, auf ihr Gesicht niederfallend, ausrief: »Ihwh allein ist Gott!« Ein plötzlicher Blitzschlag, wird erzählt, verzehrte das Opfer und Alles, was auf und an dem Altar war, und verzehrte selbst das Wasser. Eliahu nahm dann Wiedervergeltung [30] an den Baalspriestern; er befahl dem Volke, sie zu ergreifen, zu tödten und ihre Leichen in den vorüberfließenden Kischon zu werfen. Der anwesende Achab, betäubt von den Vorgängen, ließ es geschehen.

Nicht so gleichgültig nahm die blutdürstige Isebel die Sache. Sobald sie Kunde davon hatte, bedrohte sie Eliahu, ihm, falls sie seiner habhaft werden sollte, dasselbe Geschick zu bereiten. In Folge dessen mußte er auf seine Rettung bedacht sein, entfloh nach dem Reiche Juda, scheint aber dort unter dem Könige Josaphat wegen dessen Bündnisses mit Achab keinen Schutz gefunden zu haben, eilte immer weiter über Beerseba hinaus und war so verzweifelt, daß er den Tod herbeiwünschte. Durch ein Traumgesicht gestärkt, worin er die Weisung erhielt, weiter in die Wüste bis zum Berge Horeb zu wandern, begab er sich dahin. An der Stätte, wo die reine und einfache Lehre von Gott und den Gesetzen der sittlichen Ordnung geoffenbart worden, sollte er erfahren, daß er in seinem Eifer für diese Lehre zu weit gegangen war. Als er hier in einer Grotte des Sinai in schauerlicher Einsamkeit, wo ihm nur das eigene Wort wiedertönte, sich in Klagen ergoß: »Ich habe für Ihwh geeifert, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten vertilgt haben; und ich bin allein übrig geblieben, und auch nach meinem Leben trachten sie,« erhielt er eine Antwort durch Zeichen, »daß Gott nicht im Sturm spreche und nicht im Erdbeben und nicht in Feuersgluth, sondern in einem sanften Säuseln.« Ihm wurde bedeutet auf seinem Wege umzukehren, einen Nachfolger zu bestellen und vom Schauplatze abzutreten. Sein rücksichtsloser Eifer, der sich bis zum Blutvergießen gesteigert hatte, wurde am Horeb getadelt85.

Während Eliahu's längerer Abwesenheit scheint eine Art Waffenstillstand zwischen dem Omri'schen Königshause und den Anhängern des Thisbiten eingetreten zu sein. Achab, der Zeuge der Vorgänge am Karmel gewesen, war wohl in seinem Vertrauen zum Baal lauer geworden und hat der Verfolgung der Ihwh-Propheten, so weit es in seiner Macht stand, Einhalt gethan. Diese selbst scheinen in ihrem Eifer nachgelassen zu haben. Es bildeten sich Kreise von Prophetenjüngern in Gilgal, wo schon unter Samuel ein Prophetenorden war (I, S. 153), ferner in Jericho und selbst in Bethel86, und sie wurden nicht verfolgt. Nur ein einziger dieser Propheten oder Prophetenjünger blieb unfreundlich gegen Achab, Michajhu (Micha), [31] Sohn Jimla's. So oft Achab sich in eine Unternehmung einlassen wollte und Micha zuzog, um durch dessen Mund die Zukunft zu erfahren, prophezeite dieser ihm Unglück. Aber Achab ließ ihn doch am Leben und begnügte sich, ihn in Gewahrsam zu bringen87. Unglück hatte der König des Zehnstämmereiches genug, das ihn hätte warnen können, von seinen verkehrten Wegen abzugehen. Der König von Aram, Ben-Hadad II. wurde immer mächtiger, anspruchsvoller und eroberungssüchtiger. Er besaß nicht nur Reiterei und Streitwagen, sondern auch zweiunddreißig Könige in seiner Gefolgschaft, die er wohl durch Kriege bezwungen und zu Vasallen gemacht hatte88. Mit diesen Bundesgenossen oder Vasallen vereint, überzog er Achab mit Krieg, wahr scheinlich die Schwäche benutzend, welche durch die Hungersnoth und die Zerrüttung im Innern entstanden war. Ben-Hadad unterwarf ganze Strecken des Zehnstämmereiches und belagerte zuletzt Samaria (um 904)89. In der Bedrängniß bat Achab um Frieden, aber Ben-Hadad stellte harte, schmähliche Bedingungen; nicht bloß alles Gold und Silber, sondern auch seine Weiber und Kinder sollte ihm der König von Israel ausliefern. Dieser war in seiner Mattherzigkeit beinahe bereit, auch um diesen Preis den Frieden zu erkaufen, allein die Aeltesten, die er zu Rathe gezogen, und alles Volk riethen, lieber auf Leben und Tod den Krieg fortzusetzen. Achab hatte aber nur eine geringe Schaar dem zahlreichen Heere des Feindes entgegenzustellen. Diese machte einen Ausfall, und da Ben-Hadad und seine Vasallenkönige, des Sieges gewiß, sich dem Weinrausche überlassen hatten, wurde das aramäische Heer von den Israeliten geschlagen und in die Flucht gejagt. Ben-Hadad selbst entkam nur durch rasche Flucht. Erzählt wird, ein Prophet habe Achab in der Bedrängniß diesen unerwarteten Sieg verheißen und ihm noch dazu bedeutet, für das nächste Jahr sich schlagfertig zu machen, da der König von Damaskus in dieser Zeit den Krieg erneuern würde. In der That machte Ben-Hadad abermals einen Einfall und drang bis in die Ebene Jesreel bis Aphek vor. Achab hatte aber vorher gerüstet, den ganzen Heerbann aufgeboten und zog dem Feinde entgegen. Achab's Heer siegte abermals und schlug den Feind so sehr auf's Haupt, daß Ben-Hadad nicht einmal entfliehen konnte, sondern sich in Aphek verbergen mußte. Nun kam die Reihe an ihn, um Frieden zu bitten. Seine Diener machten ihm Hoffnung, daß Achab der erlittenen Unbill [32] nicht eingedenk sein werde, da die Könige von Israel milde und versöhnlich seien90. Im Traueraufzug, grobes Zeug um die Lenden und Stricke um den Hals, begaben sich Ben-Hadad's Getreue zu Achab, stellten sich als Gefangene und baten um das Leben ihres Königs. Achab fühlte sich geschmeichelt, seinen mächtigen Feind gedemüthigt um Schonung seines Lebens bittend zu sehen und versprach ihnen, Ben-Hadad am Leben zu lassen91. Ohne zu zögern, zogen sie Ben-Hadad aus dem Versteck, und Achab ließ ihn neben sich auf den Wagen setzen. So unerwartet begnadigt, war der aramäische König freigebig mit Versprechungen. Er wollte Achab sämmtliche Städte wieder herausgeben, welche sein Vater Ben-Hadad I. dem israelitischen Reiche entzogen und seinem Lande einverleibt hatte, und ihm noch dazu gestatten, Handelswege im Gebiet von Damaskus zu unterhalten und zu beschützen, wie sie Omri im Reiche Israel hatte bewilligen müssen. Die Feinde von gestern wurden gute Freunde, schlossen ein Bündniß, beschworen es wohl auch hoch und theuer, um es morgen gelegentlich zu brechen92. Diesen ziemlich leichtsinnigen Friedensschluß hat ein Prophet mit Recht getadelt und Achab prophezeit, daß er dadurch Gefahren auf sich herabziehen werde93.

Ben-Hadad, glücklich entkommen, war in der That nicht gewillt, die Friedensbedingungen und Versprechungen voll zu erfüllen. Er gab zwar die eroberten Städte des Gebirges Naphtali heraus, aber die jenseitigen Städte, namentlich das wichtige Ramot-Gilead, den Stützpunkt für das Gebiet, mochte er nicht herausgeben, und Achab war träge genug, ihre Herausgabe nicht nachdrücklich zu fordern94. Je länger er damit zögerte, desto schwerer wurde es ihm, darauf zu bestehen, weil sich Ben-Hadad inzwischen verstärkt hatte. Auf sich allein [33] und sein Heer angewiesen, hätte es Achab vielleicht gar nicht unternehmen können, Ramot-Gilead durch Waffengewalt erzwingen zu wollen. Da kam ihm der Besuch des Königs Josaphat von Juda (918 bis 895) zu Statten, mit dem er eine enge Bundesgenossenschaft hatte. Mit ihm vereint, wagte er es, kriegerisch gegen Ben-Hadad vorzugehen. Es war in der That etwas Ueberraschendes, daß die Vertreter der beiden einander feindlichen Reiche einander so nahe gerückt waren, daß der Eine dem Andern in dessen Hauptstadt einen Besuch machte. Es war um so auffallender, als Josaphat den götzendienerischen Unfug Achab's und Isebel's verabscheuen mußte. Denn in seinem Lande war er beflissen, die Reinheit des Kultus zu erhalten und von fremden Einflüssen zu säubern. Den Rest der Astartenbuhlerinnen, der noch von seiner Großmutter Maacha geblieben war, verjagte er aus dem Lande95. Wenn Josaphat auch nicht ein so eifriger Verfechter der alten Lehre war, wie die spätere Zeit sich ihn dachte96, so mußte ihn doch die gewaltsame Einführung des Baal-und Astartenkultus in Samaria und die blutige Verfolgung der Propheten empören. Nichts desto weniger unterhielt er ein inniges Freundschaftsverhältniß mit dem Hause Omri und trug kein Bedenken, Achab's Tochter Athalia seinem Sohne Jehoram als Frau zuzuführen und sich solchergestalt mit dem götzendienerischen Hause zu verschwägern97. Politische Gründe haben wahrscheinlich dabei den Ausschlag gegeben. Denn Josaphat war eben so wenig kriegerisch wie Achab und mochte sich durch Anlehnung an das stärkere Zehnstämmereich besser gegen feindliche Angriffe haben schützen wollen. Zwar scheint Idumäa wieder in Abhängigkeit von Juda gekommen und von einem Landvogt (Nizzab) beherrscht worden zu sein98. Es ist aber nicht erzählt, daß Josaphat die Obmacht über dieses Land durch Waffen erlangt hat. Auch sonst war er vom Glück nicht besonders begünstigt. Im Besitz von Idumäa nahm er zwar von dem Hafenplatz Eziongeber aus die Schifffahrt nach[34] Ophir, welche seit dem Tode Salomo's durch die eingetretene Schwächung eingegangen war, wieder auf. Er ließ wieder auf der Rhede eine Flotte von großen Schiffen bauen; allein ein Sturm zertrümmerte die Schiffe, und Josaphat unterließ diese kühne Unternehmung, als wenn die Gottheit sie durch den Sturm mißbilligt hätte.

Josaphat hatte wahrscheinlich den auffallenden Schritt gethan, einen Besuch in Samaria zu machen, um durch ein engeres Bündniß mit Achab sich zu stärken, und dieser benutzte die Gelegenheit, seinen königlichen Gast zu ersuchen, ihn gegen Ben-Hadad zu unterstützen. »Willst du mit mir gegen Ramot-Gilead ziehen?« fragte Achab, und Josaphat stellte sich, sein Volk und seine Reiterei ihm zur Verfügung. Allein er wollte durch den Ausspruch eines Ihwh-Propheten gesichert sein, daß der Krieg einen günstigen Ausgang haben werde, und überredete Achab, einen solchen zu befragen. Zu einem Baalspropheten hatte Josaphat kein Vertrauen. Aus Gefälligkeit gegen seinen Bundesgenossen ging Achab darauf ein und ertheilte den Prophetenjüngern von Gilgal, Bethel und Jericho die Erlaubniß, nach Samaria zu kommen und frei sprechen zu dürsen. Vierhundert derselben sollen sich eingefunden haben und sämmtlich auf Achab's Befragen: »Sollen wir nach Ramot-Gilead ziehen oder es unterlassen?« wie aus einem Munde geantwortet haben: »Ziehe hinauf, und Ihwh wird es in die Hand des Königs überliefern.« Einer derselben, Zidkija, Sohn des Khenaana, setzte sich zum Vorzeichen Hörner von Eisen auf und gab die Deutung dazu: »Mit solchen Hörnern wirst du die Aramäer bis zur Vernichtung stoßen.« Indessen scheint Josaphat in dieser Einstimmigkeit die Aufrichtigkeit vermißt zu haben und gab zu verstehen, daß er den Ausspruch jenes Propheten Michajhu hören möchte, den Achab in Gewahrsam hielt (o. S. 32). Widerwillig ging dieser auch darauf ein und befahl einem Eunuchen, den überwachten Propheten vor den Sitz der beiden Könige zu führen. Befragt, antwortete Micha erst scheinbar wie die übrigen Prophetenjünger: »Zieh' hinauf und sei glücklich, und Ihwh mag Ramot-Gilead in die Hand des Königs geben.« Achab muß aber an dem Tone erkannt haben, daß der Spruch nicht aus der Tiefe der Seele gekommen war, und beschwor ihn, die reine Wahrheit im Namen Ihwh's zu sprechen. Da wurde Micha von der prophetischen Gewalt übermannt und sprudelte, sich selbst vergessend, heraus: »Ich habe ganz Israel zerstreut gesehen, wie eine Heerde ohne Hirten, und Ihwh sprach: ›sie haben keinen Herrn, mögen sie in ihr Haus in Frieden zurückkehren.‹ Seinen Widerspruch gegen die Aussage der übrigen Priester rechtfertigt Micha mit einer Bemerkung, welche einen Blick in das Wesen der Prophetie gewährt: »Ich sah (im Gesichte) den [35] Herrn auf seinem Thron sitzen und das Himmelsheer stand um ihn rechts und links und vernahm, wie Gott sprach: ›Wer will Achab bethören, daß er nach Ramot-Gilead ziehe und dort falle?‹ Da meldete sich der prophetische Geist und sprach: ›Ich will ihn bethören, ich will zum Lügengeiste im Munde der Propheten werden, damit er höre, folge und falle.‹ Zidkija, der so zuversichtlich Sieg verheißen, näherte sich hierauf Micha und schlug ihn auf die Wange: »Auf welchem Wege fuhr der Geist Gottes von mir, um mit dir zu sprechen?« Darauf Micha: »Du wirst es an dem Tage erfahren, an dem du dich in einem der abgelegensten Zimmer verstecken wirst.« Achab, halb gläubig und halb ungläubig, ließ den rücksichtslosen Propheten in ein noch strengeres Gewahrsam in Samaria bringen und ertheilte den Befehl, ihn so lange bei schmaler Kost und wenig Wasser zu halten, bis er zurückkehren würde Darauf rüstete er sich zum Kriegszuge. Nichts desto weniger legte er seine königlichen Gewänder ab und vermummte sich, um vom Feinde nicht erkannt zu werden und so dem Verhängniß zu entgehen. Nach so langer feindseliger Trennung zogen wieder israelitische und judäische Krieger gemeinschaftlich in den Krieg. Als Achab aber mit Josaphat über den Jordan gesetzt und sich Ramot-Gilead genähert hatte, ehe noch der Kampf recht begonnen hatte, traf ihn schon, als er auf dem Kriegswagen stand, ein Pfeil, der ihn tödtlich verwundete. Achab behielt noch so viel Besonnenheit, dem Wagenlenker zu befehlen, ihn aus dem Getümmel zu führen. Die Streiter wußten es aber nicht und kämpften weiter bis zum Abend. Erst als der König sich völlig verblutet und den Geist aufgegeben hatte, rief der Herold laut: »Ein Jeder nach seinem Lande, ein Jeder nach seiner Stadt!«99 Das israelitische und judäische Heer kehrten in Folge dessen über den Jordan zurück und die Aramäer behaupteten das Schlachtfeld und die kampfumworbene Vergstadt Ramot. Achab's Leiche wurde nach Samaria gebracht und dort beigesetzt. Während sein Blut, von dem der Königswagen voll war, in einem Teiche abgespült wurde, leckten die Hunde davon100.

Achasja, sein Sohn, folgte Achab auf den Thron, das erste Mal, daß die Krone im Zehnstämmereich auf den Enkel überging. Der zweite Omride hat eine zu kurze Zeit regiert (um 901-900) und so wenig Erinnerungen hinterlassen, daß seine Eigenart nicht kenntlich [36] geworden ist. Natürlich verharrte er trotz der Warnungszeichen in der Verkehrtheit seiner Eltern und überbot sie noch. Den König Josaphat wollte er überreden, mit ihm gemeinschaftlich die Schifffahrt nach Ophir trotz des Unfalls wieder aufzunehmen101; aber einen Kriegszug gegen die Moabiter, welche nach Achab's Tode sich von der Botmäßigkeit losgemacht hatten102, gemeinschaftlich mit dem König von Juda zu unternehmen, unterließ er. Als Achasja aus dem Gitterfenster seines Söllers in Samaria stürzte und auf's Krankenlager fiel, sandte er zu einem damals berühmten Götzen Baal-Zebub (Bel-Zebub) nach Ekron, um ein Orakel zu befragen und zu erfahren, ob er von dem Sturze wieder genesen werde. Zu dieser Zeit war Eliahu von seiner großen Wanderung zum Horeb wieder zurückgekehrt, hatte aber, des Winkes eingedenk, den er dort erhalten hatte, zurückgezogen gelebt, wahrscheinlich auf dem Berge Karmel103. In den Gang der Begebenheiten mochte er nicht eingreifen. Er hatte seinen Nachfolger erwählt, Elisa, Sohn des Schaphat, aus der Jordangegend. Diese Wahl war charakteristisch für Eliahu. Er traf Elisa auf dem Felde, beschäftigt, mit einem Gespann Rinder den Acker seines Vaters zu bestellen. Da kam Eliahu auf ihn zu, warf stumm seinen düsteren Prophetenmantel über ihn und entfernte sich. War Elisa würdig, ihm nachzufolgen, so mußte er das Zeichen verstehen. In der That lief dieser ihm nach und bat ihn, nur so lange auf ihn zu warten, bis er die Eltern geküßt, und Abschied genommen haben würde. »So kehre doch um,« antwortete Eliahu kurz, »was habe ich dir denn gethan?« Elisa verstand, daß, um ein eifervoller Prophet Gottes zu sein, er Vater und Mutter verlassen, die Regungen des Herzens und die Gewohnheiten des Lebens opfern müsse. Ohne in's Vaterhaus zurückzukehren, folgte er Eliahu nach und bediente ihn104, oder wie es damals hieß, goß Wasser auf seine Hände105. Nur noch einmal griff Eliahu in die Oeffentlichkeit ein. Den Boten, welche Achasja zum Baal-Zebub abgeordnet hatte, ging er entgegen und rief ihnen zu: »Saget dem König, der euch gesendet hat: ›Giebt es denn keinen Gott in Israel, daß du nach Ekron sendest, um Baal-Zebub wegen deiner Krankheit zu befragen?‹ Die Boten kehrten nach Samaria um und berichteten, was sie von dem außerordentlichen Manne vernommen hatten. An der Beschreibung seines Wesens und seiner Kleidung erkannte Achasja, daß Eliahu wieder im [37] Lande sei, und befahl den Voten, ihn aufzufordern, sich zu ihm zu begeben. Nach langem Zögern begab sich Eliahu furchtlos nach Samaria und verkündete Achasja, daß er das Siechbett nicht mehr verlassen werde106. Dieser starb gleich darauf und ihm folgte, da er kinderlos war, sein Bruder Jehoram (Joram, um 899-887)

Auch Eliahu verschwand zur selben Zeit vom Schauplatze. Wo ist er geblieben? Hat auch er den Zoll des Sterblichen geleistet? Seine Jünger und die Jünger seiner Jünger konnten es sich nicht denken, daß dieser Feuergeist dem Grabe und Staube verfallen sein sollte, und sie erzählten sich, daß er im Sturme gen Himmel gefahren. Sein ihn stets begleitender Jünger Elisa habe bemerkt, daß der Meister zuletzt sich ihm entziehen wollte, und er habe sich um so mehr an seine Fersen geheftet. Eliahu habe noch zuletzt die Aufenthaltsorte der Prophetenjünger in Gilgal, Bethel und Jericho besucht, und Elisa, stets hinter ihm her, habe aber nicht gewagt, ihn zu fragen, wohin er des Weges ginge. Endlich seien beide trockenen Fußes durch den Jordan geschritten, indem Eliahu mit seinem zusammengerollten Prophetenmantel das Wasser getheilt habe, und plötzlich trennte ihn ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen von seinem Jünger, er entfuhr im Sturme zum Himmel, und Elisa habe ihn nicht mehr gesehen107. Es scheint, daß er zuletzt in dem Lande jenseits des Jordan, woher er gekommen, auch plötzlich verschwunden ist. Die nachhaltige Thätigkeit Eliahu's, welcher unter den allerungünstigsten Verhältnissen, unter schweren Kämpfen und Verfolgungen die alte Lehre erhalten hat vom Gotte der Väter gegenüber dem mit Verfolgungssucht aufgezwungenen Götzenthum, von der Heiligkeit gegenüber der Unzüchtigkeit des Baal- und Astartenkultus, von der Einfachheit gegenüber der überhandnehmenden Schwelgerei, konnten sich die Späteren nur durch auffällige Wunder denken. Sein ganzes Leben war ihnen räthselhaft erschienen; darum erklärten sie es als Wunder, führten es auf übermenschliche Vorgänge zurück. Woher nahm er die Speise auf seinen schnellen Wanderungen von einem Ende des Landes zum andern und in den unzugänglichen, von Niemandem aufgefundenen Verstecken? Raben hätten ihm am Bache Kherit Brod und Fleisch des Morgens, Brod und Fleisch des Abends zugebracht108, oder ein Maß Mehl und ein Fläschchen Oel hätten auf seinen Ausspruch während der Hungersnoth so lange ausgereicht, um ihn, die Wittwe, bei der er sich eine Zeit lang vor der Verfolgung aufgehalten hat, ihren Sohn und ihr Gesinde zu ernähren109, oder in der Wüste,[38] wo kein Mensch anzutreffen war, sei er im Schlaf mit Speise und Wasser versorgt worden, oder er habe auf seiner Wanderung zum Horeb gleich Mose vierzig Tage und vierzig Nächte ohne Speise leben können110. Eliahu hat das israelitische Volk oder wenigstens sieben Tausend in demselben vom Tode des Geistes erweckt, daß sie nicht vor dem Baal knieen mochten. Dieser Vorgang wurde von seinen Jüngern als Todtenerweckung ausgelegt, er habe dem bereits verschiedenen Kinde der Wittwe wieder die Seele eingehaucht111.

Das größte Wunder, das Eliahu vollbracht hat, war indeß, daß er eine Genossenschaft gründete, welche das heilige Feuer der alten Lehre unterhielt und je nach Bedürfniß laut oder still gegen die Verkehrtheit von oben Widerspruch erhob. Die von ihm geschaffene neue Prophetenschule bildete eine eigene Gemeinde im Zehnstämmereich. Sie unterschied sich wesentlich von den Propheten aus Samuel's Orden; diese hatten mehr Saitenspiel zur Begleitung von Psalmen betrieben, sie waren vielmehr Seher als Sittenrichter und Warner. Seit David's und Salomo's Zeit in der Umgebung der Könige wurden sie deren Rathgeber, sogen die Hofluft ein und büßten dadurch ihre Selbstständigkeit ein. Sie konnten sich von dem Brauche nicht loswinden, Geschenke anzunehmen, so oft sie um Auskunft angegangen wurden112. Dagegen hielt die Elianische Schule ihre Hände rein von Gaben113. Die Prophetenjünger lebten von ihrer Hände Arbeit einfach und ärmlich114. Nach Eliahu's Verschwinden brauchte diese Genossenschaft ein Oberhaupt, und der noch junge Elisa stellte sich an ihre Spitze. Es hieß: der Thisbite selbst habe ihm das Erstgeburtsrecht über seine geistigen Kinder übertragen und ihm seinen Prophetenmantel vererbt, der ihm entfallen war115. Elisa folgte anfangs ganz den Fußtapfen seines Meisters, hielt sich von der Gesellschaft zurück und weilte meistens auf dem Berge Karmel116. Allmählich mischte er sich aber unter das Volk, nachdem es ihm gelungen war, einen thatkräftigen Mann zu ermuthigen, das ihm verhaßte Haus Omri zu stürzen und den Baalkultus zu beseitigen.

[39] Jehoram, der dritte Omride (899-887), war nicht so sehr auf die Ausbreitung des götzendienerischen Unfugs versessen, wie seine Mutter Isebel; an einem Orte, wo es gar zu sehr Anstoß erregte, hatte er eine Schandspitzsäule des Baal entfernen lassen, entweder in Jesreel oder in Bethel117. Nichts desto weniger hegte Elisa so viel Abneigung gegen ihn, daß er ihm nicht in das Gesicht sehen mochte118. Nach seines Bruders Tode unternahm Jehoram einen Kriegszug gegen die Moabiter, um ihren König Mesa (Mescha) wegen seines Abfalls zu züchtigen und zur Botmäßigkeit zurückzubringen (zwischen 899-94). Allein mochte er indeß nicht zu Felde ziehen und bewog ebenfalls Josaphat, mit dem er das freundschaftliche Verhältniß seiner Vorgänger weiter pflog, und der sein Schwager war, ihm mit einem Heere beizustehen. Der Zug sollte durch Idumäa, südlich vom todten Meere, nach Moab angetreten werden, und der König oder Statthalter von Idumäa, welcher von Josaphat abhängig war, sollte ebenfalls Zuzug bringen. Auf diesem Wege nach dem Süden mußte Jehoram Jerusalem berühren, und er wurde von seinem Verbündeten in der judäischen Hauptstadt freundlich empfangen119. Nach der Trennung schienen die beiden Häuser Israel und Jakob befreundeter zu sein, als während ihres staatlichen Zusammenhangs. Doch es waren nur ihre Könige, die Hand in Hand mit einander gingen. Auch diesmal bestand Josaphat darauf, daß ein Prophet Ihwh's um den Ausgang des Kriegszuges befragt werde, und da Elisa, der Nachfolger Eliahu's, als der würdigste angesehen wurde, wurde er berufen. Dieser sagte bei dieser Gelegenheit dem Jehoram in das Gesicht: »Wenn ich nicht den König Josaphat berücksichtigte, würde ich dich nicht ansehen, wende dich an die Propheten deines Vaters und deiner Mutter!« Nichts desto weniger prophezeite er einen glücklichen Ausgang.

Mesa, der König von Moab, der mit seinem Heer die Verbündeten an der Südgrenze seines Landes erwartete, wurde auch von der Ueberzahl geschlagen und entfloh nach der Bergfeste Kir-Chareschet (Kir Moab, Kerek?). Jehoram, welcher Rache an den Moabitern nehmen wollte, ließ alle Städte, durch welche die verbündeten Heere gezogen waren, zerstören, die fruchtbaren Felder mit Steinen unfruchtbar machen, die Wasserquellen zustopfen und die Fruchtbäume umhauen. Kir-Chareschet wurde umzingelt und mit Schleudersteinen angegriffen. Mesa [40] versuchte zwar mit mehreren Hundert Mann die Belagerung zu durchbrechen, um zum König von Edom zu gelangen, dessen verrätherische Gesinnung er gekannt zu haben scheint. Da er aber nicht durchzudringen vermochte, opferte er seinen ältesten Sohn auf der Mauer vor den Augen der Belagerer, um seinen Gott Khemosch (den Kriegsgott) zu besänftigen, dessen Zorn seine Niederlage zugeschrieben wurde. Dann brach, wie es scheint, eine Seuche in Jehoram's Lager aus, und er mußte mit seinen Verbündeten abziehen120. Das Land Moab war allerdings größtentheils verwüstet, aber Mesa konnte sich doch noch behaupten.

Nicht lange darauf fiel auch Edom von Juda ab, nach Josaphat's Tode. Es hatte schon bei dem gemeinschaftlichen Zug gegen Moab eine nicht ganz treue Haltung angenommen und scheint sich nach dem Abzug der Verbündeten mit Mesa verständigt zu haben. Es schien, als sollte die enge Freundschaft und die Verschwägerung mit dem Hause Omri auch David's Hause Unglück bringen. Joram (Jehoram), Josaphat's Sohn, gleichnamig mit seinem königlichen Schwager von Israel (894-888), war so innig mit dem israelitischen Königshause befreundet, daß er auch in seinem Lande götzendienerische Verkehrtheiten einführte Ohne Zweifel hatte seine Frau Athalia einen bedeutenden Antheil daran. Denn sie hegte, gleich ihrer Mutter Isebel, eine fanatische Anhänglichkeit an den schandbaren Kultus des Baal121. – Da die Idumäer einen König ihrer Wahl an ihre Spitze gestellt hatten, unternahm Joram von Juda einen Kriegszug mit Streitwagen gegen sie, um sie zur Botmäßigkeit zurückzuführen. Bei Zoar, der Palmenstadt, im Südostwinkel des todten Meeres, an der Grenze von Edom und Moab, kam es zu einer Schlacht. Joram, plötzlich von allen Seiten umzingelt, wurde geschlagen, und das ganze judäische Heer suchte mit seinem König sein Heil in der Flucht122. Es dauerte fast ein halbes [41] Jahrhundert, bis Edom wieder in Juda's Botmäßigkeit gebracht werden konnte.

Endlich sollte sich das Verhängniß des Hauses Omri vollziehen, und das Haus David's wurde in dasselbe hineingezogen. Der Prophet Elisa hat die Fäden dazu geschlungen. In Damaskus war ein Dynastiewechsel eingetreten. Ben-Hadad II., der mit Achab Krieg geführt hatte, war von einem seiner vertrauten Diener durch Erstickung getödtet worden, und der Mörder Chazael hatte sich des Thrones bemächtigt. Die Prophetenjünger erzählten sich, Elisa habe diese Palastrevolution hervorgerufen. Er war nach Damaskus gereist und wurde von dem erkrankten König Ben-Hadad angegangen, ihm zu prophezeien, ob er von seiner Krankheit genesen werde. Der Bote, den der König an den israelitischen Propheten abgesandt, war eben Chazael. Diesem verkündete Elisa, Ben-Hadad werde zwar nicht an seiner Krankheit sterben, aber sterben werde er, und Chazael habe den Wink verstanden und dessen Tod herbeigeführt123. Sobald dieser den Thron von Damaskus bestiegen hatte, ging er darauf aus, die ehemaligen Eroberungen im Zehnstämmereich, welche unter Ben-Hadad wieder verloren gegangen waren, mit dem Schwerte wieder zu er langen. Zunächst richtete er seine Angriffe gegen die Stämme jenseits des Jordan. Jehoram von Israel zog daher mit einem Heere nach Ramot-Gilead, um diese wichtige Feste zu vertheidigen. Der Kampf um die Felsenfestung scheint hartnäckig gewesen zu sein; Jehoram von Israel wurde dabei durch einen Pfeil verwundet. Er begab sich in Folge dessen nach Jesreel, um seine Wunde heilen zu lassen und ließ einen seiner Hauptleute, Namens Jehu, als Befehlshaber für die Vertheidigung zurück124. Eines Tages kam in Elisa's Auftrage ein Prophetenjünger zu Jehu, führte ihn aus dem Kreise der Kriegsobersten in ein abgelegenes Gemach, salbte ihn zum König von Israel, schärfte ihm ein, das Strafgericht über das Haus Omri's zu vollstrecken und verschwand eben so plötzlich, wie er gekommen war. Als Jehu zu den Kriegsobersten heraustrat und diese an seinem Wesen eine Veränderung wahrnahmen, fragten sie ihn neugierig, was ihm der Prophetenjünger verkündet hatte. Jehu wollte anfangs nicht mit der Sprache heraus. Endlich eröffnete er ihnen, er sei in Elisa's Auftrag zum König über das Zehnstämmereich gesalbt worden. Sogleich huldigten [42] ihm die Kriegsobersten, legten auf der höchsten Stufe des Palastes ihre Purpurgewänder als Thron unter, bliesen in das Horn und riefen: »Es lebe der König Jehu125

Einmal vom Heere als Nachfolger Jehoram's anerkannt, wußte Jehu entschlossen und rasch zu handeln, um die Verschwörung zu Ende zu führen. Zunächst ließ er die Wege, welche von Ramot-Gilead nach Jesreel führten, verlegen, damit der Vorgang nicht verrathen werde. Dann führte er einen Theil des Heeres mit sich, überschritt den Jordan und ritt wie im Fluge auf Jesreel zu, wo Jehoram, noch an den Wunden leidend, sich aufhielt. An dem rasenden Ritte, den der Thorwächter von Ferne bemerkte, erkannte der König Jehu und sein ungestümes Wesen, und es war ihm noch dazu verdächtig, daß die Boten, die er ihm entgegengeschickt hatte, nicht zurückgekehrt waren. Jehoram ließ daher seinen Wagen anspannen, um mit eigenen Augen zu erfahren, was Jehu so eilig nach Jesreel führte. Achasja, der König von Juda, sein Neffe, welcher kurz vorher seinem Vater Joram auf dem Throne gefolgt war (888-887) und seinem Oheim in der Krankheit einen Besuch gemacht hatte, begleitete ihn ebenfalls zu Wagen. Sie trafen Jehu noch beim Felde des Naboth, an dem Isebel einen Gerichtsmord hatte vollziehen lassen (o. S. 29). Als Beide des heranziehenden Jehu ansichtig waren, rief ihm Jehoram zu: »Ist Heil, Jehu?« »Was kann es für Heil bei der Buhlerei und Zauberei deiner Mutter Isebel geben!« antwortete dieser126. Sofort wandte sich Jehoram zur Flucht um und rief Achasja zu, dasselbe zu thun, denn es sei auf ihr Leben abgesehen. In demselben Augenblick traf ihn ein Pfeil, von Jehu abgedrückt, und er sank leblos in seinem Wagen nieder. Da ließ Jehu dessen Leichnam auf Naboth's Feld werfen und erinnerte seinen Wagengenossen Bidkar daran, wie sie beide Zeugen der prophetischen Androhung waren, die Eliahu gegen Achab bei diesem Felde ausgesprochen hatte. Er sei als der Vollstrecker des Verhängnisses über das Haus Achab berufen. Auch Achasja fiel an demselben Tage. Von Jehu und seinen Leuten zwischen Jesreel und Jibleam verfolgt, traf ihn ein Pfeil; er schleppte sich noch bis Megiddo und hauchte da sein Leben aus. Eine Umwälzung war vollzogen, das ganze Haus Achab verfiel dem Untergange, und es warf sich Niemand zu dessen Vertheidigung auf, selbst die Hausgenossen verließen die noch übrigen Glieder desselben.

[43] Jehu zog ungehindert in Jesreel ein. Die Königin-Mutter Isebel behielt noch so viel Standhaftigkeit, reich geschmückt aus der Fensteröffnung des Palastes hinauszublicken und Jehu zuzurufen: »Wie stehts, du Königsmörder gleich Simri!«127 Da rief Jehuden Eunuchen des Palastes zu, sie auf die Straße zu schleudern, und sie gehorchten. Die Rosse schritten über diese Königin hinweg, welche so viel Unheil angerichtet, und ihr Blut bespritzte die Wand des Palastes und die Rosse. Als Jehu später Befehl gab, sie als Königstochter zu begraben, fand man nur noch ihren Schädel und die Reste von den Händen und Füßen. Alles Uebrige hatten inzwischen die Hunde verzehrt. Die Zeitgenossen, die sich jenes Tages erinnerten, an dem Naboth und seine Kinder als Verbrecher hingerichtet wurden, hatte das Strafgericht wohl mit Schaudern erfüllt. Indessen war mit dem Tode des Sohnes und der Großmutter noch nicht Alles zu Ende. Noch lebten Söhne, Enkel und Verwandte Jehoram's, etwa siebzig Köpfe, in Samaria, welche von den angesehensten Männern und Aeltesten Samaria's erzogen und geleitet wurden. An diese wandte sich Jehu mit der Aufforderung, einen derselben auf den Thron zu setzen. Sie merkten indeß, daß die Aufforderung nicht ernstlich gemeint war und scheuten sich also selbständig vorzugehen, unterwarfen sich daher dem Willen dessen, der zwei Könige getödtet hatte. Darauf ließ ihnen Jehu melden, sie sollten mit den Häuptern nach Jesreel kommen; sie verstanden ihn und kamen mit den Köpfen der Nachkommen Achab's dahin; so wenig Anhänglichkeit fand das Haus Achab im Unglück. Der Stadthauptmann, der Palastaufseher, die übrigen Beamten, die Erzieher und die Aeltesten, sie alle fanden sich in Jesreel ein, um die blutigen Köpfe der letzten Omriden in Gefäßen dem Sieger zu überbringen. Jehu ließ die Köpfe Nachts vor dem Stadtthor in zwei Reihen aufstellen und lud am andern Morgen die Einwohner von Jesreel ein, sich dahin zu begeben. Beim Anblick der grinsenden Schädel erklärte er, daß er sich nur gegen Jehoram verschworen habe, diese seien aber durch andere Hände gefallen, und daß sich das Wort Eliahu's über das Haus Achab erfüllt habe. Jehu verband Schlauheit mit Entschlossenheit. Alle diese Beamten und Großen des Hauses Achab, welche ihm die Schlachtopfer geliefert hatten, ließ er als Mörder hinrichten128. Da nun keiner aus diesem Hause übrig geblieben war, [44] den Thron einzunehmen, so setzte sich Jehu darauf, und die Einwohner von Jesreel huldigten ihm.

Um sich das Herz des Volkes zu gewinnen, traf er Anstalten, den Baalkultus aus Samaria, dem Mittelpunkt desselben, zu vertilgen. Mit seinen Getreuen begab er sich dahin und traf unterwegs die Brüder und Verwandten des judäischen Königs Achasja, welche. unbekannt mit den letzten Vorgängen, der Isebel beizustehen oder die Blutthaten an Jehu zu rächen gedachten, oder vielleicht von Athalia, der Mutter Achasja's, aus Jerusalem entfernt wurden, damit sie ungehindert ihre Unthat ausführen könnte. Auf einen Wink Jehu's wurden sämmlliche judäische Prinzen ergriffen, getödtet und in eine Cisterne geworfen. Ehe er Samaria erreichte, stieß Jonadab zu ihm, der das von Eliahu gepredigte Nasiräerleben in seiner Familie heimisch gemacht hatte. »Bist du mir noch wie ehemals gesinnt?« fragte ihn Jehu. »Allerdings,« antwortete Jonadab. »So reiche mir deine Hand.« Jehu machte Eliahu's Jünger mit dem bekannt, was er gegen die Baalspriester in Samaria auszuführen gedachte, und nahm ihn auf seinem Wagen mit, um Zeuge des Eifers zu sein. In Samaria angekommen, bestellte er sämmtliche Baalsdiener auf einen bestimmten Tag zum Tempel, that, als wenn er sich selbst an dem Kultus betheiligen wollte und befahl ihnen, ihre zu diesem Dienst erforderlichen Gewänder anzuziehen. Heimlich hatte er bewaffnete Trabanten innerhalb und außerhalb des Baaltempels aufgestellt, und er selbst begab sich mit Jonadab in das Innere desselben. Kaum hatte er zum Scheine das Opfer dargebracht, so fielen sämmtliche Priester und Anhänger selbst als Opfer. Seine Trabanten machten diese im Innern nieder, und die Entfliehenden wurden von den achtzig außerhalb Aufgestellten niedergemetzelt. Dann drangen die Trabanten in den Raum des Allerheiligsten, verbrannten das Bildniß des Götzen, zerstörten den Altar, die Spitzsäulen und dann auch noch den Tempel und verwandelten den Platz in einen Düngerhaufen129. Und überall im Lande ließ Jehu [45] die Gegenstände dieses häßlichen Götzendienstes, so weit er öffentlich war, vernichten, er geberdete sich als Jünger Eliahu's, als Eiferer für Ihwh130. Nur in Jerusalem bestand der Baalkultus oder vielmehr, er wurde da zum Trotze von einem Weibe, von Isebel's Tochter, die ihrer Mutter würdig war, mit Fanatismus eingeführt.


Fußnoten

1 Könige I. 12, fg. V. 2. statt םירצמב םעבוי בשיו [wajeschev...] muß man mit Chronik II. 10, 2 lesen םירצממ בשיו ... [wajaschev...]. Der chronologische Gang der Ereignisse von dem Abfall der Zehnstämme, wie er sich aus den Umständen von selbst ergiebt, stimmt, oberflächlich betrachtet, nicht mit der Darstellung in der Relation, d. h diese folgt nicht einer chronologischen Ordnung Jerobeam war der Urheber des ganzen Aufstandes, das läßt sich nicht verkennen. (Vergl. Chronik II. 13, 6-7; er war der Hauptsprecher (Könige das. V. 3 u. 12). Folglich begann die Bewegung mit seiner Rückkehr. V. 2 steht aber nicht im Widerspruch mit V. 20a. Der Letztere knüpft nur an den Ersteren durch ein Finitum an, statt des Infinitivs: הדעה לא ותוא םארקכו םחלשכו, denn V. 3 muß man nothwendig zu וארקיו ergänzen: הדעה לא, das in V. 20 angegeben ist. V. 2 und Eingang von V. 3 bilden also den Anfang und V. 1 die Folge. – Nicht etwaige Stände haben Rehabeam in Sichem huldigen wollen – eine Huldigung ist bei Salomo's Regierungsantritt gar nicht vorgekommen –, sondern die Aeltesten Israel's legten ihm den Zwang auf, nach Sichem zu kommen. Es war der erste Schritt zur Renitenz. Den Aufruf zur Empörung V. 16 hat Jerobeam gethan, wie Scheba Sam. II. 20, 1 V. 17 steht ebenfalls außer chronologischer Ordnung und gehört zu Vers 21a. Für das Wort האר in V. 16 haben LXX βόσκε d.h. הער, was richtiger ist. [Vgl. Benzinger in »Marti's Kurzem Hand-Commentar zum Alten Testament«, Abt. IX: »Die Bücher der Könige« zur Stelle]. – Aus V. 18 geht hervor, daß die Sichemiten den König Rehabeam bedroht haben.


2 Der scheinbar überflüssige Vers, das. 12, 17: ינבו הדוהי ירעב םיבשיה לארשי bezieht sich auf Benjaminiten, nicht auf Judäer; denn diese werden niemals ינב לארשי genannt, es schließt aber auch Genossen anderer Stämme ein, deren Gebiet sich Judäer angeeignet hatten, z.B. Daniten in Eschtaol, Thimna (s. I, S. 230). In V. 20 muß mit LXX nach הדוהי טבש noch ergänzt werden ןמינב טבש. Daß die Benjaminiten die Hauptbevölkerung Jerusalems ausmachten, folgt aus Jeremia 6, 1. Fälschlich nehmen einige Ausleger an, daß ein Theil der Benjaminiten zum Zehnstämmereiche gehörte; nein, der ganze Stamm Benjamin gehörte zu Juda oder zu David's Haus. Vemerkenswerth dafür ist Ezechiel 37, 16: einerseits וירבח לאדשי ינבו הדוהי und andrerseits וירבח לארשי תיב לכו םירפא. Die israelitischen Genossen Juda's waren Simeon und Benjamin und die Genossen Ephraim's das (übrige) Haus Israel. Ueber das, was diese Ausl. aus Ps. 80, 2 folgern, s. Frankel-Graetz, Monatsschr. Ig. 1874, S. 391.

3 Folgt aus Jesaia 7, 17.


4 Könige I. 14, 30; 15, 6-7.


5 Folgt aus das. 15, 19.


6 Das. V. 18 ist der Name ןויזח wahrscheinlich identisch mit ןוזר. LXX geben den ersten Namen wieder durch Ἀζὶν. [Vgl. jedoch Benzinger zur Stelle].


7 Zusatz in den LXX zu Könige I, 12, 15 fg. im vatikanischen Text. Dieser apokryphische Zusatz enthält zwar viel aus der Relation von Hadad LXX das. 11, 19 fg. Allein, do mancher Zug in der Relation von Jerobeam verschieden ist, und da der Name der Prinzessin zweimal genannt wird: Ἀνὼ, so kann dieser Zusatz doch möglicherweise aus einer alten Schrift entlehnt sein. Allerdings ist es verdächtig, daß Josephus diese Nelation nicht gekannt hat. [Vgl. A. Klostermann in Strack-Zöckler's Kurzgef. Commentar A. Bd. III zu I. Könige 11, 19 f.u. 14, 1 und Benzinger zu I. Könige 11, 19 f.]


8 Chronik II, 11, 6-11.


9 Könige das. 14, 25 fg. Chronik II. 12, 2 fg. Daselbst V. 3 ist unter םיבול Nubier zu verstehen, wie Hitzig richtig annimmt, und anstatt םיזכס wohl zu lesen םייטופ, eine Völkerschaft Put, welche in der Bibel häufig und auch in ägyptischen Inschriften genannt wird unter dem Namen Punt. In der hebräischen Benennung ist die Liquida נ absorbirt, wie ודה [hodu] für ודנה [hindu].


10 S. Note 1.


11 Dieselbe Note.


12 Folgt aus Chronik das. 12, 8.



13 Ueber den Abfall Edom's findet sich zwar kein Beleg, aber er läßt sich voraussetzen. Die Angabe Könige I. 22, 48 über Edom's Verhältniß zum Davidischen Hause gehört einem halben Jahrhundert später an. Daß die Philister abgefallen waren, folgt daraus, daß sie mit Baescha und Omri, also mit dem Zehnstämmereich, Krieg führten.


14 Könige das. 14, 27 fg.


15 Könige das. 12, 25.


16 Hosea 4, 17; 5, 3 fg.; 6, 4; 7, 1 fg.; 8, 9 fg.; 9, 3 fg.; 10, 6 fg.; 11, 3; 12, 1 fg.; 13, 1 fg.; 14, 9; Zacharia 9, 10 fg.; Jesaia 7, 2 fg.; 9, 8; Ps. 78, 67.


17 Es folgt daraus, daß Sichem in der folgenden Geschichte gar keine Rolle mehr spielte, Thirza dagegen nicht bloß unter Baescha und den folgenden Königen bis zu Omri's Zeit als Residenz genannt wird, sondern auch schon zur Zeit Jerobeam's, Könige das. 14, 17. Die Nachricht, daß Jerobeam Thirza zu seiner Residenz gemacht, scheint in der Relation ausgefallen zu sein und zwar in Könige V. 12, 25 (םכשמ) םשמ אציו לאונפ תא ןביו. Vor Penuel müssen noch andere Städte aufgeführt worden sein, zunächst Thirza, dann wohl auch Ramoth-Gilead (Mizpa), welches später eine solche Wichtigkeit erlangte, daß oft um dasselbe gekämpft wurde. Ueber die Lage von Thirza und seine Identität mit dem jetzigen Talusa vergl. Robinson Biblical researches III p. 158; v.d. Velde, Reise durch Syrien und Palästina II. S. 294 [Buhl, Geogr. des alten Palästina, S. 203, hält aus guten Gründen die Identification für sehr zweifelhaft.]


18 Könige das. 16, 17-18.


19 Aus der Inschrift des Mesa-Denkmals s. Note 2, geht hervor, daß Omri erst vorher wieder Moab unterworfen hat. Daraus folgt, daß es sich in Jerobeam's Tagen unabhängig gemacht hat.


20 B. I. S. 370.


21 Eine Analogie dazu bietet, daß Chiskija, der den Götzenkultus abgeschafft hat, als Neuerer verlästert wurde; Jesaia 36, 7; Könige II. 18, 22.


22 Vgl. Könige, I. 14, 9.


23 Könige I. 12, 31; II. 23, 15. Amos 7, 13, Könige I 12, 30 kann דחאה unmöglich »wie ein Mann« bedeuten, sondern es muß ergänzt werden: ינפל םעה וכליו ןד דע [ינשה ינפלו לאתיב לא] דחאה; LXX haben dazu den Zusatz καὶ εἴασαν τὸν οἶκον κυρὶου 'ה תיב תא d.h. das Volk wallfahrtete nicht mehr nach dem Tempel zu Jerusalem. [Aehnlich Benzinger, anders, aber nicht besser, Klostermann zur Stelle.]


24 Vergl. B. I. S. 478.


25 Zu beachten ist, daß der Baalkultus strenger von den Propheten getadelt wurde, als der Stierkultus, Könige, I. 16, 33, eben weil mit jenem Unkeuschheit verbunden war, mit diesem aber nicht. Aus Chronik II. 11, 15 scheint hervorzugehen, daß Jerobeam auch den ägyptischen Bockkultus (םידיעש) eingeführt hat.


26 Könige I. 12, 31 fg.; 13, 1 fg. Chronik II. 11, 13 fg. gewiß aus einer alten Quelle.


27 Ps. 106, 20.


28 Hosea 7, 11.


29 Das. 4, 11-12.


30 Könige I. 15, 2 ist ausdrücklich angegeben, daß Abijam's Mutter םולשיבא תב הכעמ hieß, gerade so wie Aßa's Mutter (das. V. 10 und 13); in Chronik II. 11, 20-21 ist noch ausdrücklicher angegeben, daß Maacha Rehabeam's Lieblingsfrau war. Daraus ergiebt sich ohne Weiteres [vgl. dagegen Benzinger zu I. 12, 8], daß Abijam und Aßa Brüder und Söhne Rehabeam's waren, folglich muß in Könige das. 15, 8 ונב in ויחא emendirt werden. Die Angabe in Chronik II. 13, 2, daß Abijam's Mutter העבג ןמ לאירוא תב וריכימ geheißen, kann daher nur ein harmonistischer Zug sein. Eben so harmonistisch ist es, wenn die griechische Version Aßa's Mutter zum Unterschiede von Abijam's Mutter Ἀνὰ ϑυγατὴρ Ἀβεσσαλώμ nennt. Aquila, Theodotion und Symmachus haben dagegen in beiden Stellen Μααχά. Kimchi's Ausgleichung, daß Maacha Aßa's Großmutter gewesen sei – die auch Ewald aufstellt –, widerspricht dem Textworte. Man muß vielmehr annehmen: daß Maacha Rehabeam's Frau war, und daß sie ihm zwei Söhne geboren hat, Abijam und Aßa. Woher Josephus die Nachricht hat, daß Maacha nicht Tochter Absalom's, sondern dessen Enkelin von Thamar war, ἐκ τῆς Ἀβεσσαλώμου ϑυγατρὸς Θαμάρƞς Μαχάνƞ (Alterth. VIII. 10, 1) ist nicht zu ermitteln. Was Könige das. 14, 23-24 von Götzenthum und von םישידק berichtet wird, kann sich nur auf das, was Maacha eingeführt hat, beziehen (das. 15, 12-13) nämlich תרשא und שדק, also nur die Königin-Mutter hat Götzendienst getrieben. – Die Bedeutung von תצלפמ ist bisher weder etymologisch, noch archäologisch befriedigend erklärt worden.


31 S. o. S. 6 und Chronik II. 12, 15, 13, 22.


32 Was in Chronik II. 13, 19 erzählt wird, Abijam habe Jerobeam Bethel Jeschanah und Ephrain abgenommen, ist verdächtig, da Bethel, Sitz des goldenen Stieres, dem Zehnstämmereich bis zum Untergange geblieben ist Könige II. 23, 15 fg. [Vgl. dagegen Oettli in Strack-Zöckler's Kurzgef. Commentar A. VIII, S. 103.]


33 Was Chronik das. 13, 21 von Abijam's 22 Söhnen und 16 Töchtern erzählt, kann nicht historisch sein. Vgl. o. S. 14 [und die Bemerkung dazu].


34 Das folgt aus dem Ausdruck Könige I. 15, 13 הריבגמ הריסיו, denn הריבג bedeutet Königin-Mutter, welche während der Minderjährigkeit des Sohnes regiert. Vgl. Könige II. 24, 8, 15, mit Jeremia 22, 26 und 13, 18, wo Nechuschta. die ךלמה מא ,הריבג genannt wird. Ebenso wird Isebel הריבגה genannt, Könige II. 10, 13.


35 Könige I. 15, 32; Chronik II. 15, 8.


36 Chronik II. 14, 8 fg. Diese Relation scheint historisch zu sein, weil Lokalitäten darin genau angegeben sind. Einige Aegyptologen haben den Feldherrn חרז mit dem ägyptischen König Osorkon I. (Uasarken) identificirt, andere die Identificirung verworfen (Brugsch, Histoire d'Égypte, p. 228). [So auch Ebers bei Riehm-Bäthgen s.v. Serah]. Es spricht nämlich dagegen, daß der ägyptische König Osorkon nicht Aethiopier genannt werden könnte und Serach nicht König genannt wird. Die Zeit dieses Kampfes ist angedeutet das. 15, 10 im fünfzehnten Jahre; der Ort der Schlacht war nicht das Thal Zephata, wie auch Ewald irrthümlich annimmt, sondern nördlich von Marescha; denn das. 14, 9 השרמל זהפצ איגב hat keinen Sinn; man muß daher mit LXX κατὰ βοῤῥᾶν Μαρƞσά lesen = השרמל הניפצ. [So auch Smend bei Riehm-Bäthgen s.v. Maresa und Buhl, S. 89 Anm. 91].


37 Könige I, 15, 17 fg.; Chronik II, 16, 1 setzt dieses Faktum in das 36. Jahr Aßa's, da aber Baescha bereits im 26. Jahre Aßa's starb, so muß die Zahl verdorben sein, etwa ל"ו entstanden aus כ"ו. Dann wäre diese Feindseligkeit in Baescha's letztem Regierungsjahre ausgebrochen. [Anders Oettli a.a. O zur Stelle.]


38 Jeremia 41, 9.


39 Könige I, 16, 8 fg. Vgl. das. II, 9, 31. Wunderlich hat Ewald aus dieser Stelle geschlossen, als ob Simri Ela's Frauen verschont hätte, und daß die bereits alte Isebel durch Toilettenkünste Jehu verführen wollte, mit ihr Thron und Bett zu theilen! Isebel nannte Jehu nur deßwegen וינדא גרה ירמז weil jener gleich diesem ein Beamter des Königs war (וינדא ידבעמ), also die Pflicht hatte, doppelt treu zu sein, und dennoch Beide ihren Herrn getödtet haben.


40 Könige das. 16, 6.


41 Das. 16, 21 fg. Ueber die Chronologie B. I, S. 471. Zu V. 22 ינבת תמיו hat die griechische Version (beider Texte) einen Zusatz, als wenn Thibni einen Bruder Joram gehabt hätte; Vaticanus: καὶ ἀπέϑανε Θαμνὶ καὶ Ἰωρὰμ ὁ ἀδελφὸς αὐτοῠ; Alexandrinus: ἡττἠϑƞ ὁ λαὸς ὁ ὢν ὀπὶσω Θαμνὶ καὶ Ἰωρὰμ ὁ ὰδελφὸς αὐτοῠ. Es ist nicht denkbar, daß mit einem Male ein Bruder genannt sein soll, von dem früher nicht die Rede war. Betrachtet man, daß im Alexandrinus vom Tode Thibni's nichts erwähnt wird, daß also eine Auslassung angenommen werden muß, so kommt man darauf, daß diese Thatsache in dem Zusatz erwähnt sein muß. Der Vertent des Alexandrinus hatte vor sich תמיו ותא oder ähnliches, las aber dafür ויחא םרויו. Dasselbe ist der Fall im Vaticanus. [Anders Klostermann u. Benzinger a.a.O. zur Stelle.]


42 Kriege zwischen Omri und Aßa werden in den Annalen nicht erwähnt, wie früher unter Jerobeam und Baescha; Achab war auf das innigste mit Josaphat befreundet und verschwägerte sich mit ihm. Da Achab kein Mann der Initiative war, so kann der Plan friedlichen Zusammengehens mit dem davidischen Hause nur von Omri ausgegangen sein. Auf ihn wird auch die umwälzende Neuerung im Zehnstämmereich zurückgeführt. (Micha 6, 16) ירמע תוקח רמתשיו, auch angedeutet Könige I, 16, 25. Die Politik, welche Achab später verfolgte, muß also, als von Omri eingeleitet, betrachtet werden. Auch die Verheirathung seines Thronerben mit der sidonischen Königstochter (das. V. 31) war ohne Zweifel sein Werk.


43 Ueber diesen König vgl. Menander bei Josephus, Alterth. VIII. 13, 1, 2; [IX, 66] contra Apionem I, 18. An dieser letzten Stelle wird Ithobal Ἀστάρτƞς ἱερεύς genannt. Vgl. Movers, Phönicier II. 1. S 344 fg. [u. Pietschmann, Gesch. d, Phönicier, S. 298 fg. Ed. Meyer, Gesch. d. Alterthums I, S. 346. 396.]


44 S. Note 2, die moabitische Mesa-Inschrift.


45 Könige I, 20, 34, woraus entschieden hervorgeht, daß diese Vereinbarung in Folge einer Niederlage Omri's erfolgt ist.


46 Vgl. S. 20 Anmerk. 1.


47 Könige I, 22, 39; vgl. 20, 3.


48 Das. 16, 25.


49 Könige I, 21, 25.


50 Das. 21, 8.



51 Das. I, 16, 32; II, 10, 21; 25-27.


52 Vgl. Movers Phönicier I, S. 674 fg. Daß mehrere Altäre und תובצמ, d.h. konische, phallusartige Säulen, im Baaltempel aufgestellt waren folgt aus Könige II, 10, 26 (vgl. LXX) und 11, 18. [Vgl. Pietschmann a.a.O. S. 204 ff.]


53 Könige I, 18, 19, 22.


54 Vgl. bei Movers das. S. 682 die Velege. [Pietschmann a.a.O. S. 164.]


55 Es ist auffallend, daß in der Geschichte Achab's und Isebel's nichts von תושדק erwähnt wird; sie gehörten aber streng zur הרשא o. S. 15 und Könige II, 23, 7.


56 Folgt aus Könige II, 11, 18.


57 Das. I, 19, 10; 14, folgt auch aus 18, 30.


58 Das. I, 19, 18.


59 Das. 18, 21.


60 Chronologisch läßt sich Elia's Wirksamkeit nur ungefähr bestimmen. Er trat gegen Achab und Isebel auf und lebte noch während Achasja's Regierung 901.

61 Könige I, 17, 1. Der Ausdruck דעלג יבשתמ scheint darauf hinzuweisen, daß seine Vorfahren zu dem geduldeten Rest der Ureinwohner gehörten. Daher wird der Name seines Vaters nicht genannt, wie bei seinem Jünger Elisa.


62 Maleachi 3, 23.


63 Könige I, 18, 12.


64 Bei ihm und seinem Nachfolger Elisa wird der Ausdruck gebraucht 'ה ינפל דמע (17, 1 und a. St.) d.h. Gott mit aller Kraft wie ein Sklave seinem Herrn dienen. Uebrigens muß vor der Erzählung von Elia's Leben ein ganzes Stück Geschichte aus den Erinnerungen der späteren Propheten verloren gegangen sein, denn diese Erzählung beginnt ex abrupto.


65 Könige II, 1, 8; 2, 8; 14. Es ist unter dieser תרדא zu verstehen: רעש תרדא, welches die Propheten seit Eliahu zu tragen pflegten, Zacharia 13, 4, Dasselbe wird auch קש genannt Jes. 20, 2.


66 Folgt aus Amos 2, 11-12.


67 Vgl. weiter unten bei Elisa.


68 Ergiebt sich aus dem Folgenden.


69 Folgt aus Amos das., daß die Propheten zugleich Nasiräer waren.

70 Jeremia 35, 5-10. Jonadab war ein Zeitgenosse Eliahu's und ein Feind des Baalkultus, Könige II, 10, 15-16. Aus dieser Stelle geht hervor, daß Jonadab nicht ein Judäer war, wie man aus Chronik I, 2, 55 geschlossen hat. בכר תיב kann auch eine Stadt sein, wie die vorangehenden Eigennamen mit dem vorgesetzten יבא. Jehu traf Jonadab auf dem Wege von Jesreel nach Samaria. Wie käme dieser dahin, wenn er ein Judäer gewesen wäre?


71 Könige I, 18, 4; 13.


72 Das.


73 Das. 22, 39.


74 Das. 16, 34.


75 Josua 18, 21.


76 Folgt aus Amos 3, 15.


77 Das. und Könige I, 22, 39.


78 Das. 21, 1 fg. V. 7 ist dunkel הכולמ השע kommt sonst nicht vor. LXX fügen hinzu σὺ νῠν οὕτω? [Vgl. a. Klostermann z. St.] Uebrigens sind die Relationen von Eliahu und Achab nicht in chronologischer Reihenfolge geordnet. Schon die griechische Version verbindet Kap. 19 mit 21 und 20 mit 22. Die letzten zwei Kapitel, welche die Kriegsgeschichte Achab's und Ben-Hadad's mittheilen, reseriren die Vorgänge in den letzten vier Regierungsjahren Achab's. Kap. 22 vom letzten Krieg und Tod Achab's sagt im Anfang, daß drei Jahre Ruhe war; folglich spielt der Krieg, welcher 20, 26 fg. erzählt wird, 3 Jahre vor Achab's Tod und der ihm vorangegangene nach 20, 22 fg. ein Jahr vorher. Kap. 18 und 19, welche Eliahu's Strafgericht an den Baalpropheten, seine Flucht, seinen Aufenthalt am Sinaï und den Auftrag, den er da erhalten hat, Jehu zu salben, erzählen, können auch nur von den letzten Jahren Achab's handeln. Da nach dieser Relation Elia wegen des Strafgerichtes von Isebel für vogelfrei erklärt wurde, so kann er sich nicht in Jesreel haben blicken lassen, um Achab wegen des Justizmordes an Naboth Vorwürfe zu machen. Chronologisch zu ordnen ist demnach zuerst Kap. 21, dann 18-19, dann 20 und 22. Die Ueberschrift in Cap. 21, הלאה םירבדה רחא יהיו, welche in LXX fehlt, muß sich auf eine andere Relation beziehen.


79 Das. 21, 8 fg. Das Letztere folgt aus Könige II, 9, 26.


80 LXX haben zu 21, 16 (20, 10) den Zusatz, Achab habe über Naboth's Tod getrauert.


81 Das. Könige I, 21, 19; II, 9, 25 fg.


82 Von der Hungersnoth in dieser Zeit das. I, 17, 7 fg. unter dem phönicischen König Ethbaal (Ithobal) berichtet auch Menander nach phönicischen Quellen (bei Josephus Alterth. VIII 13, 2): Μέμνƞται δὲ τῆς ἀνομβρίας ταύτƞς καὶ Μένανδρος ἐν ταῖς Ἰϑοβάλου τῶν Τυρίων βασιλέως πράξεσι λέγων ούτως: Ἀβροχὶα τε ἐπ᾽ αὐτοῠ ἐγένετο ἀπὸ τοῠ Υπερβερεταίου μƞνὀς ἕως τοῠ ἐχομένου ἔτους Υπερβερεταίου [Pietschmann a.a.O. S. 293]


83 Könige das. 18, 10.


84 Könige das. 18, 21. Der Ausdruck םתא יתמ דע םיפעסה יתש לע םיחספ ist dunkel, die Uebersetzung der LXX durch »Kniekehle« ist verfehlt. פיעס hat niemals diese Bedeutung. Es bedeutet vielmehr »Ast« und »Zweig«, auch »Felszacken«. Das Bild scheint vom Vogel hergenommen, der auf Zweigen hin und her hüpft, bald auf den einen, bald auf den andern. [Anders Klostermann z. St.]


85 Das. 19, 9-16. Die Worte: »Nicht im Sturme ist der Herr« und der Befehl an Eliahu, Elisa zu ernennen, sind unstreitig Tadelsäußerungen gegen Eliahu's Eifer.


86 Folgt aus Könige II, 2, 2 fg.


87 Könige I, 22, 8; 18; daß Micha in Kerkerhaft war, folgt aus V 26.


88 Das. 20, 1, 16.


89 Ueber die Zeit dieses Krieges, etwa im vierten Jahre vor Achab's Tod vgl. o. S. 28 Anmerk. 2.


90 Das. I, 20. 31.


91 Das. V. 33 ist sehr dunkel: das Verbum טלח ist ein ἅπαξ λεγόμενον. Die syrische Version giebt wohl das rechte Wort dafür: הנמ יהוטלפו d.h. וטקפיו [wajipaletu]; »sie befreiten ihn« oder de conatu »suchten ihn rasch zu befreien«. Das ה von ונממה muß nach den Versionen nicht bloß zum Verbum gezogen werden, sondern es muß in ein suffix. verbale mascul. verwandelt werden. ינממ והוטלפיו Aber auch ושחניו ist nicht verständlich. Während der Unterredung mit Achab konnten die Diener unmöglich ein Orakel befragen, ob dieser es ehrlich meinte. Man muß wohl dafür setzen וש חיו [wajach schu]; es soll mit ורהמיו das Schnelle der Handlung bezeichnen, wie Jesaia 5, 19. [Ganz anders Klostermann zur Stelle; vgl. gegen ihn Benzinger zur Stelle.]


92 Könige das. V. 34. Vor תירבב ינאו muß ergänzt werden רמא באחאו. [Vgl. auch Benzinger zur Stelle.]


93 Das. 35 fg. Josephus nennt diesen Propheten oder םיאיבנה ינבמ Micha. Alterth. VIII. 14, 5.


94 Könige das. 22, 3.

95 Könige I, 22, 47.


96 Chronik II, 17, 6 fg. im Gegensatz zur nüchternen Erzählung Könige das. u. V. 43-44. Die Thatsache von der Einsetzung der Richter und von dem feindlichen Einfall der Ammoniter und Moabiter und der Bewohner des Berges Seïr in Juda, die in Chronik erzählt wird, ist von zweifelhafter geschichtlicher Wahrheit. [Vgl. Wellhausen, Prolegomena zur Gesch. Israels, 3. Aufl., S. 196 fg. u. dagegen Ewald, Gesch. Israels III. 509 fg. u. Oettli a.a.O. S. 114.]


97 Könige II. 8, 18, 26-27.


98 Das. I, 22, 48. Der Ausdruck ךלמ בצנ ist sehr dunkel; das Wort ךלמ fehlt noch dazu in der griechischen und syrischen Version; aus II, 8, 20 fg. folgt indeß, daß Edom unter Josaphat in Botmäßigkeit von Juda war. [Vgl. Ztschr. f. alttestamentl. Wissensch. V, 178.]


99 Das. I, 22, 5 fg. V. 36 הנרה רבעיו übersetzen sämmtliche drei alten Versionen durch Herold: στρατοκῆρυξ, P. אזורכ, Targum זורכ. Demnach ist הנר ein nomen agentis für ןנר [rinan] oder richtiger ןנר [ranan] der Schreier oder Ausrufer.


100 Das. V. 38. Die LXX haben noch einen Zusatz καὶ ὕες; was וצחר תונזהו bedeuten soll, ist noch dunkel.

101 Das. I, 22, 50.


102 Könige II. 1, 1; 3, 5.


103 Das. II, 1, 9.


104 Das. I 19, 19 fg.


105 Das. II, 3, 11.


106 Das. II, 1, 3 fg.


107 Das. 2, 1 fg.


108 Das. I, 17, 3 fg.; 6.


109 Das. V. 9 fg


110 Das. 19, 6-8.


111 Das. 17, 17 fg.


112 Folgt aus Könige I, 14, 3.


113 Folgt aus das. II, 5, 26; das. 4, 42-44.


114 Das. 4, 1 fg.; 6, 1 fg.


115 Das. 2, 9 fg. ךחורב םינש יפ bedeutet nicht das Doppelte, noch zwei Drittel von Eliahu's Geist, sondern wie an den andern beiden Parallelstellen Deuteron. 21, 17; Zacharia 13, 8: zwei Theile, einen Theil mehr als die Uebrigen, d.h. das Erstgeburtsrecht.


116 Könige II, 2, 25; 4, 25.

117 Das. 3, 2; da nach das. 10, 26-29 in Samaria diese תובצמ bis zu Jehu's Umsturz stehen blieben, so kann sich das Erstere nur auf eine andere Lokalität beziehen.


118 Das. 3, 14.


119 Diesen Zug hat Josephus, Alterth. IX, 3, 1.


120 Das. 3, 21 fg. ףצק ist hier nichts anderes als Pest, wie Numeri 17, 11; 18, 5. So richtig Schlottmann in theol. Stud. und Krit. 1871, S. 919, vgl. Note 2. Die Zeit dieses Krieges ist fixirt in den letzten 5 Jahren Josaphat's und in den ersten Jehorams von Israel.


121 Das. 8, 18.


122 Das. V. 20 fg. V. 21 muß man lesen: הרעצ [tzoʽara] statt הריעצ und םודא והוא ךיו statt םודא תא הכיו, weil sonst das folgende בכרה ירש תאז dem widersprechen würde; die ganze Thatsache, daß Edom thatsächlich seit der Zeit unabhängig war, zeugt dafür. Schon Joseph Kimchi erklärt diesen Vers derart, daß Joram geschlagen wurde. Was das. V. 22 vom Abfall von הנבל hinzugefügt wird, ist unverständlich. Denn Libnah in der Gegend der Schephela gehörte damals zum Philisterland. Man muß einen anderen Namen dafür emendiren, vielleicht הנמת. [Vgl. Klostermann u. Benzinger a.a.O. zur Stelle.]


123 So ist die Erzählung in Könige II, 8, 7-15 zu verstehen, daß Chazael in Folge der zweideutigen Antwort Elisa's seinen Herrn umgebracht habe.


124 Das. 8, 28 fg.; 9, 15; das. V. 14b muß es heißen: רמש היה אוהיו statt םרויו. [Vgl. Benzinger a.a.O. S. 149].


125 Das. V. 13 ist תולעמה םרג לא dunkel, man muß dafür substituiren תולעמה םרמ לע [Andere Vorschläge bei Klostermann a.a.O.]


126 Das. V. 22 ist ךמא... ינונז דע dunkel, wird nur verständlich, wenn man םע dafür liest. [Vgl. andere Vorschläge bei Klostermann a.a.O.]


127 Vgl. o. S. 18, Anmerk. 1.


128 Das ist der Sinn von Könige II. 10, 11. Jehu hat nicht bloß die Glieder des Hauses Achab; sondern auch die Großen und Vertrauten ויעדימו וילדג לכו umbringen lassen. Das Folgende וינהכו leitet die Erzählung von das. V. 18-25 ein.


129 Das. 10, 18 fg In V. 25 fg. ist manches nicht verstanden worden. לעבה תיב ריע kann weder Vorstadt, noch Burg, noch Inneres bedeuten; man muß sich schon entschließen, ריבד zu lesen: das Hinterste, Heiligste, Adyton [So auch Klostermann a.a.O.] Zweimal steht V. 26-27 לעבה תיב תובצמ, einmal Plur. und ein mal Sing. Das ist unverständlich, um so unverständlicher, als die תבצמ oder תובצמ voraussätzlich aus Stein waren, und diese können doch nicht verbrannt worden sein! Auf Solche paßte lediglich »zerstören« תא וצתיו לעבה תבצמ. Das Götzenbild selbst war entschieden aus Gold verfertigt, d.h. mit einem goldenen Ueberzuge (תכסמ); vgl. Hosea 2, 10 לעבל ושע בהזו; Chronik II. 28, 2 םילעבל. V. 26 muß man also lesen תכסמ תא ואיציו הופרשיו לעבה תיב; vgl. Exodus 32, 20. V. 26 ist von dem Bilde die Rede im Sing. und im folgenden von den Spitzsäulen im Plural. [Klostermann a.a.O., liest V. 26 תבצמ sing. u. hält 27a nur für eine Variante zu V. 26.]


130 Das. V. 16.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1902, Band 2.1, S. 47.
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