4. Kapitel. Der Niedergang des Zehnstämmereiches, das Haus David und die Einmischung der Assyrier. (758-740.)

[96] König Menahem. Die Babylonier und Assyrier. Die assyrischen Eroberungen. Die Vasallenschaft des Reiches Samaria. Pekach, Rezin und Elulaï. Jotham folgt seinem Vater Usia nach. Seine Thaten. Die Verworfenheit der Fürsten Juda's. Der Palasthauptmann. Der Prophet Jesaia. Die Kraft und Eigenthümlichkeit seiner prophetischen Beredtsamkeit. Jesaia's Prophetenschule. Die Anawim. Die Psalmdichtung der Leviten. Aegypten, die äthiopische Dynastie, Sabako's Eroberungen. Der Prophet Zacharia I.


Als der König Usia von einem unheilbaren Aussatz befallen war und seine letzten Lebensjahre in der Einsamkeit zubringen mußte, übernahm sein noch junger Sohn Jotham die Verwaltung des Landes. Im Zehnstämmereich regierte der grausame Thronräuber Menahem wahrscheinlich mit eiserner Hand. Beide Reiche gingen in den alten Geleisen fort, ohne zu ahnen, daß sich am fernen Horizont gewitterschwangere Wolken zusammenzogen, die sich verderblich auch auf sie entladen würden. Vom Norden aus, aus den Euphrat- und Tigris-Ländern sollte schwere Prüfung über das Volk beider Reiche kommen. Hier bestanden seit uralten Zeiten, noch vor den hebräischen Erzvätern, zwei Reiche, welche berufen waren, in das Geschick von deren Nachkommen tief einzugreifen. In der Tiefebene von Sinear (Schinear), da wo die zwei aus dem armenischen Hochgebirge strömenden Zwillingsflüsse, Euphrat und Tigris; der eine ruhig und der andere stürmisch und pfeilschnell, sich einander nähern, um in den persischen Meerbusen einzulaufen, entstand nach der Sündfluth das altbabylonische Reich, das sich um die Stadt Babel gruppirte. Die regelmäßigen Ueberschwemmungen des Euphrat, welche Schlammlagen zurückließen, machten die Gegend fruchtbar und bewirkten, daß Getreide und Dattelpalmen in großer Menge wuchsen. Der Fluß beförderte auch die Schifffahrt ins persische Meer. In dieser Tiefebene Sinear wohnte in uralter Zeit eine gemischte Bevölkerung semitischer, chamitischer und arischer Abkunft und gab Veranlassung zu der Vorstellung, daß hier einst nach der Sündfluth der Sammelpunkt der geretteten Menschen gewesen sei und von hier aus die verschiedenen Völkerschaften sich zerstreut haben. [96] Als der erste Gründer des altbabylonischen Reiches wird Nimrod genannt, von dem sich lange Zeit ein Sprichwort erhalten hat: »ein Held der Jagd wie Nimrod.« Frühzeitig entstanden hier weit ausgedehnte Städte, deren Trümmer noch heutigen Tages vorhanden sind und Staunen erregen. Zunächst Babel, das wegen seiner außerordentlichen Ausdehnung (9 oder 12 Meilen), seiner Mauern, seines Belthurmes (600 Fuß hoch), seiner Paläste und seiner Handelsblüthe im Alterthum als ein Wunderwerk galt. Nächst dieser Riesenstadt waren berühmt Erech (Orchoi, jetzt Warraka) und Kalneh (jetzt Nipur, Niffor)1. Nördlich von Babel waren die Städte Sippara (Separwaim) am Euphrat, bei welchem die Sage Schriften der Weisheit von Halbgöttern vergraben sein ließ, und Kutha, südlich davon gelegen. Die alten Babylonier haben in manchen Kunstfertigkeiten die Aegypter und Phönicier noch übertroffen. Babylonische Teppiche waren weit und breit als Gegenstände der äußersten Pracht gesucht. Ihre vollendete Baukunst erregte um so mehr Erstaunen, als sie nicht, wie die Aegypter, Baumaterial aus Steinbrüchen holen konnten, sondern es aus Backsteinen und Ziegeln anfertigen und mit Erdharz, welches ein Nebenfluß (Is) des Euphrat lieferte, befestigen mußten.

Ein bleibenderes Verdienst haben die Babylonier (später Chaldäer genannt) um die Himmels- und Sternkunde und um die genaue Eintheilung der Zeit. Die weit ausgedehnten Ebenen ihres Landesboten in den, während des größten Theils des Jahres klaren Nächten Gelegenheit zu Beobachtungen der Regelmäßigkeit und der Abweichungen der Himmelslichter. Kein Berg verschließt den Blicken die weite Aussicht. Babylonische Weisen haben zuerst Mond- und Sonnenfinsternisse berechnet und demgemäß auch voraus verkündet, zuerst den Auf- und Niedergang der Sterne und den Rundgang des Thierkreises zuerst beobachtet. Um die Zeit mit aller Genauigkeit bestimmen zu können, mußten sie eine feste Jahresform aufstellen oder den Umlauf der Sonne mit dem des Mondes in Gleichklang setzen. Sie haben daher zuerst die Schaltjahre eingeführt. Sie berechneten einen Cyklus von sechzig Jahren (12×5, ein Soss) in welchem die Umlaufszeiten von Sonne und Mond sich einander bis auf drei Tage nähern. Auch diesen [97] Ueberschuß von wenigen Tagen glichen sie wieder in zehnmal sechzig Jahren (Ner) aus und bestimmten dadurch den Monat zu 29 Tagen 12 Stunden und Bruchtheilen2. Erst durch die astronomische Berechnung der Monatsdauer war es möglich geworden, ein regelmäßiges Kalenderjahr festzustellen, die Vorgänge der Zeitenflucht festzuhalten und den Erinnerungen einen Anhaltspunkt gegen das Schwanken der Selbsttäuschung zu geben. Die Babylonier befaßten sich aber nicht bloß mit dem ausgedehnten Felde der Sternenwelt, um große Zeiträume zu umspannen, sondern auch mit dem Winzigen und Kleinen, das kaum einen Eindruck auf die Sinne macht. Sie erfanden auch dafür einen Maßstab. Wenn die Berechnung der Umlaufszeiten der Sonne und des Mondes, der Sonnen- und Mondfinsternisse, des Auf und Niederganges der Sterne astronomisch genau sein sollte, mußten nicht bloß die großen Zeiträume der Cyklen von sechzig und sechshundert Jahren, die Jahre und Monate, sondern auch kleine Zeitabschnitte von Stunden und Bruchtheilen derselben genau bestimmt werden. Auch dafür haben die babylonischen Weisen einen Maßstab erfunden, der auch von der Menge benutzt werden konnte. Sie haben zuerst die Eintheilung der Stunden eingeführt. Für die Tagesstunden haben sie eine Sonnen- oder Schattenuhr (γνώμων) und für die Nachtstunden ein Gefäß mit Wasser erfunden, das innerhalb dieses Zeitmaßes aus einer Oeffnung abfloß3. Selbst ein Instrument, um die Sonnen- und Erdachse und den Stand der Jahreszeiten astronomisch zu bestimmen, haben sie eingeführt4. Hand in Hand mit der Messung der Zeit ging bei ihnen die genaue Regelung des Gewichtes und Maßes. Ein Kubikfuß Regenwasser gab zugleich das Gewicht für ein babylonisches Talent, und dieses wieder gab die Einheit für Gewicht, Flächen-, Hohl- und Flüssigkeitsmaße5. Diese Meßkunde und astronomische Wissenschaft gingen von ihnen zu verschiedenen Völkern über, selbst zu den Griechen, welche gelehrige Schüler der Babylonier waren. Zahlen wußten die Babylonier so gewandt zu behandeln, daß sie für höhere Rechnungen (im Quadrat) Täfelchen angelegt haben, die unter Trümmern in Südbabylonien aufgefunden wurden6.

[98] Die Babylonier lieferten aber, wie die Aegypter, Phönicier Griechen und andere Völker den Beweis, daß Kunstfertigkeit und Wissenschaft nicht allein im Stande sind, vor Thorheiten und Sittenverderbniß zu schützen. Ihre Sternkunde artete in astrologische Spielerei aus, sie glaubten durch den Stand und das Zusammentreffen der Gestirne die Geschicke der Menschen vorausbestimmen zu können. »Die Himmelstheiler schauten nach den Sternen und verkündeten Monat für Monat, was den Menschen zugetheilt sei«7. Ihre Götterlehre war eine noch größere Thorheit. Jede der verschiedenen Völkerschaften, welche sich in dem Thale Sinear angesiedelt hatten, brachten ihre Götter mit, die allmälig von Allen angenommen wurden, und solchergestalt verehrten die Babylonier fünfzehn Obergötter und noch eine große Menge Untergötter, selbstverständlich männlichen und weiblichen Geschlechtes. Die Hauptgottheiten waren indeß Bel und seine Genossin Baaltis (Beltis, Mylitta). Dazu kamen noch die Sonne, der Mond8 und die fünf dem Auge erkennbaren Planeten; Merodach oder Bel-Merodach (Jupiter), Nin (Saturn), Nergal (Mars), Isthar (Venus) und Nebo (Merkur). Alle diese Götter und Göttinnen wurden in Bildnissen dargestellt, und die Bilder wurden verehrt9. Dem Hauptgott Bel war der Riesentempel mit dem hohen Thurme in Babel geweiht, in welchem mehrere Bildnisse desselben aus Gold aufgestellt. waren, ihnen wurden goldene Tische mit Speisen vorgesetzt (Lectisternia)10.

Die Beltis wurde durch Unzucht verehrt. Jedes Frauenzimmer mußte sich einmal in deren Tempelraum begeben und dort abwarten, bis ihr der erste beste Mann ein Geldstück in den Schoß warf mit den Worten: »Ich rufe die Göttin Mylitta an,« und sie in ein Zelt [99] abführte11. Das Geld, viel oder wenig, gehörte dem Tempel oder richtiger den Priestern. In Folge des Mylittenkultus stieg die Unzucht des weiblichen Geschlechtes auf eine unglaubliche Höhe; nicht bloß Jungfrauen, sondern selbst ehrbare Frauen aus den höheren Ständen legten bei Gastmählern fremden Männern gegenüber alle Scham ab12.

Von Babel ging ein Eroberer aus, welcher die nördlichen und höher gelegenen Stellen des Zwischenflußlandes (Mesopotamien) unterwarf. Dieser Eroberer wird Aschur genannt, und er gründete die Landschaft Aschur, Assyrien (Athura), das sich um die neugegründete Stadt Ninive zwischen dem Tigris und dem großen Zab-Fluß (Lycus) gruppirte. Auch Ninive erlangte eine erstaunliche Ausdehnung, »einen Umfang von drei Tagereisen,« dessen Trümmer noch heute von seiner ehemaligen Größe zeugen. Als sich die Landschaft Assyrien von diesem Mittelpunkte aus nach West, Ost und Nord ausbreitete, machte sie sich, etwa um die Zeit der Richter (1274), von dem Mutterstaat Babel unabhängig. Da das Klima des höher gelegenen ninivitischen Landes rauher ist, als das des Landes Sinear, so waren die Bewohner kräftiger und kriegerischer, verfielen nicht in Weichlichkeit und konnten erobernd vordringen. Je mehr Eroberungen Assyrien machte, desto mächtiger wurde es, indem es kräftige Völkerschaften der nördlichen Gebirgslandschaften, Meder, Armenier, Skythen und auch die Aramäer am oberen Euphrat unterwarf. Selbst das babylonische Mutterland gerieth in Abhängigkeit der assyrischen Könige. Assyrien wurde allmälig ein Großstaat, der zweite nächst Aegypten. Obwohl es durch seinen mächtigen Aufschwung das altbabylonische Reich eine Zeitlang verdunkelt und in Vergessenheit gebracht hat, so nahm es doch Babel zum Muster für alle Lebensbeziehungen. Die herrschende Klasse in beiden Ländern war stammverwandt, redete auch dieselbe Sprache, die eine Mischung von verschiedenen Mundarten war; der Hauptbestandtheil war indeß das Semitische oder Aramäische, das sich dem Hebräischen oder Phönicischen näherte, so weit man nach den Zahl- und Fürwörtern darüber urtheilen kann. Auch die Schrift beider Völker war dieselbe, mit dem Grundcharakter der Pfeilfigur (Keilschrift). Die Götter der Assyrier waren dieselben, wie die babylonischen, nur daß sie noch einen Gott mehr hinzufügten, Aschur, den Begründer ihres Landes und ihrer Macht, den sie daher noch höher als die übrigen Götter stellten13. Die Göttin der Ausschweifung und der Fruchtbarkeit, [100] Mylitta, wurde auch von ihnen verehrt14. Babel, die Lehrmeisterin für die Assyrier, wurde allmälig in vielen Punkten von den Schülern übertroffen. Ihre Bauten, wozu sie nicht bloß Ziegel und Backsteine, sondern auch Felsstücke aus dem Gebirge verwenden konnten, waren noch riesiger, prächtiger, mit Malereien und ausgehauenen Figuren geschmückt. Wie sie den Helden ihres Stammes und den Gründer ihres Staates über die Götter stellten, so zollten sie auch ihren Königen noch mehr Hochachtung als den Göttern. Gegen die riesigen und reichgeschmückten Paläste der assyrischen Herrscher erscheinen die Tempel der assyrischen Götter klein und ärmlich. Die assyrischen Könige beschäftigten sich abwechselnd mit Krieg, mit Jagd in den Gebirgen, welche voll von Wild waren, und mit leckeren Gelagen. Sie ließen sich auch an den Wänden ihrer Paläste abbilden, meistens mit Köcher und Bogen, wie sie die Gefangenen niedermachten oder Löwen erlegten, oder wie sie, von zahlreichen Dienern umgeben, den Pokal in der Hand hielten. Kriegerisch waren die Assyrer bis zum Uebermaß. Es war ein kräftiger Menschenschlag, der von seinen eroberungssüchtigen Königen zu harten Kämpfen gestählt wurde. Die Assyrer hatten Rosse in Menge aus den armenischen Gebirgen und konnten als gute Reiter leicht über Feinde, welche bloß Fußvolk ihnen entgegenstellten, Siege davon tragen. Ein judäischer Seher schilderte das assyrische Volk mit anschaulicher Treue: »Es kommt leicht und schnell einher. Kein Müder und Schwacher ist unter ihnen. Es schläft und schlummert nicht. Es löst sich nicht der Gurt seiner Lenden, und es reißt nicht der Riemen seiner Schuhe. Seine Pfeile sind geschärft und alle seine Bogen gespannt. Die Hufe seiner Rosse gleichen dem Kiesel und seine Wagen dem Sturmwind. Es brüllt wie die Löwen, ergreift die Beute, trägt sie fort, und niemand kann sie ihm entreißen«15. Bei den Assyrern, wie bei allen Völkern des Alterthums – mit Ausnahme der Griechen und Römer – war der König der Inhaber aller Macht, das Volk nur eine Heerde, welche zur Schlachtbank geführt werden durfte. Die assyrischen Herrscher legten sich zuerst den prunkenden Titel »Großkönige« bei16. Konnten sie sich doch rühmen, daß selbst die ihnen untergeordneten Fürsten Könige waren17!

Sobald die Assyrer ihr Gebiet nach Nord, Ost und West ausgedehnt hatten, richteten sie ihr Augenmerk auf den Süden. Sie gedachten zunächst die Seegestade der Phönicier in ihre Gewalt zu [101] bringen und damit in den Besitz des Reichthums dieses Handelsvolkes zu gelangen. In zweiter Reihe kam Aegypten in Betracht, dessen Reichthum und Glanz ebenfalls zur Eroberung verlockte. Möglich, daß die Besitznahme von Damaskus und Hamath durch Jerobeam II. (o. S. 65) sie zuerst darauf gebracht hat, sich in die politischen Verhältnisse der Völker an der Westseite des Euphrat und in der Libanon-Gegend einzumischen. Die besiegten Aramäer mögen den Hof von Ninive zu Hilfe gerufen haben. Denn Damaskus und Hamath wurden in dieser Zeit wieder frei und bildeten, wenn auch nicht mehr, wie ehemals, mächtige Staaten, so doch unabhängige Gemeinwesen18. So erschien zum ersten Mal ein assyrisches Heer auf israelitischem Boden, ein Volk, das berufen war, mehrere Geschlechter, ein halbes Jahrhundert hindurch beide Reichshälften in Schrecken zu versetzen und dem Zehnstämmereich ein Ende zu machen. Phul19 war der erste König, welcher einen Einfall auf israelitisches Gebiet machte. Von Hamath und Damaskus aus bewegte sich das assyrische Heer, das aus viel Reiterei und Kriegswagen bestand, wohl zuerst an der Ostjordanseite, überfiel die gileaditischen Städte, machte die Bewohner zu Gefangenen, welche nicht die Flucht ergriffen hatten, und plünderte deren Habe. Dann setzten die Assyrer über den Jordan und verfuhren auf dieselbe Weise in den Landstrichen Sebulon und Naphtali. Der König Menahem wagte nicht einmal einer so gewaltigen Kriegsmacht den Heerbann entgegen zu stellen. Die inneren Wirren müssen seine Kräfte ohnehin so sehr gelähmt haben, daß er an Gegenwehr nicht denken konnte. Der Fluch des Königsmordes traf ihn, freilich eben so hart und noch härter das Land. Menahem war im Volke verhaßt; die Grausamkeit, mit der er sich in den Besitz der Macht gesetzt hatte, war noch in frischem Andenken. Die Freunde des ermordeten Königs sorgten dafür, daß dieser Haß nicht erkaltete. Als Phul den israelitischen Boden betreten hatte, scheinen die Feinde Menahem's sich zu ihm mit dem Ansuchen begeben zu haben, den König, welcher sich dem Volke aufgedrängt hatte, zu entthronen. Menahem kam ihnen aber zuvor. Auch er begab sich zu dem assyrischen Eroberer und versprach ihm eine außerordentliche Geldsumme, tausend Khikhar Silbers (etwa 7 000 000 Mark), wenn er die Regierung in seiner Hand befestigen würde. Phul, der aus einem unbekannt gebliebenen Grunde nicht festen Fuß in diesem Gebiet fassen[102] mochte oder konnte, begnügte sich mit der angebotenen Abfindungssumme und zog vom Reiche Israel ab, die Beute und die gemachten Gefangenen mit sich führend20. Das Loskaufsgeld erlegte nicht etwa der König Menahem aus seinem Schatze, sondern erzwang es von den Reichen; jeder derselben mußte die damals bedeutende Summe von 50 Schekel (etwa 126 Mark) dazu beisteuern21.

So war denn der Anfang vom Ende eingetroffen und Amos' Prophezeihung, die er ein halbes Jahrhundert vorherdeutlich ausgesprochen hatte, ein fernes Volk werde Israeliten in ein entferntes Land weit über Damaskus hinaus vertreiben (o. S. 79), war zum Theil in Erfüllung gegangen. Die ersten Israeliten waren nach der Tigris-Gegend oder in irgend ein Gebiet des großen assyrischen Reiches verpflanzt. Indessen schien das Zehnstämmereich äußerlich noch ungebrochen. Es zählte noch 60,00022 Wohlhabende, welche die bedeutende Abfindungssumme leisten konnten. Noch hatte Menahem Reiterei, Kriegsmittel und feste Städte, auf die er sich verlassen zu können vermeinte. Allein ohne es zu merken, war das Greisenalter über das Volk gekommen, wie ein Prophet den Zustand der eingetretenen Zerfahrenheit so treffend bezeichnete23. Die Spaltung im Innern löste allmählich den Fugenbau des Staates auf. Als der grausame Menahem gestorben war und sein Sohn Pekachja ihm gefolgt war (757), konnte dieser sich kaum zwei volle Jahre behaupten. Sein eigener Wagenkämpfer Pekach, Sohn Remaljahu's, zettelte eine Verschwörung gegen ihn an, tödtete ihn in seinem eigenen Palaste in Samaria (756) und warf sich zum König auf. Der Vorgang dieses Königsmordes, bereits des siebenten seit der Entstehung des Zehnstämmereiches, ist in Dunkel gehüllt; es scheint, daß Pekach erst noch zwei Nebenbuhler, Argob und Arjeh24 hat beseitigen müssen, ehe er den Thron von Samaria besteigen konnte. Drei Könige sind in einem Monat vertilgt worden. Fünfzig Gileaditen spielten dabei eine Rolle; es ist ungewiß, ob als Mitverschworene oder als Gegner Pekach's.

Der Sohn Remaljahu's, der vorletzte König von Israel (755 bis 736) war ein fester, rücksichtsloser, gewaltthätiger Mann, der noch mehr als seine Vorgänger das Volk bedrückte. Er wurde als falscher [103] Hirt charakterisirt, »der die Herde preisgegeben, die vermißten nicht aufgesucht, die Verwundeten nicht geheilt, die Kranken nicht gepflegt und noch dazu das Fleisch der Gesunden aufgezehrt hat.« Um sich gegen Angriffe von Seiten der Assyrier zu decken, trat er einem Bündnisse bei, welches die Herrscher der Nachbarvölker unter einander geschlossen hatten, um der ninivitischen Großmacht mit vereinten Kräften besser widerstehen zu können. Von wem die Anregung zu einer Vereinigung ausgegangen sein mag, läßt sich nicht mit Gewißheit ermitteln, wahrscheinlich von Damaskus aus, das wieder einen König hatte Namens Rezin und das dem Ungestüm eines assyrischen Eroberungszuges zuerst ausgesetzt war. Es gehörten dazu die aramäischen Fürstenthümer Hamath und Zoba. Tyrus selbst, der Vorort des phönicischen Staates, trat wohl ebenfalls dem Bunde bei. Möglich, daß der tyrische König Elulai, welcher schon damals regierte25, in Voraussicht, daß Phönicien von Assyrien bedroht werden würde, sich an der feindlichen Haltung gegen dasselbe betheiligte. Die Insel Tyrus, welche der Hauptstandort der ein- und auslaufenden Schiffe war, wurde wohl damals durch ein mächtiges Bollwerk mit Mauern und Thürmen befestigt26. Zweifelhaft ist es, ob auch das Reich Juda dem Bündnisse gegen Assyrien beigetreten ist.

Nachdem der König dieses Landes, Usia, im Aussatzhause gestorben war, nahm sein Sohn Jotham, welcher mehrere Jahre als Verweser regiert hatte, den Königstitel an. Jotham (754-740) besaß keine hervorragenden Eigenschaften, war weder unternehmend, noch staatsmännisch, sondern verharrte in den von seinem Vater gebahnten Geleisen. Im Innern scheint er den Frieden erhalten zu haben, wenigstens wird kein Zerwürfniß zwischen ihm und dem Hohenpriester gemeldet27. Aeußerlich bestanden die Machtverhältnisse fort, welche Usia geschaffen hatte, Reiterabtheilungen, Kriegswagen, Tarschisch-Schiffe, welche die Schifffahrt auf dem Rothen Meere betrieben, Reichthum und Glanz28. Jotham ließ Jerusalem noch mehr befestigen und zwar von der Ostseite, wo der Tempel stand, den Moriahügel und seine Fortsetzung. Die Abdachung des Ophel29 war zwar durch das daranstoßende Kidron-Thal gesichert und durch eine Umwallung geschützt; aber diese Wehr genügte nur gegen ungeregelte Kriegshaufen, welche [104] von der Belagerungskunst nichts verstanden. Solche konnten von den Höhen aus durch Pfeile und Steinschleudern von Angriffen abgehalten werden. Aber gegen ein kriegsgeübtes und mit starken Belagerungsmitteln versehenes Heer schien dieser Schutz nicht ausreichend. Jotham ließ daher die Ostmauer widerstandsfähiger machen. Da aber der Eingang zum Tempel an dieser Seite war, so mußte hier ein geräumiges Thor angebracht und dieses Thor selbst widerstandsfähig gemacht werden. Dieses Ostthor erhielt den Namen das »obere Thor«, weil der Hügel und die Mauer an dieser Seite eine höhere Lage hatten30. Diese Mauer an der Ostseite des Tempels wurde weiter südlich um den Hügel Ophel geführt, wahrscheinlich war dieser Stadttheil mehr bewohnt als früher und durfte nicht mehr ohne Vertheidigung gelassen werden. Auf dem Gebirge Juda ließ Jotham Städte bauen oder vielmehr befestigen, und auf waldigen Höhen ließ er Castelle und Thürme errichten31. Mit dem Zehnstämmereich oder mit dessen König Pekach stand er auf friedlichem Fuße, ja es scheint ein innigeres Bundesverhältniß zwischen beiden bestanden zu haben32.

Diese Freundschaft zwischen den beiden Reichen auf der einen und das Aufkommen eines anspruchsvollen Adels auf der andern Seite hatten die nachtheiligsten Folgen für die Gesittung in Juda und namentlich in der Hauptstadt. Durch unbekannte innere Vorgänge während Jotham's Verweserschaft hatten nämlich vornehme Familien ihr Haupt so hoch gehoben, daß sie fast den König überragten. Die »Fürsten Juda's« führten das große Wort, entschieden die wichtigsten Staatsangelegenheiten, rissen das Gerichtswesen an sich und verdunkelten allmälig das Haus David's so vollständig, daß es fast zum Schattenkönigthum herabsank33. Neben dem König vom Hause David's bestand eine prinzliche Familie, das Haus Nathan, von einem von David's [105] jüngeren Söhnen. Da diese Familie ihren Ursprung ebenfalls auf den Gründer des judäischen Königthums zurückführte, so dünkte sie sich der Königsfamilie ebenbürtig. Aus diesem Hause scheint der jedesmalige Palastaufseher ernannt worden zu sein, und dieser Oberbeamte beherrschte den Hof und die Dienerschaft, erlangte allmählich so viel Einfluß und Macht, daß er als der maßgebende Regent angesehen wurde, die Staatsangelegenheiten leitete, Belohnungen und Strafen austheilte, kurz eine solche Machtfülle in Händen hatte, daß der König nur herrschte, aber nicht regierte. Er führte den Titel »Verweser des Hofes« (Sochên). Auch die Häupter der vornehmsten Familien, die »Aeltesten« Juda's maßten sich eine selbstständige Stellung an, regierten in ihrem Kreise nach eignem Gutdünken und kümmerten sich wenig um königliche Befehle. Wenn sie sich mit dem Palasthauptmann oder dem Verweser abgefunden hatten, so konnten sie straflos über das Volk oder die Einsassen ihres Kreises schalten und walten. Da sie das Gerichtswesen in Händen hatten und über Leib und Gut des Einzelnen Entscheidung treffen konnten, so zitterten diese vor ihnen und büßten den Mannesmuth ein. Diese großen Herren, »die Fürsten Juda's,« waren der Krebsschaden, welcher an dem judäischen Staatsorganismus fraß. Zerfahrenheit, Laster und Mißstände, welche stets im Gefolge einer Adelsherrschaft zu sein pflegen, rissen auch hier ein. Die Adelskaste ist ihrer Natur nach herrsch- und selbstsüchtig. beutelustig und zu Erpressungen geneigt, um mit größeren Mitteln größere Bedürfnisse befriedigen und ihr Ansehen behaupten zu können. Der judäische Adel, die Fürsten Juda's, waren nicht besser, aber auch nicht schlimmer, als diese bevorzugte oder auf Vorzug pochende Kaste zu allen Zeiten war, wenn ihrer Macht nicht von oben oder unten, von dem festen einzelnen Willen auf dem Throne oder dem Gesammtwillen des geeinigten Volkes Schranken gesetzt wurden.

Unter Jotham hatte das Königthum bereits seine Macht über den Hof und Landadel eingebüßt. Daraus entstanden tiefgehende Uebel. Die Fürsten Juda's trachteten vor Allem darnach sich zu bereichern, die Ackerfelder, Weinberge oder Triften des Landvolkes an sich zu bringen und ihre Besitzungen auszudehnen. Einige mögen bloß durch Härte ihre Güter vergrößert haben. In der Noth liehen sie den kleineren Ackerbesitzern Geld oder Getreide zum Leben oder als Saatkorn, und wenn diese nicht Zahlung leisten konnten, so pfändeten sie die Felder und beraubten sie der Mittel, ihre Existenz zu fristen. Andere scheinen noch schreiendere Ungerechtigkeiten begangen zu haben. Unter nichtigen Vorwänden setzten sie sich gewaltsam in den Besitz der Häuser und Felder ihrer ländlichen Nachbarn. Brachten die Beraubten [106] ihre Klagen vor die Richter, so fanden sie kein Gehör, weil diese Standesgenossen oder Mitschuldige der Räuber waren oder durch Bestechung das Recht beugten. Es entwickelte sich dadurch jener verderbliche Mißstand, daß angehäufter Reichthum auf der einen, verkümmernde Armuth auf der andern Seite einander gegenüberstanden mit allen unheilvollen Folgen, welche dieser Gegensatz zu erzeugen pflegt. Es scheint allmählich dahin gekommen zu sein, daß die Fürsten und Aeltesten ausgedehnte Gütercomplexe besaßen34, die sie von Sklaven oder zu Sklaven erniedrigten Armen bebauen ließen. Sie scheuten sich nicht, die Kinder der Verarmten, wenn diese ihre Schulden nicht zahlen konnten, zu Sklaven zu machen und von ihnen die Mühle treten zu lassen35.

Diese gewaltthätige Ungerechtigkeit war mit einem andern Laster verbunden. Die überreichen Fürsten Juda's wollten genießen, große Gelage halten, ihr Leben in rauschenden Freuden zubringen. Des Morgens frühe erhoben sie sich vom Lager zum Becher, und bis spät in die Nacht erhitzten sie sich am Wein. Und bei ihren Gelagen hatten sie rauschende Musik von Lauten, Harfen, Handpauken und Flöten. Doch das war noch ein unschuldiges Spiel gegen andere Genüsse. Der Weinrausch betäubt das Schamgefühl und erregt sinnlichen Reiz. Aber die strenge Sitte, welche sich aus der sinaitischen Gesetzgebung entwickelt hat, war eine Feindin der Unzucht. So lange diese bestand, konnte die überreizte Genußsucht nicht unbeschränkt befriedigt werden. Da kam den Fürsten Juda's das freundschaftliche Verhältniß mit dem Zehnstämmereich zu statten. Hier, namentlich in der Hauptstadt Samaria, war der schrankenlose Lebensgenuß nicht verpönt, sondern gewissermaßen geheiligt und bildete einen Theil der Gottesverehrung. Zum Baal- und Astartencultus gehörte dies unzüchtige Leben. Die Könige, welche auf Jerobeam II. gefolgt waren, hatten diesen Cultus nicht abgeschafft, sondern ihm öffentlich gefröhnt. Hier gab es Tempeldirnen in Menge. Im Zehnstämmereich opferte man auf den Spitzen der Berge und räucherte auf den Hügeln, und im Schatten von Eichen und Terebinthen lagerte die Unzucht. Diese hatte so sehr um sich gegriffen, daß Töchter und Schwiegertöchter nicht unbefleckt davon geblieben sind und dem Beispiele der Väter und Schwiegerväter folgten36. Hier hatten Wein und Unzucht den Sinn [107] der Großen so sehr verderbt, daß sie das Holz um Orakel befragten, und der Stock sollte ihnen die Zukunft verkünden37. Von diesen Großen des Zehnstämmereiches, von den »Trunkenbolden Ephraims«38 lernten die Fürsten Juda's den Genüssen ohne Schranken zu fröhnen. Sie haben die Grenzpfähle aufgehoben und aus beiden Ländern eins gemacht39. Sie waren gelehrige Schüler, führten auf ihrem Gebiete den Götzencultus des Baal und der Astarte ein, machten silberne und goldene Götzen – sie waren ja reich – und füllten sich mit Ausgeburten der Fremde40. Der Gottesdienst im Tempel zu Jerusalem war zwar amtlich anerkannt, ihm huldigte der König und dienten die Ahroniden und Leviten; aber das hinderte die Adligen nicht, ihren Privatkultus des Baal zu hegen. Das brüderliche Zusammengehen von Israel und Juda hatte die Folge, daß der unfläthige Götzendienst, die geschlechtliche Ausschweifung, die Trunksucht, der Hochmuth und die Verhöhnung des Rechtes beiden gemeinsam wurden.

Indeß so entartet der israelitische und judäische Adel war, so war doch in diesem Kreise dafür gesorgt, daß die Entartung nicht als gesetzlicher Zustand anerkannt wurde, um dadurch größere Verbreitung zu finden. In derselben Zeit wurde Rom gegründet (753); das römische Gemeinwesen war von Anfang an auf Rechtsungleichheit, auf Herrschaft von einigen Adelsfamilien gegründet, welche die Masse des Volkes, die Plebejer und Schützlinge, gesetzlich als niedrige und rechtlose Klasse behandelten. Hier durfte Niemand an diesem Zustande rütteln, wenn er nicht als Staatsverbrecher der schwersten Strafe verfallen wollte. Die Rechtsungleichheit und die schreiende Ungerechtigkeit und Bedrückung erhielt sich daher in Rom Jahrhunderte lang als Staatsgrundgesetz. Und eben so war es in allen Staaten des Alterthums. Im israelitischen Volke dagegen konnte es nie dahin kommen, daß die Ungerechtigkeit öffentlich anerkanntes Recht geworden wäre. Hier gab es Männer, welche die Verhöhnung des Rechts und die Entwürdigung der besitzlosen Menschen mit lauter Stimme verurtheilten, die Schwachen gegenüber den Gewaltigen mit der ganzen Kraft der Ueberzeugung vertheidigten. Gerade in dieser Zeit der Entartung unter dem judäischen König Jotham und dem israelitischen König Pekach traten mehrere Gottesmänner auf, welche mit Feuerzungen [108] gegen die Verderbniß der Großen Sprachen. Es war das dritte Geschlecht großer Propheten nach Eliahn, Elisa und Micha, Sohn Jimlah's, und nach Amos, Joël und Hofea.

Der bedeutendste unter ihnen war Jesaia, Sohn Amoz' aus Jerusalem. Mit den Mitpropheten seiner Zeit, Zacharia, Hosea II. und Micha II. theilte er den Freimuth, welche die Sünde, die Verkehrtheit und das Laster beim rechten Namen nennt und sie rücksichtslos brandmarkt. Er übertraf sie aber und alle seine Vorgänger an Fülle der Gedanken, Anmuth der Form, Erhabenheit des poetischen Ausdrucks, Feinheit der bildlichen Gleichnisse und Klarheit der prophetischen Vorschau. Jesaia's prophetische Beredtsamkeit verband schlichte Einfachheit mit Tiefe, Gedrungenheit der Sprache mit Leichtverständlichkeit, treffenden, verwundenden Spott mit erhebendem Schwung. Wenn sein Sprachvermögen ebenso tief eindringend war, wie seine Beredtsamkeit, dann muß sie einen tiefen, nachhaltigen Eindruck auf die Zuhörer gemacht haben. Von Jesaia's Lebensumständen ist indeß wenig bekannt. Er hatte eine Frau, die ebenfalls prophetischer Gesichte gewürdigt war41. Er trug auch die allgemeine Prophetentracht, einen Ueberwurf aus Stoff von Ziegenhaar (Sak)42. Aus seinem Prophetenberufe machte er, wie Eliahu, eine ernste Lebensaufgabe. Seine ganze Thätigkeit war einzig und allein darauf gerichtet, die Schlechtigkeit zu entblößen, das Volk zu warnen und zu ermahnen und ihm ein glänzendes Ideal der Zukunft vorzuhalten, welches es verwirklichen sollte. Seinen Söhnen gab er symbolische Namen, welche die Begebenheiten, die erst eintreffen sollten, im Voraus anzeigen und zum Zeichen und Vorbild dienen sollten. Den Einen nannte er »Scheá--Jaschub« (ein Rest wird wieder umkehren), um anzudeuten, daß ein Theil des Volkes aufrichtig zu Gott zurückkehren werde, aber nur ein Rest. Einen andern Sohn nannte er »Maher-Schalal-Chasch-Baz« (schnell wird zur Beute werden), um vorauszuverkünden, daß zwei gefährliche Gegner des Hauses David den Assyrern bald zur Beute und unschädlich werden würden43. Mehr als vierzig Jahre (755-710)44 hat er sein prophetisches Amt mit voller Hingebung verwaltet, unermüdlich, standhaft, unerschrocken. In gefahrvollen Lagen, wo Alle, Groß und Klein, König und Fürsten, verzweifelten, [109] trat er mit Siegeszuversicht auf und fachte Hoffnung und Muth an.

Im Todesjahre des Königs Usia (755) trat Jesaia zuerst auf, er mag da ungefähr im dreißigsten Lebensjahre gestanden haben. Er verkündete dem Volke, vielleicht auf dem Tempelberge, das Gesicht, das ihm zum ersten Male geworden ist, und wie er zum Propheten erwählt wurde.

Jesaia's erste Rede war eine einfache, kurze Mittheilung des Gesichtes, das er geschaut, dessen tiefe Bedeutung aber nicht mißverstanden werden kann. Er erzählte, daß er in einem Gesichte Ihwh Zebaoth auf einem hohen und erhabenen Throne gesehen, der von geflügelten Weien, Seraphim, umgeben war. Ein Seraph rief dem Andern: »Heilig, heilig, heilig ist Ihwh Zebaoth« mit so dröhnender Stimme zu, daß die Pfosten der Tempelschwellen davon erzitterten45. »Da sprach ich: ›Wehe mir, ich bin vernichtet! denn ich bin ein Mann von unreinen Lippen und wohne inmitten eines Volkes von unreinen Lippen, und meine Augen haben den Gott Zebaoth geschaut‹! Da flog zu mir einer der Seraphim und hatte in der Hand einen glühenden Stein, den er vom Altar genommen, berührte damit meinen Mund und sprach: ›So wie dieser deine Lippen berührt hat, so weicht dein Fehl, und deine Sünde ist vergeben.‹ Ich vernahm die Stimme des Herrn: ›Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen?‹. Da sprach ich: ›Ich bin bereit, sende mich‹. Er sprach: ›Geh' und sprich zu diesem Volke: ›Vernehmet nur immer und begreifet nicht, sehet nur und merket nicht‹. ›Du solltest das Herz dieses Volkes stumpf, seine Ohren taub machen und seine Augen verkleistern, damit es nicht sehe mit seinen Augen, nicht höre mit seinen Ohren und mit seinem Herzen nicht begreife, sonst könnte es umkehren, und ihm würde Heilung werden‹! »Ich sprach«: ›Wie lange noch, o Herr‹? »Er sprach«: »Bis die Städte verwüstet sind ohne Bewohner, die Häuser ohne Menschen, und der Boden als eine Einöde übrig bleibe46 Ihwh wird die Menschen entfernen, und die Verlassenheit wird im Lande gewaltig sein. Wenn nur noch ein Zehntheil sein wird, so wird auch dieses zur Vernichtung sein, aber wie die Eiche und Terebinthe in der [110] Flamme47, an denen der Stamm bleibt – heilige Nachkommenschaft (wird des Landes) Stamm sein!‹

Welch reicher Inhalt ist in dieser einfachen Erzählung! Der Tempel, Wohnsitz des hocherhabenen, heiligen Gottes, inmitten eines Volkes von unreinen Lippen, eines stumpfen, blinden und tauben Volkes, das nichts hören und verstehen will! Wie wird dieser Gegensatz überwunden werden? Wenn nicht Besserung eintritt, so kann nur die grausige Vernichtung diesen Gegensatz zwischen einem heiligen Gott und einem unheiligen Volke aufheben. Aber diese Vernichtung wird einen heiligen Stamm als Ueberbleibsel verschonen. Doch diese Vernichtung ist nur als Drohung ausgesprochen, noch kann sie abgewendet werden, noch kann Heilung eintreten, wenn das Volk sich entschließt, zu sehen, zu hören und zu verstehen. Diese Heilung soll Jesaia herbeiführen. Er erbot sich zu dieser Sendschaft. Wie will er sie herbeiführen? Zunächst durch seine gewaltige, eindringliche Beredtsamkeit; aber er scheint noch ein anderes Mittel angewendet zu haben.

In der ersten Rede hatte Jesaia die Verkehrtheit der Vornehmen nur obenhin berührt und nur angedeutet, daß sie unzugänglich für bessere Einsicht waren. In einer anderen Rede, die sich erhalten hat, ging er auf Einzelheiten ein und hielt besonders den »Fürsten Juda's« einen Spiegel ihrer Thorheit und Verruchtheit vor. Höhnisch und frech hatten sie auf seine Warnung erwidert: »Möge der Heilige Israels sein Werk beschleunigen, damit wir es sehen, möge sein Rathschluß sich nähern und eintreffen, damit wir ihn erkennen«48. Darauf geißelte Jesaia ihre götzendienerische Verblendung, ihre Verhöhnung des Rechts, ihre Räubereien, ihre Genußsucht und besonders den Hochmuth, die Ueppigkeit und Unanständigkeit der adligen Frauen und zeigte die Folgen derselben in der Fernsicht. Er begann diese Rede nicht mit zermalmenden, sondern mit milden, erhebenden Worten. Er hob die ideale Bedeutung des Volkes Israel, der Lehre, die es zu pflegen hatte, und des Tempels, der sie versichtbaren soll, hervor und entlehnte dazu die ewig denkwürdigen Aussprüche eines ältern Propheten:


»Am Ende der Tage

Wird der Berg des Tempels aufgerichtet sein an der Berge Spitzen

[111] Und höher sein als die Hügel,

Und zu ihm werden alle Volker strömen.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Denn von Zion wird die Lehre ausgehen

Und das Wort Gottes von Jerusalem.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Ein Volk wird gegen das andere nicht mehr das Schwert ziehen,

Und sie werden nicht mehr Krieg lehren49.


Nach dieser Einleitung fuhr der Prophet ironisch fort:


Haus Jakob's, kommet,

Lasset uns im Lichte Ihwh's wandeln!

Du hast aber deines Volkes Lehre verlassen,

Haus Jakob's!

Denn voll sind sie mit Zaubereien

Und mit Tagewählern, wie die Philister,

Und mit Geburten der Fremden bereichern sie sich.

Es füllte sich sein Land mit Silber und Gold,

Und kein Ende seinen Schätzen.

Es füllte sich sein Land mit Rossen,

Und kein Ende seinen Kriegswagen,

Da füllte sich sein Land mit nichtigen Götzen,

Sein eigenes Händewerk betet es an,

Das, was seine Finger gemacht.

So sank der Mensch, so erniedrigten sich die Männer!

Geh' in die Felsen,

Verbirg dich im Staube

Vor Ihwh's Schrecken,

Vor dem Glanz seiner Hoheit!

Wenn er eintreffen wird,

Das Land zu erschrecken!50


[112] Die Rede fuhr fort: Der Mensch wird noch mehr erniedrigt und sein Stolz wird gedemüthigt werden. Denn es wird ein Tag kommen über alles Stolze und Hohe, und es wird in den Staub sinken:


Ueber alle hohen Cedern Libanons,

Ueber alle Eichen Basans,

Ueber alle hohen Berge,

»Und alle erhabenen Hügel,

Ueber jeden hohen Thurm

Und jede hochragende Festungsmauer,

Ueber alle Tarschisch-Schiffe,

Ueber alle Kunstgebilde der Lust.

So wird die Größe der Menschen sinken

Und der Stolz der Männer erniedrigt sein,

Gott allein wird stark sein an diesem Tage.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Und die Götzen wie Rauch, der verfliegt.

An diesem Tage wird der Mensch seine Götzen von Silber und Gold,

Die er sich zur Anbetung gemacht hat,

Hinwerfen für die Wühlthiere und Maulwürfe,

Und eingehn in Felslöcher und Felszacken

Vor dem Schrecken Gottes und dem Glanz seiner Hoheit51.


Das Volk möge sich nur nicht auf die Menschen, seine Führer verlassen, sie seien ebenso unzuverlässig, wie die festen Mauern und die hohen Thürme. Zerbrochen werde jede Stütze werden, der Held, der Kriegsmann, der Landesverweser, der Rathgeber und Kluge, der Wahrsager und Prophet. Knaben werden über den Familienkreis mit Kindereien herrschen, und es werde so weit kommen, daß ein Mann, der auch nur ein anständiges Obergewand besitzen wird, inständigst gebeten werden wird, der Häuptling eines Volkskreises zu werden, um den Verfall (?) in die Hand zu nehmen, und dieser wird die Ehre [113] ablehnen. Darauf machte die Rede den Uebergang auf die gewissenlosen Fürsten Juda's:


Mein Volk, seine Vögte sind seine Verheerer,

Und Weiber beherrschen es;

Mein Volk, Deine Führer leiten Dich irre,

Und den Weg Deiner Züge haben sie verhüllt.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Der Herr wird aber in's Gericht gehen

Mit den Aeltesten seines Volkes und seinen Fürsten:

›Ihr habt den Weinberg abgeweidet,

Der Armen Raub ist in Euren Häusern.

Warum zertretet Ihr mein Volk

Und laßt die Söhne der Armen an der Mühle arbeiten?‹52


Jesaia ging in dieser Rede auf den tiefen Ursprung des Uebels ein, welches die religiöse Verkehrtheit und die hartherzige Ungerechtigkeit erzeugt hat. Es war die Genußsucht und Lüsternheit, von den Weibern angefacht, die, um befriedigt zu werden, die Männerwelt, die Fürsten Juda's, immer wieder zu Ausbeutung, zu Beraubung und Knechtung der schwachen Nachbarn reizten. Er führte das Thema weiter aus: »Und Weiber herrschen über mein Volk!« Wodurch herrschen sie? Durch ihre Gefallsucht, Prachtliebe und Verführungskünste, womit sie die Männer und Jünglinge anlockten.


»Weil die Töchter Zions so stolz sind,

Einhergehen mit gerecktem Halse

Und mit lüstern blickenden Augen,

Mit schleppenden Gewändern gehn

Und mit ihren Füßen schleifen,

So wird der Herr den Scheitel der Töchter Zions mit Aussatz belegen,

Ihr Geheimes entblößen

Und ihr Flitterwerk beseitigen.«


Mit erstaunlicher Ausführlichkeit schildert der Prophet diese Prachtliebe der Töchter Zions, die Schleif kettchen, die Netzwerke, die Monde, die Ohrgehänge, die Schleier, die Krönchen, die Fußspangen, die Gürtel, die Ringe und Nasenstäbchen, die Ueberwürfe, die Hüllen, die Tücher, die Rollen, die sidonischen Gewänder, die Turbane und die Kopftücher.


[114] »Statt des Balsams wird Fäulniß sein,

Statt des Gürtels der Strick,

Statt des gediegenen Geschmeides die Glatze,

Statt Pethigil ein härnes Gewand,

Wundmale statt Schönheit.

Deine Jünglinge53 werden durchs Schwert fallen,

Deine Mannschaft durch Krieg (o Zion!),

Und es trauern und sind verdüstert ihre Pforten,

Und ausgeleert wird sie zur Erde sitzen.

Dann werden sieben Weiber sich an einen Mann klammern, sprechend.

›Unser Brod wollen wir essen,

Mit unserm Gewande uns kleiden,

Gieb uns nur deinen Namen,

Tilge unsere Schmach (der Vereinsamung)‹.


Um nicht bei diesem traurigen und beklemmenden Bilde zu bleiben, schlägt die Rede vorübergehend einen heiteren, Hoffnung erweckenden Ton an:


An jenem Tage

Wird Ihwh's Sproß zur Zier und zur Ehre sein,

Die Frucht des Landes zum Stolz und zum Ruhme

Für die Geretteten Israels.

Wer bleiben wird in Zion,

Zurückbleiben in Jerusalem,

Wird heilig genannt werden.

Alle, die zum Leben aufgezeichnet werden,

Werden in Jerusalem sein,

Wenn der Herr der Heerscharen den Unflath der Töchter Zions gereinigt

Und das Blut der Männer Jerusalems weggespült haben wird,

Mit dem Geiste der Strenge

Und mit dem Geiste der Vernichtung.«


Dann werden, fährt die Rede fort, die gnadenvollen Tage der Vorzeit wiederkehren. Auf der Höhe Zions und ihren Rufthürmen wird wieder eine Wolkensäule am Tage und eine Feuersäule in der Nacht weilen und schützen gegen Ungemach und Unwetter. Die Rede kehrt indeß wieder zum Hauptthema zurück.

»Ich möchte meinem Liebling das Lied meines Freundes über seinen Weingarten singen. Mein Freund54 hatte einen Weinberg an einem fettreichen Felsvorsprung, den er umgrub, von Steinen reinigte und mit Edelreben bepflanzte. Er baute auch einen Thurm in der [115] Mitte und eine Kelter höhlte er aus, und er hoffte, daß er Weintrauben tragen werde, und er trug Heerlinge. Und nun, Bewohner Jerusalems und Männer Juda's, richtet doch zwischen mir und meinem Weinberge. Was hätte ich für meinen Berg thun sollen, das ich nicht gethan? Warum, während ich hoffte, daß er Trauben tragen sollte, trug er Heerlinge? Und nun will ich euch künden, was ich meinem Weinberge anthun will. Entfernen sein Gehege, daß er zum Abweiden diene, durchbrechen seine Mauer, daß er zum Zertreten diene. Ich werde ihn zum wüsten Platz machen, er soll nicht beschnitten, nicht umgegraben werden und nur Dornen und Disteln tragen; den Wolken will ich verbieten, auf ihn Regen fallen zu lassen«


»Ja, der Weinberg des Herrn Zebaoth ist das Haus Israel

Und die Mannschaft Juda's seine Lieblingspflanzung.

Er hoffte auf Recht und sieh da! Unterwürfigkeit55,

Auf Gerechtigkeit und sieh da! laute Klage!

O ihr, die da reihen Haus an Haus, Feld an Feld, bis kein Raum mehr bleibt,

Und ihr allein im Lande angesiedelt bleibt.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Die früh aufstehn, Rauschtrank zu suchen,

Und spät in der Dämmerung der Wein entzündet.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Die da das Böse gut und das Gute bös nennen,

Machen Finsterniß zu Licht und Licht zu Finsterniß,

Bittres halten für süß und Süßes für bitter,

Die in ihren Augen sich klug dünken

Und vor sich selbst einsichtsvoll erscheinen,

Die Helden – Wein zu trinken,

Tapfer – Rauschtrank einzugießen,

Die den Frevler freisprechen durch Bestechung

Und das Recht des Unschuldigen ihm entziehen.


Das Strafgericht für solche Frevelthaten innerhalb eines Volkes, das berufen ist, als Vorbild zu dienen, und in Zion, von wo aus die Lehre für viele Völker ausgehen sollte, dieses wohlverdiente Strafgericht soll nach Jesaia's Vorschau ein fremdes Volk herbeiführen.


Er (Gott) wird für ein Volk in der Ferne ein Banner erheben

Es laut herbeirufen und ihm zupfeifen am Ende der Erde,

Und sieh da! es trifft schnell, leicht ein.

Kein Müder und kein Schwacher in seiner Mitte,

Es schläft nicht und schlummert nicht.


Ob diese gewaltige, durch Inhalt und Form meisterhafte Rede im Augenblick einen Eindruck gemacht hat? Für die Dauer hat sie keine Besserung herbeigeführt. Denn Jesaia und seine zeitgenössischen Propheten haben noch öfter gegen diese Verkehrtheiten und dieselben [116] Laster sprechen müssen. Der Adel ist nicht so leicht zu bessern, er spottet mit einem verächtlichen Lächeln der ihm drohend vorgehaltenen Zukunft. Aber vergebens gesprochen waren diese wuchtigen Worte nicht, sie haben in Kreisen gewirkt, an die sie nicht gerichtet waren; sie haben auch in entfernten Ländern unter entfernten Völkern und in späteren Zeiten gewirkt. Sie haben das schlummernde Gewissen wie mit Donnerstimmen aufgerüttelt. Jesaia begnügte sich aber nicht damit, die Frevelthat bloß zu rügen, sondern er stellte sich auch ein sittliches Ideal auf, durch dessen Verwirklichung die Menschen ihr Heil finden und ihre Befriedigung erlangen könnten. Der König soll nach Gerechtigkeit regieren und auch über die Fürsten, daß sie nach Recht herrschen sollten. Der König soll nicht nach dem Augenschein richten und nicht nach dem Gehörten seiner Ohren entscheiden56. »Wer in Gerechtigkeit wandelt, aufrichtig spricht, verachtet den Gewinn von Unrecht, seine Hände abschüttelt, um nicht Bestechung zu fassen, sein Ohr verschließt, um nicht von Blutschuld zu hören, sein Auge zudrückt, um das Böse nicht zu sehen, ein solcher wird Höhen bewohnen«57. Den Lippengottes dienst, der Gott mit dem Munde preist, während das Herz fern davon ist, »ein angelerntes Gebot von Menschen« behandelte Jesaia mit der größten Verachtung58 und noch mehr das Opferwesen mit Gesinnungslosigkeit und Schlechtigkeit verbunden. »Wozu soll mir die Fülle eurer Opfer, ist Gottes Spruch? Ich habe die Ganzopfer von Widdern, das Fett von feisten Stieren satt, das Blut von Rindern, Lämmern und Böcken mag ich nicht. Wenn ihr kommt, mich im Tempel aufzusuchen, wer hat solches von euch verlangt, meine Höfe zu betreten? Ihr sollt nicht mehr leere Gaben bringen, Räucherwerk ist mir ein Gräuel, Neumond, Sabbat und Festesverkündigung mag ich nicht ertragen, Fasten59 und Weihtage. Eure Neumonde und Feiertage hasse ich, sie sind mir zur Last«. Wie soll aber die Lebensweise gestaltet sein? Gegenüber der Genußjagd und Ausschweifung, welche der Reichthum erzeugte, stellte Jesaia das einfache Hirtenleben als Muster auf, wie es die Vorfahren oftmals getrieben, und wie es zu seiner Zeit die Rechabiten (o. S. 26) treu und beharrlich festgehalten haben. Jeder soll ein Rind und zwei Schafe ernähren; Milch und Honig wird jeder, der noch im Lande übrig bleiben wird, genießen60 [117] Den Gottesbegriff, als Urgrund der sittlich reinen That und der sittlich hohen Gesinnung, stellte er als gleichbedeutend mit Heiligkeit und Erhabenheit. Er bezeichnete Gott stets als den Heiligen Israels als den hoch erhabenen, dessen Herrlichkeit die ganze Erde füllt61.

Jesaia scheint aber auch noch ein anderes Mittel als die entflammende Rede zur Heilung der sittlich-religiösen Gebrechen Juda's angewendet zu haben. Er nahm die von Samuel und Eliahu begonnene Thätigkeit, einen gleichgesinnten Kreis um sich zu sammeln, wieder auf, oder er zog Jünger heran, denen er von seinem Geiste mittheilte. Sollte eine Persönlichkeit von diesem Ideal sittlicher Höhe, von dieser lauteren Frömmigkeit, hinreißenden Beredtsamkeit, von dieser gefestigten Willenskraft, nicht eine mächtige Anziehungskraft ausgeübt haben? Wie das Böse zur Nachahmung reizt, so erweckt auch das Gute, sobald es sich in einer Persönlichkeit verkörpert, Nacheiferung. Unter den Opfern der gewissenlosen Ungerechtigkeit und Unterdrückung von Seiten der Großen Juda's zog er, wie es scheint, die tief Empfindenden und Empfänglichen in seinen Kreis; sie waren zugleich seine Jünger und seine Kinder62.

Seine Zeitlage war günstiger für eine Heranbildung von Jüngern, als die früheren Zeiten. Sie war nicht mehr so zerfahren und entgeistigt, wie zur Zeit Samuel's und bot mehr belehrenden Stoff, als zur Zeit Elia's. Der Prophetenorden des Sehers von Rama machte allerdings durch das Saitenspiel einen überwältigenden Eindruck auf die Zuhörer, erweckte aber keine klare Vorstellungen und Gedanken. Die Musik bildete in diesem Orden das Hauptelement, das Wort war untergeordnet oder hatte poetische Bedeutung. Die Prophetenschule des stürmischen Thisbiten in einer götzendienerischen Umgebung mußte sich zusammennehmen, um nicht dem Einflusse ihrer Umgebung zu erliegen, und hatte nur ein Ziel im Auge, das Umsichgreifen des Götzendienstes des Baal und der Astarte abzuwehren. Die Jesaianischen Jünger dagegen konnten im Schatten des dem »Heiligen Israel's« geweihten Tempels leben, waren solchen Versuchen nicht ausgesetzt und konnten sich freier entfalten. Auch hatten Jesaia's »Kinder« nicht die schwere Aufgabe, Gegenkönige zu salben und solchergestalt Antheil an Blutschuld auf sich zu nehmen. Jesaia lehrte sie nicht den heftigen, stürmischen Eifer, sondern die entgegensetzte Tugend der Sanftmut, der Geduld, der völligen Ergebung in Gott. Der Kreis, der sich um [118] Jesaia scharte, oder den er um sich bildete, wurden die »Sanftmüthigen« oder die »Dulder des Landes« (Anwé-Arez, Anawîm) genannt. Sie waren von Hause aus arm oder durch die Räubereien der Fürsten Juda's verarmt. Sie nannten sich selbst, oder wurden von andern die »Armen« (Dallim, Ebionim) genannt. In Jesaia's Nähe lernten sie, sich nicht über Verarmung oder Beraubung zu beklagen, sondern Leid und Kränkung im Vertrauen auf Gott und seine Fügung zu er tragen. Diese »Sanftmüthigen« bilden eine eigene Gemeinde63, welche vom Propheten Jesaia und seinen Nachfolgern als Kern und Grundbestand des Volkes angesehen wurde, und der ihr Herz und Sinn lediglich zugewendet war. Von dieser erwarteten sie eine Besserung und Läuterung des ganzen Volkes. Diese armen Sanftmüthigen, Jesaia's Jünger, sollten dem Volke Vorbild sein. Im tiefsten Leid, hervorgerufen durch den Anblick der Schuld und des Frevels im Volke, und in Vorschau des dadurch verhängten Strafgerichtes, war Jesaia getröstet. »Ich hoffe auf Ihwh; obwohl er sein Antlitz vom Hause Jakob's verborgen hat, so hoffe ich doch auf ihn. Sich', ich und die Kinder (Jünglinge), die mir Gott gegeben, dienen zum Zeichen und Vorbild in Israel. Wenn das Haus Jakob sehen wird, daß die Jünglinge in seiner Mitte den heiligen Gott verehren werden, so wird es auch ihn heiligen und verehren«64. Unter den Sanftmüthigen gab es selbstverständlich auch Leviten, wenn diese nicht den Grundstock derselben gebildet haben, welche von den Priestern in untergeordneter, gedrückter Stellung, als Halbsklaven gehalten wurden, und unter ihnen gab es wieder Sangeskundige, welche die in ihrer Brust erweckte Stimmung des felsenfesten Gottvertrauens, der Ergebung und der Verzichtleistung auf Besitz und Genuß, in Lobliedern und Psalmen aushauchten. Es war eine neue Art Psalmen, wel che sich besonders durch Gemüthstiefe auszeichneten; wenn sie nicht unmittelbar aus den Reihen der Jünger Jesaia's hervorgegangen sind, so doch aus denjenigen von deren Nachfolgern; sie spiegeln seinen Geist wieder. Diese Psalmenlitteratur, welche aus fremden Tempeln und Domen erklingen sollte, wurde der Trost für Millionen von Menschen zu verschiedenen Zeiten, wenn Gewaltthätigkeit, Frevel und Menschenverachtung wie ein brausender Sturm über die Schwachen und Hilflosen hinfuhren. Die Sänger aus dem Kreise der Leviten, die stets im Tempelraume weilten, kannten keinen höheren Wunsch, als ungestört darin weilen und Gottes Preis lobsingen zu können.


[119] »Ihwh ist mein Licht und mein Heil,

Vor wem sollte ich mich fürchten?

Gott ist meines Lebens Stütze,

Vor wem sollte ich bangen?

Wenn ein Kriegslager sich um mich scharte,

Würde mein Herz nicht erschrecken,

Wenn Krieg sich gegen mich erhöbe,

Würde ich darauf vertrauen.

Eins habe ich von Gott verlangt,

Und dieses erflehe ich:

Daß ich weilen könnte in Gottes Tempel

Alle Tage meines Lebens,

Gottes Huld zu schauen

Und in seinem Tempel aufzuwarten.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Ich würde in seinem Zelt Opfer des Jubels darbringen,

Lobsingen und preisen den Herrn«.

»Denn haben mich Vater und Mutter verlassen,

So hat mich Gott aufgenommen«,65.


Die Sangeslust hob diese Sanftmüthigen hoch über die Tagesleiden und den Druck der Zeiten hinweg. In den mannichfaltigsten Wendungen drückten sie dieselben Gedanken und Gefühle aus; der Grundton ihrer Sangesweise war Gottvertrauen und Preis der Duldertugend, der Genügsamkeit.


»Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig,

Denn auf Dich vertraut meine Seele

Und in Deiner Flügel Schattenberge ich mich,

Bis das Unheil vorüber ist.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Fest ist mein Herz, o Gott, fest ist es,

So will ich singen und lobpreisen.

Erwache, meine Seele, erwache!

Mit Lauten und Harfen will ich den Morgen wecken,

Will Dich, o Herr, bekennen unter Völkern,

Will Dich preisen unter Nationen,

Denn weit bis zum Himmel ist Deine Gnade,

Bis zu den Wolken Deine Treue«66.


Ein anderer Psalmist aus diesem Kreise sang jenes gefühlvolle Lied der Genügsamkeit, welches wie ein Wiegenlied besänftigend wirkt.


»Gott ist mein Hirt,

So wird mir nichts mangeln.

Auf grasreichen Auen wird er mich lagern lassen,

Zu Gewässern der Ruhe mich leiten,

[120] Wird meine Seele erquicken

Und mich auf Bahnen der Gerechtigkeit führen

Um seines Namens willen.

Sollte ich selbst in das düstere Thal eingehen,

So fürchte ich nichts Böses;

Denn Du bist bei mir,

Dein Stab und Deine Stütze würden mich leiten.

Du würdest vor mir einen Tisch breiten

In Gegenwart meiner Feinde,

Salben mit Oel mein Haupt

Meinen Becher übervoll (machen).

Wahrlich, Güte und Gnade würde mir alle meine Lebenstage nachfolgen,

Und ich könnte im Tempel Gottes weilen für der Tage Dauer«67.


Ein anderer Psalm derselben Gattung stellt den Gegensatz der Sanftmüthigen und Frevler gegen einander.


»Angenehm ist's, Gott zu bekennen

Und Deinen Namen, o Höchster, zu preisen,

Des Morgens von Deiner Gnade zu künden

Und in den Nächten von Deiner Treue;

Auf der Zehnsaite, der Laute und dem Spiel der Harfe.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Wie groß sind Deine Thaten

Und tief Deine Pläne;

Ein stumpfer Mann achtet's nicht,

Und ein Thor versteht's nicht.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Die Gerechten blühen auf, gleich der Palme,

Wachsen gleich der Ceder im Libanon.

Eingepflanzt sind sie in Ihwh's Tempel,

Blühen in den Vorhöfen auf,

Noch im Alter sind sie saftig,

Markig und frisch bleiben sie«68.


Diese gehobene Stimmung, welche aus der neuen Litteraturgattung herausklingt, hat Jesaia durch seine Jünger erweckt. Der Lichtkreis, der von diesem großen Propheten ausging, entsendete erwärmende Strahlen; Gedankenkeime, welche in der Lehre von Sinai verborgen enthalten waren, traten durch ihn an's Licht, und dadurch wurde die geistige Herrschaft des Gottesvolkes gesichert. Eine Wahrheit, welche solche Träger und Pflanzer hat, kann nicht untergehen und muß Siege erringen. Jesaia bildet daher einen scharfen Wendepunkt in der innern Entwickelungsgeschichte des Volkes Israel, wie Samuel, und weit mehr als Eliahu.

Sein Seherblick haftete aber nicht bloß an seinem Volke und Lande, sondern schweifte über die Grenzen hinaus und richtete sich namentlich auf die beiden Großstaaten, welche gleich zwei Wolkenballen [121] Wetterstrahlen über Israel und Juda entsenden sollten, auf Aegypten und Assyrien. Das Nil-Land, einst mächtig und weltgebietend, gerieth durch die inneren Gebrechen in zunehmende Schwäche. Unter einem unkriegerischen König Bokchoris (Bokenranf) aus der Stadt Sais bildeten sich Parteien, welche gegen einander wütheten, deren Häupter sich in verschiedenen Städten behaupteten und sich unabhängig erklärten. Von dieser Zerrissenheit Aegyptens sprach auch Jesaia, daß ein mächtiger König alle diese Ortskönige demüthigen und das Land zur Knechtschaft unterjochen werde69.


»Sieh', der Herr wird auf leichter Wolke einherfahren,

In Aegypten eintreffen,

Und es werden vor ihm Aegyptens Götzen erzittern,

Und sein Herz wird in ihm zergehen.

Ich werde wappnen Aegypten gegen Aegypten,

›Kämpfen wird Einer gegen den Anderen,

Stadt gegen Stadt, Reich gegen Reich.

Ausgeleert wird Aegyptens Muth sein,

Seine Rathschläge werde ich verhüllen.

Sie werden vergeblich flehen zu den Götzen,

Den Schriftkundigen, den Bauchrednern und Zauberern.

Ich werde Aegypten in die Hand eines harten Herrn überliefern,

Ein unerbittlicher König wird über sie herrschen‹,

Spricht Gott.

Versiegen wird das Wasser aus dem See,

Und der Fluß wird austrocknen,

Die Nebenflüsse werden seicht werden,

Austrocknen die Kanäle Aegyptens.

Die Wälder an dem Fluß,

An dem Rand des Flusses,

Und die Aussaat am Felde

Wird vertrocknen, verweht werden, schwinden.

Seufzen werden die Fischer,

Trauern alle, die Angeln in den Fluß werfen.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Wahrlich, thöricht werden Tanis' Fürsten sein,

Pharao's weiseste Rathgeber verdummt sein.

Wie möget ihr nur zu Pharao sprechen:

›Wir sind Söhne von Weisen,

Söhne uralter Könige?‹

Wo sind denn Deine Weisen?

Mögen sie Dir verkünden,

Was Gott über Aegypten verhängt hat«70.


In der That kam damals ein hartes Geschick über Aegypten Aus dem Lande Aethiopien, das bis dahin einen Bestandtheil Aegyptens [122] ausmachte und von den Königen stets mißhandelt wurde, ging ein König aus, Namens Sabako (Schabaka), welcher die Spaltung und Schwäche benutzte, das Land mit Krieg überzog, den König Bokchoris lebendig gefangen nahm und sich auf den Thron setzte (um 740)71. Sabako gründete die äthiopische Dynastie in Aegypten, welche ein halbes Jahrhundert lang das Land beherrschte. Bokchoris' Verwandte und die Nebenkönige verbargen sich in Sumpfgegenden und hatten weder Kraft noch Muth, gegen die äthiopischen Eindringlinge zu Felde zu ziehen. Mit eiserner Faust regierte der äthiopische König das Land der stolzen Pharaonen. Die Erfolge seiner Waffen reizten Sabako, sie über die Grenzen Aegyptens hinauszutragen. Seine Heere drangen durch die philistäische Ebene bis hinauf nach der phönicischen Küste und bis in das Land der Aramäer72. Doch war es mehr ein Streifzug, als ein Eroberungszug. Sabako begnügte sich, Beute zu machen und Gefangene nach Aegypten zu schleppen. Auch das Land Judäa litt selbstverständlich durch Sabako's Zug, auch ihm wurden Gefangene entführt. Der König Jotham scheint von dem äthiopisch-ägyptischen Eroberer den Frieden auf dieselbe Weise erkauft zu haben, wie Menahem ein Jahrzehnt vorher von den Assyriern. Er mußte Tribut an Aegypten leisten, die Tributvögte zogen durch's Land, die zugesagte Summe einzutreiben. Beide Reichshälften waren in kurzer Zeit von der Macht gesunken, die sie unter Jerobeam II. und Usia zum Schrecken der Nachbarvölker inne hatten. Beide waren, wenn auch nicht dem Namen nach, doch thatsächlich Vasallen der zwei mächtigen Reiche, welche im Süden und Nordosten wie zwei riesige Zweikämpfer auftraten, um sich auf einander zu stürzen und die zwischen beiden liegenden Länder zum Tummelplatz und Kampfpreis zu machen.

»Die Sichern in Zion und die Vertrauensvollen in Samaria« wurden durch die nahe gerückte Gefahr aus ihrer Sicherheit aufgestört. Viele Familien betrauerten die Gefangenschaft ihrer Angehörigen, welche entweder nach Aegypten oder Assyrien verbannt worden waren. Aber wenn die Leichtsinnigen und Leichtlebigen sich der Sorge um die Zukunft entschlugen, so fühlte sich doch das Volk beunruhigt. Als noch dazu ein Nothjahr durch Regenlosigkeit eingetreten war, bemächtigte sich bange Sorge der Herzen. Bezeichnend ist es aber für den schweren Kampf, den die Wahrheit mit dem Wahnwitz noch immer [123] zu bestehen hatte, obwohl jene durch den Mund der Propheten eindringlich sprach, daß das Volk sich in der Noth nicht zu dem Gott wandte, dessen Hoheit die Gottesmänner verkündeten, sondern zu Wahngebilden Zuflucht nahmen. Sie befragten ihre mumienhaften Hausgötter (Teraphim) oder ließen sich von Gauklern und Traumverkündern die Zukunft deuten73.

Gegen diese unverbesserliche Verkehrtheit trat ein Prophet auf, wie es scheint, ebenfalls ein Jerusalemer, Namens Zacharia, Sohn Jibrechjahu's (oder Zacharia I.74. Mit der feurigen und anmuthigen Beredtsamkeit seines Zeitgenossen Jesaia hält die Redeweise dieses Propheten keinen Vergleich aus. Es gebricht ihr an Kraft und Zusammenhang, sie reiht nicht Gedanken an Gedanken, sondern springt ohne rechte Vermittelung von einem Gegenstande zum andern. Zacharia's Sprache ist wohl auch dichterisch gefärbt und bestrebt sich das Gleichmaß einzuhalten, führt aber weder die Gliederung, noch die sonstigen poetischen Formen durch. Seine Bilder und Gleichnisse sind nicht immer gewählt. Häufig wendet Zacharia I. das Gleichniß von Hirten an, das er von den Königen gebraucht, und von der Heerde, das er auf das Volk anwendet. An diesen Propheten kam zuerst der Auftrag, das Volk zu ermuthigen und es aus der Bangigkeit, die sich seiner durch den Streifzug der Aegypter und in Folge des Nothjahres bemächtigt hatte, aufzurichten. Er rollte daher ein glänzendes Bild der Zukunft auf, um es über die bedrückende Gegenwart hinwegzuheben. Er stellte in Aussicht, daß die Nachbarvölker, welche öfter feindlichen Sinnes gegen Israel waren, die Aramäer, Tyrier und selbst die Philister sich einst zum Gott Israels bekennen, und von ihm als gleichberechtigte Kinder aufgenommen werden würden, wenn sie ihre Frevelthat und ihren falschen Stolz abgelegt haben werden:


»Ausspruch des Wortes Gottes:

Im Lande Hadrach (?) und Damaskus wird (Gottes) Ruheort sein.

Denn zu Gott ist das Auge der Menschen gerichtet,

So wie aller Stämme Israels.

Auch in Hamath, das daran grenzt,

In Tyrus und Sidon, das sehr weise ist.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Askalon, Gaza, Ekron werden erzittern.

Ich entziehe seine Blutthat aus seinem Munde,

Seinen Gräuel aus seinen Zähnen,

Und es bleibt für unsern Gott,

Und es wird sein, wie ein Stamm in Juda,

Und Ekron, wie Jebusi (Jerusalem).

Freue Dich sehr, Zions Tochter!

[124] Juble, Tochter Jerusalem!

Sieh, Dein König kommt zu Dir,

Sanftmüthig und reitend auf einem Esel

Und auf einem Eselsfüllen.

Ich werde von Ephraim die Kriegswagen vernichten

Und Rosse von Jerusalem,

Zerbrochen wird der Kriegswagen,

Der König wird Frieden zu den Völkern sprechen,

Und seine Herrschaft wird von Meer zu Meer

Und vom Euphratstrome bis zu der Erde Grenzen.

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Denn ich spanne Jehuda als Bogen,

Mit Pfeilen fülle ich Ephraim

Und werde ermuntern Deine Söhne, Zion,

Zu Deinen Söhnen, Schomron75,

Und mache Dich gleich einem Heldenschwert«.


Der Prophet Zacharia verkündete ferner ermuthigend, daß Gott beide Reiche, das Haus Juda und das Haus Ephraim, einträchtig machen und deren Verbannte heimführen werde. Wenn er sie auch unter die Völker gesäet, so werden sie in der Entfernung sein gedenken und mit ihren Kindern zurückkehren; aus Aegypten und Assyrien wird er sie zurückführen, sammeln und heimführen nach Gilead und dem Lande des Libanon, und es wird für sie nicht ausreichen. Der Hochmuth Assyriens wird gedemüthigt werden und Aegyptens Geißel weichen.

Nachdem Zacharia dem Volke eine hoffnungsreiche Zukunft verheißen, beruhigte er es auch über die Noth der Gegenwart. »Getreide wird die Jünglinge aufrichten und der Wein erfrischen die Jungfrauen.« Sie mögen nur von Gott Regen erflehen, von ihm der die Blitze macht, er wird jedem Regen spenden. Denn die Hausgötter sprechen Eitles, die Zauberer Trug, die Träumer verkünden Nichtiges, eitel trösten sie. Und weil das Volk bisher auf diese gehört, irrte es wie eine Heerde und wurde zerstreut76, weil es keinen Hirten hatte.

Doch auch diesen milden Tröster übermannte der prophetische Eifer ob der Sündenschuld, auch er mußte Unheil verkünden. In einer zweiten Rede kehrte er sein strafendes Wort hervor und sprach diese Strafandrohung gegen die gewissenlosen Hirten, die Könige, welche das Volk wie ein Schlachtvieh behandelten, welche Schuld daran hatten, daß das Volk der Verkehrtheit huldigte und in Verwirrung und Verirrung gerieth. Diese zweite Rede beginnt mit einem kraftvollen Eingang.


»Oeffne, Libanon, deine Pforten!

Das Feuer wird deine Cedern verzehren,

[125] Klage Cypresse, denn gefallen ist die Ceder,

Mächtige Tamarisken sind geknickt77!

Klaget Basan's Eicken!

Denn gesunken ist der Höhe Wald.

Höret das Klagen der Hirten!

Denn verwüstet ist ihre Pracht.

Höret der Löwen Brüllen,

Denn verwüstet ist des Jordan's Stolz«.


Die Rede schloß mit der Aussicht, daß von dem ganzen Volke nur der dritte Theil übrig bleiben werde. Aber auch dieser Ueberrest wird erst durch Prüfung geläutert und zum Volke Gottes erzogen werden müssen:


»Ich werde den dritten Theil ins Feuer bringen,

Ihn prüfen, wie man Silber prüft,

Ihn läutern, wie man Gold läutert.

Er wird meinen Namen anrufen,

Und ich werde ihn erhören.

Ich nenne ihn »mein Volk«

»Und er wird sprechen:

›Ihwh ist mein Gott‹78


Im Verlaufe führte dieser Prophet das Bild von den falschen Hirten aus, welche die Heerde ohne Gewissensbisse tödten und keine Schonung kennen. Ganz besonders machte der Prophet Zacharia deutliche Anspielungen auf den König Pekach von Israel, auf diesen »falschen Hirten«, der die Heerde noch schonungsloser, als seine Vorgänger behandelte. Der Prophet war vielleicht gezwungen, verblümt zu sprechen, und gebrauchte daher eine räthselähnliche Wendung: Gott bestellte einen Hirten über das Volk und übergab ihm zwei Stäbe, von denen der eine Huld (Gnade) und der andere Bund (Eintracht) genannt wurde. Aber da das Volk Gott verwarf, so verwarf es auch Gott, zerbrach zuerst den Stab der Gnade und löste das Bündniß, das er mit allen Stämmen Israels geschlossen hatte. Und jetzt will er noch den zweiten Stab, den »Stab der Freundschaft« zwischen Juda und Israel zerbrechen. Gott stellte einen thörichten Hirten auf, welcher die verirrten Lämmer nicht aufsucht, um die zerstreuten sich nicht kümmert, die verwundeten nicht heilt, die kranken nicht pflegt und das' Fleisch der gesunden verzehrt. Das Volk verdient zwar keinen bessern Hirten. Nichtsdestoweniger wird diesen Hirten, der die Heerde verläßt, Gottes Strafgericht treffen.


Fußnoten

1 George Rawlinson, the five great monarchies of the ancient world I, p. 20 Note und p. 29, identificirt nach dem Talmud, Joma p. 10a רופנ וז חנלכ, Kalneh mit Nipur. Der Name hat sich auf zweisprachigen Tafeln erhalten und entspricht dem jetzigen Niffor. Ktesiphon, mit dem Kalneh von Targumisten und Kirchenvätern identificirt wird, gehörte nicht zu Babylon, da es am Tigris lag [S. jedoch Niehm-Baethgen, Handwörterbuch der bibl. Alterthums I, 254 und Schrader-Winckler a.a.O. S. 55].


2 Ueber die chaldäischen Cyklen von Sossen (60 Jahren) Neren (600) und Saren (dem Quadrat von 60 = 3600 Jahre) bei Syncellus p. 17, vgl. die geistvolle und einleuchtende Erklärung und Ausgleichung bei Marcus v. Niebuhr, Geschichte Assur und Babel, S. 239 fg. [Ueber die Chronologie vgl. daselbst Schrader-Winckler a.a.O. S. 327 ff.]


3 Herodot II, 109, Ideler, Handbuch der Chronologie, I, S. 215.


4 Den πόλος haben die chaldäischen Sternkundigen erfunden, Herodot das.


5 Vgl. darüber Boeckh, metrologische Untersuchun gen, S. 210 fg. [und Schrader-Winckler a.a.O. S. 329.]


6 In »Journal of the Asiatic Society XV. p. 218«, und daraus in G. Rawlinson's »the five great Monarchies of the ancient world I, p. 129« ist ein Täfelchen mitgetheilt, das bei Senikareh-Larza einige Stunden nördlich von der Vereinigung des Euphrat und Tigris gefunden worden. Es enthält die Angabe der Quadrate von 51-60 und zwar anstatt der Dekaden das Sexagesimal-System (Sossen); Z. B.:

512 = 43 (S) + 21

522 = 45 (S) + 4.

Die Zahlzeichen sind deutlich, das Quadratzeichen ist durch Pfeile gegeben.


7 Jesaia 47, 13. םימש ירבה sind Himmelseintheiler, von רבה, im Arabischen theilen. Später sagte man רזג, theilen; davon הרזג, Geschick, nach der Constellation bestimmt.


8 Der Mondgott wurde Sin-Urki genannt. Ist vielleicht der Götze ךדסנ, Jesaia 37, 38 und an der Parallelstelle in Könige II eine Versetzung von ךדגס, also Mondgott? [Vgl. die abenteuerliche Gleichung ךרסנ = ךדרמ bei Schrader-Winckler, S. 85]


9 Vgl. über die Mythologie der Babylonier, G. Rawlinson. a.a.O. p. 140 fg., III, p. 459 fg. [u. zuletzt Schrader bei Riehm-Bäthgen I, 140 ff.]


10 Herodot I, 183; Jesaia 66, 11.


11 Herodot I, 199.


12 Curtius Rufus, gesta Alexandri V., 2, 6.


13 G. Rawlinson das. II, p 229 fg. [Vgl. Schrader das. S. 128, 132 ff.]


14 Herodot I, 199, Vausanias I, 14, 6.


15 Jesaia 5, 26 fg.


16 Das. 36, 4.


17 Das. 10, 8.


18 Folgt aus Zacharia 9, 1-2; daß Damaskus wieder einen eignen König hatte, folgt aus Jesaia 7, 1 fg.


19 S. Frankel-Graetz, Monatsschr. Jahrg. 1874, S. 481 fg. [Vgl. Schrader-Winckler, S. 49 f. 264. Tiele, babyl. assyr. Geschichte, S. 110 f. 226 u Klostermann zu II Könige 15, 19.]


20 Das.


21 Könige II, 15, 19-20 ליחה ירבג kann hier nur bedeuten die Reichen, oder Reichsten, wie das. 24, 14; Ruth 2, 1; Hiob 21, 7: ליח ורבג םג, »sie haben an Reichthum zugenommen«. [Ganz anders Klostermann a.a.O. v. 20.]


22 1,000 רככ Silber, das רככ zu 3,000 Sekel = 3,000,000 Sekel, dividirt durch 50 S. auf die Person, giebt 60,000.


23 Hosea 7, 9.


24 Vgl. Note 3.


25 Nach Menander bei Josephus Alterth. IX, 14, 2; vgl. weiter unten.


26 Zacharia 9, 3; vgl. Movers, Phönicier II, 1, S. 221, 382 [u. Pietschmann a.a.O. S. 300 f.]


27 Vgl. Chronik II, 27, 2.


28 Vgl. Note 3.


29 Vgl. B. I, S. 452.


30 Könige II, 15, 35, Chronik das. 27, 3. Der Lage nach, namentlich in Verbindung mit der Befestigung des Ophel, kann unter ןוילעח 'ה תיב רעש nur das Ostthor gemeint sein. [Vgl. jedoch Ez. 9, 2.]. In Chronik II, 23, 20 ist zwar angegeben, daß Joasch durch dieses Thor in den Palast geführt worden wäre, allein abgesehen davon, daß diese Benennung damals noch nicht existirt haben kann, so widerspricht dem die Angabe in Könige II, 11, 19, daß Joasch durch das רעש םיצרה geführt worden ist. Identisch können beide Namen unmöglich sein Dieses Thor scheint vielmehr identisch zu sein mit חרזמה רעש, Nehemia 3, 29. Jedenfalls ist von diesem obern Tempel-Thore die Rede. Jerem. 20, 2: רשא ןוילעה ןומינב רעשב רשא תכפהמה 'ה תיבב. Das Wort Benjamin ist ein lapsus, denn das Benjamin-Thor war ein Stadtthor, hier wird aber von einem Tempel-Thor gesprochen. [S. jedoch Orelli und Duhm zu Jer. 20, 2.]


31 Chronik das. 27, 4.


32 Vgl. Note 3


33 Vgl. Note 4.


34 Folgt aus Jesaia 5, 8. Das Uebrige folgt aus das. 3, 14; 5, 23.


35 Das. 3, 15. Für ונחטת םיינע ינפו muß gelesen werden םיינע ינבו, [s. dagegen Marti z. St.] wie Sprüche 27, 23 ךנאצ ינפ עדת עדי = ךנאצ ינב; als Sachparallele Könige II, 4, 1 םידבעל ול ידלי ינש תא תחקל אב השנהו.


36 Hosea 4, 13-14.


37 Das. V. 10-12.


38 Jesaia 28, 1, 3.


39 Hosea 6, 10-11: הדוהי םג לארשי אמטנ םירפאל תונז, wie nach LXX zu lesen ist. Das. 5, 10: הדוהי ירש ויה לובג יגסמכ. Darauf bezieht sich auch Jesaia 28, 7: םגו ועת רכשבו וגש ןייב הלא. Dieses הלא bezieht sich auf Juda, wie der ganze Zusammenhang an die Hand giebt, besonders V. 14.


40 Jesaia 2, 6-8.


41 Jesaia 8, 3.


42 Daf. 20, 2. Nur während der das. angegebenen Zeit sollte er den קש ablegen.


43 Das. 7, 3; 10, 21; 8, 3-4.


44 Folgt daraus, daß er nach 6, 1 zuerst in Usia's Todesjahre sprach (755), und daß er am eindringlichsten während Sanherib's Belagerung wirkte (710).


45 Allgemein wird jetzt angenommen, daß Jesaia's sechstes Kapitel seine erste Rede gewesen und daß nur aus didaktischen Gründen die später gehaltene Rede Kap. I vorangesetzt wurde. Das. 6, 4 ist תומא םיפסה unverständlich. man muß dafür lesen תונמא םיפסה die »Pfosten. Stützen,« wie Könige II, 18, 16.


46 Das. V. 11 האשת ist kein verständliches Wort, man muß dafür lesen ראשת mit LXX καταλειφ ϑἠσεται.


47 Das. V. 13 תכלשב רשא ist durchaus unerklärlich. Es ist dreifacher Unsinn, es als Infinitiv von ךלשה ךלש, abzuleiten. [Vgl. jedoch Barth, Nominalbildung in den semit. Sprachen, S. 39]. Ein Eigenname kann es ebensowenig sein, etwa wie תכלש רעש, I. Chronik 26, 16. Es ist vielmehr zusammengezogen aus תבהלש.


48 Das. 5, 19.


49 Vgl. o. S. 89.


50 Die Kap. 2-5 bilden ein zusammenhängendes Ganzes, wie der Augenschein lehrt. Diese Rede kann nur unter Jotham gehalten worden sein, wie übrigens die meisten Ausleger annehmen. Zwei Momente sprechen entschieden dafür, einmal die Voraussetzung, daß die Macht und der Reichthum aus Usia's Zeit noch fortbestand (2, 12-16), was unter Ahas nicht der Fall war, und dann, daß zum Schluß von dem Einfall der Assyrer so unbestimmt gesprochen wird (5, 26 fg.), als wenn sie in Juda noch wenig bekannt gewesen wären, während sie in Ahas' ersten Regierungsjahren bereits einen ausgedehnten Einfall gemacht hatten und demgemäß allzu bekannt waren. Man vgl. nur damit die Erwähnung der Assyrer unter Ahas 7, 17 fg. Wie ungleich sind die beiden Stellen. Ewald's Beweis für die Abfassungszeit unter Ahas von 3, 12 ללועמ וישגנ ימע »meines Volkes Herrscher sind ein Kind«, weil dieser mit 20 Jahren zum Thron gelangte, ist an sich absurd und zugleich chronologisch unrichtig, da Ahas 25 Jahre alt beim Regierungsantritt gewesen sein muß. Uebrigens muß man 5, 26 lesen אשנו יוגל םנ statt םיוגל (das מ vom folgenden קחדמ); denn in der ganzen Partie wird von diesem Volke im Sing. gesprochen. Der Eingang in Kap. 2 ist allerdings Joël oder Amos entlehnt, vgl. o. S. 89, wie mehrere Ausleger angenommen haben, aber er ist nicht ein hors d'oeuvre, wie Bleek annimmt (Einl. S 457), sondern gehört streng zum Folgenden. Den Uebergang bildet Vers 5 'ה רואב הכלנו וכל כקעי תיב, der sich bei Micha nicht findet; es ist eine ironische Aufforderung. Als Gegensatz gegen diese ideale Perspective wird die Gesunkenheit der Gegenwart geschildert mit dem Eingang Vers 6 בקעי תיב ךמע התשטנ יכ. Uebrigens muß vor ךמע ein Wort ergänzt werden, wenn der Vers einen Sinn haben soll. Am füglichsten תרות, denn 5, 24 kommt ebenfalls תואבצ 'ה תרות תא וסאמ vor, und das Verbum שטנ wird auch bei הרות gebraucht, (Spr. 1, 8) – בקעי תיב דמע תרות התשטנ יכ giebt einen logisch und rhetorisch correcten Sinn und erklärt das Folgende וקיפשי םירכנ ידליבו. Die eigene Lehre hat das Haus Jakob's verlassen, vergessen und sich Fremdes angeeignet. Statt םדקמ ist bereits von Anderen םסקמ vorgeschlagen worden. Zum Schluß V. 10 muß ergänzt werden ץראה ץרעל ומוקב wie Vers 21.


51 Das. 11-21. Statt לפש muß man lesen לפע, »Erhöhtes«, sonst fehlt die Symmetrie; das Wort לילכ in V. 18 bedeutet »Rauch«, wie Richt. 20, 40. ריעה לילכ, und לילכ Rauchopfer, Brandopfer oder richtiger הלע לילכ. [Vgl jedoch S. D. Luzzatto's Comm. zu beiden Stellen].


52 Das. 3, 1-15. In Vers 12 ist ללעמ nicht verständlich. Ewald's Uebersetzung »meines Volkes Herrscher sind ein Kind« (o. S. 112) ist kindisch. Die alten Versionen geben es durch »Verheeren« wieder, was allerdings auch ללוע bedeutet; sie fügen noch ein objektives Pronomen hinzu. Targum יהוזב, Peschito ןירעבמ הל, LXX καλαμῶνται ὑμᾶς. Man muß also lesen וישגנ ויללועמ. Das ו ist durch das folgende םישנו absorbirt. – Das Verbum עלב kann hier nur die Bedeutung »verhüllen« haben, wie Numeri 4, 20. [Vgl. jedoch Barth, Beiträge zur Erklärung des Jes. zur Stelle]. Ueber ינפ םינע o. S. 107.


53 Das. 3, 25 hat ךיתמ keinen Sinn, denn םיתמ bedeutet die nicht streitbare, schwache Bevölkerung. Man lese dafür ךרחבמ parallel zu ךתרובג. [In seinen, Emendationes in plerosque sacrae scripturae vet. test. libros I, S. 2 schlägt der Verfasser statt dessen vor ךינב יפי].


54 5, 1 muß man statt des zweiten ידידיל lesen ידודל, sonst hat der Vers keinen Sinn.


55 5, 7 חפשמ הנהו ist abzuleiten von חפש »sich anlehnen«, »anschmiegen«


56 Jesaia 32, 1; 11, 3.


57 Das. 33, 15-16.


58 Das. 29, 13.


59 Das. 1, 11-14. Statt ןוא, das unverständlich ist, hat LXX νƞστεία, םוצ, was besser paßt.


60 Das. 7, 21-25; 32, 19-20.


61 Nicht blos in der Theophanie 6, 3, sondern auch sonst 5, 24; 10, 20; 12, 6; 29, 23; 30, 11; 31, 1 hat Jesaia mehr als die übrigen Propheten die Bezeichnung לארשי שדק.


62 S. Note 5.


63 S. dteselbe Note.


64 Jesaia 29, 22 fg.


65 Ps. 27; vergl. Ps. 3. 7. 40 84. 91. 92. 94. 108 und noch manche andere, welche denselben Grundton haben.


66 Ps. 57 und 108; sie ergänzen einander, da sie vollständige Parallelen sind. רונכו לבנה muß übrigens als Accusat. respectiv. genommen werden: mit Nablium und Harfe will ich den Morgen wecken.


67 Ps. 23. Die Verba müssen durchweg hypothetisch gefaßt werden.


68 Ps. 92.

69 Jesaia 8; Vergl. darüber Frankel-Graetz, Monatsschrift Ig. 1874, S. 492.


70 Jes. 19, 1-15. Nur bis dahin reicht die Jesaianische Prophezeiung. Das folgende gehört einer späteren Zeit. [Vgl. dagegen Dillmann's Commentar zur Stelle]. Vergl. Note 3. – V. 7 muß statt תורע gelesen werden: תורעי »Wälder« und V. 11 muß statt ינא םימכח ןב םדק יכלמ ןב der Plural stehen: 'וגו ינב ונא םימכח ינב [Vgl. dagegen Luzzatto z. St.]


71 Nach Meyer, Gesch. des Alterthums I, S. 428 vielmehr um 728. Vergl. die Darstellung daselbst und S. 454 ff.]


72 S. Frankel-Graetz, Monatsschrift, Ig. 1874, S. 484.


73 Zacharia 10, 1-2. Vgl. Note 3.


74 Vergl. dieselbe Note.


75 Das. 9, 1 ff., vgl. dies. Note.


76 Zacharia 10, 2 fg. Statt ועסנ zu lesen ועתנ.


77 Zacharias 11, 1 kann unmöglich in םירידא רשא ודדש das Wort רשא Relativ sein, es macht die schonen prophetischen Verse matt. Cs muß vielmehr ein Substantiv sein, entweder = רושאה oder = לשא, eine Art Ceder oder Cypresse, oder vielleicht gar םירשא Astar tenbäume. Es muß also gelesen werden: םירשא] .ודדש םירידא [םילשא]


78 Das. 13, 9, vergl. Note 3.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1902, Band 2.1, S. 127.
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