5. Jesaia's Schule und der Kreis der Anawim.[403] 18

Die Thatsache ist noch nicht hervorgehoben, welche für Jesaia's Thätigkeit von Wichtigkeit ist, daß er einen Jüngerkreis um sich gesammelt hat. Allerdings liegt dieses Factum nicht so offen, wie bei Samuel, wo von dem םיאיבנ לבח, und wie bei Elia und Elisa, wo von den םיאיבנה ינב historisch erzählt wird. Aber Andeutungen sind genug in Jesaia's prophetischen Reden vorhanden, welche dieses Factum constatiren. Deutlich genug spricht dafür V. 8, 16 םותח הדועת רוצ ידמלב הרות, d.h. so viel wie ידמל ברקב: »Binde ein die Warnung und [403] verschließe die Belehrung innerhalb meiner Jünger.« Diese םידומל bedeuten dasselbe wie 'ה ידומל Jesaia 54, 13 und wohl auch das. 50, 4 zweimal דומל ist die ältere Form für das spätere דימלת. Von diesen Jüngern wird ohne Zweifel ausgesagt, daß sie 'ה ינפל םיבשי sind, »sie sitzen vor dem Herrn«, d.h. sie sitzen im Tempel. Es wird prophezeit (Jes. 23, 18): daß der von Tyrus nach seiner Wiederherstellung gesammelte Reichthum denen zu Gute kommen werde, welche »vor dem Herrn sitzen, damit sie zur Sättigung zu essen und zur Pracht Kleidung haben sollten« קיתע הסכמלו העבשל לכאל הרתס היהי 'ה ינפל םיבשיל יכ. Dabei ist allerdings zunächst an Leviten zu denken, welche im Tempel ihren beständigen Aufenthalt hatten. Einer derselben sprach in einem Psalm als höchsten Wunsch aus (27, 4), daß es ihm vergönnt sein möge, sein Lebenlang im Tempel zu weilen, um die Gnade Gottes zu schauen ייח ימי לכ 'ה תיבב יתבש. Derselbe Levite bekundet sich zugleich als Sänger und Dichter (V 6): הרמזאו הרישא העורת יחבז זלהאב החבזאו הל »Ich will Opfer des Jubels darbringen, ich will lobsingen und preisen den Herrn«. Denselben Wunsch drückt auch Psalm 23, 6 aus: םימי ךראל 'ה תיבב יתבשו , wo יתבשו für יתבשיו steht, wie Olshausen und Hupfeld mit Recht annehmen. Wir haben demnach die Identität der 'ה ידומל, »der Jünger Gottes,« und der םיבשי 'ה ינפל, der im Tempel Weilenden. Es gilt aber zu beweisen, daß solche Jünger sich um Jesaia geschaart haben.

Als ein schwieriger Vers gilt Jesaia 29, 22-23: אל ידי השעמ וידלי ותוארב יכ הדוהי וינפ התע אלו בקעי שובי התע לארשי יהלא תאו בקעי שודק תא ושידקדו ימש ושידקי וברקב וצירעי. Ewald hat diesen Vers so sehr mißverstanden, daß er das Wort וידלי ganz hinauswerfen zu müssen glaubte, mit der durch nichts erwiesenen Behauptung, es sei durch irgend ein Mißverständniß hineingekommen. Allein da sämmtliche alte Versionen dieses Wort hier vor sich gehabt haben, so müssen wir es beibehalten und zu erklären suchen. Ja, recht verstanden, bildete es die Pointe des Verses. Jakob, als Volk, wird trotz der Verirrung und Verkehrtheit nicht beschämt werden und nicht erblassen. »Denn wenn er in seiner Mitte seine Kinder – mein Werk, meine Schöpfung – sehen wird, daß sie (diese Kinder) meinen Namen heiligen, so wird auch er (Jakob) den Heiligen Jakob's heiligen und den Gott Israel's verehren« Der Sinn ist klar: Das Volk wird sich an seinen Kindern ein Beispiel nehmen. Die scheinbaren Dunkelheiten des Verses schwinden, wenn man den Sinn richtig auffaßt. ידי השעמ bildet Apposition zu וידלי und die Kinder, welche Gott heiligen, sind Gottes Werk. Dieser Ausdruck wird nicht bloß von Sachen, sondern auch von Personen gebraucht. Vergl. Jesaia 60, 21 ראפתהל ידי ישעמ... םיקידצ םלכ ךמעו. Das Wort וברקב bezieht sich auf Jakob im Singul., also וידלי וברקב יכ ידי השעמ. Im zweiten Halbvers wird von Jakob, dem Volke, der Plural gebraucht, wie öfter bei Sammelnamen bald Sing. und bald Plur. Der Sinn ist also: Das Volk wird sich ein Muster an den aus ihm hervorgegangenen oder in seiner Mitte lebenden Kindern nehmen, es wird, wie diese. Gott allein verehren und heiligen. Diese Kinder sollen zum Vorbilde dienen. Merken wir wohl, daß diese Kinder nicht die des Propheten, sondern Jakobs, des Volkes, genannt werden. Die »Kinder Jakobs«, welche zugleich das Werk Gottes sind, können nur mit den »Jüngern Gottes« identisch sein. Wir müssen uns darunter Jünglinge denken, welche sich von der Verderbniß der Zeit fern gehalten hatten und einem sittlichen und religiösen Leben zustrebten. Diese Jünglinge – wir müssen immer wieder auf den Grundgedanken zurückkommen – sollen und werden, wie Jesaia hoffte, den Vätern zum Beispiel und Vorbilde dienen.

[404] Wir können jetzt einen Schritt weiter gehen. An einer andern Stelle spricht Jesaia (8, 18), als er eben die »Jünger« Gottes genannt hatte:


'ה יל ןתנ רשא םידליהו יכנא הנה

לארשיב םיתפומלו תותואל


»Sieh', ich und die Kinder, die mir Gott gegeben hat, sind oder dienen zum Zeichen und zum Vorbilde.« Aeltere Commentatoren haben bereits in diesen Kindern Schüler oder Jünger Jesaia's erkannt. In der That kann man dieses Wort nicht anders auffassen. Denn hätte der Prophet seine eigenen Kinder im Sinn gehabt, wie andere Ausleger es auffassen, so hätte er ein Pronomen gebrauchen und ידלי sagen müssen. Auch hätte Jesaia von seinen Kindern nicht im Plural sagen können, daß sie durch ihre Namen eine prophetische Bedeutung für die späte Zukunft haben sollen. Denn er hatte nur einen Sohn mit einem bedeutungsvollen Namen בושי ראש. Der Name des Zweiten שח ללש רהמ זב sollte doch keine dauernde, sondern nur eine vorübergehende Bedeutung haben, daß die Beute Rezins und Pekachs bald dem Feinde verfallen werde. Von einem Sohne mit einem so ephemeren Zeichen kann er, unmöglich gesagt haben, daß er für Israel's Zukunft von weittragender Vorbedeutung sei. Was das Kind Immanuel betrifft, so war dieses durchaus nicht der Sohn Jesaia's, wie die dogmatisch abgeschmackte Exegese seit beinahe zweitausend Jahren behauptet, Immanuel war vielmehr der Sohn der המלע während das Kind ללש רהמ als das Kind der Prophetin, seiner Frau, ausgegeben wird. Folglich hatte Jesaia, so viel wir wissen, nur einen einzigen Sohn, dessen Namen für die entfernte Zukunft Bedeutung haben sollte, nämlich Scheâr-Jaschûb, und so kann die Stelle von den »Kindern« nicht seine Söhne involviren. Endlich, in wie fern sollte Jesaia selbst als Zeichen dienen? Etwa vermöge seines Namens? Aber dieser Name wird ja niemals allegorisch gedeutet, und er theilte ihn mit vielen anderen untergeordneten Personen.

Beachtet man aber die Verdoppelung des Ausdruckes םיתפומלו תותואל, so kann man den tieferen Sinn dieser Stelle nicht verkennen. Immanuel sollte Achas bloß als תוא, »als Zeichen« dienen, d.h.: wenn dieses vorausverkündete Factum eintreffen wird, so wird es die Gewähr in sich tragen, daß auch die vom Propheten vorausverkündete Rettung eintreffen wird (7, 11. 14 fg.). Dagegen wird der Gang des Propheten ohne Oberkleid (םורע) und barfuß zugleich als תפומו תוא bezeichnet (20, 3-4). Als Wahrzeichen kann dieser Gang unmöglich angenommen werden, sondern lediglich als Vorbedeutung und Vorbild. So wie Jesaia barfuß und unanständig einherging, so werden auch die Gefangenen Aegyptens und Aethiopiens barfuß und nackt von dem assyrischen König deportirt werden. Nur dieser Sinn kann dieser Stelle zu Grunde liegen. תפומ bedeutet also bei Jesaia Vorbild. Diese Bedeutung wird auch durch Ezechiel bestätigt (12, 6. 11): לארשי תיבל ךיתתנ תפומ und יתישע רשאכ םכתפומ ינא םכל השעי ןכ »Ich bin euer Vorbild, so wie ich gethan, so wird euch gethan werden«. Ebenso das. 24, 24: שעת השע רשא לבכ תפומל םכל לאקזחי היהו »Was er gethan, werdet auch ihr thun«. תפומ bedeutet auch in einem höhern Sinn Vorbild, d.h. Muster, nach dem sich Andere richten (Zacharia 3, 8): םיבשיה ךיערו התא המה תפומ ישנא יכ ךינפל. »Du und deine Genossen, denn sie sind Männer des Vorbildes, Mustermänner«. In diesem Sinn ist auch jener Vers zu verstehen: »Sieh', ich und die Kinder (oder Jünglinge), die mir Gott gegeben19 (oder zugesellt hat), sind zum Zeichen und Vorbild von Seiten des [405] Herrn Zebaoth«. Darum, weil Gott ihm solche beigegeben hat, die als Vorbilder dienen können, so hoffte Jesaia auf Gott, obwohl er gegenwärtig sein Antlitz von Jakob gewendet hat (בקעי תיבמ וינפ ריתסמד), daß bessere Zeiten kommen werden; diese Vorbilder werden eine Besserung herbeiführen. Es ist ungefähr dasselbe, was wir aus Vers 29, 22-23 gelesen haben. Hier und dort ist von denselben םידלי die Rede: sie sind identisch mit den םידומל [So übrigens schon Luzzatto z. St.]. Das Wort םידלי bedeutet übrigens auch erwachsene Jünglinge.

Halten wir das Gewonnene fest. Die »Jünglinge, oder םידומל, die Jünger« gehörten zu Jesaia. Gott hat sie ihm beigegeben, d.h. er hat sie erworben oder richtiger erzogen und belehrt. Er hat also eine Schule gegründet. Es sind dieselben, von welchen ausgesagt wird, daß sie vor dem Herrn, d.h. im Tempel sitzen und weilen. Es waren Sänger und Leviten darunter. Wir können noch einen Schritt weiter gehen. Unmittelbar vorher, ehe Jesaia von den Kindern oder Jünglingen spricht, daß sie durch ihre Anhänglichkeit an Gott das Haus Jakob zur Verehrung desselben bringen werden, spricht er von den »Sanftmüthigen,« welche in Folge der Wandlung an Freude zunehmen, und von den Armen, die in Gott jubeln werden (29, 19): וליגי... םדא ינויבאו החמש 'הב םיונע ופסיו. Diese Sanftmüthigen müssen demzufolge durchaus mit den Musterjünglingen, welche als Gottes Werk bezeichnet werden, in Verbindung stehen, oder gar mit ihnen identisch sein. Mit einem Worte, die Jünger Jesaia's werden zugleich םיונע, »Sanftmüthige, Dulder« genannt. Das ist nicht etwa ein begriffsleeres Wort, sondern es bedeutet eine hohe Tugend. הונע »Sanftmuth« wird neben der Gerechtigkeit und Treue gerühmt. Diese םיונע werden zugleich als םינייבא, oder noch stärker, als םדא ינויבא die »Aermsten unter den Menschen« bezeichnet. Auf diese Armen und Sanftmüthigen oder sanftmüthigen Armen legte Jesaia viel Gewicht, sie bilden bei ihm den Mittelpunkt der Heilsverkündigung, die nur ihretwegen sich vollziehen werde. In der Prophezeiung nach dem Tode Achas' (14, 28. 32) werden zwei Momente hervorgehoben, daß Philistäa vernichtet werden und die Armen einen Aufschwung nehmen werden. Wichtig ist der letzte Vers: ומע יינע וסחי הבו ןויצ דסי 'ה יכ יוג יכאלמ הנעי המו (Vergl. o. S. 218, N. 2). Das soll man oder soll der König, nach Jesaia's Rath, den Gesandten des Volkes oder der Völker antworten: daß Gott, der Zion gegründet hat, es auch schützen werde, und in ihm werden die Armen seines Volkes Schutz finden. So ist die Einheit dieser Prophezeiung hergestellt. Besondere Rücksicht wird hier also auf die ומע יינע genommen. Nur diese werden in Zion Schutz finden; es ist derselbe Gedanke wie in 4, 3: Wer in Zion und Jerusalem übrig bleiben wird, wird heilig genannt werden, und alle die zum Leben aufgezeichnet werden sollen, werden in Jerusalem sein. Die heilige Stadt wird die Heiligen schützen. Diese »Heiligen« sind identisch mit den ומע יינע, den Armen des Gottes-Volkes, d.h. mit den םיונע. In der der Chiskijanischen Zeit angehörenden Prophezeiung (10, 5 g.) werden ebenfalls die יונע ץרא besonders hervorgehoben (11, 4), gerade so wie in Ps. 72 (vgl. über die Bedeutung der Anawim, Monatsschrift, Jahrg. 1869, S. 1 fg.). Die Sanftmüthigen werden von den [406] Propheten und Psalmisten als »Gottes Volk« κατ᾽ ἐξοχἠν bezeichnet. Daher in Ps. 72, 2 der Parallelismus:


קדצב ךמע ןידי

טפשמב ךיינעו.


Denn die Anawim oder Armen oder Dulder waren ganz besonders die Gottsuchenden (Ps. 22, 27): ולבאי וישרד 'ה וללהי ועבשיו םיונע; (Ps. 69, 33): וחמשי םיונע ואר םיהלא ישרד. Sie sind identisch mit den »Frommen« und »Herzensgeraden« (Ps. 32, 11): וליגו 'הב וחמש בל ירשי לכ ונינרהו םיקידצ, und mit denen, welche Gottes Rechtsvorschrift ausführen (Zephanja 2, 3): תא ושקב ולעפ וטפשמ רשא ץראה יונע לכ 'ה Sie waren die »Gottvertrauenden« וב םיסחה oder וב יסוח, und wurden ausdrücklich Heilige genannt (Ps. 34, 10): 'ה תא וארי ויאריל ריסחמ ןיא וישדק. Nur eine eigensinnige verrottete Exegese kann leugnen, daß die Bezeichnung םילד םיונע, םינויבא, von Jesaia abwärts von einer concreten Volksklasse gebraucht wird, welche die Propheten und Psalmisten als den Kern und das Herz des Volkes, als das eigentliche Volk Gottes, betrachtet haben, um derentwillen wunderbare Ereignisse und ein völliger Untschwung eintreten werde. Diese Klasse der »Gottvertrauenden« und »Gottsuchenden« erhielt sich bis ins Exil, und sie bildete die Stammgemeinde. Wenn die Propheten des Exils von der Erlösung und der Rückkehr verkündeten und die Psalmisten davon sangen, so fügten sie stets hinzu, daß diese wunderbare Veränderung den »Anawim« zu Gute kommen werde (vergl. Note 9). Hat es eine solche Klasse von »Gottsuchenden, Gottvertrauenden, Heiligen, Sanftmüthigen, armen Duldern« gegeben, so blieben sie wohl nicht vereinzelt, sondern verbanden sich ohne Zweifel zu einer eigenen Gemeinde. Auch dafür giebt es Andeutungen in der Litteratur; Ps. 89, 6 kommt der Ausdruck םישדק להק, »Versammlung von Heiligen« vor. Diese »Heiligen« bedeuten keineswegs die Himmlischen, sondern die »Frommen«, wie Ps. 34 (s.o. und Deuteron. 33, 3). Der Sinn ist: »die Himmel erkennen deine Wunder an und deine Treue (die du bewährest) in der Versammlung der Heiligen«. Ebenso muß Vers 8 gefaßt werden: הבר םישודק דוסב ץרענ לא »Gott wird verehrt in der großen Versammlung der Heiligen«. Von Engeln kann in dieser Stelle durchaus nicht die Rede sein. Eine Parallele dazu bietet Ps. 111, 1: הדעו םירשי דוסב. Hier haben wir unverkennbar eine »Rathsversammlung,« eine »Gemeinde der Geradewandelnden,« d.h. der Frommen, Anawim, der Heiligen. Waren sie in einem Verbande vereinigt, so muß sie eine dominirende Persönlichkeit vereinigt haben, und das kann nur ein Prophet gewesen sein. Da nun, wie oben erwiesen ist, der Prophet Jesaia Jünger (םידומל) oder Jünglinge (םידלי) um sich geschaart hatte, auf denen seine Hoffnung beruhte, daß sie dem ganzen Hause Jakob's zum Muster dienen werden, auf daß auch dieses Gott heiligen soll, so kann man wohl annehmen, daß dieser Prophet es war, welcher die Anawim zu einem Verbande vereinigt hat. Prophetenjünger waren sie nicht; denn diese Bezeichnung kommt in der Litteratur nach Amos nicht mehr vor. Die םיאיבנה ינב gehörten lediglich dem Zehnstämmereich an. Als Jünger und Nachfolger Elia's und Elisa's beobachteten diese die Aeußerlichkeit des Nasiräerthums, wie aus Amos' Worten ersichtlich ist. Von diesem Nasiräerthum ist bei den Anawim keine Spur vorhanden. Sie bildeten also eine neue Institution im Reiche Juda, allerdings analog den Prophetenjüngern im Zehnstämmereich, aber doch verschieden von ihnen. Ihr Stifter war, man kann nicht daran zweifeln, Jesaia. Unter ihnen befanden sich unstreitig Leviten, welche im Tempel Gottes weilten und mit Gesang und Saitenspiel [407] seine Herrlichkeit verkündeten. Ein großer Theil des Psalters legt Zeugniß für ihr Dasein ab; denn ohne diese Voraussetzung ist dieser Theil vollständig räthselhaft. Unter Chiskija wurden sie an den Hof berufen und spielten da eine einflußreiche Rolle (vergl. Note 7), und während des babylonischen Exils bildeten sie die 'ה רבד לע םידרח (vergl. Note 9).


Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig 1902, Band 2.1, S. 403-408.
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