4. Kapitel. Die Measfim und der judenchristliche Salon. (1786-1791.)

[119] Der neue Geist. Die Königsberger Gemeinde. Euchel und Bresselau. Der Sammler = Meassef. Joël Löwe, Ahron Wolfssohn, Isaak Satanow, Benseeb, Wolf Heidenheim, David Friedrichsfeld, David Franco Mendes, Mose Ensheim, Herz Homberg. Wesselys hebräisches Epos. Marcus Herz, Salomo Maimon, Ephraim Kuh, Bendavid. Bildungsstand der Berliner Juden. Die Anziehungskraft der französischen Literatur auf die Juden. Henriette Herz. Der Salon und dessen Elemente. Erster Ansatz zur Anbahnung der Emanzipation in Preußen. Die Berliner jüdische Freischule und Druckerei. Die Aufklärung. Reibung zwischen den Aufgeklärten und Stockfrommen. Saul Berlin. Die Gesellschaft der Freunde. Die einreißende Zuchtlosigkeit in Berlin. Massentaufen. Friedländers Sendschreiben an Teller. Henriette Herz, Wilhelm von Humboldt, der Tugendbund. Dorothea Mendelssohn und Schlegel. Rahel. Lucinde. Schleiermachers Neuchristentum. Chateaubriand.


In der deutschen Judenheit, wo der Kampf gegen die Unvernunft zuerst wirksam begann, sah es allerdings erfreulicher als in Polen aus. Hier entstand eine jugendliche Rührigkeit und Geschäftigkeit, ein Tatendrang, als sollte das Jahrhunderte lang Versäumte in kurzer Zeit nachgeholt werden. Hier loderte plötzlich eine nachhaltige Begeisterung auf, welche Wunderbares oder wenigstens Überraschendes zutage förderte und den erstarrten Blutumlauf in rasche Bewegung setzte. Jünglinge oder ganz junge Männer sind es meistens, welche den Alten das Zepter entreißen, eine neue Weisheit predigen oder vielmehr den alten Organismus des Judentums mit neuen Säften tränken und verjüngen wollen. Die Synagoge hätte ausrufen können: »Wer hat mir alle diese geboren? Ich bin doch entvölkert und einsam, gebannt und gemieden, wer hat mir diese groß gezogen?« Ein neuer Geist war über diese Jünglinge gekommen, der sie über Nacht aus ihrer Vereinzelung herausgerissen und in Organe geschichtlicher Neugestaltung [119] umgewandelt hat. Wie auf gemeinsame Verabredung schlagen sie mit einem Male die schwerfälligen Folianten des Talmuds zu, kehren ihm den Rücken und greifen zur Bibel, dieser ewigen Quelle der Verjüngung. Mendelssohns Pentateuchübersetzung hatte diesen neuen Geist über sie ausgegossen, hatte ihnen eine neue Sprache verliehen und ihnen neue Lieder eingeflößt. Woher kommt diese Schar begeisterter Jünglinge? Welches war ihr Bildungsgang bis dahin? Wie hat es sie so mächtig ergriffen? Man weiß es nicht. Sie stehen mit einem Male da, prophezeien eine neue Zukunft, ohne recht zu wissen, was sie prophezeien, und nehmen, kaum flügge geworden, einen Hochflug an. Von Polen bis zum Elsaß und von Italien bis Amsterdam, London und Kopenhagen vernimmt man einen hellen Lerchenschlag, der den Morgen verkündet, und die Sänger wissen selbst kaum, woher ihnen diese frischen, schmetternden Töne zuströmen. Sie bilden sämtlich einen Chor und stimmen dieselbe Tonhöhe an und sind daher wenig voneinander zu unterscheiden. Ihre Bedeutung besteht auch nur in diesem Zusammenklang; vereinzelt nimmt sich jede Stimme sehr dünn, schwächlich und ungeschult aus, und nur vereint geben sie einen angenehmen, eindringlichen Vollton. Sie, die Jünglinge, welche sich eben erst in die Sprache hineingelesen haben, treten sofort als Lehrer und Mahner auf, um die so vielfach verunstaltete, stets gebrauchte oder vielmehr mißbrauchte hebräische Sprache in ihrer Reinheit wieder herzustellen. Von Idealen genährt, die ihnen der Weise von Berlin vorgezaubert hatte, wollen sie das Verständnis für die heilige Schrift anbahnen, Geschmack an Poesie einflößen und Sinn für Wissenschaften wecken. Und weil sie, von Begeisterung berauscht, die Schwierigkeit übersehen, wie ein innerlich und äußerlich geknechtetes Volk sich zur Höhe der Poesie und Philosophie emporschwingen soll, gelingt es ihnen gerade, diese Verjüngung herbeizuführen. Sie leisteten im ganzen mehr, als ihr bewundertes Muster Mendelssohn, weil dieser zu bedächtig war, einen Schritt zu tun, der einen lächerlichen Ausgang hätte haben können. Diese Jünglinge stürmen eben kühn vorwärts, sie haben keinen Ruhm einzubüßen, sie vertreten nicht eine Sache, die kompromittiert werden könnte.

Zwei Umstände haben diese Wendung gefördert, ein materieller und ein ideeller. Friedrichs II. Streben nach Geld, nach Bereicherung des Landes, hatte die Juden, und namentlich die Berlins, fast gezwungen, große Kapitalien anzuhäufen. Durch Fabrikanlagen, Spekulationen und großartige Unternehmungen einerseits und durch Sparsamkeit anderseits entstanden in Berlin die ersten jüdischen [120] Millionäre und neben ihnen viele Häuser mit großem Wohlstand1. Die Juden Berlins überragten bei weitem den christlichen Bürgerstand. Aber was sollten sie mit ihrem Reichtum beginnen? Zum Kreis des Adels und des Hofes wurden sie nicht zugelassen, auch der zopfige Bürgerstand verschloß diesen jüdischen Emporkömmlingen, auf welche er mit Neid blickte, seine Tür. So blieb den reichen Juden nur literarischer Verkehr übrig, wofür sie von Hause aus eine Vorliebe mitbrachten. Alle oder doch die meisten hatten in der Jugend mit dem Talmud Bekanntschaft gemacht und waren mit der Bücherwelt vertraut. Dieser Umstand gab ihrem Streben einen idealen Zug; sie beteten nicht bloß den Mammon an. Lesen war ihnen in den Mußestunden ein Bedürfnis. Sobald die deutsche Literatur in ihrer Mitte durch Mendelssohn eingebürgert war, zogen sie auch diese in den Kreis ihrer Beschäftigung, sei es in dem ernsten Streben, sich zu belehren oder um die Mode mitzumachen. Sie hatten auch in diesem Punkte einen Vorsprung vor der christlichen Bürgerwelt, welche in der Regel von Büchern nichts wissen mochte. Für literarische Erscheinungen interessierten sich die jüdischen Kaufleute, Fabrikanten und Bankhalter ohne weiteres, als wenn sie zur Gelehrtenzunft gehörten, in der Zeit, welche der christliche Bürger und Handwerker beim Kruge zuzubringen pflegte.

Doch die nächste Anregung ging von Königsberg aus, dessen Judengemeinde gewissermaßen als eine Kolonie von Berlin anzusehen war. Wie in allen von Deutschen bewohnten Städten, so war auch hier und in Ostpreußen überhaupt den Juden die Ansiedelung erschwert, angefochten und verbittert worden. Der deutsche Zunftgeist und das verfolgungssüchtige Luthertum verwehrten ihnen lange den Zutritt und nörgelten gegen die wenigen, welche der große Kurfürst und der erste König von Preußen unter tyrannischen Beschränkungen zugelassen hatten. Erst um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts konnte die kleine Gemeinde dazu gelangen, eine Synagoge zu bauen. In Königsberg hatten es einige durch Fleiß und Umsicht zu Reichtümern gebracht und nahmen an der in Deutschland durch die französische Literatur aufdämmernden Kultur Anteil. Drei Brüder Friedländer (Bärmann, Meyer und Wolf) waren tonangebend2. Dieser [121] Familie gehörte David Friedländer an (geb. 1750, starb 1834), dieser Affe Mendelssohns, welcher vermöge seiner Verschwägerung mit dem Bankhause Daniel Itzig in Berlin (seit 1771) Einfluß erlangte und die Verbindung zwischen Berlin und Königsberg vermittelte. Auch er bildete später eine Stimme im Chor der Erwecker. Ein Ereignis war es für die Königsberger Juden, als Mendelssohn 1777 auf einer Geschäfsreise sich mehrere Tage daselbst aufhielt, von vornehmen Personen, Professoren und akademischen Schriftstellern aufgesucht und mit außerordentlicher Aufmerksamkeit behandelt wurde. Immanuel Kant, der Gedankenstürmer, umarmte ihn öffentlich. Der exzentrische Haman, »der Magus des Nordens«, hob ihn in seiner übertreibenden Weise in den Himmel. Dieser geringfügige Umstand gab den gebildeten Königsberger Juden eine Art Selbstbewußtsein, daß der Jude durch Selbstachtung den herrschenden Klassen Achtung abtrotzen könne. Dazu kam, daß die Königsberger Universität von einigen humanen Universitätslehrern, besonders von Kant, beeinflußt, wissensdurstige Juden als Zuhörer und akademische Bürger aufnahm. Unter diesen halbakademischen und halbtalmudischen Jüngern waren damals zwei, von denen die Erweckung eines frischen Geistes ausging oder vielmehr die stille Tätigkeit Mendelssohns wirksamer fortgesetzt worden ist, Isaak Abraham Euchel und Mendel Bresselau, beide Hauslehrer bei den reichen und bildungsliebenden Friedländers. Isaak Euchel (geb. in Kopenhagen 1756, starb in Berlin 1804)3 hatte sich durch Mendelssohn und Wessely zum gediegenen, korrekten hebräischen Stilisten gebildet, dessen Schreibart wohltuend gegen die bis dahin gebräuchliche Sprachverderbnis abstach. Indessen war Euchels Stil trocken, ohne Phantasie und ohne Originalität. Bedeutender war sein jüngerer Genosse, Mendel Bresselau (geb. um 1760, starb 1827), der sich später an dem großen Kampfe gegen das Alte beteiligte, und die rabbinischen Graubärte zauste. Er war ein wahrhafter Künstler in der hebräischen Sprache und verstand es, das biblische Sprachgut auf moderne Verhältnisse und Lagen ohne Gesuchtheit und Zweideutigkeit anzuwenden. Er hatte sich den tiefsinnigen Dichter Mose Chajjim Luzzatto zum Muster genommen und gleich ihm ein [122] moralisches Drama »Die Jugend«4 gedichtet, freilich ohne ihn auch nur von ferne zu erreichen. Unterstützt von zwei Jünglingen aus dem reichen Hause Friedländer (Simon und Samuel) erließen Euchel und Bresselau noch bei Mendelssohns Leben während Wesselys Kampf mit den Stockfrommen (Frühjahr 1783) einen Aufruf an die Gesamtju denheit, einen Verein zur Förderung der hebräischen Sprache zu gründen (Chebrat Dorsche Leschon Eber) und ein öffentliches Organ (Zeitschrift), den Sammler (Meassef), zu schaffen. Sie hatten zumeist auf die Unterstützung von dem bereits als Stilautorität anerkannten Wessely gerechnet und ihn um Beiträge gebeten, »ihn, der (wie sie sich ausdrückten) die an die Weiden Babels aufgehängten Harfen abgenommen und ihnen neue Lieder entlockt hatte«. Freudig verband sich der bereits Betagte mit den Jünglingen, der Meister mit den Anfängern, warnte sie aber, als ahne er den Ausgang, ihre Spitzen gegen das Judentum zu kehren und sich überhaupt der satirischen Stacheln zu bedienen. Euchels und Bresselaus Aufruf fand ein vielfaches, volltönendes Echo. Sie hatten das rechte Mittel zur Hebung der Bildung gewählt und auch ein gefühltes Bedürfnis befriedigt. Die hebräische Sprache, geläutert und geschmackvoll dargestellt, konnte allein die Vermittlung zwischen der Judenheit und der Zeitbildung herbeiführen.

Am meisten Teilnehmer fand der »Sammler« in der Hauptstadt der jüdischen Bildung, in Berlin. Hier fand er literarische Beiträge und klingende Unterstützung. Hier gab es bereits eine Reihe von Jünglingen, die von demselben Streben wie Euchel und Bresselau beseelt waren, Schwärmerei für die hebräische Sprache hegten und sie mit sich verjüngten. Auch Mendelssohn lieferte einige hebräische Gedichte ohne seinen Namen zu nennen, nicht zu stolz, von der Höhe seines Ruhmes herab mit Anfängern einen Wettlauf anzutreten. Es ist recht bezeichnend für den Geist, der zu wehen begann, daß ein halbes Kind in wohlgesetzten hebräischen Versen den Reigen eröffnet und schüchtern um Zulassung zur Gemeinschaft bittet, als sollte fortan nicht der grauhäuptige Elifas, sondern der jugendliche Elihu das große Wort führen und seine Weisheit predigen. Neue Namen tauchten in dem neubegründeten Organ auf, welche unter dem Gesamtnamen Measfim, Mitarbeiter am »Sammler« (zuerst erschienen Herbst 1783), eine ganz bestimmte Richtung, eine Sturm- und Drangperiode der neuhebräischen Literatur bezeichnen. Zunächst waren es die beiden Zwillingsgenossen [123] von Euchel und Bresselau, welche später die Redaktion übernahmen, Joël (ben Jehuda Löb) Löwe (geb. 1762, starb 1802) und Aaron Halle oder Wolfssohn (geb. 1754, starb Fürth 1835), der eine ein ernster Forscher, der andere ein kühner Stürmer, der zuerst Wesselys Befürchtung bewahrheitete und in einem Zwiegespräch zwischen Mose Maimuni und Mose Mendelssohn das stehengebliebene Judentum einer schonungslosen Kritik unterzog5. Berliner Mitarbeiter waren außer David Friedländer, der es mit allem versuchte, Joseph Haltern, Joseph Witzenhausen oder Veit6, Joseph Brah- Bran7, der, reich und wohltätig, seine Gesundheit durch das Studium und die Pflege der hebräischen Sprache untergrub, im vierundzwanzigsten Jahre starb (geb. 1767, starb 1791)8 und von seinen Freunden aufrichtig in Prosa und Versen betrauert wurde. Zwei bereits im Alter vorgeschrittene Männer begrüßten die Unternehmung zur Belebung der hebräischen Literatur mit jugendlichem Feuer, Baruch Lindau aus Hannover (geb. 1757, starb 1849), der eine Naturlehre in hebräischer Sprache verfaßte, und der Arzt des Königs Gustav III. von Schweden, Mardochaï (Gumpel, Gumpertz) Levisohn (starb 1797 in Hamburg), den der König von Schweden wegen seiner Kenntnisse zum Professor der Medizin an der Universität zu Upsala ernannt hatte. Diese beiden Schriftsteller, obwohl ihre Studien auf anderen Gebieten lagen, waren für die hebräische Sprache und die Erweckung ihrer Stammesgenossen erglüht.

Zwei Polen, die sich in Berlin aufhielten und zu den bedeutendsten hebräischen Stilisten zählten, und deren Berührung mit deutscher Kultur einen nachteiligen Einfluß auf ihre sittliche Haltung hatte, gehörten ebenfalls zum Kreise der Measfim, Isaak Satanow und Isaak Levi aus Satanow (geb. 1732, starb 1804), der vom Bankier Daniel Itzig unterstützt wurde, besaß eine erstaunliche Fertigkeit, Stilarten täuschend nachzuahmen, salomonische Sprüche und Psalmen, witzelnde Novelletten nach Art Alcharisis mit Kunstregeln für die Poesie eingestreut und mystische Soharsprache, kurz alles Mögliche. Satanow liebte das Versteckenspielen, das Mystifizieren. [124] Die Dummen sollten glauben, er habe eine althebräische Sammlung des Sängers Assaf aufgefunden, und die Gescheiten sollten bewundern, wie geistreich und mannigfaltig er sein könne. Das Unschuldigste an seiner hebräischen Schriftstellerei war noch, daß er unter dem Namen seines Sohnes Schema Satanow oder Doktor Schönemann hebräische Stücke lieferte und seine Mystifikationen verteidigte, obwohl die Bekannten wußten, daß dieser Sohn wenig oder gar nicht hebräisch verstand. Satanow kündigte auch ein Buch überschnelles Bohren von Perlen und über Likörfabrikation an. Zur Zeit des Mose de Leon oder in anderen Epochen, in denen Schriften in hebräischer oder chaldäischer Sprache ohne Prüfung heilig gesprochen wurden, hätte er Lügenbücher zusammengeschrieben. Satanow war eine unehrliche Natur mit erstaunlicher Sprachbegabung. Auch sein religiöses Verhalten war charakterlos; er heuchelte ebensowohl bei den Frommen wie bei den Aufgeklärten. Nicht weniger sprachgewandt war Jehuda Löb Benseeb (geb. in oder bei Krakau 1764, starb in Wien 1811). Er war ein fruchtbarer Mitarbeiter am »Sammler«, lieferte eine Menge niedlicher Gedichte, übersetzte geschmackvoll die Sprüche Sirachs ins Hebräische und erzeugte viele schöngeschriebene prosaische Beiträge. Er handhabte die hebräische Sprache mit solcher Fertigkeit, daß er sie zu zotigen Gedichten mißbrauchte. Satanow und Benseeb haben das Verdienst, die hebräische Sprachlehre von neuem aufgenommen und verbreitet zu haben. Zu den allerdings spärlichen Mitarbeitern des »Sammlers« gehörte auch Wolf Heidenheim (geb. in Heidenheim 1737, starb in Rödelheim 1832). Er war ein wunderlicher Mensch, der die Formlosigkeit und Narrheit der Alten und die Leichtfertigkeit und Klügelei der Neuen gleich verabscheute und seine Grillen mit peinlich genauen grammatischen und masoretischen Studien an der Hand alter Meister verscheuchte. Durch seine sorgfältigen Ausgaben alter Schriften hat er der alten Nachlässigkeit und Sorglosigkeit, wenn auch nicht ein Ende gemacht, so doch gesteuert.

Ist die Reihe zu Ende? Nein, noch lange nicht. Die Pfleger der hebräischen Sprache reichten einander über weite Länderstrecken die Freundeshand; es war eine Verbrüderung, die sich bis Holland, Frankreich und Italien erstreckte. David Friedrichsfeld (geb. um 1775, starb 1810) war ebenfalls ein Schwärmer für diese Sprache und die biblische Literatur. Er hatte ein so großes Zartgefühl für deren Feinheiten, daß ihm ein unschönes hebräisches Wort Seelenpein verursachte. Er drang stets auf reine Formen und Bezeichnungen und war ein geschmackvoller und strenger Richter. Friedrichsfeld hatte [125] in der Jugend ein besseres Los erwählt und dem gegen die Juden lieblosen preußischen Staat den Rücken gekehrt; er war nach dem freien Amsterdam ausgewandert. Von hier aus begrüßte er das Unternehmen für die Pflege des Hebräischen mit jugendlicher Begeisterung. Er genoß noch das Glück, die vollständige Gleichstellung der Juden in den holländischen Staaten in hebräischen Versen besingen zu können. Durch seine Vermittlung schlossen sich auch die holländisch-jüdischen Dichter dem Kreise der Measfim an. Der bedeutendste unter ihnen war David Franco Mendes in Amsterdam (geb. 1713, starb 1792)9. Er stammte aus einer Marranenfamilie, wurde, als Moses Chajjim Luzzatto in Amsterdam weilte, der Jünger dieses lieblichen Dichters, den er sich zum Muster nahm, und war unbesoldeter Sekretär der Amsterdamer portugiesischen Gemeinde. Eine Reihe von Gelegenheitsgedichten in der Form der jüdisch-spanischen Poesie des siebzehnten Jahrhunderts hatte ihm einen Namen gemacht und noch mehr sein hebräisches Geschichtsdrama »Athalias Strafe« (Gemul Athalia). Es schmerzte Franco Mendes, daß die Juden sich von der hebräischen ab- und der Mode gewordenen französischen Literatur zuwendeten, weil diese so schöne Kunsterzeugnisse zutage förderte, während die hebräische Sprache mit Unfruchtbarkeit geschlagen schien. Diese Schmach wollte er tilgen und unternahm es, die spannende Geschichte vom königlichen Knaben Joas, der verstohlen im Tempel erzogen wurde, um ihn vor Mörderhand zu schützen, und von dem Sturz der blutdürstigen Königin Athalia nach Racines und Metastasios Vorgang dramatisch zu bearbeiten. Aber Franco Mendes' guter Wille und Eifer reichten nicht aus, diese tragische Spannung dichterisch zu gestalten; sein Musterbild Luzzatto hatte ihn nicht mit dem Salböl poetischer Begabung zu seinem Nachfolger geweiht, wie sich diese Begabung überhaupt nicht erwerben und übertragen läßt. Mendes' Drama ist nicht einmal in der Form vollendet, auch nicht rein in der Sprache und steht in diesem Punkte sogar Bresselaus allegorischem Drama nach. Aber seine Zeitgenossen, sefardische und italienische Dichterlinge, reichten ihm den Kranz der Poesie und hätten ihn eitel machen können, hätte er nicht einen bescheidenen, sittlichen Charakter besessen. Der Portugiese Franco Mendes war weit entfernt von dem Stolze de Pintos und überhaupt seiner Landsleute, mit den deutschen Juden jede Verbindung zu vermeiden. Er unterstützte vielmehr den »Sammler« mit vielem Eifer, zumeist durch kurze Lebensbeschreibungen [126] von sefardischen Größen, welche den Dichtern der deutschen Zunge unbekannt waren. Auch andere portugiesisch-jüdische Dichter schlossen sich diesem Kreise an.

In Frankreich vertrat die hebräische Literatur der Measfim Mose Ensheim (Einsheim) oder Mose Metz (geb. um 1760, starb nach 1838?). Er war einige Jahre Hauslehrer bei Mendelssohns Kindern (1782-1787). Seine jungen Zöglinge haben ihm ein gutes Andenken im Herzen bewahrt. Sie schildern Ensheim als einen tiefsinnigen Denker, eingeweiht in philosophisches Wissen und von liebenswürdiger Milde, Herzensgüte und so großer Bescheidenheit, daß er nie etwas von seinem Geiste Ausgedachtes hat veröffentlichen wollen10. Er war ein Mathematiker von großer Bedeutung, dessen Werk Sachkenner erster Größe gerühmt haben, und schrieb ein Werk über Integral- und Differentialrechnung, welches den Beifall von Lagrange und Laplace erhalten hat11. Aber auch davon hat er nichts der Öffentlichkeit übergeben. Nur Triumphlieder in hebräischer Sprache von dem Siege der Freiheit über die Knechtschaft in Frankreich sind seiner Brust entströmt, von denen einige in den Synagogen gesungen wurden. Ensheim hat einen Anwalt für die Befreiung seiner Stammesgenossen in Frankreich (Grégoire) zum Wohlwollen für sie gestimmt und ihm reichen Stoff an die Hand gegeben, sie zu verteidigen. Ensheim bildete eine Art Widerspiel zu einem älteren Erzieher im Mendelssohnschen Hause, zu Herz Homberg (geb. in Lieben bei Prag 1749, starb in Prag 1841), auf den Mendelssohn große Stücke hielt und ihn überallhin empfahl, obwohl er ohne großes Talent und besondere Geistesgaben war und nicht einmal tiefe Kenntnisse in der hebräischen Literatur besaß. Mendelssohn hat sich in ihm getäuscht, und ihm mehr zugetraut, als er leisten konnte, als er ihm die Mitarbeiterschaft an seiner Pentateuchübersetzung übertrug. Homberg war eine nüchterne Natur, ging nur auf Spekulation aus und war so etwas wie ein Stellenjäger. Kaum hatte Joseph II. das sogenannte Toleranzedikt für die Juden erlassen, als er nach Österreich eilte und in seiner Eitelkeit meinte, daß ein Mann seinesgleichen sich nur zu zeigen brauche, um alsbald von der Regierung mit einem hohen Gehalte an einer der neuen Normalschulen [127] angestellt zu werden. Es gelang ihm indes erst nach langem Türenpochen. Er wurde Schulrat über die jüdischen Schulen in Galizien und Lodomirien, wodurch die von ihm offiziell vertretene Aufklärerei und das finstere Chaßidäertum hart aneinandergerieten. Homberg trug dazu bei, daß den österreichischen Juden durch das von ihm ausgearbeitete Religionsbuch (Bne Zion) drückendere Fesseln angelegt wurden, als sie früher zu tragen hatten. Er war überhaupt in sittlicher Haltung und Leistungsfähigkeit der Schwächste dieses Kreises, An Trockenheit und Schwerfälligkeit der Darstellung hatte er nur an David Friedländer seinesgleichen. Durch Homberg während seines Aufenthaltes in Görz und durch Elia Morpurgo, welcher mit Mendelssohn und Wessely in brieflicher Verbindung stand, drang die umbildende Richtung der Measfim auch nach Italien; die jüngere Generation, welche später mit den französischen Juden zusammenfloß, schöpfte aus dieser Quelle.

Solchergestalt hatte die hebräische Sprache und die neuhebräische Poesie ein neues Band um die westeuropäische Judenheit geschlungen, zum Teil auch die Juden in Polen umschlossen und eine erstaunlich rasche und nachhaltige Kräftigung und Verjüngung zuwege gebracht. Die hebräische Sprache war fast allen Juden, mit Ausnahme weniger unwissender Dörfler, bekannt, und darum eignete sie sich so sehr zur Vermittlerin der europäischen Kultur. Die zu Tausenden an den verschiedenen Lehrstätten den Talmud studierenden Jünglinge nahmen allmählich, meistens verstohlen, regen Anteil daran und sogen die Neuerungen mit starken Zügen ein. Es entstand dadurch, verbunden mit der erhofften und hier und da eingetretenen Entfesselung von politischem Druck, eine eigene Gärung und Mischung. Altes und Neues floß zusammen und bildete gewissermaßen einen geistigen Brei, etwa vergleichbar der Zeit, als der Tempel zu Jerusalem eingeäschert, christliche Apostel und alexandrinische Prediger, Gnostiker und Phantasten eine neue Lehre verkündeten, die doch alt sein wollte. Ist es erlaubt oder verboten, neben dem Talmud biblische Studien, profane Literatur zu treiben, sich mit Philosophie zu beschäftigen, überhaupt sich mit Wissenschaften (Chochmot) zu befassen? Die angesehenen Rabbinen Ezechiel Landau, Raphael Kohen und andere verdammen es, Mendelssohn und Wessely, untadelhaft fromme Männer, erlauben es nicht nur, sondern empfehlen es dringend zur Hebung des Judentumes. Von den alten verehrten Autoritäten haben es einige erlaubt und selbst getrieben, und andere verpönt und sich davon wie von einer verführerischen Sünde ferngehalten. Diese gewichtigen Gewissensfragen [128] traten an denkende jüdische Jünglinge heran und erzeugten eine gewaltige Unruhe.12 Meistens entschied der Reiz der Neuheit diese Frage, verlockte die anziehende Sprache der Vertreter der neuen Richtung, hin und wieder auch die Lust, sich lästiger ritueller Fesseln zu entledigen. Die Zahl der Teilnehmer an der Zeitschrift »Der Sammler« nahm von Jahr zu Jahr zu. Mendelssohns Tod legte auch ein entscheidendes Gewicht in die schwankende Schale. Seine Jünger – und als solche betrachteten sich sämtliche Measfim – verherrlichten ihn mit hellen Farben, verklärten ihn und seinen ungewöhnlichen Lebenslauf in Prosa und Versen, wiesen auf ihn als auf ein nachahmenswertes Ideal hin und beuteten gewissermaßen seinen Ruhm für ihre Sache aus. Schon ging dieser Measfimkreis einen Schritt weiter und erweiterte den Umfang seiner Tätigkeit. Nicht bloß auf die Veredelung der hebräischen Sprache richtete sich sein Streben, sondern auf Verfeinerung überhaupt. Er nannte sich »Verein für Gutes und Edles« (Chebrath Schochare ha-Tob w'ha Tuschija, seit 1786), ohne jedoch selbst seinen Endzweck genau bestimmen zu können. Von den Anhängern des Alten konnte dem überwältigenden Strome der Neuerung kein Damm entgegengesetzt werden. Sie benahmen sich ungeschickt in der Verteidigung des Alten, sie übertrieben die Befürchtung zu sehr und büßten dafür ihren ganzen Einfluß ein.

So entstand fast in jeder großen Gemeinde eine Partei der »Aufgeklärten« oder »Linken«, die mit dem Alten noch nicht gebrochen hatte, aber dem Bruche nahe war, und von der stockfrommen Partei wegen ihrer Vorliebe für reine Sprache in hebräischer und europäischer Literatur, für anständige Form überhaupt, als Ketzer verschrieen wurde, aber sich nicht mehr wie ehemals über diesen Schimpfnamen entsetzte, sondern ihn vielmehr mit einer gewissen Wohlgefälligkeit hinnahm. Das war die erfolgreiche Wirkung der Measfim, daß sie den Sinn geweckt, den Gesichtskreis erweitert, die Veredelung angebahnt haben. Denn bleibende Resultate haben ihre Träger nicht hinterlassen. Kein einziges Erzeugnis dieses Kreises hat dauernden Wert. In ihrer Prosa deklamierten sie von Aufklärung, von Jugenderziehung, von grammatischen und exegetischen oder philosophischen Gemeinplätzen, die heutzutage kindisch erscheinen. Ihre Verse sind entweder Übersetzungen mittelmäßiger Dichter, wie Haller und Geßner, oder Nachahmung dieser flachen Poesie. Für die verjüngte deutsche Poesie von Schiller und Goethe hatten die Träger des Neuhebräischen [129] noch kein Verständnis. Wahrhaft komisch machen sich die neuhebräischen Idyllen, die namentlich der steife und trockene Friedländer anbaute. Höchstens hat Wesselys Schwanengesang, einen, wenn auch nicht künstlerischen, so doch literarischen Wert. Angeregt vielleicht durch das Erstaunen Herders, des Bewunderers der althebräischen Poesie, daß noch kein Dichter die Wunder des Auszuges aus Ägypten, dessen Mittelpunkt der hehre Prophet bildet, besungen hat, entschloß sich Wessely, ein neuhebräisches Epos zu dichten. Gleichsam angehaucht von dem Geiste der Propheten, entströmten seiner Feder glatte, abgerundete, wohlklingende Verse, welche dem Auge die großartigen Vorgänge von der grausamen Knechtschaft in Ägypten bis zum wunderbaren Durchschreiten durch das rote Meer und zu den Wüstenwanderungen vorführen13. »Prachtlieder« nannte Wessely sein hebräisches Heldengedicht, seine Mosaide. Und in der Tat sind die Verse und Strophen prachtvoll gebaut und vollendet in der Form. Es ist das Beste, was diese Measfimschule überhaupt zustandegebracht hat. Wesselys Epos gefiel so gut, daß zwei christliche Dichter, Hufnagel und Spalding, die ersten zwei Gesänge ins Deutsche übertrugen. Aber ein Meisterwerk ist es keineswegs; es fehlt ihm der Hauch echter Poesie, Phantasie und Schwung. Es ist eigentlich nur eine in Versen umschriebene Geschichte des israelitischen Ursprungs oder noch richtiger, ein in Verse gebrachter Kommentar zum Pentateuch. Die richtige Auslegung und Ausdeutung dieses Buches der Bücher war für Wessely bei weitem wichtiger, als die poetische Ausmalung, weil er durchaus nicht Dichter, sondern bloß Enthusiast für die Schönheiten der hebräischen Sprache war. Dasselbe gilt von der ganzen Schule; ihre Jünger waren gute neuhebräische Stilisten, aber kaum mittelmäßige Dichter.

Das Erscheinen des »Sammlers« hat auch in christlichen Kreisen Aufmerksamkeit erregt. Der alte Judenfeind, Ritter Michaelis selbst, konnte es nicht mit Stillschweigen übergehen14. Andere begrüßten es als eine Morgenröte, welche einen schönen Tag verkündet15. Es war [130] in der Tat ein Morgenaufgang für den jüdischen Stamm. Worin besteht das Wesen eines Kulturvolkes? Doch wohl, neben Gesittung, in Sinn und Geschmack für die schöne Form und in der Kraft, künstlerische Gestalten zu schaffen. Diesen Sinn und diese Kraft, die durch äußeren Druck und innere Verwilderung abhanden gekommen waren, hatte das Organ der Measfim in der Judenheit geweckt. Es brauchte vorderhand nichts Neues geschaffen, sondern lediglich das Verständnis für die Schönheit und Erhabenheit der eigenen Literatur angebahnt zu werden, um den jüdischen Stamm zur Ebenbürtigkeit der Kulturvölker zu erheben.

Auch tiefe philosophische Denker, wenn auch nicht erster, so doch zweiter Größe gingen in dieser Zeit aus dem Schoße der Judenheit hervor, die Mendelssohn an Gedankenschärfe fast überflügelten. Es sind besonders drei namhaft zu machen, die, obwohl in Mendelssohns System geschult, doch die Schwächen desselben bald erkannten und sich neueröffneten Bahnen zuwandten, Markus Herz, Salomon Maimon und Bendavid. Ihr Lebensgang veranschaulicht in engem Rahmen, wie sich der jüdische Stamm im großen aus der Gedrücktheit und Dumpfheit zur Freiheit und Klarheit emporgearbeitet hat. Marcus (Mardochaï) Herz (geb. in Berlin 1747, starb das. 1803)16 war der Sohn armer Eltern, dessen Vater, gleich Mendelssohns Erzeuger, sich und die Seinigen mit dem Abschreiben hebräischer Pergamente kümmerlich ernährte. Er wurde in dem von Ephraim Veitel gegründeten Lehrhaus talmudisch gebildet. Aus Dürftigkeit konnte er jedoch trotz seiner Begabung nicht bei diesem Studium verbleiben. [131] sondern mußte im fünfzehnten Jahre als Handlungslehrling nach Königsberg gehen. Indessen zog ihn der Wissensdrang von dieser Beschäftigung bald wieder ab und führte ihn zur Universität, weil die Albertina damals jüdische Jünglinge allenfalls zur medizinischen Fakultät zuließ. Aber noch mächtiger zog ihn die Philosophie an. Geweckte jüdische Köpfe, welche sich auch nur ein wenig in dem Labyrinth des Talmuds zurechtgefunden hatten, pflegten eine Vorliebe für metaphysische Untersuchungen zu hegen. Herz galt dafür, mit dem »der jüdischen Nation eigenen Scharfsinn« begabt zu sein. Kant, welcher damals an seinem gedankenstürmenden System arbeitete, sah ebenso oft Herz unter seinen Zuhörern, wie die medizinischen Lehrer, zeichnete ihn aus, zog ihn in seinen näheren Umgang und behandelte ihn als seinen Lieblingsjünger. Als er beim Antritt seiner Professur dem zopfigen Gebrauche gemäß ein philosophisches Thema öffentlich verteidigen sollte, fand er für die Rolle eines Beistandes keinen geeigneter als Herz. Einige Vertreter der Universität machten zwar Schwierigkeiten, einen jüdischen Studenten, wie begabt und den christlichen überlegen auch immer er sein mochte, als ebenbürtig zuzulassen17. Kant aber bestand darauf und setzte seine Zulassung durch. Aus Geldverlegenheit und weil ein Jude an der Königsberger Universität nicht zum Doktor geschlagen werden durfte, begab sich Herz wieder nach seiner Geburtsstadt und wurde in den Mendelssohnschen Kreis hineingezogen. Er wurde aber vielmehr ein Schildträger der Kantschen Philosophie, und es macht seinem Kopfe Ehre, daß er, einer der ersten, die Wahrheit dieses einzigen unumstößlichen Systems erkannt und selbst gegen Mendelssohn verfochten hat. Herz bildete sich zugleich zum geschickten Arzte aus und übte diese Wissenschaft mit Gewissenhaftigkeit und Hingebung aus. Durch seine Heirat mit Henriette de Lemos – zweideutigen Rufes – erlangte er als Hilfsarzt seines portugiesischen Schwiegervaters Praxis und Bekanntschaft, und durch seinen schlagfertigen, treffenden, beißenden Witz und seine vielseitigen Kenntnisse wurde er eine bemerkte und gesuchte Persönlichkeit in der preußischen Hauptstadt. Als er philosophische Vorlesungen über die noch neue und wenig verstandene Kantsche Philosophie hielt, hatte er ausgezeichnete Männer zu seinen Zuhörern, darunter auch den Staatsminister v. Zedlitz. War es in der kürzesten Zeit nicht weit genug gekommen, daß hochgestellte Persönlichkeiten sich zu den Füßen eines Juden einfanden, um seinen Belehrungen über die höchsten Wahrheiten [132] zu lauschen, während die Michaelis den Juden in Bausch und Bogen jede Bildungsfähigkeit absprachen? Später hielt Herz Vorträge über Physik und machte die überraschenden Naturgesetze durch Apparate anschaulich. Noch mehr Wißbegierige strömten zu diesen Vorlesungen, und der Thronfolger selbst, der spätere König Friedrich Wilhelm III., und andere Prinzen verschmähten es nicht, in das Haus eines Juden einzutreten und sich von ihm belehren zu lassen18. Seine philosophische Klarheit, die er sich von Kant und Mendelssohn erworben hatte, trug dazu bei, seine vielseitigen Vorträge, auch über Medizin, genießbar und beliebt zu machen. Herz war indes doch kein selbständiger Denker, die dunklen Wege der menschlichen Erkenntnis durch eigene Lichtgedanken zu erhellen; aber er verstand es, die tiefen Ideen anderer Denker zu klären und gemeinverständlich zu machen. Durch seine Persönlichkeit und sein Haus hat Herz einen bedeutenden Einfluß auf den Bildungsgang nicht bloß der Berliner Judenheit, sondern auch christlicher Kreise ausgeübt.

Von der erstaunlich raschen Bildungsfähigkeit der Juden gab Salomon Maimon ein noch eindringlicheres Beispiel. Dieser Pole, mit dem eigentlichen Namen Salomon aus Litauen oder aus Nieszwiesz (geb. um 1753, starb in Siegersdorf, Schlesien 1800)19, arbeitete sich aus dem dicksten Nebel jüdisch-polnischer Unwissenheit aus eigenem Antrieb, ohne besondere Nachhilfe, zur lichten Höhe klarer philosophischer Erkenntnis herauf, versank aber vermöge seiner Zweifelsucht in entsetzliche Verirrungen. Seine Lebensgeschichte ist voll von Wanderung und Unstätigkeit und liefert einen schlagenden Beweis von der Geistesbeweglichkeit der Juden. Ein Sohn des Elends [133] und der Verwilderung, als Kind schon mit verhungerten Eltern und Großeltern durch die Roheit der polnischen Edelleute und den Brotneid hämischer Nachbarn von Dorf zu Dorf gehetzt, wären Maimons bedeutende Geistesanlagen untergegangen, wenn das Talmudstudium sie nicht geweckt und gepflegt hätte. Selbst den moralischen Sinn in ihm schützte der Talmud, daß er nicht in diesem bodenlosen Schmutze versank. Ohne katechetischen Religionsunterricht und abgeleierte Morallehre hatte der Knabe so viel Ehrlichkeit, daß er einst, als ihm ein Schächtelchen in einem fremden Hause gefiel, und er es entwendete, Gewissensbisse empfand, das darin enthaltene Geld zu behalten, es vielmehr wieder an Ort und Stelle bringen wollte; gerade bei diesem Gewissensakt wurde er ertappt. Von seinem talmudisch gebildeten Vater und unbekannten Lehrern in einigen kleinen Städten im Talmud unterrichtet, entwickelten sich in Maimon frühzeitig überraschende Anlagen, ein unauslöschlicher Durst nach Wissen, ein zersetzender, nach Klarheit und Erkenntnis ringender Verstand, ein glückliches Gedächtnis, alles Erlernte mit eiserner Zähigkeit festzuhalten, und dieses alles in namenloser Entblößung und unsäglichem Elend. Auch sein Sinn für allgemeines Wissen war frühzeitig wach. Verstohlen las das Kind bei rauchenden Kienspänen einige hebräisch geschriebene Geschichtswerke und ein astronomisches Buch, die er in der Büchersammlung seines Vaters gefunden hatte, und verfertigte sich zur Selbstanleitung eine astronomische Sphäre aus Ruten. Woher ist dem verwilderten jüdischen Knaben auch der Sinn und die Fertigkeit für Zeichnen und Malen gekommen? Mit elf Jahren beherrschte er den Talmud stofflich und formell so vollständig und wußte so reif darüber zu disputieren, daß er einen verbreiteten Ruf erlangte und als Bräutigam gesucht wurde, weil ihm eine glänzende Zukunft als rabbinische Größe in Aussicht stand. Sein dürftiger Vater verschaffte ihm zum Übermaße aus Spekulation zwei Bräute zugleich, ohne daß der junge Bräutigam eine derselben zu sehen bekam. Der Vater der einen Braut entführte indes Maimon, um sich seiner zu versichern, mußte aber den Entführten wieder frei lassen. So wurde der Knabe zu seinem Unglück mit der anderen Braut verheiratet und im jugendlichen Alter in das Joch der Ehe und des gräßlichen Elendes geschmiedet. Um sein Leben zu fristen, wurde er in einem kleinen Städtchen Hauslehrer, erlangte dadurch eine größere Freiheit und fing an zu grübeln.

Auch ihm hatte, wie Mendelssohn, das religionsphilosophische Werk Maimunis, »der Führer der Irrenden« (More Nebuchim) die Augen geöffnet. Er las sich so sehr in das Buch hinein, daß er eins [134] damit wurde, nannte sich infolgedessen Maimon, schwur bei dem Namen des jüdischen Weisen, so oft ihn ein Gelüst zur Sünde anfocht, und besiegte es auch damit. Aber während Mendelssohn durch Maimuni auf den rechten Weg gelangte, wurde Maimon auf Irrwege abgeführt, geriet in Zweifel und Unglauben und führte bis an sein Ende ein verfehltes Leben. Aus Verzweiflung klammerte er sich an die Kabbala, wollte ein jüdischer Faust werden, Geister beschwören, um zu tiefer Lebensweisheit zu gelangen, wanderte auch zu dem Oberhaupte der Chaßidäer Beer von Mizricz (o. S. 100). Aber der Schwindel, der in diesem Kreise getrieben wurde, ekelte ihn noch mehr an; er wandte ihm schnell den Rücken. Was sollte er nun mit seiner krittelnden Zweifelsucht in dieser Welt engbegrenzter Stockfrömmigkeit anfangen? Immerfort heucheln? Schon hatten die Lüfte ein leises Gerücht nach Polen getragen, daß in einigen Städten Deutschlands eine freiere religiöse Richtung herrsche, und daß dort mehr Spielraum für philosophische Forschung gegeben sei. Einem Polen machte es damals keine Pein, Frau, Kinder und Heimat zu verlassen, um ins Ausland zu wandern, und Maimon kostete es noch weniger Überwindung, da ihm seine Frau als Kind aufgezwungen worden, und seine Kinder zu seinem Verdruß zur Welt gekommen waren. Zur Beschwichtigung seines Gewissens täuschte er sich selbst; er werde in Deutschland Medizin studieren und damit sich und die Seinigen versorgen können.

So verließ Maimon Litauen (Frühjahr 1777)20 im fünfundzwanzigsten Lebensjahre, »mit einem starken schmutzigen Barte, in zerrissener, unsauberer Kleidung, mit einer Sprache aus hebräischen, jüdisch-deutschen, polnischen Brocken mit grammatischen Fehlern zusammengesetzt«, wie er sich selbst schildert, und stellte sich in diesem lachenerregenden Aufzuge einigen gebildeten Juden in Königsberg mit den Worten vor, er habe die Absicht, sich auf die Wissenschaft zu verlegen. In diesem zerlumpten Polen erweckten die neuen Eindrücke tiefe Gedanken, die sich bei jedem seiner Schritte ins Leben reifer entwickelten. Seine Reise von Königsberg über Stettin nach Berlin war eine Kette mitleiderregenden Elends. In Berlin wurde ihm von dem Vorstande der Aufenthalt nicht bewilligt. Die Polen, welche sich vom Talmud losgesagt und dem Wissen zugewandt hatten, standen im Geruche arger Ketzerei und gaben nicht selten Veranlassung zum [135] Argwohn21. Maimon war aufrichtig genug, die Richtigkeit dieser Beurteilung zuzugeben. »Die wissensdurstigen Polen sind mit einem Menschen zu vergleichen, der nach lange ausgestandenem Hunger auf einmal an einen wohlbesetzten Tisch kommt«, er greift mit Heißhunger zu und sättigt sich bis zum Überladen22. In Berlin abgewiesen, mußte Maimon sich einem Landstreicher von Profession anschließen und mitbetteln, um nur sein Leben notdürftig zu fristen, bis er halbnackt in Posen ankam, wo sich der junge scharfsinnige Rabbiner Hirsch Janow, dieses Muster selbstloser Frömmigkeit, der Eiferer gegen die Mendelssohnsche Übersetzung (o. S. 41), ohne ihn nach seiner Rechtgläubigkeit zu fragen, seiner annahm, ihn speiste und kleidete. Hätte Maimon, anstatt für Verstandesformeln zu schwärmen, für sittliche Größe einen empfänglichen Sinn gehabt, so hätte auch sein Geist an diesem Rabbiner Hirsch Janow, den er so sehr verehrte, gesunden können, wie sich sein Leib durch dessen Sorgfalt erholte. Er hätte an einem lebenden Beispiel lernen können, daß echte Frömmigkeit, wenn auch durch falsche Vorstellungen getrübt, die Blüte aller Tugenden, Selbstlosigkeit, Hingebung und Menschenliebe fördert. Allem in der Vereinsamung seines Geistes und in seiner müßiggängerischen Lebensweise war Maimon durch Verkennung des Maimunischen Systems zu der anfangs dunkeln und dann immer klarer hervortretenden Überzeugung gekommen, daß folgerichtiges, formales Denken, Urteilen, Schließen, Auflösen, Zergliedern das höchste Verdienst des Menschen sei. Für sittliches Tun, für Tätigkeit überhaupt, für das Eingreifen in das Weltgetriebe, für die Forderung, den Geist als Hebel zu benutzen, um der Natur ihre Beute abzujagen, den Menschen von seiner Selbstsucht zu befreien und ihn zu gemeinnütziger, sittlicher Tatkraft anzuspornen, für den Trieb, das Himmelreich des Rechtes und der werktätigen Liebe zu erobern, für alles dieses hatte Maimon kein Verständnis. Es waren für ihn gleichgültige Dinge, mit denen sich der Denker gar nicht zu befassen habe. In dieser Verkehrtheit seines Geistes scheute er jede Tätigkeit; müßiggängerisches Brüten und Formelnschmieden war seine Hauptbeschäftigung. Er konnte darum zu keinem festen Ziel im Leben gelangen und taumelte von Torheit zu Torheit, von Elend zu Elend. Er sah recht gut den Splitter in anderer Augen, aber nicht den Balken in seinem eigenen. Seine harmlose Offenherzigkeit artete in Zynismus aus. Durch sein unkluges Benehmen verletzte er nicht bloß den Wahnglauben, sondern [136] auch das religiöse Zartgefühl und machte sich in Posen Feinde, die ihn als Ketzer verabscheuten. So konnte er sich nicht länger an diesem Orte halten; es drängte ihn überhaupt, seine Kenntnisse zu erweitern, oder wie er sich ausdrückte, sich darin zu vertiefen.

So kam Maimon um 1779 nach Berlin, wo durch Mendelssohns Anregung in jüdischen Kreisen viel, meistens in oberflächlicher Aufklärung, philosophiert wurde. Hier bekam er zuerst eine deutsche Schrift über Metaphysik in die Hand und lernte daraus das ganze Gebiet der Philosophie kennen, ohne die Sprache recht zu verstehen. Aber was ihm die Sprache dunkel ließ, erriet sein scharfer logischer Geist. Von den talmudischen Studien her gewöhnt, aus einem hingeworfenen Worte eine ganze Gedankenreihe rasch zu erfassen und ebenso rasch die versteckten Fehler darin zu finden, entdeckte Maimon allsogleich die übereilte Beweisführung vom Dasein Gottes in der damals gangbaren Philosophie, widerlegte sie und schickte sie in hebräischer Fassung Mendelssohn zu. Dieser erkannte sogleich den Scharfsinn in dem neu angekommenen Polen, nahm sich seiner an, zog ihn in seinen Kreis und verschaffte ihm eine leidliche Existenz, die für den an Entbehrungen Gewöhnten mehr als genügend war. An Mendelssohn hätte sich Maimon zur Weisheit hinaufranken können, aber er bildete sich gerade in Berlin zum vollendeten Zweifler aus. Alle Wahrheiten lösten sich ihm in Verstandesformeln auf, denen die Wirklichkeit nicht entspreche, die Gottheit selbst war ihm nur ein leerer Begriff ohne Inhalt. Auch das Sittengesetz hatte keinen Gehalt in seinen Augen. Das Ziel des Menschen sei einzig und allein, das formale Denken zu üben. Ideen erzeugen, sie spalten, klären, widerlegen, das sei alles in allem; alles übrige sei kaum der Rede wert. Von solchen Grundsätzen durchweht, ließ er sich von jungen Leuten zu einer ausschweifenden Lebensweise verleiten, machte unsittliche Gänge mit und kam in üblen Ruf. Einer anhaltenden Beschäftigung war sein Hang zum Müßiggang und zum Grübeln geradezu abgeneigt. Seine Gönner ließen ihn die Apothekerkunst erlernen; aber er war nicht imstande, sich in das Praktische zu schicken. In seiner zynischen Lebensweise und seiner grellen Offenherzigkeit nannte er selbst Mendelssohn einen Heuchler, weil diesem werktätige Tugend und Lebensheiligkeit höher als philosophische Floskeln standen. Dieser, die verkörperte Milde und Nachsicht, mußte endlich dem philosophisch verwilderten Polen vorhalten, daß er auf keinen Lebensplan bedacht sei, daß er schädliche Ansichten verbreite und in dem üblen Rufe stehe, sinnlichen Vergnügungen ergeben zu sein. Maimon war aufrichtig genug, dieses alles einzugestehen und [137] in seiner philosophischen Verderbtheit ihm ins Gesicht zu sagen, alle Menschen seien Epikuräer23.

Von Mendelssohn und seinen Freunden als unverbesserlich aufgegeben, mußte Maimon wieder planlos in der Welt umherirren und konnte es wegen seiner Verwilderung nirgends zu etwas bringen. In Holland, wo er, durch den Weisen von Berlin empfohlen, gute Aufnahme fand, verdarb er es ebenfalls durch seine zynische Lebensweise, verletzte die Frommen und Anständigen und erregte so sehr den Unwillen gegen sich, daß ihm die Juden Steine nachwarfen24. Er hatte sich selbst in die Lage gebracht, an Selbstmord denken zu müssen, um seinem elenden und nutzlosen Leben ein Ende zu machen. Auch zu einem geistigen Selbstmorde traf er Anstalten. Er, der an nichts glaubte, setzte sich in Hamburg mit einem Geistlichen in Verbindung und wollte zum Christentume übertreten, allerdings mit der Einschränkung, daß es ihm freigestellt bliebe, an Jesus und andere Kirchendogmen zu glauben oder nicht zu glauben. Natürlich mochte der Vertreter der Kirche einen entschieden verwilderten Ungläubigen nicht in die Kirche aufnehmen. Auch der Versuch, den Maimon machte, sich als Dreißiger neben Knaben auf die Schulbank zu setzen, um sich gründliche Sprachkenntnisse anzueignen, scheiterte an seinem Hang zur Ungebundenheit, die sich gegen jede Zucht aufbäumte. Er gab auch zu einer komischen Szene Veranlassung, indem der dreißigjährige Gymnasialschüler durch einen Vermittler von seiner Frau aufgefordert wurde, zu ihr nach Polen zurückzukehren oder ihr den Scheidebrief zuzuschicken. Er glaubte mit dem Judentum und seiner Vergangenheit gebrochen zu haben, und wurde auf eine so empfindlich-rauhe Art daran gemahnt, daß er ihnen doch nicht entfliehen konnte. Bei dieser Gelegenheit kam er auch mit dem Rabbiner Raphael Kohen, der ihn und seinen Vater von Polen aus kannte und gar nicht begreifen konnte, wie Maimon, ein rabbinisch-gelehrter Pole, Judentum und Sitte so frech verhöhnen konnte, in unangenehme Berührung. Er bedrohte ihn mit dem Bann; aber die Drohung prallte an diesem hartgesottenen Ungläubigen wirkungslos ab; er schlug sie mit einem derben Witze in den Wind. In Hamburg konnte er sich natürlich ebensowenig wie in Holland halten, kam abermals nach Berlin und wurde abermals von Mendelssohn und seinen Freunden aus Mitleid unterstützt. Aber um nicht Zeugen seiner ärgerlichen Lebensweise zu sein, schickten sie ihn nach Dessau und gaben ihm zum Schein literarische Beschäftigungen. Er [138] überwarf sich nichtsdestoweniger mit seinen Berliner Gönnern und begab sich nach Breslau, fand hier aber nicht die erwartete warme Aufnahme, weil sein schlechter Ruf ihm vorangegangen war.

Hier nahm sich seiner der jüdische Dichter Ephraim Kuh (geb. in Breslau 1731, starb 1790)25 an, weil er sich dem zynischen jüdischen Philosophen geistesverwandt fühlte. In Kuhs Brust rasten die Dämonen des Zwiespalts, welche der Übergang aus der altjüdischen Gewohnheit in die neuerschlossene Welt in ihm entfesselt hatte. Auch er war in der Jugend mit der talmudischen Literatur vertraut gemacht worden, wurde aber durch die Bekanntschaft mit einem Polen von Maimons Schlage vom Judentum losgelöst, ohne jedoch so viel Sympathie für das Christentum zu gewinnen, um sich demselben anschließen zu können. Er konnte den Zwiespalt seines Innern nicht bewältigen, weil er ohnehin ein zerfahrener Charakter war, wodurch er keine feste Stellung im Leben gewinnen konnte und um seine Habe gekommen ist. Auf seinen ziellosen Reisen war er bei jedem Schritte durch den Judenleibzoll an sein Bekenntnis, dem er innerlich entfremdet war, gemahnt worden. Äußere Umstände, Verlust seines Vermögens und die dadurch herbeigeführte Abhängigkeit trugen dazu bei, seinen Geist zu zerrütten. In Sachsen hatte er einst eine Kerker- und ansehnliche Geldstrafe wegen Verheimlichung seines Bekenntnisses erlitten, die ihn zur Verzweiflung brachte. Er rächte sich dafür durch eine beißende Satire:


ZÖLLNER: Du, Jude, mußt drei Taler Zoll erlegen!

JUDE: Drei Taler? So viel Geld? mein Herr, weswegen?

ZÖLLNER: Das fragst du noch! weil du ein Jude bist.

Wärst du ein Türk', ein Heid', ein Atheist,

So würden wir nicht einen Deut begehren,

Als einen Juden müssen wir dich scheren.

JUDE: Hier ist das Geld! – Lehrt euch dies euer Christ?


[139] Der erste deutsche Dichter aus jüdischem Stamme war ein Weltschmerz-Dichter. Der Spiegel der Dinge zeigte ihm nur Fratzen und Zerrbilder, die er in kleine Versrahmen als Epigramme brachte.

Kuh und Maimon zogen bei ihrer ersten Bekanntschaft einander an, obwohl der eine von der Philosophie und der andere von der Dichtkunst nicht allzuviel verstand. Kuh, selbst hilfsbedürftig, konnte seinen Gesinnungsverwandten und neuen Freund nur durch Empfehlungen an Breslauer Familienväter, welche mit dem Judentume mehr oder minder zerfallen waren, unterstützen, aber diese Unterstützungen vereitelte Maimon selbst durch die Fortsetzung seines zuchtlosen Lebens. Mit lustigen Brüdern trieb er sich in Schenken und unanständigen Häusern herum. Zum zweiten Male, und noch empfindlicher als früher, wurde der philosophische Sünder an die rauhe Wirklichkeit gemahnt. Seine Frau kam aus Polen und führte ihm seinen ältesten Sohn, einen fast zwanzigjährigen Jüngling, in polnischer Tracht und mit polnischem Wesen, zu und drang darauf, daß er für sie sorge oder sich von ihr scheide. Der Rabbiner Isaak Joseph Theomim-Fränkel, der Stammvater würdiger Nachkommen, (starb 1793) lud ihn vor sein Tribunal und hielt ihm vor, ein Vagabund, der seine Frau so viele Jahre verläßt, ihr nicht schreibt, nicht für sie sorgt, kann zur Ehescheidung gezwungen werden. Diesem im Namen der Religion und der Sittlichkeit sprechenden Rabbinen setzte Maimon Hohn entgegen. Mit Recht nannte ihn Theomim-Fränkel einen unverbesserlichen Ketzer, der dem Bann verfallen sei.

Maimon konnte sich auch in Breslau nicht behaupten, reiste wieder nach Berlin (um 1788), wollte sich zum zweiten Male aus Not taufen lassen26, fand indessen wieder an Bendavid, Dr. Saul Ascher und Markus Herz Beschützer. Der letztere empfahl ihn an Kant, dessen philosophisches System damals die Köpfe beschäftigte. Ist es nicht eine beachtenswerte Erscheinung, daß die Kantsche Philosophie, die einzige, welche fruchtbare Wahrheiten enthält, von sehr wenigen Fachphilosophen in ihrer Tiefe begriffen, drei jüdische Apostel fand, welche sie verständlich und anwendbar gemacht haben? Maimon behandelte sie selbständig nach seiner eigenen Denkweise, und als er seine Bemerkungen dem bereits gefeierten Urheber zuschickte, war dieser von Maimons Scharfsinn und Tiefe fast geblendet und spendete dem jüdischen Denker, der sich halb als sein Gegner zeigte, das höchste Lob27. [140] Durch sein tieferes Eindringen in die Kantsche Philosophie, seine scharfe Begriffsbestimmung und die Deutlichkeit, die er ihr verliehen hat, machte er sie in Gelehrtenkreisen bekannt. Er wurde ein sehr fruchtbarer, philosophischer Schriftsteller und wußte, er, der Pole, in deutscher Sprache die schwierigen, dunklen und trockenen Probleme allgemeinverständlich zu machen. Für das jüdische Publikum erklärte er sein Lieblingsbuch, Maimunis »Führer«, an dem er sich zum Denken herangebildet hatte, in einem hebräischen Kommentar (Gibeat ha-More 1790), dem er aber seine und Kantsche Ideen unterlegte. Er schrieb dazu eine Geschichte der Philosophie, die von tiefer Eingedrungenheit in diesen subtilen Stoff Zeugnis ablegt. Dem großen Publikum wurde er erst durch seine eigene »Lebensbeschreibung« bekannt, worin er die Blößen der polnischen Juden, die ihm als die einzigen Vertreter des Judentums galten, und auch seine eigenen mit zynischer Schonungslosigkeit aufdeckte, wie mehrere Jahre früher Rousseau mit seinen »Bekenntnissen«28. Er hat damit seinen Stammesgenossen einen schlechten Dienst geleistet. Denn seine aus Verstimmung entstandenen Urteile über sie wurden später als bare Tatsachen zu deren Verurteilung genommen, und was er von polnischen Juden Häßliches schilderte, wurde ohne weiteres allen Juden zur Last gelegt.

Diese Art offenherziger Schriftstellerei war damals in dem steifen, zopfigen Deutschland etwas Außerordentliches und machte Aufsehen. Maimons Lebensbeschreibung drang dadurch in viele Kreise und gewann ihm zahlreiche Leser. Die beiden deutschen Dichtergrößen Schiller und Goethe waren förmlich in diesen jüdischen zynischen Philosophen [141] vernarrt. Der letztere hegte sogar den Wunsch, ihn in seine Nähe zu ziehen29. Der Ruhm machte Maimon weder besser noch glücklicher. Er behielt seine regellose Lebensweise, wie seine polnischen Manieren bei und mußte bis an sein Lebensende von Unterstützungen leben. In den letzten Jahren zog ihn Graf Kalkreuth in seine Nähe und machte ihn gewissermaßen zu seinem Hausphilosophen. Er führte ihn später (um 1795) auf sein Gut in Nieder-Siegersdorf (Schlesien), versorgte ihn vollständig bis zu seinem Tode, ließ ihm völlige Freiheit der Bewegung und der Lebensweise und ertrug seine Ungezogenheit mit stoischem Gleichmute. Maimons Leiche wurde nach Glogau gebracht und dort von der jüdischen Gemeinde ebenso unanständig bestattet, wie er unanständig gelebt hatte30. Salomon Maimon hat dem jüdischen Stamme nur mit seinem Kopfe Ehre gemacht, mit seinem übrigen Wesen dagegen hat er ihn verunehrt.

Der dritte jüdische Denker dieser Zeit, Lazarus Bendavid, (geb. in Berlin 1762, starb das. 1832), hatte weder den tragischen noch den komischen Lebensgang Maimons. Er war eine prosaische, etwas denksteife Persönlichkeit, die an jeder deutschen Universität einen Lehrstuhl für Logik und Mathematik recht gut hätte einnehmen und jahraus, jahrein denselben Lehrinhalt unverkürzt und unvermehrt hätte vor tragen können. Nur für die Kantsche Philosophie hatte Bendavid mehr glühende Wärme, mehr Begeisterung und Hingebung, da er sie als die Wahrheit erkannt hatte und auch ihre sittlichen Prinzipien treu befolgte. Diese Philosophie war so recht für Juden erdacht, weil sie eine sehr hohe Denkkraft und sittliche Betätigung verlangt. Darum hatte Kant, wie ehemals Aristoteles, viele jüdische Bewunderer und Anhänger31. Bendavid war auch talmudisch geschult und ein guter [142] Mathematiker. Es war vielleicht eine Torheit, daß er nach Wien ging, um dort Vorlesungen über diese Philosophie zu halten (um 1793 bis 1798), da in Österreich damals weder Sinn, noch Verständnis für die metaphysischen Subtilitäten und für sittliche Lauterkeit vorhanden war, wie sie Kants System verlangte. Er konnte sich daher nicht lange in Wien behaupten. Aber anfangs wurde ihm doch die Universität für seine Vorlesungen eingeräumt. Man denke nur, für einen Juden und für eine Philosophie, welche dem Katholizismus jede Berechtigung abspricht! Er mußte sie indes bald einstellen; aber Graf Harrach räumte ihm sein Palais dafür ein. Als er auch da auf Hindernisse stieß, verließ er die Kaiserstadt, setzte seine Vorlesungen in Berlin fort und war eine Zeitlang Redakteur einer Zeitung. Auf den Gang der jüdischen Geschichte in der Neuzeit hat Bendavid nur unmerklich eingewirkt.

Deutsche Juden haben sich aber nicht bloß durch Mendelssohns Anregung in raschem Fluge zur Höhe der Kultur hinaufgeschwungen, sondern auch unverkennbar die Verbreitung und Verallgemeinerung des gebildeten Bewußtseins in christlichen Kreisen gefördert. Geistvolle Juden und Jüdinnen haben zunächst in Berlin jenen gebildeten Weltton geschaffen, der die Eigentümlichkeit dieser Hauptstadt geworden ist und von hier aus anregend auf das übrige Deutschland eingewirkt hat. Juden und Jüdinnen haben zuerst hier einen Salon für geistvolle Unterhaltung begründet, in welchem die Elemente des höhern Denkens, des Geschmackes, der Poesie und der Kritik, in anmutiger, leichter Form untereinander gemischt, verarbeitet, geklärt und für Menschen verschiedenen Berufes zugänglich gemacht wurden. Die christliche Bevölkerung Berlins war zur Zeit Friedrichs des Großen und seines Nachfolgers noch sehr, sehr kleinstädtisch. Der Adel und die hohen Würdenträger waren viel zu vornehm und ungebildet, um sich um Kulturverhältnisse und die große Welt zu kümmern. Für sie war der Hof und die kleinlichen Alltäglichkeiten ihres Kreises die große Welt. Die Gelehrten vertraten das Zopftum, und einen höheren reichen Bürgerstand gab es nicht. Die Mittelklassen lebten nach Art ihrer Väter in deutscher Beschränktheit und Altväterlichkeit, versammelten sich höchstens beim Kruge Bier und kauten an den Wiederholungen von »des alten Fritz Siegen«. Die Frauen zumal lebten ehrsam und zurückgezogen in ihren vier Pfählen oder hatten nur für Vorkommnisse[143] des Familienkreises Sinn. Ganz anders die Juden Berlins. Sie alle oder doch die meisten von ihnen hatten wenigstens bis zu ihrem Mannesalter sich mehr oder weniger mit dem Talmud beschäftigt, ihre Geisteskräfte waren geweckt und für neue Elemente empfänglich. Diese neuen Bildungselemente hatte ihnen Mendelssohn mit seiner Bibelübersetzung und seinen philosophischen und ästhetischen Schriften dargereicht. Kenntnisse verliehen damals in jüdischen Kreisen Auszeichnung, fast noch mehr als Reichtum; der unwissende Reiche war dem Gespötte ausgesetzt. Jeder nur einigermaßen vermögende Jude setzte einen Stolz darein, eine Sammlung alter und neuer Bücher zu besitzen und, wo möglich, auch den Inhalt zu kennen, um in der geflügelten Unterhaltung nicht aus Unwissenheit zurückzustehen. Jeder kundige Jude lebte in zwei Welten, in der Geschäftswelt und in der Bücherwelt. Die jüdische Literatur weckte den Geist, spornte und stachelte ihn, selbsttätig zu sein und hatte eher den Fehler, ihn allzu fein und spitzfindig zu machen als den entgegengesetzten, ihn in Dusel einzuschläfern. Es war eine alltägliche Erscheinung, daß der jüdische Kaufmann oder Handelsmann sich am Tage mit dem Mammon und bei Nacht oder an geschäftslosen Tagen mit der Literatur beschäftigte. Infolge der Mendelssohnschen Anregung warf sich das jüngere Geschlecht auch auf die schönen Wissenschaften, auf Sprachkenntnis und Philosophie. Der Inhalt hatte gewechselt, die Form und der Wissenstrieb war geblieben oder hatte sich noch gesteigert. Die Berliner Judenheit beherbergte kurz nach Mendelssohns Tod mehr denn hundert junge Männer, welche von Eifer für Wissen und Bildung erglüht waren32, aus deren Reihe die Mitarbeiter an der Zeitschrift »Der Sammler« hervorgegangen sind.

Zu diesem aus der inneren Entwicklung ausgebildeten Hang zum Wissen kam eine Modetorheit hinzu. Durch Friedrich den Großen war die geistvolle französische Literatur in Preußen eingebürgert worden, und die Juden fühlten sich am meisten von dem sprudelnden französischen Witz angezogen. Für geistreiche Wendungen hatten sie von jeher viel Empfänglichkeit. Der talmudische Witz lief sozusagen dem französischen entgegen und umarmte ihn als einen Geistesverwandten. Voltaire hatte in den Zelten Jakobs mehr Bewunderer als in deutschen Häusern. Die jüdische Jugend warf sich mit Heißhunger auf die französische Literatur und eignete sich deren Formen[144] an; freilich zog damit auch die französische Leichtfertigkeit mit ein33. Auch die klugen Töchter Israels gaben sich dieser Modetorheit mit allem Eifer hin; sie lernten französisch, allerdings anfangs, um mit jungen Hofkavalieren, welche bei ihren Vätern Anleihen machten, in dieser Modesprache verkehren zu können. Es war ein Schmuck mehr, den sie sich umhängten. Durch Mendelssohns und Lessings Einfluß wich diese Tändelei dem ernsten Streben, sich gründliche Bildung anzueignen, um mit den Männern auf gleicher Höhe stehen zu können. Mendelssohns Töchter, in stetem Verkehr mit gebildeten Männern, gingen darin voran und erregten Nacheiferung. In keiner Stadt Deutschlands gab es daher so vielgebildete jüdische Mädchen und junge Frauen als in Berlin, und sie waren in der Literaturkenntnis ihren christlichen Schwestern bei weitem überlegen; sie lernten leicht und waren nicht trägen Geistes.

Mendelssohns Haus war ein Mittelpunkt für wissenschaftliche und literarische Unterhaltung geworden, der um so lieber aufgesucht wurde, als seine Freunde darauf rechnen konnten, ausgezeichnete Fremde bei ihm anzutreffen, die von seinem weitverbreiteten Ruhme sich angezogen fühlten, und von ihnen Neues zu erfahren34. Seine Töchter wurden zu dieser witzigen und geflügelten Unterhaltung zugelassen und zogen ihrerseits gleichalterige Freundinnen heran. Nach Mendelssohns Tode traten als selbstverständlich David Friedländer und Markus Herz an dessen Stelle. Friedländer war aber zu steif und hausbacken, um eine Anziehungskraft auszuüben. So wurde denn Herz' Haus der Sammelpunkt der Freunde Mendelssohns, und es erweiterte sich zu einem viel größeren Kreise. Herz war ein gesuchter Arzt und hatte eine ausgebreitete Bekanntschaft unter angesehenen jüdischen und christlichen Familien. Seine Vorlesungen zogen Personen verschiedener Stände in sein Haus, von denen die Wißbegierigen auch in die Vertraulichkeit des Familienzirkels gezogen wurden. Herz besaß einen beißenden Witz, womit er die Unterhaltung würzte. Aber mehr noch als seine Wissenschaft und sein Geist fesselte seine Frau. Sie bildete einen förmlichen Zauberkreis, dem alles, was es in Berlin an einheimischen und fremden Personen von Auszeichnung gab, gewissermaßen zuflog. Der Umgang mit der schönen und begabten Jüdin Henriette Herz war eine Zeitlang nächst dem Hofkreise das, was am [145] meisten in Berlin gesucht wurde. Sie hätte, wenn sie nicht von verführerischen Einflüssen irregeleitet worden wäre, segensreich für die Judenheit wirken können.

Henriette Herz (geb. 1764, starb 1847)35 war, sozusagen, ein Sonntagskind, dem das Glück von frühester Jugend an zulächelte und es verhätschelte. Durch ihre Eltern, den Vater Benjamin de Lemos, einen portugiesisch-jüdischen beliebten Arzt, der aus Hamburg stammte, und ihre Mutter, eine Deutsche, vereinigten sich in der Tochter harmonisch die Eigenart südländischen Feuers und spanischer Würde und deutsche Weichheit und Biegsamkeit. Es war ein äußerst seltener Fall, der noch heutigen Tages nicht häufig vorkommt, daß ein sefardischer Jude ein aschkenasisches Mädchen ehelichte. Die Eltern dieser Frau (Charlville) sollen auch über diese Verbindung so unglücklich gewesen sein, daß sie um sie, wie um eine bereits Verschiedene, die üblichen Trauerzeichen beobachtet haben sollen36.

War es eine Vorahnung, daß aus dieser Verbindung zweier bis dahin fremder Zweige des jüdischen Stammes, aus diesem Durchbrechen der Schranken der Gewohnheit, ein weiblicher Sprößling zur Welt kommen werde, welcher die Schranken der jüdischen Züchtigkeit durchbrechen und eine trübselige Verirrung erzeugen werde? Das aus dieser halben Mischehe geborene schöne Kind Henriette sah indessen bei ihren Eltern das Muster einer glücklichen Ehe, die nicht aus romanhafter Liebe und sogenannter Wahlverwandtschaft entstanden war. Sie wurde in religiöser Innigkeit und in patriarchalischer Sittsamkeit erzogen und wurde vermöge ihrer Begabung und leichten Fassungskraft auch in die biblische Literatur in der Ursprache eingeweiht, wie sie denn überhaupt für fremde Sprachen eine bedeutende Anlage hatte. Durch das südländische Blut, das in ihren Adern rollte, entwickelte sich Henriette de Lemos frühzeitig zu einer der schönsten und liebreizendsten Jungfrauen Berlins. Sie machte mit ihrer Gestalt und ihren Gesichtszügen Aufsehen, so oft sie sich blicken ließ, und man nannte sie die »tragische Muse«. Auf einem hochaufgeschossenen, schlanken, symmetrischen Körper wiegte sich anmutig ein kleiner Kopf, der [146] mit allen Reizen einer klassischen Schönheit geziert war, einer griechischen Nase, feurig dunklen Augen, glänzend schwarzen Haaren, einem kleinen, anmutig lächelnden Munde und zarter Gesichtsfarbe. Künstler bewunderten diese vollendete Schönheit, wie sie nur selten aus der Meisterhand der schöpferischen Natur hervorgeht. In diesem schönen Körper webte eine für das Wahre empfängliche Seele, die zwar nicht die Stätte ureigener Gedanken war, aber empfangene Eindrücke unverwischbar festhielt. Aber ihre seltene Schönheit nährte in ihr einen hohen Grad von Eitelkeit und eine Sucht, bewundert zu werden. Die Eltern waren schwach genug gewesen, so oft eine Prinzessin eine jüdische Hochzeit oder eine Laubhütte ansehen wollte, ihr Wunderkind zur Schau zu stellen und es deklamieren zu lassen. Wegen ihrer raschen Entwicklung wurde Henriette beim Beginne ihres sechszehnten Jahres mit Markus Herz verheiratet, und durch seine Anleitung, sowie durch den Umgang mit Mendelssohns Töchtern und den Verkehr in dessen Hause erweiterten sich ihre Kenntnisse. Diese verliehen ihrer körperlichen Schönheit einen höheren, idealen Liebreiz und eine unwiderstehliche Anziehungskraft. »Schön wie ein Engel und voll von Geist und Güte«, so schilderte sie eine vornehme Französin, welche sich darauf verstand37.

Diese schöne Frau machte ihr Haus, wie gesagt, zum Sammelpunkte der auserwählten Gesellschaft Berlins, und ausgezeichnete Fremde haschten nach der Ehre, in dasselbe eingeführt zu werden. Es wurde der erste Salon Berlins, in welchem Anregung und geistige Genüsse in mannigfacher Fülle geboten waren. Zwanglos verkehrten hier mit gebildeten Juden zunächst Mendelssohns christliche Freunde, die schon früher an den Umgang mit Juden gewöhnt waren, Nikolai, der letzte Überrest von dem Lessing-Mendelssohnschen Triumvirat; Engel, der Erzieher des Kronprinzen Friedrich Wilhelm III., der Proben rabbinischer Weisheit, von Juden empfangen, unter das Publikum brachte; Ramler, der Gewissensrat der Dichter, welcher aus Teilnahme für die Juden Ephraim Kuhs Verse feilte38. Es kamen auch neue Männer, welche eine hohe Stellung einnahmen, die Konsistorialräte Teller und Zöllner39, auch solche, welche früher dem jüdischen Kreise ferngestanden hatten. Knuth (später Staatsrat) führte seine zwei Zöglinge Alexander und Wilhelm von Humboldt ein, welche später eine so bedeutende Laufbahn einschlugen [147] und europäische Berühmtheiten wurden; Graf Alexander von Dohna-Schlobitten und andere Adelige. Gentz, Schleiermacher und Friedrich von Schlegel waren gewissermaßen Hausgenossen des Herzschen Paares. Auch die Vertreter der eleganten Kreise waren in diesem Salon anzutreffen. Diplomaten fanden sich ein. Mirabeau, um dessen Haupt sich damals schon die gewitterschwangeren Wolken der Revolution sammelten, dem auch die Juden so viel verdanken, verkehrte während seiner geheimen diplomatischen Sendung (1786) in Berlin, allerdings mehr mit Henriette Herz in ihrem Hause, als mit ihrem Manne40. Nach und nach ließen sich auch Damen von hohem Stande und Bildung herbei, mit der Herz und ihren Freundinnen zu verkehren, von dem Reiz des feinen, geselligen Verkehrs angezogen. Sie stellten sich mit Henriette und ihren jüdischen Freundinnen auf den Fuß der Gleichheit41. Am meisten Anziehungskraft übte dieser Salon auf gebildete christliche Jünglinge, wegen der schönen jüdischen Mädchen und Frauen, welche sich wie Trabanten um die schöne Wirtin bewegten. Diese jüdischen Schönheiten bildeten aber nicht bloß die Dekoration dieses Salons, sondern nahmen regen Anteil an der geistvollen Geselligkeit und zeichneten sich zum Teil durch einen originellen Geist aus. Gentz nannte sie »die klugen Weiber aus der Judenschaft«42. Unter diesen waren es besonders zwei, welche durch größere Geistesüberlegenheit glänzten und moderne Bildung mit jüdischem Scharfsinn und Witz vereinten, Mendelssohns älteste Tochter Dorothea43, später mit Friedrich von Schlegel verheiratet (geb. 1763, starb 1839), und Rahel Levin, später Frau Varnhagen von Enses (geb. 1771, starb 1833). Beide besaßen glänzende Geisteseigenschaften, Rahel Levin war noch dazu von einer unbeugsamen Wahrheitsliebe, gepaart mit Milde und Anmut.

Fast zu derselben Zeit eröffnete eine jüdische Tochter Berlins einen glänzenden Salon in Wien, in welchem Schriftsteller, Künstler, Adlige, Diplomaten, Einheimische und Fremde verkehrten. Fanny Itzig[148] (geb. 1758, starb 1818), eine Tochter des Bankiers Daniel Itzig, geistvoll, liebenswürdig und edel, mit dem zum Baron erhobenen Nathan Adam von Arnstein verheiratet. Sie hat in Wien die gesellschaftliche Verschmelzung der Juden mit den Christen angebahnt, wie ihre Freundinnen in Berlin. Diese jüdischen Zirkel widerlegten aufs glänzendste die unsinnige Behauptung des hochmütigen Göttinger Gelehrten, »daß sich die Zigeuner weit eher zu einem Volke werden modeln lassen, als die Juden«. Hier wurde das tausendjährige Vorurteil mit einem Hauche weggeblasen, wirksamer als durch hundert gelehrte oder beredte Schriften.

Die gesellschaftliche Annäherung und Gleichstellung der Juden in den gebildeten Kreisen ließen sie in Preußen die Hoffnung hegen, wenn auch nicht eine vollständige Einbürgerung, so doch eine Erleichterung der sie so schwer bedrückenden Gelderpressungen und Erniedrigungen zu erlangen. Zwischen der gesellschaftlichen Stellung gebildeter Juden und ihrer gesetzlichen Behandlung war nämlich eine tiefe Kluft. Die Behörden behandelten diejenigen, welche ihnen an Reichtum und Bildung so weit überlegen waren, noch immer als Auswurf. Ein Gesuch, von Ephraim Veitel eingereicht, daß den Juden wenigstens gestattet werden möge, Handwerke zu treiben (o. S. 74), wurde nicht beachtet. Friedrich der Große beharrte bis zu seinem Tode bei seiner Antipathie gegen die Juden. In den bürgerlichen Kreisen waren die Berliner Juden die ersten Millionäre, was bei der Bedeutung, die das Geld damals erlangte, nicht gleichgültig war, und doch wurden sie gesetzlich wie Trödeljuden behandelt. Von diesem philosophischen König war für eine menschenwürdige Behandlung nichts zu erwarten. Dohms Schrift zugunsten der Juden war für ihn nicht vorhanden. Mehr Hoffnung machten sich die Juden Berlins nach der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms II., welcher zwar schwachen Charakters, aber doch auch milden Sinnes war. Von David Friedländer angeregt, der, als Nachfolger Mendelssohns, zugleich als Vertreter der jüdischen Interessen galt, reichten die Oberältesten und Ältesten der Berliner Gemeinde ein Gesuch ein, zunächst den Judenleibzoll in Wegfall zu bringen, die barbarischen Judengesetze aufzuheben und den Juden Freiheit der Bewegung einzuräumen. Sie erhielten darauf einen günstigen Bescheid, daß sie »redliche Männer aus ihrer Mitte wählen« sollten, mit denen die Regierung darüber verhandeln könnte. Auch ihr Antrag, Bevollmächtigte sämtlicher Juden in den Provinzen (mit Ausschluß von Schlesien, Westpreußen und Ostfriesland) dazu einzuberufen, wurde genehmigt und eine Kommission eingesetzt, die [149] Beschwerden der preußischen Juden zu untersuchen und Vorschläge zur Verbesserung zu machen. Darauf wurden Generaldeputierte von jüdischer Seite gewählt, Friedländer und sein reicher Schwiegervater Daniel Itzig, welche mit vielem Mute und Selbstbewußtsein die barbarische und Geld aussaugende Gesetzgebung Friedrichs des Großen in betreff der Juden bloßlegten. Es charakterisiert den Urheber dieses Gesuchs, David Friedländer, daß er sich schämte, darin von Juden und jüdischer Nation zu sprechen und dafür eine besondere Umschreibung wählte: »jüdische Kolonie in den preußischen Staaten«.

Die Deputierten zählten die Gelderpressungen auf, denen die Juden unter den lächerlichsten Titeln unterworfen waren; z.B. den Porzellanexport, der sie verpflichtete, Porzellan von der schlechtesten Beschaffenheit (spottweise Judenporzellan genannt) um den höchsten Preis von der königlichen Fabrik zu kaufen und nach dem Auslande zu verkaufen; die Unterhaltung einer Mützen-, Strumpf-, Beuteltuch- und Spitzenfabrik. Sie wiesen auf die drückenden Beschränkungen hin, daß sie nicht einmal vor Gericht gleichgestellt wären, klagten besonders über die ihnen auferlegte Verantwortlichkeit aller für alle und forderten kühn vollständige Gleichberechtigung, nicht bloß Zulassung zum Ackerbau und sämtlichen Gewerben, sondern auch zu Ämtern und Universitätslehrstühlen (Mai 1787). Die kühne Hoffnung der Berliner und preußischen Juden wurde jedoch getäuscht. Der preußische Staat hat sich nie leicht im Geben gezeigt. Nur der Zwang, schlechtes Porzellan unterzubringen, wurde für eine Summe von 4000 Talern aufgehoben. Auch der schändliche Leibzoll wurde für die einheimischen Juden abgeschafft, wenn sie von Provinz zu Provinz reisten, für die Fremden jedoch nur, wenn sie die Messe zu Frankfurt a.O. besuchten (Dezbr. 1787, Juli 1788). Mit dieser Entfesselung waren bereits Joseph II. und Ludwig XVI. von Frankreich mehrere Jahre vorher vorangegangen. Die hohen Behörden hatten daher aus Schamgefühl zur Abschaffung des Judenleibzolls geraten. Aber viel war damit nicht gewonnen, weil preußische Juden sich nach wie vor an den Toren erst als solche ausweisen mußten, und demgemäß der damit verbundenen Entehrung doch nicht entgingen. Die übrigen Reformvorschläge wurden lange beraten. Inzwischen hatten sich die Schlauköpfe Wöllner und Bischofswerder des schwachen Königs bemächtigt, ihn durch Gespensterschrecken zu ihrem willenlosen Werkzeug gemacht und eine Reaktion gegen die Aufklärung herbeigeführt. Der Bescheid auf das Gesuch der jüdischen Deputierten fiel[150] daher zuletzt kläglich aus. Was ihnen die eine Hand gab, nahm die andere wieder. Es gereicht den Deputierten zur Ehre, daß sie das kärglich und engherzig Dargebotene freimütig zurückwiesen und es aussprachen: »Die Begünstigungen, die uns bestimmt werden, sind unter aller Erwartung und entsprechen den frohen Hoffnungen wenig, die wir bei der Thronbesteigung geschöpft haben«44. Sie erklärten, daß sie zur Annahme der gebotenen Reform »mit wenig Vorteilen und vielen Beschränkungen«, namentlich zur Heranziehung zum niederen Kriegsdienste, ohne Vollmacht wären. Einzelne Juden, wie die reichen Familien Itzig, Bankier Kohen in Berlin, Bendix Goldschmid in Potsdam, erhielten ausnahmsweise Gleichberechtigung. Es wurde verfügt, daß man sie in den offizieller Verfügungen nicht als Juden behandeln sollte45. Sonst blieb alles beim alten oder wurde nur für die Juden in Schlesien ein wenig gemildert.

Die öffentliche Meinung war aber, in Berlin wenigstens, den Juden günstiger und nahm sogar auf ihre krankhafte Empfindlichkeit Rücksicht. Als einst Shakespeares Drama der »Kaufmann von Venedig« aufgeführt wurde (1788), und man voraussetzte, daß sich die Juden durch Shylocks Figur und Rolle verletzt fühlen würden, hielt der gefeierteste Schauspieler jener Zeit, Fleck, dem diese Rolle zugeteilt war, einen Prolog, von einem Berliner Dichter (Ramler?) eigens dazu gedichtet, worin den Juden Berlins öffentlich Komplimente gemacht wurden:


»Nun das kluge Berlin die Glaubensgenossen des weisen

Mendelssohn höher zu schätzen anfängt, nun wir bei diesem

Volke, dessen Propheten und erste Gesetze wir ehren,

Männer sehen, gleich groß in Wissenschaften und Künsten,

Wollen wir dies Volk durch Spott betrüben? Dem alten

Ungerechten Haß mehr Nahrung geben? Und Röte

Denen ins Antlitz jagen, die, menschenfreundlich gesinnt,

Gegen arme Christen und Juden gleich gütig sich zeigen?

Nein, das wollen wir nicht«46.


So hatte sich in der Berliner Gemeinde ein Urstock für die Veredlung des jüdischen Stammes gebildet, dessen Bestrebungen, wenn [151] auch nicht vom Staate, so doch von der öffentlichen Meinung begünstigt wurden. Durch zwei Organe wirkte dieser Keimansatz auf weitere Kreise, durch die Freischule (Chinnuch Nearim) und die damit verbundene Druckerei. Die Freischule, von David Friedländer und seinem Schwager Itzig Daniel Itzig geleitet, war gerade nicht nach Wesselys Ideal und Lehrplan angelegt. Die Gegenstände von allgemeinen Wissensfächern nahmen den Hauptplatz ein und verdrängten nach und nach das sogenannte Jüdische (Hebräisch, Bibel, Talmud) aus dem Lehrplan. In zehn Jahren (1781-1791) wurden in dieser Schule über 500 gutunterrichtete Zöglinge ausgebildet, welche Sendboten des jüdisch-berlinischen Geistes wurden und ihn überallhin verbreiteten. Sie wurde eine Musterschule für deutsche und außerdeutsche Gemeinden. In demselben Sinne wirkte die damit verbundene Druckerei, welche eine große Zahl bildender Schriften in hebräischer und deutscher Sprache in die Ghettos warf. Der dadurch genährte Geist war anfangs ein Geist der Verneinung, der seichten Aufklärung. Sein Ziel war, alles aus dem jüdischen Leben und der jüdischen Sitte zu beseitigen, was den gebildeten Geschmack verletzte, die Juden lächerlich machte, aber auch das, was sich nicht dem nüchternen Menschenverstande auf den ersten Blick empfahl, alles auszumerzen, was an das Nationale, an die großen Tatsachen der Vergangenheit erinnerte, überhaupt alles, was die Juden in den Augen der Christen als eine Sonderheit erscheinen ließ. Der höchste Ruhm der Träger dieses Geistes bestand darin, es den Christen gleich zu tun und von diesen äußerlich und innerlich durch nichts unterschieden zu werden. Diese nüchternen Gleichmacher waren, wie es auch nicht anders sein kann, wenn eine geschichtliche Umwandlung stattfinden soll, von einer Art Fanatismus für ihre Überzeugungen beseelt. Sie faßten das Judentum als eine deistische Religion mit einigen Glaubensartikeln und einer strengen Moral auf und verwarfen alles, was über diese enge Grenze hinausging, als Mystik47. »Aufklärung, Bildung« war ihr Stichwort, der Götze ihrer Anbetung, dem sie alles zum Opfer brachten. Sie kümmerten sich nicht darum, ob sich eine solche schwachatmige Religion erhalten und den Stürmen trotzen könne, Stürmen, die dem Judentum in der Zukunft nicht erspart werden sollten. Sie kümmerten sich überhaupt ebensowenig um die Zukunft des Judentums, wie um dessen Vergangenheit. Mendelssohn hatte keinen ebenbürtigen Jünger von maßgebender Bedeutung hinterlassen, der imstande gewesen wäre,[152] die großen Wahrheiten des Judentums zu erkennen, und sie mit der Kultur in Einklang zu bringen. Die Euchels, Löwes, Friedländers, Herz' und fast sämtliche Measfimmitglieder waren mittelmäßige Köpfe von beschränktem Gesichtskreise, die keinen fruchtbringenden Gedankenkeim auszustreuen vermochten. Bei aller schwärmerischen Bewunderung für Mendelssohn verkannten sie doch den innersten Kern seines Wesens und glaubten ihn immer noch in ihrer Mitte zu haben, während er ihnen längst entrückt war. Sie beredeten sich, daß er es mit den gesetzlichen Vorschriften des Judentums und dem Beibehalten des Eigenartigen gar nicht ernst gemeint, sondern sich nur in das nationale Gewand gehüllt habe, um die zurückgebliebene Menge nicht von sich zu stoßen, während in Wahrheit sein Inneres von dem ganzen Judentum erfüllt war. Selbst seine eigenen Kinder, auch seine geistvollen Töchter verkannten ihn. Diese Verkennung hat vielfach Verirrung hervorgerufen.

Mit jedem Schritte, den die Berliner Schule der Aufklärung vorwärts tat, trat sie in Gegensatz zur Gesamtjudenheit, welche noch in der bewußtlosen Unmittelbarkeit steckte, verletzte deren Empfindlichkeit und vereitelte dadurch ihre eigene Wirksamkeit. Mißverständnisse, Erbitterung, Reibung und Kampf waren die nächsten Folgen. Einer aus der Measfimschule hatte die Höllenpein, wie sie die Phantasie der Asketen und Kabbalisten ausgemalt hat, lächerlich gemacht48. Darüber wurde der ehrlich-fromme Wessely außerordentlich aufgeregt und machte den Leitern in einer Abhandlung Vorwürfe, worin er die Beweisführung unternahm, daß die Bibel schon eine Hölle und Höllenstrafen kenne49. Von dieser Zeit an trennte sich Wessely von den Vertretern der aufklärerischen Richtung.

Aber noch weniger Männer von Bedeutung als die Richtung der Aufklärung zählte die der Stockfrömmigkeit. Der bedeutendste Führer derselben, Ezechiel Landau in Prag, der wenigstens als Spitze angesehen wurde, hatte auch nicht das geringste Verständnis für die neue Richtung, klammerte sich unbesonnen an jeden noch so unberechtigten Brauch und schädigte damit die Sache, die er vertrat. Er kannte nur Verdammung und Verketzerung für jeden, der die ausgefahrene Straße um einige Schritte verließ. Wie er sich gegen Mendelssohns Pentateuchübersetzung und Wesselys Vorschläge zur verständigen [153] Erziehung der jüdischen Jugend stemmte (o. S. 41, 91), ebenso trat er mit blindem Eifer jeder noch so unschädlichen Neuerung entgegen. Die österreichische Regierung wollte ein Verbot gegen die unter den Juden übliche Beerdigung der Leichen wenige Stunden nach dem Stillstand der Atmungsorgane erlassen. Sie kannte den Stand der Frage, wußte, daß sich Mendelssohn gegen die Hast der Beerdigung ausgesprochen hatte (o. S. 29) und verlangte von Landau eine Widerlegung der Gründe oder Zustimmung. Landau, von Erhaltungseifer geblendet, sprach sich mit schwachen, sophistischen Beweisen, geradezu gegen den Geist des Talmuds, im Sinne seines ehemaligen Gegners Jakob Emden für die Beibehaltung dieses Brauches aus50. Damit drückte der Prager Oberrabbiner den Aufgeklärten den Pfeil in die Hand. In allen judenfeindlichen Schriften wurde es als Unmenschlichkeit der Juden ausgelegt, daß sie Scheintote ins Grab legten. Die öffentlichen Blätter, selbst die judenfreundlichen, ergingen sich in Anklagen gegen das alte Judentum.

Die Measfimmänner waren schlau genug, an Markus Herz die Aufforderung ergehen zu lassen, sich als kundiger Arzt auszusprechen51, worauf dieser eine eingehende Schrift darüber veröffentlichte (1788), worin er nicht bloß mit medizinischen, sondern auch mit talmudischen Beweisen das Vorkommen des Scheintodes und die Unsicherheit der Todessymptome durchführte52. Schonungslos griff Herz die Führer der Gegenpartei an: »jene aufgeblähten unwissenden Eiferer, die gerne die Vernunft ganz vom Erdboden verbannt wissen möchten ..., Eiferer, wie der ehemalige Rabbi Jakob Emden in Altona und der gegenwärtige Rabbiner Ezechiel in Prag, welche die Nation, deren Bildung ihnen obliegt, so gerne in der engsten Eingeschränktheit erhalten, alle außertalmudischen Wissenschaften wie Staub achten ... Wahrlich, so dachten die Talmudisten selbst nicht; denn sie waren weise Männer, und der ist nie weise, der sich einbildet, alle Weisheit erschöpft zu haben«.

Überhaupt war Ezechiel Landau die Zielscheibe des Angriffs der Berliner Aufgeklärten von allen Seiten. David Friedländer und Euchel hatten die täglichen synagogalen Gebete aus dem Hebräischen [154] ins Deutsche – der erstere in seiner hölzernen Manier – für das weibliche Geschlecht übersetzt. Die Frommen, welche eine dunkle Ahnung davon hatten, daß durch derartige Übersetzungen das Judentum zur Gebetreligion, zu einem Affen des Christentums, herabgedrückt werden würde, fühlten ein Unbehagen dabei, und ein Prediger in Prag (Eleasar Fleckeles) eiferte dagegen wie gegen eine schwere Sünde und veröffentlichte diese Predigt in hebräischer Sprache, jedoch ohne die Übersetzer zu nennen. Alsbald veröffentlichte Friedländer (1788) noch einen Angriff, mehr gegen Landau, der diese Predigt gelobt hatte, als gegen den Verfasser und machte dessen hebräischen Stil durch eine Übersetzung ins Deutsche lächerlich53.

Gegen den anderen Vertreter der Stockfrömmigkeit, Raphael Kohen in Hamburg, eröffnete Friedländer und sein Schwager Itzig in Verbindung mit einem rabbinischen Standesgenossen einen unredlichen Kampf. Saul Hirschel oder Berlin (starb 1794), Sohn des Rabbiners Hirschel, liebäugelte unverkennbar mit den Vertretern der Aufklärung, durfte aber, als Sohn des Rabbiners, oder mochte aus Klugheit sich nicht offen unter ihre Fahne stellen. Er war überhaupt eine eigenartige exzentrische Natur; er mochte nie betretene Pfade gehen und neue zu bahnen, dazu fehlte ihm der Mut. Er schwankte daher bald nach links, bald nach rechts. Saul Berlin liebte es auch, gleich Isaak Satanow eine Maske vorzunehmen. Ohne sich zu nennen, hatte er eine Satire gegen die Rabbinen geschrieben, welche Wessely angefeindet hatten, und gelegentlich auch gegen die gedankenlose Überfrömmigkeit empfindliche Streiche geführt54. Das war indes ein verzeihliches Spiel. Aber daß er in tiefer Vermummung aus dem Hinterhalte den bereits betagten Raphael Kohen ungestüm anfiel, um ihm nicht bloß die Ehre, sondern auch die Ehrenhaftigkeit zu rauben, ihn nämlich des Rabbinats unwürdig zu erklären, spricht nicht sehr zugunsten seines Charakters. Saul, bereits Rabbiner zu Frankfurt a.O., verband sich mit David Friedländer und dessen Schwager Itzig, um in einer maßlos feindseligen Schrift gegen den Hamburg-Altonaer Oberrabbiner mit talmudischen Waffen zu kämpfen und ihn zu verleumden, daß er nicht bloß in einem Werke, dem er das große Rabbinat verdankte, unverzeihliche Irrtümer begangen, sich nicht bloß [155] mit fremden Federn geschmückt, sondern auch, daß er von Eigennutz getrieben und aus Unwissenheit oder Gewissenlosigkeit religiös Verbotenes geradezu für erlaubt erklärt hätte. Sauls Bundesgenossen, Friedländer und Itzig, begünstigten diese seine Mummerei und Unehrlichkeit, gaben vor, daß ein durchreisender polnischer Talmudist ihnen diese verleumderische Schrift zum Drucke übergeben hätte, und erklärten, sie hätten es für ihre Pflicht gehalten, sie zu veröffentlichen und der Prüfung von Sachverständigen zu überweisen. Ihr Vorwort zu dieser gemeinen Schrift ist in Form eines Sendschreibens an die bedeutendsten Rabbinen Deutschlands und Polens gehalten. Um den Verfasser nicht zu verraten, zählten sie auch Saul Berlin und dessen Vater unter den Unparteiischen auf, welche den Stab über Raphael Kohen brechen sollten (1789)55. Dieser gemeine Ehrenraub machte, wie sich denken läßt, großes Aufsehen und versetzte mit Recht nicht bloß den Angegriffenen, sondern auch viele Rabbinen Deutschlands in heftige Erbitterung. Von einem Standesgenossen, der sich durch eine Maske der Verantwortlichkeit entzog, bloßgestellt zu werden, war bis dahin beispiellos. Sie scheinen den Plan gefaßt zu haben, Schrift, Verfasser und auch sämtliche Druckschriften der Berliner Freischule mit dem Banne zu belegen. Hirschel, der Vater des Verfassers, nicht weniger als die anderen Rabbinen entrüstet, war nahe daran, zuerst seine Stimme gegen die Verschwörung zu erheben. Da flüsterte ihm ein Vertrauter ins Ohr, mit Anspielung auf einen Bibelvers, daß sein Sohn Saul der unehrliche Urheber dieser Gemeinheit sei. Diese Nachricht lähmte ihn. Er war nicht stark genug, seinen Sohn die Strafe empfinden zu lassen, die er einem Fremden zugedacht hatte. Von David Friedländer und Genossen gedrängt, erklärte er im Gegenteil, es liege ihm fern, die ehrlose Schrift, ihren Verfasser und die Druckerei der Freischule zu brandmarken; das ausgesprengte Gerücht sei falsch. Hirschel wenigstens durfte sich nicht beklagen, wenn die Berliner Aufgeklärten sämtliche [156] Rabbinen und überhaupt das Rabbinertum mit Schmach bedeckten und verächtlich machten56.

Obwohl die Vermummung dem Verfasser keine Ehre eintrug, setzte er sie doch in größerem Maßstabe fort, gab wahrscheinlich in Verbindung mit dem Fälscher Isaak Satanow eine Sammlung von Gutachten heraus57, angeblich unter der Vaterschaft Ascheris, gerade dessen, der zuerst im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert den außertalmudischen Wissenschaften den Krieg erklärt hat (Bd. VII4, 235). Diesem Eiferer legte Saul, ungeschickt genug, abgedroschene freisinnige Ansichten seiner eigenen Zeit in den Mund, täuschte damit sogar seinen eigenen Vater und ließ sich für diese plumpe Fälschung bezahlen. Er wurde aber, als sie kenntlich wurde, von Sachverständigen gebrandmarkt. In Mähren wurde die gefälschte Schrift öffentlich verbrannt. Er selbst legte sein Amt als Rabbiner von Frankfurt nieder und entschloß sich, nach England gewissermaßen zu entfliehen. In seinem Testamente warnte er jedermann, in seine Papiere einen Blick zu werfen. Er hatte manches zu verheimlichen.

Durch die Reibungen zwischen den Aufgeklärten und Altfrommen, die beide das Maß überschritten, entstand in der Berliner Gemeinde eine aufregende Spannung. Die Jugend, Hauslehrer, Handlungsdiener, die Söhne der Reichen, die Modenarren, trugen eine leichtsinnige Philosophie zur Schau, setzten einen Stolz darein, ihre greise Mutter zu verhöhnen, und betrachteten alles, was ihren Lüsten im Wege stand, als Aberglaube, Vorurteil, rabbinischen Aberwitz. Die Anhänger des Alten waren dadurch um so zäher und klammerten sich an alles, was einen religiösen Anstrich hatte. Da die altfrommen Gemeindevorsteher oder Verwalter von Wohltätigkeitsanstalten noch das Heft in Händen hatten, so entzogen sie besonders den fremden Anhängern der Aufklärung jede Unterstützung, nahmen die Kranken nicht in das jüdische Hospital auf und versagten den Toten ein ehrenhaftes Begräbnis. Kurz, es wiederholten sich alle die Erscheinungen, welche religiöse [157] Parteibildungen zu begleiten pflegen, dieselbe gegenseitige Gehässigkeit, wie einst zwischen den Nationalen und den der Nation sich entfremdenden Hellenisten. Die Familienlosen, zu denen auch zwei Leiter der Measfim gehörten, Euchel und Wolfsohn, empfanden die Kluft und kamen darauf, sich untereinander zu verbrüdern, um nicht vereinzelt den Stockfrommen gegenüber zu stehen. Sie wollten einen Verein bilden, der die Mitglieder in Schutz nehmen sollte. Mendelssohns ältester Sohn Joseph nahm die Stiftung desselben eifrig in die Hand, und da dieser Name einen guten Klang hatte, so fand er zahlreiche Teilnahme. So bildete sich die »Gesellschaft der Freunde« (1792)58, eine aufgeklärte Gemeinde in der Gemeinde, bloß aus ledigen Jünglingen bestehend, deren Hauptzweck zwar darin bestand, einander als Brüder zu betrachten, einander mit Rat und Beistand zu fördern und in Notfällen und Krankheiten auskömmlich zu unterstützen; aber der Nebenzweck lautete, Bildung zu verbreiten und Aufklärung zu fördern. Die »Freunde« nahmen Mendelssohns Ausspruch: »Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun« zu ihrem Wahlspruch. Ein Bündel Stäbe war ihr Symbol. Der Verein zählte gleich im ersten Jahre seiner Stiftung mehr als hundert Mitglieder aus der Hauptstadt. Auch auswärtige Jünglinge in Königsberg, Breslau, Wien schlossen sich an. Manche Glieder erwarben sich einen klangvollen Namen. Außer Mendelssohns Söhnen Joseph und Abraham (später Bartholdy) gehörten dazu Joël Löwe aus dem Measfimkreise, und Wesselys Neffe, der Musikdirektor Bernhard Wessely. Mehrere von ihnen sind später zur Kirche übergetreten. Ein Band innerlicher Verbrüderung umschlang die Teilnehmer, und bis auf den heutigen Tag hat sich der brüderliche Sinn taktvoller Wohltätigkeit in der Gesellschaft erhalten. Aber es war doch eine krankhafte Erscheinung. Die Gesellschaft schwebte in der Luft ohne feste Grundlage, sie hatte weder Wurzel in der eigenen Mitte, im Judentum, noch schloß sie sich einem großen, ganzen, staatlichen Leben an. Ihr Ziel war lediglich auf leibliches Wohlergehen und gesicherte Ruhe gesichert, als wenn der Mensch, der gesittete Mensch, vom Brote allein leben könnte; die Schlagwörter und Phrasen von Bildung und Aufklärung hielten nicht weit vor. Ihr Kampf gegen das Alte war auch schwächlicher Art; sie brachten es höchstens dahin, daß [158] ihre verstorbenen Mitglieder längere Zeit vor der Beerdigung über der Erde blieben. Kurz, es fehlte der »Gesellschaft der Freunde« das, was allein geschichtlich fruchtbringend ist, der Sauerteig der Begeisterung. Ohne dieses Element leidet jedes noch so gut gemeinte Streben an Hohlheit und welkt vor der Blüte.

Wenn die Mitglieder dieser Gesellschaft keinen rechten Halt hatten, so entbehrten ihn noch mehr diejenigen, welche nicht einmal ein ideales, sei es auch nur ein erträumtes, Streben kannten, die Alltagsmenschen, die sogenannten aufgeklärten reichen Kaufleute, welche dem Luxus fröhnten und in dem Anschluß an die Christen ihre Glückseligkeit suchten. Das Alte fesselte sie nicht mehr, und das Neue hatte noch keine faßbare Gestalt, um sie anzuziehen. – Das Beispiel des Hofes und der hochstehenden Gesellschaftskreise übte seinen verderblichen Einfluß auch auf die Juden der großen Städte Preußens aus. »Preußen war unter Friedrich Wilhelm II.«, wie der geistvolle Schriftsteller Mirabeau aus Augenschein bemerkte, »in den Zustand der Fäulnis geraten, ohne durch das Stadium der Reife hindurchgegangen zu sein.« Auf das eiserne Zeitalter Friedrichs des Großen und Friedrich Wilhelms II. war ohne Übergang ein liederliches gefolgt. Die Deutschen, damals die Affen der Franzosen, kopierten erst die Sittenlosigkeit und Frechheit Ludwigs XV., als in Frankreich bereits Sittenstrenge oder wenigstens Entrüstung über die liederliche Wirtschaft eingetreten war. Zügellosigkeit galt als Genialität. Berlin, die Stadt der Beamten und Soldaten, an Abhängigkeit von oben gewöhnt, folgte dem Beispiele des Hofes gewissermaßen aus untertänigem Gehorsam, die Männer aus Müßiggang, weil sie mit ihrer Zeit, und die Frauen, weil sie, wie entfesselte Sklavinnen, mit der erlangten freieren Bewegung nichts anzufangen wußten. Die jüdische Jugend aus reichen Häusern folgte diesem Zuge zu sinnlichem Vergnügen. Nicht heimlich, sondern vor aller Augen übersprangen sie alle Schranken, und mit der Verhöhnung des Judentums verachteten sie auch Zucht und Sitte. Sie wurden Affen von Affen. Die ernsten Männer, David Friedländer, Lazarus Bendavid, Saul Ascher klagten über diesen Verfall der Sittlichkeit unter den Juden, ohne zu merken, daß ihre seichte Aufklärungssucht selbst dazu beigetragen hatte. »Es haben sich Untugenden unter uns verbreitet, die unsere Väter nicht kannten, und die für jeden Preis zu teuer erkauft werden. Irreligion, Üppigkeit und Weichlichkeit, dieses Unkraut, das aus dem Mißbrauch der Aufklärung und Kultur hervorkeimt, hat leider auch unter uns Wurzel gefaßt, und wir sind vorzüglich in den Hauptstädten der großen Gefahr [159] ausgesetzt, daß der Strom des Luxus mit der Roheit auch die Strenge und Einfalt der Sitten wegschwemmt«59.

Die Wurzel des Übels sahen diese Sittenrichter nicht. Sie erblickten in dem Judentum eine bloße Kirchenreligion, welche einige Alltagswahrheiten über Gott und Moral enthalte, und verkannten, daß es ein nationales Institut sei, auf den starken Säulen der Gesetze und der Blutzeugenschaft von Jahrtausenden beruhend, das immer und immer nicht bloß gegen das grobsinnliche, sondern auch gegen das verfeinerte Heidentum, gegen Menschenvergötterung, Menschenstolz und die daraus emporschießende Vergewaltigung und Lasterhaftigkeit mit aller Macht ankämpfe und ihm den Zugang zu seinem Heiligtum verwehre. Vom tausendjährigen Bande einer nationalen Religion losgelöst, fielen die oberflächlichen Vernünftler und Wüstlinge massenhaft dem Christentume zu. »Sie gleichen den Motten, sie flattern so lange um die Flamme, bis sie endlich von ihr verzehrt werden«60. Wozu sich noch von den Fesseln des »General-Privilegiums« einengen lassen, wozu noch die Schmach von Schutzjuden tragen, wenn sie vermittelst einer inhaltsleeren Formel den Christen gleichgestellt werden können! So wuschen sie die vom Joche eingekerbten Male und die Schmach mit Taufwasser ab. Die Gemeinden von Berlin, Breslau und Königsberg sahen besonders täglich den Abfall ihrer Glieder zum Christentum; es waren die Reichsten und äußerlich Gebildeten. Es schien, als wenn sich der Ausspruch der Propheten bewähren sollte: »Nur armes und unansehnliches Volk wird in deiner Mitte verbleiben.« Viele dieser Getauften sahen mit Verachtung auf ihre früheren Stammesgenossen herab und gesellten sich zu den Judenfeinden. So hatte die Kirche einen mühelosen Sieg. Seitdem die Frankisten in Südpolen wenige Jahrzehnte vorher zum Katholizismus übergetreten waren, sah die Kirche nicht so viel Judentaufen ohne Feuer und Schwert. In drei Jahrzehnten war die Hälfte der Berliner Gemeinde zur Kirche übergetreten61. Höhnisch fragten die Freunde der jüdischen Einbürgerung, warum denn der Staat so freudig die jüdischen Täuflinge aufnehme und ihnen Gleichberechtigung erteile; ob denn die Taufe die verdorbenen, verkommenen, unverbesserlichen Juden in brauchbare Menschen umzuwandeln, ob das Benetzen mit Wasser ihre tiefe Gesunkenheit [160] mit einem Male wegzuwischen vermöge!62 Es ist als ein Wunder anzusehen, daß damals nicht sämtliche jüdische aufgeklärte Vernünftler in Deutschland dem Judentum den Rücken gekehrt haben. Drei unsichtbare Mächte schützten sie, dem Beispiel des Verrats und des Abfalls zu folgen, die tiefe Abneigung gegen das Gottmenschtum, die unvertilgbare Anhänglichkeit an die Familie und an die tausendjährige große Vergangenheit und endlich die Liebe zur hebräischen Sprache und Literatur. Ohne es zu ahnen, fühlten sie sich national vereint und eng verknüpft mit der langen Geschichtskette des jüdischen Stammes und konnten es nicht über sich gewinnen, sich davon zu lösen. Die Wiederbelebung der hebräischen Sprache durch den Measfimkreis hat nach dieser Seite hin sehr günstig gewirkt. Wer die Schönheit und Erhabenheit der biblischen Literatur zu begreifen und ihre Sprache nachzuahmen verstand, blieb Jude trotz des Zweifels im Herzen, trotz aller Hintansetzung und Schmach. So hatte Mendelssohn dem neuen Geschlechte zugleich das Gift und das Gegengift gereicht.

Nur David Friedländer machte eine Ausnahme von dieser Regel. Auf ihn hatte weder das jüdische Altertum, noch die hebräische Poesie, noch der Familiensinn die Macht, ihn, wenn auch mit widerstrebendem Gefühle, bei der Fahne zu erhalten. Ihm bedrückte zwar auch das Zerreißen aller Familienverbindungen, das Lossagen von allen Pflichten der Religionsgemeinschaft das Herz63. Nichtsdestoweniger nahm auch er einen Anlauf, sich von der jüdischen Gemeinschaft loszumachen und in das feindliche Lager überzugehen. Er war ein guter Familienvater, ein ehrlicher Kaufmann, ein gemeinnütziger Spender, aber eine philisterhafte, beschränkte Natur. Er kaute nur anderer Gedanken wieder und plapperte Stichwörter nach. Im Grunde hatte er nicht einmal für die hebräische Poesie ein tiefes Verständnis, so viel er auch aus der Bibel übersetzte und hebräische Verse schmiedete, und noch weniger für den erhabenen Gang der jüdischen Geschichte. Mit dem praktischen Judentum hatte er gebrochen und sich einige von Mendelssohn erborgte Gedankenlappen zusammengeflickt, von dem Vollkommenheitsstreben, von der Glückseligkeit, als Ziel der Religion, und von ewigen und geschichtlichen Wahrheiten. Diese Gedankenlappen, die er bei jeder Gelegenheit zum Vorschein brachte, galten ihm als geläuterte Religion, und er dünkte sich darum unendlich vorgeschritten. Und doch [161] wollte der Staat ihn und seine Gesinnungsgenossen nicht als Vollbürger anerkennen! Er hatte für sich und die ganze Friedländersche Familie um eine ausnahmsweise Naturalisation mit allen Rechten und Pflichten nachgesucht64, sie aber nicht erlangt. Das schmerzte ihn. Anstatt sich in Ahnenstolz und Duldergröße zu hüllen, an sich und seinen Stammesgenossen zu arbeiten, um die hochmütige, christliche Welt zu überflügeln, geizte auch er nach der Ehre, sich ihr anzuschmiegen. Friedländer wollte aber diesen Schritt zur Fahnenflucht weder allein, noch unbedingt tun. Er verband sich daher mit einigen gleichgesinnten Familienvätern, wahrscheinlich von der Familie Itzig, richtete mit ihnen gemeinschaftlich ein Sendschreiben an den mit Juden verkehrenden Oberkonsistorialrat Teller und zeigte ihm ihre Geneigtheit zum Übertritt, sogar zur Annahme der Taufe an, jedoch unter einer Bedingung, es möge ihnen der Glaube an Jesus und die Beteiligung am Kirchenbesuche erlassen werden oder ihnen wenigstens gestattet sein, die christlichen Glaubensartikel auf ihre Weise zu deuten, weil sie den Kirchenglauben nicht teilen könnten und nicht heucheln möchten. Ein ebenso alberner wie ehrloser Schritt! In seinem Kopfe spiegelte sich die Welt eben verkehrt ab. Er war im Wahne, weil einige Freidenker unter den Christen über Gott spotteten, hätten sie auch Jesus und das Christentum überhaupt aufgegeben. Im Christentum, namentlich im Protestantismus, erblickte er anderseits ein lauteres Ideal, weil es sich in schimmerndem Gewande, in glänzenden Formen, in blendendem Scheine bewegte; im Judentum dagegen sah er nur ein Zerrbild, weil es in Knechtsgestalt einherschlich, noch blutend und entstellt von den Wunden, welche die Religion der Liebe ihm geschlagen hatte und noch täglich schlug. Friedländer konnte sich zwar nicht verbergen, daß bei den Juden »die Tugend häufig, die Mildtätigkeit heimisch, die väterliche und kindliche Liebe, die Heiligkeit der Ehe tief begründet, die Aufopferung zum Besten anderer zahlreich, dagegen grobe Verbrechen, Mord, Raub und Totschlag selten sind«65. Aber diese Glanzseite an der Knechtsgestalt schien ihm nur eine Nebensache. Er war nicht der Mann, zu erkennen, daß diese schönen Tugenden Früchte sind, welche das biblische und talmudische Judentum gezeitigt hatten, daß diese und noch andere Vorzüge in so seltener Vereinigung nur diesem Stamme, weil er ein tausendjähriges Märtyrertum durchgemacht hat, eigen waren. Daher schmähte er in diesem Gewäsche [162] von Sendschreiben sein Volk und dessen Vergangenheit, nannte den Talmud, diesen Geisteser wecker, Mystik, sprach in unlogischer Verwirrung bald von der Schädlichkeit, bald von der Nützlichkeit der Ritualgesetze des Judentums, entwarf ein Bild von der jüdischen Geschichtsentwicklung, wie es nicht verkehrter ausgedacht werden kann66. Wenn der Verfasser nicht ein solcher Flachkopf gewesen wäre, hätte man das Sendschreiben für eine Satire auf das lieblose Christentum halten können, wie es denn auch Schleiermacher angesehen hat, ehe er wußte, daß es von Friedländer ausgegangen war67.

Teller fertigte die jüdischen Familienväter, die sich zu einem Christentum ohne Jesus drängten, ab, wie sie es verdienten höflich, aber entschieden. Sie sollten nur bleiben, wo sie seien, das Christentum trage nach solchen ungläubigen Gläubigen kein Verlangen. Er könne ihnen weder den Sohn Gottes, noch die Taufe, noch das Abendmahl und die christlichen Feste erlassen. Sie müßten dies alles mit in den Kauf nehmen. Ob der Staat sie dann der Gleichstellung für würdig halten würde, das sei seine Sache68. Friedländer hatte eine beschämende Erfahrung gemacht. Er blieb allerdings Jude; aber seine Kinder drängten sich ohne Bedingung und ohne Phrase zur Taufe. Sein Sendschreiben machte indes mehr Aufsehen als es verdiente. Es erschienen mehrere Flugblätter darüber69, von christlicher Seite, [163] lobend und tadelnd je nach dem Gesichtspunkte der Betrachtenden. Tiefere Naturen wie Schleiermacher, so sehr sie auch das Christentum überschätzten, sahen in dieser Schrift einen Verrat am Judentum und eine Inkonsequenz. Ohne Ahnung, wer der Urheber war, rief Schleiermacher aus: »Wie tief verwundet muß besonders der treffliche Friedländer sein! Ich bin begierig darauf, ob er nicht seine Stimme gegen diesen Verrat an der besseren Sache erheben wird, er, ein echterer Anhänger Mendelssohns, als dieser hier!«70. Selbst gläubige Christen empfanden es schmerzlich, daß die glorreiche Geschichte des ältesten Volkes, des Gottesvolkes in ein Afterchristentum einmünden sollte71. Andere Frommgläubige riefen aus: »Macht die Tore weit auf, damit ganz Israel in die Kirche einziehe.« Noch andere betrachteten es als Zeichen der Zeit, als einen Akt der Verbrüderung der Juden und Freidenker über die Köpfe der Religion und Priester hinweg. Die Juden schwiegen zu dieser Friedländerschen Torheit, und das war das Klügste.

Wenn deutsche Juden, namentlich die Berliner, durch nahe Berührung mit den christlichen Gesellschaftskreisen und durch Teilnahme an der Literatur an äußerer Haltung, an Schliff und Umgangsformen viel gewonnen haben, was nicht zu unterschätzen ist, so haben sie dagegen etwas eingebüßt, was jener Gewinn durchaus nicht aufwiegt. Die Keuschheit jüdischer Frauen und Jungfrauen war während ihrer Gesondertheit ein unantastbares Heiligtum gewesen. Geschlechtliche Vergehungen und Verführung waren äußerst seltene Fälle und kamen nur in verwahrlosten Familien vor. Mag nun das für Sittlichkeit äußerst strenge talmudische Gesetz oder der äußere Druck oder die Kernigkeit des Stammes die Ursache dieser Züchtigkeit gewesen sein, genug, sie war eine unbestreitbare Tatsache. Die Freudigkeit des Familienlebens beruhte auf diesem Goldgrunde. Jüdische Frauen wurden [164] selten aus Liebe heimgeführt – für Liebeständelei war im Ghetto kein Spielraum – aber das Bewußtsein der Pflicht stimmte hinterher die Ehe zur Liebe. Auch dieses Heiligtum, der Stolz Israels, das ernste Christen mit Bewunderung erfüllte, und um dessentwillen sie die Juden hochschätzten, wurde durch den Umgang mit Christen aus den verdorbenen höheren Ständen geschändet.

Wenn es die Judenfeinde darauf hätten anlegen wollen, die Kraft Israels zu brechen, so hätten sie kein wirksameres Mittel ausfinden können, als die jüdischen Frauen mit der sittlichen Fäulnis anzustecken, ein noch viel wirksameres, als jenes von den Midjaniten angewendete Mittel, die Männer durch Unzucht zu schwächen und zum Abfall zu bringen. Der Salon der schönen Herz wurde eine Art midjanitisches Zelt. Hier kamen meistens junge jüdische Frauen zusammen, deren Männer ihrem Tagesberufe oblagen. Die älteren, biederen, christlichen Freunde des Hauses, die Freunde und Verehrer Mendelssohns, wurden von den jüngeren Lebemännern nach und nach verdrängt und diese verkehrten ohne Schranken mit den meist schönen und geistvollen jüdischen Frauen und brachten ihnen ihre verderblichen Grundsätze bei. Der Tonangeber in diesem Kreise wurde Friedrich von Gentz, die eingefleischte Selbstsucht, Genußsucht, Lasterhaftigkeit und Gewissenlosigkeit, der es auf Verführung der Weiber geradezu angelegt hatte. Henriette Herz wurde zuerst von den Huldigungen, die ihrer Schönheit dargebracht wurden, benebelt und verführt. Sie ging auf die Liebeständelei ein, die in eine zweideutige Haltung ausartete, und ihr wie ihrer Freundinnen Urteil über Recht und Unrecht geriet in Verwirrung. Die christlichen Wüstlinge stifteten72 mit den Weibern und Mädchen einen sogenannten Tugendbund, einen Orden, der dahin zielte, daß die beiden Geschlechter ohne Schranken und ohne gesellschaftliche Anstandsformen miteinander verkehren, einander duzen, einander ihre Empfindung und Gelüste ohne Rückhalt und Scham darlegen sollten. Es war damals der Beginn der von Goethes Poesie ausgegangenen deutschen Romantik, welche dahin strebte, die lyrischen Gefühle der Dichtkunst zu verwirklichen, das Leben poetisch zu verklären. Diese romantische Richtung lief zuletzt darauf hinaus, dem Genuß zu frönen, Empfindsamkeit zu nähren und berüchtigte Wahlver wandtschaftsehen zu suchen, mit einem Wort, das, was man ein verfeinertes, gefälliges Heidentum nennt, einzuführen, das um so verderblicher [165] war, als es den Schein der Tugendhaftigkeit annahm. In diesen sogenannten Tugendbund traten nebst Henriette Herz ihre schöne Schwester Brenna und die beiden Töchter Mendelssohns. Sie fühlten sich gehoben und geehrt, mit Christen der vornehmen Stände in eine so innige Beziehung zu treten. Die Törinnen sahen nicht die züngelnde Schlange unter den Blumen. Der Weihrauch benebelte so sehr den Sinn der Henriette Herz, daß sie hinter dem Rücken ihres Mannes, während dieser seinem ärztlichen Berufe oblag, Liebeleien mit zwei oder drei Männern73 zu gleicher Zeit anknüpfte, wovon der eine Gatte und Vater war. Es sollte allerdings eine platonische Liebe sein; aber diese hielt sich zwischen leidenschaftlichen, grundsatzlosen Männern und einer schönen, eitlen Frau nicht immer in den Grenzen des Geziemenden und Ehrbaren. Mit Wilhelm von Humboldt, einem feurigen Jüngling, unterhielt Henriette, immer hinter dem Rücken ihres Gatten und in tiefes Geheimnis gehüllt, einen Liebesbriefwechsel, dessen sich der Staatsmann, der die Leichtbetörte verspottete, später schämte74. Dieser Briefwechsel wurde in hebräischen Schriftzügen, die sie dem jugendlichen Liebhaber beibrachte, geführt, damit ihr Geheimnis dadurch doppelt sicher gewahrt sei75.

Als Wilhelm von Humboldt geheiratet und die der Eitelkeit verfallene Henriette so ziemlich vergessen hatte, knüpfte sich ein zum wenigsten zweideutiges Verhältnis zwischen ihr und Schleiermacher, diesem modernen Apostel des neuen Christentums, der aus Spinneweben neue Seile zur Fesselung der Geister zusammenflocht. Diese starke Säule des heutigen Christentums, der Urahn des christlichen Staates, war in seiner Gefühlstraumseligkeit schwach wie ein Weib und schmachtete nach Liebe. Während seines Aufenthalts in Berlin besuchte er täglich das Herzsche Haus oder vielmehr die schöne Wirtin. Öfter sahen die Straßen Berlins beide in vertraulichem Gespräch nebeneinander wandeln. Es machte einen lächerlichen Eindruck, wie der kleine, schmächtige, magere Schleiermacher neben der großgewachsenen, kräftigen Jüdin, der einstige Herrnhuter neben der »tragischen Muse« einhertrippelte. Der bereits geweckte Berliner Witz machte eine Karikatur darauf, wie der winzige christliche Prediger als Knicker [166] aus der Tasche der Jüdin herausguckte. Über diese auffallende Vertrautheit machten Bekannte noch mehr als Fremde flüsternd ihre spöttischen Bemerkungen. Beide haben freilich die Sträflichkeit ihres intimen Umgangs, allzu eifrig, in Abrede gestellt76. Ob wahr oder unwahr, war es nicht Schmach genug, daß die bösen Zungen den Ruf einer jüdischen Ehefrau aus einem sittlichen Hause auch nur verdächtigen konnten?

Zu Schleiermacher gesellte sich Friedrich v. Schlegel, dieser Himmelsstürmer mit Kinderfäusten, dieses Chamäleon an Stimmungen und Ansichten, der bald für die Republik, bald für den monarchischen Despotismus schwärmte, und beides nicht ehrlich meinte, der zuerst die Gespenster und Plagegeister des Mittelalters heraufbeschwor, ein wüster, romantischer Wollüstling, ein Sohn der Walpurgisnacht. In den Herzschen Salon eingeführt, wurde er der vertraute Freund Schleiermachers und legte es sofort auf die Verführung Dorothea Mendelssohns an. Der Vater hatte sich ins Grab gelegt mit dem Bewußtsein, daß sie eine glückliche Ehe mit dem Bankier Simon Veit-Witzenhausen führte. Ihr Gatte umgab sie mit aufmerksamer Liebe. Zwei Kinder lächelten ihr aus dieser Ehe zu. Nichtsdestoweniger ließ sie sich von der verführerischen Stimme des romantisch-gewissenlosen Schlegel zum Treubruch verleiten. Schon hatte die Verkehrtheit des Tugendbundes ihr den Wahn eingeimpft, sich in ihrer Ehe unglücklich fühlen zu müssen. Es gehörte einmal zum guten Ton dieser Gesellschaft, empfindsame Klagen über Verkennung und Disharmonie der Seelen auszustoßen. Die unzüchtige Lehre von Goethes Wahlverwandtschaft hatte auch schon in jüdischen Familien Wurzel gefaßt. Der Gedanke an die Trennung von ihrem Gatten und ihren Kindern schreckte Dorothea nicht mehr von einem Fehltritt zurück. Henriette Herz gab sich als Unterhändlerin für die Sünde her; es fiel ihr nicht schwer. Dorothea trennte sich darauf von ihrem Manne und lebte mit Schlegel zuerst in wilder Ehe. Alle Welt war über diese Unsittlichkeit empört. In dieser Zeit erschien Schlegels schmutziger Roman, die Lucinde. Die Bekannten fanden darin das unflätige Verhältnis zwischen dem Verfasser und der Ehebrecherin geschildert, und seine Feinde brachen den Stab über ihn; so wurde Mendelssohns ehrwürdiger Name mit in den Kot gezogen. Doktor Herz verbot seiner Frau den Umgang mit dieser Verworfenen. Aber sie, die selbst in Gedanken [167] eine Ehebrecherin war, hatte den eigenen Mut, ihrem Manne zu erklären, sie wolle ihre Freundin nicht verlassen. Schleiermacher, der Prediger, nahm ebensowenig Anstoß an diesem unzüchtigen Verhältnis77. Bald folgte Dorothea ihrem romantischen Verführer von Torheit zu Torheit, ließ sich zuerst protestantisch taufen, und trat zuletzt mit ihm zum Katholizismus über, weil er in diesem Bekenntnis mehr Vorteile zu erringen hoffte. Es war ein bejammernswerter Anblick, wie Mendelssohns Tochter dem Papste den Fuß küßte78. Sie wurde dafür schnell genug gezüchtigt. Sie mußte mit ihm in Not ein Wanderleben führen, wurde von seinen Verwandten verächtlich behandelt, von mancher Seite als verworfene Jüdin angesehen79 und erkannte nur zu bald in ihrem Ideal einen alltäglichen Egoisten. Ihr betrogener und verschmähter jüdischer Gatte mußte ihr sein Mitleid zuwenden, um sie vor Hunger und Elend zu schützen. Nachdem Schlegel das Weib seines Gastfreundes entführt hatte, lebte er von den Almosen des beleidigten Gatten. Die jüngere Schwester Henriette Mendelssohn, war nicht schön genug, um die Wollüstlinge des Salons zu fesseln. Es genügt, ihre Gesinnung zu charakterisieren, daß sie ebenfalls dem Katholizismus zuflog. Lebensüberdruß war die Folge dieser inneren Zerrüttung80.

Und Rahel Levin? Sie war zu klug, um an dem Tandspiel des Tugendbundes teilzunehmen. Sie wollte ihren eigenen Weg gehen. Aber ihre Klugheit und ihr durchdringender Geist bewahrten sie nicht vor der Verpestung der Unsittlichkeit, welche die vornehme, christliche Welt damals aushauchte. Der Verführer dieser »kleinen Frau mit der großen Seele« (wie man sie nannte) war Goethe. Seine Poesie und Lebensweisheit, seine heidnische Gedankenwelt war für Rahel eine Bibel, die sie auswendig lernte, anwendete, zur Richtschnur ihres Lebens nahm, und mit der sie ihr Blut in Wallung setzte. Sie führte zuerst den Goethekultus ein. Den einen Vorzug hatte sie vor ihren sündhaften jüdischen Schwestern, daß sie wahrhaft war und keine Maske trug. Aber um so greller trat ihre innere Verdorbenheit aus Licht. Obwohl sie eine außerordentlich tiefe Menschenkenntnis besaß und sich auch viel darauf zugute tat, fühlte sie sich doch mit dem bodenlosen [168] Wüstling Gentz geistesverwandt und immer und immer wieder zu ihm hingezogen bei allen Wandlungen, die er durchgemacht hat, von dem Entwenden eines Diamantringes vom Finger einer Dame in kokettem Spiel81 bis zur Hilfeleistung, die Volksfreiheiten zu unterdrücken, von seinen geschlechtlichen Unflätigkeiten zu schweigen. Rahel fühlte sich auch geistesverwandt mit der verworfenen Buhlerin Pauline von Cesar, auf kurze Zeit Pauline von Wiesel. Mit ihr, welcher jeder Mann von Anstand und noch mehr jede auch nur äußerlich ehrbare Frau aus dem Wege ging, blieb Rahel bis zu ihrem Tode in Seelengemeinschaft. Rahel beneidete und bewunderte die Sünderin um ihre Freiheit und tadelte sich, daß sie nicht den Mut gehabt habe, ebenso zu sündigen82. Als Rahel zuerst den heldenhaften, aber ausschweifenden Prinzen Louis Ferdinand kennen lernte, nahm sie sich vor, ihn »Dachstubenwahrheit« hören zu lassen, aber sie lernte weit eher von ihm Palasttorheiten. Sie, damals noch Jungfrau, gab sich zur Kupplerin zwischen ihm und der ausgelassenen Pauline Wiesel her. Weil sie keine Gegenliebe fand, indem die Männer sie wegen ihrer winzigen Gestalt bald als altkluges Kind, bald als greise Sibylle betrachteten, verzehrte sie sich in stillen Neigungen. Ihre Grundsätze über die Ehe, dieses heiligste Institut, die Kraft der Familien und Völker, waren die eines weinberauschten Wüstlings, die sie mit Gelassenheit und Kälte ihrem Gatten Varnhagen von Ense vor ihrer Verheiratung als Glaubensbekenntnis ablegte83. Rahel Levin, oder wie sie sich auch nannte, Rahel Robert, in deren Adern talmudisches Blut floß, welches ihr einen so sprudelnden, beflügelten Geist gab, daß die Christen ihn eben deswegen als eine Seltenheit so sehr bewunderten, daß sie damit auf den Grund der Dinge dringen, die Seele und ihre wechselnden Stimmungen bis auf ihre letzten Regungen zu verfolgen vermöge, verkannte ihren eigenen Ursprung. Sie wollte Gottes Odem in den geschichtlichen Auf- und Niedergängen erlauschen und hatte keine Ahnung von der geschichtlichen Größe ihres eigenen Stammes. Sie verachtete ihn so sehr, daß sie es als die größte Schmach und das härteste Unglück betrachtete, als Jüdin geboren zu[169] sein. Erst in ihrer Todesstunde ging ihr eine flammende Ahnung von der großen Bedeutung des Judentums und der Juden auf. »Mit erhabenem Entzücken denke ich an meinen Ursprung und an den Zusammenhang der Geschichte, durch welchen die ältesten Erinnerungen des Menschengeschlechtes mit der neuesten Lage der Dinge durch Zeit und Raumesfernen verbunden sind. Ich, eine Flüchtige aus Ägypten, bin hier und finde Hilfe. Was Zeit meines Lebens meine größte Schmach war, möchte ich jetzt um keinen Preis missen«84. Aber auch in dieser Stunde sah ihr Geist nicht klar, die Gedanken verwirrten sich in ihr, und sie erging sich in Phantasien.

Diese geistbegabten jüdischen Sünderinnen taten dem Judentum den Gefallen, zum Christentum überzutreten, Mendelssohns Töchter und Rahel ganz laut und offenkundig. Henriette Herz, die mehr auf Schein hielt, ließ sich dagegen in einer kleinen Stadt taufen, um ihre jüdischen Freunde nicht zu kränken und erst nach dem Tode ihrer Mutter, zum Verdruß ihres Freundes Schleiermacher, welcher so gern mit ihrem Übertritt in der größten Kathedrale Berlins Aufsehen gemacht hätte. Diese Sünderinnen wurden sozusagen christlich-fromme, büßende Magdalenen. Lüsternheit ging damals Hand in Hand mit christlicher Gläubigkeit und sogenannter Frömmigkeit. Zwei Freunde und Stubengenossen, die einander jeden Augenblick ihre vertraulichsten Gedanken und Stimmungen mitteilten – ein Verhältnis, das ihre Bekannten »eine Ehe« nannten – Schlegel und Schleiermacher, haben zu gleicher Zeit zwei Geburten in die Welt gesetzt, der eine einen unzüchtigen Roman, voll von wollüstigen, unflätigen Phantasien, der andere ein neuchristliches Evangelium, voll von luftigen Phantastereien. Die »Lucinde« von Schlegel und die »Reden über die Religion an die Gebildeten unter ihren Verächtern« von Schleiermacher sind Zwillingsschriften85. Hier wie dort wird von einem unbestimmten nebelhaften Gefühl ausgegangen, das ins Weite greift und eine Wolke umarmt. Für Schlegel ist »die Hingebung des Menschen an das Allgemeine, Unendliche, das sich Erregenlassen – Liebe, und für Schleiermacher ist fast eben dasselbe – Religion. Schleiermachers Religionssystem ist ein unnatürliches Gemisch von Spinozistischem Pantheismus, Herrnhuterei und etwas »Lucinde«. Hat er doch »vertraute Briefe« über die Lucinde geschrieben, und diesem Romane der Wollust, »der unzüchtigen Nichtigkeit« (wie [170] ihn Heine nannte) gewissermaßen eine Taufpredigt gehalten und seine weiblichen Beichtkinder dringend ermahnt, sich daran zu sättigen und ja nicht darüber zu erröten. Seiner jüdischen Seelenbraut Henriette Herz, schrieb Schleiermacher: »Aus Religion will ich zu ihnen kommen, ich will das Universum in Ihnen schauen«86. Und diese beiden Männer mit befleckter Phantasie wurden Hauptstützen für das Christentum in beiderlei Gestalten; Schlegel verherrlichte den Katholizismus, und Schleiermacher hob den Protestantismus aus der bisherigen Verachtung. Freilich haben sich beide in die Kirchlichkeit hineingeklügelt und hineingelogen. Es ist schwer zu entscheiden, welcher von beiden der größte Sophist war. Schleiermacher, welcher mit seiner glatten, gefeilten Beredsamkeit die Kanzel und mit ihr die Frauenwelt beherrschte, war ein neuzeitiger Gnostiker, der Phantasiespeise für Geistesmanna reichte.

Indessen, hat sich die jüdische Geschichte auch um einen christlichen Prediger zu kümmern, der mit einem Christentum eigener Erfindung einen neuen Reiz gewährte? Hat sie doch die Astarten-Priester-Religion in vielfacher Gestalt erlebt! Allein sie muß diese Tatsache aufzeichnen, weil Schleiermacher das Judentum vielfach geschädigt hat. Er hat mit seiner Sprachglätte Henriette Herz und viele jüdische Frauen und Mädchen Berlins nicht bloß in die Kirche, sondern zur Kirche gezogen, aus dem eigenartigen Kitzel, sich von dem hinreißenden Prediger bezaubern [171] zu lassen. Sie verließen, wie in der alten biblischen Zeit, die Quelle lebendigen Wassers, um sich Labung aus übertünchten Gruben zu holen. Durch Schleiermacher begannen die vornehmen Berliner Juden zu christeln. Auch diejenigen, welche aus Schein oder aus Rücksichten der Taufe fernblieben, hegten eine schwärmerische Vorliebe für das Christentum, welches der protestantische Chrysostomus so anziehend predigte.

Schleiermacher impfte den gebildeten Kreisen Deutschlands von neuem eine eigene, kaum bezeichenbare Antipathie gegen das Judentum ein. Er war keineswegs, was man so nennt, ein Judenfeind, er wehrte sich vielmehr dagegen, wenn er als solcher bezeichnet wurde87. Aber es waltete in ihm ein dunkles, unangenehmes Gefühl gegen das jüdische Wesen, dessen er sich nicht erwehren konnte. Als sein Oheim ihm die allgemeine Trauer in Berlin um Mendelssohns Tod mitteilte (o. S. 94), mäkelte Schleiermacher an dessen allgemeiner Anerkennung und äußerte sich: »Als Philosoph betrachtet, haben wir doch Männer, die wir ihm an die Seite setzen können, und bei deren Tod doch nicht halb so viel Aufhebens gemacht wurde.« Der Oheim mußte ihn verweisend bedeuten: daß Mendelssohn für die Deutschen mehr als Philosoph war, daß ihm die Literatur, die Sprache selbst und die gesunde Kritik ungemein viel zu danken haben88. Als Friedländers kopfloses Sendschreiben wegen Zulassung einiger Familien zum Christentum ohne Dreieinigkeitsglauben veröffentlicht wurde, sprach sich Schleiermacher gegen diese Zulassung aus. Der Staat möge den Juden immerhin Einbürgerung gewähren, aber sie lediglich als eigene Sekte bestehen lassen, wofern sie die Hoffnung auf den Messias nicht aufgeben89. Es war ganz in Ordnung, daß er aus Unkenntnis und Duselhaftigkeit von seinem romantischen Neuchristentum aus das Judentum als Mumie hinstellte, »um die seine Söhne klagend und weinend säßen«. Nicht einmal als Vorläufer des Christentums mochte er das Judentum anerkennen. »Ich hasse in der Religion diese Art von historischen Beziehungen«90. Bis dahin hatte sich die gläubige Christenheit in einer gewissen Gemeinschaft mit dem Judentum gefühlt, und das alte Testament, die Bibel, war der gemeinsame Boden, auf dem die übermütige[172] Tochter und die geknechtete Mutter einander begegneten und auf einen Augenblick ihren Haß vergaßen. Diesem Zusammenhang oder der Anerkennung desselben verdankten die Juden in der traurigen Zeit der christlichen Übergläubigkeit die Schonung, daß sie in Europa nicht ganz vertilgt wurden. Das Papsttum hat sie unter diesem Titel in Schutz genommen, »da das Heil von ihnen ausgegangen war«. Dieses Band löste Schleiermacher mit einem Hauche. Gemeinschaft mit den Juden zu haben, empörte ihn. Aber waren Jesus, die Apostel und die Stammväter der Kirche nicht Juden? Schleiermacher hätte diese Tatsache gern abgeleugnet, wenn es nur irgendwie angegangen wäre; aber da er dies nicht vermochte, so löste er die Tatsache in Dunst auf. »Wie? Jesus soll nur ein jüdischer Rabbi gewesen sein, mit menschenfreundlichen Gesinnungen, mit etwas sokratischer Moral, einigen Wundern, oder was wenigstens andere dafür nahmen, und mit dem Talente, artige Gnomen und Parabeln vorzutragen – einige Torheiten wird man ihm (nach den drei ersten Evangelisten) immer noch zu verzeihen haben – wie? ein solcher soll eine neue Religion und Kirche hervorbringen können, ein Mann, der Mose und Mohammed nicht das Wasser gereicht?«91. Diese Tatsache konnte Schleiermacher nicht ertragen; denn da wäre nicht bloß Mose der Prophet, sondern auch Mose Mendelssohn, der Weise von Berlin, größer gewesen. Darum hob Schleiermacher seinen Jesus weit, weit über das Judentum hinaus; er habe mit den Juden nur die Zufälligkeit der Geburt gemein gehabt, er sei aber übermenschlich gewesen und doch Mensch, »dessen Gottesbewußtsein ein eigentliches Sein in Gott in ihm heißen konnte« oder wie diese romantisch-herrnhuterische mystische Überschwenglichkeit sonst lautet. Komisch nimmt es sich aber aus, daß Schleiermacher den von aller Welt verketzerten Juden Spinoza beinahe ebenso hoch hob und ihn fast auf eine Linie mit seinem Jesus setzte. Auch in Spinoza spiegelte sich das Universum ab, auch er sei der Religion und des heiligen Geistes voll gewesen92. Von dieser Fälschung der Geschichte ging seine Theologie oder Christologie aus, von solcher Wortkünstelei hallten seine Predigten wider, auf welche die Berliner Judenheit und besonders die jüdischen Weiber so andächtig lauschten, wie einst ihre Vorfahren auf die Lügenkünste der falschen Propheten. Die Schleiermachersche [173] Schule, welche tonangebend in Deutschland wurde, hat diese vornehme Verachtung des Judentums zum Stichwort und zum Ausgangspunkt ihrer Gläubigkeit gemacht.

Zur selben Zeit hatte ein anderer Romantiker für das in Frankreich gestürzte und fast vergessene Christentum neue Stützen aus Spinnwebefäden aufgerichtet, Chateaubriand. Indessen, wenn seine überreizte Phantasie, welche sich mit der Vernunft völlig entzweit hatte, wenn sein »Geist des Christentums« die christlichen Dogmen, z.B. die Dreieinigkeit, in der ganzen Natur, in den Mysterien der heidnischen Religion und in den Aussprüchen der griechischen Weisen fand, wenn er die christlichen Feste und Riten überschätzte, wenn er alles verklärte, selbst die Mönchskapuzen, wenn er die Künste, Musik, Malerei, Baukunst, Beredsamkeit und die Poesie aus dem Schoße des Christentums geboren werden ließ, so hat er doch wenigstens auch dem Judentum einen Anteil an diesem Verdienste gelassen, allerdings nur in dem Sinne, um die großartigen Züge in der hebräischen Literatur und Geschichte für das Christentum mit Beschlag zu belegen. »Es gibt nur zwei schöne Namen und Erinnerungen in der Geschichte, die der Israeliten und der Pelasger (Griechen).« Wollte Chateaubriand seine Behauptung durchführen, daß die Naturpoesie eine Erfindung des Christentums sei, so zog er als Beispiel die Prachtschilderungen in Hiob, in den Propheten und Psalmen heran, hinter deren Poesie Pindar und Horaz weit zurückständen93. Chateaubriand hat die Blüten der hebräischen Poesie gesammelt, um seinem gekreuzigten Gotte einen schönen Kranz daraus aufzusetzen. Aber er hat nicht gleich Schleiermacher das Judentum in den Staub gedrückt, um ihm dann die Vaterschaft für das mächtig gewordene Kind abzusprechen.

Von der neuchristlichen Schule, so wie sie zu staatlichem Einfluß gelangte, ging eine neue Judengehässigkeit aus, viel schlimmer als unter den Alt- oder Tollgläubigen. Eigen ist es, daß die doppelte Reaktion, die kirchliche, welche Schleiermacher und zum Teil auch Schlegel zum Vater hat, und die politische, welche sich an Gentz knüpft, in dem Berliner judenchristlichen Salon ihre Wochenstube hatte. Aber gerade in demselben Jahre, in welchem der verweiblichte Schleiermacher in seiner romantischen Selbstbespiegelung das Judentum als eine Mumie verlästerte, erließ ein Mann, ein Held, ein Riese im Vergleich zu den nörgelnden deutschen Zwerggestalten, Napoleon[174] Bonaparte, einen Aufruf an die Juden, sich um ihn zu scharen. Er wollte das heilige Land ihrer Väter für sie erobern und ihnen, ein zweiter Cyrus, den Tempel wieder erbauen. Die Freiheit, welche die Juden Berlins mit Darangabe ihrer Eigenart, mit Selbsterniedrigung vor ihrer Feindin, der Kirche, erlangen wollten, fiel ihnen ohne diesen Preis und ohne schimpflichen Schacher durch Frankreich in den Schoß.


Fußnoten

1 Mirabeau, la monarchie prussienne, V, 43 (vom Jahr 1786): On peut même assurer que ce sont (les juifs) les seuls négociants ou fabricants à grandes fortunes, qu'il y ait dans les provinces prussiennes. Il en est des millionaires; auch an anderen Stellen das.


2 S. darüber Jolowicz, Geschichte der Juden in Königsberg, 1867, S. 1-93.


3 Die biographischen Data für die Measfim sind entnommen zum Teil dem Register der Berliner Gesellschaft der Freunde und der Chronik derselben (von B. Lesser 1842), zum Teil der anonymen Quelle in der Zeitung des Judentums, Jahrgang 1837, S. 448 und anderweitigen Quellen.


4 תורחבו תודלי, gedruckt Berlin 1786, s. Einleitung dazu.


5 [Vgl. über beide M. Freudenthal, die ersten Emanzipationsbestrebungen der Juden in Breslau, S.-A. aus der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 37. Jahrg. S. 37 f., 60 f.]


6 Ein Seitenverwandter des 1864 verstorbenen Dr. Moritz Veit.


7 Abkürzung des Vaternamens [= b.R. Hirsch b.R. Nathan (?), vgl. St. C. B. 5925].


8 S. Meassef Jahrg. 1791, p. 274.


9 Seine Biographie im Maggid, Jahrg. 1868 Nr. 10, 11, 14, 20, 34.


10 M. Mendelssohns gesammelte Schr. I, 54. Moses Mendelssohns Briefwechsel mit Homberg das. V, 685, wo Mendelssohn ihn M. Metz nennt, der mit seinem Sohne Joseph und dem Schwiegersohne Simon Witzenhausen-Veit den More Nebuchim lese und mit Buxtorfs lat. Übersetzung vergleiche. [Vgl. L. Kahn, Les juifs de Paris pendant la révolution, S. 133. 324.]


11 Lamoureux in der Revue philosophique, littéraire et politique, p. 15.


12 S. Einleitung zum 10. Jahrg. des Sammlers.


13 Schire Tiferet, begonnen 1785, vollendet 1789; der Druck begann 1789, das fünfte Buch vollendet 1792, das letzte oder sechste Buch ist erst 1829 von einem seiner Söhne ediert worden.


14 S. Michaelis orient. und exeget. Bibliothek 23. Teil, S. 75 f.; neue orient. Bibliothek V. Teil, S. 75 f.


15 Grégoire, Essai sur la régénération des juifs, 1789, p. 162, Note: Depuis quatre à cinq ans, de jeunes juifs Berlinois impriment en hébreux un journal, qui circule parmi leur nation, et même chez les autres. Ils ont adressé une lettre touchante à leurs frères enrôlés dans l'armée impériale. (Bezieht sich auf den Brief Meassef Jahrg. 1788, p. 331 f.; s. auch das. 386 f.) Aux yeux de la Synagogue ces littérateurs sont coupables d'un crime atroce; car quelque attentat de révoquer en doute l'infaillibilité des Rabbins, de prétendre, que les études physiques, mathématiques etc. peuvent être pour le moins aussi utiles que certaines discussions fastidieuses et absurdes du Talmud! Déjà ils peuvent s'honorer de la haine des sots et des clameurs de l'envie; mais si la Synagogue les maudit, la raison les absout. Ils aideront à la régénération de leur peuple; c'est peut-être l'aurore d'un beau jour. Salomon Maimons Urteil über die eitle Bestrebung der Measfim und die Unverbesserlichkeit der Juden (Lebensgeschichte II, S. 266 f.) entsprang aus seinem tiefgewurzelten Pessimismus und seiner kindischen Unwissenheit in bezug auf geschichtliche Faktoren.


16 Seine Biographika sind gegeben in Schlichtegrolls Nekrolog der Teutschen für das neunzehnte Jahrh. Bd. III, S. 27 f. (auch aufgenommen in Sulamith, dritter Jahrg., Bd. II, 1811, S. 77 f.) und in den Erinnerungen seiner Frau Henriette Herz, bearbeitet von J. Fürst, Berlin 1850, S. 91 f. [Vgl. auch L. Geiger in der ADB. XII, 260 f.].

17 Jolowicz, Geschichte der Juden in Königsberg, S. 92.


18 Mirabeau, monarchie prussienne, 58, Henriette Herz' Memoiren von J. Fürst, S. 93. Denina, Prusse littéraire p. 57. Le docteur M. Herz donne depuis long-temps à Berlin un cours gratuit de physique expérimentale, où nous avons vu ce qu'il y a de plus distingué dans cette ville et même les fils du roi.


19 Seine Biographika sind zusammengestellt in seiner Selbstbiographie, Sal. Maimons Lebensgeschichte, ediert von K. P. Moritz 1792-93. Nachträge dazu von Dr. S. J. Wolf, Maimoniana, 1813. Der angebliche Brief Maimons an Mendelssohn aus Wilna im Alter, worin er diesem von seiner Unterredung mit Elia Wilna, seiner Bewunderung für ihn und von der erlittenen Mißhandlung wegen angeblicher Ketzerei berichtet haben soll, ist gefälscht, obwohl glaubwürdige Männer die fides copiae bezeugten. Er ist abgedruckt in der Biographie Elia Wilnas והילא תוילע, p. 62 f., Note. Wir kennen jeden Schritt Maimons, seit er Polen verlassen hat, und wissen, daß er niemals dahin zurückkehrte, am wenigsten kann er in hohem Alter mit Elia Wilna zusammengekommen sein.


20 Aus seiner Selbstbiographie I, S. 261, 263, 264, 265 geht hervor, daß er im Frühjahr nach Königsberg reiste; falsch bei Geiger, Zeitschrift 1866. S. 199, Note, Spätsommer 1777.


21 Ephraim Kuhs Biographie von Moses Hirschel, Einl. zu Kuhs Gedichten I, S. 45 f.


22 Das. 271.


23 Selbstbiographie II, 197.


24 Wolf, Maimoniana, S. 178.


25 Seine Biographie hat Moses Hirschel, ein Schlesier, dargestellt. Sie wurde in den schlesischen Provinzialblättern, XIII, 23 ff. vgl. XV, 542 von Prof. Manso ohne Wissen des Autors abgedruckt, auch im ersten Bändchen von Kuhs hinterlassenen Gedichten, Zürich 1792, wiederh. [Eine Auswahl der Epigramme veröffentlichte Th. Seemann 1872 in Dresden]. Berthold Auerbachs Roman »Dichter und Kaufmann«, dessen Held Kuh ist, ist eine gelungene Photographie des Helden und der chaotischen Zeitepoche. [Vgl. auch J. Franck, in d. Allgem. Dtsch. Biogr. s.v. mit nicht ganz präzisen Angaben über den Lebensgang und J. Landsberger in Branns Jahrb. zur Belehrung und Unterhaltung, 46. Jahrg. (1898), S. 31 f.].


26 Wolf, Maimoniana, S. 84.


27 Kants Brief an Markus Herz, d.d. Mai 1789, Kants sämtl. Werte, B. XI, S. 53 f., auch in Maimons Selbstbiographie II, S. 255, wo Herz' Name verschwiegen ist.


28 Dr. Saul Ascher beurteilte Maimon sehr richtig in der »Germanomanie« (1815, S. 55 f.) »Ich habe Maimon persönlich und genau gekannt. Aus meinen Händen erhielt er zuerst ein Exemplar von Kants Kritik der reinen Vernunft. Ich war es, der ihn zum Schriftstellern ermunterte. Man muß sowohl die wohlwollenden als die gehässigen Äußerungen Maimons gegen seine Landsleute gar nicht als aus festen Grundsätzen hergeleitete Räsonnements betrachten, mit denen es ihm Ernst war. Maimon hatte, wie der größte Teil der Polen, oder überhaupt alle von Politur entblößten geistreichen Menschen, gewisse Launen, die ihn in seinem Urteil leiteten. Wie jene wechselten, bekamen seine Urteile eine andere Stellung, und ich war oft Zeuge, wie er seine besten Freunde durch die von seiner Laune herbeigeführte Veränderlichkeit seines Urteils empfindlich zu kränken, sich ein Vergnügen machte. Die im Gemüt des Menschen haftende Portion von Bosheit, die der Gebildete zu verbergen versteht, äußerte sich bei Maimon oft unwillkürlich, und das machte ihm Feinde.«


29 Maimoniana, S. 197. Aus Varnhagens Nachlaß, Briefwechsel zwischen Rahel und David Veit I, S. 243 f. 247 und andere Stellen, II, S. 23.


30 Man hat damals viel von Intoleranz gefaselt, daß die Glogauer Gemeinde Maimon nicht eine Ehrenbestattung hat zukommen lassen; auch sein Biograph machte Phrasen darüber. Aber wie hätte sie einen Mann auszeichnen sollen, der das Judentum praktisch und theoretisch negiert, und sich nicht gescheut hatte, es auszusprechen, daß er zum Christentum übertreten wollte? [Über Maimons Lebensgang vgl. ferner Prantl in der ADB. XV, 107 f., über seine Philosophie, Erdmann, Gesch. d. neueren Philos., Bd. III, Abt. 1, S. 510 ff.].


31 Schleiermacher, Briefe bei Geleg. der Erl. theol. Aufgabe, S. 22: »Man könnte kaum drei oder vier besonders jüngere gebildete jüdische Hausväter finden, unter denen nicht jedesmal wenigstens ein Kantianer wäre.« Was in Schleiermachers Munde ein Tadel ist, gereicht den Juden zur Ehre, daß sie sich nicht mit seinen und Fichtes Phantastereien abgegeben, sondern zu Kants gesunder Geistesnahrung gegriffen haben.


32 Das Verzeichnis der Mitglieder der Gesellschaft der Freunde, von denen die meisten in Berlin lebten, bei Besser, Chronik der Gesellsch. der Freunde, S. 17 f.


33 Vgl. Jakob Emden םירפסה תחפטמ, 1768, S. 38: (םהירפס ךותחו תפרצ ןושל דמלל) הזה ערה ןינעה ךשמנ רככו 'וכו וז הנידמב רשבה ריס לע םיבשויה םינברה תיב לא אבו; Fürst, Henriette Herz' Erinnerungen, S. 19.

34 Henriette Herz das., S. 123; Gronau, Dohms Leben, S. 125.


35 Ihre Biographie hat sie teilweise selbst – ein wenig geziert – zusammengestellt, überarbeitet von J. Fürst, Berlin 1850. Ergänzungen dazu finden sich in dem Briefwechsel Schleiermachers, Wilh. v. Humboldts, Rahels und besonders in Varnhagens Nachlaß, herausgegeben von Ludmilla Assing. [Vgl. auch L. Geiger in ADB. II, 258 ff.].


36 Grégoire, Essay sur la régénération des Juifs, p. 217, Note 14, vgl. dazu Frankels Monatsschrift Jahrg. 1868, S. 212.


37 Madame de Genlis, Erzieherin Ludwig Philipps, in ihren Memoiren.


38 S. Vorrede zu Kuhs hinterlassenen Gedichten I, S. 14, II, S. 190.


39 S. auch Schleiermachers Leben in Briefen I, S. 180, II, S. 194.


40 H. Herz, Erinnerungen.


41 Denina, la Prusse littéraire II, p. 243. Nous avons vu des dames aussi distinguées par leur qualité que par leur esprit et leurs connaissances recevoir et traiter l'épouse de ce docteur (Herz), et ses parents et ses amies presque d'égales à égales. C'est ainsi qu'une nation avilie pendant plus de quinze siècles commence à se rapprocher de la condition des chrétiens dans la société civile.


42 Gentz' Briefwechsel mit Garve, Breslau, 1857 S. 105.


43 Der unter F. Schlegels Namen erschienene Roman Florentin ist von Dorothea verfaßt.


44 S. König, Annalen der Juden in den preußischen Staaten, S. 326; David Friedländer, Aktenstücke zur Reform der jüdischen Kolonien, S. 53 f.; Rönne und Simon, Verhältnisse der Juden des preußischen Staates, S. 212 f.


45 König das. S. 331. Friedländer das. S. 44 f.; Jolowicz, Juden in Königsberg, S. 105.


46 König, Annalen, S. 329.


47 Vgl. Friedländers Sendschreiben an Teller, wovon weiter unten.


48 Sammler, Jahrg. 1786, S. 124.


49 Das. Jahrg. 1788, S. 77 und 145; auch selbständig abgedruckt unter dem Titel ןיד רוקח.


50 Sammler, Jahrg. 1786, S. 184 f.


51 Das. S. 203.

52 Markus Herz, über die frühe Beerdigung der Juden (Berlin 1788) S. 36. Hintereinander sind zwei Auflagen davon erschienen, die zweite enthält eine Polemik gegen den Hofmedikus Marx in Hannover, der den Scheintod geleugnet hatte.


53 Friedländer, Schreiben an meine Mitbrüder in Deutschland, auch als Beilage zum Sammler 1788.


54 Vgl. Orient, Literaturbl., 1844, col. 713; Carmoly, Biographien der Rapaport und Jungtauben, p. 39. Die Schrift hat den Titel רשוי בתכ. [Vgl. ausführlicher bei Landshuth, םש ישנא תודלות, S. 105 f.].


55 Die Schrift, mit welcher Saul gegen Raphael Kohens Buch לאיתוקי תרות polemisierte, hieß לאתקי הפצמ und erschien in Berlin 1789 unter dem Pseudonym eines angeblichen Polen, Obadia ben Baruch. Über diese Schrift ist in Altona der Bann ausgesprochen worden und eine Widerlegungsschrift erschienen, die keinen rechten Titel hat. Der Anfang lautet: בר םולש, Altona 1789. Eine Replik von Saul und seinem Vater erschien 1789: הפצמ םרח רבד לע... לואש 'הומ תבושת ויבא תבושת הילא הולנו לאתקי. Man erzählt sich, daß Meïr ben Simcha Weil dem Vater Sauls ins Ohr flüsterte: לואש אוהו ינודא ההא! Vgl. darüber auch Sammler, Jahrg. 1789, S. 223 f., 262-273 [u. Landshuth a.a.O. S. 87-99.]


56 [Wenn man die von Landshuth a.a.O. mitgeteilten Aktenstücke unbefangen liest, wird man doch wohl zu einem milderen Urteil gelangen].


57 שאר םימשב, angeblich von Isaak de Molina gesammelt, mit Sauls Kommentar אנסרהד אסכ versehen 1793. Daß diese Schrift eine Fälschung ist, braucht nicht weitläufig bewiesen zu werden. Vgl. Mard. Benets Schreiben an Hirschel Levin, Orient, Jahrg. 1844, Litbl. col. 53, 140, Zunz' Ritus, Beilage, der das Thema erschöpft hat. Was Jost, Beil. zu Geschichte des Judentums Bd. III, S. 396 f. dagegen vorbrachte, ist nichtssagend. [Vgl. ferner Landshuth a.a.O. S. 99-105 und Brann in der »Jubelschrift zum 70. Geburtstage des Prof. Graetz,« S. 255 ff.].


58 Die Statuten der Gesellschaft und die ersten Mitglieder sind zusammengestellt in Lesser, Chronik der Gesellschaft der Freunde, Berlin 1842, eine 50 jährige Jubiläumsschrift.


59 Friedländer, Aktenstücke, Einl. S. 35; Bendavid, zur Charakteristik der Juden, Berlin 1792.


60 Saul Ascher, Leviathan, Berlin, 1792, S. 14.


61 Rahels Brief an ihren Bruder Robert d.d. [Baden, 29. August] 1819 in Freunds Monatsschrift, Jahrg. 1843, S. 182. [Vgl. hierzu Note 7.]


62 Archiv der Zeit 1799, politisch-theologische Aufgabe über die Behandlung der jüdischen Täuflinge.


63 Sendschreiben an Teller von einigen Hausvätern jüdischer Religion (s. weiter unten), S. 56.


64 Friedländer, Aktenstücke S. 48 Beil. B.


65 Sendschreiben an Teller S. 55.


66 Sendschreiben an Teller. Jost bemerkt in der Geschichte des Judentums III, S. 320, daß Friedländer froh war, daß das Sendschreiben in Vergessenheit geriet. Dem ist aber nicht so. Zwanzig Jahre später tat sich Friedländer noch etwas zugute darauf und bemerkte im Vorbericht zu: Verbesserung der Israeliten in Polen S. IX: »das Sendschreiben werde in den Wogen der Geschichte nicht ganz untergegangen sein«.


67 Briefe bei Gelegenheit der theol.-pol. Aufgabe und des Sendschreibens (erste Ausg.), S. 11.


68 Teller, Beantwortung des Sendschreibens einiger Hausväter jüdischer Religion, Berlin 1799.


69 Soviel mir bekannt, sind folgende darüber erschienen: 1. An einige Hausväter jüd. Religion, über die vorgeschlagene Verbindung mit protestantischen Christen von einem Prediger in Berlin, zwei Hefte, das erste Heft vollendet Berlin Mai 1799. 2. Beantwortung des an Herrn Probst Teller erlassenen Sendschreibens, nicht von Teller. Berlin 1799. 3. J. A. de Luc, lettre aux auteurs juifs d'un mémoire adressé à Mr. Teller (auch Deutsch) Berlin 1799. 4. Über das Sendschreiben einiger Hausväter jüdischer Religion an ... Teller, und die von demselben erteilte Antwort. Leipzig 1799. 5. Zwei Relationen des ersten Eindruckes, den das neulich erschienene an Teller gerichtete Sendschreiben auf das Publikum machte. 6. Ideen zur Metamorphosierung der Juden, veranlaßt durch das Sendschreiben jüd. Hausväter, der Frankfurter Juden-Gemeinde besonders zugeeignet, Frankfurt 1799. – 7. Das vorzüglichste dieser Literatur sind die anonym von Schleiermacher erschienenen: Briefe bei Gelegenheit der politisch-theologischen Aufgabe und des Sendschreibens jüd. Hausväter, von einem Prediger außerhalb Berlins, Berlin 1799. 8. Gespräch über das Sendschreiben usw. zwischen einem christlichen Theologen und einem alten Juden. Berlin 1799. 9. Johannes Boaneges eine Begleitungs- und Ermunterungsschrift für seine Zeitgenossen. Ein Beitrag zu den Überzeugungen einiger Hausväter jüd. Religion in Berlin, von A. H. M. Kochen, Dr. phil. Jena 1800. [Vgl. die genaueren und erschöpfenderen Angaben bei L. Geiger, Zeitschrift f.d. Gesch. d. Juden in Deutschland IV, S. 57-64.]


70 Schleiermacher das. S. 12.

71 De Luc in Lettre aux auteurs etc.


72 S. darüber, aus Varnhagens Nachlaß von Ludmilla Assing, 1867, Humboldts Brief an Henriette Herz S. 115 und öfter; H. Herz, Erinnerungen S. 149.


73 Aus Varnhagens Nachlaß das. S. 44, 53. Die drei Männer waren außer Wilhelm von Humboldt noch Karl Laroche, von dem das. S. 47 öfter die Rede ist, und der verheiratete war Meyering.


74 S. Ludmilla Assings Einleitung zum Nachlaß S. 16.


75 Das. S. 66. Die Korrespondenz zwischen W. Humboldt und der Herz wirft kein günstiges Licht auf diesen Tugendbund.


76 S. aus Schleiermachers Leben in Briefen I, S. 187, 194; H. Herz, Erinnerungen S. 116, und weiter unten.


77 H. Herz, Erinnerungen, S. 111.


78 Aus Schleiermachers Leben in Briefen I, S. 254.


79 H. Herz a.a.O. S. 113. Varnhagen, Galerie von Bildnissen I, S. 233. [Vgl. übrigens Haym, die romantische Schule, S. 663 f. Hensel, die Familie Mendelssohn I, 42 f.]


80 Varnhagen das. 65 und öfter. [Vgl. Hensel, a.a.O. S. 50-71.]

81 S. H. Herz, Erinnerungen, S. 137.


82 S. aus Varnhagens Nachlaß, Rahels und Paulinens Korrespondenz, S. 290 und II. Anhang.


83 Das. S. 306 an Pauline: »Ich bin völlig frei bei ihm (Varnhagen), sonst hätte ich nie heiraten können. Er denkt über die Ehe wie ich.« Dazu fehlt noch ein Zusatz, den die Herausgeberin aus Schamgefühl unterdrückt hat: »Und wie ich über die Ehe denke, wissen Sie«.


84 Varnhagen, Andenken an Rahel, I, S. 43.


85 Beide erschienen Berlin 1799.


86 Aus Schleiermachers Leben in Briefen, I. S. 21, 22, und Galerie von Bildnissen I. S. 226. Über die Lucinde und Schleiermachers Briefe über dieselbe vgl. aus Varnhagens Nachlaß Briefe von und an Bettina von Arnim S. 311, 314. Varnhagen, der manche Unzüchtigkeit ertragen konnte, fällte ein hartes Urteil über Lucinde und Schleiermachers Kommentar dazu und erzählt, daß Verf. und Kommentator später die Vaterschaft verleugnet haben. Schleiermacher (Briefe I, S. 288) bemerkt, Schlegel habe in der »Lucinde« auf Schleiermachers Liebesverhältnis mit Henriette Herz angespielt. Noch im Jahre 1806 hat sich Henriette Herz gerühmt, daß Schleiermacher ihr zu Ehren gesagt, die Briefe über die Lucinde habe mehr sie als er geschrieben. (Aus Varnhagens Nachlaß von Ludmilla Assing I, S. 17). Anderseits erzählt die Herz in ihren Erinnerungen (Fürst S. 112), daß unter den Briefen über die Lucinde einige von Eleonore Grunow stammen. Mit dieser Gattin des Predigers Grunow hatte Schleiermacher ein Liebesverhältnis angeknüpft, sie bestürmt, ihren Gatten zu verlassen, und als sie nach der Entfernung aus des Gatten Hause wieder dahin zurückgekehrt war, machte er ihr über diesen Wankelmut bittere Vorwürfe. Die Briefe an dieselbe sind abgedruckt, einige noch häßlichere sind vielleicht unterdrückt worden. Das war eine eigenartige Gesellschaft, Schlegel, Dorothea Mendelssohn, Schleiermacher, Henriette Herz und Eleonore Grunow.


87 Briefe bei Gelegenheit von Friedländers Sendschreiben an Teller, vierter Brief Anfang. [Vgl. Ritter, David Friedländer, S. 10 f.]


88 Aus Schleiermachers Leben in Briefen I, S. 39.


89 Hauptinhalt der Briefe bei Gelegenheit usw.


90 Reden über Religion, erste Ausgabe, S. 282.


91 Reden über Religion, Anm. 14 zur fünften Rede. Vgl. D. Strauß' vortreffliche Bemerkung zu dieser romantischen Vornehmheit Schleiermachers, Leben Jesu für das deutsche Volk, S. 92 f.

92 Schleiermacher über Religion das. S. 48.


93 Esprit du Christianisme, zuerst erschienen 1801. II. 4, 3.



Quelle:
Geschichte der Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Leipzig [1900], Band 11, S. 176.
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