Meerballen

[73] Meerballen, (Pilae marinae) sind faustgroße, gelbe, sehr leichte Bälle von ganz runder, oder doch platt- oder länglicht runder Gestalt, ohne Geschmack und Geruch oder doch nur vom Geruche des Meerwassers. Man findet sie am Gestade des großen Weltmeeres und am baltischen Meere. Am häufigsten bringt man sie über Venedig.

Sie sollen nach Einiger Behauptung durch Mazeration und Ausspühlung der auflöslichen Theile der Wurzelknollen des in seichten Stellen des Meerufers wachsenden Meerriemens (Zostera marina, L. [ Flor. dan. tab. 15.] mit stiellosen Samenbehältern) entstehen, nach Andern aber aus den Fasern dieses Gewächses von der Fluth zusammengeballt werden. Wahrscheinlich aber entstehen sie nicht nur aus Fasern dieser und andrer Seegewächse, sondern sind zugleich auf eine nicht leicht begreifliche Art mit Seehundhaaren, kleinen Muscheln und andern fremden Dingen durchwebt, die man in ihnen antrifft. Daher auch das flüchtige Laugensalz, welches Spielman in der Destillation erhielt.

Ehedem hielt man sie für ein wurmtödendes Mittel, vorzüglich aber, schwarzgebrannt, für ein Spezifikum gegen Kröpfe. Jetzt ist ihr Gebrauch wo nicht verloschen, doch höchst selten.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 2. Abt., 1. Teil, Leipzig 1798, S. 73.
Lizenz: