Meerwasser

[78] Meerwasser, (Aqua marina). Sein Geruch ist eigen und widrig, der Geschmack salzicht, bitter, und aus der Oberfläche geschöpft, sehr widrig und Ekel erregend; das aus großer Tiefe geschöpfte besitzt dieß Ekelerregende nicht, welches bei der Untersuchung zwar nicht, wie man sonst glaubte, Erdharz, aber doch ein ansehnlicher Theil Extraktstoff ist, aus der Fäulniß der großen Menge thierischer, im Meere befindlicher Substanzen erzeugt. Die spezifische Schwere und folglich der Salzgehalt des Meerwassers weicht von den nördlichen Gegenden der Ostsee bis unter die Linie von 1,025 bis 1,030 ab. Ein bei 29° 47´ nördlicher Breite 60 Faden tief geschöpftes Meerwasser von 1,0289 Schwere enthielt in 100 schwedischen Kubikzollen 1393 Gran Kochsalz, 380 Gran Magnesiekochsalz und 45 Gran Gyps. Diese Salze scheint das Meerwasser aller Orten zu enthalten, nur in etwas verschiedenem Verhältnisse und kleinerer und etwas größerer Menge, je nach seiner spezifischen Schwere. Die Bitterkeit des Meerwassers rührt von dem Magnesiekochsalze her.

Man braucht das Meerwasser zu einem halben bis ganzen Pfunde getrunken, als ein anthelminthisches Purgirmittel, welches zugleich den Darmkanal zur Thätigkeit reitzt und das Blut in Wallung setzt. Daher seine große Kraft, mit der äußerlichen Anwendung (als Bad) verbunden, in frischen Skropheln. Blos als Bad gebraucht, ist es in Hautausschlägen und als Stärkungsmittel vorzüglich.

Das auf verschiedne Art abgedampfte Meerwasser giebt das Boy- oder Seesalz, und aus der rückständigen Mutterlauge wird[78] mit Zusatz von Eisenvitriol das sogenannte englische Purgirsalz bereitet, ein mit Magnesiekochsalz verunreinigtes Magnesievitriolsalz (Bittersalz).


Quelle:
Samuel Hahnemann: Apothekerlexikon. 2. Abt., 1. Teil, Leipzig 1798, S. 78-79.
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