Die Arzneien,

[177] welche zur Hülfe gegen die chronischen Krankheiten sich als die angemessensten und vorzüglichsten bis jetzt erwiesen haben, werde ich in den folgenden Theilen nach ihren reinen Wirkungen auf den menschlichen Körper abhandeln, sowohl die gegen die psorischen Ursprungs, als auch die gegen die Syphilis und die Feigwarzen-Krankheit.

Daß wir gegen letztere beiden der Heilmittel weit weniger bedürfen als gegen die Psora, kann bei keinem Nachdenkenden ein Argument gegen die chronisch miasmatische Natur der letztern abgeben und noch weniger, daß sie nicht die gemeinsame Urquelle der übrigen chronischen Krankheiten sey.

Die Psora, diese uralte, miasmatische Krankheit, konnte, indem sie seit vielen Jahrtausenden durch mehre Millionen menschlicher Organismen sich fortpflanzte, deren jeder seine eigne, verschiedne Konstitution hatte und in sehr abweichenden Verhältnissen lebte, wohl sich so sehr zu modificiren und jene unglaubliche Verschiedenheit von Uebeln zu erzeugen fähig werden, die wir an den unzähligen chronisch Kranken wahrnehmen, denen das äußere (für das innere Leiden vikarirende) Symptom – der größere oder kleinere Krätz-Ausschlag – durch böse Kunst von der Haut vertrieben worden, oder durch irgend ein andres heftiges Ereigniß von selbst von der Haut verschwunden war.

Hiedurch scheint es gekommen zu seyn, daß dieses halbgeistige, im menschlichen Organism sein eignes feindseliges Leben nach Parasiten-Art gleichsam einzuflechten und darin fortzuführen strebende Miasm (Psora) in den vielen Jahrtausenden sich so mannichfach ausbilden konnte, daß es sogar modificirte Sprößlinge mit charakteristischen Eigenheiten aus sich trieb und gebar, die zwar ihre Abkunft von ihrem Stamme (der gemeinsamen Psora) nicht verleugnen, aber doch durch einige Besonderheiten von einander merklich abweichen –[177] Abänderungen, theils, nach der abweichenden physischen Eigenthümlichkeit und klimatischen Verschiedenheit des Wohnsitzes der mit Psora behafteten Menschen1 – theils durch die verschiedne Lebensweise gemodelt, z.B. der Kinder in verdorbner Stadt-Luft (Rachitis, Winddorn, Knochen-Erweichung, Verkrüppelung, Beinfraß, Kopfgrind, Skropheln); die Ring-Flechte; bei Erwachsenen, die Nerven-Schwäche, Nerven-Reizbarkeit; die Knoten-Gicht, u.s.w. Und so geben die übrigen, ungemeinen Verschiedenheiten in der Lebensart und den Beschäftigungen der Menschen bei ihren angebohrnen Körper-Beschaffenheiten den Psora-Krankheiten so viel Modifikationen, daß, begreiflich, mehre und verschiedne Arzneimittel zur Tilgung aller dieser Psora-Modifikationen erforderlich werden (antipsorische Mittel).

Man hat mich oft gefragt, an welchen Zeichen eine Substanz als antipsorisch im Voraus zu erkennen sey? Solche äußere, an ihnen sichtbare Zeichen kann es aber nicht geben; wohl aber verriethen bei der Ausprüfung mehrer kräftiger Substanzen auf ihre reinen Wirkungen im gesunden Körper mit einige derselben durch die von ihnen erregten Beschwerden eine vorzügliche und deutliche Angemessenheit zur homöopathischen Hülfe für die Symptome offenbarer Psora-Krankheiten. Doch gaben auch einige Spuren ihrer dahin leitenden Eigenschaft mir zuweilen schon im Voraus einen Wink dazu, wie z.B. der in Polen gerühmte Nutzen des Krautes von Lycopodium im Wichtelzopfe auf die Dienlichkeit des Bärlapp-Staubes in ähnlichen (psorischen) Uebeln – der Umstand, daß einige Blutflüsse auffallend von Kochsalz in großen Gaben gestillt worden waren, so wie die Hülfe von Guajak, Sassaparille und Kellerhals schon in ältern Zeiten, wo die venerischen Uebel durch alles Quecksilber nicht geheilt[178] werden konnten, wenn nicht das eine oder das andre dieser Gewächse die damit komplicirte Psora beseitigte u.s.w.

Im Allgemeinen fand sichs aus ihren reinen Symptomen, daß die meisten Erden, Kalien und Säuren, so wie die aus ihnen zusammengesetzten Neutralsalze nächst mehren Metallen bei Heilung der fast unzähligen Psora-Symptome nicht entbehrt werden konnten. Auch die Aehnlichkeit des Haupt-Antipsorikums, des Schwefels, in seiner Natur mit Phosphor und andern brennbaren Substanzen aus dem Gewächs- und Mineral-Reiche leitete zur Anwendung der letzteren und einige animalische Substanzen schlossen sich analogisch in der Erfahrung an dieselben an.

Ueberhaupt jedoch wurden nur diejenigen Mittel für antipsorische anerkannt, deren reine Wirkungen auf das menschliche Befinden deutliche Anleitung zu ihrem homöopathischen Gebrauche in offenbaren Psora-Krankheiten von geständiger Ansteckung gaben, so daß mit Erweiterung unsrer Kenntniß ihrer eignen, reinen Arznei-Wirkungen, auch mit der Zeit noch einige derselben den antipsorischen Mitteln zuzugesellen für nöthig befunden werden können – wiewohl wir mit den schon gegenwärthig dafür anerkannten fast alle unvenerischen (die psorischen), chronischen Krankheiten sicher zu heilen im Stande sind, wenn die Kranken nicht durch allöopathische Unkunst mit schweren Arznei-Krankheiten beladen und verdorben und ihre Lebenskraft nicht allzu tief zum Sinken gebracht worden, oder äußere, sehr ungünstige Umstände die Heilung nicht unmöglich machten. Doch sind, wie sich von selbst versteht, auch die übrigen, geprüften, homöopathischen Arzneien, selbst das Quecksilber nicht ausgenommen, für gewisse Zustände in den psorischen Krankheiten nicht zu entbehren.

Die Homöopathik setzt durch eine, vor ihrer Gründung und Ausbildung noch nicht erfundene Behandlung der rohen Arzneisubstanzen dieselben in den Zustand stufenweiser und hoher Entwickelung ihrer inwohnenden Kräfte, um sie dann zum vollkommensten Heilen anwenden zu können. Einige dieser Arzneistoffe scheinen in ihrem rohen Zustande eine sehr unvollkommene, unbedeutende Arznei-Wirkung (z.B. Kochsalz und Bärlapp-Staub), andre (z.B. Gold, Quarz, Thon) gar keine zu besitzen – welche alle aber durch die der Homöopathik eigne Zubereitung ungemein heilkräftig werden. Wieder[179] andre Substanzen sind in der kleinsten Menge schon so heftig in ihrer Wirkung, daß, wenn sie in rohem Zustande die thierische Faser berühren, sie ätzend und zerstörend auf sie einwirken (z.B. Arsenik, Quecksilber-Sublimat), und diese werden durch dieselbe, der Homöopathik eigne Zubereitung nicht nur mild in ihrer Wirkung, sondern auch unglaublich entfaltet in ihren bisher unbekannten Heilkräften.

Die Veränderung, welche in den Naturkörpern, namentlich in den arzneilichen, durch anhaltendes Reiben mit einem unarzneilichen Pulver, oder, aufgelöst, durch (langes) Schütteln mit einer unarzneilichen Flüssigkeit, entsteht, ist so unglaublich groß, daß sie an Wunder gränzt, und erfreulich, daß der Fund dieser wundervollen Veränderung der Homöopathie angehört.

Nicht bloß, wie ich schon anderswo lehrte, entwickeln diese Stoffe ihre Arzneikraft dadurch in einem unermeßlichen Grade, sondern sie verändern auch ihr physisch chemisches Verhalten dergestalt, daß, wenn man in ihrer rohen Stoff-Gestalt nie eine Auflösbarkeit derselben in Wasser und Weingeist wahrnehmen konnte, sie nach dieser besondern Umwandlung doch gänzlich sowohl in Wasser als in Weingeist auflöslich werden – eine für die Heilkunst unschätzbare Entdeckung.

Der braunschwarze Saft des Meer-Insekts Sepie, ehedem bloß zum Zeichnen und Malen gebräuchlich, ist in rohem Zustande nur in Wasser, nicht in Weingeist auflösbar; er wird es aber auch in Weingeist durch jene Art Reiben.

Das gelbe Bergöl läßt bloß dann etwas durch Weingeist aus sich ziehen, wenn es mit ätherischem Gewächs-Oel verfälscht ist; rein aber ist es mit weder in Wasser, noch in Weingeist (noch in Aether) aufzulösen in seinem gewöhnlichen, rohen Zustande. Durch die Reibe-Bereitung wird es in beiden völlig auflösbar.

So schwimmt der Bärlapp-Staub in Weingeist und auf Wasser, ohne daß beide einige Einwirkung auf denselben zeigten – das rohe Lykopodium ist geschmacklos und unthätig, wenn es in den menschlichen Magen kommt; aber auf gleiche Weise durch Reiben verändert, ist es nicht nur in beiden Flüssigkeiten völlig auflöslich, sondern hat auch eine so ungeheure Arzneikraft entwickelt, daß man dann sehr behutsam mit seiner ärztlichen Anwendung umgehen muß.

Wer hat je den Marmor, oder die Austerschale in reinem Wasser oder Weingeist auflösbar gefunden? Diese milde [180] Kalk-Erde wird es aber, so wie die milde (kohlensaure) Schwer-Erde und Magnesie, vollkommen in beiden, mittels dieser Art von Bereitung, und beide äußern dann eine Größe von Arzneikraft, jede ihre eigenthümliche, welche Staunen erregt.

Am wenigsten wird jemand dem Quarz, dem Bergkrystall (wovon manche Krystalle Wassertropfen schon seit Jahrtausenden unverändert in sich eingeschlossen enthielten), oder dem weißen Sande eine Auflösbarkeit in Wasser und Weingeist, oder eine Arzneikraft zutrauen, und, siehe, durch die der Homöopathie eigne Art von Kraft-Entwickelung (Potenzirung),2 durch Reiben der mit Laugensalz geschmolzenen und dann aus diesem Glase wieder niedergeschlagenen Kieselerde wird dieselbe nicht nur in Wasser und Weingeist ohne Rückstand auflöslich, sondern zeigt dann auch ungeheure Arzneikräfte.

Was kann ich von den gediegenen und den geschwefelten Metallen Anderes sagen, als daß sie, ohne Ausnahme, sämmtlich durch diese Behandlung in Wasser und Weingeist gleich auflösbar werden und die, jedem eigenthümliche Arzneikraft auf die reinste, einfachste Weise in unglaublich hohem Grade entwickeln?

Aber es entziehen sich die so zubereiteten chemischen Arznei-Substanzen nun auch den chemischen Gesetzen.

Eine Gabe des auf ähnliche Weise so hoch potenzirten Phosphors kann in seiner Papierkapsel im Pulte liegen bleiben und zeigt dennoch, nach Jahr und Tag erst eingenommen, immer noch die volle Arzneikraft, nicht die der Phosphorsäure, sondern die des ungeänderten, unzersetzten Phosphors selbst.

Auch findet in diesem ihren erhöheten und gleichsam verklärten Zustande keine Neutralisation mehr statt. Die Arzneiwirkungen des Natrums, des Ammoniums, des Baryts, der Kalkerde und der Magnesie werden in diesem ihren hoch potenzirten Zustande, wenn man eine Gabe einer derselben eingenommen, nicht etwa wie basische Stoffe in rohem Zustande[181] durch einen darauf eingenommenen Tropfen Essig neutralisiert; ihre Arzneikraft wird nicht umgeändert oder vernichtet.

Die so zubereitete Salpetersäure wird in der zum homöopathischen Arznei-Gebrauche dienlichen hohen Potenzirung, in gehöriger Gabe eingenommen, nicht durch ein wenig rohe Kalkerde, oder rohes Natrum nachgegeben, in ihrer starken, bestimmten Arzneiwirkung abgeändert, folglich nicht durch letztere neutralisirt.

In dieser der Homöopathie eignen Zubereitung nimmt man von irgend einer, sowohl der in den sechs Bänden der reinen Arzneimittellehre3 abgehandelten, als insbesondre der hierunten folgenden antipsorischen Arznei-Substanzen:4 von Kieselerde, kohlensaurer Baryterde, kohlensaurer Kalkerde,[182] kohlensaurem Natrum und Ammoniaksalz, kohlensaurer Magnesie, Holzkohle, Thierkohle, Graphit, Schwefel, rohem Spießglanz, Spießglanz-Metall, Gold, Platinna, Eisen, Zink, Kupfer, Silber, Zinn (die starren, noch nicht in Blättchen verdünnten Metalle auf einem feinen, harten Abzieh-Steine unter Wasser, auch wohl unter Weingeist [wie beim Eisen] zerrieben) einen Gran in Pulver (von Quecksilber in laufender Gestalt einen Gran, von Bergöl, statt eines Grans, einen Tropfen) u.s.w., thut ihn zuerst auf ein ungefähres Drittel von 100 Gran Milchzucker-Pulver in der unglasurten (oder mit nassem Sande auf dem Boden matt geriebenen) porcelänenen Reibeschale, rührt Arzneistoff und Milchzucker einen Augenblick mit dem porcelänenen Spatel unter einander und reibet das Gemisch, mit einiger Kraft, 6 Minuten lang, scharret dann, binnen 4 Minuten, das Geriebene auf von dem Boden der Reibeschale, und von der (ebenfalls matt geriebenen oder unglasurten) porcelänenen Reibekeule5 (damit das Geriebene gleichartig unter einander komme), und reibet dieß Aufgescharrte, ohne Zusatz, nochmals (zum zweiten Male) 6 Minuten lang mit gleicher Kraft. Zu dem nun wiederum binnen 4 Minuten rein auf- und abgescharrten Pulver (wozu das erste Drittel der 100 Grane verwendet worden) wird nun das zweite Drittel Milchzucker getragen, beides mit dem Spatel einen Augenblick zusammen gerührt, wieder 6 Minuten mit gleicher Kraft gerieben, das dann binnen 4 Minuten Aufgescharrte (ohne Zusatz) zum zweiten Male 6 Minuten lang kräftig gerieben und, wenn es in etwa 4 Minuten rein aufgescharret worden, mit dem letzten Drittel Milchzucker-Pulver durch Umrühren mit dem Spatel vereinigt, um so das ganze Gemisch nach sechsminütlichem, kräftigen Reiben, und vierminütlichem Wiederaufscharren, zum letzten (zweiten) Male noch 6 Minuten[183] zu reiben und dann rein aufzuscharren – ein Pulver, welches in einem verstöpselten Glase aufbewahret wird, mit dem Namen der Substanz und der Signatur Die Arzneien bezeichnet, weil sie hundertfach potenzirt darin enthalten ist.6

Um die Substanz nun bis zu Die Arzneien zu potenziren, wird ein Gran von dem, wie gedacht, bereiteten Pulver Die Arzneien zu einem Drittel von 100 Gran frischem Milchzucker-Pulver gethan, in der Reibeschale mit dem Spatel umgerührt und ebenso verfahren, daß jedes solches Drittel zweimal 6 Minuten kräftig gerieben und nach jedem sechsminütlichen Reiben wohl (etwa 4 Minuten über) aufgescharret wird, ehe das zweite Drittel, und (nachdem dieß eben so behandelt und wieder aufgescharret worden) ehe das letzte Drittel Milchzucker darunter gerührt, und eben so zweimal 6 Minuten gerieben wird, um es dann aufgescharret in ein zu verstopfendes Glas zu thun mit der Signatur Die Arzneien, als den Arzneistoff zu hunderttausendfacher Verdünnung potenzirt enthaltend.7[184]

Eben so wird mit einem Grane dieses (Die Arzneien signirten) Pulvers verfahren, um es zu Ī, als zur millionfachen Potenzirung verdünnt, zu bringen.

Um eine Gleichförmigkeit in Bereitung der homöopathischen und namentlich der antipsorischen Arzneien wenigstens in der Pulverform einzuführen, rathe ich, wie ich auch selbst zu thun pflege, die Arzneistoffe sämmtlich nicht weniger und nicht mehr, als bis zu millionfacher Potenzirung zu bringen, um hieraus dann die Auflösungen und die nöthigen Potenzirungen dieser Auflösungen zu bereiten.

Das Reiben soll mit Kraft geschehen, doch nur so stark, daß das Milchzucker-Pulver sich nicht allzu sehr am Boden der Reibeschale fest ansetze und binnen 4 Minuten aufgescharret werden könne.

Um nun die Auflösung8 davon zu verfertigen und die so millionfach in Pulver potenzirten Arzneien in flüssige Gestalt zu bringen (und von da ihre Kraft-Entwickelung noch ferner fortsetzen zu können), dient die der Chemie unbekannte Erfahrung, daß alle Arzneistoffe, durch Reiben in Pulver zur Potenz Ī gebracht, sich in Wasser und Weingeist auflösen.

Die erste Auflösung kann deßhalb nicht mit reinem Weingeiste geschehen, weil der Milchzucker sich nicht im Weingeiste auflöset. Die erste Auflösung geschieht daher durch halb Wasser und halb Weingeist.

Zu Einem Gran durch gedachtes Reiben millionfach (Ī) potenzirten Arzneipulvers werden daher 50 Tropfen destillirtes Wasser getröpfelt und durch etliche Mal Umdrehen des Gläschens um seine Achse leicht aufgelöst, dann 50 Tropfen guter Weingeist9 hinzugethan und so das nur zu zwei Dritteln[185] mit dieser Mischung angefüllte und gestöpselte Gläschen zweimal (also mit zwei Arm-Schlägen) geschüttelt. Es wird, nächst dem Namen der Arznei, mitDie Arzneien bezeichnet.10 Hievon wird 1 Tropfen zu 99 oder 100 Tropfen reinem Weingeiste getröpfelt, das dann verstopfte Gläschen mit 2 Arm-Schlägen geschüttelt und mit Die Arzneien bezeichnet, dann von diesem wieder 1 Tropfen in ein drittes Gläschen mit 99 oder 100 Tropfen reinem Weingeiste getröpfelt, das verstopfte Gläschen mit 2 Arm-Schlägen geschüttelt und (nächst dem Namen der Arznei) mit Die Arzneien bezeichnet. So wird auch mit Bereitung der höher zu potenzirenden Verdünnungen jedesmal nur durch 2 Arm-Schläge11 fortgefahren (zu Die Arzneien, Die Arzneien, Die Arzneien, und so weiter), doch um die einfache Gleichförmigkeit in der Praxis zu erreichen, werden bloß die Gläser mit vollen Zahlen Die Arzneien, Die Arzneien, Die Arzneien, Die Arzneien,12 u.s.w. zum Verbrauche genommen,[186] die Zwischengläser aber in Schachteln oder Kästchen, mit Aufschrift, aufbewahrt und so geschützt gegen die Einwirkung des Tageslichts.

Da das Schütteln nur durch mittelmäßige Schläge des Arms, dessen Hand das Gläschen hält, geschehen soll, so ist es am besten, die Verdünnungs-Gläschen nicht größer und nicht kleiner zu wählen, als daß sie so eben bis zu zwei Dritteln mit den 100 Tropfen verdünnter Arznei angefüllt werden.

Gläschen, worin schon eine Arznei gewesen war, dürfen nie zur Aufnahme irgend einer andern Arznei wieder dienen, selbst nicht, noch so oft ausgespült, sondern es müssen jedesmal neue Gläser genommen werden.

Die mit der Arznei zu befeuchtenden Streukügelchen sollen ebenfalls in gleicher Kleinheit genommen werden, kaum in der Größe des Mohnsamens vom Konditor verfertigt, theils damit man die Gabe gehörig klein einrichten könne, theils damit die homöopathischen Aerzte auch hierin, wie in der Bereitung der Arznei, so auch in der Gaben-Ertheilung gleichmäßig verfahren und so den Erfolg von ihrem Verfahren mit dem der andern Homöopathen auf die gewisseste Weise vergleichen können.

Das Benetzen der Streukügelchen geschieht am besten in Masse so, daß man auf ein oder etliche Quentchen derselben in einem kleinen, mehr tiefen, als weiten Näpfchen (in der Form eines größern Fingerhuts) von Steinguth, Porcelan oder Glas mehre Tropfen der geistigen Arznei-Flüssigkeit tröpfelt (lieber ein Paar Tropfen zuviel), damit sie bis auf den Boden dringen und so die ganzen Kügelchen befeuchtet haben werden in einer Minute. Nun wendet man das Näpfchen um, und stürzt es auf einem Stück reinen, doppelten Fließpapiers aus, damit die überschüssige Flüssigkeit hineinziehe, und, wenn dieß geschehen, der Kegel voneinander und ausgebreitet, bald trocknen könne. Trocken geworden füllt man die Kügelchen in ein Glas mit der Signatur des Inhalts und stöpselt es.

Alle mit der geistigen Flüssigkeit befeuchteten Kügelchen haben trocken ein mattes Ansehn; die rohen, unbefeuchteten sehen weißer und glänzend aus.[187]

Um sie zum Einnehmen vorzurichten, thut man ein oder ein Paar solcher Kügelchen in das eine, geöffnete Ende der Kapsel eines schon fertigen Pulvers von 2, 3 Gran Milchzucker und streicht dann mit einem Spatel oder dem Daumen-Nagel, unter einigem Drucke, drauf hin bis man fühlt, daß das oder die Kügelchen darin zerknickt und zerknirscht sind; dann kann es sich beim Einnehmen in Wasser leicht auflösen.

Ueberall, wo ich Streukügelchen zum Einnehmen nenne, verstehe ich jederzeit diese feinsten von Mohnsamen-Größe darunter, wovon gewöhnlich, ungefähr 200 (auf und ab, einige mehr oder weniger) einen Gran wiegen.

Die in folgenden Theilen abgehandelten antipsorischen Arzneien enthalten keine sogenannten isopathischen, da deren reine Wirkungen, selbst die vom potenzirten Krätz-Miasm (Psorin) noch lange nicht genug ausgeprüft sind, daß man sichern homöopathischen Gebrauch von ihnen machen könne. Ich sage, homöopathischen; denn idem bleibt er nicht, wenn man auch den zubereiteten Krätzstoff demselben Kranken eingäbe, von dem er genommen ist, indem er nur, wenn er ihm helfen sollte, in potenzirtem Zustande heilsam seyn könnte, weil roher Krätzstoff, den er ja schon an sich hat, als ein idem ohne Wirkung auf ihn ist. Die Kraft-Entwickelungs-(Potenzirungs-) Bereitung ändert ihn aber ab und modificirt ihn, so wie Blattgold nach seiner Potenzirung nicht mehr im menschlichen Körper unthätiges, rohes (Blatt-) Gold ist, sondern bei jeder Stufe von Potenzirung mehr und mehr modificirt und geändert wird.

So potenzirt und modificirt, ist auch der einzugebende Krätzstoff (Psorin) nicht mehr idem mit dem rohen, ursprünglichen Krätzstoffe, sondern nur ein simillimum. Denn zwischenidem und simillimum giebt es für den, wer nachdenken kann, kein Zwischending; oder, mit andern Worten, zwischen idem und simile kann nur simillimum zwischen inne liegen. Isopathisch und aequale sind mißdeutliche Ausdrücke, die, wenn sie etwa Zuverlässiges bedeuten sollen, nur simillimum bedeuten können, weil sie kein idem (ταυτον) sind.

Fußnoten

1 Z.B. die in Norwegen und im Nordwesten von Schottland einheimischen Sibbens oder Rade-Syge; in der Lombardei die Pellagra; in Polen und Kärnthen der Wichtelzopf (Koltun, Trichiasis), der Knollen-Aussatz in Surinam; die Himbeer-Auswüchse (Frambösia) in Guinea unter dem Namen Yaws, in Amerika des Pian bekannt; in Ungarn, das Ermattungs-Fieber, Tsömör; in Virginien, das Ermattungs-Siechthum (asthenia virginesium); die Menschen-Ausartung der Cretinen in den tiefen Alpen-Thälern; der Kropf in tiefen Thälern und dem Ausgange derselben u.s.w.

2 In rohem Zustande und ohne die angegebene Vorbereitung scheint Quarz und Kiesel seine Arznei-Kräfte nicht durch Reiben entwickeln zu lassen, und daher auch das Reiben der verschiednen Arzneien mit dem indifferenten Milchzucker in der Porcelan-Reibeschale keine Beimischung von Silicea zu bekommen, wie einige ängstliche Puristen vergeblich befürchtet haben.

3 Die nur trocken zu habenden Gewächs-Stoffe, z.B. die Chinarinde, die Ipekakuanha u.s.w., werden durch gleiche Art von Reiben zubereitet, lösen sich nun, wie alle die erwähnten Substanzen, in einer millionfachen Potenzirung nicht weniger in ihrer eigenthümlichen Kraft, in Wasser und Weingeist völlig auf und lassen sich dann als weit haltbarere Arzneien aufbewahren, als die leicht verderblichen geistigen Tinkturen. Von den saftlosen Gewächsen, z.B. Oleander, Lebensbaum, Kellerhals-Rinde u.s.w., kann man, ohne zu fehlen, nur von jedem etwa anderthalb Gran der frischen Blätter, Rinden, Wurzeln u.s.w., ohne weitere Vorbereitung, zum Reiben mit dreimal 100 Gran Milchzucker zur millionfachen Pulver-Verreibung nehmen, um einen Gran davon, in Wasser und Weingeist aufgelöst, ferner durch die Verdünnungs-Gläser mit Weingeist zu dem nöthigen Potenz-Grade in ihren Kräften durch jedesmal zwei Schüttel-Schläge zu entwickeln, so wie man auch mit den frisch ausgepreßten Kräuter-Säften am besten thut, einen Tropfen davon sogleich mit so viel Milchzucker, als zur Bereitung der übrigen Arzneistoffe genommen wird, zur millionfachen Pulver-Verdünnung zu reiben, ehe ein Gran von dieser, in halb Wasser und halb Weingeist aufgelöst, zur fernern Kraft-Entwickelung durch die 27 Weingeist-Gläschen verdünnt und zu dem nöthigen Grade, mittels zweier Schüttel-Schläge potenzirt werde. Letztere (die frischen Säfte) scheinen dadurch mehr an Kraft-Entwickelung zu gewinnen, wie die Erfahrung mich lehrt, als wenn sie als Saft nur bloß, ohne Reibe-Vorbereitung, mit 30 Gläsern Weingeist verdünnt und durch die jedesmaligen beiden Schüttel-Schläge potenzirt worden sind.

4 Selbst der an der Luft so leicht zersetzliche Phosphor wird auf ähnliche Art potenzirt und in beiden Flüssigkeiten auflösbar zur homöopathischen Arznei bereitet, doch unter einigen Cautelen, die man weiter unten findet.

5 Daß nach Vollendung des dreistündigen Reibens jeder Arznei-Substanz, Reibeschale, Pistill und Spatel mehrmals mit kochendem Wasser ausgebrühet und zwischendurch wieder ganz rein und trocken ab- und ausgewischt werden müssen, setze ich als unerläßlich voraus, damit kein Gedanke an eine Verunreinigung einer andern, künftig darin zu reibenden Arznei übrig bleibe. Will man die Fürsicht, daß auch kein Gedanke an den mindesten Rest der zuletzt darin geriebenen Arznei möglich bleibe, die so gereinigte Reibeschale, Pistill und Spatel dann auch noch einer Hitze aussetzen, die dem Glühen nahe kömmt, so wird auch den bedenklichsten Gemüthern Genüge geleistet.

6 Bloß die Phosphor-Arznei leidet in Bereitung der ersten, hundertfachen Pulver-Verdünnung einige Abänderung. Hier werden die hundert Gran Milchzucker auf einmal in die Reibeschale gethan, mit etwa 15 Tropfen Wasser, mittels der angefeuchteten Reibekeule zum dicklichen Breie gemacht, und ein Gran Phosphor, in viele, etwa 12 kleine Stückchen geschnitten, mit der feuchten Keule untergeknetet, und mehr mit einiger Kraft darunter gestampft als gerieben, wobei die an der Keule oft hängen bleibende Masse wieder in die Reibeschale abgestrichen wird. So zerreiben sich die kleinen Phosphor-Grümchen in dem dicklichen Milchzucker-Brei zu unsichtbar kleinen Stäubchen binnen der ersten zweimal 6 Minuten, ohne daß ein Fünkchen zu sehen ist. Während der dritten 6 Minuten kann das Stampfen in Reiben übergehen, weil die Masse dann sich schon der Pulverform nähert. In den übrigen dreimal 6 Minuten wird bloß mit mäßiger Kraft gerieben, und alle 6 Minuten aus der Reibeschale und vom Pistill während einem Paar Minuten abgescharrt, was sehr leicht erfolgt, da dieß Pulver sich nicht fest ansetzt. Nach dem sechsten Male Reiben leuchtet das ruhig an der Luft stehende Pulver im Dunkeln nur schwach und riecht sehr wenig. Es wird in gut gestöpselte Gläschen gefasset und gezeichnet Phosphorus Die Arzneien. Die letzten beiden Pulver-Verdünnungen (Die Arzneien und Ī) werden bereitet wie die aus andern trocknen Arznei-Substanzen.

7 Sonach wird jede Verdünnung (sowohl die bis Die Arzneien, als die bis Die Arzneien, als auch die dritte bisDie Arzneien oder Ī) mittels sechsmal 6 Minuten Reiben und sechsmal 4 Minuten Aufscharren bereitet und also über jeder Eine Stunde zugebracht.

8 Ich gab Anfangs einen kleinen Theil eines Grans der bis zu Die Arzneienoder Ī durch Reiben potenzirten Pulver zur Gabe. Da aber ein kleiner Theil eines Grans eine allzu unbestimmte Menge ist, die Homöopathie aber alle Unbestimmlichkeit und Ungenauigkeit möglichst vermeiden muß, so war der Fund, alle Arzneien aus den potenzirten Arzneipulvern in Flüssigkeit verwandeln zu können, womit eine bestimmte Zahl Streukügelchen zur Gabe befeuchtet werden, mir von hohem Werthe. Aus Flüssigkeiten lassen sich nun auch die fernen Potenzirungen leicht bereiten.

9 Für die 50 Wasser-Tropfen, so wie für die 50 Tropfen Weingeist hält man sich kleine Mensur-Gläschen, um dann nicht weiter die Tropfen zu zählen zu brauchen, besonders da die Wassertropfen aus nicht matt an der Mündung geschliffenen Gläsern schwer zu zählen sind.

10 Man thut auch wohl, auf der Signatur mit zu bemerken, daß es zweimal geschüttelt worden, unter Beifügung des Datums.

11 Nach vielfältigen Versuchen und prüfenden Vergleichungen bei Kranken habe ich es seit einigen Jahren (mit Ueberzeugung) vorgezogen, den höher zu stimmenden und doch zugleich mehr zu mildernden Arznei-Flüssigkeiten nur ein zweimaliges Schütteln (mit 2 Arm-Schlägen) zu geben, statt des sonst gebräuchlichen zehnmaligen, weil bei letzterm die Potenzirung durch vielmaliges Schütteln weit über das (obschon jedesmal hundertfache) Verdünnen hinausgeht – da doch der Zweck ist, durch Schütteln die Arzneikräfte nur in dem Grade zu entwickeln, daß die gleichzeitige Verdünnung die Absicht – bei größerer Eindringlichkeit, zugleich die Stärke der Arznei um Etwas zu mäßigen – erreichen könne. Das zweimalige Schütteln vermehrt zwar ebenfalls die Menge entwickelter Arzneikräfte, wie das zehnmalige, aber nicht in so hohem Grade, als letzteres, so daß doch ihre Stärke von der vorgängigen hundertfachen Verdünnung niedergehalten werden kann und so dennoch jedesmal eine schwächere, obgleich etwas höher potenzirte und eindringlicher wirkende Arznei dadurch entsteht.

12 Statt der Bruchtheile 1000,000 (1/I), 1/1000,000,000,000 (1/II) u.s.w., pflegt man auch diese Kraft-Entwickelungs-Grade so auszudrücken, daß nur der Exponent der Vervielfachung der Hundertel ausgesprochen wird, also statt 1/I, 100(3); statt x/II, 100(6); statt x/III, 100(9); statt 1/100 III, 100(10); statt 1/10000 IX, 100(29) und statt Decillion, I/X, 100(30), also nur allein die Exponenten, als die 3. 6. 9. 10. 29. 30ste Kraft-Entwickelung u.s.w.

Quelle:
Samuel Hahnemann: Die chronischen Krankheiten. 5 Bände, Bd. 2, Dresden, Leipzig 21835.
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