§. [121] 51.

Dem fähigen Geiste des Menschen wird dieses Heilgesetz aus ihnen kund, und hiezu waren sie hinreichend. Dagegen, siehe! welchen Vorzug hat der Mensch nicht vor der rohen Natur in ihren ungefähren Ereignissen! Wie viel tausend homöopathische Krankheitspotenzen mehr zur Hülfe für die leidenden Mitbrüder hat nicht der Mensch an den überall in der Schöpfung verbreiteten Arzneisubstanzen! Krankheits-Erzeugerinnen hat er an ihnen von allen möglichen Wirkungs-Verschiedenheiten für alle die unzähligen, für alle nur erdenkliche und unerdenkliche natürliche Krankheiten, denen sie homöopathische Hülfe leisten können – Krankheitspotenzen (Arzneisubstanzen), deren Kraft nach vollendeter Heil-Anwendung, durch die Lebenskraft besiegt, von selbst verschwindet, ohne einer abermaligen Hülfe zur Wieder-Vertreibung, wie die Krätze, zu bedürfen – künstliche Krankheitspotenzen, die der Arzt bis an die Gränzen der Unendlichkeit verdünnen, zertheilen, potenziren und in ihrer Gabe bis dahin vermindern kann, dass sie nur um ein Kleines stärker bleiben, als die damit zu heilende, ähnliche, natürliche Krankheit, so dass es bei dieser unübertrefflichen Heilart[121] keines heftigen Angriffs auf den Organism bedarf, um auch ein altes, hartnäckiges Uebel auszurotten, ja dass diese Heilart nur einen sanften, unmerklichen, und doch oft geschwinden Uebergang aus den quälenden, natürlichen Leiden in die erwünschte dauerhafte Gesundheit sehen lässt.


Quelle:
Samuel Hahnemann: Organon der Heilkunst. Dresden, Leipzig 51833, S. 121-122.
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