IV. Der englische Strohhut.

[18] Was man vom gewöhnlichen Strohhut nicht behaupten kann. Der Kopf darf nicht zu hoch, die Krempe nicht zu schmal sein. Doppelte Krempen sind in Verruf. Die verschiedenen Stroharten sind weniger wichtig als die Form. Das Band ist schwarz. Er sieht, trotzdem er jeder Physiognomie entbehrt, auf jedem Kopf anders aus.


4. Der englische Strohhut

Der Hut spielt in Deutschland keine große Rolle. Man trennt sich oft und gern von ihm, nimmt ihn ab, wenn man einen geschlossenen Raum betritt, in dem sich Leute befinden, trägt ihn im Sommer in der Hand, gibt ihn überall ab.


4. Der englische Strohhut

In Paris nimmt man den Hut ins Parkett jedes Theaters mit – behält ihn auf, selbst wenn man mit Damen spricht, die keinen aufhaben, und trennt sich selbst bei offiziellen Festlichkeiten nur auf die Dauer des Essens von ihm.

Der Engländer hält ein vernünftiges Mittelmaß – es kommt vor, daß er Sonntags ohne jede Kopfbedeckung an die Themse hinunterfährt. –


4. Der englische Strohhut

Zu Besuchen nahm man früher den Zylinder mit in den Salon – legte ihn nach unten auf das Sofa oder versteckte ihn unter dem Flügel oder einer Vitrine, die unangezogenen Handschuhe sorgfältig hineingelegt – heute läßt man Hut und Mantel nach amerikanischem Muster im Entree – es sei denn, man macht Abendbesuche auf eine Minute, wie sie bei uns nicht üblich sind – und da ist man bereits im Frack oder Smoking. –

Übrigens Zylinder und Smoking – Teutone, mich fröstelt. –


4. Der englische Strohhut

Quelle:
Koebner, F. W.: Der Gentleman. Berlin 1913, [Nachdruck München 1976], S. 18-19.
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