Scene I.

[34] Klodion. Sächsische Krieger und Volk. Frankenvögte und Krieger. Alfred.

Chor der sächsischen Krieger und des Volks.


Triumph! Triumph!

Die große That ist kühn vollbracht,

Gestürzt die Tyrannei;

Zerschmettert liegt des Feindes Macht,

Das Vaterland ist frei!


Die Krieger mit drohenden Geberden gegen die Gefangenen.


Bringt unserm tieferzürnten Gotte

Zum Opfer die verhaßte Rotte.

KLODION.

Nicht so, ihr tapfern Sachsen, jetzo nicht

Laßt uns der Rache blutig Werk vollziehn;

Es müssen größ're Thaten noch geschehn,

Bevor frei athmend sich die Brust darf heben.

Hofft ihr, der stolze Wüthrich, jener Karl,

Der sich den Großen schilt, wird ruhig bleiben,

Da seine frechen Vögte wir gestürzt,

Zerstört die Tempel, ihre Diener all'

Verjagt, ja selbst den fremden Gott, den wir

Gezwungen nur verehrt, mit Spott und Hohn

Verwiesen, treu den Göttern uns'res Landes? –[34]

Nein, racheschnaubend naht, mit mächtigerem Heer

Als je, er unsern Grenzen sich; drum führt

Hinweg sie jetzt, die frechen Sklaven

Verhaßter Tyrannei, in Kerkers Nacht,

Da mögen sie der Thaten Lohn erwarten.

CHOR.

Erwartet eurer Thaten Lohn,

Bereitet euch zum Tod!

KLODION.

Und nun schnell auf! im ganzen Sachsenland

Erschall' des Heerhorns mächt'ger Ruf,

Auf daß das treue Volk

Zum Freiheitskampf sich stelle, und du,


Zu Alfred.


Getreuer Waffenträger unsers

Geliebten Herzogs Wittekind, bring' ihm

Die Kunde der gelung'nen That.

Dir ist bekannt, daß tief im Waldgebirg'

Verborgen der Zeiten Ruf er harrt,

Der ihm vergönnt, an seines Volkes Spitze

Voranzuleuchten in des Kampfes Nacht –

Sag' ihm, daß wir in Wodan's heil'gem Hain

Das freie Maifest feiernd ihn erwarten,

Um dann vereint den letzten Kampf zu wagen.


Bei Seite zu Alfred.[35]


Sag' ihm, daß Alwina's Herz noch sehnend ihm

Wie sonst entgegenschlage.


Ab.


CHOR.

Triumph! Triumph!

Die große That ist kühn vollbracht,

Gestürzt die Tyrannei;

Zerschmettert liegt des Feindes Macht,

Das Vaterland ist frei!


Alle ab.


Quelle:
Lobe, Johann Christian: Aus dem Leben eines Musikers. Leipzig 1859, S. 34-36.
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