〈21. Vorwort zum Katalog des Ersten Deutschen Herbstsalons*

Wir leben heute nicht in einer Zeit, in der die Kunst Helferin des Lebens ist. Was heute an echter Kunst entsteht, scheint eher der Niederschlag aller Kräfte zu sein, die das Leben nicht aufzubrauchen, aufzusaugen vermag; sie ist die Gleichung, die abstrakt gesinnte Geister aus dem Leben ziehen, wunschlos, zwecklos und ohne Hader.

In anderen Zeiten ist die Kunst die Hefe, die den Teig der Welt durchsäuert, solche Zeiten sind heute fern. Bis sie erfüllt sind, muß sich der Künstler in gleicher Ferne vom offiziellen Leben halten.

Das ist der Grund unserer selbstgewählten Abschließung gegen die Anträge, die die Welt uns macht, wir wollen uns nicht mit ihr vermischen. Unter dieser 〈sic!〉 »Welt« rechnen wir auch die uns wesensfremden Künstler, mit denen gemeinsam zu arbeiten uns unmöglich scheint, nicht aus »kunstpolitischen« Gründen, von denen heute so viel geredet wird, sondern aus rein künstlerischen Gründen.[138]


* ›Vorwort‹ Zum Katalog ›Erster Deutscher Herbstsalon Berlin 1913‹ September 1913

Aus dem Katalog: ›Erster Deutscher Herbstsalon. Berlin 1913. DER STURM Leitung: Herwarth Walden‹, S. 9

Manuskript verschollen


  • Pferdchen, Entwurf zum Katalog des Ersten Deutschen Herbstsalons, 1913. Kreide, 12 × 15 cm. Blatt 4 des Skizzenbuches XXIX. München, Nachlaß
    Pferdchen, Entwurf zum Katalog des Ersten Deutschen Herbstsalons, 1913. Kreide, 12 × 15 cm. Blatt 4 des Skizzenbuches XXIX. München, Nachlaß

  • Der Turm der Blauen Pferde, 1913. Öl auf Leinwand, 200 × 130 cm. Ehemals Berlin, Nationalgalerie. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs verschollen. Katalog der Werke Nr. 210
    Der Turm der Blauen Pferde, 1913. Öl auf Leinwand, 200 × 130 cm. Ehemals Berlin, Nationalgalerie. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs verschollen. Katalog der Werke Nr. 210

  • Das arme Land Tirol, 1913. Öl auf Leinwand, 131,5 × 200 cm. New York, The Solomon R. Guggenheim Museum. Katalog der Werke Nr. 205
    Das arme Land Tirol, 1913. Öl auf Leinwand, 131,5 × 200 cm. New York, The Solomon R. Guggenheim Museum. Katalog der Werke Nr. 205

Quelle:
Franz Marc: Schriften. Köln: DuMont, 1978.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Gryphius, Andreas

Cardenio und Celinde

Cardenio und Celinde

Die keusche Olympia wendet sich ab von dem allzu ungestümen jungen Spanier Cardenio, der wiederum tröstet sich mit der leichter zu habenden Celinde, nachdem er ihren Liebhaber aus dem Wege räumt. Doch erträgt er nicht, dass Olympia auf Lysanders Werben eingeht und beschließt, sich an ihm zu rächen. Verhängnisvoll und leidenschaftlich kommt alles ganz anders. Ungewöhnlich für die Zeit läßt Gryphius Figuren niederen Standes auftreten und bedient sich einer eher volkstümlichen Sprache. »Cardenio und Celinde« sind in diesem Sinne Vorläufer des »bürgerlichen Trauerspiels«.

68 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantische Geschichten III. Sieben Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.

456 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon