Der Buchstabe Si.

[147] Vor bösem Blicke möge dir

Die schöne Wange Gott bewahren,


Denn ihm nur danke ich, Hafis.

Was jemals Gutes ich erfahren.


Komm, weil nunmehr die Zeit erschien

Wo Friede, Treu' und Freundschaft walten,


Da ich des Krieg's mit dir, Hafis,

Und jeden Streit's mich will enthalten.


Wenn jemals deines Herzens Blut

Getrunken mein Rubin, der kühne,


So nimm dafür von ihm, Hafis,

Ein Küsschen, als der Blutschuld Sühne.


Du und die Hoffnung auf Genuss,

Ihr wandelt zwei verschiedene Strassen:


Nicht jeder Bettlerhand, Hafis,

Gelingt es Ihn beim Saum zu fassen.


Sollst an der Götzen Haar und Maal

Das Herz zum zweiten Mal nicht knüpfen,


Wenn's einmal dir gelang, Hafis,

Den Unglücksbanden zu entschlüpfen.


Komm, sing' ein schönes Lied uns vor,

Zart, frisch und neu auch müss' es klingen,


Denn Freude schafft dein Vers, Hafis,

Und weiss den Kummer zu bezwingen.


Du trägst das Kleid der Gaukelei,

D'rum, Frömmler, ziehe hin in Frieden!


Du trank'st die Hefe »Schmerz« Hafis,

D'rum sei nun freundlich her beschieden!


Zur Morgenzeit, den Zechern gleich,

Sollst du aus Herz und Seele klagen,


Und zu derselben Zeit, Hafis,

Für mich ein Stossgebetlein sagen.

Quelle:
Diwan des großen lyrischen Dichters Hafis. 3 Bände, Wien 1858, Band 2, S. 145-147.
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