CLI.

[196] 1. Dein gesund mein freud du mein einiger trost,

wie offt hast du mich erlost,

du mein einiges blut.

Von dir wende ich nicht meine trew,

schöns lieb las dich es nicht gerewen.


2. Was du mir freundschafft hast gethan,

mein schöner diamant und höchste kron,

solchs ich alles vergleich.

Und was ich nicht bezahlen kan,

wöllest mich nicht entgelten lahn.


3. Kein mangel noch gebrechen weis ich an dir,

du bist meins hertzen höfflich zier,

ich weis dir keine gleich.

Von der scheitel bis auff die soln,

bist du schöns lieb gezieret wol.


4. Rosenfarb sind deine wengelein rot,

zierlich dich Gott geschaffen hat,

dein mündlein rosenfarb,

schwartz braun und klar sein die äuglein dein,

und leuchten wie der carfunckelstein.


5. Schneeweis dein kehl und wolgestalt,

in dir verendert sichs nicht bald,

bestendig ist dein gemüt.

Niemand dir das verendern kan,

du bist meins hertzen ein zierliche kron.


6. Selig ist der tag und auch die stund,

darin mir dein lieb erstlich war kund,

niemand scheid mich von dir,[196]

Denn der todt auff dieser erd,

der hoffnung sey von mir gewert.


7. Wend nicht von mir dein lieb das bit ich dich,

auff erd weis ich kein liebre denn dich,

mein trost erbarm dich mein.

So wird mein hertz in freuden gekert,

so du schöns lieb mir bist beschert.


8. Wart noch ein jar und auch nicht mehr,

wer weis wie sich das wetter verkehr,

dein sol unvergessen sein.

Geschicht das nicht so seis verlorn,

mein trew hab ich dir geschworn.


9. Viel sein die mich hassen thun,

vermeinen wol ich sol abelon,

ist alles des kleffers schuld,

Wo das geschech ich stirb vor leid,

las nit geschehen mein hertzliche freud.


10. Hab das von mir gedenck mein darbey,

du solt geniessen der trewe dein,

niemand mich abwenden kan.

Schenck dirs zu einer guten nacht,

das hab ich dir in der eyl gemacht.

Quelle:
[Anonym]: Das Ambraser Liederbuch vom Jahre 1582. Stuttgart 1845, S. 196-197.
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»Es giebet viel Leute/ welche die deutsche poesie so hoch erheben/ als ob sie nach allen stücken vollkommen wäre; Hingegen hat es auch andere/ welche sie gantz erniedrigen/ und nichts geschmacktes daran finden/ als die reimen. Beyde sind von ihren vorurtheilen sehr eingenommen. Denn wie sich die ersten um nichts bekümmern/ als was auff ihrem eignen miste gewachsen: Also verachten die andern alles/ was nicht seinen ursprung aus Franckreich hat. Summa: es gehet ihnen/ wie den kleidernarren/ deren etliche alles alte/die andern alles neue für zierlich halten; ungeachtet sie selbst nicht wissen/ was in einem oder dem andern gutes stecket.« B.N.

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