CCXXII.

Von dem orden der Landsknecht, wie sie den halten sollen.

[300] 1. Gott gnad dem edlen keyser also frommen,

Maximiliano, bey jm ist auffkommen,

ein orden, zeucht durch alle landt,

mit pfeiffen und mit trummen,

landßknecht sind sie genandt.


2. Fasten und beten lassen sie wol bleiben,

sie meinen pfaffen und mönch sollens treiben,[300]

die haben davon jre stifft,

das mancher frommer landßknecht,

im gartsegel umbschifft.


3. In wammes und halben hosen mus er umspringen,

schnee, regen, wind, acht er alles geringe,

er mus hart liegen für gute speis,

mancher der wolt gern schwitzen,

wenn jm möcht werden heis.


4. Also mus er sich in dem land umbkeren,

bis er hört krieg und feindschafft der herren,

darnach ist jm kein land zu weit,

darein laufft er mit ehren,

bis er hört guten bescheid.


5. Erstlichen mus er ein hübsche frawen haben,

darzu ein hund und ein jungen knaben,

wenn die fraw erfrewet den man,

der bub und hund sol spüren,

was in dem haus thut stan.


6. Also was brauch und gewonheit bey den alten,

also sol sich ein jeder kriegßman halten,

den würffel und karten ist jhr geschrey,

wo man hat guten weine,

da sollen sie sitzen bey.


7. Da sollen sie von stürmen und schlachten sagen,

als sie müssen warten nacht und tage,

darumb so thut jn lernens not,

wie man mit langen spiessen

processiones hat.


8. Wenn sie denn jr capittel wollen halten,

mit spiessen und helleparten sicht man walten,

zum fähnlein in die ordnung stan,

denn thut der hauptman sagen,

die feind wölln wir greiffen an.


9. Darnach hört man das geschütz gros und kleine,

her her schreien die brüder allgemeine,

so fecht sich an das ritterspiel,[301]

mit spiessen und helleparten,

sicht man der fechter viel.


10. Lerman lerman hört man die trummen sprechen,

darbey setzen sie jre alte rechte,

ein grüner heyd ist jhr richter buch,

darinn schreibt man die urtheil,

bis eim rindts blut in die schuch.


11. In dem orden find man gar seltzam knaben,

sie lauffen die stedt auff und springen uber die graben,

das mus man jetzund hagen acht,

wo der orden regieret,

da werden leer hoffstedt gemacht.


12. Wir kündtens denn ein hertern orden tragen,

sie haben kein ruh bis sie ein herren haben,

da leidens elend umb und grosse not,

bis sie den herren finden,

darbey bleib mancher todt.


13. Darnach hebt sich erst die klag der trewen frawen,

ein jede thut sich nach jhrem man umbschawen,

welcher der jr ist blieben todt,

vor schand darff sie nit lachen,

bis sie ein ander hat.


14. Darnach helffen sie einander das requiem singen,

spricht eine, junger man ich wils euch bringen,

so hat denn alte lieb ein end,

in der confessione,

wird ein newes regiment.


15. Ach habt jr jetzund von mir vernommen,

wie dieser orden von erst ist auffkommen,

und wie sie halten ein regiment,

das mancher auff grüner heyde

sein gesundes leben endt.


Quelle:
[Anonym]: Das Ambraser Liederbuch vom Jahre 1582. Stuttgart 1845, S. 300-302.
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