Cap. III.


Von mancherley Arten den Toback zu rauchen.

[46] Außer dem medicinischen Gebrauch hat dieses edle Kraut ferner seinen Nutzen / wenn man sich desselben auf eine angehme Art und Weise durch Rauchen zu seiner Gemüths-Vergnügung bedienen kan. Da wir nun von der ersten Art im vorhergehenden Capitel kürtzlich gehandelt haben; Als sind wir entschlossen /auch von der letztern hier etwas weniges zu gedencken / und zugleich einige merckwürdige Umstände mit anzuführen / welche man hie und da bey unterschiedenen Völckern im Rauchen des Tobacks observiret.

Das Rauchen der gedörrten Kräuter ist schon längst im Schwange gangen / daß auch [46] Dioscorides und Galenus davon Meldung thun / indem jener Lib. 3. cap. 117. von dem Tussilagine oder Brandlattich erwehnet / daß der Rauch der getrockneten Blätter den Husten und kurtzen Athem benehme / wenn sie nehmlich auf glimmende Kohlen geleget / und der Rauch davon durch Nasen und Mund zu sich gezogen würde. Ingleichen meldet Plinius Hist. Nat. Lib. 26. cap. 6. daß der Rauch von diesem Kraut / wenn er durch ein Rohr gezogen und hinunter geschlucket würde / den alten Husten heben solte. Wie denn nicht weniger Hr. Johann Joachim Becher in seiner Seelen-Weißheit gedencket / daß vor 150. Jahren unsere Vorfahren die Blätter vom Lattich an statt des Tobacks gerauchet haben. Da aber der Toback bekannt worden / und man seinen Nutzen so trefflich gespühret / sind solche Kräuter verworffen / und an deren statt dieses erwehlet worden.

Die Art und Weise / deren sich die meisten bedienen / ist diejenige / da man den Rauch durch ein gewisses Rohr oder Pfeiffe an sich ziehet. Dieser Gebrauch wird bey uns genennet Toback schmauchen /trincken oder rauchen / und hat solchen der erfahrne Englische Ritter Gvalter Raleghe in America erlernet / und nach seiner retour ungefehr um die Helffte[47] des 16. Seculi zuerst in Engelland eingeführet. Joh. Rajus Histor. Plant. Lib. 14. c. 2. Hieselbst hat man sogleich von zarter Töpffers-Erde anderthalb Spannen lange weisse Pfeiffen / forne mit einem hohlen Kopff / nach dem modell der Americanischen verfertiget / welche nette Englische Pfeiffen nach dem Bericht des Hrn. Thevenots in denen Augen gewisser Americanischer Völcker / die sich Ilinos nennen / so angesehen / daß man sie daselbst statt eines Heerolds-Stabs gebrauchet / auch bey Hochzeiten / Gastmahlen / Täntzen und andern öffentlichen Zusammenkünfften als etwas sonderbar schönes mit sich führet. Aus Engelland ist so wohl das Tobackrauchen / als die Art der Pfeiffen zu verfertigen in Holland bekannt worden; Und gleichwie vor diesem die Tobacks-Pfeiffen alle aus Holland kommen / und weit und breit verfahren worden / so findet man / daß die Holländer an Zoll und Steuer von Tobacks-Pfeiffen jährl. biß 50000. Florenen gehoben haben / vid. Klock. de ærario Lib. 1. cap. 14. n. 60. Nachdem aber die Teutschen die Handgriffe erlernet / Tobacks-Pfeiffen von eben der Länge / Zierlichkeit und Güte zu verfertigen / (wie denn absonderlich die Königsbrücker im Meissen bekannt sind) als dürffte wohl von besagter Summa des Zolls heutiges Tages ein ziemliches abgehen.[48]

Daß aber diese Art zu schmauchen einige incommodité bey sich führe / ist nicht zu läugnen / denn weil durch die Tobacks-Pfeiffen das fœtidum oleum narcoticum mit in den Mund gehet / verursachet er widrigen Geschmack / und macht dumm und schläffrich / weswegen D. Becher schreibet / wo man könte machen / daß das oleum fœtidum im trinckē sich davon scheidete / und der Toback an sich selbst nicht gemißbrauchet würde / so achte er ihn vor eine grosse Sache / und getraue er ihm mehr damit zu curiren /als mit einer halben Apothecken. Daher einige sich bemühet / dieses oleum durch gewisse Art abzusondern / als Barnerus Chym. rat. p. 334. eine gewisse Art Pfeiffen angiebet / da bey dem untersten Theile des Kopffs ein gewisses rundes und etwas weites Behältniß angemachet ist / darinnen der Kopff sich endiget / und unten in ein enges Loch zusammen gehet /damit im Rauchen das oleum an den Seiten herunter seige und wegtröpffele / das Sal volatile aber / als das leichteste / folget gerade dem Triebe und Zuge des Mundes; Wie man auch in denen Actis Nat. Cur. Dec. 2. ann. 8. obs. 27. findet / daß zu diesem Absehen Pfeiffen von Rohr und Holtz von Herrn D. Vicario zu Lauffenburg recommendiret / die man in der Mitten von einander schrauben kan / die Schraube aber selbst eine kleine[49] Höhle alß eine Kugel formiret / darein ein Schwämmgen gethan wird / so man entweder bloß ins Wasser / oder aber in Eßig tauchet / damit der Rauch / und vornehmlich der narcotische Schweffel corrigiret möchte werden / weil der Rauch durch die Löchergen des Schwammes durchgezogen wird / und bleibet fast alles oleum fœtidum in dem Schwamm zurücke / ist dahero lieblich zu rauchen / nur dieses incommodiret einige / daß man starck ziehen muß. vid. Thebes. Nachricht vom Toback Cap. 5. p. 56. 57.

Eine beqvemere und leichtere Art aber ist diejenige / welche Kircherus zu Rom bey dem berühmten Römischen Wund-Artzte / Joh. Trulla, gefunden / und folgende Beschaffenheit hat: Man nimmt ein vielförmiges Glaß mit Wasser oder andern Safft über die Helffte angefüllet. In den Halß der Flaschen wird eine Röhre gestecket / wie die Toback-Trincker zu gebrauchen pflegen / also daß sie durch das Wasser gehet und den Grund berühret. Hernach verstopffet oder vermachet man das Mund Loch der Flaschen oder Violen gar fleissig / daß die Lufft weder aus noch eindringen kan. Wenn solches geschehen / fasset man die Tobacks-Blätter in den Mund der Pfeiffen ein / und zündet ihn nach gewöhnlicher Art an /[50] zugleich setzet man die Lippen an das Flaschen-Röhrlein / so oben beym Halse der Violen hervor gehet / und zeucht die in der Flaschen begriffene Lufft an sich / alsdenn wird der Trincker sehen / wie der Rauch des angezündeten Tobacks von dem untersten Ende der Tobacks Röhren heraus bricht / mitten durch das Wasser empor steiget / dem Munde des Trinckers zueilet / und mit seiner trockenen Schärffe das Feuchte durchschneidet. Aus welcher Invention die Toback-Schmaucher Gelegenheit bekommen / ihren Rauch auf allerhand Weise zu veranmuthigen / denn wenn sie in die Flasche Wein oder wohlriechende Säffte giessen / und dadurch den Rauch an sich ziehen / wird er der Kehlen viel lieblicher seyn / und ihnen kein Tobacks-Gestanck ins Maul gehen. Ex Kircheri Libr. de Arte Magnet. P. II. cap. 3. Experim. 6. Er. Francisci Schau Bühne / P. II. p. 600.

Mit diesem kömmt fast der Innwohner in Suratte ihre Manier Toback zu rauchen überein. Sie nennen ihre Pfeiffen Gurgorri, und sind entweder von Glaß /oder auch von einer Cocos-Nußschale; die von Glase sind wie unsere Urin-Gläser / und stehen in einem höltzernen Fuß / oben her ist ein Röster drüber / und auf demselben Caschot, oder eine grosse Tobacks-Pfeiffe / welche sie allezeit mit Toback anfüllen /[51] der gantz feuchte und mit Zucker angemachet ist. Wenn sie rauchen wollen / muß allezeit eine glüende Kohle darauf liegen / hernach haben sie ein langes von Leder gemachtes Rohr / als wie die Türckischen Tobacks-Pfeiffen sind / welche man um den Leib nehmen kan /oder auch von Rottung / das in das Glaß / so voll Wasser ist / und wieder biß an die Pfeiffe gehet; Und wenn sie also rauchen / so ziehen sie den Rauch durch das Wasser / welches alsdenn ein Geräusche / dem Gurgur nicht unähnlich / verursachet / wovon es auch den Nahmen bekommen / und noch dazu machet / daß der übelschmeckende Rauch gantz im Wasser bleibet. Sie sind aber so hoffärtig mit diesem Gurgorri, daß sie solche mit Silber einfassen lassen / und wenn es ihnen beliebet / oder sie über die Gassen gehen / muß einer neben her gehen / der das Gurgorri träget /damit sie auch im Gehen damit rauchen können / in ihren Häusern aber haben sie eigene hierzu gemachte Tafeln / auf welchen dieses Tobacks-Instrument stehet. Langhans. Ost Indische Reise / p. 519.

Die Perser richten ebenfalls ihre Tobacks-Pfeiffen in eine mit Wasser gefüllete Flasche / und ziehen den im Wasser abgekühlten Rauch wieder an sich. Die Flasche ist bey ihnen von Glaß / wie eine Viol formiret / und hält ungefehr[52] 3. Pfund Wassers / darein giessen sie mehr nicht als etwan den dritten Theil oder ein wenig mehr / damit der Rauch Raum darinnen habe. Also muß durch eine Röhre der Toback ins Wasser / durch die andere aus dem Wasser in den Mund gehen. Besagte Röhre reichet fast biß an den Boden / und oben auf derselben ist das Gefäß mit dem Toback angefüllet. Erstgemeldter Röhren ist eine andere angefüget / dadurch der Rauch aus dem Wasser von dem Mund empfangen wird / dieselbe endet sich einen Daumen breit über dem Wasser. Oben um den Halß der Flaschen / unter dem mit Toback gefüllten Gefäß ist eine Schüssel / einer Spannen lang / die Funcken und Asche / oder was sonst von dem Gluth-Kasten fallen möchte / aufzufangen. Hierzu aber ist auch eine Schraube vonnöthen / die man oben in die Flaschen einwindet / damit keine Lufft in das Glaß /und kein Rauch heraus komme. vid. Francisci Schau-Bühne / P. II. p. 599. Behrs Ost Ind. Reise /p. 111. Der Perser Art Toback zu rauchen bedienen sich auch die Indianer zu Amadabad vid. Mandelslo Morgenländ. Reisebeschr. Lib. I. cap. 20.

Weil man auch bereits in Teutschland den Toback auf eine solche Art zu rauchen vesuchet / auch befunden / daß derselbe / indem er durchs[53] Wasser gehet /seine Schärffe verliehre / und diese Kühlung dem Munde sehr annehmlich vorkomme / hat man denselben an unterschiedenen Orten eingeführet. Denenjenigen aber / welche diese beqveme Art nicht geniessen können / giebet Thebesius in seiner offt angezogenen Nachricht vom Toback cap. 5. p. 57. den Rath /daß sie alsobald nach dem Gebrauch desselben entweder mit Wasser den Mund rein ausspühlen oder nur mit einem reinen Tuche die Zähne abreiben solten /damit nehmlich das grobe stinkende Oel von den Zähnen und Zahnfleisch / ingleichen von der Zunge abgespühlet und gewischet werde / damit nicht die Zähne davon angefressen / und dem üblen Geruch aus dem Munde abgeholffen werde.

Andere / welchen die Art und Weise den Toback durch ein mit Wasser gefülltes Glaß zu schmauchen unbekannt / gleichwohl aber denselben mit einiger Kühlung und Erleichterung zu rauchen getrachtet /haben sich auf ein ander expediens besonnen / indem sie sich zu dessen Gebrauch sehr lange Pfeiffen verfertigen lassen damit das oleum fœtidum nicht so leicht zu dem Munde kommen könne. Wie denn hierzu nicht unbeqvem sind die ziemlich langen (öffters von 2. biß 3. Ellen) mit Drath gewundene lederne Röhren / welche man als ein Wald-[54] Horn um die Hand wickeln und also halten / auch überall bey sich führen kan / an beyden Enden sind sie mit Holtz eingefasset / und so aptiret / daß man an einem den Kopff drauf stecken / an dem andern Ende ein Mund-Stücke appliciren kan. Ingleichen bedienen sich auch die Türcken und Chineser / und die Mauri in Africa sehr langer Pfeiffen / die aus vielen an einander geschobenen Röhrlein bestehen / welche man zerlegen /und denn bey sich tragen kan; haben einen Kopff vom Thon / welchen sie drauf stecken / und nach dem Rauchen wieder abnehmen.

Nicht weniger brauchen auch die Mohren auf der Gold-Küste Guinea zum Toback-Schmauchen sehr lange Pfeiffen von mehr als 6. Fuß / aus einem Schilff-Halm mit Leimen und Erden gemacht / darein sie 2. oder 3. Hand voll Toback stopffen / und ohne Absetzen mit gar geringer Mühe ausrauchen / zumahlen die Pfeiffe biß an die Erde reichet / folglich selbige zu halten nicht nöthig haben. Bosmanns Reise nach Guinea, p. 362. Und Eduard Brown, ein wohlgereiseter und berühmter Engelländer / versichert /daß die Türcken in denenjenigen Europäischen Ländern / durch welche er gereiset / zum Gebrauch des Tobacks viel kleine Säcklein an ihren Seiten trügen /daraus sie ihre Pfeiffen / die einer Ellen lang wären /fülleten. Diese[55] wären gemacht von einem harten Schilff-Rohr / und hätten an einem Ende einen Kopff von gebrannten Thon / sie legten das eine Ende von der Tobacks-Pfeiffen auf den Boden nieder / und das andere hielten sie in ihrem Munde. Sonst solte man von dieser Art wenig Widerwärtigkeit im Munde empfinden / weil die Pfeiffen sehr lang / und also auch sehr kühle wären. vid. Browns Reisen / Lib. II. Part. IV. cap. 7. p. 161.

Die Americaner observiren nicht alle einerley Manier im Tobackschmauchen; Denn etliche gebrauchen Pfeiffen / welche grün und roth sind / oder sie schmauchen auch aus grossen höltzernen / die wohl eines Armes lang / und innwendig gepicht / oben aber von Stein sind / die Feuers-Gluth darinnen zu behalten. Francisci Schau-Bühne / P. II. p. 602. Andere nehmen grosse Tobacks-Blätter / rollen sie zusammen / und bedienen sich derselben an statt der Tobacks-Pfeiffen. Wie denn Jeseph â Costa de procuranda Indorum Salute, Lib. 3. p. 329. gedencket / er habe in einer gewissen Insul bemercket / daß einige gemeine Mohren gewissen Toback klein stiessen / in ein zusammen gerolltes Blat fülleten / darnach durch die Nasen Löcher in sich schluckten / und sich also vollsöffen / dergleichen Rauch sie vor ihre gröste[56] Ergötzlichkeit hielten. Vielleicht ist dieses eben die Art /welche die Indianer auf der Americanischen Erd-Enge / Darien genannt / in Acht nehmen; Diese reissen von ihrem Toback / wenn er getrocknet und gesaubert ist /die gröbsten Stiele ab / nehmen darnach 2. oder 3. Blätter / und rollen sie in die Länge zusammen / lassen iedoch in der Mitten ein klein Loch. Nach diesem rollen sie ihrer noch mehr darüber gantz dichte / biß eine Rolle einer Hand dicke / und 2. biß 3. Fuß lang daraus wird. Wenn nun die Indianer beysammen sind / und Toback rauchen wollen / muß ein junger Knabe eine solche Rolle nehmen / und das eine Ende anzünden / biß es wie eine Kohle glühet / das übrige Stücke wird mit Wasser naß gemacht / daß es nicht so bald verbrenne. Wenn dieses geschehen / stecket der Knabe dieses Ende ins Maul / und bläset einem jedweden / wenn ihrer auch zwey biß dreyhundert wären / den Rauch in die Nase. Da sitzen nun die Herren Indianer nach ihrer Landes-Gewohnheit auf Bäncken /und halten ihre Hände um die Nase herum / als wenn sie eine rechte Röhre damit machen wolten / dieses herrliche Rauchwerck dadurch zu empfangen. Solchergestalt schlucken sie die längste Zeit / und ziehen den Toback so starck an sich / daß / wer sie siehet /glauben muß / sie halten sich vor[57] sehr glückseelig /wenn sie so sitzen / und sich mit diesem Zeitvertreib erqvicken können. Dampiers Reise um die Welt / P. III. p. 299.

Fast eben dergleichen Umstände hat man bey dem Toback-Schmauchen der Javaner in Ost-Indien / und der Singulesen (welches eine gewisse Nation, die von Negombo über Colombo, Galtare biß nach Gala wohnen) bemercket. Von denen erstern meldet Behr in seiner Ost-Ind. Reise p. 32. nachfolgendes: Die Javaner haben bey dem Gebrauch des Tobacks keine Pfeiffen / wie wir / sondern nur ein dünnes Blat /so sie einen Puncks heissen / in welches sie so viel / als ihnen beliebet / zu wickeln / und so dann in den Mund zu nehmen und anzuzünden gewohnet sind. Und von denen letztern finden wir in Schweitzers Ost. Indisch. Reise p. 48. folgende Nachricht: Die Singulesen trincken Toback nicht mit Pfeiffen / sondern in einem dürren Stücklein Laub zusammen gewickelt.

Ein seltsamer Gebrauch ist es auch / welchen die Chineser in der Ost-Indischen Haupt-Stadt Batavia im Toback-Schmauchen in Acht nehmen: Sie haben eine gewisse Art Tobacks / welcher ins gelbe wie gantzer Saffran siehet / ist subtil wie ein Haar geschnitten / und mit Amphioen angemachet; Von diesem nehmen[58] sie ein klein wenig / rollen ein Kügelein /etwa wie eine grosse Erbse / zusammen / und stopffen solches in ihre Pfeiffe / fassen darauf Wasser / und zugleich die Pfeiffe in den Mund / zünden den Toback an / und ziehen so lange / biß sie urtheilen / daß der Toback verbrannt / alsdenn lassen sie das Wasser samt dem zu sich gezogenen Rauch aus dem Munde /und spielen selbigen mit frischen Wasser wieder aus. Vogels Ost Ind. Reise-Beschr. p. 111.

Ob gleich die Hottentoten ein dermassen barbarisches Volck / daß man sie kaum vor Menschen zu achten / ist doch ihre sonderbare Eintracht und Ordnung / welche sie im Gebrauch des Toback-schmauchens observiren / allerdings zu loben. Diese kommen bißweilen ihrer zwölffe biß zwantzig zusammen / und setzen sich hinten auf die Fersen / ohne mit etwas mehrern die Erde zu berühren. Wenn sie nun so in einem Circkel sitzen / lassen sie eine Pfeiffe Toback herum gehen / die einer dem andern giebt / iedweder aber nur einen Mund voll nimmt / biß sie aus ist. Ungeachtet nun der Toback ihr allerbestes ist / dergestalt / daß sie alles in der Welt thun / um etwas Toback zu erlangen / so hat man doch niemahls gesehen / daß diese ihre Eintracht durch einigen Zanck wäre gestöret worden. Leguats Reisen P. II. p. 385.[59]

Wenn die Ostiacken / eine an Siberien stossende Heydnische Nation, Toback rauchen wollen / nehmen sie erstlich den Mund voll Wasser / alsdenn schlucken sie auf einmahl den Tobacks Rauch mit dem Wasser in sich / und wenn sie früh Morgens die erste Pfeiffe anfangen zu rauchen / so benimmt ihnen der Tobacks-Rauch / welchen sie in sich schlucken / die Lufft / so daß sie niederfallen / und eine Zeit lang liegen bleiben / als wenn sie die fallende Kranckheit oder das Unglück hätten / nachmahls aber kommen sie wider zu sich selbst. Auch haben sie durchgehends die Gewohnheit / nicht stehend / sondern sitzend zu rauchen. vide Brands Chines. Reise p. 73.

Eine recht wunderbare Art Toback zu rauchen / hat der Engelländische Gesandte / Graff von Carlile Anno 1663. bey denen Moscowitern observiret. Wir wollen denjenigen / der die Beschreibung dieser Gesandschafft in den Druck gegeben / selbst anhören. Er saget aber Cap. 4. p. 75. also: Die Moscowiter rauchen den Toback auf eine so abgeschmackte manier, daß ich gantz außer mir selbsten war / als ich sahe /wie sie damit umgiengen. An statt der Pfeiffen brauchten sie ein Horn von einem Ochsen / mitten in solchen war ein kleines Loch / in welches sie ein etwas weites Geschirr setzten / so zum[60] wenigsten 2. Pfeiffen Toback begreiffen mochte. Dieses Horn fülleten sie mit Wasser / um den Tobacks-Rauch in etwas zu versüssen / darauf zündeten sie den Toback mit einem Brand aus dem Feuer überall an / und durfften mehr nicht / denn 2. oder 3. mahl ziehen / so war er dahin / und hatten ihn verthan / wodurch sie denn einen so dicken Rauch erregten / daß solcher wie eine Wolcke / also zu reden / aufzog / und ihr gantzes Gesichte umnebelte. Ich habe einen / (fährt er fort) nach den andern wohl 5. biß 6. mahl also Toback trincken sehen / wenn nun der eine sein Theil ausgerauchet hatte / übergab er sein Horn dem andern / und fiel darauf zur Erden nieder / nicht anders als ob er todt wäre. In welchem Zustand ein ieder unter ihnen eine halbe Virtel-Stunde lang verblieb / gantz unbeweg- und unempfindlich / was man auch mit ihnen vornehmen mochte / so lange der Toback seine Wirckung thäte. Hernachmahls stunden sie auf gantz frisch und frölich / und fingen an den Toback heraus zustreichen / sagend / es sey nichts auf der Welt / so das Gehirn besser reinige als derselbe. So weit gemeldte Beschreibung. Es kömmt die barbarische Manier mit der Moscowiter damahligen Lebens Art ziemlich über ein; Nachdem aber Ihro ietzt regierende Czarische Majestät Peter Alexowitz viele närrische[61] und seltsame Gebräuche bey dero Unterthanen ausgemustert / als ist zu vermuthen / es werden sich die Moskowiter vor ietzt auch in dem Gebrauch des Tobacks nach andern Europäischen Nationen accommodiren.

Die allerleichteste und beqvemeste Art Toback zu rauchen mag wohl dieienige seyn / da man weder Toback / Pfeiffe / Feuer noch Gluth darzu brauchet. Diese Art ist denen Indianischen Fischern sehr wohl bekannt; Denn sie wissen den Rauch des Tobacks so geschwind in ein langes und grosses Rohr zu verschliessen / daß sie nachmahls ohne Feuer und Gluth /die ihnen im Fischen beschwerlich ist / so viel davon nehmen können / als ihnen beliebet. vid. Francisci Schau-Bühne P. II. p. 602.

Zum Beschluß dieses Capitels wollen wir annoch ein wohl ausgearbeitetes Rätzel anführen / in welchem alle diejenigen Umstände / so man im Rauchen des Tobacks observiret / enthalten sind. Es lautet aber selbiges in des Wagenseilii Pera juvenili Vol. 1. p. 827. folgender massen:


Non bibor & bibor, & populo sum baustus & haud sum,

Mandor ab occidurs, nec tamen esca fui.

Cum bibor, ipsa sitis crescit, sum victima vulgi.

Torqveor, incidor, torreor, uror idem.

Consedere viri, & conspecto munere Divum

Qvælibet exitio est dextra reperta meo.[62]

Pars in frusta secant, pars igni humentia siccant

Corpora, pars flammas admovet, atqve faces,

Otia qui fugiunt, in nobis otia perdunt,

Es magna peragunt sedulitate nihil.

Qvo capior, perdor: quo claudor, pellor ab ore,

Nostraque mox difflat fercula, quisquis amat.

Quæ mihi quæ mitidos aperis, matrona, penates,

Præmia tam elari spretá laboris habe.

Quelle:
Das beliebte und gelobte Kräutlein Toback oder Allerhand auserlesene Historische Merckwürdigkeiten. Chemnitz 1719, [Nachdruck Leipzig 1971], S. 46-63.
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