[56]

Von einem Versammleten Kriegßheer wider den Freyherrn, so Doctor Faustus an deß Keysers Hoff ein Hirschgewicht auff den Kopff gezaubert hatte, in seinem 19. Jar.

[106] Doctor Faustus reyset gen Eißleben, als er nu halben weg gereyset, sihet er vngefehr 7. Pferd daher stutzen, den Herrn kennt er, daß es der Graff war, dem er, wie obgemeldt, an deß Keysers Hoff ein Hirschgewicht auff die Stirne gezaubert hatte. Der Herr kannte Doct. Faustum auch gar wol, derhalben er seine Knecht ließ still halten, das Faustus bald merckete, vnd sich deßwegen auff eine höhe thäte. Als solchs der Freyherr sahe, ließ er auff jn dar rennen, mit befehl, kecklich vff jn zu schiessen, derhalben sie desto besser darauff truckten jn zu erreichen. Er ward aber bald widerumb auß jhrem Gesichte verloren, denn er sich vnsichtbar gemacht. Der Freyherr liesse auff der Höhe stille halten, ob er jn wider in das Gesicht bringen köndte, da hörten sie vnten am Walde ein groß Pfeiffen mit Posaunen, Trometen, Trummeln vnnd Heerpaucken, blasen vnd schlagen, sahe auch etliche 100. Pferde auff jhn streiffen, er aber gab das Fersengelt. Als er nun neben dem Berge hin wolt, stundt ein groß Kriegßvolck im Harnisch, so auff jn dar wolte, da wandte er sich auff einen andern Weg, bald sahe er gleichsfalls viel Reysiger Pferde, derhalben er sich abermals auff einander seyten begeben muste. Da er widerumb, wie zuvor eine Schlachtordnung sahe, daß jhme also dieses einmal oder fünff begegnete, so offt er sich an einander ort hat gewandt. Als er nun sahe, daß er niergendt hinauß kundte, doch sahe, daß man auff jn streiffte, rennet er in das Heer hineyn, was Gefahr jhm gleich darauß entstehen möchte, vnd fragte, was die Vrsach seye, daß man jn allenthalben vmbgeben habe, oder auff jhn streiffe, aber niemand wolte jm antwort geben, biß endtlich D. Faustus hinfür zu jm ritt, da der Freyherr alsbald vmbgeschlossen[106] ward, vnd jm fürhielt, er solte sich gefangen geben, wo nicht, werde man mit jhme nach der schärpffe fahren. Der Freyherr vermeynte nit anders, denn es were ein Mannschafft oder natürlich Fůrhaben einer Schlacht, so es doch eine Zauberey deß Fausti war. Darauff fordert D. Faustus die Büchsen vnd schwerter von jnen, nam jnen die Gäul vnd führete jnen ander qezauverte Gäul, Büchsen vnd Schwerter dar, vnnd sprach zum Freyherrn, der den Faustum nicht mehr kennet: Mein Herr, es hat mir der Oberst in diesem Heer befohlen, euch anzuzeigen, daß jr dißmal solt also hin ziehen, dieweil jr auff einen gestreifft, der bey dem Obersten vmb Hülff angesucht. Als nun der Freyherr in die Herberg kam, vnd seine Knechte die pferde zur träncke ritten, da verschwunden die Pferde alle, vnd waren die Knecht schier ertruncken, musten also widervmb zu Fuß heym reitten. Der Freyher sahe die Knecht daher ziehen, die alle besudelt, vnd naß waren, auch zu Fuß giengen, als er die vrsach erfahren, schloß er alsbald, daß es D. Fausti Zauberey war, wie er jm auch zuvor gethan hatte, vnd jm solchs alles zu hohn vnd spott geschehen were.64

Quelle:
Historia von D. Johann Fausten. In: Das Volksbuch vom Doctor Faust. Halle a.d.S. 21911, S. 106-107.
Lizenz:
Kategorien: