LVII. Der listige Narr.

[109] In dem heraus gegebenen Element Marot ist dieses nebenst vielen lustigen Dingen auch zu finden / welches künfftiger Zeit den liehabenden besser wird mit getheilet werden / unter einem Titul des Marotens Geburth / Leben und Todt: Als vorgenanter Marot einen reichen Kauffmann bey König Heinrich sahe / welcher sonder zweiffel umb seines Geldes halben beym König in grossen Gnaden / gedachte er / köntestu mehr Gnad beym König erwerben / du soltest auch ein Kauffmann werden / gieng derhalben zum Könige / und sagte / Sire / ich will ein Kauffmann werden /leihet mir 1000 Cronen / der[109] König sagte Marott /womit wilstu handeln / es giebt ja Kauffleute genug in Franckreich; Marott sagte / Sire gebet mir 1000 Cronen / bin ich kein Kauffmann in Franckreich / so bin ich ein Kauffmann in Italien / Spanien / Engeland /Teutschland / oder wo ich sonsten hinkomme. Der König ließ ihm 1000 Cronen geben / damit reisete er nach den prinsipalisten Städten nacher Italien / und wo er hin kam losirte er in die besten Herbergen / da wenig Kauffmannschafft zu thun war / sondern nur lauter Geld zu verzehren / gedachte hiermit auf ein ander Kaufmannschafft / er war freygebig in bezahlen / wann er wieder wegreisete fragte er den Wirth / habe ich alles bezahlt / wann dann der Wirth ja sagte / so sagte er: Herr / wann ich wieder zurück komme und sitze bey andern / so sollet ihr mich zu keiner Rechnung fodern / da habt ihr so viel im Vorrath / und wann ihr das Geld einfodert / und die Reye an mich kombt / so ist dieses meine Losung daß ich bezahlt /ich nehme meinen Hut ab: und spreche: Hut bezahle den Wirth. Ihr müsset dann antworten: Der Herr soll bedancket seyn. Und wan gefragt wird / wie daß zu gehet / so sagt nicht / daß ich zuvor bezahlt habe: dieses befahl er auff der gantzen Reise den Wirthen / wo er losirte blieb alles guth. Er kam nacher Rom / da fand er zwey fürnehme Herren / die bekamen einen grossen Wechsel / die wolten sie zu ihrer Reyse gebrauchen / welche des Königs Hoff in Franckreich gerne sehen wolten / umb sich eine Zeitlang alda auffzuhalten / diese Herren fragten nach einem / der die Sprache und des Landes kündig war / wurden hiemit bey Marotten gebracht / sprachen ihn auch an / ob er die Sprache und des Landes kündig wäre? Marott sagte / ja / da bahten sie ihn / ob er nicht mit ihnen reisen wolte nacher[110] Pariß / sie wolten ihn Kostfrey halten / nein / liebe Herren sagte Marot / Kostfrey zu halten in solchen Logementern als die Herren einkehren / daß kostet zu viel / und ich habe es nicht nöhtig /wie es die Herren auff der Reyse sehen werden / ich muß doch des Orthes hin / so wil ich ihnen einen Reiß-Gefährten geben / wurden hiermit eins / und reiseten forth / und wenn sie zur Herberge kamen / sagte Marot: Mess. hie ist guth seyn / führte sie allemahl zu den Herberge da er gewesen war / welche auch für solche Herren nicht uneben waren / sie kamen in eine statliche Herberge / und hielten Mahlzeit / nach verrichteter Mahlzeit foderten sie die Rechnung / der Wirth kahm und brachte die Rechnung / die beyden Herren bezahlten / und wie die Reyge an Marott kam /sagte er / da Hut / bezahle den Wirth / griff hiermit an seinen Hut. Der Wirth sagte / der Herr soll bedanckt seyn. Wie sie weiter reiseten / brachte er sie in die Haupt-Städte allenthalben in seine vorige Wirts-Heuser / da sie allenthalben stattlich tractirt würden aber für viel Geld / und wann die Reyge an Marotten kam /sagte er immer: Da Hut bezahle den Wirth. Worauff ihm zur Antwort würde: Der Herr sol bedanckt seyn. Die Herren verwunderten sich umb Marotten / wusten aber nicht / daß er vorhin auff der hinreyse schon voraus gezahlet / und dieses alles also abgeredet hatte. Sie kahmen ein mahl in ein Wirths-Hauß / alwo sie nicht weit mehr von Paris waren / da fieng Marott wieder an: Da Hut bezahle den Wirth. Die Herren wurden lustig / weil die Reise so weit abgelegt / genossen einen guthen Trunck Wein / fragten auch daneben Marotten / wie es doch käme / daß alle Wirthe unterwegens von ihnen so viel Geld genommen / und wann das Zahlen an ihm kommen / hätte[111] er nur gesagt / da Hut bezahle den Wirth / womit sie friedlich gewesen. Marott antwortet / Mons. es ist mit meinem Hut nicht wie ihr meinet: Wie dann fragten die Herren / ist er etwan anders als unser Hute? Ja freylich sagte Marott / der Hut kostet mir ein grosses Geld / und so lang ich den trage / darff ich in keinem Wirts-Hause Geld geben / die Herren fragten / wie daß zugienge /da erzehlte ihnen Marott / daß ein fürtreflicher Meister selben gemachet / und sonderliche Caracters hinein gethan / daß kein Wirth von demselben Geld foderte / der diesen Hut trüge / die beyden jungen Herren besprachen sich zu sammen / weil sie noch viel fremde Herschafften zu besuchen hätten / sie wolten Marotten den Hut abkauffen / fragten ihn derhalben: Wie hoch er den Hut schätzet? Marott sagte / der Meister der ihn gemacht / ist Todt / und ich kan solchen Hut nicht wieder bekommen / ich habe sonsten noch einen von selbiger Arth machen lassen / ob derselbe die Wirckung auch an sich hat / weiß ich noch nicht / weil er von mir nicht probirt ist. Die Hn. hielten ferner an umb diesen Hut / sie wolten ihm geben /was er begehrte / wollan Monsieurs sprach er: ich will ihn zwar verkauffen / aber er muß nun noch auß dieser Herberge helffen. Dieses wahren sie friedlich / wie sie nun bezahlten / sagte Marott: Hut bezahle den Wirth / der Wirth sprach: Der Herr soll bedancket seyn. Da fragten sie / wie theuer der Hut wäre / er sagte / 1000 Cronen und nichts weniger / wollan die sollet ihr von uns in Paris empfangen / antworteten die Herren / so bald wir die Wechsel bekommen. Marott war friedlich: Wie sie nun da kamen / gedachten die Herren mehr an den Hut / als an ihre Wechsel /nahmen ihn mit seinem Hut heim / und bezahlten ihm mit guten Contentement. Marott[112] gieng mit Freuden zum König / sagte Sire / da habt ihr 1000 Cronen /die seynd euer / wollet ihr noch ein 1000 oder was dazu haben / ich will sie euch leihen? Der König fragte: Marott / womit hastu sie gewonnen? ich habe meinen Hut verkauffet Siere / damit habe ich es gewonnen / nun so behalte sie / sagte der König. Die vorgenandte Herren besahen den Hoff / wurden Marotten beym König gewahr / zehreten auff ihren Hut / den sie theuer gekaufft / lustig fort / wie sie nun weiter wollen / fragten sie umb Rechenung. Der Wirth brachte sie /der eine Herr nahm den Hut ab / und rieff Marottens Worte / aber es folgte kein Danck / er gab ihn den anderm / ob er besser Glück hette / sie forderten noch eines Rechnung / der Wirth brachte sie wieder / der ander täht es dem vorigen nach / aber es gieng ihm eben als dem vorigen / sonder Danck musten sie abziehen / sie hielten Rath / wie ihm zu thun / ihr Geld war verzehrt / Marott hatte davon das beste / und des Huts Glück war Todt / sie wurden eins / und giengen zum König / beklagten sich wieder Marotten / wie er sie betrogen / und nun hetten sie kein Geld / die Leute zu bezahlen / viel weniger zu reisen / bahten ihre Majst. möchten ihnen behülflich sein / daß sie zu dem ihrigen kämen / daß sie mit Ehren könten fortkommen. Der König hörte wo es hinaus wolte / befahl den Herren 1000 Cronen aus seinem Schatze zugeben /schüttelte den Kopff / und sagte: Ja ja / Marott hat woll gekauffschlaget.

Quelle:
Schau-Platz der Betrieger: Entworffen in vielen List- und Lustigen Welt-Händeln [...]. Hamburg, Frankfurt am Main, 1687, S. 109-113.
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