[692] Der König von Tyro / mein herrvatter / zeugte mit der Königin / meiner fraumutter / die des Oxiartes Königs von Bactra tochter war / drei kinder / den unglücklichen Merotas / mich und die Zoroastra / meine jüngere schwester. Unserer fraumutter tod stürzte uns in dieses erste unglück / daß auf unsere erziehung nicht zum båsten acht gegeben wurde. Solches aber änderte sich nachgehends / als der K \nig zur andern heurat schritte / und die Delbois von Assyrien / die witwe des Königs von Elam / zur ehe name / die uns in allen tugenden fürleuchtete / also daß ihr nicht beizumessen gewesen / was etwan Merotas oder wir beide nicht haben annemen wollen. Welcher gestalt unser bruder in Canaan ümgekommen / solches kan E. Maj. nicht unbekant seyn: und kame uns dadurch die hoffnung zu / auf das Bactrianische reich zu gedenken / weil der Oxiartes / unser grosherrvatter / keine s \hne hatte /auch meine schwester und ich seine nächste unverwandten waren: daher die / so üm uns waren / unsern hohen geist immer damit aufbliesen / daß der thron von Bactra unser wartete / und in unserer wahl stehen wůrde / selbigem reich dermaleins einen K \nig zu geben.
[693] Dieses erwekte auch nicht allein zwischen der Zoroastra und mir eine eifersucht / sondern wir wurden auch dadurch angetrieben / iede ihr einen zu erkiesen /der unsere ansprüche m \chte behaubten können. Unserer stieffraumutter sohn / der junge K \nig von Elam / und der Hadoran / ietziger K \nig dieses reiches und in Moab / waren die jenigen / die wir also gedachten glückseelig zu machen. Wie wir aber in dieser wahl uns betrogen fanden / indem ihnen die hoffnung zum reiche Bactra nicht so lieb ware / daß sie üm des willen unsere personen solten erkieset haben / kame eben der Jebus / damaliger Prinz von Jericho / an unsren hof / und an mir etwas findend / das der Amraphel nicht sehen k \nnen / finge er an / mich zu bedienen /und erwiese mir auf so vielerlei art seine ergebenste liebe / daß ich zum wenigsten mich nicht entbrechen kunte / ihm dafür wol zu wollen. Aus diesem gut-seyn entstunde endlich eine gegenliebe / die mich des Amraphel vergessen machte. Und weil des Jebus zustand erforderte / daß wir hiermit sehr geheim leben musten / als merkte niemand zu Tyro / was wir einander verheisen hatten: bis daß dieser / als er bald darauf / nach seines herrvattern ableiben / K \nig wurde / selber damit herfůr brache und es unter die leute kommen ließe. Dieses verursachte / daß der K \nig von Hazor /der ihm seiner tochter kind / die Fůrstin Mehetabeel /zu-freien wolte / aufstůtzig wurde / und ihme die hoffnung zu dem thron von Hazor deswegen gänzlich entzoge. Weil nun ein solcher verlust den Jebus nicht wenig schmerzte / als spůrte ich einige kaltsinnigkeit an ihme / wie er hierauf nach Tyro wieder kame / uns zu besuchen: und kunte meine beständige gegenliebe ihn nicht also erquicken / daß ihme deswegen der verdrus vergangen wåre / die ihn bei allem seinem [694] thun begleitete. Die hoffnung / welche ich ihm zu dem Bactrianischen reich machte / das viel herlicher und höher zu schätzen / als die kron von Hazor / vermochte ihn nicht zu vergnůgen: weil damals der schwere krieg zwischen meinem grosherrvatter und dem K \nig von Assyrien anginge / der / aller vermutung nach /wie es auch erfolget / für die Bactrianer übel ausschlagen / und ihme also / gegen einem so gewaltigen Monarchen etwas anzufahen / keine hoffnung übrig lassen konte. Hierůber entstunde nun zwischen uns mancher streit / der doch allemal wieder beigelegt wurde. Dieses wärete so hin / bis der Prinz von Sidon nach Tyro kame / und sich bei uns ein zeitlang auf hielte. Solches geschahe eben üm die zeit / als unsere stieffraumutter nach Damasco zu E. Maj. reisete / und kurz hernach der schwere handel zu Sidon fůrginge /da die Prinzessin Orosmada diesem Prinzen und der K \nigin Naema eine blutschande beimasse / und solche nicht beweisen können: weswegen er sich vom Sidonischen hof entfernen muste / damit sich das geschwätze unter den leuten verlieren möchte. Er wurde so wol wegen seiner guten geschicklichkeit / als weil er uns so nahe befreundet / und nun unschuldig erkant war / von dem König meinem herrvattern wol entfangen / und thåte er sich dermassen zu / daß er wie ein sohn bei uns gehalten wurde / und der K \nig nichts mehr verlangte / als daß er / eine von uns beiden / ihm zu-heuraten / und also eine tochter K \nigin von Sidon sehen m \chte. Er stellte sich auch also gegen uns an /daß Zoroastra neben mir sich von ihme geliebt glauben muste.
Weil hierbei meiner schwester hoffnung gr \sser war / als die meinige / da sie noch frei / ich aber von dem König zu Jericho so lang war bedienet worden /als eignete [695] sie ihr den Prinzen von Sidon gänzlich zu /und finge an zu beeifern / daß ich mit ihm ümginge: welches sie dan auf alle weise und wege zu hintern suchte / auch öfters / wan der Prinz bei ihr ware / ihm verbote / mich heim zu suchen. Weil er aber sie so wenig / als mich meinete / kehrte er sich nicht an dieses verbot / sondern wartete mir ja so fleissig auf / als ihr. Was ihme meine gesellschaft beliebiger machte /ware diß / daß ich nicht also / wie meine schwester /mit ihm zankte / und weniger eiferhsucht erwiese. Wiewol er auch damit der Zoroastra sich zuwider machte / so wuste er sie doch allemal wieder zu begůten / daß sie nicht lang zůrnen kunte. Also fürete er nit uns ein vergnügtes leben / indem er uns stimmete wie er nur wolte / und uns also befande / daß wir alles ihm zu-glaubten. Daher ließe ich mich nun gänzlich überreden / daß er mich liebte / und hielte / was er gegen meiner schwester thåte / nur für ein angestelltes wesen. Meiner schwester ginge es eben also / und machte diese ihre gute einbildung / daß sie weniger /als zuvor / über nich eiferte / und wol geschehen lassen kunte / daß ich mit ihm / als meinem schwager /ümginge. Wiewol ich nur glaubte / daß er diesen namen bei mir nicht zu fůren begehrte / so kunte ich mich doch anfänglich nicht bequemen / seine liebe also anzunemen / daß ich darüm dem Jebus den kauf aufgesagt håtte / sondern hielte noch immer beständig an denselben. Doch muß ich gestehen / daß mir die schmeichlerische worte des Sidons wol gefielen: zumal ich sahe / daß diese heurat viel vorteilhafter /als die andere / für mich seyn würde / er auch mir mehrhöfliche liebkosungen erwiese / als der König von Jericho iemals gethan hatte.
Es wolte aber mein unglůck / daß eben ům selbige zeit der Jebus nach Tyro kame / und also selbst mit ansehen [696] muste / wie mich der Prinz Sidon bediente: worůber er dan åuserst eifersüchtig wurde. Und diesem unwesen zu steuren / davon er den erfolg fůrchtete / machte er / wider meinen willen / am hofe laut und ruchtbar / daß ich mich mit ihm versprochen hatte. Bei uns ware bisher diese liebe noch heimlich /und sonderlich meinem herrvattern verborgen gewesen / ob sie gleich in Canaan schon überall kund worden: und weil ich wol wuste / wie der K \nig von Tyro den Jebus nicht sonders wol wolte / als ginge es mir sehr nahe / daß diese unbesonnenheit des K \nigs von Jericho mir an der gnade meines herrvatteren schädlich seyn solte. Wie ich besorget / also erginge es auch / und hatte mein herrvatter nicht sobald durch seine höflinge ihm dieses vorbringen lassen / da muste ich zu ihm kommen / üm deswegen einen starken verweis anzuhören. Er eröffnete mir dabei / wiedaß er nimmermehr seinen willen hierzu geben wolte: weswegen ich mich überwinden / und den Prinzen von Sidon lieben müste / wan ich / nach als vor /seine liebste tochter verbleiben / und seinen vatter segen hoffen wolte. Man lässet sich leicht überreden /wan man selbst zu einer sache geneigt ist: daher thåte ich auch / wie eine gehorsame tochter / und verhieße dem K \nig / seinen willen in allem nachzuleben.
Als ich / von meinem herrvattern abgieng / fande ich den K \nig von Jericho vor dem gemach / der mir die hand bote / mich nach meinem zimmer zu füren. Ich sagte ihm / was massen seine offenhertzigkeit / so wol zu Tyro / als zu Hazor / ihme geschadet / und dorten die anwartung des königsreichs / hier aber meine person / geraubet hätte / das er demnach ihm selber beimessen möchte. Er wurde ganz bestůrzt /mich also reden zu hören: und ob es mich wol im herzen schmerzte / daß ich [697] ihm also begegnen müssen /so bliebe ich doch bei meiner entschließung / seiner zu vergessen / und dem Sidon mich zu ergeben. Demnach meine grausamkeit noch weiter erstreckend /ließe ich ihn stehen / und ginge in mein cabinet / zu ihm sagend: Gute nacht / K \nig von Jericho! heut habt ihr mich zum lezten mal die eure gesehen. Meine leute haben mir nachdem gesaget / daß er sich sehr übel gebårdet: wie er dan gleich darauf von Tyro hinweg gereiset / sonder von einigem menschen abschied zu nemen.
Weil der Prinz von Sidon unsere liebe auch vernommen / als unterließe er nicht / mit mir zu scherzen / daß ich fůr ihm so geheim seyn k \nnen / und sezte seufzend hinzu: wiedaß er die gaben nicht hätte /wann er liebte / solches also zu verbergen. Wie nun hierauf ein wort das andre gabe / merkte er gnugsam /daß ich seiner liebe glaubte / und erwiese sich darüber so vergnůgt / als jemals ein liebhaber håtte seyn k \nnen. Zoroastra / die nicht am lezten den verlauf von allen diesen dingen erfahren / wolte schier verzweiflen / daß sie von dem Sidon sich also auffüren lassen: und verwiese sie es ihm sehr / als er nachdem zu ihr kame / seiner gewonheit nach sie zu besuchen. Weil er die kunst / sich zu verstellen / meisterlich gelernet / schwazte er der Zoroastra so viel fůr / daß sie ihm von neuen glaubte / und sich bereden ließe / er müste dem König das nur zu gefallen thun / daß er mich bediente / da doch sein herz sie allein verehrte. Hiermit bewegte er diese armselige / daß sie an die K \nigin Naema nach Sidon schriebe / und ihr vertraute / wie es mit ihr und dem Prinzen stůnde. Diese antwortete meiner schwester hinwieder auf das verbůndlichste / wie lieb ihr diese schwiegertochter seyn solte / und legte einen nebenbrief an den Prinzen mit ein /darinn sie ihn [698] vermanete / in seiner liebe ja beständig zu verbleiben.
Inzwischen sie heimlich solchen brief-wechsel trieben / schriebe der K \nig mein herrvatter dem König Siphon / seinem bruder / und thåte ihm zu wissen /daß ich fůr seinen sohn bestimt wåre. Er brachte damit zu wege / daß der König von Sidon mir \fters schriebe / und seine freude ůber dieser verbindung mir bezeugte: darneben seinen sohn vermanend / hiermit fort zu fahren / und dadurch aller welt seine unschuld / wegen der Königin / noch beglaubter zu machen. Weil aber dieses dem Sidon kein ernst war / als ůberredte er mich / wie ich wenig gute tage bei seiner stiefmutter haben würde / wann ich zu Sidon wonen solte: daher er bemühet wäre / die stadt Biblis zu seiner hofhaltung zu erlangen. Und wiewol sein herrvatter ungern daran kåme / ihm etwas eigenes bei seinen lebzeiten einzuraumen / so hoffete er iedoch / solches bei ihm auszuwirken. Ich ließe mir alles gefallen / und lobte diese seine gute fürsorge / dadurch meine kůnftige ruhe gef \rdert würde.
Wie ich nun also vergnügt lebte / geriete Zoroastra ungefår über des Prinzen geheimnise / die ihr alles entdeckten / wie er mich und sie betrogen hatte: das dann also zuginge. Sie beide hatten immer ihre heimliche zusammenkünfte / so gar / daß sie / ům nicht entdeckt zu werden / \fters zu ihme in sein zimmer kame / wann sie wuste / daß ich mit dem König in tempel ware. Eines tags nun / als sie dieses thäte /fande sie den Prinzen nicht zur stelle: weil er / nachdem er sie dahin beschieden / eiligst zum K \nig war beruffen worden / dem opfer mit beizuwonen. Sie ginge demnach in des Prinzin cabinet / und weil er ihr den schlůßel vertrauet / der alle seine thüren schloße /triebe sie der fůrwitz / seine sache durchzusehen / ob sie etwas finden könte / worůber sie nachgehends[699] ihren scherz mit ihm treiben möchte. Sie fande zu erst / in einem tuch eingewunden / ein köstliches kleinod von rubin / wie ein herz geformet / das ihr / in der er \ffnung ein weibsbild zeigte: welches weder ihr noch mir / sondern / allem vermuten nach / der K \nigin Naema seiner stiefmutter / gleichte. Weil diß gemälde in dem rubin-gehåuse ledig lage / als name sie solches heraus / und ersahe auf der andern seite diese reimen.
Mein herz ist nicht so hart / wie dieser stein:
ich schließe auch nicht solch' ein bild darein.
drum schenk ich nichts / mit dieser schlechten gabe:
weil ich das nicht / was ihr begehret / habe.
Zoroastra / voll bestürzung / steckte dieses kleinod bei sich / und suchete ferner: da sich ihr endlich ein eisernes kästlein zeigte / darein sie wol etwas sonderbares verschlossen vermutete. Weil sie es aber nicht öffnen kunte / als name sie es zu sich / und eilete /nachdem sie alles wieder wol verschlossen / nach ihrem zimmer; da sie dañ einen schmied kommen ließe / der ihr das kåstlein aufbrechen muste. Sie fande nun darinn eine große månge schreiben / alle von der K \nigin Naema hand: die ihr sofort die augen \ffneten / und zu lesen gaben / wie die Prinzessin Orosmada die warheit geredet / und dieser Prinz der K \nigin buler wäre. In den lezten schreiben spottete Naema / ůber der Zoroastra und meine einfalt / und über die einbildung / die wir uns machten: und dieses geschahe mit so h \nischer art / daß Zoroastra schier alle gedult verlore. Ihre rachgier aber riete ihr / sich zu bergen: und name sie ihr ernstlich für / nicht zu ruhen / bis daß sie / dem Sidon und der Naema zum schaden / ausgebracht håtte / was sie beide so heimlich miteinander getrieben.
Sobald der unglückselige Prinz wieder in sein zimmer [700] gekommen / zeigte sich ihm der große verlust /den er erlitten / und wolte er schier unsinnig werden /als er nirgend fande / was er bisher / mehr als sein leben / bewahret hatte. Die angst / die er deshalben anstunde / war so håftig / daß er solche nicht bergen kunte: und wuste ich nicht / was ich davon machen solte / als ich ihn so veråndert fande. Er gißete zwar auf die råuberin / weil er seine schlüßel in meiner schwester hånden wuste / durfte aber nicht darnach fragen. Er konte auch an ihr nicht das geringste merken / daß sie hiervon solte wissenschaft haben / und lage sie ihm so inständig / als ich / in den ohren /seine betrůbnis zu er \ffnen / die aus allem seinem wesen herfürleuchtete. Tausenderlei erfindungen brachte er auf die bahn / dieses sein anligen damit zu besch \nen: die zwar von mir / aber nicht von der Zoroastra / beglaubt wurden / welche nun nacht und tag darauf studirte / wie sie sich rächen möchte. Das beispiel der Orosmada stunde ihr vor augen / wie es derselben ergangen war / als sie der Naema und des Sidons buberei entdecket: weswegen sie nicht unklüglich bedachte / daß sie es anders angreifen můste /wann sie hierinn obsiegen wolte. Weil sie aber allein mit ihr selber hiervon raht halten muste / als verweilte es sich etwas / ehe sie zum schluß kame.
Der Sidon seumte inzwischen nicht / so fort der Naema zu entdecken / wie unglücklich es ihm ergangen wåre. Diese befiele hierüber mit nicht geringerer angst / und auf die Zoroastra argwänend / hielte sie fůr das beste mittel / daß Sidon die liebe / die er bei ihr bisher fůrgegeben / nicht allein offenbar machen /sondern es auch gar zur Ehe solte kommen lassen: ům damit meine schwester / die ihn geliebet / schweigen zu machen. Damit auch hierinn keine zeit verseumet würde / sagte sie dem [701] König ihrem herrn / wie der Prinz / sein sohn / ihr geschrieben hätte / daß ihm die Prinzessin Zoroastra viel bässer / als ihre schwester /gefiele / und er unglůcklich mit mir / hingegen überseelig mit ihr / sich schätzen würde. Sie brachte hiermit zu wegen / daß der König Siphon selber nach Tyro kame / um bei seinem bruder / der diese heurat mir gönnete / zu erlangen / daß von ihme diese verwechselung der schwestern bewilligt / und also seinem sohn möchte geholfen werden.
Weil der Prinz allem dem folgte / was seine bulerische stiefmutter wolte / als gehorchte er gleich ihren rat / und ginge zu der Zoroastra: deren er diese er \ff nung thåte / wiedaß er nun seine liebe gegen ihr ausbrechen lassen / und des Königs seines herrvattern beistand dazu erfordern wolte / damit der unsrige hierein willigen m \chte. Dieses anbringen / welches Zoroastra eben also deutete / wie er alle seine vorige liebesreden verstanden / übermeisterte ihre gedult so gar / das sie vergaße / sich zu verstellen / und mit etlichen stichelworten heraus fuhre: die dem Prinzen versicherten / daß sie üm seine und der Naema håndel wissen müste. Diesem nach brache er gegen ihr los /und vertraute ihr alles / was zwischen der Naema und ihm ware fürgegangen: sagte aber dabei / wie daß er solches alles herzlich bereuete / und eben / ům sich von ihr völlig abzuthun / an das heuraten gedåchte /auch sie hierzu erkieset hätte / ihn völlig von der liebe gegen die Naema abzubringen. Diese offenherzigkeit bewegte die Zoroastra so sehr / daß sie ihrer alten liebe wieder platz gabe / und mit ihrer gegenvertraulichkeit heraus brache / wie daß sie nåmlich ům alles wuste / und in ihren händen håtte / was die K \nigin von Sidon und ihn betraffe. Der listige Prinz hielte darauf inständig bei ihr an / diese sachen und schriften [702] wieder von sich zu geben. Sie wolte aber hierzu sich nicht verstehen / sondern verhieße ihm / an ihrem hochzeittag / in seiner gegenwart / alles zum feuer zu bringen / und also aus der welt und aus ihren gedåchtnis zu verbannen. Er ließe sich hiemit befriedigen /und ware mehr als wol vergnůgt / daß er dergestalt dieser abermaligen angst entrinnen können.
Sein herrvatter kame eben den tag zu uns / als er dieses bei der Zoroastra hatte ausgerichtet: da ich voll hoffnung wurde / diese ankunft wůrde mir die volziehung meines beilagers mit dem Prinzen bringen. Der König von Tyro bildete ihm eben solches ein / vername aber / die folgende tage / nicht sonder befr \mdung / daß nicht ich / sondern meine jůngere schwester / die braut fůrstellen solte. Weil ich ståts / vor der Zoroastra / einen vorzug in seinem herzen gehabt / als wolte er diese beschimpfung nicht dulten / die mir damit widerfuhre / sondern stråubete sich sehr dawider / durch die Zoroastra mir den bråutgam entwenden zu lassen. Wie verdrüßlich auch mir dieses fůrkame / kan ich nicht beschreiben / und konte ich diese wankelmütigkeit und große falschheit des Sidonischen Prinzen eher nicht glauben / als bis ich es selbst aus seinem mund geh \ret. Weil er mich nie recht gemeinet / als fiele es ihm gar nicht schwer / mir den kauf aufzusagen. Er ware / böses zu thun / so gar gewonet / daß er für ein geringes hielte / meiner tränen zu spotten und meine leichtglaubigkeit zu verlachen. Ich machte mir vergebliche arbeit / seine vielfältige eidschwüre ihm fürzurůcken / weil er kein gewissen fülete / das ihn deswegen schamrot machen konte.
Als er überdrüßig wurde / mein weinen länger an zusehen / ließe er mich allein / mir raum gebend /meine beschimpfung recht zu überdenken / und ginge nach der [703] Zoroastra / dieselbe ferner mit süßen worten zu betriegen. Dieser ihre freude / ware nun meinem leidwesen ganz gleich / sonderlich als der K \nig unser herrvatter sich endlich bereden ließe / und gestattete / daß ich zurůck stehen / und der Zoroastra den fürzug gönnen solte: da er / ům mich anderweit zu versorgen / dem König von Jarmuth an die hand geben ließe / üm meinet willen nach Tyro zu kommen. Aber dieses war gar nicht fåhig / mein gemůte zu befriedigen / weil ich mich nun untüchtig befande /einen andern zu lieben; zumal ich dem König Jebus von Jericho / wegen des Sidons / abgewiesen hatte. Dieses vermehrte nun meinen unmut / und bereuete ich / wiewol zu spat / daß ich diesen beständigen liebhaber verlassen hatte.
Das beilager des Prinzen mit meiner schwester /ward nun angesetzet / und zwar in aller stille: weil ganz Canaan / und das benachbarte Syrien / in voller kriegesflamm stunde. Es fehlte aber doch an keiner ergetzlichkeit / da die schiffere von Tyro und Sidon /die nacht vor der angestellten trauung / auf dem meer ein lust-rennen auf kleinen dazu bereiteten schiffen angestellt: denen die ganze königliche gesellschafft /auser den beiden hochzeiterin / am ufer / in sonderbar-ausgebauten artigen grotten zusehen wolte. Diese grotten waren zubereitet / daß es schiene / als wären es natürliche cabinete in ausgehauenen felsen: darinn auch ein jedes seinen platz allein hatte / da es der angestellten lust zuschauen kunte. Die viele lampen / die hin und wieder in den ausgehölten steinen verstecket waren / machten einen angenemen tag mitten in der nacht. Der Prinz von Sidon war erfinder dieses werks / durfte aber nach landesgebrauch / nicht \ffentlich mit zusehẽ / sondern muste / den tag ůber / mit der braut allein im schloße sich enthalten.
[704] Alles frauenzimmer aus Tyro und Sidon / kame /diesem fest beizuwonen: da dann auch ich nicht zu růck bleiben dorfte / ob schon mein innerlicher schmerze mich keine lust entfinden ließe. Ich wurde /als ich dahin kame / von dem hofmeister des Prinzen /der alles dieses anordnete / in das fůr mich bereitete cabinet eingewiesen: welches ich so hell und von so vielen öffnungen fande / daß mich daselbst alles volk ganz genau betrachten kunte. Ich wurde demnach ůberdrüßig / dergestalt jederman zum gespötte zu dienen / mir einbildend / es rede iederman von meiner hierbei erlittenen beschimpfung / da ich des Sidonischen Prinzen \ffentliche braut gewesen: ginge also aus meiner stelle / die ich einer anderen fůrnemen Tyrerin überließe / nach einem cabinet / das ich ganz dunkel fande / und daher vermutete / es würden daselbst die liechter seyn vergessen worden.
Ich hatte mich kaum gesetzet / diß freuden-fest mit meinen tränen feiren zu helfen / da hörte ich mich /aus dem verborgnesten orte der grotte / also anreden: Kommet ihr / liebste Naema! euren Sidon / zu guter letze / noch allein zu sprechen? Was sage ich aber? der eurige werde ich wol allein verbleiben / ob ihr gleich mit Zoroastra meinen leib teilen můßet. Ich kame so aus mir selber / als ich diese worte gehöret /daß meine erstaunung mir hierbei zu dem nötigen stillschweigen diente. Wie er nun sich mir nåhern wolte / ward er zweimal bei namen geruffen. Er erkante so fort diese stimme fůr der Naema ihre / und erschracke / die jenige von ferne zu vernemen / die er so nahe bei sich vermutet hatte. Indem er nun dieser stimme zueilete / gewonne ich zeit / wieder hinaus zu wischen. Meine rache triebe mich nun / ohn langes nachsinnen / diesem betrieglichen Prinzen einzutränken / was er an mir verübt hatte. Also liefe ich nach [706] der grotte / darinn der König Siphon dem lustspiel zusahe: den ich ungescheut bei der hand ergriffe / und mir zu folgen ersuchte. Dieser König / als gegen das frauenzimmer über die maße höflich / wolte mir mein begehren nicht verweigern / und folgte mir / unwissend /was ich fůrhatte.
Ich name eine lampe aus einer von den grotten zu mir / und fürete diesen betrogenen König an den ort /da er seine ehebrecherische gemalin und seinen sohn beisammen fande. Ich verließe ihn daselbst / und eilte auf das k \nigliche schloß / um die freude zu haben /und meiner schwester anzukünden / wie sie / so wol als ich / von dem Sidon war betrogen worden. Sie /die / wegen seiner vorgewandten reue / bisher alles verschwiegen / eröffnete mir hierauf / was ich bisher erzehlet / und / nunmehr nicht weniger / als ich / verbittert / beschloße sie / des Sidons fall zu befördern. Solcher ware auch nun über diesen armseligen bestimmet / auch seine und der Naema straf-zeit heran gekommen: maßen der erzürnte K \nig Siphon / diese beide bulende auf sichtlicher that ertappend / durch seine leute / die er sofort zusammen rieffe / anfassen /und gefånglich setzen ließe. Hiermit brache nun aus /die warheit dessen / was die Prinzessin Orosmada vordem entdecket / und deshalben aus Sidon fliehen müßen.
Man kan nun erachten / wie hierdurch das hochzeitfest verwirret / und alle freude verkehrt worden: indem der hochzeiter vermisset / und an stat der beehrung / in ketten geschmiedet / nach Sidon geschickt wurde: dahin man die Naema auf gleiche weise fortgeschaffet. Zoroastra unterließe nicht / alle bulerei-briefe / und der Naema bildnis / herfůrzubringen: das dan diese unglückselige vollends zu grund richtete. Also endete sich [707] alle freude so wol zu Tyro / als zu Sidon / und entstunde ein allgemeines klagen über diesem elenden fall des Sidonischen Kronprinzen: maßen / nicht lang hernach / derselbe / neben der Naema / zu wolverdienter straffe / heimlich in Sidon hingerichtet / und die abwesende Prinzessin Orosmada zur erbin des reichs ernennet wurde. Der gram des guten Siphons hielte hierauf beståndig an: da hingegen mein herrvatter / über dem verlust dieses schwiegersohnes sich eher wieder tröstete / indem er nicht allein hoffete / daß sein sohn / in erlangung der Orosmada / die kron von Sidon an die seinige bringen /sondern auch / daß der König von Jarmuth sich für mich bald einstellen würde. Meine gedanken waren aber viel anders / indem meine ehmalige liebe gegen dem K \nig von Jericho ganz wieder aufglimmete /sogar daß ich mich nicht entsahe / ihme zu schreiben /und den brief auf diese weise einzurichten.
Wann ich bisher / in verlassung des Königs Jebus /und in annemung des Prinzen Sidons / gesündigt / so habe ich auch straffe gnug dafür erlitten: indem es mit dieser vorgewesenen heurat sich also geendet / wie es am tag und nun weltkündig ist. Mein kindlicher gehorsam hat verursachet / daß ich also treubrüchig scheinen müßen. Nun aber werde ich forthin keinen andern in meinem herzen verehren / als den König von Jericho. Ich muß solches darüm vermelden / weil man mich von neuem zwingen wil / [708] mich zum andern mal ein gehorsames kind / und nicht eine getreue liebhaberin / zu bezeigen. Da ich aber / diesen lezten namen / bis in den tod / allen andern fürzuziehen entschlossen bin / so stehet es bei dem König Jebus von Jericho / zu werkstellung dieses fůrsatzes mich fähig zu machen.
Rahabine.
Mit diesem briefe fårtigte ich einen meiner getreusten kämmerlinge ab / der zu Jericho den König antraffe: dahin selbiger / gegen vergangenen winter /neben den andern Canaanitischen K \nigen / wieder zu rück aus Syrien gekommen war. Es stunde nicht lang an / da kame mir von ihm diese antwort zurücke.
Es hat mir / schöne Prinzessin! euer schreiben / damit ihr einen unglůckseligen bewürdigen wollen / euren jetzigen zustand zur gnüge bekant gemacht. Ich beklage demnach sehr / daß euch dergestalt die hoffnung zur Sidonischen krone fehlen můßen. Wir beide leben unter einerlei verhängnis / maßen es mir eben so widrig ergehet / da ich / die krone von Hazor zu erlangen / die Fůrstin Mehetabeel von Seir / wiewol ganz vergeblich / zu Damasco bedienet / und mich üm deren gute gunst beworben habe. Ich fordere nichtes von euch / als daß ihr mich dieserwegen beklagen wollet: gleichwie ich auch unfähig [709] bin / mich gegen euch anders / als von herzen mitleidig / zu erzeigen.
Jebus König von Jericho.
Dieser brief schnitte mich durch das herz / und geriete ich daher in eine solche bekůmmernis / daß ich den fůrsatz fassete / der welt abzusagen / und mich unter diese geistlichen in des Teraphim tempel zu begeben. Daß ich von den Prinzen Sidon verlassen worden / ware mir nicht so nahe gegangen / als dieses verächtliche bezeigen des Königs von Jericho. Es beredte mich aber zu dieser welt-absagung eine Mesopotamierin / die ich bei mir im dienst hatte / welche die hiesige sitten und gebräuche alle wol verstunde /und darinn mich unterrichtete. Zu meinem zweck nun zu gelangen / wurden viele ümstände erfordert / da man nicht allein heimlich gehen muste / sondern auch der instehende winter / und die weite des weges / in nötige erwågung kamen.
Es stellte sich / in der zeit / neben der K \nigin von Tyro und dem damaligen Prinzen Tiribaces / meinem bruder / der König von Jarmuth bei uns ein: der dan /wiewol ganz verborgen / eine dame mit sich fůrete /die etliche zeit in Tyro sich befande / ehe wir die geringste vermutung haben kunten / daß selbige die weltbekante Jerode wåre. Diese / so sich kurz vorher zur K \nigin in Kiriath-Arba aufgeworfen / und endlich von Hebron entfliehen müßen / hatte sich zu dem Abinab K \nig von Jarmuth gewendet / der sie heimlich mit nach Tyro brachte / und ihren klugen anschlägen folgend / es in allen dingen also machte / wie diese Prinzessin es gut befande. Ihr einraten machte auch / daß er zwar / auf des Königs meines herrvattern begehren / mit dem fürhaben bei uns sich einfunde / eine seiner t \chter zu ehlichen / [710] und durch uns /wie er mit der Jerode den anschlag geschmiedet / zu dem Bactrianischen reiche zu gelangen. Es ware Bileam / der Prinz vor Hemath / in Syrien ůmgekommen / dem der verstorbene Oxiartes die Bactrianische kron zu-vermeinet: wie dan die Königin Clotis / ihres herrn leztem willen gemås / allemal fůr diesen Prinzen gearbeitet / auch / ihme zu gut / einen aufstand in Bactra erwecken wollen. Nun aber dieser Prinz todt war / gedachte sie wieder an uns / als ihrer tochter kinder; und in vertraulicher freundschaft mit der Jerode lebend / thäte sie dieser Prinzessin / durch den Belgar / einen fürnemen Bactrianer / zu wissen / wohin ihre große anschläge zielten.
Weil in Canaan fůr die Jerode nichtes mehr übrig ware / alda man sie nun zu wol kennte / als fiele ihr gleich ein / ihrem vorteil hiebei zu machen. Demnach / sich an den König Abinab hängend / brachte sie ihn nach Tyro: wiewol sie / wie ich bald melden wil / viel andere dinge / als sie fürgabe / heimlich im kopf brütete. Weil der König von Jarmuth / in ersehung meiner schwester / gleich gerůret wurde / sie zu lieben /als bliebe ich nicht allein von der befürchteten liebes-verfolgung befreiet / sondern ich beredte auch meinen herrvatter / ihme nicht entgegen zu seyn lassen / daß Zoroastra abermals vor mir den vorzug behielte. Also wurde nun meine schwester öffentlich an den K \nig von Jarmuth verlobet. Wie aber das königliche beilager fortgehen solte / schickte der himmel eine traur dazwischen / indem der König mein herrvatter mit tod abginge / und also mit Tyro der zustand sich ånderte. Also wurde / die vollziehung dieser heurat / bis zu des Tiribaces krönung ausgesetzet.
Inzwischen machte der König von Jarmuth meine schwester mit der Jerode bekant / die \ftmals heimlich [711] zu ihr in ihr zimmer kame / und mit ihr von dem großen anschlage sich beredte / den sie wegen Bactra fůrhatten. Mich / schloßen sie ganz aus ihrem raht /weil ich / als die erstgeborne / zu selbiger krone nåher war / als meine schwester. Also wurde ich nichts von dem gewar / was sie / zu meinem großen nachteil /nahe bei mir zu schmieden sich unternamen. Gleichwie aber hierinn die Zoroastra mich betroge / also ward sie hinwieder von der Jerode betrogen: maßen deren rechte meinung nicht war / dem König von Jarmuth und ihr zum Bactrianischen throne zu verhelfen / sondern vielmehr selber durch sie zu demselben zu gelangen. Wie sie nun alles / was zu ihren großen fürhaben dienlich / mit dem Bactrianer Belgar / und etlichen andren / die aus selbigem reiche ab- und zureiseten ausgemacht hatte / beredte sie den K \nig von Jarmuth / eine reise nach Bactra zu thun / weil daran hoch gelegen wåre / und solche ganz keinen verzug litte: weswegen auch der Abinab die hochzeit aufschieben muste.
Jederman bei uns / ausgenommen Zoroastra / verwunderte sich über dieser schleunigen abreise. Es vergingen aber wenig wochen / da kame die post / wiedaß der K \nig von Jarmuth unterwegs wäre ermordet worden. Dieses hatte Jerode also angestellet / und durch ihre creaturen dem Abinab auflauren lassen: die ihn dañ überfallen / und als todt / an der gränze von Armenien / in dem gebirge / verlassen hatten. So lieb nun dieser boshaftigen ware / daß ihr der anschlag geglücket / so sehr und fleißig bemůhete sie sich / die hierüber betrübte Zoroastra zu trösten. Als auch diese / auf mein zureden / sich entschloße / neben mir geistlich zu werden und aus der welt zu gehen / sprache sie mächtig zu solchem fůrhaben / und erbote sich / uns auf dieser reise eine gefårtin [712] abzugeben. Ich bekame damals die Jerode am ersten zu sehen / und geriete in ihre völlige vertraulichkeit / auser was die vorgewesene anschläge auf Bactra betraffe. Mich nicht all zu lang aufzuhalten / will ich nicht weitläufig erzehlen /wie wir es angeschlagen / heimlich aus Tyro zu entkommen. Wir musten aber verborgen gehen / weil die Königin / unsere stiefmutter / uns nimmermehr wůrde gegönnet haben / von ihr zu reisen: aus beisorge / daß wir mit den Bactrianern etwas anstellen möchten /davon sie vieleicht wind bekommen hatte / und solches / als eine Assyrerin / auf alle weise und wege zu hintertreiben trachtet.
Wir waren nun so glücklich in unsrem anschlage /daß wir / ungefär vor zwei monden / in diesen tempel ankamen: da uns die priesterinnen willigst aufnamen /und uns die geistliche tracht anzuziehen erlaubten. Jerode stellte sich åuserlich / als ob sie mit uns gleiches sinnes wäre / eine priesterin des Teraphim zu werden: heimlich aber triebe sie mit ihren creaturen ihren anschlag immer fort / der dahinaus liefe / daß sie die zur aufruhr geneigte Bactrianer / wan es zeit seyn würde /besuchen / ihnen eine von uns / als ihre angeborene Prinzessin / zeigen / und nachgehends / weil ihr keine bosheit zuviel war / dieselbe vom brete bringen / und die Bactrianische krone selbst aufsetzen wolte. Als sie nun mit dem vortrage / mat mir nach Bactra zu gehen / gegen mir zu erst ausbrache / ließe ich mich hierzu zimlich geneigt finden / in hoffnung / daß alsdan der König von Jericho zu mir wieder kehren wůrde / wan ich ihm die Bactrianische kron erlangen könte. Ich eröffnete ihr / in vertrauen / diese meine gedanken: da sie sich zwar anstellte / als ob sie solches sehr gern h \rte / im herzen aber fürchtete sie sich für diesem meinen starken anhang / und wurde darum [713] des sinnes / an stat meiner / meine schwester hierzu zu gebrauchen. Aber diese wolte hier gar nicht an / und fugete ihr in keinem dinge / auser darinn / daß sie vor mir diesen fürtrag heimlich hielte. Also wurde ich / von der Jerode betrug nichtes merkend / immer hingehalten / und rüstete mich zu der angesezten entfůrung: weil wir auf keine andere weise aus diesem tempel gelangen kunten.
Bevor ich aber diese meine erzehlung vollfůre /muß ich mich nochmals zu dem König von Jarmuth wenden / und berichten / wie es deme / nach seiner verwundung / an den Armenischen grånzen ergangen. Belgar und sein anhang / hatten diesen König für todt ligen lassen: und weil sie den verfolg von den seinen fürchteten / blieben sie nicht lang daselbst / sondern eileten zurůcke / der Jerode heimlich hievon eröffnung zu thun. Es war aber einer von den Bactrianern / der im gefechte von dem König verwundet worden / und von allen anschlägen der Jerode wissenschaft hatte /neben demselben auf der walstat ligen geblieben. Wie sie nun beide von seinen / des K \nigs / leuten gefunden und wieder zu sich selbst gebracht worden / er \ffnete dieser lezte alles / was die Jerode angestellet. Hierdurch wurden dem Abinab die augen aufgethan /daß er hinter alle ihre bosheiten und betriegereien kame. Demnach / list mit list zu vergelten / volfürete er / sobald er gesund worden / seinen weg nach Bactra / und machte sich mit der Königin Clotis bekandt /daß es niemand erfuhre. Wie nun diese ihn alles dessen berichtete / was Jerode ferner triebe / kame er endlich auch dahinter / wie sie / mit einer von uns beiden / aus des Teraphim tempel nach Bactra sich wolte entfůren lassen. Mit großer list gewonne er eben die jenigen auf seine seite / deren [714] die Jerode sich hierzu bediente: und so wol auser dem tempel / als darinn /seine gewiße kundschaften habend / kame er hier an /ehe man sich dessen versehen k \nnen. Er ließe sich /unter Belgars namen / bei ihr anmelden. Sie / nachdem sie die thůren / bei nacht herein zu kommen / ihm und den seinigen ge \ffnet / fůrete den vermeinten Belgar nach der Zoroastra kammer / und sagte ihm / im hingehen: wiedaß er bei ihr gewalt brauchen můste /weil sie ihm gutwillig nicht folgen wůrde.
Von ungefär schliefe ich selbige nacht bei meiner schwester / und weil Jerode vorher gegen mir erwehnet / wie sie vermute / daß bei gegenwärtigem feste des Teraphim / die Bactrianer / als unsere entfůrere /ankommen würden / schwanete mir gleich / wie ich das geräusche vername / und darauf die Jerode mit gewaffneten männern erblikte / daß es diese seyn würden. Ich sprange sofort auf / ihnen anzudeuten / daß ich gesonnen wäre / mit ihnen zu gehen. Ich muste aber / wider vermuten / von der Jerode vernemen /daß meine schwester / und nicht ich / hiermit gemeinet wäre. Weil Zoroastra und ich noch in kleidern waren / als bedorfte es keins wartens / die Zoroastra zu entfüren: die aber anfinge zu ruffen / wiedaß sie mit ihnen nicht fort-wolte. Als nun ich / so wol ihren widerwillen / als der Jerode betrug / erkante / liefe ich von ihnen / machte überall im palast lårmen / und rieffe / daß man uns helfen solte / weil uns gewalt geschähe. Es wurde hierauf alles wach / und kame nicht allein sofort die wacht / sondern es fanden sich auch viele von den hirten herzu / die in der nacht auf das fest gezechet hatten. E. Maj. waren selber dabei / als die unglückliche Jerode für die verräterin des heiligen palastes erkant wurde / und geriete sie / weil Abinab /sie mit weg zu füren / sich geweigert / dem [715] erzůrnten pövel unter die hände: die dan also mit ihr verfuren /daß ihr leben samt allen ihren anschlägen zu grund ginge.
Eine von ihren aus Canaan mitgebrachten dirnen /thåte mir darauf alles dieses / so ich iezt erzehlet /ausfürlich zu wissen: massen auch ein knab des Königs von Jarmuth / der in dem getümmel von seinem herrn abgekommen / und sich in unsren tempel verkrochen / mir den ganzen aufstand in Bactra erzehlet. Ich halfe diesem unvermerkt wieder hinaus / und gabe ihm briefe mit / an den König Abinab und an meine schwester: darinn ich widersprache / was sie zu meinem nachteil fürgenommen / und wie ich mich meines rechtes an Bactra keines wegs begåbe. Diß ist nun alles das jenige / was ich E. Maj. eröffnen wollen: und schließe ich mit der demütigsten bitte / daß sie /wie sie allen bedrangten und verlassenen zu helfen pflegen / auch mir wollen hülfe wiederfahren lassen /daß die Bactrianer durch E. Maj. erkennen lernen /wie ich / und nicht Zoroastra / ihre rechte Königin seyn k \nne / und sie mich vor meiner schwester erkiesen sollen.
* * *
Als die Prinzessin Rahabine ihre rede hiemit beschlossen / vermochte die Königin Aramena Gottes gerechte gerichte nicht gnug zu bewundern / die er so wol an der Naema und dem Sidon / als an der Jerode /erscheinen lassen. Wie sie nun hierauf der Prinzessin von Tyro verheißen / daß dieser unglůckseeligen ihr zerrissener körper solte gesuchet und unter erde gebracht werden / versprache sie ihr ferner / daß sie /was sie nur immermehr zu ihrer vergnügung thun könte / herzlich gern vor die hand nemen wolte. Aber an die aufrürische Bactrianer für euch zu schreiben /(sagte sie) [716] das will mir bedenklich fallen / weil der König von Assyrien ihr bundsgenoß ist: und zweifele ich sehr / ob wider diesen mächtigen Monarchen / solche empörung etwas fruchten / auch eure schwester und der König von Jarmuth ihre rechnung finden werden. Kan ich aber etwas darzu thun / daß der König von Jericho zu seiner ehmaligen liebe wiederkehre /so wil ich hiemit allen beistand versprochen haben. Rahabine bezeugte sich dafůr höchst verbunden / und von der Königin ferner befraget / wie sie es dan nun anschlagen wolte und ob ihr beliebte / daß man sofort im tempel ihrer bisher verborgen-gehaltenen stand erfüre? erklärte sie sich / wie sie alsdan erst / wan die Königin / nach endung des festes / von dannen ziehen würde / sich kund zu geben vermeinte: welches Aramena ihr gefallen ließe auch hierauf noch etliche stunden dieser Prinzessin im garten gesellschaft leistete /und von den erzehlten dingen / mit ihr sprachete.
Ihr eigenes anligen aber / nämlich die ungewißheit / darinn sie lebte / und das verlangen / etwas von dem Cimber und ihrem bruder zu erfaren / schikte sie endlich wieder nach ihrem zimmer / dahin sie den Elihu /gegen selbige zeit / beschieden hatte. Sie fande diesen getreuen Fůrsten bereits alda zur stelle / als sie mit ihrer schönen gesellschaft ankame / der ihr dan diese post brachte / wiedaß der Reba / einer von den vier richtern aus Amida / vom Taurischen gebirge / neben dem verweser Demas und den gesandten der riesen angelanget / und daß sich sofort / unter den Horiten und den andern riesen / eine grosse freude verspüren lassen: die auch / seit deren ankunft / ja so fleissig /als vorher die geistlichen / zu raht gegangen / und sei man / wegen des verstumten Teraphim / noch zu keinem schluß gekommen / [717] wie der abgott zu begütigen /und die Mesopotamier wieder zu befriedigen seyn möchten. Des Demas wiederkunft / erwekte bei der K \nigin nicht eine schlechte freude / und verhoffte sie von ihme / da Nahor und Chersis ausblieben / etwas ihren Cimber betreffend zu vernemen / das sie beruhigen k \nte: und diese freude verursachte / daß sie die geheime beratschlagung der riesen nicht sofort beherzigte / da doch des Nahors warnung / die sie / vor ihrem abzug aus Samosata von ihm angehöret / ihr billig allerhand nachdenken beibringen sollen.
Weil sie / fast alle abend / ihre bekandte schäferinnen / die mit ihr in selbigem palast woneten / zu besuchen pflegte / als wolte sie dißmal zu der Sataspe /des Demas basen / gehen / in meinung / ihren vetter /den verweser / bei ihr anzutreffen. Demnach ließe sie / wie sie abends gespeiset / durch den Elihu sich dahin fůren: deme sie auch auftruge / wegen der entleibten Jerode erkundigung einzuziehen / daß deren körper m \chte zur erden bestattet werden. Es waren eben bei der weißen Sataspe / die hirtinnen Melidia und Eidania / als die schöne Aramena in ihr zimmer hinein trate: die dan / aus schüldiger ehrerbietung /abtreten wolten / aber von der gütigen Königin angehalten wurden. Bleibet / meine freundinnen! (sagte sie zu ihnen) ihr hintert mich in keinem dinge / was ich mit Sataspe zu reden habe. Hierauf / als sie sich gesetzet / fragte sie diese schäferin: wie es käme / daß sie den verweser Demas / ihren vetter / nicht bei ihr fände? massen sie ja wol wüste / was sie ihm fůr eine liebe base wäre. Mein vetter (antwortete Sataspe) hat / nach seiner wiederkunft / so fort den hiesigen beratschlagungen müssen beiwonen / die da / wegen der in unsrem fest entstandenen unruhe / täglich [718] gehalten werden: daher ich ihn / seit seiner ankunft / noch nicht können zu sehen bekommen.
Solte dan auch den Demas (fragte die Königin) betrüben können / was hier fürgegangen? Ich vermeinte / er wäre viel zu lang in der schule zu Salem gewesen / als daß er noch an den Teraphim glauben solte. Es wäre unrecht / (gabe Sataspe zur antwort) wan man für seiner obrigkeit / wie bisher vor andern / ein geheimnis hiervon machen wolte. Ich werde demnach E. Maj. nicht laugnen / daß Demas und ich den wahren Gott verehren / daß auch mein vetter / meist deswegen / diese versamlung verlassen / und sich unsichtbar gemachet hat / üm ihme selbst und andren kein ärgernis zu geben. Warüm aber (fragte die Königin ferner) folgen er und ihr nicht / dem beispiele des Ausicles / und gegenwärtiger beiden hirtinnen / die ungescheut sich zu mir gesellten / als die opferungen fůr den Teraphim verrichtet wurden? Weil er verweser von Amida ist /(antwortete Sataspe) dorfte er dieses nicht wagen: daher wolte er sich lieber gar davon absondern: wie dan auch ich / eine unpäßlichkeit fürschützend / mit meines vettern beiden töchtern zurůck geblieben. Abinael und Nisan (versezte die Königin) vermeinen aber dem Teraphim viel zu sehr verpflichtet zu seyn /als daß sie solten gern sehen können / daß ihre frauen mit ihnen nicht diesen vermeinten Gott verehren wollen. Weil wir / wie erwehnt / (wiederholte Sataspe) bisher mit unsrem glauben sehr geheim gewesen / als wissen diese beide hirten nicht darüm / daß ihre frauen einen andren Gott verehren.
Hiermit kamen sie auf die frage: ob es auch ohne sünde geschehen könne / seinen glauben zu bergen /oder für den menschen / ũm zeitlichen nutzens willen / sich zu [719] stellen? Diese frage ward von allem / fürnemlich von der Prinzessin Jemima / und ihren schwestern / verneinet / und daher der sch \nen Königin anlaß gegeben / sich zu entschüldigen / daß sie bisher in ihrem neuen k \nigreich sich also bezeigen müssen. Ich ziehe es mir nicht wenig zu gemüte /(sagte sie unter andern) daß ich / meine ganze lebenszeit hindurch / mit meinem glauben so heimlich gewesen: da die notturft / die unbändige Niniviten im zaum zu halten / ein solches höchlich erforderte. Wan ich auch gegen die Mesopotamier mich anders bezeigte /würde ich grosse empörungen und andere gefärliche dinge verursachen: das doch zu nichtes / als zu einer verderblichen zerrüttung dienen / und keine bekehrung bei meinen verblendten unterthanen / nicht aber dasjenige wirken würde / was ich / mit der zeit / und wan ich sie recht gewonnen / von ihnen hoffe. Diese höchstnötige verstellung / die ich gegen ihnen gebrauchen muß / hat mich auch iezt in diesen tempel gefüret: da ich weder meine königliche gewalt / noch meinen willen darf blicken lassen. Es sind aber nur noch zween tage / so ist diß fest geendet / und wird alsdan von meiner krönung zu reden seyn / nach welcher es sich gemachsam schicken sol / daß ich meinen hirten den wahren Gottesdienst beibringen / und diesen abgöttischen tempel ohne schwerdschlag vertilgen k \nne. Dieses redte die Königin ganz ungescheut /weil Rahel nicht mit zugegen / und lauter rechtglaubige bei ihr im zimmer waren: die dan ihre wůnsche /für dieses löbliche fůrhaben / gen himmel schikten /und die Gottseelige Aramena hierům nicht gnugsam rümen konten.
Unter solchen gespråchen / begunte es schier zu nachten: daher die Königin nicht länger auf des Demas [720] ankunft warten kunte / und nach ihrem zimmer ginge / der Sataspe den befehl hinterlassend / ihrem vettern / wan er sie zu sprechen käme / zu sagen / daß er folgenden tags unfehlbar zu ihr kommen solte. Kaum aber ware sie hinweg gegangen / da kame Demas zu der Sataspe: welcher / von seiner basen vernemend / wie ihre Königin ihn zu sprechen begehrte / sofort die ursach erraten kunte. Werte base! (sagte er zu ihr) daß ich so spat noch zu euch komme / verursachet die begierde / die ich habe / euch nunmehr nicht allein kündig zu machen / was ich bisher für euch verbergen müssen / sondern auch eures vernünftigen beistandes mich zu bedienen. Wir sind befreiet /Sataspe! von der slaverei / in der wir eine so lange zeit für allen völkern gelebet / und ist daneben .... Ach mein vetter! (fiele ihm Sataspe lächlend in die rede) ich habe diß geheimnis schon längst gewust /aber durch mein verschweigen zeigen wollen / daß ich solche kunst vollkomlich gelernet habe. Wie? (fragte Demas ganz bestürzet) wisset dan ihr / was dem ganzen Mesopotamien bisher verborgen gewesen? Die Fürstin Ahalibama / (antwortete sie) die wir unlängst bewirtet / hat mir alles entdecket: und bin ich fro /nun zu vernemen / daß dieses große fůrhaben zu glücklicher endschaft gedyen ist. Dieses war (sagte er) eine von den ursachen meiner reise auf das gebirge /und wan ihr mich hören wollet / will ich euch alles erzehlen / was bei dieser bündnis fürgegangen / auch was ihr für einen gefangenen hier gehabt / den man zum Teraphim schlachten wollen / und was mir sonst auf dieser meiner reise wiederfaren / auch iezt mein fůrhaben ist. Es wird nacht / (antwortete Sataspe) und dörfte es Aneriste übel nemen / wan ich ihr so lang den man vorenthielte: darum wil ich mein verlangen /[721] diß alles von euch zu hören / bis morgen aufschieben. Ich muß morgen wieder abreisen / (antwortete Demas) und habe die Aneriste schon gesprochen: die auch weiß / daß ich nun mit euch mich bereden wil. Wolan dan! (sagte sie) so lasset uns für die thür zusammen sitzen gehen / da wir zugleich der külen luft / bässer als hier / genießen können. Als dieses geschehen /hube sich die erzehlung des Demas an / wie folget.
Weil ihr bereits wisset / werte Sataspe! daß alle /die von dem geschlechte der riesen sind / den bund mit den K \nigen von Basan und der Aborigener / wie auch mit den Fürsten von Seir / aufgerichtet / und so wol in dem entfernten Kitim gegen den Camboblascon / als auch gegen dem Fürsten von Edom / krieg füren / und daneben ihrer dienstbarkeit / mit deren sie bisher unter allen v \lkern belegt gewesen / sich entledigen wollen: so habe ich nicht ursach / euch dieses erst zu entdecken. Der K \nig Tuscus Sicanus / der neulich unter des Jared namen bei uns im hause gewesen / war der erste / so mir dieses zu wissen thäte. Unser richter / der Reba / ůbername deshalben / nach dem gebirge zu reisen / und im namen der Mesopotamischen riesen mit den beiden Königen / und den Fürsten von Seir / zu schließen. Ich folgte ihm / als wir hieher auf dieses fest reiseten: zwar nicht allein dieser ursache halber / sondern weil ich des fürhabens war / die heurat zwischen unserer K \nigin und dem Tuscus Sicanus / zugleich mit stiften zu helfen / welcher eben der Elieser ist / so vordessen die Ahalibama / des grossen Edoms gemalin / so herzlich geliebet.
Was höre ich / mein vetter! (rieffe alhier Sataspe) vergebet meiner billigen verwunderung / die mich zwinget / euch in die rede zu fallen / und zu fragen /ob es immermehr [722] müglich seyn k \nne / daß Jared ein König / und zwar der Elieser sei / der die Prinzessin Ahalibama bisher als todt beweinet? Hätte ich es an der zeit / (sagte Demas hierauf) so wolte ich euch alles ümståndlich erzehlen / wie Elieser beim leben erhalten / und für den Aborigener-König erkant worden. Nun aber kan ich nicht mehr sagen / als was ich schon erwehnet / das nämlich Elieser noch lebet / daß er Tuscus Sicanus ist / und das ich seinetwegen mit auf das gebirge gereiset / üm es dahin zu bringen /daß er unsere K \nigin heuraten / und der Ahalibama /nun die einen andern zugehöret / vergessen möge. Sataspe wolte alhier / noch einmal dazwischen sprechen: aber / in erinnerung ihres eidschwures / den sie der Fürstin Ahalibama / der Nefe Zibeons / bei deren abreise / gethan hatte / nimmermehr zu melden / was dieselbe ihr entdecket / hielte sie an sich / dem Demas zu sagen / daß diese seine bemühung / nun Tuscus Sicanus der Elieser wäre / vergebens seyn dörfte. Sie hörte ihn aber also fort-erzehlen.
Es hatte Tuscus Sicanus / vor seiner abreise von hier / die Ahalibama / mit unserer Königin sprechend / heimlich behorchet / und aus allen ümständen ihres gespräches soviel abnemen wollen / daß die Königin /den Tuscus Sicanus liebend / in dem namen irren /und nicht ihn / sondern den König von Basan / den Marsius / verstehen müsse. Demnach bliebe er entschlossen / solches dem verliebten Marsius / zur guten zeitung / auf das gebirge zu hinterbringen: da er zugleich mit dem vorsatz abreisete / den verlust seiner Ahalibama auf ewig zu beweinen. Aber sein leibarzt /der Midaspes / fürete / neben mir / hiervon viel andere gedanken: massen die gewiße ümstände / da unsere K \nigin mit dem [723] König Marsius in Damasco selber geredet / und ihm ihre gegenliebe abgesaget / auch der Mitreus / dieser heurat wegen / in gesandschaft an den König der Aborigener abgereiset / sonnenklar andeuteten / daß der König von Syrien / und unsere Königin seine schwester / keinen andern / als eben diesen Tuscus Sicanus / zum hiesigen regenten erwehlen wollen / und also allen getreuen Mesopotamiern und Aborigenern / die es mit diesem reiche und ihrem König recht gut meineten / obligen müße / dahin zu trachten / daß dieses nüzliche vorhaben zu gewůnschtem ende gedeyen möchte.
Dieses nun triebe mich fürnemlich auf das gebirge: zumal ich überdas auch erfaren hatte / daß viele von unsern hirten / ja unsere richtere selbst / mit den gedanken ůmgingen / unsere Königin an den König von Basan zu bringen / ům dadurch diese löbliche regirung / die uns iezt der himmel gönnet / die aber ihnen eine last ist / von sich zu schieben / und auf solche weise unsere unvergleichliche Aramena in das weit-entfernte Celten gleichsam zu verbannen. Wie ich das gebirge erreichet / fande ich daselbst / an stat des Königs von Basan und des Königs der Aborigener / die beide dapfere schwestern des Königs von Basan / mit ihren gemalen / dem K \nig Baleus von Assyrien / und dem König Hiarbas / die diese beide Könige zu besuchen angekommen waren. Aber die Celten / neben den Aborigenern / und den riesen unseren brüdern / gingen fleissig zu raht / und schlossen eben mit dem Reba den grossen bund / der sie dorthin zusammen beruffen hatte. Ich erkundigte mich / wo dan beide Könige wären? da mich Midaspes berichtete / wie er nicht anders wůste / als daß sein herr / neben dem Prinzen Baalis und Daces / den K \nig von Basan suchte / der sich / aus [724] schwermut / weiter in das gebirge hinein begeben / und diesem verzweifelten König den trost eröffnen wolte / den er ihme in seiner liebe zu geben / sich fähig befände. Ich sahe demnach höchstnötig / neben dem Midaspes dem Tuscus Sicanus zu folgen / und dieses abzuwenden. Ich muste aber fůr dem Reba dieses mein fũrnemen heimlich halten: weil der / mit dem riesen Sesai / welcher in hohen und sonderbaren gnaden bei dem Marsius lebet / dahin arbeitete / unsere Königin an seinen herrn zu bringen. Er muste aber solches gleicher massen verborgen treiben / weil die Celten aus Basan / ůber unsere Königin und ihren bruder höchst verbittert / auf alle müglichste weise dahin trachteten / wie dieser liebe ihres Königs gesteuret / und deshalben dem Aborigener-König die Aramena zu teil werden m \chte.
Als ich nun / etliche tage nach meiner ankunft / da es fast schon gegen den abend ginge / und ich vorher den beratschlagungen / unsre bündnis betreffend / beiwonen müssen / in das gebirge fürter reisen wolte /kame der Fürst von Haran / der Nahor / auf der post an / und brachte uns die zeitung / daß Tuscus Sicanus allhier im tempel gefangen worden / und in lebensgefahr / üm zum Teraphim geschlachtet zu werden /stünde / wan die Aborigener nicht bald ihn zu erledigen kämen. Das ganze gebirge geriete hierüber in lärmen / und waren nicht allein die Aborigener / sondern auch ihre brüder / die Celten / färtig / mit voller heereskraft einzufallen / und diesem König das leben zu retten. Der Sesai und Reba hingegen wiegelten die mächtigen riesen auf / welche den Teraphim hoch verehren: die dan kurzum nicht leiden wolten / daß so eine entheiligung des grossen tempels geschehen solte / dabei aber [725] sich erboten / sofort eine ansehnliche gesandschaft hieher abzuordnen / und den Aborigener-König mit güte abzufordern. Die Aborigener ließen ihnen endlich / nach langem streit / diesen fürschlag gefallen: wiewol sie nicht allein / etliche von ihren fürnemsten / dieser gesandschaft zuordneten / sondern auch mit dem ganzen heer nãher ruckten / üm / auf den notfall / bei der hand zu seyn / und ihren König zu erlösen.
Der Midaspes und ich / waren mit unter dieser botschaft / gleichwie auch etliche fürneme Assyrier und Celten / die der Prinz Suevus in person fůrete. Wir beide wusten nicht / was wir daraus erraten solten /daß sich Tuscus Sicanus in diese gefahr begeben hatte / auser daß wir es aus zweifelmut beschehen glaubten / üm dergestalt vom leben zu kommen: welches ich doch auch / wegen seines reinen glaubens / nicht vermuten kunte. Nahor / weil er nun sein gewerbe verrichtet / und dabei / wie er mir vertraute / nachricht erlanget hatte / was massen der Prinz Daces / tief im gebirge / mit etlichen damen wäre gesehen worden /unter denen er seine geliebte Aprite zu finden vermeinte / reisete er dahin / wohin ihn seine liebe triebe. Dieses nun befrömdete mich noch mehr in meinem nachsinnen / als ich ůberdas vernemmen muste / daß Daces nicht bei dem Tuscus Sicanus wäre: der doch /mit diesem König / aus der landschaft Amida die reise nach dem gebirge gethan hatte. Es ist aber / der Almesia knecht der Elisa / eben dieser Celtische Prinz gewesen / den ihr öfters in unsren gefilden gesehen habet.
Wie wir nun hieherwärts eileten / begegneten uns vor morgens in der demmerung / als wir die nacht durch gereiset / im blachfelde zwischen den gebirgen /der Chersis auf einem wagen / von vielen priestern aus hiesigem [726] tempel begleitet: welcher eine ansehnliche person in seinen armen hielte / die von unsren mitgekommenen Celten alsofort für ihren K \nig / den Marsius / erkant wurde. Sie liefen gleich / mit ihrem fürer / dem Suevus / voll freud-entsetzen hinzu / ihren König zu entfangen. Es ware an ihm / nächst dessen majestetischem wesen / eine solche traurigkeit zu sehen / daß er schier / fůr betrübnis / nicht beachtete /was seine leute mit ihm redtẽ. Zurücke / zurücke! (sagte er) und lasset keine freude blicken / mich wieder zu sehen! ich begehre / auser den tod / von keiner ergetzlichkeit mehr zu wissen. Hiermit hüllete er sich in seinen mantel / und wir alle sahen den Chersis an /daß er uns er \ffnen solte / woher er mit diesem König käme.
Indem entstunde / nahe bei uns / ein geschrei / welches eine dame verursachte / die in geistlicher ordens-kleidung auf einen wagen sich sehen ließe / und die pferde selbst regirend / dem Chersis also zurieffe: Ihr / der ihr seit der vorsteher unsers tempels! schützet mich wider diese Bactrianer / die ihr dort von ferne ankommen sehet / mich zu verfolgen. Hiemit rante sie auf uns zu / und wie wir diese für eine priesterin aus hiesigem Teraphim-tempel erkanten / fande Chersis /als dessen vorsteher und beschirmer / welches amt allemal dem sohn des Oberpriesters zukommet / sich sowol als wir verbunden / sie zu erretten. Demnach eileten wir denen / die sie verfolgten / entgegen / ům sie zurücke und abzuhalten. Es ritte vor diesen ankommenden her / ein gewaffneter ritter: der / wie wir hernach erfuhren / bei dieser priesterin erstlich auf dem wagen mit gesessen / aber durch ihre geschwindigkeit war hinab gestossen worden; welches auch folgends dem widerfahren / der die pferde regirte /daher sie selber den wagen leiten müssen. Sein und seiner bei sich habenden ermüdete pferde / [727] deuteten satsam an / daß sie bereits eine geraume zeit diese flüchtige also verfolgt hätten.
Chersis / der nun zu fus war / entfinge sofort eine sehr gefärliche wunde von diesem ritter / daß er als todt zur erden fiele; worauf das gefechte an beiden teilen scharf anginge / und erhielten wir endlich die oberhand / weil die unsrige immer verstärket / und also diesen frömden überlegen wurden. Die anwesende Celten und Aborigener / hatten immittels den wagen des K \nigs / wie auch der angekommenen priesterin / ümringet: und als wir sieghaft den fůrer der Bactrianer gefangen brachten / öffnete der so bald nicht seinen helm / da hube die priesterin an zu schreien / und mit höchster bestürzung den namen des Königs Abinab von Jarmuth etliche mal zu nennen. Wir wusten nicht / was ihr ankame / als sie mit ausgespannten armen diesem König entgegen liefe / und ůber dessen leben grosse freude blicken ließe. Liebster Abinab! (rieffe sie) den ich fůr todt beweinet: ist es müglich / daß die götter dich mir wieder gegeben? Wie kan euch dessen leben erfreuen / (antwortete er ganz unwillig) gegen den ihr euch iezt so feindlich erwiesen? Ach! wan ich doch wissen solte / (sagte sie) daß der tod-geglaubte Abinab der jenige sei / der mich aus den tempel entfüren wollen. Als er dieses beantworten wolte / trate ein Assyrier aus unserer gesandschaft herzu / der sich Zalmon nennte / und bei den vorigen kriegen in Assyrien sich sehr bekant gemacht: der / im namen seines Königs / den König von Jarmuth mit seinen bei sichhabenden leuten und Bactrianern / als gefangene anname / und grosse freude spůren ließe / daß der himmel den feind seines Königs ihm so unvermutlich in die hände geliefert hatte. Er erklärte auch kůrzlich uns ümstehenden / wie es hiemit beschaffen [728] war / wie nämlich die Bactrianer einen aufstand wider den Baleus erreget / und diesen Canaaniter zu ihren König erwehlen wollen: das wir dan allerseits nicht billigen kunten / sondern des von Jarmuth und seiner Bactrianer bande für gerecht erkennen musten. Dieser unglůckselige sahe nun seine Prinzessin (massen diese priesterin die Zoroastra von Tyro ware) so wehmütig an / als wie sie reuend ihn betrachtete / daß sie ursach an diesem seinem unglůck seyn müßen: massen auch wir allerseits in diese frömde begegnise uns nicht zu finden wusten.
Wie wir aber abreden wolten / was ferner anzufahen wäre / traten die mitgekommene Teraphim-priestere herzu / und eröffneten uns / mit allen ümständen / daß dieser / den sie mitgebracht hätten / der jenige wäre / den man hier im tempel gefangen bekommen /und zum Teraphim schlachten wollen / und der / auf der Königin von Mesopotamien geheis / von dem Chersis mit list wäre hinweg gebracht worden. Ja /diese grausame (finge der betrůbte König hierauf an zu reden / der allen diesen bericht der priestere mit angehöret) hat mich darüm vom tod erretten wollen /damit ihr sieg desto herrlicher über mich werden / und sie in meiner qual mich länger wissen möchte. Die meisten von den ümstehenden / wusten nicht / was hiermit solte gesaget seyn. Aber der Prinz Suevus trate zu seinem König / und redte ihm heimlich zu /nicht so offenbar den Celten seine schwachheit sehen zu lassen. Nachdem er hiemit sich zu ihm auf den wagen gesetzet / und seine schwachheit vermerkend /den Midaspes auch dazu vermocht hatte / ginge unsere rückreise nach dem gebirge zu: da man allerseits sich höchst glückseelig schäzte / daß sich dieses dergestalt geendet / und so wol der grosse [729] Marsius und Tuscus Sicanus auser gefahr gesetzet / als des Teraphim tempel unentheiligt geblieben wäre.
Wir ließen den verwundten Chersis bei etlichen riesen / die daselbst woneten / und zogen auf dem gebirge gleich als in einem triumf ein / indem wir nicht allein den Marsius / sondern auch den gefangenen König von Jarmuth mit seiner Prinzessin in das Celtische lager füreten. Die K \nige Baleus und Hiarbas /mit ihren geliebten K \niginnen / als den beiden schwestern des Marsius / entfingen diesen ihren schwager und bruder mit unaussprechlicher freude: wiewol sie dabei dessen herz entfindliche traurigkeit mit betrůbnis erkennten / die ihn aller andern entfindung unfåhig machte / also / daß er nicht die geringste freude blicken ließe / bei seinen liebsten blutsfreunden sich wieder zu befinden. Jederman ware nun für witzig / zu wissen / wie dieses mit dem König sich zugetragen / daß er in solche gefahr geraten: und urteilten fast die meisten die warheit / daß ihn / die liebe zu der schönen Mesopotamierin / an solchen verbotenen ort müste geleitet haben.
Ich erfuhre die eigentliche ümstände / von dem Midiaspes / der / indem er zu des Königs cur mit gebrauchet worden / von ihm selbst alles vernommen hatte /um es seinem K \nig / dem Tuscus Sicanus / wieder zu hinterbringen. Er erzehlte mir demnach / welcher gestalt dieser verliebte und ungeliebte K \nig / ob er gleich des beständigen fůrhabens gewesen / nicht mehr an unsere K \nigin zu gedenken / dannoch sich nicht ůberwinden können / als er sie so nahe gewust /sie nicht noch einmal zu sehen. Deshalben hatte er /nur mit zweien dienern / sich heimlich aufgemacht /und / am tag der großen opferung / in den tempel des Teraphim sich gewaget / auch alda diese wunder-schöne beschauet: die ihn / als er verraten [730] worden /gefangen nemen / und folgends durch den Chersis erlösen lassen. Das jenige aber / so hierbei seine gr \ste traurigkeit / ja zweifelmütigkeit / verursachte / wie mich Midaspes berichtet / ware dieses / daß unsere K \nigin / als sie ihn nach seiner erledigung vor sich ko en lassen / ihm diese ausdrückliche erklårung sol gethan haben / daß sie niemand anders / als den Tuscus Sicanus / lieben wolle: worůber er dan auch / in ihren zimmer / onmächtig zur erden niedergefallen.
Dieses stårkte nun mächtig / so wol den Midaspes /als mich / in unsrem vorhaben / den König der Aborigener an unsere Königin zu bringen: womit auch aller Celten und Aborigener / auch selbst des Baleus und Hiarbas / der Hercinde und Mirina / meinungen einhållig einstimmeten / um durch solche heurat den großen Marsius an seiner liebes-krankheit zu heilen. Es ist auch allein dieses / das der Celten verbitterung stillen kan / die sie wider Syrien und unsere Königin gefasset: massen sie / den Aborigenern zu gefallen /an unserer herrschaft / wegen der erlittenen beschimpfung / sich nicht zu råchen begehren / wofern Aramena den Tuscus Sicanus heuraten wird. Der Marsius selbst ware nun hiemit einig / und ließe ihm gefallen /daß nach dem Aborigener-König so fort geschicket würde / hierinn eine richtigkeit zu treffen: von deme man post hatte / daß er / unfern von dar / in einem andern teil des gebirges sich befände / und den K \nig von Basan daselbst bisher gesuchet hätte.
Wie nun selbiger sehr nahe war / so vermochte doch der Marsius / so grosmůtig er sich auch erwiesen / nicht gegenwärtig zu bleiben / und seines mitbulers glück ihm selber anzukůnden: wie er dann heimlich /die nacht vorher / mit dem Sesai und wenigen seiner leute / hinweg [731] reisete / nachdem er dem Midaspes / an den Aborigener-K \nig / dieses gewerbe aufgetragen /wie daß er von nun an gutwillig die Aramena von Mesopotamien ihm überlasse / auch ihn selbst ersuche /dieses glück nicht auszuschlagen / sondern / dieser großen Königin zu gefallen / der Ahalibama zu vergessen / gleichwie auch er / üm ihr seinen åusersten gehorsam zu erweisen / sie / samt seinem leben / bald aus seiner gedächtnis zu bringen bemühet seyn wolte. Es lautet ja jåmmerlich / dieses einen so grossen und tugendhaften K \nig sagen zu h \ren / und da dessen unfehlbarer tod muste befahret werden.
Es bliebe aber Sesai und sein anhang mehr als jemals darauf versteuret / unsere Königin auf alle weise und wege ihrem K \nig zuzubringen. Demnach schickte er iemanden / noch in selbiger nacht / wie er mit dem Marsius hinweg ginge / an den Reba und mich /und ließe uns ersuchen / daß wir ungeseumt ihm nachfolgen wolten. So gern ich nun des Königs Tuscus Sicanus ankunft erwartet håtte / so h \chstnötig erachtete ich auch / des Sesai anbringen zu vernemen. Ich ůberließe demnach / die fürung dieses werks / dem Midaspes allein / und machte mich mit dem Reba auf den weg / dem Marsius zu folgen: der sich in ein unůberwindliches berghaus / so einem von des Sesai vettern zuståndig / und unfern von hier liget / begeben hatte /und alda ganz verborgen für aller welt leben wolte /üm in seiner tiefsten traurigkeit / und in dem fůrsatz /also zu sterben / nicht verst \ret zu werden. Wie uns Sesai fůr sich kommen lassen / fanden wir viel tausend der vornemsten riesen bei ihm versamlet / und thäte er uns weitlåufiger / als ich nun sagen kan / diesen vortrag / daß wir zu seinem anschlag / unsere K \nigin von hier zu entfůren / behůlflich seyn m \chten. Der Reba / war hiezu gleich erb \tig. [732] Ich meines orts / hätte ihm zwar gern widersprochen: weil ich es aber nicht zu hintertreiben vermochte / als name ich mich dessen ja so eiferig an / als der Reba /und verhieße / die hiesige riesen und schäfere dahin zu bereden / daß dieser Königliche raub / der Mesopotamien in frieden und wolstand erhalten könte / für sich gehen m \chte.
Mit dieser vertröstung / sind wir nun von dem Sesai abgereiset / und zwar in gesellschaft der gesandten von den Enakim an hiesige priesterschaft und die Horiten / welche abgeordnet sind / ihr leidwesen /wegen der entstandenen unruhe in hiesigem feste /ihnen zu bezeugen / und dabei ihnen kund zu machen / wie der verliebte K \nig von Basan ihr gefangener gewesen: worbei sie sich dann zu erfreuen hätten /daß sie an diesem ihrem großen bundsverwandten sich nicht in unwissenheit vergriffen / und dadurch den gänzlichen untergang auf sich geladen hätten. Diesen nachmittag ist nun alhier der vortrag geschehen / und hat sich hiesige unruhe dadurch sehr gestillet. Nun wird man morgen ingesamt zu raht gehen /wie / dem ausspruch des Teraphim zu folge / derselbe anderweit möge ausgesönet werden. Weil wir mit dem Sesai verlassen / daß ich morgen wieder bei ihm seyn / und ihm die erklärung unserer hirten bringen wolte /zumal / vieler ursachen halber / kein augenblick hierinn zu verseumen ist / als habe ich meinen schwieger-s \hnen / wie auch den andren / denen ich mich vertrauen dörfen / zugeredet / daß sie nimmermehr in die entfürung ihrer K \nigin willigen / sondern ihr leib und leben bei ihr aufsetzen m \chten: die mir dan nicht allein dieses / sondern auch / ihre mitgesellen auf ihre seite zu bringen / versprochen haben. Das widerspiel hievon / habe ich dem Reba vermeldet / der dan alle Horiten / [733] wie auch die andere richtere und viele von unsren hirten / auf seiner seite hat: und ist beschlossen worden / daß über zween tage / wan das hiesige fest zu ende seyn wird / die lieferung unserer K \nigin an den Sesai geschehen sol.
Diese erklärung muß ich ihm nun morgen früh überbringen / und habe ich euch / liebe Sataspe! von diesem allen er \ffnung thun wollen: damit ihr sofort unsere Königin dessen berichten / und sie warnen k \nnet / sich hierbei fůrzusehen. Dan ich scheue mich / selber zu ihr zu gehen: üm keinen verdacht auf mich zu laden. Euer guter verstand wird euch schon an die hand geben / was ihr von allem dem / so ich euch erzehlet / der K \nigin sagen sollet: und muß man ihr ja bergen / sowol die häftige liebe des Marsius / als daß der Aborigener-K \nig seiner Ahalibama noch nicht v \llig vergessen hat / damit sie nicht ihre entschließung åndere / und den K \nig von Basan dem andren fůrziehe. Viel nůtzlicher werdet ihr ihr von des Tuscus Sicanus ihr zu-tragenden liebe sagen / die so brůnstig sei / daß ich sie euch nicht gnug beschreiben k \nnen. Vor allen dingen aber můßet ihr dahin trachten / daß die Königin ja nicht seume / von hier nach dem schloß Amida aufzubrechen / ehe diese zween tage vorbei seyn werden.
Demas schwiege hiemit / und h \rte die Sataspe sagen: Ich bin so voll verwunderung über allem / was ich von euch vernommen / daß ich mich fast nicht zu erholen weiß. Wan ich aber die warheit gestehen sol /so tauret mich der grosse Marsius so sehr / daß ich lieber fůr ihn / als für den Tuscus Sicanus / sprechen m \chte. Die wolfart aber unsres landes / (antwortete Demas) wie auch die ruhe der gemalin des grossen Edoms / als unserer Ahalibama / die ihr mit mir gleich hoch verehret sprechen fůr den Tuscus Sicanus: wie dan auch unsere [734] Königin / und der König von Syrien / dieses wol erwogen / und auf den Aborigener-König selbst gewehlet haben. Die wahl unserer Königin und ihres brudern / (gabe Sataspe zur antwort) lasse ich in ihren wůrden: daß aber unserer Ahalibama ruhe hieraus entstehen müsse / kan ich nicht glauben: dann .... Alhier verstumte sie / und begriffe sich: weil ihr etwas einfiele / so sie abhielte / ihre gedanken vollends heraus zu sagen. Demas / der dieses nicht beachtet hatte / fure fort / sie zu vermanen / daß sie dieses gewerbe ja wol ausrichten solte / und verließe sie hierauf / ům die ůbrige nacht auszuruhen / damit er gegen die morgige reise desto munterer seyn möchte.
Sobald nun die sonne an den Taurischen gipfeln sich wieder sehen lassen / eilete Sataspe nach der Königin zimmer / üm sie alles dessen zu berichten / was ihr der Demas aufgetragen. Nachdem sie von der Amphilite angemeldet worden / muste sie fůr der Königin bette kommen: weil diese gleich ahnete / daß solche frůzeitige besuchung etwas sonderbares auf sich haben wůrde. Habt ihr den Demas gesprochen? fragte sie / als Sataspe in die kammer trate. Nicht allein /gnädgiste Königin! (antwortete sie) habe ich denselben gesprochen / sondern er ist auch ursach / daß ich iezt hieher komme. So saget dan heraus / (sagte die K \nigin / voll grosser begierde) was ihr fürzubringen habet. Mein vetter (finge die Sataspe an) hat auf den Taurischen gebirge eine verråterei wider E. Maj. ausgekundschaftet / indem der riese Sesai und seine gehülfen damit ůmgehen / E. Maj. für den K \nig von Basan zu entfüren. Viele von den hiesigen Horiten /wie auch von den richtern und schäfern aus Amida /ligen mit unter diesen anschlag / und soll übermorgen / wan sich das [735] fest geendet / diese frefel-tat verübet werden. Des Demas ergebenste treue gegen seiner Königin / machet ihn dieses entdecken: und vermeinet er / E. Maj. würden wol thun / wan sie alhier nicht länger verweilten / sondern sich nach dem schloß Amida in sicherheit begäben.
Mich befr \mdet nicht wenig / (sagte die K \nigin) was ihr mir anbringet / weil ich so einer gewaltthat /weder von dem h \flichen K \nig in Balan / noch von hiesigen meinen unterthanen mich versehen können. Ich m \chte aber wol wissen / ob der Aborigener-K \nig zur stelle sei: der verhoffentlich diese gewaltsamkeit zu verhintern wüste. Wie Sataspe / auf diese der K \nigin worte / etwas stillschwiege / fuhre sie also / fort zu reden: Hat euch Demas nichtes von dem Tuscus Sicanus gesaget? oder ist ihme die begebnis mit dem entkommenen gefangenen unbewust / den sie hier zum Teraphim schlachten wolten? Sataspe / die ihr fürgenommen hatte / von diesem allem nichtes zu erzehlen / ům sich nicht zu verreden / wandte fůr /Demas håtte / wegen der eilfårtigkeit / von diesen dingen ihr nichtes sagen k \nnen / und wůste sie allein dieses aus seinem bericht / daß Tuscus Sicanus auf dem gebirge / und zwar sehr wol / sich befånde. Hierauf erzehlte sie / ům die Königin hiervon abzubringen / was Demas ihr von der entfüreten priesterin er \ffe net / und wie selbige / neben ihrem entfürer / unter den Assyriern nun gefangen säße. Sie verschwiege aber hierbei die verwundung des Chersis / die Amphilite nicht zu betrüben / die mit in der K \nigin kammer ware.
Die schöne Aramena wurde etwas ungedultig / daß Demas eben davon zu melden vergessen hatte / was sie zum nächsten anginge. Wie sie demnach sich ankleiden lassen / wurde nach dem Fůrsten Elihu geschicket: [736] der dan nicht lang seumte / sich einzustellen / weil er schon auf den wege begriffen gewesen / der Königin aufzuwarten. Er brachte ihr post / von dem Aramenes ihrem bruder / und meldete zugleich den alten Thebah bei ihr an / der mit briefen an sie ware abgeschikt worden. Ihr verlangen / denselben zu sprechen / machte sie das / was sie dem Elihu zu sagen hatte / so lang aufschieben / bis sie den Thebah gesehen håtte. Dieser kame nun zu ihr hinein / wie ein hirte verkleidet / und als er ihr den rock geküsset /ůberreichte er ihr zween briefe / die von dem K \nig und der K \nigin in Syrien an sie geschrieben waren. Sie er \ffnete dieselben höchstbegierig / und fande in der Cölidiane ihrem / welcher noch zu Samosata abgeben worden / daß diese K \nigin nun völlig vergnügt und sonder eiversucht lebte. Aber in dem brief ihres brudern / den er auf dem schloß Amida geschrieben / zeigete sich ihr dessen sonderbare freud-bezeu gung ůber den reuenden und ausges \nten Cimber. Sie beziehen sich auf euren můndlichen bericht / mein vatter! (sagte sie wider ihn) darum meldet mir nur bald / wie es ihnen und den andern hinterlassenen ergehet.
Gnädigste Königin! (antwortete Thebah) die ganze gegend von Amida schiene bisher traurig / seit dem ihre sonne sich nicht bei ihnen sehen låsset; und hat man fast die minuten gezehlet / bis hiesiges fest m \chte seine endschaft erreichen. Es kamen zwar /wenig tage nach E. Maj. abzuge / die Canaanitische K \nige / als der Hemor von Sichem / Ariates von Hazor / (woselbst dieser nun regiret / nachdem der alte K \nig von Hazor gestorben) der Jebus von Jericho / mit der K \nigin Milcaride und ihrer fraumutter /der alten Syrischen stathalterin Tharasile / nach Samosata: aber sie vermochten [737] ingesamt das nicht zu ersetzen / was ihnen an E. Maj. einiger person ermangelt. Wie nun der Fůrst Nahor / die post von dem gefangenen K \nig der Aborigener / uns zuschriebe /womit auch E. Maj. brief an den König in Syrien sich einstellte / verwunderte man sich nicht allein über dieses Königs beginnen / und růmete dabei E. Maj. fůrsatz / ihn zu erlösen / sondern man vor-sahe auch viel verdriesliche weitlåufigkeiten / die hieraus entstehen könten. Mein König machte sich so fort auf den weg / nach dem schloß Amida / das unferne von hier gelegen / ům E. Maj. desto nåher zu seyn. Er vermochte auch den König von Ninive dazu / daß er eiligst in sein reich schickte / ům / als der nächste /seine kriegsv \lker an hiesige gränzen zu schaffen. Er ließe auch sofort den Elhanan nach Syrien gehen / ům alles volk / was in der eile aufzubringen / hieher zu füren / damit der Horiten besorglichem aufstand gewehret / und dabei auf die Celten und Aborigener /die sich auf dem gebirge alhier versamlet / ein wachendes auge k \nte gehalten werden.
Der verliebte Sinear thäte die reise mit dem K \nig /und wie wir unferne vom schloß Amida waren / stieße Bethuel auf uns / und kůndigte dem König an / wie es E. Maj. mit dem so-genanten Cimber ergangen ware. Ich kan wol sagen / daß ich den König / seitdaß er in Mesopotamien gewesen / nie so freudig gesehen habe. Er machte auch vor uns andren kein geheimnis davon / was die liebe dieses K \nigs zu der großen tochter meines verstorbenen herrn betraffe / und was sich dabei zugetragen: woraus dan ich insonderheit unbeschreibliche freude sch \pfte / und dem gerechten himmel dankte / der mich dieses übrige von meiner verlangten glückseligkeit nun auch noch erleben lassen /E. Maj. völlig vergnügt [738] zu wissen. Wie wir nach Amida kamen / wolte mein K \nig / weil er / verm \g hiesiger gesetze / unter wårendem Fest nicht selber herüber ko en durfte / E. Maj. alsofort sein da-seyn zu wissen thun / und zugleich sich ferneren verlaufs erkundigen.
Er muste aber / mit nicht-geringer befrömdung /vermen / daß alle wege hieher von den Horiten abgeschnitten waren / und dieselbe keinen menschen diese straße wolten reisen lassen. Seine herzbrůdeeliche liebe zu E. Maj. machte ihn gleich für sie das widrigste fůrchten. Er ware zwar willens / wie ihme dan leicht zu thun gewesen / mit gewalt durch zu brechen /worzu der verliebte Sinear stark riete: doch beschlosse er / ein gůtlichers mittel zu erwarten. Endlich bote ich mich an / in hirten-kleideren mich hieher zu wagen: welches ich ohne sonderbare gefahr thun k \nnen / weil ich / diesen stand anzunemen / ohndas entschlossen bin / und unferne von hier bereits landgüter erkauft habe / daher man mir / wan ich solte verraten werden / nichts wird anhaben können. Mein fůrnemen ist mir nun geglůcket / und erkennen also E. Maj. wie es uns ergehet / was sie ferner von meinem König zu begehren / oder ihme hinwieder zu entbieten haben / so ich mit gleicher treu und sorgfalt zu bestellen / mich erbiete.
Ihr hättet wol / mein vatter! (sagte hierauf die Königin) zu keiner gewünschtern zeit / als nun / euch hier einfinden k \nnen: und erkenne ich hieraus die sonderbare fůrsorge des h \chsten / der euch eben zu mir schicket / da mir hůlfe und raht so hoch vonn \ten ist. Wisset demnach / (sagte sie ferner / den Elihu und Thebah anschauend) daß man hier einen raht ůber mich beschlossen hat / mich dem König Marsius von Basan ein zu lieferen / und hält allein das noch-wärende fest die [739] Barbaren zu rücke / nicht so fort hand an mich zu legen. Der glimpf / womit ich bisher diesen leuten begegnet / und der mich / ihre gute gunst zu gewinnen / hieher auf ihr fest mit erscheinen gemacht / stůrzet mich nun in solches unwesen. So ratet mir dan / meine freunde! was hiebei zu thun sei: ob ich mich ferner bergen / und heimlich von hinnen zu entwischen bedacht seyn / oder öffentlich meinen bruder zu mir ziehen / und meiner königlichen gewalt mich bedienen soll?
Elihu und Thebah blieben hierůber sehr bestůrzt /und sahen als im spiegel / was dieses fůr weitlåufigkeit und unruhe nach sich ziehen könte. Also befanden sie beiderseits für das zuträglichste und båste /daß die K \nigin / sonder ferneres zeit-versaumen /nach Amida sich davon machen / und also dieser drohenden gefahr zuvor ko en solte. Demnach wurde abgeredet / daß Thebah von stund an nach dem K \nig von Syrien wieder ümkehren / und einen wagen mit einer starken anzahl von seiner leibwacht / im nächsten holz fårtig stellen solte / die Königin / folgenden morgens in der frühe / von hinnen zu fůren. Die drei Prinzessinnen von Ausitis / kamen eben dazu / als dieses beratschlaget wurde: da der Thebah / der åltsten und jüngsten / briefe vom Sinear und Bethuel überreichte / deren inhalt war / daß sie ihr ausenbleiben entschůldigten / und dabei ihr verlangen andeuteten / ihre schöne Prinzessinnen bald wieder zu sehen. Wie nun diese von dem / was fürgegangen war / nachricht erhalten / wolten sie nicht dahinten bleiben / wan die Königin abreisen würde: welches sie / in ihren antwortschreiben / ihren geliebten fürsten zu wissen thäten.
Wie nun Thebah / von der Königin und diesen dreien / mit briefen wieder abgefärtigt war / und vom hofe des tempels wieder hinab ginge / ersahe ihn Oromedon: [740] der / neben andern der richtere creaturen /ståts acht hatte / was bei der Königin geschahe / und wer bei ihr aus und einginge. Er hielte diesen alten /weil er ihn nur rükwarts gesehen / für den Demas: eilete auch deshalben zu Reba und den andren richtern /und meldete ihnen an / wie er den Demas von der K \nigin hätte abgehen sehen. Dieses befr \mdete die richtere nicht wenig / weil sie nicht anders wusten /als daß Demas bereits in der de erung hinweg gereiset ware / welches auch in der nachfrage sich ålso befunden. Demnach schlossen sie endlich / daß es der alte Chebron můste gewesen seyn / der seine tochter die Amphilite besuchen wollen.
Es verfůgten sich aber / die vier richtere / nach des Oberpriesters palast / ům dem großen raht beizuwonen / der alda von allen geistlichen / auch von den vorstehern des tempels / und etlichen fůrnemsten unter den Mesopotamischen hirten / deren auch Laban einer war / solte gehalten werden: ům endlich / da nur noch ein tag vom Fest übrig war / einen end-schluß zu machen / wie der große Teraphim k \nte ausgesönet /und also dieses Fest fr \lich beschlossen werden. Die von den Enakim gestriges tags angekommene gesandten / weil sie auch hirten waren / wurden gleichfalls mit hierzu gezogen. Wie nun ihr bericht / daß der große Marsius der Mesopotamier gefangener gewesen / ihnen v \llig die wieder-einholung dieses bestimt-gewesenen Teraphim und die versönung der gottheit /aus dem sinne gebracht / wendeten sie alle ihre gedanken auf den gegebenen ausspruch / welcher also gelautet: daß hirtinnen aus fůrstlichem geblůte vorhanden wären / die den großen Teraphim gedåchten hinweg zu rauben / und daß wider dieselben die rache ergehen solte / wenn man den fr \mden [741] zum Teraphim nicht schlachten k \nte. Weil nun diß letzere sich begeben hatte / als truge der Oberpriester das erste vor /daß ieder seine meinung darůber entdecken solte. Weil er und seine geistliche den schluß in dergleichen beratschlagungen zu machen pflegten / als ließen sie erstlich die weltliche reden: da man / den abgeordneten von dem gebirge / die ehre g \nnte / mit ihrer ratstimme den anfang zu machen.
Diesen fiele bei / wie eben den tag / als man den Marsius zu ihnen gebracht / die Prinzessin von Tyro /die Zoroastra / als eine priesterin des tempels / auch dahin gekommen / deren schwester / die Rahabine /ihrer aussage nach / ebenfalls priesterin alhier wäre: daher vermeinten sie / weil die gottheit von einem schwester-paar geredet / und Zoroastra bereits durch ihre flucht erwiesen / daß sie fåhig seyn könne / dem großen Teraphim seine ehre zu rauben / es müste dieselbe / oder die Rahabine / welche von beiden die sch \nste wäre / der gottheit zum sůn-opfer / geschlachtet werden. Nach diesem / redten die Horiten: welche die gedanken ihrer brüder / der Enakim /darum verwarfen / weil der Teraphim seine rauberinnen ausdrücklich hirtinnen genennet / welchen stand die Prinzessinnen von Tyro niemals angeno en / und also hiermit nicht k \nten gemeinet seyn. Sie stimmeten aber hingegen / wiewol sie es ungern vorbrachten / auf die Lea und Rahel / und zwar auf diese letzere /als die sch \nste: massen bekant wäre / daß der jetzige Teraphim / als er noch Pasicles gewesen / die Rahel geliebet / und werde er sie nun / durch den tod / näher zu sich rucken wollen. Den Fůrsten Laban überfiele ein kalter schaur / wie er die Horiten also reden h \rte: dorfte und wolte aber doch hierwieder / weil er dem g \tzendienst des Teraphim sehr ergeben war / nicht das geringste sagen / [742] sondern erwartete / was die geistlichkeit endlich hierinn schließen würde.
Wie nun auch an ihn und die richtere aus allen landschaften von Mesopotamien die reihe zu sprechen kam / fielen ihre stimmen dahinaus / wie der Teraphim ihre K \nigin / die ihm seine ehre dadurch geraubet / indem sie dem gefangenen Marsius davon geholfen / gemeinet / und / unter dem wort der rache / dieses wolle verstanden haben / daß man sie zwingen můste / den König Marsius von Basan zu lieben /deme sie stäts / in ihrer wahl / den König der Aborigener fůrgezogen. Wiewol nun keiner in der versamlung war / der dieses nicht gebilligt / daß man die heurat ihrer K \nigin und des großen Marsius befördern müste / so wolte doch den andern nicht einleuchten / daß der Teraphim hierdurch würde k \nnen ausges \net werden.
Als endlich auch die von Zoba zu sprechen hatten /fürete der Harad das wort / und begunte also zu reden: Ich verwundere mich billig / daß keiner von so vielen hocherleuchten geistern / die ich hier vor mir sehe /erraten können / was unser großer Teraphim doch so deutlich von uns heischet. Er spricht:
Auch hirtinnen sind hier / durch deren hand
ich leichtlich werde seyn entfůret /
wehrt es nicht deine treu / ô liebes vatterland!
Aus fůrsten-blut zehlt man des schwestern-par /
von der die sch \nste dan mir drohet die gefahr.
Weiß dan niemand von euch allen / daß wir die fůrstliche hirtinnen / des Hiobs töchter / hier bei uns haben? die nicht / wie Rahel thut / den großen Teraphim anbeten / sondern eine fr \mde gottheit verehren / von der wir nichtes wissen. Solte auch hier unbekant seyn k \nnen / wie man / aus dem lande Uz / alle altåre / tempel [743] und håyne der heiligen götter ausgebannet und zerstöret? wåre es dan ein wunder / wan diese der K \nigin ihre ratgeberinnen wůrden / und sie verleiteten / unsern großen tempel auch also auszurotten? Sie selbst / wie ich gehöret / haben ihnen geprofezeiet /daß / wann sie würden in Mesopotamien bekant werden / ihnen ein großes unglück vorstünde. Dieses kan nun erfůllet werden / wann man dem befehl des großen Teraphim ein genůgen thut / und diese götterstůrmerinnen von der erden tilget. Der Teraphim saget: die schönste drohe ihm die gefahr. Welche ist aber unter diesen dreien die sch \nste? machen sie nicht /alle dreie / die vollkommenste schönheit / also daß sie auch zugleich sind geliebet worden? Wil man sich hierbei für unserer Königin / die sie beschützen d \rfte / oder fůr der onmåchtigen macht von Ausitis und Chaldea / fůrchten / so můste ich sagen / man scheuete mehr die menschen / als die g \tter. Sol des großen Teraphim befehl erfůllet werden / und unser land in ruhe und segen verbleiben / so muß geschehen /wovon ich rede.
Als dan die rach' auf die ergeht /
die da nach meinem raube trachten:
Diß sind des Teraphim worte. Die rache / bedeutet die hinopferung; und das folgende wort / die / will sagen /daß mehr als eine zu solchem sůn-opfer dienen müße.
Hiemit h \rte Harad auf zu reden / und entstunde sofort eine allgemeine stille in der versamlung / die da anzeigte / daß dieser fürtrag des Harads ein allgemeines nachdenken erweckt håtte. Dieser Harad / ware des Prinzen Cesias von Zoba hofmeister gewesen /und hatte / gleich allen von Zoba / seitdaß sein Prinz wegen der Jemima ümgekommen / einen unvers \nlichen haß [744] gegen diese Prinzessin und ihre beide schwestern gefasset: daher er mit freuden diese gelegenheit ergriffen / ihme schaden zu thun. Er hatte aber vorher schon heimlich unter den anwesenden Enakim / und den andern / fürnemlich aber unter den priestern / viele auf seine seite gebracht / und denen sein vorhaben er \ffnet. Wie nun alle stimmen abgelegt waren /und schlüßig die geistliche sprechen solten / hörte man sie derer von Zoba meinung beipflichten / denen sofort auch alle die andere beifielen. Also wurde einhållig der schluß gemacht / daß man / die drei t \chter des Hiobs / dem Teraphim zum sün-opfer schlachten můste. Um nun hierzu zu gelangen / und alle dabei anscheinende hinternisen / deren nicht wenig / aus den weg zu raumen / wurde ferner beschlossen / dieses bis folgenden morgen in höchster stille zu halten / und alsdan / wan das ganze volk vor den tempel sich würde versamlet haben / hiermit auszubrechen / der K \nigin die drei Prinzessinnen abzunemen / und sie in den tempel zu fůren.
Der Reba und die andern / die den anschlag gemachet / daß ihre Königin dem Sesai solte ůberliefert werden / fanden dieses zu ihrem fürhaben nůzlich /und daß dadurch alles leichter von statten gehen wůrde / was sie dem Sesai versprochen hatten. Also endete sich dieser grosse ratgang: unter welchem alles volk / so auf dem fest erschienen / mit schmerzlichem verlangen geharret / was doch endlich der schluß seyn würde. Demnach wurden die heraus kommende hier und da befraget: die dan allerseits den guten bescheid gaben / daß folgenden tags die grosse auss \nung ihres Teraphim geschehen solte. Hierbei ließe auch der Oberpriester den schåfern sagen / daß sie nur sich frölich bezeigen / und länger nicht eingezogen leben solten / weil nun das [745] wäre gefunden worden / was ihre gottheit vergnůgen könte. Also wurde nun die ganze gegend von Abagara wieder wach und munter / da sie vorher als erstorben geschienen. Und damit auch die Königin hiervon nachricht haben m \chte / und ihr hierunter die schůldige ehrerbietung wiederfůre /fårtigten sie den Oberpriester in person an sie ab: der ihr kund thäte / daß am folgenden tag / als dem lezten des festes / eine allgemeine versamlung des ganzen volkes vor dem tempel geschehen / das fest mit deme /was sie heut für gut gefunden und morgen eröffnen wolten / geendet / und dan die růkkehr nach haus solte angestellet werden. Die Königin erwiese keinen fürwitz / dasjenige zu wissen / was sie unter sich beratschlaget / sondern sagte: wiedaß ihr alles mit gefällig wåre / wie sie es anstellen wůrden.
Hierauf kamen zu ihr / die abgesandten von den kindern Enak / wie auch die fůrnemsten aus Abagara: die alle gegen ihr verheleten / daß sie darüm wůsten /wie sie dem König Marsius håtte davon geholfen. Die / so sie vor deme noch nicht gesehen / bewunderten nun nicht mehr die häftige liebe dieses K \nigs / da sie ihre wunder-schöne erkanten. Die drei schöne t \chter des Hiobs / so mit zugegen / und nicht wusten / was ihnen bereitet war / erweckten auch kein geringes mitleiden bei diesen riesen: und wandte der Telecles die augen von ihnen ab / üm nicht / wider sein amt /weichmůtig für sie zu werden. Es vergliche sich nun /dieser tag / mit dem ersten im feste / und war ein allgemeines wolleben allenthalben zu spüren / welches fast die ganze nacht hindurch gewäret: weil der oberpriester den hirten so gute vertr \stung gegeben hatte.
Es finge nicht so bald wieder an zu tagen / da stellte sich Elihu bei der K \nigin ein / ům dieselbe /neben den [746] dreien Prinzessinnen von Ausitis / nach dem holze hinzufůren / da der wagen / und ihres bruders leibwacht / ihrer warten wolte. Athamias / Ausicles / Abinael / Nisan / Timonax und die andern / hatten sich / auf des Elihu verordnung / in grosser mänge auch dahinwarts versamlet / üm auf allen notfall ihrer K \nigin beizuspringen. Weil Aramena / bei ihrer selbst-eigenen not / auch des anligens anderer nicht vergessen konte / als erinnerte sie sich der Prinzessin Rahabine / und ließe derselben durch die Amphilite sagen: sie solte nur in gedult stehen / ihr König von Jericho wåre zu Samosata / den wolte sie schon dahin vermögen / sie bald aus dem tempel abzuholen. Wie nun diß bestellet war / und sie auch der Lea und Rahel / durch eben diese hirtin / viel guts sagen lassen / ginge sie / als wan sie in der morgenzeit lust-wandlen wolte / mit den dreien Prinzessinnen feld-ein / da Elihu ihr den weg wiese. Sie stießen sofort auf den unbescheidenen Oromedon / der / von dem nachtgeschwelge noch halb-beråuschet / sie nicht verlassen /sondern mit ihnen gehen wolte. Weil der vorsichtige Elihu es ratsamer befunde / daß er bei ihnen bliebe /als wan er / von ihnen abgewiesen / ihr ausgehen den andern anmeldete / als fassete er ihn bei der hand /und n \tigte ihn / ihme etwas zu thun zu schaffen / daß er möchte auf seinem horn eins hören lassen.
Dieser war hierzu gleich willig / hatte aber kaum etliche mal in sein horn gestossen / da kamen von den Horiten und denen aus Zoba etliche herzu: dan sie hatten / bei ihrem nachtgeschwelge / einander diese losung gegeben / daß sie / wan sie das horn frů morgens würden blasen h \ren / sich versamlen wolten /ům sodan ingesamt nach dem tempel zu gehen. Zum unglück / befanden sich unter diesen etliche / die da wissenschaft davon [747] hatten / was ůber des Hiobs drei töchter war beschlossen worden: die dan gleich vermuteten / dieses frühe spaziren-gehen / d \rfte etwas anders und eine flucht bedeuten. Demnach beredten sie sich / teils ihnen zu folgen / teils es dem oberpriester und den richtern anzumelden. Den dreien Prinzessinnen wurde angst für ihre K \nigin / die ihre eigene gefahr nicht wusten / und ermanneten sie sich / diesen leuten zu zureden / daß sie der Königin an ihrer spazir-lust / die in der einsamkeit bestůnde / nicht hinterlich seyn solten: die aber dessen lacheten / und nur mehr sich ihnen nåherten. Die Königin / nicht anders vermutend / als daß sie verraten wåre / bliebe endlich stehen / und mit ihrer majestet diese hirten anschauend / sagte sie zu ihnen: wonet dan bei euch so wenig ehrerbietung fůr eure K \nigin / daß ihr dessen / was ihr iezt beginnet / euch erkünen dörfet? Auf diese frage / stutzeten sie in gesamt; und wie eben auch Elihu dem Oromedon (der / ob er gleich die andere seite hielte / doch deren geheimnise nicht recht wuste) beredet / diesen ungestümen zu zusprechen / daß sie die Königin allein lassen möchten / machte dieser sie bei ihm stehen blieben.
Die Königin / ginge nun mit dem Elihu und den Prinzessinnen / stark fort / also daß sie fast das holz erreichten / da sie den wagen und die Syrer finden solten. Weil aber die vorsichtige riesen alle zugånge zu ihrem tempel mit wachten besetzet / als hatten sie bereits nachricht erhalten / daß ein haufe Syrer im holz angekommen wåre: da zugleich etliche Horiten anmeldeten / wie sie die K \nigin mit dem Elihu und den dreien Prinzessinnen / auf dem weg nach dem holz /im feld angetroffen hätten. Die geistlichen versamleten demnach sofort das volk nach den tempel / üm ihnen / durch den [748] oberpriester / die erklårung von des Teraphim willen / ankünden zu lassen: inzwischen der Tilador / Harad / Reba und Helidor / mit allen Horiten / was nur bewaffnet war und zu pferd kommen kunte / dem k \niglichen frauenzimmer nachsezten /üm deren flucht zu verhintern. Das versamlete volk erfuhre nun / durch eine bewegliche rede des Oberpriesters / wie auf keine andere weise der grosse Teraphim k \nte begůtigt und ausgesönet werden / als durch das blut der drei k \niglichen schäferinnen von Ausitis: die man ihnen aber iezt entfůren / und also alles unglůck über ihren tempel und ůber ihr land bringen wolte. Dieses brachte bei diesen aberglaubischen so viel zu wege / daß sie ingesamt / von dem Oberpriester selbst gefůret / den andren nacheileten: des willens / ihre K \nigin / fůr die sie doch alle ehrerbietung behielten / anzuflehen / daß sie diese bestimte opfer ihnen überlassen / und durch ihre mitleidigkeit Mesopotamien nicht in elend stůrzen wolte.
Wie diese bei vielen tausenden ankamen / fanden sie ein håftiges gefechte / zwischen den frömden Syrern und den Horiten: da jene der dapfere Sinear fůrete / und diese den Tilador zum obersten hatten. Neben diesem pferd-gemånge / ware auch zu fus der streit angegangen / da die hirten / so auf der K \nigin seite waren / unter anfürung des Elihu und wieder-angekommenen Bethuels / dem Oromedon und seinem anhange gnug zu schaffen macheten. Die Königin und die drei Prinzessinnen / stunden / mitten zwischen diesem gefechte / auf einem hügel / und vermochten nicht / wie sie gewillt waren / hindurch und zu ihren wägen zu kommen / ům auf denselben davon zu fahren. Wie nun / zu dieser verwirrung / da die Königin ihrenthalber unter ihren unterthanen ein solches blutbad angehen sahe / ein [749] lediges pferd / so seinen herrn verloren / hinzu gelaufen kame / erwischte sie dasselbe beim zügel / schwunge sich hinauf / rennete sofort zwischen beide teile / und rieffe ihnen zu / daß sie mit dem fechten einhalten solten. Ein jeder / der die K \ni gin sahe / ware willig ihr zu gehorchen.
Weil sie nicht anders vermeinte / als daß dieses ihr allein gälte / üm sie für den K \nig von Basan zu erobern / und weil sie üm der Prinzessinnen gefahr nicht wuste / als gedachte sie nur an ihre selbst-eigene freiheit / und ritte / als sie das grosse volk ersahe / das mit dem Oberpriester angekommen war / auf dasselbe zu / in hoffnung / dieses heer auf ihre seite zu bringen. Sie sagte ihnen: Sie vermeine nicht / gegen ihren unterthanen sich also verhalten zu haben / daß man sie an einen fr \mden König solte verråterlich übergeben wollen. Wer nun unter ihnen seine treu und liebe ihr wolte sehen lassen / der solte ihr helfen / daß sie / mit diesen angelangten Syrern nach Amida zu ihrem bruder kommen m \chte. Weil die meisten unter dieser großen hirten-schar von dem vorstehenden verraht nichts wusten / und nun ihre Königin also reden h \rten / erboten sie sich alle für einen man / bei ihr zu stehen / und drungen sofort in die Horiten / zugleich ruffend: daß man wider ihre große K \nigin nichtes beginnen / sondern ihr alle freiheit lassen müste. Die seite derjenigen / die die entfůrung der Königin befördern wollen / fande sich viel zu schwach / dieser großen volk-mänge zu widerstehen. Wie sie nun sahen /daß ihr fürnemen nicht fortgehen konte / verneinten sie beständig / so wol gegen dem volke / als vor der K \nigin / daß sie etwas anders vorgehabt / als des großen Teraphim ehre zu retten: weil sie ihnen eingebildet / der Prinz von Chaldea wäre darüm / [750] mit seinen bei sich habenden / wider die heiligen gesetze ihres landes / in ihre gränzen eingebrochen / ům die drei Prinzessinnen von Ausitis zu entfůren / die der große Teraphim zum sůn-opfer haben wolte.
Inzwischen Tilador und Reba also zur K \nigin redten / riefe Harad unter das volk: wir vergreifen uns keines wegs an unserer Königin / sondern wir fordern nur die bestimte opfere unsres gottes / die drei Prinzessinnen von Ausitis: mit denen wir alle wolfart unsres tempels / ja des ganzen landes / verlieren würden. Dieses wiederholte auch der Telecles und die andere mitgekommene geistliche / und wurde hierdurch das volk so eiferig gemacht / daß sie ganz laut und inständig riefen: man můste dem großen Teraphim sein opfer lassen. Es hatte die K \nigin kaum luft geschöpfet / als nunmehr allem widrigen entgangen zu seyn vermeinend / wie dieses neue unwesen herfůrbrache: welches sie / so wol als die drei verliebte Fürsten /mit h \chster bestůrzung anhörete. Sie begehrte unterricht von dem Telecles / wie es hiermit bewandt wäre. Inzwischen ihr nun der erzehlte / was über diese drei unschüldige nach des Teraphim ausspruch war geschlossen worden / sahe sie / daß das volk auf die drei Prinzessinnen eindrunge: die dan einander ůmfasset hielten / und also ihr geschicke mit grosser standhaftigkeit erwarteten. Die K \nigin rante sofort dahin /und riefe: man solte sich an denen nicht vergreifen /die in ihrem schutz wären.
Der halbtodte Sinear / wie auch der erschrockene Elihu / und der bestũrzte Bethuel / frischeten immittels die ihrigen an / die Prinzessinnen beschůtzen zu helfen: da aber keiner / als der Sinear / gehör erlangte / weil die hirten ingesamt / auser zween oder dreien /die [751] nicht abg \ttisch waren / solche verehrung für den Teraphim hegten / daß keiner hand anlegen wolte /ihm sein bestimtes opfer zu entwenden. Aber die leibwacht des Königs von Syrien / folgte dem verzweifelten Sinear / der mit ihnen durch das volk drange / des vorhabens / also in der hast die Prinzessinnen davon zu bringen. Nachdem er ihme mit seinem sebel raum gemacht / und verschiedene vom volk schwerlich verwundet und erleget hatte / kame er zwar bald an dem hügel / wo die Prinzessinnen stunden / und die K \nigin bei ihnen zu pferd hielte: es ware ihm aber unmůglich / sein vorhaben zu volbringen / da der Harad / mit den Horiten und allem volk herzu drange / und ohne ansehen der K \nigin / die die Prinzessinnen / so sich an ihr pferd gelehnet / mit beiden armen umfangen hielte / dieselben hinweg rissen / und sie so tief unter das volk brachten / daß sie nicht mehr konten gerettet werden. Telecles und die geistlichen / fasseten sie damit bei den händen / schlossen ům sie einen kreis / daß sie nicht von dem tobenden p \bel zertreten wůrden / und wandten sich also mit ihnen wieder nach dem tempel: da zugleich der Tilador abgeschickt wurde / dieses beginnen gegen die K \nigin zu entschuldigen / und sie alles schůldigsten gehorsams /auser in dem / was den gottesdienst betraffe / von dem volke zu versichren.
Aramena bliebe / ůber diesem zufall / so erstorben und aus sich selber / daß sie fast nicht wuste / wie ihr geschahe. Und als sie den verzweifelten Sinear erblickte / der vergeblich seinen mitgebrachten Syrern zuriefe / noch einmal in das volk zu setzen / brache sie gegen ihm in diese worte heraus: Ach Sinear! wie übel bewahre ich euch diese / die ihr in meinem schutz gebracht habet! Er / der für verwirrung hierauf nichts antworten konte / rante [752] allein unter das volk /hiebe und metzelte so lang ům sich / bis sie ihn vom pferd herab zogen / und also gefangen mit fortschleppeten. Abinael / Timonax / Athamias / Nisan / Ausicles und ihre gesellen / hielten immittels den Elihu und Bethuel mit gewalt zurücke / die gleichfalls ihren sch \nen nachsetzen wolten. Wie nun dieses sich also zutruge / und die Königin / unter einer großen anzahl hirten / die sich daselbst noch bei ihr befanden / unschlůßig bliebe / was sie thun solte: wolten Reba und Helidor ihr heil noch einmal versuchen / in dieser verwirrung die K \nigin davon zu füren / und zu dem riesen Sesai auf das unferne von dar entlegene bergschloß zu bringen. Sie sprachen deshalben die Horiten auf / und hatten sich schon zimlich gerottet / als der Mitreus und der Thebah / deren der erste die Syrische leibwacht hergefůret / und / ům die Königin zu beschůtzen / dem Sinear nicht gefolget hatte / zu ihr gerennt kamen / und ihr zuredten / ferner alda nicht zu verziehen / sondern eiligst mit ihnen nach Amida sich zu begeben.
Die K \nigin wurde fro / bei solcher ihrer unruhe diese beide zu sehen / und fragte sofort den Thebah: ob er es nicht fůr nützlich hielte / daß sie wieder nach dem tempel ůmkehrte / ům durch ihre gegenwart zu verwehren / daß den Prinzessinnen von Ausitis nichts widriges begegnete? E. Maj. gegenwart / (antwortete Thebah) wird im tempel den Prinzessinnen nichts mehrers / als wie iezt geschehen / vorteilig seyn künnen. Sie eilen dafůr nach unsren König / und reden mit ihm ab / was zu geschwinder befreiung dieser Prinzessinnen wird vonnöten seyn. Ich versichere aber E. Maj. daß die Teraphim-priestere in etlichen tagen mit der vorhabenden opferung nicht fortfahren k \nnen / weil mir ihre gebräuche wol bekant sind / und sie /nun durch das heutige gefechte [753] dieser heilige platz entweihet ist / zuvor etliche tage fasten anstellen / und die erde alhier wieder heiligen můssen. Inzwischen kan nun auf eine hülfe gedacht / und den Prinzessinnen mit nachdruck geholfen werden. Diese worte des Thebah / bewegten die Königin / den weg nach Amida zu nemen.
Wie sie nun nach dem wagen zuritte / stieße sie auf die hirten: welche den Elihu und Bethuel mit mund und hand abhielten / sich nicht in gefahr zu stůrzen. Dieser beiden verliebten zustand taurete sie nun von grund der seele / und zwar meist darum / daß dieses in ihrem reiche geschehen / und doch von ihr nicht konte gewendet werden. Sie riefe ihnen zu / ihr zu folgen: das sie dan / wiewol mehr todt als lebendig thaten. Wie nun auch die andre hirten sie begleiteten / sagte Aramena heimlich zu dem Ausicles / daß er auf alles /so da fůrgehen wůrde / wol acht haben / und dan kommen solte / ihr solches in Amida anzusagen. Hierauf /nachdem ihr der hirte solches versprochen / begabe sie sich zu wagen / auf welchen Elihu / Bethuel und der alte Thebah sich zu ihr setzen musten.
Mitreus aber teilte sein volk in zween haufen / um so wol von hinten als vornen alle gefahr abzuwenden. Wie er dan / dessen n \tig zu haben / bald befande /als Reba und sein anhang / wie sie mitten im holze waren / auf sie los ginge / und die Königin vermeinte davon zubringen. Die hirten / welche vor dem holze wieder nach dem tempel ümgekehret / wurden hievon nichtes gewar / und sezten die Horiten so dapfer an /daß / wan Mitreus und seine Syrer nicht auf dergleichen ůberfall sich hätten versehen und färtig gemacht / die K \nigin nochmals große gefahr håtte anstehen m \gen. Es zogen aber hiebei die Horiten den kürzern / und musten den [754] Reba im stich lassen / der von einem pfeil hart getroffen worden / daß er / unferne von der K \nigin wagen / den geist aufgabe. Sehet ihr wol / Elihu und Bethuel! (sagte die K \nigin zu diesen beiden trostlosen) wie der himmel in allem seine gerechte gerichte ergehen lässet! Lasset euch dieses zur hoffnung dienen / daß der auch die unschüldige t \chter des gottseligen Hiobs an ihren feinden rächen / und diese fromme seelen aus jetziger noht erretten werde. Ach weh! (antwortete Elihu / mit augen voll trånen) wer kan uns versichern / daß Gott das thun wolle / was er wol vermag zu thun? Sind nicht schon einmal dem König Hiob seine erste kinder erbårmlich ůmgekommen? Wer weiß / ob ihm nicht iezt dieselbe versuchung von neuem drohet? Ich habe mich schon wieder (versezte die K \nigin) in meinem geist gefasset / auch selbst so fr \mde abenteuren belebet / da die gefahr nicht geringer als diese gewesen / daß ich der fåsten hoffnung lebe / dieser handel werde uns wol eine kurze angst / aber kein beharrliches trauren / verursachen.
Redet / Thebah! (sagte sie ferner / diesen alten anschauend) und stårket / in diesem troste / mich und diese beide verliebte / die sich noch nicht so viel / als wie ich / begreifen können. Gnädigste Königin! (antwortete dieser alte) es ist zwar gegenwårtiger handel mehr als frömd / und scheinet sehr gefårlich / weil die Prinzessinnen in solcher leute hånde geraten / die /den Teraphim zu verehren / ihres eigenen lebens nicht verschonen / und unfehlbar mit der opferung fortfahren werden / wan man es ihnen nicht mit gewalt verwehret. Solches kan aber wol geschehen / und haben wir wenigst / wie ich schon vorhin erwehnet / noch zween tage frist: in welcher zeit nicht allein die Niniviten mit den Chaldeern / sondern auch die hier in der nähe sich befindende Aborigener [755] k \nnen beruffen werden / und ankommen / diesen tempel zu zerstören / und also die Prinzessinnen zu erlösen.
Bethuel sahe den Thebah ganz verfåret an / wie er ihn also reden h \rte; der dan leicht urteilen kunte /warüm sein reden ihn befr \mdete / und deshalben zu ihm sagte: Glaubet ihr dan / mein Fůrst! noch an den Teraphim / nun ihr sehet / wie der g \tze so wenig nůtz- und löbliches wirket? Von einem Gott / uns ja lauter gutes komme: k \nnet ihr aber diß für gut halten / was der Teraphim im lezten ausspruch zu thun befohlen hat? Ach Thebah! (sagte Bethuel) d \rfte ich meines herzens gedanken er \ffnen / ihr soltet sehen /daß ich mit euch gleicher meinung lebe. Aber – – – Ich weiß / mein vetter! (fiele ihm die Königin in die rede) was euch noch wanken machet / diesem falschen götzendienst abzusagen. Unser aller bestůrzung lässet jezt nicht zu / euch v \llig zu bekehren. Glaubet mir aber / daß / wan ihr nur den fürsatz fassen werdet /den wahren Gott zu kennen / so wird solches schon eine große beförderung und hůlfe zu eurer Prinzessin errettung bringen. Könte ich damit (sagte der verliebte Bethuel) die himlische Kerenhapuch erlösen / so wolte ich gleich den Teraphim verfluchen / der uns in solchen jammer stůrzet. Der müße stäts verflucht bleiben / (sezte Elihu hinzu) weil kein guter geist ihn reden machet / und fůrchte ich nicht so viel sein grausames maul / als die macht und gewalt der priester und Horiten / die ihm folgen / und unsere sch \nen in ihren händen haben.
Solcher gestalt verbrachte diese betrübte gesellschaft die zeit ihrer hinreise nach Amida / und indem der wachsame Mitreus ståts ům sich sahe / ob auch neue verfolgere sich möchten blicken lassen / ersahe er von fernen einen [756] großen haufen reuter / die sporenstreichs auf sie daher rennten. Er ermangelte nicht /solches sofort der K \nigin anzumelden. Wie sie aber still hielten / und sich gefasst machten / den dritten streit auszustehen / wurden sie gewar / indem diese ankommende sich nåherten / daß es Aramenes der K \nig von Syrien war / der / seine schwester zu entfangen / von Amida aus geritten / und aus ihrem langen ausenbleiben nichts gutes vermutend / so ferne von dem schloß / üm sie zu suchen / sich abgerissen hatte. Er / der von ihren lezten begegnisen nichts wuste / deutete die an ihr verspürte unruhe lediglich auf ihre furcht / von den Celten ertappet zu werden. Demnach / indem er sie freundlich ůmarmte / sagte er zu ihr scherzend: Es scheinet / liebste schwester! euch sei noch bange / daß man euch dem K \nig von Basan liefern m \chte. Seit aber versichert / daß ich forthin derjenige nicht seyn werde / der euch dem edlen Cimber rauben helfe. Ach mein bruder! (antwortete diese sch \ne) weil meine furcht fůr dem König von Basan vorbei ist / so denke ich nicht mehr an dieselbe: wol aber an die noht unserer basen / der drei Prinzessinnen von Ausitis / die des todes sind / wan ihnen nicht schleunige hůlfe widerfäret.
Die heiße zåren / mit denen die sch \ne K \nigin diese worte herfürbrachte / růreten dem Aramenes dermassen das herz / daß er ein mitleiden fülete / ehe er von diesem handel wissenschaft erlangte. Der alte Thebah seumte sich nicht / als unter ihnen der ruhigste von gemůte / dem K \nig ausfůrlich zu erzehlen /alles was sich mit ihnen und den Prinzessinnen von Ausitis zugetragen hatte. Die tränen des Elihu und Bethuel bekråftigten des Thebah worte / und ob diese beide schon nicht nötig hatten / den König ům hůlfe anzuflehen / weil er [757] von selbsten schon dazu geneigt war / so thäten sie es doch / und hätten wol gern gesehen / daß den augenblick die hůlfe erfolget wåre. Was nun der Thebah zuvor der K \nigin geraten / das wiederholte er jezt gegen dem König: welcher dan mit dem schluß nicht warten wolte / bis sie in das schloß gekommen wåren / sondern gleich daselbst im freien feld / nach reifer ůberlegung / fåst stellte / daß man dieser gelegenheit / den Teraphim-tempel und die abgötterei aus Mesopotamien zu vertilgen / sich bedienen / und gleich mit aller macht auf die Horiten los gehen / auch den Tuscus Sicanus und seine Aborigener üm beistand anruffen solte.
Es wurde so fort der Mitreus an diesen K \nig abgeschicket / und waren sie kaum eine tagreise von dannen / wo die Aborigener auf dem gebirge ihr lager aufgeschlagen hatten. Werde ich auch bey dem K \nig der Aborigener / (fragte Mitreus) sonder ein schreiben von seiner K \nigin / glauben finden? Befahrest du etwan / (beantwortete dieses / der König von Syrien) daß es dir wieder so unglůcklich / als auf dem Riphatischen gebirge / ergehen m \chte? Nein / Mitreus! der Cimber hat sich nun geändert / und wil forthin die liebe der freundschaft fürziehen / wie ich / mit unaussprechlicher freude / von euch / werteste schwester! vernommen habe. Saget dem K \nig / (fůgte die sch \ne Aramena hinzu) daß es seine Aramena sei /die ihn ům diese schleunige hülfe ersuchen lässet /auser welcher ihr nichts angenemers von ihm wieder fahren könne. Und weil mir der König von Basan also zusetzet / so werdet ihr das auch / ihn zu bereden / gebrauchen k \nnen / daß er desto eiliger komme / mit seiner macht mich zu schützen. Hiemit hatte Mitreus seine abfårtigung / und mitlerweile die beide verliebte Fürsten ihn ferner / hierinn zu eilen / anmaneten / [758] sezten sich die beide kinder des großen Aramenes zusammen auf einen wagen / und fuhren vollends nach dem schloß Amida: da sie unterwegs von ihren eignen håndeln schwatzeten. Die sch \ne K \nigin / muste einen verweis von ihrem bruder anh \ren / daß sie ihn in verdacht haben können / als weñ er noch mit seiner vorigen liebe gegen ihr wäre entbrant gewesen. Was håtte wol dieser sch \nen angenemer seyn k \nnen / als eben dieses / da sie ihren liebsten bruder also frei von einer sache reden h \rte / die sie so viel tränen und so große betrůbnis gekostet hatte? Sie erzehlte ihm hingegen ausfürlich / was gewiße zeichen einer wahren reue und inbrůnstigen liebe der Cimber von sich blicken lassen / und wie ihn ihre gütige erklårung fůr freuden fast get \det / indem er / aller sinnen beraubet / vor ihr zur erde gefallen. Wie groß ist doch mein verlangen /(sagte hierauf Aramenes) von diesem meinem freunde die ursachen zu vernemen / die ihn zu solcher kaltsinnigkeit gegen uns / und folgends wieder zu so håftiger neigung bewogen / daß er sein leben in die schanze schlagen wollen / ům allein euch zu sehen / worzu er doch ja sonder můhe håtte gelangen k \nnen. Viele irrungen (antwortete Aramena) můßen hierunter verborgen ligen / und vermute ich wol / der K \nig von Basan werde an dieser geschichte / die uns noch so unbekant ist / ein großes anteil haben.
Wie verwundersam ist es mir doch gewesen / (sagte der K \nig von Syrien) dieses zu vernemen / wessen der Marsius / der sonst in aller welt so höflich und tugendhaft beschryene K \nig / sich hat unterwinden dörfen / daß nåmlich eine große Königin / durch ihre eigene unterthanen / ihme sollen zugefůret werden. Alle hochachtung für ihn / beginnet deswegen in mir zu erleschen. Und ob gleich die liebe viel entschüldigen kan / so vermeine [759] ich doch nicht / daß die vergessung einer schuldigen ehrerbietung mit darunter könne gerechnet werden. Wir haben nun nichts gewißers / (sagte die Königin) als einen Krieg von den Celten / zu gewarten: und beklage ich nur / daß die unzeitige liebe so großen haß erregen sol / ein so grimmiges blutbad anzurichten. Es sind alle diese dinge (versezte Aramenes / als er ihre vermutung wegen des kriegs bekråftiget) ehe wir deren ümstände recht wissen / so fr \md als verwundersam / und kan ich ja auch nicht aussinnen / wie der Marsius seine zu Damasco erwiesene große höflichkeit / und hingegen der Cimber seine erkentlichkeit / müße verloren haben.
Sie kamen hiemit in das schloß / alda die K \nigin in ihr zimmer gefůret wurde / und man bald darauf zur malzeit ginge / weil Aramena den tag noch nichtes genossen hatte: wiewol die angst ihr den hunger so sehr vertrieben / daß sie wenig genießen kunte / und nur stäts zu rücke nach dem tempel gedachte / wie es daselbst den guten Prinzessinnen ergehen möchte. Mit dieser ångstlichen sorge verbrachte sie auch folgends die ganze nacht / da des schloßhaubtmanns frau bei ihr die aufwartung verrichtete / weil sie niemand von ihren eignen frauenzimmer bei sich hatte: daher diese mehr mit ihr sprechen und wachen / als der ruhe pflegen kunte. Sobald es nur wieder tagete / stunde sie von ihrem lager auf / und wolte eben zu ihrem bruder gehen / ům zu vernemen / ob noch keine nachricht von den vermuteten Niniviten und Chaldeern zurůcke gekommen wäre / als dieselbe / den Ausicles bei der hand fůrend / da der Elihu und Bethuel ihnen folgten /zu ihr in das zimmer trate.
Wir haben nichtes zu befahren / liebste schwester! (redte er die K \nigin an) maßen dieser bote uns gute[760] post von unserm Prinzessinnen bringet. Der himmel sei dafůr gepreiset! (antwortete die Königin) doch kan ich aus des Elihu und Bethuels traurigem wesen abnemen / daß Ausicles nicht so gar gute zeitung müße mitgebracht haben. Wan sind wol (versezte der K \nig) die verliebten völlig zu frieden / wan sie der gegenwart ihrer geliebten nicht genießen können? zu geschweigen / wan sie selbige müßen in banden wissen. Die hoffnung / (sagte Elihu) die Ausicles uns gegeben / ist mit solcher gefahr vergesellschaftet / daß darum die angst fůr unsere schönen sich nicht mindern låsset. Redet dan / Ausicles! (sagte die begierige Königin) und machet mir auch kund / wie es bei eurem tempel zustehet.
Gnädigste K \nigin! (antwortete dieser hirte) als ich / E. Maj. befehl gemäs / auf alles fleissige acht gabe /was mit den dreien gefangenen Prinzessinnen / und dem Prinzen von Chaldea fürgehen wůrde / sahe ich diese unglückselige durch die priestere in den tempel schleppen / und sie alda / mit großem jubelgeschrei /vor die seule des Teraphim stellen. Das volk drunge /durch alle thore / häufig mit hinein / ům den verlauf mit anzusehen: da dan unsere hirtinnen ingesamt / fürnemlich aber des Labans beide töchter / und diejenige / so diese Prinzessinnen vordeme zu Sarug gekennet /bei aller freudbezeigung der andern / ein erbårmliches weinen und klagen trieben. Der Oberpriester / der vor den Teraphim kniehend sein gebet verrichtet / stunde endlich wieder auf / und sprache dem volk zu / daß sie zu diesem sonderbaren opfer sich zu heiligen håtten / welches zwar erst in zweien tagen solte gehalten werden / weil zuvor / wegen des vergossenen blutes der entleibten / der heilige platz üm den tempel wie der můste gereiniget werden. Aber der Harad / neben den andern von Zoba / wiegelte [761] das volk auf / wider diesen verzug zu sprechen: mit ursache / daß inzwischen / durch E. Maj. oder der Syrer anstellung / diesen gefangenen Prinzessinnen hülfe: wiederfaren könte.
Der Oberpriester und die geistlichen hätten sich vielleicht bereden lassen / die vorhergehende gebråuche einzustellen / wan nicht etwas frömdes dazwischen gekommen wåre / das dem ganzen werk ein andres ansehen gegeben. Es ware der gefangene Sinear auch mit in den tempel gefüret worden. Dieser begunte nun unversehens überlaut zu ruffen: Wiedaß er sich hiemit anb \te / für die Prinzessinnen zu sterben / und / als ein erstgeborner / zu einem Teraphim sich schlachten zu lassen / wovon ja die Mesopotamier größere vergnůgung haben würden / als wan sie dieser unschüldigen ihr blut vergössen. Dieser vortrag des Prinzen von Chaldea / erregte bei allen anwesenden verschiedene meinungen / und hielte es der Oberpriester mit seiner schaar für hochn \tig / daß hierůber der große raht gehalten wůrde / weil vom Teraphim keine antwort mehr zu hoffen wäre. Man name demnach den Sinear / als einen / der sich zum Teraphim willig anerboten / mit ehrerbietung auf / und fürete ihn in das verordnete gewölbe: wie dan auch die drei Prinzessinnen / unter denen die Jemima erst anhube sich kläglich zu gebården / als sie ihren Prinzen in solcher gefahr sahe / in einen besondern ort des tempels gebracht / und etliche priesterinnen ihnen zugeordnet wurden / ihnen an hand zu stehen.
Weil / auser denen von Zoba und dem mehrern teil der geistlichen / alle die andern ein mitleiden gegen die drei sch \ne Prinzessinnen in sich entfanden / als kame es in der versamlung / die gestern abends noch gehalten worden / zu einem gewaltigen streite: und wolten fůrnemlich [762] unsere hirten von Amida und die schåfere aus Paddan-Aran die Prinzessinnen ledig haben / und den Sinear zum Teraphim geschlachtet wissen. Als aber die andere solches widersprachen /ginge man ohne schluß von einander: des vorhabens /heut in aller frůhe wieder zusammen zu kommen. Weil nun unsere hirten ihnen fürgenommen / fåst darauf zu bestehen / und eher einen aufstand zu machen /als zu dulten / daß man fůr den neuen Teraphim diese drei unschüldige Prinzessinnen opfern solte: habe ich nicht unterlassen wollen / solches sofort hier anzumelden / und bin ich diese ganze nacht gegangen / um nicht vermisset / noch von den wachten ersehen zu werden.
Wie låsset sich alles dieses so wol an / (sagte hierauf die K \nigin) unsren Prinzessinnen ihre freiheit zu verschaffen / und müste ich euch beiden / mein Elihu und Bethuel / unrecht geben / wan ihr nun nicht auch hoffnung schöpfen woltet. Die zween verliebte seufzeten / an stat zu antworten / und fületen / bei ihrer sorge / auch eine eifersucht / daß Sinear / zu befreiung der Prinzessinnen / mehr als sie gethan hatte. Daher fasseten sie den schluß / die nächstkommende nacht mit dem Ausicles nach den tempel zu gehen: ům wenigst mit dabei zu seyn / wan die hirten ihren fürgenommenen aufstand werkstellig machen würden / und also fůr ihre Prinzessinnen ihr leben mit zu wagen. Weil sie vermuten konten / daß der König von Syrien und die K \nigin Aramena dieses ihr fürhaben ihnen widersprechen m \chten / als hielten sie es heimlich /und machten sich / gegen den abend / ohne iemands wissen / mit dem Ausicles auf den weg / üm dieses ihr vorhaben ins werk zu stellen. Der K \nig Aramenes /hatte inzwischen reitende boten nach Ninive / Ur und Samosata abgehen [763] lassen / üm der Niniviten und Chaldeer ankunft zu beschleunigen / und den hinterlassenen königlichen personen anzumelden / wie es ihnen alhier erginge. Die Königin / die aus dieser gegend nicht abreisen wolte / die Prinzessinnen von Ausitis wären dan erl \set / verlangte nach der C \lidiane und den anderen: weswegen sie die K \nigin von Syrien schriftlich ersuchte / mit ihrer gesellschaft ehist nach Amida zu kommen / und ihr nicht länger ihre werteste gegenwart vorzuenthalten.
Sie hatte aber auf diese vergnügung vier oder fünf tage zu warten / von denen nun schon zween vorbei waren / als mit frühem morgen der Tharsis / so nach Ninive verschickt gewesen / mit sechstausend auserlesenen Niniviten / und der Chaldeer Belhaddon mit vier tausenden / neben dem Tigris / am fuße des bergschloßes Amida / sich fast zugleich sehen ließen /auch der Aborigener Batto / und der Ausicles / vom tempel zu pferd ankamen. Weil sie alle viere zu einer zeit angemeldet wurdẽ / als erlangte der lezte am ersten verh \re / auf dessen wiederkommen man schon des vorigen tags / wiewol vergeblich / gehoffet hatte. Stehet es noch wol / Ausicles! (fragte der K \nig) oder kommet ihr / unsere hülfe zu begehren? Die ist so hochnötig / (antwortete der hirte / der sich fast aus dem odem geritten hatte) daß kein augenblick zu versaumen ist / wan die Prinzessinnen und der Prinz Sinear sollen beim leben erhalten werden. Es ist / nach langem streiten und gezånke / der schluß dahin gefallen / so wol den Sinear zum Teraphim zu schlachten /als die Prinzessinnen zum sůn-opfer hinzurichten. Heute / gegen den abend / sol beides volzogen werden. Weil Mitreus / mit etlichen tausend Aborigenern / diese tage in der nähe gestanden / und zu uns hirten geschicket / es ihme wißlich zu machen / wan wir seiner hůlfe [764] bedůrften / als ist derselbe / gleich zu uns zu stoßen / bereits ersuchet worden.
Es ist unter der gemeine fåst gestellet / daß man /wan die opferung angehen wird / in den tempel einfalle / ům die Prinzessinnen zu erledigen / und den Sinear zum Teraphim fůr sie schlachten zu lassen. Elihu und Bethuel / die unsere schåfer anfüren / haben dieses / nur der gemeine zu gefallen / mit bejahet: und soll es / wan Gott glück gibet / mit dem Sinear sich auch wol schicken / daß er erlöset werde. Batto / der iezt auch angekommen / hat von seinem König befehl / E. Maj. beiderseits zu begrůßen / und mehrere hülfe / unangesehen er mit den Enakim im bunde ist / anzubieten / wan es solte begehret werden. Weil die Horiten und die andern aus Abagara / von uns einen aufstand / wie auch hülfe von hier / fůr die Prinzessinnen / gewiß vermuten / als haben sie sich in großer månge zusammen gethan / und alle zugånge des tempels wol besetzet und bewahret. Wir werden auch unser gutes vorhaben schwerlich allein ins werk richten / woferne von hier aus der sache kein schleůniger nachdruck gegeben wird.
Nachdem der Ausicles seinen bericht abgelegt /wurde darauf der Batto eiligst vorgelassen / üm dessen anbringen zu vernemen / bevor man anstalt machte / ihre gesamte heers-macht nach dem tempel zu schicken. Batto erstarrete schier / als er der Königin ansichtig wurde / die seinen herrn / fůr allen andren potentaten der welt / ausgewehlet hatte / ihn zum besitzer ihrer unvergleichlichen sch \nheit zu machen. Gleichwie nun sein und aller Aborigener h \chstes verlangen ware / daß es bald mit dieser fůr sie vorteilhaften heurat möchte zu stande kommen / also unterließe er nicht / seines K \nigs liebe der Aramena auf das håftigste fürzubilden / und [765] ihr mehr versicherung davon zu geben / als er im befehl hatte. Die zeit g \nnte es nicht / daß die K \nigin / wie sie wol verlanget / in ein weitlåufiges gespråche sich mit ihm eingelassen hätte: massen nun ihrer aller richten und trachten allein dahin ginge / die bedrangte t \chter des Hiobs zu erretten.
Demnach brache sie kurz ab / und wurden der Tharsis und Belhaddon in das zimmer gefordert: denen man andeutete / daß sie alsofort / unangesehen das volk etwas ermůdet seyn m \chte / nach dem Teraphim-tempel gehen solten. Der dapfere Aramenes wolte sie selber anfüren / und Aramena auch nicht dahinten bleiben / weil sie hierbei / als Königin des landes / das gr \ste anteil hatte. Sie ließe ihr demnach eines von ihres brudern pferden vorfůren / und zeigte sich / neben ihme / den Niniviten und Chaldeern so mutig / daß sie / durch ihre ansichtigung aufgemuntert / von keiner ausgestandenen arbeit mehr wusten / sondern diesem k \niglichen geschwister-par ganz freudig folgten / die aus so l \blicher ursache diesen kriegszug verrichteten.
Als sie an die grånzen des tempels kamen / ließen sie sofort die wachten daselbst auffangen / damit ihre ankunft nicht zu frů lautbar würde: und also thäten sie folgends mit allen / die ihnen begegneten / bis sie nahe an die åusere ringmauren des pråchtigen tempels gelanget. Sie vernamen daselbst / daß im inneren hofe der streit bereits angegangen war. Die häftige liebe des Elihu und Bethuel hatte diese eilfärtigkeit verursachet: massen es fast noch zwo stunden dahin hatte /da die opferung angehen sollen / als sie mit den Aborigenern auf den tempel los gegangen. Die Horiten und die von Zoba / wehrten sich treflich gegen diesem ersten einbruch. Als aber der K \nig Aramenes und seine unvergleichliche [766] schwester dazu kame / wendete sich bald das blat / also daß sie ihre posten verließen /und es / in das gebirge hinein / auf das fliehen legten.
Weil der boshaftige Harad nur fůrnemlich damit ůmginge / wie er sich möchte an den Prinzessinnen von Ausitis rächen / als eilte er / mitten unter dem gefechte / wie er sahe / daß die von seiner seite beguntẽ den kürzeren zu ziehen / in den tempel / des vorsatzes / die Prinzessinnen zu ermorden. Er kame eben dahin / als Sinear sich bei ihnen befande / der aus seinem gefängnis ausgebrochen / und von den fliehenden priestern erfahren hatte / wo seine Prinzessinnen anzutreffen wären. Die wut / mit deren Harad und seine nachfolgende auf sie zusprangen / gabe dem verliebten Sinear bald zu verstehen / worzu diese kåmen: demnach stellte er sich für seine Prinzessin / und wehrte sich so lang mit einem stuck eisen / welches er aus seiner gefängnis-thür gebrochen / bis Elihu und Bethuel dazu kamen: die den Harad mit den seinen nieder gemacht / und also ihre Prinzessinnen erl \set.
Mitlerweile nun diese drei par verliebte ůber solchem ihren glůck-wechsel sich erfreueten / brachen die Chaldeer in den palast der priesterinnen / woselbst auch alle schåferinnen bei diesem lärmen sich verkrochen hatten: und wurden sie nichts gutes daselbst angestellt haben / wan die Königin von Mesopotamien nicht / zu guten glück / dazu gekommen wäre / und sofort / alle priesterinnen samt den hirtinnen in den tempel zusammen zu bringen / und denselben aller orten mit starken wachten zu besetzen / befohlen hätte. Sie wandte sich hierauf nach der andren seite des tempels / da es noch ein scharfes gefechte zwischen den Horiten und den andren schåfern abgabe: und rieffe sie den streitenden zu / daß sie beiderseits einhalten / und die waffen niederlegen [768] solten / weil sie ja brůder / und einer so wol als der andere ihre unterthanen wåren. Die von der gegend Amida / gehorchten sofort ihrer K \nigin. Die verbitterte Horiten hingegen / wolten zwar weichen / aber nicht als gehorsame unterthanen / sondern sie erkieseten die flucht /sich nach dem Taurischen gebirge wendend / alda sie ihre brüder und bundsverwandten hatten.
Weil aber ein geschrei entstanden war / als wan der Chaldeer-Prinz zum Teraphim-priester bereits geschlachtet wåre / brachte dasselbe eine solche verbitterung unter die Chaldeer / daß sie in des oberpriesters palast einbrachen / dahin alle priestere nebẽ ihm sich verkrochen hatten / und in solcher wut dieses gebåude anzündeten. Weil an kein löschen kunte gedacht werden / als namen die flammen jählings überhand: und ward also nicht allein dieser herrliche palast ganz eingeäschert / sondern auch der tempel von dem feuer ergriffen. Die meiste priester verdurben in der fla e / oder fielen durch das schwerd der Chaldeer: und ware es der mitleidigen K \nigin keine můglichkeit / dieses zu verwehren / weil die Niniviten / die den wůtenden Chaldeern hätten steuren k \nnen /nicht bei der hand waren / sondern mit dem K \nig von Syrien unsichtbar worden waren.
Wie nun also auch der tempel zu brennen anfinge /kamen Sinear / Elihu und Bethuel mit ihren dreien Prinzessinnen herfür / und machten das toben der Chaldeer sich in eine ungemeine freude verwandeln /als sie ihren herrn wieder lebendig sahen. Wie nun alle priesterinnen und schäferinnen aus dem tempel /dessen dach bereits in vollen flammen stunde / heraus liefen / stahle die Rahel heimlich den Teraphim hinweg / und verbarge ihn unter ihren rock / als eben der Fürst Laban dazu kame / und keine geringe klage fürete / daß also der große [769] Teraphim / der alte gott der Mesopotamier / solte ganz ausgerottet werden. Sie ůberlieferte ihrem vatter diesen raub: der damit sich ůberseelig schätzend / alles leids vergaße / nun er sich einen besitzer des großen Teraphim sahe. Er beschloße gleich bei sich / diesem gotte in seinem hause zu Haran einen tempel aufzurichten / und ihn daselbst verehrend / alle geheimnise von ihm zu erfahren: welches ihn zu einem von dem allerseeligsten menschen auf erden machen würde.
Inzwischen er nun also in geheim sich hierůber ergezte / und mit dem Teraphim sich auf die seite machte / ware der Königin freude nicht geringer / welche sie über der sch \nen Prinzessinnen von Ausitis wieder-erlangten freiheit hatte. Sie begabe sich mit denselben und ihren geliebten Fůrsten / auch allem frauenzimmer / in den großen vorhof des tempels /weil der brand sie nicht mehr im inneren hofe dulten wolte. Die Aborigener / so wol als die Chaldeer / halfen zwar den hirten nun fleißig leschen: es war aber alles vergebens / und fielen / in frist etlicher stunden /alle diese schöne und herrliche gebåude über einen haufen. Die gottselige K \nigin ware zwar fro / daß hiermit der abg \tterei in Mesopotamien gesteuret wurde: sie håtte aber wol wünschen mögen / daß es nicht durch ein so grausames mittel geschehen wåre.
Die große verwirrung / welche dieser brand überall verursachet / ließe anfangs die K \nigin nicht an ihren bruder gedenken. Wie aber nach und nach kleine haufen von den Niniviten sich wieder einstellten / und bei keinen der K \nig Aramenes zu sehen war / fragte sie endlich / wo dan ihr bruder bliebe? Niemand wuste ihr hierauf rechten bescheid zu geben / und erfuhre sie allein dieses / daß / gleich im anfang des gefechtes /der K \nig [770] mit den Niniviten auf das gröste heer getroffen / welches auf jenseit des tempels / nach dem gebirge zu / vor dem åusern thor gehalten / und / den andren zu hůlf zu kommen / alda einbrechen wollen: das aber Aramenes mit unbeschreiblicher dapferkeit verwehret / und nach langem wiederstande sie in die flucht getrieben. Wo kommet ihr dan ohn den K \nig her? (fragte die Königin / deren das herz begunte schwer zu werden) seit ihr dan von ihm befehligt worden / sondern ihn und allein hieher wieder zu kehren? Er gebote uns / (sagten sie) nach E. Maj. uns üm zu wenden / weil er unser aller im nachjagen nicht vonn \ten zu haben vermeinte. Waren es dann Horiten (fuhre sie fort zu fragen) die ihr in die flucht triebet? Wir haben etliche gefangene von ihnen bei uns / (antworteten sie) die wir im nachjagen ertappet / die werden hiervon bässern bericht / als wir / geben können.
Als nun die K \nigin dieselbe zu sehen begehrte /und man solche vor sie gebracht hatte / wurden sie fůr kinder Enaks vom Taurischen gebirge erkennt; und da die K \nigin sie scharf befragte / woher sie kämen /und was es hierüm für beschaffenheit hätte? gestunden sie / daß sie von dem riesen Sesai / der auf dem nächstbelegenen bergschloße sich befånde / wåren befehligt worden / in zweien haufen hieher zu gehen: da drei tausend von ihnen sich dem tempel genåhert / andere sechstausend aber / eine meile von hier / an dem ufer des Tygris stehen geblieben. Zu was end aber? fragte die K \nigin? Solches wissen wir nicht / (gaben sie zur antwort) und lassen dafür unsere obere sorgen / die uns zu befehlen haben. Diese nachricht brachte nun der K \nigin neue unruhe / und weil alle Horiten /auch die richtere von Amida / und fast die meisten von den fürnemsten aus Abagara / [771] hinweg waren /kunte die K \nigin nicht erfahren / ob diese Enakim beruffen worden / oder von sich selbst gekommen wåren. Sie sandte auf alle wege / die nach dem gebirge gingen / nach dem König von Syrien und den Niniviten sich zu erkundigen: und konte sie / von diesem ausenbleiben des Aramenes / nichts gutes vermuten.
Sie ward aber durch einen neuen aufstand beursachet / alle ihre gedanken dahin zu wenden. Diesen erregten die gesamte hirten / welche / als sie ihres großen Teraphim tempel in die asche sitzen sahen /deswegen ůber die Chaldeer / als dieses brands urhebere / ungedultig wurden / und sich vernemen ließen /wie ihre meinung nur gewesen / die drei Prinzessinnen von Ausitis / nicht aber den Chaldeer-Prinzen zu erretten / als welcher billig ein opfer des großen Teraphim werden sollen. Die abergläubigste unter ihnen /bildeten sich ein / daß der brand noch wůrde zu leschen seyn / wann man die opferung des Sinear fortgehen ließe. Daher kamen sie unversehens / von dem Abinam / Oromedon und Jezer gefüret / er \ffneten dieses ansinnen der K \nigin / und gerieten so fort mit dem Sinear und seinen Chaldeern in ein handgemånge und blutiges gefechte.
Die Königin sahe nicht / wie sie hierbei ihre unterthanen schůtzen / und die Chaldeer begůtigen solte /und stunde daher in großen sorgen: als unvermutlich der Nisan / Athamias / Chebron und Abinael eine kůpferne tafel daher brachten / die sie in einer vom brand zerfallenen seulen des tempels gefunden hatten / und ihrer Königin vorzeigten. Man fande diese worte darein gegraben:
[772] Wann das geschlechte des Sems / das land zwischen den beiden wassern / wird besitzen / so sol alsdan der einwonere wahre glůckseeligkeit angehen: wann ihre götter verstummen / ihre tempel verbrennen / und sie unter der regirung von des Japhets nachko en geraten werden.
Auf der andern seite / gaben sich folgende worte zu lesen:
Die große Sambethis / unsers vatters Noa ehefrau / hat diese warsagung ihren nachko en hinterlassen: die / bei erbauung des fůrtrefflichen tempels des Teraphim / von der Königin Semiramis zu Babel / in diese seule / zu ewig-wärendem gedächtnis / vermauret / und der nachwelt auf bewahret worden.
Nichts erwůnschters / als dieses / hätte damals der K \nigin kommen k \nnen / und hoffete sie hierdurch ihre hirten zu befriedigen: wie sie dan gleich unter die streitende ausruffen ließe / daß sie aus ihren mittel etliche zu ihr senden solten / ům diese gefundene tafel zu lesen. Timonax und Nebod stellten sich darauf ein / welchen almåhlich mehrere folgten / indem der innhalt dieser warsagung sich nach und ausbreitete: da die verwunderung / ihrem fůrwitz gleichend / sie sofort die waffen niederlegen / und der großen Sambethis glauben machte. Es erfolgte eine plötzliche gemůts-beruhigung / als sie vernamen / daß / bei verstummung ihrer g \tter / wie auch bei einäscherung ihrer tempel / ihre wahre glückseligkeit erst angehen solte. Sehet / meine lieben! (sagte die Königin zu ihnen) ihr gewinnet / bei eurem verlust / [773] und sol die verstummung des Teraphim / wie auch die zerst \rung dieses tempels / euch gar nicht schaden / sondern vielmehr hoch ersprieslich fallen. Darum wütet nicht ferner wider die unschüldigen / sondern beruhigt eure gemüter / wann ihr das ende dieser profezeiung erleben wollet. Diese wenig worte der sch \nen Aramena hatten so viel kraft / daß im augenblick / nicht allein friede wurde / sondern auch eine allgemeine freude und jubiliren unter dem volk entstunde: da sie nicht mehr / wie zuvor / den verlust ihres großen Teraphim beweinten / sondern dem himmel dankten / der ihnen dadurch diese warsagung lassen kund werden / die ihnen so viel gutes verhieße. Für den nachkommen des Japhets der ůber sie regiren solte / hielten sie den Tuscus Sicanus: welches die anwesende Aborigener bekräftigen / und / in betrachtung ihrer wunderschönen Königin / ihres Königs glückseligkeit himmel an erhuben.
Man sahe hierauf keinen so großen eifer mehr / den brand zu löschen / und muste die K \nigin durch die finger sehen / indem sie das silber und andere herrliche geråte / so im schatz des tempels aufbehalten worden / unter sich teilten / und alles preis machten. Weil die Königin den ganzen tag keine speise zu sich genommen / auch das heer sehr abgemattet war / als wurde die verordnung gemacht / daß man im blachen felde sich zum essen lagerte: da die jenigen / so kurz vorher feindlich auf einander los gegangen / einander auf das freundlichste bewirteten / und alles / was sie kunten / herbei trugen. Es brache bereits der abend herein / wie diese feld-malzeit gehalten wurde / die zwar den gemeinen bäßer schmeckte / als den vornemen personen: maßen die ausgestandene todes-angst der drei sch \nen Prinzessinnen / und ihrer drei liebhabere große furcht für sie / auch der [774] sch \nen K \nigin sorge für ihren ausbleibenden bruder / ihnen allen hunger bename.
Endlich kame Tharsis / mit einer zimlichen anzahl seiner Niniviten / daher gerennt: welcher / wie er vor die Königin gekommen / ihr diese betrübte post brachte / daß der K \nig von Syrien gefangen wäre. Die sch \ne Aramena erblassete allerdings / wie sie diese zeitung vername / und hatte nicht das verm \gen / den Tharsis zu fragen / wie solches wäre zu gegangen: der aber von selbst ihr hiervon folgenden bericht abstattete. Als der K \nig von Syrien / (sagte er) vier tausend meiner mitgebrachten Niniviten / gegen das heer der vermeinten Horiten anfürete / die an dem hintern thor des tempels sich sehen ließen / traffen wir auf dieselbe mit solcher gewalt / daß / nach langem gefechte / sie den stand nicht hielten / sondern die flucht nach dem gebirge erkieseten. Der K \nig sezte /mit uns andren / ihnen dapfer nach. Weil er aber an E. Maj. zurück gedachte / als musten / zu den zwei tausend hier-gebliebenen Niniviten / sich viele von unsrem haufen absondern / und den růckweg nemen. Hierdurch wurden wir nun so geschwächet / daß / als uns an des Tigris ufer unvermutlich ein neues heer der Enaks-kinder begegnete / wir denselben nicht zu widerstehen vermochten: weil sie uns gleich an allen seiten ũmringten / und mit denen / die wir bisher gejaget / ein heer von acht in neun tausend machten.
Ungeacht dessen / stritte der König Aramenes / wie ein ergrimmter leue / und verrichtete wunderdinge unter diesen riesen / die ihn aber gefangen bekamen: und weil es ihnen üm des Königs person allein zu thun war / als ließen sie uns alle ungehintert unsres wegs reiten / fůrgebend / wiedaß sie wider die Niniviten nichtes håtten / sondern derer freunde verbleiben wolten. Weil [775] ich nun alda nichtes mehr auszurichten vermochte / auch daneben nicht wuste / wie es E. Maj. alhier ergehen m \chte / name ich die freiheit an /und eilte hieher zurůcke / diesen unfall E. Maj. zu berichten. Ich kan aber mit allen bei mir habenden beteuren / daß / wie gerne wir unser leben hierbei allerseits aufgesetzet hätten / uns lauter unmüglich gewesen / diesen unfall zu verhintern / und selbigen durch unser blut abzuwenden.
Es ist / sonder zweifel / (antwortete hierauf die K \nigin) hiebei verräterei fürgegangen / und weiset es sich nun aus / was die geheime zusammenkunft auf dem Taurischen gebirge bedeute. Hiermit sich zu den Aborigenern wendend / welche neben andren / als Tharsis angekommen / hinzu gedrungen waren / sagte sie: Wollet dan ihr oder euer K \nig dieses dulten /daß man mit dem großen K \nig von Syrien also verfahre? und wird Tuscus Sicanus / da er die schwester liebet / den bruder in der riesen händen lassen k \nnen? Batto und die andere anwesende kriegsbediente der Aborigener / beteureten hierauf einmůtig / daß man dieses an den riesen rächen und den K \nig los machen müste. Die Niniviten brachten damit etliche gefangene herfůr / die / in scharfer verh \r / aussagten: wiedaß der Sesai den verweser von Amida / den Demas / lassen gefangen nemen / und zwar deswegen wie verlauten wollen / weil er entdecket / wie man gesonnen gewesen / die K \nigin zu entfüren. Es hätte auch gemeldter Sesai / nach erhaltener nachricht / wie man die Prinzessinnen von Ausitis erl \sen würde /diesen anschlag gemacht / und ein heer von neun tausenden nach dem tempel geschicket / ům / wie nun geschehen / sich des K \nigs von Syrien zu bemåchtigen / und ihn auf ein vestes bergschloß zu entfüren / alwo der K \nig von Basan sich aufhielte. [776] Vermutlich (sagte hierauf die ungedultige Aramena) bin ich / an stat meines bruders / damit gemeinet gewesen. Wollet ihr aber wol / Prinz Sinear! und ihr / edle Chaldeer! zugeben / daß der große Aramenes / üm euret willen /solche schmach erleide? und k \nnet ihr Niniviten dieses verschmerzen / daß man euren anfůrer dergestalt hinweg genommen? Die dapfere Aborigener / wie auch meine Mesopotamier und Syrer / bedörfen keines vermanens: weil ich schon versichert bin / daß sie lieber ihr leben darbei aufsetzen / als den Syrischen Monarchen in der gefängnis lassen werden. Ein allgemeines geschrei aller anwesenden völker / entstunde auf diese worte / und wolte immer einer mehr als der andere seinen eifer sehen lassen / diese begangene frechheit des Sesai abzustraffen.
Die K \nigin ginge sofort mit dem Sinear / Elihu /Bethuel / Tharsis / Batto / Mitreus / Belhaddon und dem alten Thebah / in ein gezelt: da sie sich berieten /was hiebei würde fürzunemen seyn. Der schluß ginge einhällig dahin / daß man / mit anbrechendem tag /das bergschloß berennen und stürmen / auch durch den Mitreus / den Königen von Babel / Elassar und der Aborigener / wie auch den Celten / des Sesai unfug fůrstellen / und hůlfe von ihnen / oder wenigst von dem Tuscus Sicanus / begehren solte. Also wurde / an stat der ben \tigten ruhe / die ganze nacht hindurch / zu dem beschloßenen fůrhaben anstalt gemacht / und blieben alle soldaten in den waffen / ům gegen allem ůberfall fårtig zu seyn / wan etwan die benachbarte riesen etwas feindliches beginnen wolten. Um auch den unruhigen Mesopotamieen alle gelegenheit zu neuem lärmen zu benemen / ward auf einer langen stange / die gefundene tafel mit der Sambethis warsagung aufgestellet / und [777] ein großes feuer ůmher angezůndet / damit ein jeder die schrift lesen k \nte. Die K \nigin verordnete auch / daß alle diejenigen / so nicht mit zu kriege wolten / oder darbei nichts nützeten / sich wieder nach ihren hůtten wenden solten: da sie von den schåferinnen / allein die Amphilite bei sich behielte.
Also name Laban / neben seinen beiden t \chtern /noch ehe es tagete / seinen abschied von der Königin /welches an seite der Lea und Rahel nicht ohne trenen abginge: und weil sie auf Samosata reisen wolten / als gabe sie ihnen dahin verschiedene befehle mit / an die k \nigliche personen; wiewol sie vermutete / daß selbige bereits auf der herreise begriffen seyn würden. Abinael / Timonax / Ausicles / Athamias und Nisan /wolten dem beispiel des Elihu und Bethuel folgen /und soldaten mit abgeben; das dan ihren jungen schåferinnen kein geringes leiden verursachte / welche gerne bei der Königin geblieben wåren / aber sich dessen nicht dorften merken lossen. Die priesterinnen des Teraphim / gaben sich alle mit unter die schäfergesellschaft / üm nach Edessa zu gehen / und bliebe von denen allein die Prinzessin Rahabine zurůcke /die / neben den dreien Prinzessinnen von Ausitis / nirgend sicherer / als bei der Königin von Mesopotamien / sich aufzuhalten wusten. Telecles und die frauen der richtere / auch alle die / so unter das geschlechte der Horiten sich rechneten / auser der betrůbten Sataspe und Aneriste / waren schon in das gebirge geflohen. Diese růckreise / wurde zugleich mit dem aufbruch der K \nigin angetretten / als die morgenröte nun wieder begunte herfůr zu brechen. Es ware / das fest des Teraphim / wol nie / als dieses lezte mal / so unruhig beschlossen worden: und truge man die gefundene tafel / gleich als im triumfe / voran / ům sich / bei deren anschauung / [778] zu trösten / daß sie bei einåscherung ihres tempels nichts verloren håtten. Elihu und Bethuel hatten / unter allen hirten von Mesopotamien / vier tausend dapfere jünglinge ausgesuchet / die /mit den sechs tausend Niniviten / deren wenig in dem gestrigen scharmůtzeln geblieben waren / und den vier tausend Chaldeern / auch so vielen Aborigenern /und tausend Syrern / neunzehen tausend man auserlesenes volk machten: und wurden sie / von der schönsten K \nigin selber / nach dem gebirge gefůret.
Mitreus / der zu den K \nigen üm hůlfe reisen solte / begleitete die K \nigin einen guten weg / und h \rete tausend versicherungen aus der holdseligen Aramena munde / die er von ihrer beståndigen liebe / dem Tuscus Sicanus / als ihrem einig-geliebten Cimber / ůberbringen solte. Weil er / wegen der bande seines Königs / von etwas anders zu reden unfåhig war / auch sonst nit nützlich befande / die K \nigin von neuem irre zu machen / als verschwiege er ihr / wie er den Tuscus Sicanus / von deme er vor dreien tagen ge kommen war / gefunden hatte / und kunte in seinem herzen nicht gnug bewundern / daß er so große liebe bei der K \nigin / und hingegen so schlechte erkentlichkeit bei diesem König verfpůren můssen. Wie er nun endlich seinen abschied genommen / da ihm der Batto verschiedene junge Aborigener zum schutzgeleite mitgegeben / ritte er mit denselben auf die andere seite eines hohen berges / da er das ganze heer eine gute weile vor sich im thal sehen kunte.
Auf diesem weg ließe er von einem jungen Aborigener / mit dem er auf der herreise kentnis gemacht /ihm erzehlen / was ihme von ihres K \nigs zustand kündig ware: ům etwan daraus abzumerken / woher die kaltsinnigkeit des Tuscus Sicanus gegen der K \nigin [779] eigentlich herrüren m \chte. So lang ich meinen König kenne (sagte dieser Aborigener) das zwar nur etliche wochen austråget / weil ich erst neulich aus unsrem lande der Aborigener bin hieher gekommen /habe ich nichts anders / als eine tiefe traurigkeit / an ihm erkennen können. Ich erlangte das glück / ihn das erstemal auf diesem gebirge zu sehen / als er aus Mesopotamien kame / da er eine weile unbekant sich aufgehalten. Er bliebe aber wenig tage bei seinen Aborigenern / und reisete sofort wieder ab / nach dem König von Basan: welcher damals / wie man vermeinte / im hinter-gebirge gegen Ararat solte anzutreffen seyn. Ich begleitete den König auf dieser reise / da er mit dem Prinzen von Ammon / und mit des Celtischen Fůrsten Trebetes sohne / stäts geheime unterredung hielte.
Als wir zu den riesen an die grånze des berges Ararat gekommen / fanden wir den K \nig von Basan nicht daselbst / und vernamen anderweit / daß bei denen Fůrsten von Seir / die unferne von dar ihre gezelte aufgeschlagen / der große Edom sich befinden solte / da auch von einer Ahalibama geredet wurde /die dieser held liebte. Dieses kame allen / die es hörten / gar fr \md vor / weil die Seirische Fürsten zu dem ende auf das gebirge gekommen / wieder diesen besitzer ihres landes mit den Enakim einen bund zu schließen. Es hatte aber / der name Ahalibama / bei meinem K \nig die sonderbare kraft / ihn dahin eilen zu machen / üm dieselbe zu sehen. Aber ein schreiben von den Celten / neben etlichen abgeschikten von den unsern / hinterten ihn an diesem fürnemen / und machten uns auf die rükkehr gedenken.
Wir fanden bei uns die Könige von Babel und Elassar / mit des Marsius beiden schwestern / die den[780] Tuscus Sicanus entfingen / und / mit allen Celten und Aborigenern / ihme die Königin von Mesopotamien zur ehe antrugen. Der K \nig Marsius hatte selbst hierein gewilligt / ob er gleich diese sch \ne håftig liebte / und ware / den abend vor unserer ankunft /heimlich hinweg gezogen: üm nicht gehalten zu seyn /seinem freunde und mitbuler seine bereitete glůckseeligkeit selbst anzukůnden. Man hätte nun vermeinen sollen / daß dieses bisher meinem König auf den herzen gelegen / und seine traurigkeit ihm benemen sollen. Aber es erfolgte das gerade widerspiel: massen die vorige unruhe weit geringer war / als die jenige /die er nach diesem zu erweisen begunte. Weil ich ihme von der Königin Valentia / seiner fraumutter /sonderlich war anbefohlen worden / als hatte ich die gnade / stäts in seinem zimmer und ům ihn zu seyn: da ich dan \fters aus den reden / die er mit dem Midaspes seinem leibarzt fůrete / abnemen kunte / daß er einen großen kampf in sich entfande / dem König von Basan seine so sehr-geliebte K \nigin abzunemen / da Midaspes ihme deswegen immer zusprache.
Inzwischen kamet ihr / mein herr! zu uns / ům hülfe für die Prinzessinnen / die man dem Teraphim opfern wolte / zu erlangen. Weil die anwesende riesen ein mehrers nicht wolten geschehen lassen / als gingen der unsrigen nur viertausend hieher: da dan Midaspes den K \nig åuserst / aber vergeblich / bate / seiner K \nigin zu gefallen / selbst mit zu gehen / und ihr /zu bezeigung seiner liebe / diesen dienst zu erweisen. Was die ursach dieser seiner unentschlossenheit sei /das kan ich nicht sagen. Es erscheinet aber / daß / die freundschaft zwischen ihme und dem König von Basan / große reitzung hierzu gebe / und daß / das mitleiden fůr den Marsius / die liebe gegen die Königin überwågen müße. Wan dan euer König [781] (sagte hierauf Mitreus) ein so ungemeiner freund des Königs von Basan ist / was werde dan ich in meiner gesandschaft bei ihm auszurichten verm \gen? wird er auch wol / meines K \nigs båstes zu f \rdern / wider die von Basan streiten wollen? Ich vermeine wol nicht / (antwortete der Aborigener /) daß iemand dieses dem König von Syrien erwiesenes unrecht werde billigen können / worzu auch unser König viel zu grosmůtig ist.
Mit dergleichen gespråchen kůrzten diese reisende einander den weg / und weil in der eilfårtigkeit viel bestunde / als namen sie unterwegs im gebirge frische maulthiere / um desto geschwinder fort zu kommen. Weil sie / den ganzen tag / also darauf jagten / als gelangten sie / gegen antretender nacht / an das heerlager der Königin: alda sie / in vielen gezelten / den Baleus mit der Hercinde / den Hiarbas mit der Mirina /und den Tuscus Sicanus / neben den fürnemsten der Enaks-kinder / und das heer der Aborigener / beisammen fanden. Mitreus wolte nicht verziehen / bis der tag anbrechen möchte / sondern ließe sich gleich bei dem K \nig der Aborigener anmelden: bei dem er seine gewönliche gesellschaft / den getreuen Midaspes / und ihn / an stat der ben \tigten ruhe / sich mit ihm unterredend / fande. Dieser König vermeinte /wie Mitreus sich anmelden ließe / daß dessen anbringen seyn wůrde / von der hülfe / die er nach des Teraphim tempel geschicket. Als er aber ihn vor sich kommen lassen / vername er / mit nicht-geringer bestůrzung / die gefängnis des K \nigs in Syrien / und daß daran der König in Basan schuld haben solte: welches ihn so unmůglich dünkte / als höchst es ihn befrömdete. Er fande auch diese sache von so großer wichtigkeit / daß sie so fort eine beratschlagung erforderte. Demnach / weil [782] er ohnedas noch in den nachtkleidern sich befande / legte er geschwind seine kleider wieder an / und den Mitreus bei der hand nemend / ginge er mit ihm nach des K \niges von Babel gezelt: welchen er / ob er gleich mit seiner liebsten Hercinde schon zur ruhe war / nach habender freiheit / aufweckte /und ihm diese fr \mde zeitung sagete.
So sehr er zuvor selbst darůber erschrocken / so sehr erschreckte er auch damit den Baleus: der es anfangs nicht glauben kunte / bis Mitreus es ihme mit allen ůmstånden erzehlte. Die K \nigin Hercinde wolte ihren bruder / von deme sie bis dahin nichts gewißes erfahren können / verteidigen / mit dem vorwand seiner großen liebe / die er jederzeit zu dem K \nig von Syrien getragen: weswegen er unmöglich hierum wissen könte / und zweifels ohn alles allein von dem Sesai würde angestellet seyn. Dieses kame aber den andren nicht glaublich für / und erforderte man ferner den König Hiarbas / wie auch von den Celten die beide Prinzen Suevus und Trebetes / (Baalis und Daces waren nicht zugegen / und hatten sich tiefer in das gebirge befunden) neben etlichen der fůrnemsten von den Enakim / als den Gelanor und Hur / üm hierüber raht zu halten. Wie nun diese in des K \nigs von Babel gezelt gekommen / muste Mitreus in ein eignes gezelt / daß sie ihm einraumen ließen / abtreten / und er \ffnete hierauf der Baleus / was ihn bewogen / sie in so spater nacht ersuchen zu lassen. Keiner unter ihnen allen ware / der nicht anfangs große bestürzung und verwunderung hierüber blicken ließe: und so fro die beide Celtische Fürsten wurden / daß sie nun erfuhren / wo ihr K \nig geblieben / so wenig kunten sie sich darein finden / daß er dieses wider den König von Syrien solte angestellt haben. Wiewol auch [783] nicht alle dem Aramenes im herzen gut waren / so wusten sie doch nicht zu billigen / daß man den krieg wider Syrien / der von so großem bedenken war / auf solche weise anfahen solte.
Die Königin Mirina kame indem auch zu ihnen /die dan sofort / als sie dieses vernommen / zum krieg riete / und behaubten wolte / daß ihr bruder / der Marsius / durch verweigerung der Aramena / genug wåre beschimpfet und veranlasset worden / solcher gestalt seine rache fürzunemen. Aber Tuscus Sicanus widersprache dieses / wie auch Baleus / und sagte der erste: Er befånde sich verbunden / der K \nigin von Mesopotamien / zu wiederbefreiung ihres bruders / auf alle weise und wege beizustehen. Suevus und Trebetes baten den Tuscus Sicanus / hierinn sich nicht zu ůbereilen: und ob sie es gleich nicht deutlich meldeten / so merkte man doch so viel / daß sie der Mirina meinung beipflichteten. Gelanor und Hur aber / in betracht /daß ihre brůder unter dem Sesai dieses zu werk gerichtet / widersprachen dem Tuscus Sicanus \ffentlich / und boten sich an / daß sie gleich nach dem Sesai schicken / und ehe man etwas schlöße / von diesem handel erkundigung einziehen wolten. Trebetes und Suevus fielen dieser meinung bei / und kame es also /bei dieser ersten unterredung / zu keinem gewißen schluße / welcher bis auf den anderen tag ausgestellet wurde.
Sobald nun derselbe erschienen / ließen die riesen Avi und Rekem / von dem Sesai abgeschicket / sich anmelden: deren anbringen zu vernemen / man höchstbegierig wurde / und darům sie sofort in des K \nigs von Babel gezelt fürete / dahin alle anwesende Könige und große sich versamleten. Als nun / die riesen / unter denselben den K \nig der Aborigener erblikten / wolten sie / [784] in dessen gegenwart ihren vortrag nicht ablegen / und entschüldigten sich deswegen auf aller glimpflichste. Wolan! (sagte Tuscus Sicanus) wan ihr an mich nicht mit abgeschicket seit / so wil ich gern diese versamlung verlassen / ům deren nicht hinterlich zu seyn / daß sie ihre begierde bald vergnüget sehen. Hiemit ginge er hinaus / und finge folgends der Avi also an zu reden. Es zweiflet der Sesai / so uns abgefårtigt / ganz und gar nicht / es werde sein beginnen sehr frömd und ungleich aufgenommen worden seyn / daß er / ohne vorgepflogenen raht / sich der that unternommen / einen gewaltigen König gefangen zu setzen. Weil es aber das leben des unvergleichlichen Marsius betrifft / der allhier zwo schwestern / zween schwågere / auch bluts- und bundsverwandten zehlet / als zweiflet der Sesai gleichfalls nicht / wan die ursach alhier offenbar wird / daß sein verfahren eher werde gelobt als getadelt werden.
Es befindet sich dieser große held / der Marsius /der seine lebtage in allen dingen unüberwindlich gewesen / auser daß ihn die liebe übermeistern müssen /auf meinem berghause: dahin er so heimlich gekommen / damit niemand von den seinigen ihn abhalten oder hintern m \ge / in den schmerzlichsten gram sich zu vertiefen / und darinn / seinem verlangen nach /bald den geist aufzugeben. Die ursach seines grams ist / die Mesopotamische Königin: welche / ob er sie gleich dem K \nig der Aborigener / weil der von ihr ihme fůrgezogen wird / gutwillig überlassen / dennoch aus seinem gedächtnis nicht kan gebannet wer den / sondern fähig ist / diesen großen Monarchen in das grab zu bringen. Dieses hat den getreuen Sesai bewogen / auf mittel zu gedenken / damit dieser unvergleichliche held beim leben erhalten werde. [785] Nun ist aber kein andres vorhanden / als daß er die sch \ne K \nigin Aramena erlange. Was nun mit dem König von Syrien fůrgenommen worden / daß zielet alles dahin / diese heurat zu stande zu bringen. Demnach låsset der Sesai E. Maj. allerseits versichern und vermanen / daß sie nichts widriges hierbei befahren sollen / sondern ihn allein machen lassen / und dieses dinges sich nicht annemen wollen: und verspricht er /mit hůlfe des himmels / unfehlbar zu seinem vorhaben zu gelangen.
Es war zwar keiner unter des Avi zuh \rern / der nicht in seinem herzen gewůnscht håtte / daß / durch dieses beginnen des Sesai / der unvergleichliche Marsius hätte können in ruhe gebracht werden. Es wolte aber keinem in den sinn / daß dieses das rechte mittel wäre: daher zwischen ihnen ein großes fragen und ratschlagen entstunde. Der Avi und Rekem blieben dabei / sich deutlicher erklärend / daß Sesai bei verlust seiner ehre / in wenig tagen das halten wolte / was er hiemit versprochen hatte. Sie berichteten auch ferner /wie des Avi berghaus von der K \nigin zu Mesopotamien vorigen tags berennet worden / solches aber zu eroberen eine unmůglichkeit wåre. Es befänden sich auch daroben / neben den beiden Königen / alle flüchtige Horiten aus Abagara / wie auch der Oberpriester Telecles / und etliche der richtere aus Mesopotamien: die alle einhällig dahin zielten / daß nicht Tuscus Sicanus / sondern der Marsius / ihre Königin haben solte und müste. Haben dan die beide Könige (fragte Baleus) die vordeme in so vertraulicher freundschaft gelebet / einander nicht gesprochen? Der große Marsius (antwortete Rekem) weiß von allen diesen fůrgegangenen dingen noch nichtes / kommet auch nicht aus seinem zimmer / und darf niemand / [786] als der einige Sesai / zu ihm gehen. Wie sol man (finge Hercinde an) dem König der Aborigener die liebe wieder benemen / die ihm einzubringen uns můhe gekostet? Es vermeinet Sesai / (sagte hierauf der Avi /) daß / da es des großen Marsius leben betrifft / man den König der Aborigener dabei nicht anzusehen habe: und treibet ihn die treue fůr seinen K \nig dazu / ihm fůrgenommener massen zu dienen / wañ auch alle welt /das doch nicht vermutlich ist / ihn verlassen solte.
Wie nun dergestalt diese beide abgeschickte ihr gewerbe allerdings angebracht / hieße man sie hinaus gehen: und fiele nach langer beratschlagung / ihrer aller einhellige meinung dahin / daß / unangesehen man nicht begreifen k \nte / was Sesai eigentlich vorhätte / man doch ihme nicht hinterlich seyn / und inzwischen den Tuscus Sicanus aufhalten solte / mit der hůlfe nicht zu sehr zu eilen / die er der K \nigin Aramena zuzuschicken gewillet war / weil ja dieser handel sich in wenig tagen enden solte. Die K \nigin Hercinde ůbername / dem König der Aborigener beizubringen / was fůr neue beschwernise in seiner liebe sich herfürthåten: und ward ferner beschlossen / daß mit dem Avi und Rekem etliche zu dem Sesai zurücke gesendet / hingegẽ Mitreus bei ihnen aufgehalten /und dabei auf alles ein wachsames auge solte geschlagen werden. Den riesen Gelanor traffe die wahl / diese reise nach dem Sesai zu übernemen: und ob wol der Suevus und Trebetes ein herzliches verlangen nach ihrem K \nig erwiesen / so dorften sie doch an diese mitreise nicht gedenken / weil Avi und Rekem nicht gut dafůr sagen wolte / daß Sesai sie einlassen wůrde. Wie nun diese drei riesen miteinander abgereiset / beschlosse man / der gesandten anbringen heimlich zu halten / ob gleich die belagerung des schloßes / und dessen ursach / [787] ruchtbar war: massen es unter den Babyloniern / Celten / Aborigenern und riesen / hiervon allerhand reden gabe.
Weil inzwischen die K \nigin von Mesopotamien das bergschlos nåher ůmlagert / als fanden die gesandten den paß verrennt / durch welchen sie heraus gekommen waren daher sie fast nicht sahen / wie sie es angreifen solten / wieder hinein zu kommen. Weil sie aber in allen kriegs-rånken wol geübet waren / als verbargen sie sich / bis die nacht anbrache: da sie /durch die wacht der Aborigener glücklich durchkamen / und fürter auf die Syrer stießen. Sie hörten / vor dem gezelte / etliche miteinander reden / und schlichen /sie zu behorchen / ganz leise hinzu / da sie dan folgendes gespräche vernamen. Wie hat doch / (sagte einer) des Sesai anmuten die Königin erschrecket! sie sol / ungeacht sie sonst so wachsam gewesen / heute noch nicht aus ihrem gezelte gekommen seyn. Ich zweifle nicht / (antwortete ein andrer Syrer) sie werde / unsrem K \nig das leben zu retten / sich dazu verstehen / was ihr die riesen angesonnen. Ich aber zweifle sehr daran / (sagte der dritte) und besorge / sie werde den Tuscus Sicanus nicht verlassen wollen: auf welchen fall ich dann anstehen müste / ob wir Syrer nicht gehalten wären / aus pflicht gegen unsrem K \nig /selbst dahin zutrachten / daß die K \nigin von Mesopotamien zu der fürgeschlagenen heurat gebracht wůrde. Die Mesopotamier (antwortete der erste) wolten wir wol auf unsere seite bringen / die sind aber hier nicht viel stärker als wir; und müßen wir die Aborigener scheuen / die da nimmermehr das recht /so ihnen an der K \nigin Aramena zustehet / werden fahren lassen.
Weil hierauf ein und andres geräusch den Avi und seine gefårten hinterte / ein mehrers zu vernemen / als begaben [788] sie sich in der stille von dannen / und fragte Gelanor die andern / was sie von diesem gespräche hielten? Diese gestunden ihm hierauf / ům damit nicht so geheim gegen ihme zu seyn / als wie sie notwendig bei den K \nigen gewesen / wiedaß der Sesai der K \nigin von Mesopotamien ansagen lassen / sich innerhalb vier tagen zu erklären / ob sie den König von Basan heuraten wolte: nach deren verfließung / und auf ihre verweigerung / sie ihr das haubt ihres liebsten brudern herab senden / und sie also zu einer ursacherin machen wolten / daß Syrien seinen König verlieren můßen. Nun kan ich begreifen / (sagte Gelanor /) was diese Syrer geredet. Damit gingen sie fůrter / und kamen ungehintert durch alle wachten / bis an den schmalen fussteig / der sie auf das schloß hinauf fůrete. Diesen schmalen weg kunte nur ein mensche steigen / und war er ůberdas auf allen absetzen in den felsen mit mañschaft besetzet / daß man also fast unmũglich hinauf kommen kunte. Weil er auch mit gebüsche und gestråuche håufig bewachsen war / als verursachte das geråusche / daß die nächste wacht der Niniviten ihrer gewar wurde / und alsofort lärmen machte.
Wie nun die haubtleute zusammen gekommen / und einen ůberfall vom feind befahreten / blieben sie auf ihrer hut / bis der tag anbrache: da sie im sande die fusstapfen derer erkenten / die den berg hinauf gegangen waren. Man urteilte gleich daraus / daß dieses einen geheimen zugang bedeuten wůrde. Man brachte solches alsofort vor die K \nigin: welche / gleichwie den vorigen tag / also auch die ganze nacht hindurch /in t \dlicher qwal um ihren liebsten bruder geschwebet / und stäts die grausame worte des Sesai ihr wiederholend / in der wahl sich abängstete / welchen sie von ihren beiden liebsten [789] freunden erkiesen oder verlassen solte. Gleichwie ihr aber dieser bericht etwas hoffnung machte daß es noch einiger maßen můglich seyn k \nte / das schloß zu stürmen / als wolte sie durch solchen weg ihr leztes und äuserstes heil versuchen /ihren bruder zu retten. Sie berieffe deshalben alle vorneme kriegs-haubtleute zu sich / und vermanete sie /es an diesem orte zu wagen / ob sie die burg ersteigen möchten. Gedenket / (sagte sie zu dem Sinear) daß der König / mein bruder / euer und eurer Prinzessinnen wegen in dieses ungemach gekommen: darum stehet mir nun auch dapfer bei / ihn befreien zu helfen. E. Maj. haben nicht vonn \ten / (antwortete Sinear) dem jenigen diese vermanung zu geben / der von selbst sich schuldig erkennet / sein gut und blut fůr den großen Aramenes aufzusetzen. Und daß E. Maj. sehen / wie bei mir werke und worte übereinstimmen /so wil ich der erste seyn / der mit seinem fůrbild andren weise / wie man müße in E. Maj. dienste sein leben in die schanze schlagen.
Als er diß gesagt / name er seinen schild über den arm / und ůberlaut ruffend / daß ieder ihm folgen solte / der den namen eines dapfern helden begehrte davon zu tragen / ginge er den felsen hinan / da das ganze lager / ihm nachzufolgen / sich aufmachte / und also das stůrmen anhuben. Die K \nigin ware selbst mit zugegen / und achtete nicht den gewaltigen hagel der pfeile und steine / die die riesen auf einmal ließen auf diese stůrmende herab fallen: massen auch ein pfeil /der Königin rechte schulter dergestalt růrete / daß sie /dadurch verwundet / und also abgemattet / in ihr gezelt sich zurücke begeben muste. Der eifer / ihren bruder zu erlösen / ließe ihr kaum zu / daß sie erlaubte /nach der wunde zu sehen / und muste man ihr immer post bringen / wie [790] es den stürmenden erginge. Aber alle zeitungen brachten mit / wie es eine lautere unmüglichkeit wäre / und daß dieses das rechte mittel seyn wůrde / das ganze heer auf einmal zu verderben.
Dieses brachte ihr / aus ungedult / die tränen in die augen / und sahe sie indem / ganz unvermutlich /zehen K \nige / als den von Ninive / Egypten / Ophir /Cus / Elam / Saba / Meden / Sichem / Hazor und Jericho / und die Prinzen Adonisedech / Jethur und Ephron / samt den Syrischen Fůrsten / zu ihr in das gezelt treten: die von Samosata kamen / und sie in solchem unmut findende / dessen ursache ihnen bekant war /sie höchlich beklagten / und ihr zugleich ihre dienste /so wol in eigener person / als mit ihrer macht / anboten. Werte helden! (sagte sie zu ihnen) was hilft mir euer anerbieten / da keine menschliche macht mir förderlich seyn kan / den Aramenes aus seinen banden zu befreien. Das müste nicht gut seyn / (antwortete Dison) daß menschen nicht solten dahin gelangen k \nnen / was menschen hände gemacht haben: und getraue ich mir / wann ich nur die geringste \ffnung finde / hindurch zu kommen. Auf solche weise redeten auch die andern: und wie der Hemor / neben dem Ariates und Jebus / die die Königin noch nicht in Mesopotamien gesehen hatten / ihre begrůßungen nach beschaffenheit damaliger ůmstånde eiligst bei ihr abgeleget / folgten sie / såmtlich dem Dison nach / üm dieses berghaus zu stürmen / und den Aramenes zu befreien. Alle die verwundte / so zurücke kamen / vermochten sie nicht von diesem kůnen fürhaben abzuschrecken / und wurden sie von ihrem muht angefeuret / auch gar wider die unmůglichkeit zu streiten /und sich solcher dinge zu unternemen / die kein mensch ausrichten kunte.
Weil der König von Ninive am hitzigsten daran[791] ginge / als erlangte er endlich für seine person den zugang / zu diesem hohen felsen: wiewol es seine freiheit kostete / und ihme wie dem Prinzen Sinear erginge / den die riesen im schloß auch hatten gefangen beko en. Sie füreten den Dison sofort vor den Sesai /der in einem herrlichen gezelt / von den fůrnemsten Enakim ůmgeben / sich sehen ließe / und ihn mit großer bescheidenheit entfinge / auch in werken und worten darthåte / daß er keines wegs ihn feindlich zuhalten begehrte. E. Maj. haben alhier (sagte er zu ihm) alle freiheit / die sie nur selbst verlangen m \gen / und begehre ich so wenig meines vorteils mich zu bedienen / als in feindschaft mit dem großen Dison und den andren K \nigen / deren ankunft ich vernommen / zu leben. Diese unvermutete begrüssung / milderte nicht wenig des K \nigs von Ninive verdrus / daß er sich muste gefangen sehen: welcher den Sesai recht betrachtend / nichtes an ihm fande / das einer solchen tyranney ihn beschüldigen konte / wie man ihme /wegen des K \nigs Aramenes beimessen wolte. Es stehet bei euch / Sesai! (antwortete er ihme) daß ich dieser euren versicherungen könne glauben geben: und wann ihr nicht / ihr die ihr hier vom gebirge seit / alle macht der K \nige / die iezt wider euch gewaffnet sind / euch auf den hals ziehen wollet / so gebet dem König von Syrien seine freiheit wieder / den ihr /wider aller völker recht / alhier gefangen haltet.
Es thut mir leid / (wiederantwortete Sesai) daß E. Maj. mir etwas befehlen / so ich einzugehen unfåhig bin. Zwar kan der König von Syrien diesen augenblick seine freiheit wieder erlangen / wan nur die K \nigin von Mesopotamien etwas darzu thun wil: die sich erklären muß / ob sie verlange / zweien großen K \nigen ihr leben zu erhalten. Es ist grausam / (versezte Dison) [792] ein freies k \nigliches gemüt solcher gestalt zwingen wollen. Noch grausamer aber ist / (antwortete Sesai /) einem unvergleichlichen helden / als mein König von Basan ist / sein leben rauben wollen / mit deme man doch überseelig leben könte / wan man sich nur bequemen wolte / dessen liebe anzunemen. Der große Marsius (sagte Dison) ist so tugendhaft und grosmütig / daß er / wie ich glaube / nimmermehr eine große Königin / durch so tyrannischen zwang / zu seiner liebe zu zwingen begehren wird. Ich glaube wol / (widerredte Sesai) daß mein K \nig dergleichen gedanken nicht haben würde / wan er wüste /was hier vorgehet. Weil ich aber / neben meinen anverwandten / allein aus wahrer treue gegen dem großen Marsius / und zwar sonder sein wissen / dieses habe fürgenommen / als muß ich es verfechten / ob es tugendhaft oder grosmütig gehandelt sey / was ich iezt beginne.
Darf man dan (fragte der ungedultige Dison / den diß gespräche zu verdrießen begunte /) euren König von Basan nicht sehen? Sesai schůttelte hiezu das haubt / weil er solches fůr ehrerhietiger achtete / als wan er dieses begehren des K \nigs mit Nein beantwortet hätte. Doch diesen abschlag in etwas zu begütigen / sagte er zu ihme: Gefället E. Maj. den König von Syrien zu sprechen / so sol dero begehren von stund an erfüllet werden. Dison wurde fro / daß ihme Sesai dieses anbote / was er zu begehren sich gescheuet hatte. Wie er nun sein verlangen hiernach erwiesen / begleitete ihn der Sesai nach dem ort / wo der König Aramenes gefangen saße. Es war aber das gefängnis / darinn dieser große König an ketten geschlossen lage / in einen felsen gehauen / und vermochte Dison die trånen nicht zu bergen / als er diesen unvergleichlichen helden in solcher gestalt zu sehen bekame. [793] Damit aber diese beide K \nige desto freier miteinander sich besprechen m \chten / bliebe Sesai vor der thůr / und ließe dem Dison allein hinein gehen.
Weil dieser fůr wehmut schwiege / wurde er von dem Aramenes also angeredet: Ach! mein bruder! fůret dich nun das verhångnis an eben den ort / dahin ich geraten bin? und hat der himmel uns beide zumal in die hände unsrer feinde übergeben wollen? Dich zu retten / liebster bruder! (antwortete Dison) haben wir ingesamt diese burg gestürmet: da dan mein eifer gr \ßer / als mein glück / gewesen ist. Wiewol ich diesem letzern noch dieses danken muß / daß es mir /dich zu sehen / verg \nnet. Was traurige vergnügung kan das erwecken / (sagte Aramenes) da mein zustand also beschaffen ist / daß ich augenblicklich den tod erwarten muß. Zwar ich fůrchte mich nicht für demselben / wan ich allein auf mich sehe. Gedenke ich aber an die arme Cölidiane / wie auch an meine schwestern / und an mein land / so tauret es mich /daß ich die durch mein sterben in großes ungemach und leidwesen werde stürzen müßen. Wir alle (versezte Dison / mit vergießung vieler tränen) würden einen unwiederbringlichen verlust an dem großen Aramenes erleiden / wan der Königin von Mesopotamien schleunige erklärung / oder unsere glückliche waffen /ein solches nicht verhůten. Beides ist nicht zu hoffen /(sagte Aramenes) weil ich mein leben durch meines freundes unglůck nicht zu kaufen begehre / und dieser ort also beschaffen ist / daß er mit nichtes / als durch hunger / kan bezwungen werden / solcher aber / weil er auf etliche jahre mit lebensmitteln versehen / nicht zu befahren ist. Ach! was wollen wir von jahren sagen! (sagte der verzweifelte Dison) es sind / wie ich höre / nur noch etliche tage dahin / da die Königin von Mesopotamien [794] entweder den Marsius lieben /oder ihren bruder sol sterben sehen.
Weiß dañ auch die Cölidiane / (fragte Aramenes /nicht sonder seufzen) was hier fůrgehet? Als wir (antwortete Dison /) von Samosata abreiseten / lebten wir alle in der hoffnung / die Königin von Mesopotamien in der vergnügung auf dem schloß Amida anzutreffen / darinn wir sie verlassen hatten. Als wir aber noch eine tagreise von dar waren / kame uns die zeitung entgegen / wie der König von Syrien den riesen in die hånde geraten. C \lidiane fiele meiner gemalin und der Ahalibama onmächtig in die arme / wie sie dieses vername / und wolte nachgehends bei ihr kein trost etwas fruchten / weil ihr der sinn die gefahr so häftig fürstellte / daß menschen-hülfe dagegen nichtes verfangen wůrde. Alle Könige und Prinzen eileten hierauf /neben mir / ins königliche lager / üm mehrere gewißheit hiervon zu erlangen. Wir waren aber kaum heute früh angelanget / da sprache uns die trostlose Königin Aramena auf / diesem sturme beizuwonen / der schon vor unserer ankunft war angefangen worden: der mich nun lebendig auf diesen felsen bringen müssen / damit meine augen selbst ansehen möchten das unrecht /daß der himmel ůber dich / mein liebster bruder! ergehen lässet. Der himmel ist gerecht / (antwortete Aramenes) und dessen ursachen erheblich / ob wir sie schon nit allemal sehen und verstehen können. Aber /mein bruder! an welchem ort ist die trostlose Cölidiane geblieben? Sie wird / (antwortete Dison) neben allen K \niginnen und Prinzessinnen / diesen abend im lager erwartet / und bilde ich mir schon die qual für /die diese beide herzens-freundinnen entfinden werden / wan sie nun das verhångnis zusammen fůret. Meine schwester / [795] (sagte Aramenes) wird / wegen der haft ihres Disons / ihren teil auch dabei haben / und bin ich ja wol unglůcklich / daß ich / durch meine bande /beiden schwestern / sich über ihre geliebte also zu ängstigen / ursach geben muß.
Wofern dem Sesai zu trauen ist / (antwortete Dison) so kan ich meine freiheit erlangen / wan ich wil. Doch begehre ich solche nicht anzunemen / wan ich alhier dem K \nig von Syrien mehr dienste / als im lager / werde erweisen k \nnen. Größere dienste (gabe Aramenes zur antwort /) erwarte ich von dem K \nig zu Ninive / an dem orte / da meine trostlose freundinnen sich befinden / als hier / da ich mein unglück wol allein überdenken kan. Was sol ich aber / (fragte Dison) diesen freundinnen sagen / das ihnen könne trost geben? daß ich (antwortete Aramenes) der Cölidiane danken lasse / für alle die sonderbare liebe und treue / die sie mir erwiesen / und daß ich sie ersuche /ja nicht meinen tod dergestalt zu herzen zu nemen /daß ihr solches an der leibesfrucht k \nne schaden bringen / mit der sie der himmel gesegnet hat. Nim dich dieser trostlosen an / wertester bruder! und verlasse sie nicht in dem großen leidsturme / darein mein tod sie versetzen wird. Der Königin Aramena sage /daß sie ja meinetwegen ihre großmut nicht verlieren müße / sich zu einer heurat zwingen zu lassen / die ihr / ihre treue zu brechen / würde anlaß geben. Ich begehre nicht / mit des Cimbers ewigem verlust / ihrer freundschaft ferner zu genießen / deren ich ohndaß genug versichert bin / und gewiß weiß / daß sie mein tod nicht weniger / als die C \lidiane / ängsten werde. Meine jůngere schwester dir anzubefehlen / ist unnötig / weil ich weiß / wie herzlich du sie liebest. Verharre also / wertester Dison! und hilf / nach meinem tode / m \glichst befördern / das diese königreiche in ruhestand verbleiben. [796] Letzlich wollest du auch dem K \nig der Aborigener / als meinem alten freunde Cimber / vermelden / daß / wie ehmals seine grosmut mir die Aramena ůberlassen / also es mich ietzund vergnůge / daß ich / üm seiner vergnügung willen /und damit er diese seine schöne behalte / den tod leiden muß; und werde ich mit der hoffnung sterben /daß er meine schwester iederzeit mit herzlicher liebe verehren und wol-halten werde.
Der K \nig Dison kunte sich über die standhaftigkeit des Königs von Syrien nicht gnug verwundern /die er in diesem zufall blicken ließe / und weil er fůr seine person sich nicht so hart befande / als vermochte er diese lezte reden des Aramenes mit keinem worte zu beantworten / sondern wurde so weichmůtig / daß er / nach dem er verschiedene male seinen schwager ümhalset / von ihm aus der gefångnis eilete / auch dem Sesai und den anderen ein gesichte sehen ließe /daß von tränen ganz übergossen / eine innerliche todes angst vorzeigte. Ha tyrann! (redete er den riesen an) scheuest du dan nicht den herrn des himmels / da du dich für keinem weltlichen König zu fürchten begehrest? vermeinest du wol / daß du dessen straffe entrinnen werdest / wan es schon sich also begeben solte / daß dieses raubschloß dich ein zeitlang fůr so vielen Königen schůtzen k \nte? Gehe in dich / Sesai! und åndere dein mehr als grausames beginnen. Ich gelobe dir / an stat aller der andren K \nige / daß dieser frefel nimmermehr an dir und deinem geschlechte sol gerochen werden / hingegen alles was dein herz begehret / dir widerfahren sol / wan du den Aramenes wirst ledig lassen. Großer König! (antwortete Sesai /mit aller bescheidenheit) es liget nicht an mir / daß der K \nig von Syrien seiner bande sich nicht befreiet sihet. E. Maj. selbst verm \gen viel hierbei zu thun /[797] wan sie die K \nigin von Mesopotamien ůberreden helfen / daß sie den beiden grösten K \nigen der welt ihr leben friste. Dieser schluß ist unånderlich / und kan keine furcht des todes solchen in mir aufheben. Sol Aramena grausamkeit den Marsius töden / so muß Aramenes nicht sterben. Wil man aber den K \nig von Syrien retten / so muß man den König von Basan lieben.
Hiemit neigte sich Sesai mit dem haubte bis zur erden / fůr dem König von Ninive / und begabe sich hintan / alle seine bediente und die andere fürneme riesen / seine anverwandten / bei ihm lassend / die ihre aufwartung ihme anboten / ob er etwan speisen /oder die unůberwindliche vestung besehen / oder aber wieder nach dem lager sich begeben wolte? Es war aber Dison so entstellet in seinem gemüte / daß ihm ůber diesen bezeigenden h \flichkeiten die gedult verginge. Weil ihme angeboten worden / nach dem lager zu gehen / und er verschiedene seiner mitgefangenen /als den verwundten K \nig von Jericho / den Prinzen Adonisedech / den Tharsis und andere / stehen sahe /erbate er ihnen die freiheit / und ließe folgends mit ihnen sich hierunter füren. Tharsis der da wuste / daß auch der Prinz Sinear gefangen war / raunete solches dem König ins ohr: der dan sich ůberwande / dem riesen Avi / der zu nächst bei ihm ginge / zu zureden /ob der Chaldeer Prinz nicht auch k \nte los kommen? Wir můssen hierinn / (antwortete Avi) die zu uns aus Abagara geflůchtete Horiten / und die priestere des Teraphim / vergnůgen / die dem Chaldeischen Prinzen und seinem volke die schuld geben / daß ihr berůmter tempel zerst \ret worden / und daher bei uns ausgeboten haben / keinem Chaldeer das leben zu schenken. Solte aber der Königin von Mesopotamien erklärung /[798] als wir hoffen / für den König von Basan gut fallen /so verspreche ich E. Maj. daß / neben dem Aramenes / auch der Sinear seine freiheit wieder erlangen sol.
Dison schwiege zu diesem erbieten / erkante mit dem h \chsten verdrus der welt / im hinab-gehen / die unmůglichkeit / diese vestung zu erobern / und kame endlich / mit den andren / wieder in das lager: da jederman / ungeacht der allgemeinen bestůrzung / große freude blicken ließe / daß sich diese verlorn-geschåzte Könige und Prinzen wieder einfanden. So fr \lich aber die Niniviten waren / so kläglich stellten sich hergegen die Chaldeer an / als sie ihren Prinzen unter diesem haufen vermisseten / und daneben die große gefahr erfuhren / darinn er schwebte. Dieses gerüchte breitete sich bald aus / bis in das gezelt / alwo die drei schöne Prinzessinnen von Ausitis sich bei der Prinzessin Rahabine befanden / und von der betrůbten Königin Aramena / weil dieselbe schlieffe / sich abbegeben hatten. Die schöne Jemima hatte kaum von der ersten angst sich wieder erholet / die sie in des Teraphim tempel für ihren liebsten Prinzen entfunden / als diese neue nun dazu stieße: die ihr vollends allen mut und trost bename / also daß ihre rosenwangen erblasseten / und sie / sonder ein wort zu sagen / auf das nächste ruhbette niederfiele. Ihre beide schwestern sprangen in dieser noht ihr zwar treulich bei / fanden aber ihren schmerzen so rechtmåßig / daß sie ihr mehr mitleiden / als trost / zu bezeigen vermochten.
Wie sie nun in solcher betrübten verrichtung sich befanden / schauete ohn unterlas die Prinzessin Rahabine aus dem gezelt: weil sie wuste / daß der K \nig von Jericho mit in das lager gekommen war / und doch nicht erfahren konte / wo er geblieben / und wie es ihm ergehen m \chte. Ihr verhängnis wolte / daß sie ihn [799] eben damals ganz blutig und onmächtig daher tragen sahe: massen ihm diese schwachheit zugestoßen war / als er mit dem Dison zu den meisten von den andren Königen in des Königs von Cus gezelt angekommen. Sein bildnis / welches sie ståts am arm truge / war ihr dergestalt in die gedåchtnus gepråget / daß sie ihn sofort erkante / und ihrer sinnen nicht so viel måchtig bliebe / daß sie sich gescheuet hätte / unter die mänge so vieler Canaaniter / als des Jebus hofbediente / sich zu begeben / und ihres erblasseten Königs hånde mit ihren trånen zu benetzen. Jederman verwunderte sich über dieses ihr beginnen / und weil niemand sie kante / indem sie noch in ihrer geistlichen kleidung ginge / als wusten sie nicht / was sie hiervon machen solten. Weil die Könige von Gibeon und Hazor / und dieser Jebus / ein gezelt innhatten / als brachten sie diesen verwundten / in begleitung der Rahabine / daselbst hin: da der Ariates die Prinzessin sofort erkante / als welche er oft zu Tyro gesehen /und deshalben sie begrůßend / ihr seine wilfärige dienste anbote. Weil ihm ihre liebe bekandt war / als wunderte er das / so sie thåte / nicht so sehr / als wie die andere. Wie nun der Jebus zu bette gebracht / und die wundärzte herbei geholet worden / bliebe Rahabine so lang bei ihme / bis man sie versicherte / daß es mit dem K \nig nicht die geringste gefahr håtte / sondern bloß die erhitzung / und die verweilung mit dem verbinden / an dieser schwachheit ursach wåre. Sie wolte gleichwol den Jebus nicht ansprechen / welches auch Ariates nicht ratsam befande / weil es eine schådliche änderung bei diesem verwundten verursachen m \gen / sondern begabe sich / von diesem König begleitet / wieder nach ihrem gezelte.
Sie ware kaum daselbst angelanget / da erscholle[800] ůberall im ganzen lager / wiedaß das k \nigliche frauenzimmer ankäme. Alle die Könige / welche in das Eridanus gezelt raht gehalten / eileten / auf diesen bericht / ihren liebsten K \niginnen entgegen / sie zu entfangen: da dan keiner sonder tränen die unglůckselige Cölidiane anschauen konte / die in des Melchisedech und der Eurilinde armen ligend / daher geschleppet wurde. Weil keiner ihr trost zu geben wuste / als urteileten sie aus ihrem weinen / daß nichtes gutes zu hoffen stünde; sonderlich deuteten ihr des Disons verzweifelte gebärden an / daß es gar übel stehen můste. Aramenes ist todt! sagte sie mit ganz schwacher stimme / und lehnete das haubt auf der Eurilinde schulter: die diese zustoßende onmacht an ihr warnemend / mit ihr eilete / was sie konte / daß sie in das nächste zelt gebracht wurde. Sie / und die K \nigin von Ninive /wie auch der C \lidiane schwester / die Jaelinde / die Ahalibama und Indaride / gingen mit in dieses gezelt /üm dieser halbtodten Königin beizuspringen: mitlerweile die Könige und Prinzen / mit ihren Königinnen und Prinzessinnen / nach ihren zugeordneten gezelten sich begaben / und allerseits von diesem betrübten handel sich bespracheten. Sie verlangten ingesamt /die K \nigin von Mesopotamien bald zu sehen: zu deren / die Fůrstin Timna / neben der Eldane und der Königin hof-frauenzimmer / als der Casbiane / Dersine / Siringe und den andren / sich zu erst hin begaben / und diese sch \ne von gram und sorgen so abgezehret fanden / daß sie daraus ihres herzens anligen wol abnemen kunten.
Sie ware eben erwachet / als diese ankame; und weil sie vermutete / daß Cölidiane auch zugegen seyn wůrde / ware dieses ihre erste frage: wo die K \nigin von Syrien wåre. Timna berichtete / in was zustande man sie [801] verlassen håtte: daß dan der Aramena so nahe ginge / daß sie gleich vom bette aufsprange / üm diese ihre freundin gleich zu besuchen. Und ob ihr schon geraten wurde / wegen ihrer wunden sich inzuhalten /so achtete sie doch solches wenig / da sie so sehr den tod wünschte. Also ginge sie / von der Timna und Eldane an beiden seiten gefüret / aus ihrem gezelt heraus: da / im hingehen / sie vor vielen verwundeten soldaten vorbei kame / welche an der straße lagen /und den eifer / ihr und dem hause Syrien zu dienen /durch verlierung ihrer gesundheit zu tage gelegt hatten. Weil sie / als die in etlichen nåchten nicht geruhet / diesen halben tag / wiewol sehr unruhig / geschlaffen / als hatte man ihr noch nicht bericht gethan / wie das stürmen war abgelaufen: darnach sie auch nicht fragen dorfte / weil der augenschein es gabe / daß alles vergeblich gewesen.
Ach Timna (sagte sie) was důnket euch bei diesem neuen leiden / so mir der himmel zugeschicket? gehet dieses nicht noch über alles / was ich meine lebtage habe ausgestanden? Bedenket doch den zustand des armen Cimbers / den ich verlassen muß / wan ich anders meinen bruder erretten wil: und urteilet / wan ihr je geliebet / wie in mir nun die freundschaft und liebe kämpfen und streiten. Ich gerate so pl \tzlich in dieses unglůck / daß ich nicht weiß / wie mir geschihet: und weil ich stündlich die ankunft des Tuscus Sicanus erwarten muß / der kaum eine tagreise von hier ist / und durch den Mitreus des Aramenes gefängnis nun erfahren hat / als lasse ich euch ermessen / wie mir zu sinn seyn k \nne / wan ich mir diesen treuen liebhaber und dabei die armseelige C \lidiane / zugleich vorstelle. Ach! wolte Gott / (antwortete Timna) der Cimber wäre so unbeständig gewesen / als ihn der K \nig von Syrien am [802] tag unsers abscheidens bei E. Maj. gemacht hat! so wåre der große Marsius / um den unvergleichlichen Aramenes beim leben zu erhalten / leicht zu erwehlen. Ich wünsche eben dieses / (gabe die betrübte Aramena zur antwort) ob es gleich sonst das allerschmerzlichste ist / so uns in der liebe begegnen kan. Sie waren hiemit so nahe bei dem gezelt / darin Cölidiane war / daß sie ferner nichts reden kunten. Als sie hinein tratten / ware eben diese armselige aus ihrer schweren onmacht wieder aufgebracht worden. Aramena eilete / fast aus sich selber / sonder die andern anzusprechen / zur Cölidiane fůr das bette / und als sie ihr tränendes angesicht auf ihrer freundin wangen niedergelassen / hätte sie wünschen mögen / in solcher gestalt zu verscheiden. Die Königinnen von Ninive und Salem / wie auch die anwesende Prinzessinnen / als dieses ümhalsen zu lang anstunde / befahreten eine onmacht beider Königinnen: daher die jůngere Aramena / neben der Ahalibama / die Königin von Mesopotamien unter die arme fasseten / und sie dergestalt von der Cölidiane abbrachten.
Wie sie sich demnach bei ihr auf das bette gesetzet / sagte sie zu ihr: Was gedenkst du wol von mir /C \lidiane! daß ich dir noch nicht deinen Aramenes habe wieder verschaffet? Weil ich dich aus mir selbst erkenne / (antwortete diese) so kan ich dich nicht verdenken / daß du den Cimber einem bruder fürziehest. Aber / Aramena! du weist noch nicht / was das sei /einen man lieben: dan da kommet freundschaft und liebe zusammen. Du kanst deshalben dich nicht zu mir vergleichen / da du lange nicht so viel an dem Cimber verlieren würdest / als viel mir mit meinem gemal wird entwendet werden. Wir wollen jezt (widerredte Aramena) nicht er \rtern / wer von uns beiden den grösten verlust hiebei leiden werde / [803] sondern wir wollen vielmehr unser gemeines unglück miteinander beweinen / und beklagen / daß der h \chste auf so sonderbare weise uns heimsuchet. Wol recht sonderbar! (antwortete C \lidiane) da alles das jenige nicht bei zu rechnen ist / was wir ehmals haben ausgestanden. Wie mein gemal im K \nigreich Cus dem tod so nahe war / tr \stete mich noch die hoffnung / daß ich durch meinen tod ihme könte das leben fristen. Als wir / in der höle vor Damasco / in des Bileams und der Dalimire händen waren / und den tod für äugen sahen / erquickte uns unser gleiches geschicke /und daß wir miteinander sterben würden. Nun aber sehe ich meinen liebsten Aramenes in einer todes-gefahr / daraus ihn keine menschliche gewalt reissen kan / weil er in eines verzweifelten hånde geraten / der nichts achtet noch ansihet / üm sich abhalten zu lassen von dem grausamen fürnemen / das er ersonnen /seinem K \nig in dessen liebe zu dienen. Und was das allerjåmmerlichste / so muß zu meinem großen verluste diejenige helfen / die mir meinen gemal gegeben hat.
Alhier verwehrten ihr die trånen / in ihren klagen fortzufahren / und fande sich Aramena darob so gerüret / daß / wann es müglich gewesen / sie gerne sofort hätte von der welt scheiden m \gen. Was vermochte sie / da sie selber trostlos war / ihrer freundin für trost mitzuteilen / da solcher in nichtes anders bestehen kunte / als daß sie sich dahin erklåren sollen / den Cimber zu verlassen? welches sie zwar selbst für das einige mittel erkante / so dem K \nig Aramenes möchte das leben fristen / aber doch / zumal sie noch zween tage bedenkzeit hatte / noch nicht von sich sagen konte. Man gibt mir noch ein paar tage frist: (sagte sie endlich / die C \lidiane ümarmend /) wer weiß / was Gott indessen noch schicket. Ich bin [804] wol ehmals dem feuer so nahe gewesen / als wir iezt unserem unglůcke sind / und habe dannoch rettung erlanget. Die hand Gottes ist nicht verkůrzet: die kan nun so wol / als damals / uns eine hülfe zuschicken / die wir iezt noch nicht absehen k \nnen. Wer weiß aber /(sagte Cölidiane) ob Gott nicht haben wolle / daß du den K \nig von Basan liebest? Man sagt ja / die heuraten werden im himmel gemachet. So hat auch der Chaldeer Nebozar dir / nicht der Aborigener land /sondern das große Celten zu beherschen / gewarsaget. Gott gebe mir in den sinn / (beantwortete dieses die sch \ne Königin) was ich seinem willen gemås fürnemen sol. Versichere du dich inzwischen dessen / werteste freundin! daß ich lieber mich / als dich / werde unglůcklich machen.
Hiemit kamen der König von Ninive / wie auch die Könige und K \niginnen von Egypten und Ophir /dazu: da die Danede und Amesses / mit bezeugungen herzlichen mitleidens / die Königin von Mesopotamien ansprachen. Mit der weile / wie es bereits spater abend war / versamleten sich auch alle die andere königliche personen dahin: da die Milcaride / und ihre mutter Tharasile / in begrüßung der sch \nen Aramena / höchlich beklagten / daß sie in solcher verwirrung sie antreffen müßen. Wer håtte uns sollen sagen / (begunte diese sch \ne die gesellschaft anzureden /) daß wir einander in solchem zustande wieder finden wůrden / und wie wenig stunde uns doch dieses fůr /was wir nun erleben müßen? Alle hoffnung ist noch nicht aus / (sagte hierauf der König von Cus) und baue ich sehr auf die weltbekante grosmut des K \nigs von Basan / welcher nimmermehr zugeben wird / daß man die Königin Aramena / und zwar auf so grausame weise / ihn zu ehlichen zwinge. Man bedenke doch / wie dieser bescheidene K \nig / [805] als er lezlich aus Damasco abschiede / da nicht allein alle Syrer ihn zum König begehrten / sondern auch er mit seinen Celten so måchtig in der stadt war / daß er damals wol alles nach seinem gefallen håtte thun k \nnen /wie er / sage ich / die ehrerbietung / der liebe fürgezogen: solte er dan sich so gar geåndert haben / und durch laster-thun / begehren sich glůcklich zu machen? welches ich gegen seine natur zu seyn achte.
Gleichwol (antwortete die betrübte Aramena) erweiset er jetzund das gegenspiel. Er weiß nichts üm dieses alles / (finge Dison an zu reden) wie mir Sesai selbst gestanden. Um nun diese seine worte glaubbar zu machen / erzehlte er / wie es ihm auf dem schloß ergangen: da dan / in erwehnung / wie er den König Aramenes gesprochen / C \lidiane so wol / als die beide Aramenen / sich sehr aufmerksam bezeigten /und sich von neuem den entfindlichsten schmerzen wieder ergaben / als sie vernamen / wie kläglich dieser beiden K \nigie unterredung gelautet. Dison thåte es mit fleis / und wolte dieses nicht verhelen / weil er in seinem herzen ganz dahin zielte / daß die Königin von Mesopotamien alles eingehen solte / üm ihren bruder zu erretten / weswegen er auch seine erzehlung also beschlosse: Ich sehe meines bedunkens kein andres mittel / den großen Aramenes beim leben zuerhalten / als daß man den K \nig von Basan ehliche. Sesai handlet nicht allein hierinn / als ein verzweifelter mensch / und der die künftige gefahr ganz nicht achtet / sondern er hat auch aller riesen ihren beifall /und also eine große macht: daher wir ihm unmüglich etwas anhaben können. So bin ich auch dessen versichert / Tuscus Sicanus werde selbst der K \nigin von Mesopotamien eher rahten / ihn zu verlassen / als durch ihre treue den großen Aramenes ums leben zu[806] bringen / und Syrien in einen elenden zustand zu stürzen. Die arme Cölidiane schauete hierzwischen die Aramena ganz klåglich an / als von der sie / auf diesen des Disons gethanen vortrag / ihres Aramenes leztes endurteil erwartete.
Nachdem hierauf die K \nigin von Mesopotamien eine weile in gedanken gestanden / brache sie jälings in diese worte heraus. Nun ich glauben darf / daß der K \nig von Basan nichtes hierům wisse / so beginnet meine hoffnung wieder aufzuglimmen / und bin ich entschlossen / den Marsius selber zu sprechen: welches begehren mir ja der grausame Sesai nicht wird versagen k \nnen. Alle / die im gezelt waren / bestätigten dieses fůrnemen der Königin. Es hatten die K \nige ohndas beschlossen / in ihrer aller namen eine botschaft an den Sesai und die riesen abzuschicken /wozu sie den weißen Cussiten Balaat erwehlet / ům ihme seine unfug fůrstellen zu lassen. Diesem nun wurde auch das ansuchen der Mesopotamischen Königin mit aufgetragen / und befanden sie für gut / daß / wiewol es schon nachtete / er dannoch sofort nach dem feinde sich begeben solte: üm keine zeit zu verseumen / und denen im schloß desto längere bedenkweile zu verschaffen. Also ginge dieser sofort nach der burg / da zugleich der Fůrst Husan / von allen Königen / auf das gebirge zu den andern Königen / als dem Baleus / Hiarbas und Tuscus Sicanus / abgefärtigt wurde / über diesen fr \mden handel sich mir ihnen zu bereden / und den abgeschickten Mitreus wieder ümzuholen / dessen langes ausenbleiben keiner begreifen kunte.
Die unruhige Aramena wuste nicht / was sie bei dieser botschaft dem Aborigener-König zu entbieten solte / und sagte sie dem Husan / als er abschied name / wiewol [807] heimlich / nur dieses: Ihr k \nnet dort berichten / mein vetter! was ihr hier geh \ret und gesehen /und daß ich dem König Tuscus Sicanus / wan es meine wunden / die mir die hand schwellen machen /zuließen / håtte schreiben wollen / wie ich nie den tod so sehr gewůnschet / als eben jezt / ům zugleich eine treue liebhaberin und schwester zu verbleiben. Weil die eintretende nacht diese gesellschaft endlich voneinander triebe / als schieden sie von der Aramena und Cölidiane / mit erweisung eines innigsten verlangens / die verrichtung des Cussiten Balaats bald zu vernemen: da diese beide freundinnen / neben der Ahalibama und Timna / noch etwas beieinander verbleiben / letzlich aber auch einander verließen / weil sie nicht nůtzlich befanden / stäts beisammen zu seyn / und dadurch ihr gemeines leiden einander nur schwerer zu machen. Bei der Königin von Syrien bliebe dero hof-frauenzimmer / neben der Timna / und die Ahalibama bei der sch \nen Aramena: da ihre verrichtung darinn bestunde / daß sie miteinander die ganze nacht hindurch weineten / und / sonder einigen trost zu sch \pfen / das wiederkehrende tagesliecht erwarteten.
Weil / den abend vorher / die K \nigin Orosmada von Tyro vernommen hatte / wie ihres gemals schwester / die Prinzessinn Rahabine / auch im lager wäre /als wolte sie / ům auf alle weise die hochachtung für ihres herrn freunde darzuthun / diese Prinzessin sofort mit anbrechendem morgen besuchen: daher sie /neben der Fürstin Mehetabeel von Seir / die sich zu ihr hielte / sich aufmachte / und nach dem gezelte der drei Prinzessinnen von Ausitis ginge / alwo die Rahabine sich auch befande. Die beide verliebte Fůrsten /Elihu und Bethuel / leisteten eben ihren betrůbten Prinzessinnen gesellschaft / als die Königin von Tyro mit der Fürstin ankame: die [808] dann daselbst alles in tränen findend / anfangs vermeinten / daß das algemeine leidwesen wegen des Aramenes ein solches verursachte. Wie aber / sowol der Jemima noht / als der Rahabine anligen / ihnen kund wurde / bemüheten sie sich / diesen beiden trost einzusprechen: welches für die Prinzessin von Tyro gar leicht geschehen kunte / weil sie selbst gestehen muste / daß die wunden des Königs von Jericho / ům welchen sie weinete / nicht t \dlich waren. Mehetabeel / die von ihrem geliebten Ariates verstanden hatte / wie der Jebus meist deswegen die reise nach Mesopotamien übernommen / ům seine ehmals geliebte Rahabine im tempel des Teraphim zu suchen / und dieselbe seiner wieder-angeglommenen liebe zu versichern / gedachte sich hiemit gleich anfangs in dieser Prinzessin gute gunst zu bringen / und erzehlte ihr / wie / nach des alten K \nigs von Hazor tode / der K \nig von Gibeon / als er / verm \g der geschehenen aussönung zwischen diesen beiden zuvor-gezweiten Königen / die krone von Hazor aufgesetzet / so fort daran gewesen / seinem bundsgenoßen / dem K \nig von Jericho / zuzureden / daß er die bedienung der Prinzessin Rahabine ihm wieder solte lassen angelegen seyn: welchem einraht er auch gefolget / und zu dem ende aus Canaan gekommen wäre. Ich kan daneben / (sagte sie ferner) die Prinzessin von Tyro versichern / daß der König Jebus über das vorhergegangene eine sonderbare reue erweiset /und sich nicht seeliger achten wird / als wan er in die alte huld kan wider gesetzet werden / deren er vordessen zu Tyro genossen hat. Rahabine / die ihre bisher geglaubte mitbulerin also reden hörte / wurde / an stat daraus verdruß zu sch \pfen / ganz wolgemut / und ihre liebe zu dem Jebus keines wegs verhelend / sagte sie: weil meiner Fůrstin / als ich verneme / alles dasjenige [809] bekant ist / was zwischen dem K \nig von Jericho und mir ehmals fürgegangen / so wird daraus abzunemen seyn / daß ich mehr befugt bin / als der Jebus / die geschehene dinge zu bereuen: und sol es darum demjenigen nicht sauer werden / sich in meine huld fäst zu setzen / dem ich fürlångst mein reuendes herz wieder habe zugewendet.
Diese lezte worte / kamen dem K \nig Ariates zu ohren / der eben / als er seine Mehetabeel in ihrem gezelt nicht gefunden / sie allhier zu suchen kame. Was für ein heilsames pflaster (sagte er sofort) könte für meines vettern wunden erdacht werden / als eben diese gütige erklärung der Prinzessin von Tyro? und bin ich versichert / wan er solche selbst hören solte /daß er gleich seine gesundheit wieder erlangen wůrde. Ich bin von ihm abgeschicket / seinetwegen die danksagung abzulegen / daß die schöne Rahabine gestriges tags auf so gůtige weise offentlich ihr mitleiden wollen sehen lassen / das sie für seinen zustand heget: welches ihn auch dergestalt erquicket / daß er in wenig tagen sich starck hoffet / seine schůldigste erkentlichkeit pers \nlich dafür abzustatten / und seiner Prinzessin eben die verehrung zu erweisen / die sie vordeme zu Tyro von ihm so gůtig hat aufgenommen. Rahabine beantwortete dieses anbringen des jungen Königs von Hazor / wie es ihr die liebe in den mund gabe: und indem sie hierauf anhube zu erzehlen / was ihr im tempel begegnt war / kamen eben der Prinz Ephron und die Prinzessin Coricide dazu / die an dieser erzehlung den gr \sten teil hatten. Weil ihnen / der so gerechte als grausame tod ihrer verfolgerin / der Jerode / noch nicht ware kund worden / als h \rten sie mit sonderbaren entsetzen der Rahabine zu / und kunten nicht [810] gnug bewundern / wie sonderbar der Allerhöchste mit seinen bestraffungen zu verfahren pflegte.
Nachdem sie hiervon / zu fernerer unterredung /anlaß genommen / wurde solche von der Fůrstin Zelinte gestöret / welche dazu kame / und ihnen ankündigte / wiedaß ihr abgesandter / der Balaat / neben andren abgeschickten von den riesen / auch vielen wägen mit brod und allerhand lebens-mitteln / im lager angelanget wäre. Die bis in den tod betrůbte Jemima vername diese zeitung nicht sobald / da verlore sich an ihr die bisherige stille / und sprange sie jählings von ihrem ruhbette auf / alle anwesende ersuchend / ob sie nicht wolten mit ihr nach der K \nigin von Mesopotamien gehen / ům die verrichtung des Balaats / und das anbringen der riesen / zu vernemen? Sie waren alle hiezu gleich willig und begierig / und als sie hinaus getreten / sahen sie im lager die viele wägen halten / üm die das volk sich häufig herüm machte / und den mangel / den sie bereits in dieser wildnis zu fůlen angefangen / durch diese unvermutete hülfe / die ihnen vom feind zukame / zu ersetzen begunten. Wie spottet doch unser der verwegene Sesai /(sagte Elihu) der hierdurch zeigen wil / daß er gar wol eine langwůrige belagerung aushalten k \nne. Vieleicht wird diß ein zeichen seyn / (antwortete die schone Kezia) daß er friede machen und sich bequemen wolle. Jemima wůnschte dieses mehr in ihrem herzen / als sie es hoffete. Wie sie nun / durch das zusammengelaufene volk / schwerlich zu der K \nigin Aramena gezelt gelanget / fanden sie darinn / auser der K \nigin Cölidiane und der Prinzessin von Salem /welche letzere bei dieser ihrer trostlosen schwester geblieben war / alle die andere königliche und fürstliche personen versamlet / die üm den Cussiten Balaat / wie auch um die [811] mitgekommene riesen / als den Rekem und Zur / einen kreis geschlossen / und anh \ren wolten / was derselbe nun eben ihnen anzubringen begunte / der dan / seine rede zu der Königin von Mesopotamien richtend / sie also anredete.
Weil E. Maj. einig und allein diesem jetzigen verwirrten handel abhelfen können / als statte ich billig an dieselbe diesen bericht ab / und sage / daß ich dem Sesai / im namen aller anwesenden Könige / als mir befohlen worden / weitläufig fürgestellet / wie er aller dieser måchtigen potentaten haß und feindschaft / zu seiner und seines ganzen geschlechtes äuserster vertilgung / auf sich laden würde / wann er in diesem fürnemen verharrte / auf so unerh \rte weise an den K \nig von Syrien sich zu vergreifen / und dadurch der großen Aramena freiem willen gewalt anzuthun. Er h \rte diß alles so kaltsinnig / als bescheidentlich an /und thäte mir darauf große versichrungen / wie er sich unglückselig schäzte / daß die treue gegen seinem K \nig / und die ungemeine liebe / die er zu demselben trüge / ihn unfähig mache / so vieler Könige befehl anzunemen / und sich anders / als er nun thäte / zu bezeigen. Sein einiges vorhaben sei / dem großen Marsius / durch der K \nigin Aramena gegenliebe / das leben zu retten. Wolte man nun dazu hiesiges ortes sich nicht bequemen / sondern seinen liebsten K \nig /den unvergleichlichen Marsius / als ein opfer der Aramena grausamkeit / (wie seine worte lauten) sterben lassen / so müste der K \nig von Syrien ihm gesellschaft leisten / solte auch deswegen die ganze welt ümgekehret werden. Ich sagte ihm hingegen / wie ich nicht glauben k \nte / daß der König von Basan hieran gefallen hätte / oder solcher gestalt E. Maj. gegenliebe verlangen würde.
[812] Als er hierauf nicht antwortete / gabe ich ihm ferner zu verstehen / wie daß E. Maj. verlangten / vorher den Marsius zu sprechen / ehe sie ihre v \llige erklärung von sich stellten. Dieser bericht machte ihn ganz munter / und nachdem er sich eine weile besonnen /ließe er mich in ein gezelt fůren: mitlerweile er / wie mir nachgehends hiesige seine abgeschikte erzehlet /sich zum König von Basan verfüget / und deme alles ůmständlich er \ffnet / wessen er bisher / ihme in seiner liebe zu dienen / sich unterwunden hätte. Mit grausen und håftigem widerwillen hatte der tugendhafte K \nig solches angeh \ret / und ein so großes misvergnůgen deshalben erwiesen / daß er dem Sesai / den er sonst als seinen vatter sol geliebet haben / gar harte verweis-worte gegeben: der aber / seines K \nigs zürnen nicht achtend / sich gesteifet / seine sonderbare fürgenommene hůlfe auf das äuserste zu treiben /auch wider dessen willen solches alles dergestalt ergehen zu lassen. Zu dem ende fürete er mich nachgehends / neben dem Rekem und Zur / die hier zugegen / zu dem K \nig von Basan hinein: den ich auf einem bette antraffe / aber / ungeacht seiner tiefsten traurigkeit / ein so ungemeines heroisches wesen an ihm warname / daß sich mein herz schüldig achtete / ihme mit sonderbarer ehrerbietung zu begegnen. Kommet ihr (fragte er mich) von der sch \nen K \nigin Aramena? Als ich nun solches bekräftiget / auch dabei erwehnet / wie E. Maj. ihn zu sprechen verlangten /sagte er ferner: was wird diese grausame mir wol anders sagen wollen / als was ich bereits weiß / daß nåmlich Tuscus Sicanus ihre huld besitze? Ist sie nicht damit vergnůget / daß ich in dieser einsamkeit /für aller welt mich verbergend / den tod verlange / ům sie ruhig dem K \nig der Aborigener zu ůberlassen /und dünket ihr diese zeit zu lang zu seyn / [813] daß sie darům selbst mit ihren donner worten mich auf der stelle zu tödten vermeinet? Die Königin von Mesopotamien / (antwortete ich) wird vermutlich darüm den großen Marsius sprechen wollen / üm für das leben ihres bruders / des Königs von Syrien / zu bitten / den E. Maj. alhier in banden haben. Ganz wider meinen willen (sagte der König von Basan) begehet Sesai diese ungereimte dinge / und sol der König von Syrien sofort seine freiheit wieder bekommen / die ich ihme auch nie genommen habe.
E. Maj. vergeben mir / (fiele ihm hier Sesai in die rede) daß ich diese losgebung des Aramenes nicht kan geschehen lassen. Fehle ich hierinn an dem schüldigen gehorsam gegen meinem K \nig / so thue ich doch dabei / was zu E. Maj. bästem dienen wird. Ha! grausamer freund! (riefe der ungedultige Marsius) wie wenig bef \rderst du durch diese deine habende macht mein båstes / da du den haß meiner K \nigin mir damit noch völliger erwirbest / und alle welt glauben machest / daß ich dieser unthat mit habe fähig seyn können? Saget eurer K \nigin / (sprache er ferner /sich zu mir wendend) wie ich alles mein unglück / so ich jemals ausgestanden / ja ihre eigne bisher-erlebte ungnade / gegen diesem leiden gering achte / daß ich sie in solcher unruhe meinetwegen wissen muß. Und weil Sesai alles aus blinder liebe zu mir begehet / als hoffe ich / er werde sich noch erweichen lassen / von diesem seinem beginnen abzustehen. Und ihr Rekem und Zur! (finge hierauf der verbitterte Sesai an zu reden) ihr sollet den Balaat nach dem lager begleiten /und der K \nigin von Mesopotamien sagen: daß / wo sie nicht morgen im tage hierunten am berge erscheinen / und in gegenwart unser aller / durch den ober priester Telecles / an den K \nig von Basan sich [814] ehelich trauen lassen / auch die ehe bündnis / welche ihr alsdan sol vorgeleget werden / unterzeichnen wird / so soll sie mit ihren augen ansehen / wie dem König von Syrien / hieroben auf eines felsen spitze / den ich dazu wil lassen platt und eben machen / sein haubt abgeschlagen werde.
Ha tyrann! (riefe Marsius /) was beginnest du? meinest du dan / daß ich mich hiezu bequemen werde /mich pers \nlich daselbst einzufinden / wo du diese zwangheurat zu schließen gedenkest? Da mich die verzweifelung einmal getrieben / (antwortete Sesai) auf die frömdeste art und weise meinem König zu dienen / so wird mir auch hiebei wol erlaubet seyn / den åusersten zwang / auch gegen meinen herrn selber / zu gebrauchen. Demnach so saget ihr / der unbarmherzigen Aramena / daß / wan gleich des Marsius blödigkeit ihm verwehren solte / der K \nigin die eheliche hand willig zu geben / so muß sie doch mit der unterzeichnung ihres teils fortfahren / wan sie nicht ihres bruders tod / auch Syrien und alle reiche der welt in die höchste unruhe wil gestürzet sehen. Als der ungedultige Marsius ferner hierwider reden wolte / hieße der Sesai uns sofort hinaus gehen / und gebote / in unserer gegenwart / der wacht / sonder sein wissen und befehl den König von Basan nicht aus dem zimmer zu lassen: woraus den satsam zu tage leuchtet / welcher macht der Sesai sich anmasset. Diese beide von ihm abgeschikte werden / was ich iezt fůrgebracht / bekråftigen k \nnen: und habe ich weiter nichtes zu sagen / als daß ich hiermit meine abfårtigung von dem Sesai bekommen habe.
Große Königin auch alle alhier versammelte K \nigin! (finge der riese Rekem hierauf an zu reden) der schluß / den uns der mächtige Sesai zu überbringen gegeben [815] / lautet also: daß morgen die ehe-verschreibung und königliche trauung zwischen dem König von Basan und E. Maj. auf dem nåchsten wiesenthal vor dieser burg unfehlbar geschehen muß / oder Syrien sol seines K \nigs beraubet / und ein blutiger krieg / dafůr wir uns / weil wir unsere macht kennen / im geringsten nicht fůrchten / angefangen werden. Wir möchten zwar solchen auf alle weise gern von uns abgelehnet wissen / weil wir nichtes höher verlangen /als in friede und ruhe zu leben. Wie wir dan auch / zu erweisung eines so geneigten gemůtes / fůtterung und speise fůr hiesiges volk mitbringen / weil die gefangne uns berichtet / daß hier großer mangel seyn soll an lebensmitteln. Wir erbieten uns sonst ferner zu aller willfärigkeit / verhoffend / es werden sich alhier auch friedliebende gemüter finden / die mit uns ůmtreten / und das leichte mittel / welches wir / zu erhaltung des wolstands aller dieser lånder / fůrgeschlagen / nicht aus der acht lassen werden.
Hiermit neigten sich Rekem und Zur / vor allen anwesenden königlichen personen / bis auf die erde /und wie sie von der Königin Aramena einer antwort erwarteten / befande sich dieselbe so untüchtig / ein wort herfůr zu bringen / daß sie dem Fürsten Barzes befehlen muste / diese gesandten abzufüren / bis man / wegen der erklärung / sich wůrde miteinander beredt haben. Wie nun solches geschehen / sahe sie die anwesende K \nige nacheinander an / zu ihnen sagend: Wan es mein leben antråffe / und Sesai dasselbe haben wolte / solte es mir nicht schwer fallen / mich von stund an zu entschließen. Aber bei dieser bewandnis / weiß ich nichtes zu thun / als mein über-großes unbegreifliches elend zu beweinen / daß mir der himmel hat zugeschicket. Niemand war im gezelt /den diese worte nicht beweget håtten. [816] Und ob gleich die meisten bei sich dahin zielten / daß es nicht wol anders seyn könte / und die Königin / zu rettung ihres bruders / zur heurat mit dem Marsius sich würde bequemen müßen / so ware doch keiner / der solches gerad heraus sagte. Weil sie auch allerseits die kraft der liebe wol erkennten / und wie schwer / die verlassung des so-genanten Cimbers / der Königin eingehen k \nte / da derselbe auf so unschůldige weise von ihr geliebt wurde: als verargten sie ihr gar nicht / daß sie sich darüber dergestalt bängete und abmattete. Sie befanden für das båste / sie eine weile allein zu lassen /damit sie in der stille ihre gedanken zusammen ziehen und sich recht fassen möchte.
Sie hatten auch ohnedas ursach / von dannen zu eilen / weil es unter dem kriegesheer begunte ein ansehen zu gewinnen / als wan es zum gefårlichen aufstande der Chaldeer und Syrer wider die Mesopotamier und Aborigener geraten wolte. Es hatten diese untereinander angefangen / über die entschließung zu wortwechslen / welche die K \nigin von Mesopotamien von sich zu geben befugt seyn wůrde. Die Aborigener / neben den hirten aus Amida / redten für den Tuscus Sicanus / die andere aber für den Marsius / und war es schon unter ihnen zum handgemänge geraten /als die zwischenkunft der K \nige dieses feur in der asche sofort dåmpfte / und wieder beilegte. Sie waren nun allerseits gleich betrübt und bestürzt ůber diesen handel / und weil sie wusten / daß das meiste frauenzimmer bei der K \nigin von Egypten sich versamlet hatte / begaben sie sich auch dahin / um alda ihre betrůbte stunden zu verbringen. Es ware daselbst alles in tränen / und behaubteten eben die K \niginnen Delbora / Hermione / Petasiride und Orosmada / wider die andern / daß die [817] Königin von Mesopotamien gegen die tugend handlen würde / wofern sie / in dieser sache der liebe zu folgen / auch ihre beständigkeit dem Tuscus Sicanus zu erweisen / hingegen ihren unschüldigen bruder zu verlassen / gewillet seyn solte.
Daß ihr viere (sagte hinzu die angeneme Amesses) dieses also verfechtet / solches růret lediglich daher /weil ihr wol mehr aus staats-ursachen euch verheuratet / als daß die wahre liebe euch darzu håtte bewegen sollen. Petasiride / die solchen fürwurf in gegenwart des Disons h \ren muste / entfande solches am allermeisten / und daher für die andre dreie / welche ihrer meinung waren / das wort nemend / sagte sie: Ich bin gar nicht in abrede / daß ich den König Mardocentes /meinen gemal / aus staats-ursachen geehlicht / und ihn vordeme nicht also / wie iezt / geliebt habe. Ich finde aber / daß ich k \niglich / und wie mir obgelegen / darinn gehandlet / und daß ich mich lasterhaft würde erzeiget haben / wan ich nicht mehr meines reiches båstes / als etwan meine eigene vergnügung / håtte dabei beobachten wollen. Meine K \nigin (sagte hierzu Mardocentes) hat durch diß einige wort / daß man mich iezt mehr / als vordem / lieben wolle / verursachet / daß ich nichtes hiergegen zu sagen habe. Wer verteidigt aber uns? (finge Delbora an zu reden) die K \nigin von Ophir thut mir unrecht / daß sie mich beschüldigen wil / ich habe den Eridanus nicht aus liebe geehlicht. Ach liebste Delbora! (antwortete ihr der König von Cus) ihr k \nnet nicht in abrede sey / daß Amesses euch getroffen habe: erklåret euch demnach nur also / wie die Königin von Arabien gethan hat /so wil ich mehr als wol vergnügt leben. Diese erklärung / (gabe sie zur antwort) solte ja mein König täglich aus meinem wandel ersehen können: [818] wan ich nur das glück / wie Petasiride / haben möchte / daß man meine treue liebe erkennen wolte. Eridanus ümhalsete seine Delbora / wie sie dieses fürbrachte / üm damit anzudeuten / daß er ihren worten glaubte.
Dieses gabe dem Nebajoth anlaß / seine Hermione anzusehen / und zu sagen: Ich weiß wol nicht / wie die K \nigin von Ophir es verstehe / daß sie unter die K \niginnen von Cus / Saba und Tyro / meine K \nigin hat mit gerechnet; massen ich ja versichert bin / daß die sch \ne Hermione mir aus bloßer liebe ihre huld habe zugewendet. Es verstehet die Königin Amesses hierunter nicht mich / (antwortete die Königin von Kitim) sondern den König von Meden selber / der /aus gehorsam / und weil er es seinem reiche zuträglich findet / euch zu bedienen hat angefangen. Was fůr unruhe (sagte Armizar zu seiner gemalin / und wolte dem Nebajoth nicht zeit lassen zu antworten) habt ihr / meine sch \ne! doch angerichtet / daß diese vier K \niginnen dergestalt angegriffen! wir wollen alle auf ihre seite fallen / und ihre meinung wider euch behaubten helfen. Wolan! (antwortete Amesses) ich neme es an / und wil gleich průfen / ob mein König dieses in ernst meine. Ich setze den fall / ich hieße noch Amesses von Egypten / und wåre die schwester meines K \nigs / die Indaride gefangen / die da sterben solte / wofern mein Armizar nicht sofort mich verlassen würde: wolte mein König wol das thun / und seiner Amesses solcher gestalt vergessen?
Armizar stutzete ůber diesem vortrag / und indem er zu antworten verweilte / sagte Petasiride zu dem König von Egypten: H \ren sie wol / was weniges sie sich zu ihrer schwester zu versehen haben / die lieber den bruder würde sterben sehen / als ihren geliebten verlassen? Ich kan die Amesses (antwortete Pharao Amosis) [819] hierům nicht verdenken: ich aber / ehe ich meine Danede verließe / wolte alle meine blutsverwandten dahin geben. Wiewol auch mir (sezte Danede hinzu) der Eridanus ein sehr werter bruder ist / so můste er mir doch das nicht verüblen / daß ich den Pharao ihm fürz \ge / wan mir ein solches unglück begegnen solte / daß ich unter ihnen beiden wehlen můste. Ich bin / liebste schwester! (sagte Eridanus) ganz eurer meinung. Gott lasse es nicht darzu kommen! (widerredte Delbora) sonst würde ich es der Danede wenig dank wissen / daß sie sich also erklåret hat. Man muß (finge hierauf der K \nig von Ophir an) einen unterschied machen / zwischen verliebten und verheurateten personen: und sind diese lezte so fåst zusammen verbunden / daß sie sich nicht scheiden k \nnen. So höre ich wol / (fiele ihm Amesses in das wort) wan ich noch unverheuratet wåre / so müste ich die gefahr stehen / von meinem Armizar verlassen zu werden. Nunmehr / liebste Amesses! (antwortete Armizar) kan sich der fall nicht mehr zu tragen / darům ist es eine unnot / hiervon zu reden.
So bleibet aber wahr / (widerredte Amesses) daß die Königin von Mesopotamien nicht anders thun kan / als daß sie den König von Syrien verlasse / und ihrem Tuscus Sicanus getreu verbleibe. Welche grausamkeit wäre das / (antwortete Hermione) einen solchen mord geschehen lassen / den man doch verwehren kan? Woltest du dan wol (fragte sie Roma) den Cambo-blascon / deinen bruder retten / und den Nebajoth verlassen / wan ein solcher fall mit ihnen sich zutrüge? Ich vermeine es nicht: sagte Jethur. Und ich besorge es: widerredte Nebajoth. Sorget nichts / mein K \nig! (antwortete Hermione / ihn ganz freundlich ansehend) ich wůrde euch fůr den Camboblascon[820] nicht lassen. Hierauf riefen alle die / so wider diese vier Königinnen waren: Hermione wåre nun gewonnen. Aber der K \nig Dison widerstritte solches / und sagte: Es ist ein großer unterschied zwischen diesen brüdern zu machen. Der Camboblascon wird von seiner schwester wenig / hingegen Aramenes von der K \nigin zu Mesopotamien håftig / geliebet: und wan Camboblascon stůrbe / erlangten viele lånder ihre ruhe / da hingegen ganz Asien in unruhe und in ein greuliches blutbad / durch des Königs von Syrien tod / würde gestürzet werden. Dieser meinung des Disons ward von den andern / als den Königen von Elam /Saba / Cus / Ophir / Egypten und Meden / auch von den Canaanitischen K \nigen / beigefallen: daher die Amesses / Danede / Lantine / Roma und die andern stille wurden / und nicht ferner wider die Delbora und ihrem anhang streiten wolten. Dieses aber gestunden sie alle einmůtig / wiedaß dieses eine sache wäre /welcherwegen man die schöne Aramena / sowol als die C \lidiane / wie auch den Aramenes / Tuscus Sicanus und Marsius / hoch zu beklagen hätte.
Wie sie nun allerseits bei dem K \nig von Egypten gespeiset hatten / verteilten sie sich / sowol die betrůbte Aramena / als die trostlose Cölidiane / zu besuchen: da der K \nig von Egypten neben seiner gemalin / der K \nig von Cus mit der Delbora / Mardocentes und Petasiride / auch die Prinzessin von Ophir / nach der Königin von Syrien / die andere aber nach der Königin von Mesopotamien / gingen. Bei der ängstigen Cölidiane traffen sie an / den König und die K \nigin von Salem / wie auch die meiste Syrische Fürsten /und die Prinzessin Jaelinde ihre schwester: da dan nichts klägliches kan zu sehen seyn / als wie diese Königin sich gebärdete. [821] Sie wuste alles / was die gesandten angebracht hatten / und weil ihr gezelt gerad gegen dem bergschloß über stunde / als hatte sie / zu mehrung ihres jammers / ins gesicht bekommen / wie die grausame riesen den felsen eben machten / und die bäume verhauten / wo den andern tag ihr geliebter Aramenes solte gerichtet werden. Sie hatte zwar wol eher dessen tod so nahe gesehen / aber mit dem unterschied / daß damals noch hoffnung der errettung ware. Nun hingegen durfte sie nicht vermuten / daß Aramena sich für ihren bruder erklären würde / da ihr bekant war / wie herzlich sie von neuem den Tuscus Sicanus liebte. Ach! dürfte ich nur mit ihme sterben! (sagte sie) und stůnde dieses von dem grausamen riesen zu erhalten / daß man mich zu ihm ließe / und ein eisen / unsere leiber trennend / unsere seelen wieder zusammen bråchte! Ihr ůberredet mich aber / grausame Syrer! daß dieses nicht zu erlangen stehe. Ach! vieleicht ersinnet ihr solches / üm mein und meiner armen leibes-frucht zu schonen: die aber schwerlich wird zur welt kommen / wan nicht sonderlich der himmel mich straffen wil / mir übernatürliche kräfte zu verleihen / meinen Aramenes einen augenblick zu überleben.
Gnådigste Königin! (antwortete Rames) dieser handel ist noch nicht so gar verzweifelt / als er wol scheinet / daß man zu dem åusersten mittel / nämlich zum tod / schreiten müße: dan wir haben ja in den hånden /was uns helfen kan. Die K \nigin Aramena vermag gutes willens den schluß nicht zu fassen / die treue /welche sie dem Aborigener-König gelobet / zu verlassen: sie wird aber von allen diesen großen und måchtigen K \nigen dazu können erbetten werden / die ja ein großes von ihrem königlichen ansehen verlieren wůrden / wan sie solten [822] gehalten seyn / sämtlich anzusehen / daß man ihrem bundsverwandten / dem großen Aramenes / in ihrer gegenwart / unschuldig das leben neme. Es erlanget ja dergestalt die K \nigin von Mesopotamien / in verlierung des Tuscus Sicanus /den großen Marsius / und wir behalten unsern K \nig /auch ganz Asien den edlen frieden und die gewünschte ruhe. Dieser vortrag des Fürsten von Syrien / den er im namen aller der andern gethan hatte / gabe der k \niglichen gesellschaft kein geringes nachsinnen /und ob wol die große ehrerbietung fůr die sch \ne Aramena ihnen im weg stunde / so fanden sie doch / daß es endlich nicht anders seyn konte / und daß ihrer aller / ja der K \nigin selbst eigenes / ansehen und guter name darunter leiden würde / wan sie anders verfüre.
C \lidiane war diejenige / so sich am längsten widersezte / dieses mittel zu billigen: das sie aber endlich gut hieße / iedoch erst auf den fall / wan auf ihr inståndiges flehen und bitten / welches sie zuvor zur hand nemen wolte / die Königin Aramena sich nicht bequemen würde. Demnach beschloße sie / mit allen anwesenden K \nigen und Syrischen Fürsten dahin zu gehen. Weil sie von gram ganz kraftlos worden war /als namen Delbora und Petasiride sie unter die arme /und füreten sie dergestalt aus dem gezelt: da ein allgemeines klaggeschrei unter den Syrern entstunde / als sie ihre K \nigin erblickten. Die mitgehende Syrische Fůrsten / trieben sie und die Chaldeer an / ihnen ingesamt zu folgen / weil dieser gang dem Aramenes und Sinear das leben retten solte. Diese lezten ließen sich hierzu ganz willig finden / weil sie ohnedas / auf anregung der Prinzessin Jemima / schon entschlossen waren / bei der K \nigin von Mesopotamien fůr ihren Prinzen zu bitten / massen [824] Jemima mit dem Belhaddon sich schon zu dem ende auf den weg gemacht hatte. Es fůgte sich eben / daß beide parteien / auf dem breiten platze vor der Königin von Mesopotamien gezelte / zusammen stießen.
Diese schöne wolte eben / mit der gesellschaft / so sie zu besuchen gekommen war / zu der C \lidiane gehen. Wie sie nun dieselbe ankommen sahe / und ihr entgegen eilte / ließ diese trostlose sich unversehens vor ihr nieder bis auf die erde / und ihre beine ůmfassend / rieffe sie mit kläglicher stimme: Ich flehe / ům meines Aramenes leben! und weil selbiges allein in den händen der Königin / seiner schwester / stehet /als will ich / von deren gütigkeit / mein leben / oder meinen tod / erwarten. Eine große stille aller ůmstehenden entstunde hierauf / weil ihre aufmerkung sehr gros war / was die K \nigin Aramena antworten würde. Diese / die augen gen himmel kehrend / schlug beide hände ineinander / und sagte: wolan dan / man muß sich selbst ůberwinden! ich opfere mich zum anderen mal fůr der Cölidiane ruhe / und erkläre mich hiemit / daß ich den K \nig von Basan ehlichen wolle. Weil sie / zu dieser harten entschließung / aller ihrer kräfte vonnöten gehabt / ům solche herfůr zu bringen /als verließen sie dieselben auf einmal / also daß sie /sonder hülfe der Ahalibama und Timna / zur erden gesunken wåre. Als aber diese sie begriffen / fassete sie alle ihre noch-übrige stärke zusammen / um / vor so vielem volke / keine schwachheit blicken zu lassen. C \lidiane lage ihr hierauf ohne ablaß üm den hals /und vergoße / so wol vor freuden / als aus mitleiden /ihre milde zåren: darinn ihr alle die andere folgten /auser dem volk / welches seine hierob geschöpfte freude himmel an erschallen ließe.
Dieses kame nun bald für die ohren der gesandten[825] des Sesai / die bisher schmerzlich auf die lezte erklärung der Königin gewartet hatten. Sie eileten so fort dahin / wo diese fürtrefliche gesellschaft beisammen ware. Die Königin Aramena / als sie diese ins gesicht bekommen / dünkte nicht anders / als wan ihr herz von einem donnerstral gerůret würde; doch wolte sie ůber sich den v \lligen sieg erhalten / und sagte zu ihnen / mit großer entschließung: des Sesai / wie auch aller anwesenden K \nige / ihr wille sol geschehen! ich bin bereit / dem K \nig von Basan die eheliche hand zu geben. Nur ům dieses bitte ich / daß man mir noch drei tage zu den morgigen vergönnen wolle /damit ich mich recht bereiten k \nne / diese entschließung werkstellig zu machen. Die gesandten fanden bei diesem lezten begehren der K \nigin keine schwerigkeit / und fielen ihr für freuden zu fus / üm ihr fůr solche erklärung zu danken.
Sie wolten eben abziehen / als die schöne Jemima durch das volk drange / und / der Königin von Mesopotamien auch zu fus fallend / bei dieser bewandnis /auch ům des Prinzen von Chaldea freiheit bate. Liebste Prinzessin! (antwortete ihr die K \nigin / sie zugleich aufhebend) ich vermeine nicht / daß ihr mehr zu sorgen ursach habet / weil an meines bruders erlösung auch diese hanget. Ob es zwar (sagte hierauf Rekem) mit dem Chaldeischen Prinzen eine andere gestalt hat / als mit dem K \nig von Syrien / so wil ich dannoch hoffen / daß auch er seine freiheit wieder erlangen werde. Die betrübte Jemima wurde durch diese erklårung nur halb getr \stet / und entschloße Belhaddon / selbst mit den gesandten nach der burg zu gehen / und fůr seinen Prinzen zu sprechen: wie er dan zugleich ůbername / des Sesai erklärung / wegen der begehrten drei tage-frist / mit zurücke zu bringen. Also schieden sie voneinander / und [826] begleitete Cölidiane die Aramena in ihr gezelt / wolte auch diese grosmütige freundin keinen augenblick mehr verlassen / aus beisorge / wan sie allein seyn und recht zu gedanken kommen wůrde / daß sich alsdan die reue bei ihr einstellen dörfte.
Wie aber der Batto mit seinen Aborigenern vername was vorgegangen war / versamleten sie sich alle für der Königin von Mesopotamien gezelt / und sandten / sehr ůbel zufrieden / den Batto zu ihr hinein /ihre untreu / so sie ihrem Könige erwiese / ihr fürzuhalten. Wann es Ahalibama nicht gemittelt und ihn angemeldet hätte / so wäre dieser Aborigener nicht für die K \nigin gelassen worden. Wie er nun / wider der andren willen / fůr die K \nigin gekommen und seines volks beschwerung ihr anbringen wolte / kame sie ihm zuvor / und sagte: Ach Batto! ihr sehet / wie es mir ergehet. Das unverhoffte ausenbleiben eures K \nigs / der nur eine kleine tagreise von uns ist / verursachet mit / daß ich diese erklärung von mir geben müßen. Ich habe damit seinem liebsten freunde / den er jemals in der welt gehabt / das leben gerettet / und ist er bereits gewonet / seine Aramena zu verlassen: darum wird er sich auch nun ům so viel eher darein finden / da er mich / üm seiner beiden liebsten freunde willen / verlieren muß. Zwar hoffe ich nicht lang auf dieser welt zu leben: welches der einige trost ist / der mir bei diesem zufall kan ůbrig bleiben. Weil die tränen / neben der herzens-angst / dieser schönen verwehrten / ein mehrers zu reden / als verstummete sie mit diesen worten / und wuste Batto fast nicht / was er dazu sagen solte. Demnach / an stat mit ihr sich in ein weitläufiges gespräche einzulassen / fragte er sie nur / ob ihme und den Aborigenern erlaubt wäre / zu seinem herrn wieder zu kehren? weil er nicht sehen künte / was [827] sie hier ferner nůtzen würden. Sie erlaubte ihm solches / und sagte: Ich bin unfåhig / eurem König etwas hiebei zu entbieten / auser dieses / daß er mich nicht unbeständig / sondern nur unglůcklich achten / und meiner vergessen wolle.
Hierauf winkte sie ihme mit dem haubt / anzudeuten / daß er sich von dar begeben m \chte: welches er dan / nicht ohne große verwirrung / thäte. Als er in das vorder-gezelt kame / begegnete ihm die Roma /welche ihn ehmals in der Aborigener land gekennet /und erneuerte / durch ihre entdeckung / seine alte schmerzwunde / über den todesfall seines vorigen herrn / des Tuscus Sicanus / den sie vermeintlich hatte zur ehe gehabt. Weil sie sehr verlangte / von dem eigentlichen zustande der Aborigener und ihres jetzigen K \nigs etwas zu vernemen / zoge sie den Batto an eine seite / und ließe sich ausfůrlich hiervon unterrichten: da sie dan alles / was mit diesem K \nig war fůrgegangen / erfuhre / auser deme / wie er vor seiner erkentnis genennet worden / welches dem Batto selbst nicht bekandt war. Die Ahalibama gesellte sich hierauf zu ihme / die / durch sonderbare ursachen bewogen / den Batto ersuchte / mit seinen v \lkern erst den andern tag aufzubrechen: das er ihr dan verhieße / und zu den Aborigenern sich wieder verfügte / ům dieselben zu dem morgigen aufbruche sich rüsten zu heisen.
Selbigen abend kamen auch ins lager / die Aneriste / des Demas hausfrau / und ihre beide töchter / neben der Aprite und Baalise: welche zwei letzere ganz heimlich mitgereiset waren / und so fort / durch beförderung der Briside / in das gezelt der Prinzessinnen von Ausitis sich begaben / als die andern von dem Abinael und Nisan aufgenommen und entfangen wurden. Die ursach [828] von der Aneriste ankunft war / daß sie unterwegs vernommen hatte / wie die riesen / die ihren man gefangen hielten / ihme den tod androheten: weswegen sie mit den andern den weg nach der landschaft Amida nicht fortsetzen sollen / sondern / für ihren man zu bitten / mit ihren beiden töchtern hieher sich gewendet hatte. Mitlerweile nun diese von den hirten sich erzehlen ließe / wie es hier stunde / traffen Aprite und Baalise / zu ihrem guten glůcke / die drei Prinzessinnen von Ausitis ganz allein an: die sich nicht wenig verwunderten / sie alda zu sehen. Weil die betrůbte Jemima auf dem bette lage / als liefen Kezia und Kerenhapuch diesen beiden schönen entgegen / und wie sie dieselben vor ihrer schwester bette gefůret / fragten sie: was fůr ein geschicke sie hieher brächte? Weil wir keinen sicherern ort in der welt wissen / (antwortete Baalise) als bei den Prinzessinen von Ausitis / darum kommen wir hieher / und erkünen / unsren beschůtzerinnen zu folgen. So ganz allein! fragte Kezia: das ist ie nicht wenig gewaget / sich also in ein heerlager zu begeben. Es haben uns (gabe Aprite zur antwort) verheuratete hirtinnen hieher begleitet / und wan nur Nahor und Elisa uns hier nicht finden /so wissen wir niemand / der uns eine furcht hier einjagen k \nte. Eure sch \nheit / werte hirtin! (sagte Jemima) kan euch aller orten verfolgere erwecken / und wird es gewiß auch zu Samosata nicht so leer seyn abgegangen / weil ihr es auf diese herreise gewaget.
Es ist billig / (gabe Baalise zur antwort) daß wir unsren Prinzessinnen erzehlen / was uns eigentlich hieher getrieben habe. Wie wir zu Samosata unlångst allein zurůcke verblieben / genoßen wir / bei den bedienten unserer Prinzessinnen alle die gutthaten / so wir verlangen m \gen / und blieben ganz heimlich und verborgen / [829] bis die beide Syrische Fürsten der Elihu und Bethuel / als die von Uz wieder kamen / uns ausgekundschaftet / und unser da-seyn erfuhren: welches uns jedoch keinen schaden brachte / weil diese mehr zu bef \rdern / als zu hintern gedachten / daß wir möchten geheim verbleiben. Wie aber diese hinweg waren / und nachgehends die k \nigliche personen /die das schloß Samosata bewonet / sich hieher aufmachen wolten / auch zu dem ende in die stadt Amida sich begaben / kamen gleich den tag nach ihrer abreise / der Baracheel K \nig von Hemath / und der Fürst Jonadas / der aus dem vorigen k \niglichen geschlecht von Hemath entsprossen / in Samosata an und muste es sich also fůgen / daß wir / die wir wegen abreise der andern sicher geworden / eben mit unsrem torhüter / gegen den abend / uns einmal ausgemachet und in den schloßgarten begeben hatten / als diese auch hinein kamen. Weil der Fürst Jonadas uns / und wir ihn / wol kennten / als machte seine jähliche ankunft uns so bestůrzt / daß Aprite überlaut zu schreien und damit zu fliehen begunte. Ich folgte ihr auf den fuße nach / ware aber so unglůcklich / daß ich zu boden fiele: womit ich dan so viel zeit verlore / daß Jonadas / der uns gefolget / mich ereilte / und auf unsere alte kentnis mich ansprache.
Weil ich gros bedenken hatte / mich ihme kund zu geben / als sezte ich mein laufen fort / sonder ihm zu antworten / entkame auch mit Aprite aus dem garten und in unser zimmer: da wir uns versperrten / um alda so sicher für diesen / als für den vorigen / königlichen personen zu bleiben. Weil aber Baracheel / sowol als Jonadas / vermeinten / daß ihnen viel / ja ein großes /daran gelegen wåre / uns auszuforschen / als stellten sie die genåuste nachfrage an / und machten unsrem torwårter [830] so bange / daß der uns endlich ankůndigte /wie er nicht wol unser da-seyn långer verhelen könte. Diesem nach ersonnen wir eine list / und der treue des torwärters / durch etliche kleinode / die uns das glück noch in händen gelassen / uns versicherend / beredten wir ihn / den Hemathiten anzumelden / wiedaß wir davon gereiset / und / als er von uns erhorchet / den weg nach Hemath durch Syrien genommen hätten. Nichts war fåhiger / als eben dieses / sie vollends in unruhe zu setzen / und begabe sich Jonadas sofort aus den rückweg / üm uns einzuholen: inzwischen der König Baracheel zu Samosata verblieb. Wir aber machten uns bei nacht / mit dem alten / den unsere Prinzessinnen von Ausitis mitgebracht / auf den weg /alhier unsere sicherheit zu finden. Unterwegs stießen wir auf das heer der von des Teraphim tempel zurük-kommenden schåfere: da wir dan / die verweserin Aneriste / neben ihren beiden töchtern / zu reisgefärten bekamen / an stat des alten / welcher seinen weg nach Ausitis genommen / üm den K \nige zu berichten /wie es hier seinen t \chtern und dem Prinzen von Chaldea ergehe. Dieses ist nun kürzlich der verlauf unserer begegnise / und sind wir fro / daß wir unsren zweck glůcklich erreichet / daneben aber nicht wenig betrůbet / daß wir unsere Prinzessinnen in solcher unruhe haben antreffen müssen.
Werte Baalise! (sagte Jemima hierauf) ihr findet uns freilich viel anders wieder / als wir zu Samosata sind voneinander geschieden / und muß ich noch zwischen furcht und hoffnung leben / ob ich den Prinzen Sinear werde retten k \nnen? Ach! dieses unglůck hat der edle Prinz ihme damit aufgeladen / indem er / aus gar zu großer liebe / sich so vergessen / daß er die sünde begangen / sich zum Teraphim anzubieten /weshalben ihm [831] nun Gott solche straffe zugeschicket. Ein seltenes beispiel treuer liebe (antwortete Baalise) hat der Prinz hierinn erwiesen / welches die nachwelt wird an ihme loben müßen. Dem Bethuel (sagte Kerenhapuch) ware diese gelegenheit benommen / mich durch darbietung seines lebens zu retten / weil er nicht / wie der Sinear / ein erstgeborner ist in seines vatters hause. Und Elihu / (versezte Kezia) konte /wegen seines rechten glaubens / diese abgötterei nicht begehen. Wie unn \tig ist es doch / (sagte Aprite hierzu / und lächelte) daß meine beide Prinzessinnen hiemit ihre geliebte Fůrsten entschuldigen wollen / die ja aller welt gnug dargethan / wie häftig sie lieben / ob sie gleich ein solches äuserliches zeichen nicht erwiesen haben. Ich muß aber (sagte sie ferner / sich zu der Kezia wendend) bei meiner Prinzessin dafür bitten /daß der geliebte Elihu unser hier-seyn nicht erfahren m \ge: damit nicht auch auf ihn komme / die unruhe des K \nigs seines herrvattern / die der ihme über unsrer kentnis gemachet hat. Das sei euch zugesagt /sch \ne Aprite! (antwortete Kezia) und vermeine ich darinn nicht wider die gesetze der liebe zu handlen /wan ich auf diese weise meiner Freundin mich gefällig erzeige. Ich solte aber auch hingegen begehren d \rfen / die eigentliche ursach zu wissen / warum die Hemathiter / in erkennung der schönen Aprite und Baalise / sich unruhig zu bezeigen. Wir d \rfen / aus zwang eines eides / (antwortete Aprite) ein solches nicht sagen: dieses aber k \nnen wir wol hoch beteuren / daß die Hemathiter dessen keine wahre ursach haben / und der Fůrst Elihu / als kůnftiger König von Hemath / sonder gefahr und nachteil leben kan / ob er gleich von unsren håndeln nichts erfäret. Hiemit lehnete es Aprite ab / sich weiter zu offenbaren / und raumeten die Prinzessinnen diesen beiden [832] hirtinnen /unter ihren dienerinnen / weil sie es also begehrten /im hinter-gezelt / einen besondern ort ein / da sie sich verborgen aufhalten konten: bis man ferner sehen würde / wie alles dieses verwirrte wesen sich enden wolte.
Indem kame der Belhaddon wieder von der burg /in begleitung des Gelanors: der aber gleich durch das lager reisete / um nach den andren Königen und riesen / die ihn abgeschicket / sich wieder zu begeben Belhaddon aber / weil er der Jemima eine so gute zeitung zu bringen hatte / eilete am ersten zu ihnen hinein /und machte diese halbtode Prinzessin gantz wieder lebendig / ihr verkůndigend / wie man dem Prinzen von Chaldea auf der burg bässer zu halten angefangen /als die gesandten die erklårung der Königin von Mesopotamien dem Sesai hinterbracht / auch daß der riese nicht allein die begehrte drei tage verwilligt /sondern auch sich sehr frölich erwiesen: vermutlich deswegen / ům den König von Basan in solcher zeit dahin zu bewegen / daß er diese fůr ihn erworbene glückseligkeit annemen möchte. Habet ihr dan (fragte die erfreute Jemima) den Prinzen selber gesehen. Ich habe ihn nicht allein gesehen / (antwortete Belhaddon /) sondern ich bringe auch diese reimen von ihme / die er seiner liebsten Prinzessin zu überreichen / mir aufgetragen hat. Die Prinzessin name dieselben zu sich /und fande sie folgenden inhalts:
Zween kerker / fåsslen mich: hier meinen leib der feind /
und meine freundin dort mein herze / hålt gefangen.
die eine haft lässt mich zur andren nicht gelangen.
Die dritte / tröstet mich. Weil ihr mir zuvermeint
Prinzessin! eure treu: so ist ja / wie es scheint /
auch euer herz / aus gunst / bei mir in haft gegangen.
Mein leib hofft hier nun bald die freiheit zu entfangen:
iedoch / die seel in ihm / bleibt ihres kerkers freund;
Sie wil nit werden frei / sie wil gefangen bleiben.
Die seel / in der ich mehr / als in der meinen / leb /
[833] wird auch so gerne ja in meinen banden bleiben:
gleichwie / zu meinem glůck / ich in den ihren schweb.
Laß / himmel! bald allhier die fåssel ihn entlassen /
und Sinear dafür Jemimen arme fassen.
Ach! (sagte sie / nach verlesung dieser reimen /voll unruhiger vergnügung) wären doch diese drei tage vorbei! ich muß noch immer befahren / daß die zeit etwas widriges dazwischen bringe. Ihre beide schwestern sprachen ihr hierauf einen muht ein / und weil Belhaddon der K \nigin von Mesopotamien muste bericht abstatten / als eilete er von ihnen / und ließe sich bei der Aramena anmelden: da dan diese bis in den tod betrübte vername / wie der Sesai ganz freudig die verlangte drei tage-frist bewilligt hätte. Es brachte ihr aber dieses / wiewol sie es begehrt hatte /keine beruhigung: wie sie dan auch hierüber nicht die geringste freude blicken liesse. Cölidiane weinete nun mit ihr in die wette / üm daß sie ursach dazu geben müßen / daß Aramena ihrem Cimber ungetreu werden solte. Weil die nacht indem einfiele / als scheidete dieselbe diese beide K \niginnen voneinander. C \lidiane ware zwar des vorsatzes / die nacht über bei der K \nigin von Mesopotamien zu bleiben: aber Ahalibama hinterte solches / unter dem vorwand / daß der Aramena nichts nötiger wäre / als die ruhe / zu welcher sie bei gesellschaft nicht gelangen könte.
Sobald aber Cölidiane hinweg war / und Ahalibama sich allein bei der Aramena sahe / trate sie zu ihr für das bette / und sagte: Wollen sie wol / gnädigste Königin! meinen einfall vernemen / der verhoffentlich E. Maj. aus allem diesem leidwesen / setzen / und sie / ihrem Cimber treu zu bleiben / wird fähig machen k \nnen? Ach liebste Ahalibama! (antwortete die betrübte Königin) was ist wol zu ersinnen / das mir in meinem anligen [834] zu hülf komme? Köntet ihr mir den tod ankůndigen / daß der mich gleich aus der zahl der lebendigen hinwegraffen wolte / so würde ich sagen /ihr håttet das einige und rechte hülfmittel gefunden. Nicht so etwas grausames / (widerredte Ahalibama) sol diesen verwirrten handel åndern / sondern es ist ein mittel vorhanden / dessen ich mich selbst bedienet / meinem Elieser die ewige geschworne treue zu halten. Die K \nigin richtete / ganz verwundert / ihre tränende augen auf die Prinzessin / als sie so frömde dinge fürbrachte / und sagte: wollet ihr mir rahten /den Marsius zu ehlichen / und den Cimber dabei zu lieben / gleich wie eure ehe mit dem Esau euch nicht hinterlich ist / die gedåchtnis eures Eliesers dabei stäts zu behalten? E. Maj. můssen (widerholete Ahalibama) mit dem König von Basan sich also vermålen lassen / wie ich mit dem Esau verehlichet bin. Ach Ahalibama! (fiele ihr die Königin in die rede) spottet man meiner noch also / zu meinem unglůcke? Ich weiß / daß ich den Marsius werde ehlichen můßen; ich wil aber / von der stund an / aufhören / den Tuscus Sicanus zu lieben: wie ich es mir dan schon tief zu gewissen ziehe / daß ich / nach meiner gethanen erklårung / diesem unglückseligen noch so hold zu seyn / in mir entfinden muß.
Wollen E. Maj. mich gedultig anhören / (antwortete Ahalibama) so wil ich mich recht erklären / wie meine reden müßen verstanden werden. Die K \nigin schwiege hierzu stille / und bezeugte damit / wie ihr nicht entgegen wåre / daß Ahalibama sich deutlicher er \ffnete: die dan / auf der K \nigin bette fůr ihr sich nieder lassend / also zu reden fortfuhre. E. Maj. müßen es mir fůr keine unvertraulichkeit ausdeuten /daß ich mit deme / was ich iezt offenbaren wil / bisher so verschwiegen gewesen. Die ümstånde haben es nicht anders erleiden [835] wollen / und ich muste sorgen /das E. Maj. mich daran hätten verhintern wollen wessen ich hierinn mich unterfangen. Ich bin nicht des Fůrsten von Edom gemalin / wie alle welt vermeinet /sondern allein zum scheine mit ihm getrauet worden /gleich wie ehedessen in Kitim die Roma sich des Tuscus Sicanus gemalin genennet. Dieses mittel fiele mir ein / als meine eltern in mich so häftig drungen / den Esau zu ehlichen / und dadurch in Seir frieden zu verschaffen. Ich wagete es demnach / als Esau das leztemal / nach der eroberung von Damasco / in die stadt kame / und offenbarete ihm ganz freimütig meine gedanken / wie es mir nåmlich unmüglich fiele / des Eliesers zu vergessen / und er sich und mich unglücklich machen würde / wann er darauf bestehen wolte /mit mir / die ich ihme von meinen eltern gegeben worden / verehlicht zu werden. Demnach m \chte er / um dem zwischen ihme und den Fürsten von Seir aufgerichteten friedenschluß ein genügen zu thun / damit zu frieden seyn / daß ich vor den leuten seine fraue hieße / in der that aber dieselbe nicht wůrde / sondern meinen jetzigen stand immerdar bei ihm behalten dörfte.
Er h \rte / mit so großer verwunderung / als dabei herfürscheinender vergnügung / diesen meinen vortrag an / und gabe mir dieses zur antwort: Nun sehe ich /werte Prinzessin! wie der himmel es nicht haben wolle / daß ich sol der eure werden: maßen er alles dazwischen schicket / was dieser meiner liebe muß entgegen stehen. Zudem ende habe ich auch müßen eure base / die Fůrstin Ahalibama / die Nefe Zibeons /auf dem gebirge Seir zu sehen bekommen: die mich liebet / und meine gegenliebe schon besitzen würde /wan ich diese eure erklärung daß ihr mich unmüglich lieben k \nnet / hätte erfahren mögen. Weil ihr dan /den todten Elieser / dem lebenden [836] Esau vorziehet / so gönnet mir / daß ich die andere Ahalibama an stat euer lieben d \rfe / und seit mir beförderlich / daß ich dieser ihre huld beständig behalten m \ge. E. Maj. k \nnen gedenken / wie mich dieser vortrag des Esau vergnůget. Ich wil mich aber hier nicht aufhalten /alles weitlåufig zu erzehlen / was nachdeme zwischen uns fůrgegangen: weil E. Maj. gemüte iezt nicht also beschaffen ist / dergleichen sachen zu beachten. Ich wil nur sagen / daß wir sofort zu Aroer diese unsere schein-hochzeit / üm meine verwandten zu vergnůgen / fůr sich gehen lassen / und daß ich darauf angefangen / ihme durch schreiben an meine base / die andere Ahalibama / zu dienen / und deren gegenliebe / als welche sich bei ihr verringert / wie sie erfahren / daß er mich geheuratet / fůr ihn zu erlangen. Es hat aber dieses ihme nachgehends viel saure můhe gekostet /und fande ich ihn neulich zu Auzora deshalben fast ganz verzweifelt: da ich ihme dan / nach m \glichkeit /mit trost zugesprochen. Und weil ich wuste / wo seine Ahalibama sich befande / und daß sie gegen ihme bäßer gesinnet wäre / als er vermutet / verursachte ich / durch die nachricht / die ich ihm hiervon gabe / daß er die reise nach dem hiesigen Taurischen gebirge übernommen: daselbst er / an den Armenischen gränzen / bei dieser schönen sich iezt befinden soll. Nun finde ich / dieses mein fürbild an E. Maj. zu bringen /ganz keine schwerigkeit / und bin versichert / daß der König von Basan nicht mindere grosmut / als der Fürst von Edom / hiebei erweisen werde / wan E. Maj. ihme dergleichen fürtrag thun wollen.
Ach Ahalibama! (sagte die K \nigin) wan mein gemüte iezt tüchtig wäre / auser betrachtung meines leidens / etwas zubewunderen / so würdet wol ihr es seyn / da ihr mir solche frömde dinge von eurem zustand erzehlet. [837] Aber wie wenig ist doch solches fåhig / mir zum troste zu dienen / da ich nicht absehen kan /daß ich / eurem beispiele zu folgen / das vermögen habe. Warům aber nicht / allerliebste Königin! (fragte Ahalibama) was solte wol hier können im wege stehen? Ich sihe ja nichtes / das diesen handel solte schwer machen / auser dem mittel / wie man dieses dem König von Basan kund thun möge. Doch wird sich auch solches leicht finden / wann E. Maj. darbei beharren / den Marsius / vor der angesezten trauung /allein zu sprechen: welches Sesai nicht versagen wird. Es hat auch dieser K \nig sich viel zu tugendhaft und edelmütig in seinem ganzen leben erwiesen / als daß er E. Maj. diese bitte versagen / und nicht dahin trachten solte / dem König von Syrien das leben zu retten / und die große Aramena von einem unleidlichen zwang zu erlösen / der ihme ja schon iezt / wie unsere feinde selbst gestehen müßen / als der tod zuwider ist.
Was einem angenem ist / (sagte Aramena) das nimmet man gerne an. Ich wolte mir wol die süße hoffnung machen / und dieses für thunlich achten / wan nicht sofort vielerhand ümstände diese anglimmende hoffnung wieder in die asche legten. Marsius weiß bereits meine erklärung: meinet ihr nun wol / daß er solchen widerwillen gegen dem Sesai / wie bisher / noch hegen werde / da er mit so großer häftigkeit liebet /daß ihn solches auch fast gar sein selbst hat vergessen gemacht? Ach nein / Ahalibama! ein verzweifelter liebhaber wird eine so gute gelegenheit nicht leicht verscherzen / die ihme nur einmal wiederfahren kan. Ware nicht schon damals (widerredte die Ahalibama) eine solche gelegenheit vorhanden / wie der große Marsius in Damasco / [838] als überwinder / sich befande /und alle Syrer an der hand hatte / E. Maj. mit gutem fuge zu begehren? aber er ließe sich krank aus Syrien füren / ům E. Maj. nicht zu betrůben / und zeigte damit satsam an / daß er / der großen Aramena vergnůgung / der seinigen weit vorz \ge. Worinn hat Marsius inzwischen sich geåndert? erweiset er sich iezt nicht eben also / da er / dem Tuscus Sicanus seine glückseligkeit zu g \nnen / sich von allen den seinen entfernet / und lieber sterben / als E. Maj. vergnügung zerst \ren wollen. Ist es aber nicht sündlich / (fragte die Königin) \ffentlich ein gelübde thun / das man nicht zu halten gewillet ist? Auser dringender noht /(antwortete Ahalibama) halte ich es selbst fůr unrecht: wann es aber die beståndigkeit eines gelübdes / wie bei meinem bruder und E. Maj. schwester / oder die befåstigung eines nützlichen friedens / wie bei dem Esau und mir / oder die erhaltung von eines großen Königs leben / wie hier / zu wege bringen sol / vermeine ich nicht / daß es werde zu tadeln seyn.
Der Fürst von Edom (fuhre die Königin fort) konte wol einem todten mitbuler dieses zu gefallen thun: aber hier ist ein lebendiger. Desto mehr grosmut (antwortete Ahalibama) kan Marsius erweisen / wann er sich nichts destoweniger überwindet. Wie lang aber (fragte Aramena ferner / deren dieses allgemach begunte thunlich fůrzukommen) můste dieser betrug wären? Långer nicht / (versezte Ahalibama) als bis man den K \nig von Syrien aus des Sesai händen errettet hätte. Was wird aber (ware abermals der Königin frage) der arme Cimber hiervon gedenken? Was gedenket er nun / (sagte Ahalibama) wan ihme seiner Aramena entschließung ist fůr ohren gekommen? Ach Ahalibama! [839] (antwortete die K \nigin / und hube bitter an zu weinen) ich sorge vieleicht dieserwegen ümsonst / und bin eher befuget / von dieses K \nigs ausenbleiben alles widrige zu urteilen: zumal auch alle /die man nach ihm abgeschicket / von dem gebirge nicht wiederkommen. Der Chersis / so ihn aus des Teraphim tempel geleitet / lässt sich noch nit sehen; Mitreus / will sich nicht wider einstellen; und der Husan hat / von seiner überkunst / noch nichtes zurück entboten. Vieleicht wil Cimber von neuem einen bäßern freund als liebhaber abgeben / und lebet daher so eingezogen / üm durch seine gegenwart dem Marsius nichtes zu verderben? E. Maj. fassen nicht solche einbildungen / (gabe Ahalibama zur antwort /) von diesem treuen liebhaber! hat er einmal gefehlet / wiewol die eigentliche ůmstände uns noch verborgen sind / so wird er solches nicht \fter begehen. Und wer weiß / wie es üm dieses ausenbleiden bewandt ist? Etwan ist er / für traurigkeit über diesem zufall /schwerlich erkranket? oder er wird / von des Marsius anwesenden schwestern / und den Celten / angehalten / daß er dieses Königs glückseligkeit alhier nicht hintern m \ge?
Es kan alles also seyn / (versezte Aramena) wie ihr saget. Aber / ob ihr mich schon beredet / dieses lezte hülfmittel zu versuchen / so vermag ich doch solches /ohne vorwissen meines Cimbers / nicht anzusahen. Ich bin auch dieser meinung: (gabe Ahalibama zur antwort) aber es kan ihme so fort geschrieben werden. Wie kan ich / (sagte die Königin) da mich der schwulst von der entfangenen wunde hintert / den schreibgriffel zu füren. So will dan ich solches verrichten! (versezte Ahalibama) und ist damit keinen augenblick zu verweilen: [840] maßen wir nicht wissen können / was dieser verzweifelte liebhaber etwan anstellen m \chte. Wan aber Marsius nicht wolte /(wandte die Königin ein) was nůzte es diesem armseligen / daß man ihm vergebliche hoffnung gemachet? Mich důnket (antwortete Ahalibama) ich sei seiner einwilligung ganz gewiß versichert: und dörfte ich es ihm nur anbringen / ich weiß / daß ich ihn gleich bereden wůrde. Wolte Gott! (sagte die Königin) daß Ahalibama meine stelle hierbei vertreten můße! dann ich befinde mich viel zu furchtsam / dem König Marsius einen solchen frömden fůrtrag zu thun. Der Aramena stäts-erwiesener helden-muht / (gabe Ahalibama zur antwort) wird ja nun nicht unterligen / da er eine so herrliche liebes-probe erweisen kan. Gnädigste Königin! was geschehen soll / das muß so fort fürgenommen werden: damit nicht Tuscus Sicanus von iemanden eher / als von uns / erfahre / was E. Maj. heut fůr eine erklärung von sich gegeben. Ich ersuchte zu dem ende den Batto / diese nacht mit seinen v \lkern noch hier zu bleiben: damit ihr K \nig nicht sofort die nachricht erlangen möchte / wie es hier zustehet. Wie sorget ihr doch / liebste freundin! (antwortete die K \nigin) für meine wolfart / und richtet mein niedergeschlagenes herz wieder auf / das bereits alle hoffnung hatte sterben lassen / und nichtes / als den tod /fůr sich mehr ůbrig sahe. Der himmel wird mein fürnemen segnen: (erwiederte Ahalibama) dann es ja unmüglich ist / daß dessen gerechtigkeit diesem unrechtfårtigen wesen in die länge zusehen könne. Als sie diß gesaget / holete sie ein tåfelein aus der K \nigin schreibzeug / und sezte sich an den tisch / da sie folgende zeilen abfassete.
[841] So kůhn ich mich erweise / diese zeilen an einen großen K \nig zu schicken / so leichtlich hoffe ich dafür vergebung zu erlangen / wann E. Maj erwägen werden / daß dieses auf befehl dero liebsten Königin geschihet: die ihren zustand selbst nicht berichten kan /weil sie bei neulichen stürmen einen zufall an der hand bekommen / der ihr das schreiben verwehret. Dieser wegen muß ich E. Maj. sagen / daß sich die K \nigin niemals in einem erbärmlichern zustand befunden / als wie sie sich genötigt gesehen / ihrem liebsten bruder das leben zu retten / und darüm so wol dem grausamen Sesai / als denen bei ihr sich aufhaltenden Königen versprechen můßen / dem K \nig von Basan / innerhalb dreier tage / die eheliche hand zu geben. Ich weiß / wie dieses den großen Tuscus Sicanus befr \mden wird. Doch werden sie davon auch groß freude schöpfen / wann E. Maj. vernemen werden / daß dieses eben das mittel seyn soll / dem Cimber seine Aramena zu lassen: massen die Königin von Mesopotamien entschlossen ist / auf keine andere weise dem Marsius die ehliche hand zu geben / als wie es der Aborigener K \nig / E. Maj. bruder / und die Prinzessin Roma gemacht haben; ja wie ich selbst / neben dem großen Edom / zum lebendigen beispiel dienen kan / da wir zum schein getrauet sind und er mir gönnet / [842] meinen verstorbenen Elieser bis in mein grab zu betrauren. Dieses mein geheimnis entdecke ich zu dem ende / damit E. Maj desto eher glauben mögen / wie thunlich das sei / wessen ihre Königin sich unternemen wil: üm sowol des Cimbers alten freund / den liebsten Abimelech / zu retten / als auch ihme selber beständig zu bleiben. Es bittet die Königin / daß E. Maj. solches von ihr sicherlich glauben /und daran sich nicht wollen irren lassen / daß sie diese schein-untreu erweisen muß: da sie bei dem höchsten Gott schwöret / daß es bei der erklärung bleiben sol / die sie dem großen Tuscus Sicanus jůngsthin bei des Teraphim tempel gegeben hat.
Ahalibama Fürstin von Seir.
Es wurde dieser Prinzessin so wunderlich zu sinne / als sie diesen brief vollendet / daß sie selbst nicht wuste / wie ihr geschahe. Sie brachte ihn der Königin für das bette / die ihn selbst durchlase / und nichts dabei zu erinnern fande / als nur dieses / woher sie wüste / daß der Roma ihr Tuscus Sicanus / der bruder ihres Cimbers gewesen wåre? Ahalibama erzehlte ihr hierauf / was ihr vorigen abends der Batto hiervon berichtet hatte. Wie es nun zur frage kame / wer das schreiben überbringen solte / befanden sie keinen hierzu tüchtiger / als den Fürsten von Cale / den treuen Arsas. Dieser wurde nun / ům mitternacht / in der K \nigin zelt beruffen: da sie ihm das schreiben zustellte / mit n \tigem unterricht / was er darneben / so wol dem Aborigener-König / als den andren / sagen solte. Weil dem Arsas niemand an treu und fleiß vorginge / als saumte er keinen augenblick / sich zu dieser reise färtig zu machen / und begabe [843] sich sofort nach mitternacht auf den weg / nur von etlichen seinen dienern / auch einer wacht von etlichen und zwanzig Syrern / üm sicher durchzukommen / begleitet. Weil er einen alten knecht bei sich hatte / der von jugend auf in seinem hause auferzogen worden / und also die treue mit seines herrn brod in sich geessen hatte / muste der ihn mit gespråchen unterhalten / ům den verdrus des nachtreisens (welches zwar / bei damaligen kurzen nåchten / nicht lang wårete) zu kürzen.
Er kame / unter andern / auf die nun eine geraume zeit her an seiner gemalin verspürte traurigkeit zu reden / und beklagte / daß er nichts in der welt ersinnen künte / so da fåhig wäre / seiner Casbiane die betrübnis zu benemen. Ich weiß wol / (sagte dieser alte) was der Fürstin von Cale anligen verursachet: es ist aber nicht nůtze / daß mein herr kentnis hiervon erlange / weil unbekante dinge uns am wenigsten quålen. Mir wird diese wissenschaft (antwortete Arsas) keine gr \ßere unruhe bringen können / als ich bereits in mir entfinde / da ich diese betrübnis muß täglich fůr augen sehen: drum verhele mir nicht / was dir hiervon kündig ist. Ich habe bereits zu viel gesaget / (gabe der alte zur antwort) und håtte wol vermuten sollen / daß man mich von fernerer entdeckung nicht frei lassen werde. Ich wil aber dem befehl gern gehorsamen / iedoch dabei bitten / daß man sich / nach als vor / der unwissenheit bedienen / und der Fürstin nie zu erkennen geben wolle / wie man von ihren geheimnisen nachricht habe. Der begierige Arsas versprache solches zu thun / und hörete darauf seinem diener zu /der also zu erzehlen begunte. Als die jetzige K \nigin von Ninive / unter Disons namen / in Canaan lebte /und für einen ritter der Prinzessin von Seir von aller welt angesehen wurde / bezauberte dieses holdseligen[844] jůnglings schönheit die Casbiane dermassen / daß sie nicht allein ihn anhube zu lieben / sondern auch / wie das glück ihr diesen ritter zu Damasco / bei der K \nigin Aramena einzug / in ihre behausung brachte / von ihren begierden dermassen gemeistert wurde / daß sie sich zu dieser verkleidten ins bette legte / aber gleich damals durch meines Fürsten wieder-ankunft von Salem ůbereilet und also angetroffen wurde.
Was verneme ich? (fiele alhier der wundrende Arsas dem alten in die rede) ware das die Königin von Ninive / die ich bei meiner gemalin im bette an getroffen / und die sich gleich darauf aus unsrem hause wieder verloren / unter dem vorwand / daß ihre verwandten sie hätten abholen lassen? Es ist also /wie ich sage: fuhre der alte fort. Es entstunde aber hiernächst eine so häftige reue in der guten Fürstin ihrem gemüte / daß / ob sie gleich hernach / auf entdeckung der Aramena / ruhiger werden sollen / sie dennoch fortfuhre / uns zu beweinen / daß sie sich also verleiten lassen / und ihren lüsten nicht stårker widerstanden. In solcher traurigkeit verharret sie nun noch / und lässet / sobald sie allein seyn kan / ihr anligen aus / ruffet auch unaufh \rlich den himmel an /daß der ihr diß verbrechen verzeihen wolle. Sie hat aber sonst gegen keinem menschen sich hierüber ausgelassen / als gegen der Königin von Ninive / mit der dieser handel fürgegangen / wie auch gegen der Prinzessin Jaelinde von Salem / und meiner frauen / welche ihre amme gewesen / und von ihr als eine mutter geliebet wird. Von dieser lezten habe ich dieses alles /und kan mir die nicht gnugsam beschreiben / was für qual diese reuende Fürstin in sich entfindet: daher der grosmütige Arsas unrecht thun würde / wann er / nach dieser kentnis / anders als vordem / mit seiner gemalin verfahren wolte.
[845] Der Fürst von Cale wurde ganz still / als der alte hiemit seine rede geendet / und ůberdachte lang diese begebenheit / ehe er etwas dazu sagte. Es muste aber solches eine sonderbare verwirrung in ihm erwecken /da er / zu einer zeit / seine gemalin / schuldig und unschuldig / auch voll solcher schmerzlicher reue / vernommen: wobei aber in ihm das erbarmen die antung weit überwoge / weil hiebei seine ehre nicht war verletzet worden / und er nun die jenige / die ihn solcher gestalt beleidigen wollen / so reuig wuste. Er entdeckte auch endlich seine gedanken diesem seinen treuen diener: der nicht unterließe / ihn in so gutem fürnemen gegen seine gemalin zu stärken. Der morgen brache heran / als sie noch in solcher unterredung begriffen waren. Weil nun das taglicht dem Arsas behülflich war / geschwinder als bei nacht fort zu reisen / als wandte er solchen fleiß an / daß er / noch vormittags /den ort des gebirges erreichte / wo der Tuscus Sicanus mit den andren K \nigen sich befande. Wenig stunden vor seiner ankunft / hatte sich der riese Gelanor auch wieder alda eingefunden / und berichtet / wie es auf des Sesai bergschlosse zustunde: worüber zu ratschlagen sie alle noch in des Baleus gezelt beisammen waren / wie Arsas bei dem Tuscus Sicanus sich anmelden ließe.
Dieser ware nicht bei den andern im rahte / weil seine Aboriginer diesen tag über solchen fleiß bei ihm angewandt hatten / daß / ungeacht der Königin Hercinde zuredens / und seiner selbst-eignen bisher-gehabten meigung / die K \nigin von Mesopotamien dem großen Marsius zu überlassen / und die Ahalibama beståndig zu lieben / er schlüßig worden ware /die huld der sch \nsten Königin der welt anzunemen /und mit seinen Aborigenern / ohne der andern wissen / ungeseumt nach der [846] Aramena lager zu eilen / und dieselbe / durch entfürung / von dem zwange zu erlösen / den ihr des Sesai grausamkeit anthun wolte. Mit diesen gedanken ginge er eben üm / und war gesonnen / solche dem Husan / der bisher bei ihnen aufgehalten worden / zu eröffnen / als er des Arsas da-seyn vername: dessen gewerbe er dan leicht erraten konte / daß es nämlich eine eröffnung von der K \nigin erklärung seyn wůrde / welche der Gelanor ihnen bereits kund gemacht hatte.
Wie er nun diesen abgesandten zu sich kommen lassen / ließe der / in das königliche gezelt eintretend /eine große bestůrzung von sich blicken: weil er den Cimber / den er in Syrien so oft gesehen / daselbst nicht fande. Jedoch / auf des Baldons antrieb / der ihn hinein gefůret / trate er fort / und vermeldete dem K \nig / nach abgelegter gebräuchlicher verehrung /daß er zwar / an den Tuscus Sicanus / ein schreiben von der Prinzessin Ahalibama mitgebracht hätte /aber solches an den Cimber gerichtet achte / der sich vordem in Syrien bei ihm håtte aufgehalten. Wie /mein Fürst! (fragte Tuscus Sicanus / ganz begierig /ja schier aus sich selber) bringet ihr mir ein schreiben von der unvergleichlichen Ahalibama? haltet mich doch nicht auf / dessen inhalt zu erfahren. Hiemit name er dem Arsas / der bei sich anstunde / ob er das tåfelein diß orts von sich geben solte / dasselbe aus den hånden / und es eiligst erbrechend / fůrete er es etliche male zum munde / wie er die schrift seiner ehmals-geliebten Prinzessin erkante. Er thäte fast gegen seinem willen also / und folgete den ersten bewegungen / die ihn seines fůrnemens / sein herz von der Ahalibama ab- und zu der Aramena zu lenken / vergessen machte.
Er lase hierauf / h \chstbegierig zu vernemen / was ihm die Ahalibama sagen wolte / und geriete in unbeschreibliche [847] freud-enzückung / als er lase / daß sie an dem Edom nicht recht getrauet wäre / und dieser ihr gönnte / ihren verstorbenen Elieser bis in ihr grab zu lieben. Er wuste nicht / wie ihm hiebei geschahe / und muste etliche mal diese zeilen lesen / ehe er glauben konte / daß er recht gelesen hätte. Er vermochte auch /für freude über dieser er \ffnung / die er nimmermehr vermuten dörfen / so fort auch die andere puncten nicht zu begreifen / die in diesem brief enthalten waren: massen er sein nachsinnen einig und allein auf diese wieder erlangte glůckseligkeit verlegte / die ihn auch von der erst-gefassten entschließung / sich der K \nigin von Mesopotamien zu ergeben / gånzlich wieder ableitete / und zu seiner Ahalibama fürete. Ist es wol můglich / Fürst von Cale! (sagte er zu dem Arsas /) daß Ahalibama mir die warheit meldet / und daß ihre heurat mit dem Esau nur zum scheine und nicht in der that volzogen worden? Arsas / der hiervon keine wissenschaft hatte / bliebe darob ja so verwundert / als über dem vorigen bezeigen / so er an dem Tuscus Sicanus hatte wargenommen / und vergaße schier darůber alles / was er dabey mündlich anzubringen hatte: weil er aus allen ůmständen merkte /daß man ihn hätte an den unrechten abgeschicket.
Weil er nun deshalben mit der antwort verzoge / als lase der begierige K \nig das schreiben zu ende / und von der versicherung vernemend / die er in des Teraphim tempel von der Königin von Mesopotamien solte entfangen haben / finge er an / die augen recht aufzuthun / und einen irrtum hierunter zu vermuten. Hierauf nochmals das ganze schreiben mit bedacht durchsehend / bewunderte er nicht allein / daß seine Ahalibama diejenige war / die ihm zu erlangung der Aramena verhelfen wolte / sondern er fande auch die irrung / und daß er dieser [848] geliebter Cimber nicht seyn müste. Edler Arsas! (sagte er demnach zu diesem Fůrsten) ihr werdet mir die dunkle worte dieses schreibens erklåren / die ich nicht recht begreifen noch verstehen kan. Mich wundert nicht / (antwortete Arsas) daß E. Maj. der inhalt dieses briefes dunkel fůrkommet: maßen ich gleich anfangs erwehnet / daß man mich an den jenigen Cimber abgeschicket / der zu Damasco / als ein freund des damals so-genanten Abimelech / sich aufgehalten / und von deme man bei uns geglaubet / wiedaß er der König der Aborigener wäre.
O gütiger himmel! (riefe Tuscus Sicanus / den Arsas nicht fortreden lassend) wie wunderbar wicklet sich nun dieses rätsel auseinander! nun erkenne und begreiffe ich alles. Der K \nig von Basan / der große Marsius / ist dieser geliebter Cimber / der in Damasco gelebet: und sehe ich ganz klar / wie der irrtum / indeme man diesen Cimber für den Aborigener K \nig gehalten / zu wege gebracht / daß der Mitreus / in gesandschaft / auf dem Riphatischen gebirge mir die Königin Aramena antragen můßen / und daß diese sch \ne / in meinung / sie thue alles für ihren liebsten Cimber / bisher unwissend gegen ihrer eignen liebe gestrebet / und mir das zugeeignet / was sie allein dem großen Marsius zugedacht hatte. Nicht ich / sondern eben dieser K \nig ist bei ihr im tempel des Teraphim gewesen: und da sie ihm die erklärung gegeben /daß sie dem Tuscus Sicanus wolle bis in den tod getreu verbleiben / hat sie damit nicht mich / sondern den Marsius verstanden / aber damit bei diesem unvergleichlichen liebhaber / der es aufgenommen / wie es gelautet / zu wege gebracht / daß er in eine onmacht / ja schier gar in den tod gestůrzet / das doch zu erhaltung seines lebens angesehen gewesen.
[849] Der getreue Arsas / hörte alle diese reden des Tuscus Sicanus schier aus sich selber an / und nun ja so deutlich / als er / erkennend / was hierbei die irrung des namens gewirket / wäre er schier fůr freuden gestorben / daß er die qual seiner K \nigin dergestalt solte geendet sehen. Er verlangte auch gleich wieder abzureisen / ům der beängstigten Aramena dieses anzukůnden. Aber Tuscus Sicanus hielte ihn auf / und nun ganz freudig ihn bei der hand nemend / ginge er mit ihm nach des Königs von Babel gezelt / bei dem er die Hercinde / den Hiarbas / die Mirina / auch alle vorneme Celten und riesen / beisammen antraffe. Baleus erkante sofort den Arsas / und eilte deshalben ihm entgegen / ihn zu begrüssen. Wie sie auch alle /die ungewönliche munterkeit an dem Tuscus Sicanus erkanten / wurden sie begierig / die ursach davon zu vernemen / die dan dieser erfreute König sofort ihnen kund thäte / und sagte: Dieser Fürst ist der glücks-botschafter / der alle die verwirrungen aufheben kan /in denen wir bisher gelebet / und vermeine ich nicht /daß ich euch allerseits größere freude werde erwecken können / als wan ich euch sage / daß die K \nigin von Mesopotamien den großen Marsius liebet / und daß die Ahalibama in solchem zustande sich befindet /daß ich ihre erlangung hoffen kan.
Was das erste betrifft / (antwortete Baleus) so hat Gelanor hierzugegen uns schon davon berichtet: wiewol man den zwang / den die K \nigin von Mesopotamien ihr dieserwegen anthut / keine liebe nennen kan /und sol auch der große Marsius nicht zu trösten seyn /ům daß er seiner Aramena diese qual verursachen muß. Daß aber der Fůrst von Edom gestorben / wie hieraus folgen muß / weil Ahalibama sich anders nicht frei sehen kan: solches ist eine zeitung / davon man hier noch [850] nichtes vernommen hat. Weder des Sesai zwang / (gabe Tuscus Sicanus zur antwort) noch des großen Edoms tod / richtet des Königs von Basan und meine hoffnung auf / sondern diese erwůnschte zeitung / daß Aramena / aus irrtum / mich an stat ihres liebsten Cimbers geliebet / und Ahalibama / mir getreu zu bleiben / eine schein-heurat mit dem Esau / üm den frieden mit Seir zu bestätigen / getroffen hat. So freud-bestürzt dieser bericht sie allesamt im gezelt machte / so sehr befrömdete den Arsas / was Tuscus Sicanus von der Ahalibama erwehnet: der dan folgends noch höher erfreut wurde / als er überdas vername / daß eben dieser Tuscus Sicanus der Prinz Elieser wäre. Er muste hierauf den anwesenden dasjenige bekråftigen / was ihnen iezt der Aborigener-K \nig gesagt hatte: das dan des Marsius beide schwestern / wie auch den Suevus / Trebetes und alle anwesende Celten / in so unermeßliche freuden sezte /daß sie nicht wusten / wie sie ihre vergnügung recht an den tag geben solten.
Sie gingen sofort zu raht / was nach dieser kentnis vorzunemen wäre / und wurden schlüßig / sich nach dem bergschloße zu erheben / und den verliebten Marsius aus seiner qual zu setzen. Und ob wol des Tuscus Sicanus verlangen unbeschreiblich gros war /sich seiner Ahalibama lebendig zu zeigen / so folgte er doch dem willen und gutbefinden der andern: die an ihn begehrten / daß er sich noch die wenige zeit gedulten / und mit ihnen vorher nach dem Sesai gehen m \chte / üm dadurch / wie sie es fürhatten / die wahre liebe der sch \nen Aramena noch bäßer zu erkennen /und dem verliebten Marsius diese vergnügung zu g \nnen / daß er selbst aus seiner sch \nen eignem mund seine glückseligkeit vernemen m \chte. Demnach stellten sie es also an / daß Mitreus / [851] Husan und Arsas / die zwar ihre abfårtigung sehr verlangten / bei ihnen bleiben solten / und verordneten / daß die Aborigener / (deren häubtern man hiervon heimlich teil gegeben / nun wol zu frieden waren / daß ihr König den Marsius die Aramena überließe / weil er seine Ahalibama wieder erlanget /) unter anfürung des Baldons / eines ihrer kriegs-obersten / nach dem lager gehen solten / als wan sie der Königin Aramena zu hůlfe geschicket würden. In dieser geleitschaft / gingen die k \nigliche personen / auch der Suevus und Trebetes selber / wiewol ganz heimlich / mit fort: und stießen sie unterwegs auf dem Batto und sein heer /mit welchem sie / gegen den spaten abend / so nahe an das lager gelangten / daß Baldon seine ankunft der K \nigin von Mesopotamien noch konte wißlich machen / welche / ihres treuen Cimbers andenken daraus abnemend / ihr diesen bericht sehr wol gefallen ließe /und nun auch des Arsas wiederkunft augenblicklich erwartete.
Aber keine solche ruhe / als Aramena ůber dieser vorsorge des Aborigener-Königs in sich entfande /hatten auch die andere Könige im lager / wie ihnen diese ankunft der Aborigener zu ohren kame: maßen sie besorgten / Tuscus Sicanus würde der befreiung des Aramenes / und der vorstehenden vertrauung der Aramena mit dem König von Basan / eine hinternis bringen wollen. Wie dan dieses ihnen anlaß gabe /noch in der nacht raht zu halten / und ihre völker zusammen zu ziehen / ům den Aborigenern zu wehren /wenn sie etwas beginnen wolten. Diese waren aber viel anders gesinnet / und wie sie nun in dem gebirge post gefasset / machte sich Gelanor / der die Könige mitgebracht / bei dunkler nachtzeit auf den weg / üm ůber den verborgenen steig [852] auf die burg zu gehen /und dem Sesai der K \nige ankunft zu vermelden. Weil die im lager nicht mehr so genaue wacht hielten / da es auch fast keiner belågerung mehr gleich sahe /als kame Gelanor sonder můhe hindurch / und fande auf dem schloß alles in lärmen: weil Sesai nachricht erhalten hatte / daß die Aborigener mit einer starken heeresmacht in anzug wåren. Seine sorge war / daß solches auf eine entfůrung der Königin Aramena wůrde angesehen seyn: weswegen er eben den Rekem ins lager abschicken wollen / üm alda anzukůndigen /daß / wan Aramena / wider ihre gethane zusage / die flucht nach dem Tuscus Sicanus erkiesen wolte / alsdan sofort die hinrichtung des Aramenes geschehen solte.
Aber Gelanor hintertriebe dieses vorhaben / indem er die zeitung brachte / wie glücklich sich alle sachen verändert / und wie die K \nige auf die burg begehrten / üm diesem ganzen handel ein gewůnschtes ende zu geben. Weil Sesai ursach zu haben vermeinte / auf alles mistrauisch zu seyn / als wolte er lange nicht daran / daß die Könige / und sonderlich Tuscus Sicanus / zu ihm auf die burg kommen solten. Endlich aber / sich auf seine macht / die er auf dem schloß hatte / verlassend / bewilligte er / daß Baleus / Hercinde / Hiarbas / Mirina / Tuscus Sicanus / Suevus und Trebetes / mit wenig dienern / zu ihme hinauf kommen möchten: und schwebete er zwischen furcht und hoffnung / ob Gelanors bericht von dieser glücklichen ånderung wahr seyn m \chte. Mitlerweile nun dieser riese wieder den felsen hinab ginge / ům die k \nigliche personen hinauf zu füren / ermanete Sesai seine bei sich habende Enakim zur beständigkeit / und daß sie treulich bei ihme stehen m \chten / üm dieses werk / so dem großen Marsius solte das leben erhalten / [853] wol hinaus zu fůren: welches sie ihm alle einhällig verhießen.
Die Könige und Fůrsten / fanden sich / sonder von jemand im lager gesehen zu werden / auf dem schloß ein / und wurden von dem beherzten Sesai wol entfangen / auch / auf ihr begehren / gleich zu dem Marsius in die kammer / da er bisher bewachet worden / hinein gefüret. Es ware niemand mit ihnen / als die drei abgeschickte / der Mitreus / Husan unb Arsas / wie auch der Zameis / die Marpeis und Simede / und der Midaspes: die dan in des Marsius zimmer mit eintraten /und den fortgang dieses wunderhandels absehen wolten. Der betrůbte Marsius lage / wiewol in den kleidern / auf einem ruhbette / als diese unvermutete gesellschaft ankame: und dünkte ihm / als ob ihm traumte / als er von dem Tuscus Sicanus / der vor die andere aus gedrungen / sich ůmarmet sahe. Sei wolgemut / mein bruder! (riefe der Aborigener-K \nig) ich gibe dir deine Aramena wieder / und sol der treue Sesai nicht den dank allein davon haben / daß dir diese K \nigin zu teil werde / sondern ich wil auch meine hülfe dabei erweisen. Ach Tuscus Sicanus! (antwortete Marsius) Sesai ist mein årgster feind / den ich habe / und kan er mir / so wenig als du / zu wege bringen / daß die grausame Aramena mich liebe. Der große Cimber / (finge der erfreute Arsas hierauf an /der sofort / in der person des Marsius / seiner Königin geliebten Cimber erkante) urteile anders von meiner Königin / die E. Maj. mit beständig-treuer liebe bis in den tod ergeben verbleibet.
Hiemit traten des Marsius beide schwestern / wie auch seine schwäger / hinzu / und bekråftigten ihm das jenige / was er iezt mit ungemeiner befr \mdung vernommen hatte. Man wiese ihm ferner der Ahalibama [854] schreiben / und brachte ihn endlich dahin / daß er anheben muste / seine glückseligkeit zu glauben. Weil sowol eine jähliche freude / als ein pl \tzlicher schrecken / leichtlich töden kan / als truge der leibarzt Midaspes nicht unbillig sorge fůr den großen Marsius /und zoge einen herrlichen balsam herfůr / sich dessen hierbei zu bedienen. Die meisten im zimmer vergoßen hierüber freuden-trånen / und als Sesai spůrete / daß es so glücklich in der liebe seines Königs liefe / fiele er ihm zu fuße / und beteurete / daß er nun gerne sterben / ja den schmähligsten tod / wegen seiner erwiesenen kůnheit und ungehorsams / freudigst erleiden wolte / nun er diese begebenheit erlebet hätte. So verwirrt der K \nig Marsius noch ware / so wol erkante er doch / bei allen diesen ümständen / daß es Sesai treulich mit ihm gemeinet hatte: daher gabe er ihm die versicherung / daß / wan alles sich also verhielte / wie man ihn iezt bereden wolte / seiner begangenen that nicht mehr solte gedacht werden.
Zweifelt ihr dan noch / mein bruder! (fragte ihn die Königin Hercinde) daß eure Aramena euch liebe? Wie kan ich (antwortete der verliebte Marsius) ein solches glück hoffen / der ich meine lebtage bin unglücklich gewesen? hat nicht Aramena mir selbst / zu zweien unterschiedenen malen / entdecket / daß sie den Tuscus Sicanus lieben wolle? Weil sie (sagte der Aborigener-König) in der einbildung lebte / ihr Cimber wåre Tuscus Sicanus / als liebte sie meinen namen /aber dabei deine person. Hierauf muste Arsas berichten / woher es gekommen / daß man bei ihnen in die gedanken geraten / den Cimber fůr den Tuscus Sicanus zu halten: weil man nämlich / unter des Cimbers sachen / dieses K \nigs bildnis / neben einem armband von der Königin Valentia / auch deren und der Hesperia abbildungen / [855] gefunden hatte. Dieses nun stärkte diesen verliebten in seiner beglaubung / und verlangte er / ům dessen volkommenen beweis zu haben / seinen alten freund / den König Aramenes / zu sehen: da dan so fort der Sesai / mit dem Husan und Mitreus /nach dessen gefängnis liefen / und ihn / vom schlaff erweckend / ermaneten / nach dem Marsius zu kommen.
Es kan nichts vergnůgbarers zu sehen seyn / als wie diese beide freunde einander entfingen / und was sie für herzensfreude bezeugten / da sie erfuhren / in was irrigem wahn sie bisher gestecket. Aramenes thåte nichtes / als sich höchlich entschüldigen / daß er seinen treuen Cimber in so b \sem verdacht haben können. Und wie er den Arsas erblicket / muste ihm der von seiner C \lidiane erzehlen: deren angst dan zu stillen / er so fort verlangte / daß man im lager diese glückliche änderung kund machen möchte; welches auch Tuscus Sicanus für gut ansahe. Aber der verliebte Marsius / so / nach gewonheit der wahren verliebten / noch stäts das ärgste befahrete / wolte aus seiner Aramena an den Sesai erteilten erklärung schließen /daß sie nun anders sinnes gegen ihrem Cimber müste worden seyn: demnach beliebte er den vorschlag / den seine schwester die Hercinde thäte / daß man nåmlich des angesezten tags erwarten / und aus der sch \nen Aramena eignem munde ihre rechte meinung vernemen solte / üm durch so angenemen betrug ihrer aller freude desto vollkommener zu machen. Weil dem Tuscus Sicanus hierbei einfiele / daß er / durch solchen betrug / die wahre neigung seiner Ahalibama auch probiren konte / als ließe er ihm diesen schluß mit gefallen: und gabe er hierinn dem Marsius nichtes nach / seine håftige liebe damit zu erweisen / indem er in ein- und anderem zu grůblen anfinge / und viele selbst-erdichtete mutmaßungen [856] seiner glůckseligkeit entgegen sezte / die ihm sein gemůte beunruhigen musten.
Es wurde heller tag / ehe diese k \nigliche gesellschaft aus des Marsius zimmer ginge / und / üm etwas auszuruhen / voneinander schiede. Der Sesai erlangte / auch bei dem K \nig von Syrien / seine auss \nung: worauf er gleichfalls dem Prinzen Sinear / wie auch dem Demas / ihre freiheit wieder gabe. Die anwesende Horiten / neben denen von Abagara / und des Teraphim priestere / auch die richter aus Amida / sahen zwar ungern / daß der Chaldeische Prinz der verhofften aussönung ihres gottes dergestalt entrinnen solte: sie dorften aber nichts dagegen sagen / weil sich nun alles geändert hatte / und musten vielmehr sorgen /wie sie sich selbst bei diesen ůmstånden erhalten k \nten. Die meiste zeit dieses tages / wurde mit schlaffen / oder wenigst mit innhaltung in den gemächern / geendet: da dan Marsius / Aramenes / Tuscus Sicanus und Sinear / wegen häftigen verlangens nach ihren geliebten / in so unruhig- als vergnůgten gedanken ihre stunden zubrachten. Aber der wachsame Sesai ordnete immittels alles an / wie es den folgenden tag solte gehalten werden / und ließe / unten am berge / verschiedene gezelte aufschlagen / wo die unterredung der K \nigin von Mesopotamien mit dem Marsius / worüm sie nochmals anhalten lassen / und folgends deren vertrauung / geschehen solte. Mit todesangst / vername diese sch \ne solche zurůstungen /und harrete von einer stunde zur andern / wan der Arsas wiederkommen würde. Weil C \lidiane sie keinen augenblick verließe / als ware sie auch der vergnügung beraubet / von ihrem anligen öffentlich zu reden: und sahe sie nur zu zeiten die Ahalibama an /die durch ihr kopfwinken zu verstehen gabe / daß sie von des Arsas rükkunft noch nichts wüste.
[857] Unter solchem vergeblichem harren / brache die nacht wieder herein: da erst / bei dieser treuen liebhaberin / die rechte angst sich einstellte / wan sie bedachte / was ihr morgen vorstunde. Tausendmal wurde sie schlüßig / zu den Aborigenern über zu gehen. Doch ånderte sie diese meinung bald wieder /wan sie des Aramenes und der C \lidiane sich erinnerte / die sie auf solche weise üm das leben bringen würde. Die ungedult gabe ihr oft in den sinn / daß sie / wan sie nicht rechtgläubig wäre / sich selbst entleiben wolte: üm also ihren bruder zu erretten / und doch eine beständige liebhaberin zu bleiben. Die erweisende kaltsinnigkeit ihres Cimbers / stiege ihr hierzwischen ebenfalls zu kopf / daß der weder ihre gesandten zu rück schickte / noch auch selber sich einstellte: welches ihr dan fast zum schmerzlichsten fallen wolte. Aber die Ahalibama sprache ihr / die ganze nacht / allerhand trost ins herze: bis endlich die morgenr \te des großen tages herfürbrache / die ihr die sch \ne Aramena ja so grausam fürbildete / als erfreulich er ihr und andren seyn solte.
In vielen tagen / war die sonne / nicht so hell und schön ausgegangen / als wie dieses mal: und da vorhin die trůbe wolken die hohe gipfel des Taurischen gebirges umzogen hatten / schienen diese nun in der heitern luft ganz herrlich herfür; gleich als wan sie mit ansehen wolte / was sich in ihren tälern verwundersames zutragen würde. Die trübselige Aramena deutete es aber viel anders aus / und vermeinte / weil ihr himmel und erde zu wider schiene / es erzeigten beide sich darum so munter / üm ihr unglůck mit anzuschauen. Sie wolte sich mit ihrem alltåglichen schäferrocke bekleiden: aber die K \niginnen / so zu ihr kamen / redten ihr dagegen ein / mit fürwenden /daß / wan Sesai sie nicht als eine braut würde geschmückt sehen / er leicht an der beständigkeit [858] ihrer entschließung zweiflen / und zu fernerer grausamkeit k \nte bewogen werden. Diesem nach ließe sie mit sich machen / wie sie es begehrten / und wurde also auf das herrlichste geschmůcket: da aber / unter allen solchen pracht und zierat / ihre tiefste traurigkeit dermaßen herfürleuchtete / daß die fast so mächtig ware /fast ůber ihre unvergleichliche schönheit zu siegen /und deren wunderschein in etwas zu verdunklen. Ihre sonst-feurende augen / schienen als gebrochen / und waren stäts mit einer wolke von trånen bedecket. Ihre wangen waren / gleich dem munde / an stat der rosen /mit blassen lilien ůberzogen. Weil ihr auch die angst ein stetes herzklopfen verursachte / als holete sie ohn unterlaß odem / und wurde immer onmåchtiger / je näher die zeit heran kame / daß sie nach den bestimten platz gehen solte. C \lidiane und Jemima / die das gröste anteil hierbei hatten / schaueten diesen zustand der Aramena mit tödlicher furcht an / und höreten nicht auf / ihr einen muht einzusprechen: das aber bei ihr nicht so viel verfinge / als der Ahalibama heimliches fürsagen / die ihr ohn unterlaß zuschwure / wie sie von der weltbekanten grosmut des K \nigs von Basan das erhalten würde / was sie ihm anzusinnen gedachte.
Wie nun endlich die bestimte stunde angekommen /auch alle K \nige und Fůrsten in der Königin von Mesopotamien gezelt sich eingefunden hatten / kündigte ihr Dison an / wie es nun zeit wåre / dahin zu gehen. Wan er ihr ihren tod håtte angesaget / würde sie nicht also erschrocken seyn / wie sie thåte. Doch übermannte sie sich / und bote dem K \nig von Ninive die hand / der sie aus dem gezelt fürete: und stüzete sie sich mit dem rechten arm auf die Ahalibama / die ihr solcher gestalt muste gehen helfen. Alle königliche personen folgten ihr in ordentlicher [859] reihe nach / und war das ganze heer der Syrer / Niniviten und Chaldeer / in eine schlacht-ordnung gestellet: zwischen denen sie hingingen / bis an den ort / unten am felsen / da die gezelte aufgeschlagen stunden / und man den altar aufgerichtet hatte / vor welchem die K \nigliche trauung durch den Telecles geschehen solte. Weil Aramena mit dem Marsius ganz allein zu reden begehrt hatte / als blieben die andere zurůcke / und ůbergaben sie den beiden riesen Rekem und Hur: die sie entfingen / und folgends in das gezelt hinein füreten / alda /sie sagten / daß sich der K \nig von Basan befände. Sie fassete all ihre sinne und kråfte zusammen / indem sie hinein trate. Ein ansehnlicher ritter entfinge sie daselbst / den sie / ihn für den König von Basan haltend / also anredte.
Großer König! wan ich nicht wůste / daß E. Maj. edelmütigkeit und tugend ja so vollkommen / als ihre liebe / die sie zu mir gefasset / ihr gemüt beherschten / so wolte ich mir keine hoffnung machen / dasjenige zu erlangen / worüm ich iezt diese geheime unterredung gesuchet. Es ist unnötig / E. Maj. meine zu dem König der Aborigener tragende liebe nochmals anzukünden / da ihr ja / als aller welt / bekant ist / wie dieser König / unter des Cimbers namen / mich geliebet /und meine gegenliebe erlanget hat. Nichtes / als des Sesai grausamkeit / ist fähig gewesen / meine beständigkeit zu fällen / und mich zu zwingen / üm des K \nigs von Syrien leben zu retten / E. Maj. für meinen gemal zu erkiesen. Ach ja! ich bin des großen Marsius verlobte / und muß den Tuscus Sicanus verlassen / wan E. Maj. darauf beharren / eine unbeständige / eine ungetreue zu lieben / die wegen dessen /das sie aus zwang begangen / mit stätswůrigem gram ihr leben abquälen / und E. Maj. keine andere ergetzlichkeit / als mit unaufh \rlichen ächzen sie zu beunruhigen / [860] verursachen wird. Wollen nun E. Maj. zu des Cimbers tod / zu der Aramenen verderben / und zu ihrer selbst-eignen unruhe keine ursach geben / so ůberlegen sie diese ümstånde wol / und entschließen sich / da Sesai uns beiderseits zur ehelichen trauung zwinget / mich allein zum schein zu ehlichen / und solches nur / so lang für der welt auszugeben / bis wir den Aramenes aus des grausamen Sesai hånden errettet sehen. Dieses wird des großen Marsius namen unsterblich machen / und werde ich dafůr / da ich den König von Basan nicht lieben kan / dannoch dessen ergebenste und verpflichteste freundin lebenszeit verbleiben.
Kaum hatte sie dieses ausgeredet / da \ffnete sich eine tapezerei / aus welcher der Cimber herfůr sprange / und sich jählings zu seiner Königin füßen nieder werfend / zu ihr sagte: Soferne es wahr ist / schönste Aramena / daß man den K \nig von Basan nicht zu lieben verm \ge / so ist Cimber des todes / weil an dieses K \nigs glücke sein leben hanget. Aramena wurde so entstellt / ihren Cimber an diesem orte zu sehen / daß sie nicht wuste / wie ihr geschahe. Wie sie ihn aber nun also reden h \rte / erinnerte sie sich sobald der großen freundschaft dieser beiden K \nige /und vermeinte / des Cimbers ausenbleiden hätte daher gerůret / daß er heimlich auf dem burgschloße bei dem Marsius gewesen / und dasjenige / wessen der Sesai sich unternommen / mit beliebet hätte. Demnach geriete sie von neuem in eine große verbitterung gegen ihme / daß er sie also / wiewol er ihrer beständigen liebe versichert war / zum andern mal einem andren ůberlassen können. Um des willen / ihn keiner antwort würdigend / entschloße sie sich pl \tzlich /den K \nig von Basan zu ehelichen / und nahete sich deshalben zu dem vermeinten Marsius / so der warhafte Tuscus Sicanus ware / [861] zu ihm sagend: Wolan /großer K \nig! weil Cimber nicht leben kan / ich vergnůge dan den Marsius / so erklåre ich mich hiemit /diese stunde E. Maj. die eheliche hand / nicht zum scheine / sondern in der that / zu geben. Ich muß schönste Königin! (antwortete ihr Tuscus Sicanus) wie ich bereits auf dem Riphatischen gebirge gethan /dieses angetragene große glůck ausschlagen / und hat der himmel nicht mich / sondern diesen König / dazu ausersehen / der unvergleichlichen Aramena sch \nheit anzubeten und zu besitzen.
Indem die K \nigin von Mesopotamien diesen zweiten abschlag / mehr bewunderte / als sich darüber betrůbte / und ganz bestůrzet stehen bliebe / traten die beide schwestern des Marsius / die sch \ne Hercinde und dapfere Mirina herfür / welche die verwirrung dieser verliebten nicht länger dulten könnend / dazu kamen / üm von allen diesen dingen der sch \nen Aramena wahren bericht zu geben. Wie sie demnach diese K \nigin ümarmet / fůrete Hercinde ihren bruder zu ihr / und sagte: dieser ist der warhafte Marsius /deme unter des Cimbers namen die sch \ne Aramena bisher ihre huld gegönnet; und weil man den König der Aborigener fůr diesen glůcklichen Cimber gehalten / als sind alle diese irrungen daraus entstanden /die bisher sich zugetragen. Marsius ließe hierauf seiner K \nigin nicht zeit / dieses zu beantworten / sondern ihr ferner zu fuß fallend / sagte er / mit h \chster freud-enzückung: Ist es wol müglich / daß man den unwůrdigen Cimber also lieben k \nne / wie man mich dessen ůberreden will? und soll ich die versicherungen / die dem Tuscus Sicanus geschehen / auf mich deuten d \rfen? Redet / sch \nste Aramena! und lasset mich selber / aus eurem holdseligen munde / meine glückseligkeit vernemen. Mitlerweile er dieses [862] sagte /hielte er ihre kniehe fåst ůmschlossen / und geriete die sch \ne Königin aus einer bestürzung in die andere. Doch war ihr dieses lezte entsetzen so angenem / und fůr ihre liebe so vorteilig / daß die ihre zerstreute sinne wieder zusammen bringen halfe. Also erwachte sie / wie aus einem traume / da sie dieses verwirrte rätsel aufgewicklet sahe / das sie bisher betrogen hatte.
Demnach / ihren Cimber nicht mehr mit erzürnten augen ansehend / hube sie ihn ganz freundlich von der erden auf / und gabe ihm / wiewol mit wenig worten /die versicherung / daß sie ihn / nach der kentnis des Abimelech / einig und allein geliebet / und ihre liebe ihm auch bis in ihr grab / er m \chte nun Tuscus Sicanus oder Marsius seyn / beständig lassen wolte. Eine schamröte ümzoge ihre wangen / als sie ihrem Cimber so \ffentlich diese erklärung thäte: und stellte sich indem ihre volkommene wunder-sch \ne auf einmal bei ihr wieder ein: worüber der nun v \llig-glůckselige Marsius schier für freuden / wie lezthin bei des Teraphim tempel für traurigkeit / vergangen wäre. Baleus und Hiarbas / die ebenfalls im gezelt verborgen gewesen / gesellten sich nun auch zu ihme / und machten sich der vergnügung dieses unvergleichlichen pares mit-teilhaftig: da sie dan der sch \nen Aramena von allen bericht gaben / wie es hiemit zu gegangen / und wie sie / dem noch-zweiflenden Marsius alle furcht zu benemen / es also angestellt håtten / daß der Aborigener K \nig des Königs von Basan person fürstellen můßen / damit dieser verborgne selbst mit anh \ren könte / wie der Königin erklärung / der Ahalibama abgelassenem schreiben / ganz gleichlautig wäre.
Tuscus Sicanus entschuldigte hierauf / daß er zu diesen / wiewol unschuldigen betrug sich gebrauchen lassen / und fügte hinzu: weil er der Königin nun zu ihrem wahren [863] Cimber verholfen / als m \chte sie so gütig seyn / und ihme hingegen auch die besitzung seiner Ahalibama wieder erlangen. Aramena / die noch nicht wuste / daß dieser K \nig der Elieser war /vername dieses anmuten mit großer befrömdung. Wie man ihr aber sagte / daß eben dieser Tuscus Sicanus der vom tod erweckter Elieser wåre / vergaße sie eine weile ihrer eigenen vergnůgung / üm sich / wegen dieses unverhofften glůckwechsels fůr ihre liebste freundin / zu erfreuen. Es schiene und důnkte sie alles so ungläublich / was ihr da begegnete / daß zwar die schmertzliche betrůbnis / nicht aber das verwundern und die bestürzung / bei ihr aufhörte. Sie alle wůrden / fůr vergnůgung / vergessen haben / ihr langes beisammen-seyn abzukůrzen / wan der begierige Tuscus Sicanus nicht angetrieben håtte / daß man doch nun auch auf seine glückseligkeit denken möchte. Um seine liebste Ahalibama zu prüfen / und ihrer angenemen bestůrzung eine kleine angst fürgehen zu lassen /vermochte er die Königin von Mesopotamien dazu /daß sie übername / der Ahalibama anzutragen: wie sich der K \nig von Basan durch ihre tränen erweichen lassen / von ihrer liebe abzustehen / iedoch mit der bedingnis / wan sie die Ahalibama dazu bereden k \nte / seine nun zu ihr gewandte liebe anzunemen.
Mit diesem auftrag ginge die schöne Aramena / von dem Rekem und Hur gefüret / aus dem gezelte: da sie dan der anwesenden bisheriges verlangen / welche ihr langes ausbleiben befr \mdet / nun noch mehr anfeurete / als sie / zwar ganz munter / aber so allein und sonder den Marsius / daher kame. Die beångstigte C \lidiane vermutete hieraus für sich nichts gutes /und wäre schier für entsetzen gestorben / als sie / zu gleicher zeit / oben auf dem felsen / ihren Aramenes von vielen kriegsknechten [864] ůmgeben / herfürtreten sahe / und augenblicklich besorgen muste / daß das bestimte blut-urteil über ihn ergehen möchte. Sie hatte das herz nicht / die Aramena üm die ursach ihrer rükkunft zu fragen / die sofort auf die Ahalibama zugehend / zu derselben sagte: Liebste Prinzessin! es stehet bei euch / daß ich meinen Cimber behalten k \nne. Der König von Basan / begehret nicht mehr mich / sondern die schöne Ahalibama / zur ehe: dan er weiß / daß ihr / nur zum schein / und nicht in der that / an den Edom getraut seit. Wan ihr demnach den Syrern ihren König / allen diesen landen den frieden /und eurer Aramena ihre vergnügung geben wollet / so weigert euch nicht / die krone von Basan sobald anzunemen / und erweiset damit / daß ihr meine wahre freundin seiet.
Alle anwesende verwunderten sich ůber diesem vortrag der sch \nen Aramena / welcher die Ahalibama in große bestůrzung sezte / also daß sie ganz erblasset ihre K \nigin ansahe / und kein wort herfür zu bringen wuste. Weil sie schon so lang beharret /ihrem Elieser / ob sie den gleich todt glaubte / ihre liebe nicht zu entwenden / als fiele es ihr um soviel schmerzlicher / also unvermutlich diesen antrag zu vernemen. Wie sie nun zu antworten verzoge / wolte es der K \nigin Aramena und den andern zu lang werden: daher fasseten sie die unschlüßige Ahalibama unter die arme / und eileten mit ihr nach dem gezelte. Die ungedult fürete gleichfalls den verliebten Elieser ihnen entgegen: der dan viel zu tief in seiner Ahalibama herzen abgebildet war / als daß er nicht gleich hätte sollen von ihr erkant werden. Ach Elieser! riefe sie / dieses fůr ein gesichte haltend / und sanke damit den beiden Königinnen von Mesopotamien und Syrien / die sie füreten / in die arme: welche sie diesem verliebten König überließen / der sie so herzlich ümfinge / daß endlich ihr geist wieder [865] zu ihr kame /und ihr den geliebten todten wieder lebendig vorstellte / den sie so schmerzlich beweinet hatte / und so beständig geliebet. Alle die / so unter den anwesenden den Elieser vordem gekant / wusten nicht / wie sie daran waren / einen so lang todt-geglaubten im leben zu sehen: und drunge vor andern der Ephron hinzu /seinen liebsten bruder zu ůmarmen. Marsius und Hiarbas / wie auch die K \niginnen Hercinde und Mirina / die dem Tuscus Sicanus nachgefolget / erzehlten den anwesenden kůrzlich / was es hiemit für eine bewandnis hatte: und fehlte es nicht viel / die Ahalibama håtte in ihres Eliesers armen den geist gar aufgegeben / so fr \md důnkte sie dieses alles / so ihr da begegnete. Außer den namen Elieser / wuste sie in langer zeit kein wort herfůr zubringen / und bliebe sie also an ihn fåst geschlossen: mitlerweile auch Midaspes erzehlte / wie er wåre beim leben erhalten worden. Marsius und Aramena / aus beisorge / einander wieder zu verlieren / sonderten sich auch nit voneinander: unn entstunde eine allgemeine unbeschreibliche freude unter hohen und niedern / als sie diese verwundersame und glückliche ånderungen vorgehen sahen.
Aber Cölidiane und Jemima freueten sich nur halb /bei allen diesen vergnügen der andern / weil Aramenes und Sinear noch nicht bei ihnen waren / und schaueten ohn unterlas nach dem felsen / da sie den K \nig von Syrien noch immer stehen sahen. Es hatte der mistrauische Sesai noch nicht allerdings diesem handel wollen glauben beimessen: weswegen er noch nit von dem schloß herab ginge / sondern auf seiner hut stunde / auf allen fall / wan etwan ein betrug hierunter walten solte / mit seinem blutschluße fort zufahren / wie er dan / als er vergeblich darauf gehoffet /daß die trauung des Marsius und der Aramena durch den Telecles geschehen solte / bewogen wurde / den riesen Avi / dem er am meisten vertrauete / [866] hinunter zu schicken: welcher den Königlichen personen andeuten solte / wiedaß er / der Sesai / nicht eher trauen k \nte / bevor er die gesuchte vermålung seines Königs mit angesehen hätte. Nachdem aber dieser gesandter alles selbst im augenschein genommen / und erfahren / wie die sachen stunden / eilete er wieder auf die burg / und brachte mit seinem bericht bei dem Sesai zu wegen / daß er / so vielen königlichen personen ferner gesetze fürzuschreiben einstellte / und neben dem König von Syrien und Prinzen von Chaldea herab kame / sich mit den andern über dieser glücklichen endschaft zu erfreuen.
Es ließen die beide Aramenen / sonderlich die K \nigin von Mesopotamien / der C \lidiane kaum so viel raum / ihren König zu entfangen / und wolte auch unter dem K \nigen immer einer näher als der andere seyn / üm den großen Aramenes seine freude über dessen erlösung zu bezeugen. Nichts vergnüglichers konte anzusehen / oder anzuh \ren seyn / als was Marsius / Aramenes / und Tuscus Sicanus / und ihre geliebte K \niginnen zusammen redten / da sie in die wette eines ůber des andern glůckseligkeit sich erfreuten / und dafür den himmel priesen. Sinear befande sich in gleichmåßiger vergnügung bei seiner Jemima. Es wurden aber / dergestalt nicht allein die Königliche personen / sondern auch die anwesende hirten von Amida erfreuet / indem der Demas sich ebenfals wieder einfande / und seiner Aneriste / wie auch allen seinen anverwandten und freunden / mit seiner gegenwart ihre bekümmernis bename.
Die Königin Orosmada / ware fast unter diesem großen haufen die einige / die noch unzufrieden bliebe: weil sie in ihrer vermutung fehl geschlagen hatte / daß ihr Tiribaces / den sie auf dem gebirge zu seyn geglaubet / sich mit einstellen würde. Und ob wol auch die ståts-betrůbte Prinzessin von Ophir / in anschauung der Ahalibama glůckseeligkeit / die ihren todt-vermeintẽ Elieser wieder bekommen hatte / durch ihre heiße seufzer den hi el anklagte / daß der ihr zu trost nicht gleichfalls ein wunderwerk an dem verstorbenẽ Amraphel / [867] geschehẽ ließe / so gabe sie doch / gleich wie auch Dersine / Zelinte und Amphilite / die heimlich nach dem Jonadas / Elhanan und Chersis seufzeten / ihr anligen nicht so \ffentlich an den tag / wie die K \nigin von Tyro: die bei den angeko enen K \nigen / wie auch bei allen Celten und riesen sich åmsig erkundigte / ob ihnẽ von dem Tiribaces nichtes bewust wåre. Weil aber dieser tag ein allgemeiner freuden-tag seyn solte / als muste es sich also fůgen / daß / wie diese unvergleichliche gesellschaft der grösten und edelsten von der ganzen welt in so großer freuden-bestürzung noch beisammen waren / ein heer von dem gebirge auf sie angezogen kame: unter denen / der K \nig und die Königin von Armenien / der verlangte K \nig von Tyro / der alte Prinz Ahusath von Caphtor / der große Edom / der Fůrst Eliphas / Hanoch Fůrst von Midian / auch verschiedene Fürsten von Seir / unter denen auch des K \nigs von Ninive und der Ahalibama herrvatter und fraumutter /samt der sch \nen Ahalibama der Nefe Zibeons / ingleichen der fr \mde Megadostes / der Baalis / Daces und Nahor sich befanden.
Alle diese anko ende hatten bereits unterwegs im lager vernommen / wie glůcklich es diesen K \niglichen verliebten ergangen ware: daher sie / ihre darob entfindende große freude zu bezeugen / diese drei unvergleichliche pare voneinander scheideten / indem Esau seinen herzens-freund den K \nig Aramenes / der Prinz von Caphtor die C \lidiane seine tochter / Daces den großen Marsius / die K \nigin Andagone die sch \ne Aramena /Baalis den Tuscus Sicanus / und Ana / samt der Poliphide / ihre tochter / die vor freuden halb-todte Ahalibama /ůmarmten / und mit trånen entfingen. Tiribaces erwiese auch seiner Orosmada wiewol mit untermengter unruhe /große liebkosungen. Weil die mit angeko ene sch \ne Nefe Zibeons ihnen allen / auser der Timna / unbekant war / als liefe sie zu derselben / so bald sie nur von ihrem gemal / dem Eliphas / abko en kunte / ům sie zu begrůßen. Keine angenemere verwirrung mag wol jemals seyn gesehen worden / da alle diese hohe personen zugleich fragten und bericht gaben / wie es ihnen ergangen und alles zugegangen wåre: das doch / weil die freude zu gros war / unordentlich fůrgebracht wurde / und nit kunte vernemlich verstanden werdẽ. Es bekame aber diese große gesellschaft noch eine neue ursach / sich h \chlich zu erfreuẽ / wie sie den frömdẽ Megadostes in der Prinzessin von Ophir armen erblickten: die zwar / fůr bestůrzung /kein wort sagte. Aber die bei ihr stehende K \nigin von Elam / und deren gemal der Hadoran / rieffen einhållig den namẽ Amraphel / und gabẽ damit an tag / daß dieser tod-geglaubte K \nig auch wieder wåre gefunden worden. Liebste Indaride! liebster Amraphel: [868] h \rte man hierauf diese beide verliebte sagen: die sich dan so fåst mit den armen ůmschloßen hielten / daß die begierige Lantine /wie auch der getreue Hadoran / lange nicht dazu gelangẽ konten / einem so lieben bruder und freund ihre herzensfreude zu vernemen zu geben. Wie sie nun endlich solches verrichtet / bezeugte Hadoran \ffentlich / wie willig er das reich Elam seinem rechten herrn ůberließe / und an dem K \nigreich Moab ihm wolte genůgen lassen / nun er das glůck erlebet / seinen König wieder lebendig zu sehen: das dan die Lantine mit bekråftigte. Damit traten nun alle K \nige hinzu / den großen Amraphel zu begrůßen: der durch seine gegenwart das gute gerůchte / so man jederzeit von ihme gehabt / ganz nicht verminderte /sondern im augenblick ihm aller anwesenden gute gunst erwurbe. Die sch \ne Indaride wuste bei diesem glůck wechsel nicht / wie ihr geschahe / und bliebe / gleich der Königin Aramena und der Ahalibama / ganz erstorbẽ: also daß ihre freude mehr innerlich war / als daß sie sich recht håtte zu tag legen k \ñen.
Inmittels ginge bei den andern das freud-bezeigen und wilkomm-heißen i er fort: da Daces seinen K \nig nun so glůcklich sehend / sein eigenes anligen darüber vergaße / und von dem K \nig in Syrien tausend entschuldigungẽ bekame / daß er ihm unlångst zu Damasco so unh \flich begegnet hatte / indem er seinen K \nig in verdacht gehalten / als wan er seiner schwester solche verachtung erwiesen håtte. Mitreus / Husan und Arsas / kamẽ damit auch herfür / und nun nicht n \tig achtend / ihre verrichtungen und langes ausenbleiben auf dem gebirge zu erzehlen und zu entschuldigen / legten sie nur / neben allen andren Syrischen Fůrsten / ihre beifreude herfůr / daß es sich so wol gefůgt hatte. Der riese Sesai wolte nun auch nicht långer verziehen / seinen frieden mit allen diesen K \nigen / die er so sehr beleidigt / zu machen / trate deswegen herfůr / stellte sich ihnen ganz unerschrocken dar /und sagte: wiewol er keine reue in sich entfånde / daß er /dem großen Marsius zu liebe / das / so ihnen nun allerseits kündig / gethan hatte / so wolte er doch / aus schuldigster ehrerbietung / vor so vielen K \nigen sich strafbar erkennen / und gutwillig ihrer bestraffung sich unterwerfen; doch båte er allein / daß man der andern riesen / die er mit zu seinẽ grossen anschlage gebrauchet / verschonẽ m \chte. Weil der K \nig Aramenes und die K \nigin von Mesopotamien am meisten von ihme waren beleidigt worden / als stellten alle die andere es denen anheim /was man mit dem Sesai vornemẽ solte: die aber diesen kůnen riesen die ursach ihrer glückseligkeit erneñten /und den bund / so zwischen den Enakim / und den K \nigen von Basan und der Aborigener / wie auch den Armeniern und Fürsten von Seir / geschlossen [869] war / mit annamen / auch alle die andern K \nige mit darzu beredten. Telecles / wie auch die richtere von Amida / und die anderen von den Horiten / warfen sich zu der K \nigin von Mesopotamien fůßen / und baten üm vergebung / wegen dessen / was in dem tempel des Teraphim fůrgegangen: das dan die gůtige K \nigin ihnen gleich verziehe.
Wie der Sesai hierauf erinnerte / und fragte: ob nicht die trauung des großen Marsius und der sch \nen K \nigin Aramena gleich fortgehen solte? lehnete es diese bescheidenlich damit ab / daß sie / als eine rechtglåubige / keinen abg \ttischen priester hierzu brauchen / sondern die ehre haben wolte / daß der K \nig von Salem / gleichwie er die andere K \nigliche trauungen zu Damasco verrichtet /auch sie an den Marsius verbinden solte. Dieser verliebte K \nig dorfte nichtes hiergegen sagen / ob er wol im herzen des Sesai meinung gebilliget / und ein ende seines so langen wartens sehnlich verlangte. Der treue Abdastartus stellte sich auch bei seiner K \nigin und dem Marsius ein und erwiese seine vergnůgung / sie und dem Cimber in solchem zustande zu sehen. Letzlich gingen alle diese verliebte / samt den ůbrigen K \niglichen personen / ům ihrer glůckseligkeit båßer zu genießen / von dem volke /daß sie allenthalben ümzinglet hatte / wieder nach dem lager: da man sich nicht wůrde erinnert haben / malzeit zu halten / weil es schon mehr als hoher mittag war / wan nicht Melchisedech / Eridanus / Amosis und die andere /so hierbei zum ruhigsten von gemůte waren / die verliebten dazu angereget håtten. Wie nun in verschiedenen gezelten alle diese K \nigliche personen gespeiset / versamleten sie sich wieder zu der sch \nen Mesopotamierin: da sie den ganzen nachmittag beieinander blieben / und mit h \chster begierde anh \rten / was so wol der Marsius / als Tuscus Sicanus / von ihren abenteuren fůrbrachten / und die erzehlung Amraphels / wie ihm die Jubalis sein leben errettet; worbei sich Nahor erinnerte / daß er einsmals / in der nacht / zween soldaten hiervon reden geh \ret.
Weil Amraphel / des Fůrsten von Edom und der sch \nen Nefe Zibeons / mit erwehnet / als wurde Esau dadurch bewogen / die Ahalibama / als seine bisher-geglaubte gemalin / also anzureden: Wan bei jetziger vergnůgung einige beschwerung stat fånde / so wolte ich dieselbe auf die bahn bringen / daß man mich also verlåsset / da man doch mit mir vertrauet gewesen. Ahalibama err \tet / gänzlich ůber diesen des Esau fürwurf / und sagte / ihre eltern anschauend: der Fürst von Edom erin nert mich billig meiner gebůr / und straffet mich / daß ich ihnen noch nicht den betrug abgebeten / den ich gegen ihnen durch diese schein-heurat gespielet. Ich bin [870] aber ihnen und nicht dem Edom / in die straffe gefallen: maßen der Fůrst Esau mich eher / als ich ihn / verlassen /in dem er / die Nefe Zibeons / an stat meiner / zu lieben erkieset. Die ganze gesellschaft bezeugte hierauf ihre begierde / von dieser neuen liebe des großen Edoms etwas ausfůrlichers zu wissen: der sie dan von stund an vergnůgte / und ihnen alles erzehlte / was sich zwischen der sch \nen Nefe Zibeons und ihnen zu getragen / und wie er auf dem gebirge / bei Zibeon und den andern anverwandten dieser sch \nen / ihre gegenliebe erlangt håtte.
Es kame nun an den Tiribaces die reihe / die ursach seiner abreise aus Edessa / und seines bisherigen ausenbleibens / zu erzehlen: dessen er sich dan auch nicht weigerte / und es folgender gestalt verrichtete. Ich laugne nicht / (sagte er) daß mich die eifersucht aus Edessa getrieben / die mich auch noch bis heut beunruhiget. Wie ich nun damals nach des Teraphim tempel mich begabe /und den ausspruch alda fragte / ob meine einbildung recht gegrůndet wäre oder nicht? entfinge ich von dem Teraphim eine solche antwort:
Wolt ich die schon unschůldig hier ernennen /
Die deinen eifer-geist und liebesglut entzůndt.
ich zweifle doch / ob man mir glauben kůnt.
Dein misvertrauen du wol gibest zu erkennen.
Doch solst du bald auf Taurus seinen auen /
wan sich dir läst daselbst ein neuer eifrer schauen /
von deiner qual befreiet seyn.
drum laß nicht diß gebirg / bis dir dein glůck erschein.
Mehr vergnůgt / als übel zu frieden / bliebe ich über dieser antwort des gottes. Nachdem ich nun meine bei mir habende schäfere nach Amida abgefärtigt / gehorchte ich des Teraphim befehl / und reisete sofort in hiesiges gebirge: da mich das glück zu dem K \nig Amraphel / meinem bruder / fürete / der / neben denen Fůrsten von Seir und der schönen Nefe Zibeons / bei den riesen vom hause Thalmai / im Taurischen gebirge sich befande. Weil ich meinen namen nicht verbarge / als ward ich von ihm eher / dan er von mir / erkennet / und lebte ich so lang / ihn für den Megadostes haltend / in seiner angenemen gesellschaft / bis der Fůrst von Edom dazu kame / und / sich für die Nefe Zibeons erklårend / seine andere schein-heurat mit der hiesigen Ahalibama er \ffnete: das dan meinen bruder veranlaste / daß er sich auch fůr den Amraphel zu erkennen gabe / und sofort / durch seinem großen fůrspruch / die vom hause Seir des Edoms neue liebe billigen machte / die ihn auch / an stat ihn zu bekriegen / in den bund der riesen mit einnamen.
Weil sie den K \nig von Armenien auch mit herbei zu ziehen sucheten / als musten Amraphel und ich gedult fassen / noch etwas [871] an den gränzen des gebirges Ararat zu bleiben / ob schon unser beider verlangen nach der Indaride und Orosmada unvergleichlich war. Nachdem sie endlich auch mit dem Thogarma zum schluß gekommen / machten wir uns mit ihm auf die reise / und erfuhren unterwegs alles das / was wir heut mit unsern augen so ůberglůcklich geendet sehen. Meine eifersucht stillte sich aber inzwischen nicht / ob sie gleich war geringer worden: bis mich heut / in diesen glůcklichen auen / ungefår mein geschicke nahe zu dem Prinzen Adonisedech fürete: der / inzwischen alle die andere in so großer vergnůgung schwebten / sich ganz betrůbt an einen baum gelehnet hatte / und mit einem seiner bedienten sich besprache. Ich bildete mir so fort ein / Orosmada wůrde der inhalt ihrer unterredung seyn. Wie ich demnach hinzugeschlichen /horchte ich / was mein glůcklicher mitbuler fůrbringen m \chte / und vername / daß er selbst über seine gemalin eifersůchtig worden war: da er dan die qual / die er darob entfande / und die håftige liebe / mit deren er die Jaelinde dabei verehrte / so beweglich an den tag gabe / daß ich in dem augenblick von meiner eifersucht mich ledig sahe /und / nach des Teraphim ausspruch / gånzlich davon befreiet worden.
Wie / mein Prinz! (redte hierauf die Jaelinde zu ihrem gemal) kan es wol müglich seyn / daß ich ursach zu solcher eifersucht gegeben habe? Wer håtte gedenken k \nnen / (antwortete der beschåmte Adonisedech) daß der K \nig von Tyro dieses vernemen sollen / was ich vor aller welt / ja fast selbst vor meinem eigenen herzen / gedachte verborgen zu halten? Doch hat es vieleicht darüm der himmel also geschicket / damit ich / gleich diesem K \nig / von so törichter wirkung meiner häftigen liebe befreiet wůrde. Ihr wisset / liebste Jaelinde! daß mir unverborgen / wohin vordem eure neigung gegangen / ehe ihr mich geliebet. Weil nun ... Haltet ein! (fiele ihm Jaelinde in das wort) mich in so großer gesellschaft zu beschåmen. Ich kan euch aber nun / mit dem h \chsten Gott / versichern / daß ich von allen alten regungen frei bin /und auser meinem Adonisedech von keiner liebe weiß. Der verliebte Prinz von Salem / war mit dieser erklårung seiner gemalin mehr dan wol zu frieden: da die meisten in dieser großen gesellschaft / auser den K \niginnen von Mesopotamien / Syrien / Salem und Ninive / und dem großen Marsius / keine rechte kentnis hiervon hatten /auch sich nicht hiernach zu erkundigen begehrten / weil sie sonst genug zu bewundern hatten.
Es waren nun Baalis / Daces und Nahor noch ůbrig /von denen man zu wissen verlangte / wo sie so lang sich aufgehalten håtten. Sie unterließen nicht / zu vergnůgung der gesellschaft / ihre wunderbare [872] liebe zu erzehlen: da dem guten Suevus das herz gerůret wurde / als er vername / daß sich eine person fände / die seiner tochter / der Prinzessin Ammonide / so ånlich wåre. Er erwiese demnach nicht weniger verlangen / als Daces und Nahor /nach der verlorntn Aprite: welches dem Bethuel und den dreien Prinzessinnen von Ausitis / aus betaurung / anlaß gabe / zu er \ffnen / wie die beide schäferinnen Baalise und Aprite in ihrem gezelt verborgen sich aufhielten. Das vergnůgen dieser drei verliebten / gabe sich hierauf so sehr zu tage / daß sie nicht warten kunten / bis man diese schåferinnen herzu holete / sondern selbst neben dem Bethuel dahin eileten / und mit ihrer ankunft diese beide sch \nen eben so bestůrzt machten / als wie auch sie /über dieser wiederfindung / aus sich selbst verblieben. Baalise / die ihrem Prinzen nicht abhold ware / kunte nicht so wol ihre zufriedenheit / als Aprite ihr misvergnůgen / verbergen / und dem Baalis gutwillig die hand bietend / verursachte sie damit / daß Aprite wider willens folgen / und sich von dem Daces und Nahor zu der k \niglichen gesellschaft muste begleiten lassen. Suevus hatte kaum diese schåferin erblicket / da truge ihm das herze zu / was seine augen beståtigten / daß er seine tochter sähe. Demnach eilte er ihr mit ausgespannten armen entgegen /sie zu ůmfangen.
Aprite / die warhaftig die Amorite ware / kunte gegen ihrem vatter sich nicht so wol verstellen / als wie sie gegen andren gethan hatte / sondern ließe sich durch ihre kindliche regung ůberwinden / und bekennte / daß sie des Prinzen Suevus tochter wåre. Ihre traur- und ihres vatters freuden-trånen / bewegten hierauf die ganze gesellschaft: da fürnemlich / der König von Basan die K \niginnnen von Elassar und Ninive / die Prinzessinnen Ahalibama und Coricide / dieser glůcklichen wiederfindung / sich mit teilhaftig machten. Amorite erzehlte ihnen kůrzlich /welcher gestalt sie etliche gutherzige hirten / als die rauber sie überfallen / von denselben erl \set und in Mesopotamien gebracht håtten. Die erkennug der Baalise folgte nun von selbst hieraus / die auch nicht länger zu laugnen begehrte / daß sie die Prinzessin Ardelise von Hemath wåre. Der Prinz Baalis / so wol als Daces und Nahor / gerieten ganz aus sich selber / als sie aus ihren hirtinnen dergestalt sahen Prinzessinnen werden / und dieselben nun so unverhofft wiederfanden / die sie so viel wochen vergeblich in dem gebirge gesuchet hatten. Dan der Nahor / in der einbildung / daß diese beide bei dem Baalis und Daces wåren / hatte ihnen ståts gefolget: hergegen waren diese beide Prinzen / weil sie vermutet / daß Nahor ihre beide geliebten heimlich zur Prinzessin Poliphide[873] würde gebracht haben / ståts auf dem gebirge geblieben. Die sch \ne K \nigin von Mesopotamien machte den anfang / diese zwei Prinzessinnen zu begrüßrn / deren dan die andere alle nachfolgten. Wie sie nun sämtlich ihre freude erwiesen / daß der himmel / an diesen großen wundertag / so viel tod-geglaubte lebendig gemacht hatte / sahe die betrůbte Amorite gen himmel / und seufzete tief / zu verstehen gebend / daß fůr sie allein kein todter auferstehen wolte.
Es solte aber dieser glückstag / gleich wie er sich mit vielen wundern angefangen / sich auch also enden: darům muste / eben um die königliche personen dergestalt üm die wiedergefundene Amorite und Ardelise stunden / des Elihu herrvatter / der K \nig Baracheel / mit dem Prinzen Jonadas / von Samosata her / alda sich einfinden. Sie fůreten zwischen sich einen schönen jůngling / den sie dem K \nige Marsius von Basan ůberlieferten: Großer K \nig! (sagte Baracheel) an diesem glůcklichen tage / da mich der himmel diese längst gewünschte vereinigung der Celten und Syrer mit ansehen låsset / g \nnet mir / für allen anderen / mein gutes geschicke diese ehre /daß ich der erste bin / der den dapfren Marsius zu dem großen Celten-reiche glůckwůnschen kan. Der Boius ist gestorben / und gegenwärtiger K \nig der Celtiberer bringet diese zeitung / neben dem unbeschreiblichen verlangen / das die Celten nach ihrem neuen K \nig tragen. Es ist also / wie der K \nig von Hemath saget / (finge hierauf der jüngling / den der Baracheel den Celtiberer König hatte genennet / mit sonderbarer annemlichkeit an zu reden) und haben mich die Druiden / wie auch alles volk / abgeschicket / dem großen Monarchen der Celten dieses kund zu thun / wiedaß sie nunmehr den anfang ihrer glůckseeligkeit erlebet / und bald aus ihrer hoffnung in deren v \lligen genuß / durch ihres K \nigs gegenwart /gesetzet zu werden verlangen. Es ist wol für ein gutes zeichen zu achten / daß wir eben heute solchen bericht abstatten můssen / da der Himmel die getreue liebe des Marsius so wol belonet / und dem Celten land eine so unvergleichliche K \nigin hat geben wollen / die nichts als glůck und segen unsrem reiche wird mitbringen und zuwenden können.
Mitlerweile dieser fr \mde also redte / verwunderte sich Marsius nicht so sehr ůber dessen bericht / als ůber seine person: indem er nicht allein / den Sicorus tod wissend /nicht ersinnen kunte / wer nun dieser König in Celtiberien seyn můste / sondern auch dieses jůnglings gesichte ehmals vermeinte gesehen zu haben / ohne daß er sich dessen eigentlich zu besinnen wuste. Er dankete / ihm und den Baracheel / mit gar h \flichen worten / fůr ihren gethanen glůckwunsch zu der Celtischen Monarchei /und [874] wolte eben sich genauer nach diesem neuen Celtiberer-K \nig erkundigen / als der / die Amorite erblickend /die auf ihn keine acht gegeben / sondern mit der Coricide geredet / eiligst zu ihr hinliefe / und sie ůmarmete. Es war / das entsetzen der K \nigin von Mesopotamien / wie sie ihren Cimber fůr den Marsius erkant / auch die erstaunung der Ahalibama und Indaride / als die ihre tod geglaubte liebhabere lebend erblicket / und des Suevus freude ůber seine wieder gefundene tochter / kaum so håftig gewesen / als diese der Amorite gemůtsbewegung ware /da sich ihr die warhafte gestalt des Apries zeigte: den sie nimmermehr lebendig glauben k \nnen / weil sie sein abgeschlagenes haubt so gewiß vermeinte in hånden gehabt zu haben. Sie erstarrte demnach / ein so liebes bild vor ihr sehend / und funde darinn ergetzlichkeit / was ihr zugleich ein schauern verursachte.
Edler geist! (sagte sie mit schwacher stimme) wilst du mich nun auch erqwicken / da heut so viele sind erfreuet worden? Nicht nur mein geist / (antwortete ihr dieser jůngling) sondern auch mein lebendiger leib / zeiget sich euch / liebste Prinzessin! und hat mich der gütige himmel darzu aufbewahret / daß ich diesen tag mit seinen wundern noch edler machen k \nte. So lebet mein Apries? rieffe Amorite / und wurde darauf ganz unentfindlich /indem sich das entsetzen mit der freude vereinigte. Inzwischen nun ihr die andern / üm sie wieder aufzumuntern /zu hůlfe kamen / fiele die Ardelise ihren bruder ům den hals / und glaubte sofort sein leben / weil bereits selbigen tag dergleichen wunderwerk sich begeben hatten. Jederman / auser den armseligen Daces und verlassenen Nahor / entfande hierůber eine herzliche freude / und indeme man nun / mit großer belustigung / der Amorite / Ardelise und dem Apries zusahe / stellte sich das verlangen ein /auch diese lebens-fristung / wie des Tuscus Sicanus und Amrapheel ihre / zu erfahren. Da dan der Prinz Jonadas /die gesellschaft zu vergnügen / das wort name / und ihnen folgendes erzehlte.
Es wird alhier keinem unbekant seyn können / was zu Hemath / nunmehr weit ůber das jahr / sich zugetragen /und wie mein verhångnis gewolt / daß ich das grausame richter-amt bei dieser denkwůrdigen handlung / die alle welt hat reden gemacht / verlieren můßen. Die erhaltung des Prinzen Apries lage mir hiebei so sehr im sinn / als sehr ich mir äuserlich angelegen seyn ließe / dieses strenge urteil volziehen zu lassen. Ich ersonne demnach das mittel / und verbarge einen unechten sohn meines K \nigs / der dem Prinzen Apries ziemlich gliche / heimlich unter die růstbůne: der dan / durch sonderbare geschwindigkeit des nachrichters / [875] als es zeit war / herfůr gezogen / und dagegen der gebundene Prinz hinunter gelassen wurde. Dieser armseelige verlore also sein leben / und ließe ich den Apries hinweg bringen: den ich einem Celtiberer / so mit dem König Sicorus war heraus gekommen / anvertraute / mit dem ernstlichen verlaß / ihn ungeseumt nach Celten mit zu nemen / damit in diesen landen niemand etwas von ihm erfüre. Das glück / so des dapfren Apries heldenmut begleitet / ist ihme folgends so gůnstig gewesen / daß er in den Celtiberischen kriegen sich wol gehalten / und darinn von dem volk / wie sie des Sicorus tod vernommen / zu ihren König gemacht worden. Die ihm die Celten nach des Bojus tode antrugen: Er ůbername hierauf willigst diese reise / da das stätige verlangen nach seiner Amorite ihn mit hieher triebe.
Er kame / ungefär vor etlichen wochen / glůcklich in Hemath an: da ihn die große veränderung nichts befrömdete / und nennte er die schickung des himmels ganz gerecht / der dem Baracheel / als rechten erben / die kron von Hemath wieder zugewendet hätte. Weil wir die königliche personen in Samosata besuchen wolten / und der Apries nach dem Taurischen gebirge sich zu wenden gedachte / reiseten wir mit einander in die landschaft Amida: da wir im schloßgarten zu Samosata zwei schäferinnen erblicketen / welche völlig der Prinzessinnen Ardelise und Amorite glichen. Wir konten sie aber nicht einholen / weil sie / uns ersehend / zu schnell davon wischeten. In der nachfrage erfuhren wir / daß sie wären nach Hemath / durch Syrien / fort gereiset: deshalben der verliebte Apries / mit mir / ihnen nachfolgete. Wir verrichteten aber solche nachsuchung vergebens / weil sie nicht dahin / sondern hieher / sich gewendet hatten: welches der K \nig Baracheel / der zu Samosata bliebe / nachgehends erfuhre / und uns zu entbieten ließe. Demnach haben wir uns auch hieher gewendet / und es nun alhier also gefunden / wie es am tage ist. Der himmel sei ewig gepreiset / der alle diese glückliche änderungen hat an diesem tage geschehen lassen.
Wie Jonadas hiemit seine zuh \rer vergnůgt hatte / und selbige nun / ůber so vielen auf einmal erschienenen begebenheiten / sich unter einander ergezten / sahe er sich ům nach seiner Dersine die er unter den großen haufen anfänglich nicht finden k \nnen / endlich aber zu ihr kame / und seiner beständigen liebe sich versicherte /auch dergleichen von ihr hinwieder hörete: da dan / dieser beiden vergnügung / die allgemeine freude vermehrte. Aber der Daces und Nahor / fanden allein keinen trost /auser diesem / daß sie der Amorite liebe ganz billig / und sich beiderseits gleich unglůckselig erkanten. / und daher über nichtes sich beschweren [876] kunten. Weswegen sie sich auch beseits begaben / ům ihr seufzen nicht unter der andern ihr frolocken zu vermengen. Der Prinz Suevus / der auf einmal soviel gutes erlebet / indem er seinen K \nig das reich der Celten erben und in seiner liebe vergnůgt sahe / auch seine verlorne tochter wieder bekommen hatte / erfure zugleich / von der Prinzessine Rahabine /den tod der Jerode / seiner gemalin: worüber er dannoch sein mitleiden an den tag gabe / ob er schon große ursach hatte / dem himmel fůr solche erlösung zu danken. Weil Rahabine / in erzehlung des kläglichen endes der Jerode /ihrer schwester auch erwehnen muste / als wurde dadurch kund / daß dieselbe / neben dem König von Jarmuth / bei dem Babylonischen hoflager gefangen fasse: daher Tiribaces / neben der Rahabine / den Baleus üm deren freiheit baten / welcher gleich befahle / daß sie solten auf freien fus gestellet werdẽ.
Wie nun / unter allen diesen begebenheiten / die nacht endlich einbrechen wolte / schiede diese große gesellschaft von einander: wiewol sie solches nicht üm schlaffens willen thåten / sondern die meisten zu diese verliebten sich verteilten / bei denen sie wolstands halber ver blieben; weil die verliebte Könige unmůglich sich beqwemen konte / ihre sch \ne so bald zu verlassen / ehe sie noch ferner von ihrer glückseeligkeit sich mit einander beredet hätten. Demnach verharreten / bei dem Marsius und seiner Aramena / der König und die Königin von Syrien; bei dem Tuscus Sicanus und seiner Ahalibama / der Dison und dessen gemalin; bei dem Amraphel und seiner Indaride / der Hadoran und die Lantine; bei dem Apries und der Amorite / der Ephron und seine Coricide; bei dem Sinear und der Jemima / die Tharasile und der alte Hus; bei dem Baalis und der Ardelise / der Adonisedech und die Jaelinde; bei dem König von Jericho (der nun an seinen wunden wieder genesen war) und der Rahabine /der Hemor und die Milcaride: und bei dem Jonadas und Dersine / der Arsas und Casbiane. Aller dieser ihre vergnůgung ginge erst recht an / wie sie ihren verånderten stand ruhiger überdenken konten. Marsius fragte wol tausendmal seine Aramena / ob es auch müglich wäre / daß sie ihn liebte? dagegen sie ihme / wiewol mit großer holdseligkeit / fůrhielte / daß er nicht also seinen namen verschweigen sollen / daraus alles ungemach / so er ausgestanden / seinen ursprung gewonnen hätte. Tuscus Sicanus und Amraphel / musten ihre liebste Prinzessinnen mehr dan tausendmal versichern / daß ste noch lebten: dergleichen bekräftigung auch die Amorite von ihrem Apries forderte. Sinear / Baalis / Jebus und Jonadas / sagten ihren geliebten auch alles das jenige für / was sich auf ihren zustand schickte.
[878] Die sonne war begierig / diese verliebte bald wieder zu sehen: daher sie eher den erdboden wieder beschiene / als dieser ihre unterredung sich endete. Sie hätten auch darinn wol gar kein ende finden k \nnen / wan nicht endlich der wolstand erfodert håtte / von einander zu gehen / üm der nötigen ruhe zu genießen / deren sie alle wol bedurften / weil sie so viele nächte sonder schlaff zugebracht hatten. Womit sie nun wachend ůmgingen / das kam ihnen auch im traume vor / und spüreten sie nun warhaftig / daß der himmel ermüdet / sie ferner zu verfolgen /und daß sie befugt wären / sich fůr die allerseeligsten der welt zu achten. Neben dem König von Jarmuth und seiner Zoroastra / die auf Bactra ihre ansprüche fahren ließen / fanden sich auch Elhanan / der in Syrien gewesen /ingleichen der Chersis / so bisher an seinen wunden darnieder gelegen / und alle Celten / Aborigener und kinder Enaks / im lager / ihre mit-freude zu bezeugen. Also ware nun iederman vergnügt / auser dem Daces und Nahor: die / auf erlangte erlaubnis / mit einander für aus nach Celten gehen wolten / ům alda / in entfernter abwesenheit / ihres leides zuvergessen / und zur kůnftigen regirung des großen Marsius alles in gute ordnung zu stellen. Amorite ließe gegen ihnen beiderseits ihre sonderbare hochachtung blicken / als sie kamen / von ihr abschied zu nemen.
Die ganze königliche gesellschaft / reisete nun wieder zurücke nach Samosata: da sie den die Königin von Tyro / wie auch den König der Philister mit seiner Ammonide /fůrfunden / deren die erste über Amraphels leben / und die andere ůber ihrer liebsten freunde glückseeligkeit /dem himmel nicht gnugsam danken kunten. Der Beri hatte auch wollen von Kiriath Arba kommen / ware aber jählichen todes gestorben: das zwar den Ephron / als einen tugendhaften sohn / betrůbte / aber nicht abhielte /den ergezlichkeiten der andren beizuwonen. Das königliche beilager des großen Marsius / nunmehr Königs der Celten / und der unvergleichlichen Königin Aramena /wurde hierauf mit allem ersinnlichen pracht angestellet und in Samosata gehalten: da der König von Salem dieses unvergleichliche par zusammen trauete / welches der nachwelt / zu einem wahren muster treuer und keuscher liebe / dienen kan. Nie ware Aramena schöner erschienen / als an diesem ihrem ehrentage. Man hatte / in einem großen dazu bereiteten saal / einen herrlichen thron fůr sie und ihren König aufgerichtet / welchen alle anwesende Könige und Königinnen auf ihren thronen ümgaben: und wurde iederman eingelassen / ům diesen ausbund der herrlichkeit der ganzẽ welt mit anzuschauen.
Der Tuscus Sicanus / als nunmehr König zu Basan /wurde den andren tag mit seiner Ahalibama auf gleiche weise getrauet / [879] und die folgende tage der Amraphel /K \nig von Elam / mit der Prinzessin Indaride; der Apries / König in Celtiberien / mit der Amorite; der Ariates /König zu Hazor / mit der Mehetabeel: der Nebajoth /König in Meden / mit der Hermione; der Esau / Fürst von Seir / mit der Ahalibama / der Nefe Zibeons; der Jebus /König von Jericho / mit der Rahabine; der Baalis / Prinz von Ammon / mit der Ardelise; der Sinear / Prinz von Chaldea / mit der Jemima; der Abinab / König von Jarmuth / mit der Zoroastra; der Elihu / Erbprinz von Hemath / mit der Kezia; der Bethuel / ernanter König von Zoba / (weil selbiger tyran gestorben / mit der Kerenhapuch; der Tharsis / Fůrst von Sepharvaim / mit der Eldane; der Elhanan / Fůrst von Hus / mit der Zelinte; der Jonadas / Fůrst von Hemath / mit der Dersine; und der Chersis / mit seiner Amphilite. Also verflossen diese siebenzehen tage / in h \chst-feyerlicher frölichkeit / und wie solche vorbei waren / verteilten sich die k \nigliche perso nen / unter die angeneme schåfer-gesellschaft / die sich von der schar der priesterinnen des Teraphim vermehret sahen. Der Sesai / neben den Enakim und allen Horiten /wurden durchgehends frei erkant: die dan sofort ihren weg nach Kitim vor sich namen / den Camboblascon in der Vesuvischen landschaft zu bekriegen.
Sie blieben also den ganzen sommer noch bei einander: da dann endlich / gegen den herbst / an die růkkehr gedacht wurde. Es ginge ihnen allen das scheiden gar sauer ein / weil sie also zusammen gewonet hatten / daß / wan es nicht ihrer reiche und lande bästes erfordert håtte / sie sich nimmermehr wůrden getrennet haben. Baleus /Dison / Amraphel / Nebajoth / Armizar / Ana / Sinear und Tharsis gingen / mit ihren gemalinnen / auch mit der Briane und Zimene / die die jůngere Aramena zu hof-jungfrauen anname / morgen-warts in ihre Königreiche und lande. Amosis / Eridanus / Mardocentes / Hanoch und Jethur / mit ihren Königinnen / gegen mittag; Thogarma / Ahusath / Hadoran und Bethuel / gegen mitternacht; und Tuscus Sicanus / Hiarbas / Abimelech / Melchisedech / Tiribaces / Ephron / Baracheel / Baalis / Esau / Eliphas / Jebus / Abinab / Hemor / Ariates / Adonisedech / Jonadas und etliche der Fůrsten von Seir / mit ihren angetrauten / gegen abend: also daß / bei dem Marsius und der Aramena / endlich niemand mehr / als Aramenes und Cölidiane / Apries und Amorite / Elihu und Kezia /und die Syrische Fůrsten / verblieben.
Die K \nigin von Mesopotamien gebare / ehe sie von ihren lieben schäfern in das entfernte Celten abreisete /eine Prinzessin / als / vier monat vorher die K \nigin C \lidiane mit einem Prinzen ware nieder gekommen: die sie dan der erziehung ihres liebsten [880] bruders hinterließe / und solte dieselbe dermaleins an ihrer stat K \nigin in Mesopotamien werden / und diesen jungen Prinzen heuraten: welches den betrůbten schåfern und schåferinnen noch etwas zum trost gereichete. Diese bekamen den Elihu zum stathalter des reichs / und musten endlich ihre sonne abgehen sehen: die sich / mit ihrem liebsten Marsius /abend warts wandte / und Asien verließe / ům den glůckseeligen Celten ihr edles licht forthin mitzuteilen. Der K \nig von Celtiberien / neben seiner Amorite / begleitete sie dahin / samt allen Celten / und schluge Marsius sein hoflager zu Trier an: da sie viel jahre / in vergnůgtem wolstande / diese große lånder regirten / ihren unterthanen l \blich und wol fůrstunden / und bei ihnen den wahren Gottesdienst einfůreten.
Damit aber die seltene wunder-begebnise / die ihnen und ihren anverwandten begegnet / der nachwelt kund bleiben m \chten / als muste Bardo / einer von den gelehrten Celten / diese geschicht in ein buch auf bleiernen tafeln zusammen tragen. Dieses buch hat / etliche tausend jahre / bis auf unsere zeiten / verborgen gelegen: da es unlångst in Niedersachsen / unferne von der Asseburg /in einem alten gemåuer gefunden / und / auf begehren fünf fůrnemer Damen / in unsere hochteutsche spräche ist übersezt worden. Die mitlere von diesen / welche hierbei die gröste bef \rdererin gewesen / hat das ende dieses werkes nicht ableben můssen: wird sich aber wol über solchem verlust tr \sten / da sie nun / fůr diese gedichte /alle warhafte geschichten volkomlich erkennen kan. Man håtte / sonder anregung ob-erwehnter Damen / es schwerlich dem druck ůbergeben: weil zu besorgen / es d \rften / wie bereits geschehen / einige darüber kommen / die ein årgernis davon nemen / daß man Biblische ge schichten mit eingefůret hat / und es / zum spott / eine Satyrische beschreibung der H. Schrift / oder ein Liebes-buch der Patriarchen / nennen m \chten. Weil aber den reinen alles rein ist / auch Josephus und andere geschichtschreiber / die geist- und weltliche dinge unter einander mengen d \rfen: als hat alles befahrende ůbel-urteilen nicht hintern k \nnen / daß dem befehl der fůnf Freundinen / denen dieses werk zugeschrieben / nicht wåre gehorsamlich nachgelebet worden.
ENDE.