Die Schlacht beim schönen Bunde

[171] 1815.


Auf Viktoria! Auf Viktoria!

Welch ein Klang aus Niederland!

Über Strom und Berg geklungen,

Tausendstimmig nachgesungen

Rollet er die Welt entlang.


Alter Blücher! Alter Blücher!

Jüngling mit dem weißen Haar!

Der wie Mars zu Rosse sitzet,

Der wie Gottes Wetter blitzet,

Machst den Schwur du wieder wahr?


Jenen Schwur, den du geschworen

Einst an Gott und Vaterland,

Deinen Degen zu zerbrechen

Oder Deutschlands Schmach zu rächen

An dem welschen Bubentand?
[171]

Alter Blücher! Alter Blücher!

Mahnst du das Banditenheer

An der Katzbach nasse Tiefen

Und an Leipzig, wo sie liefen?

An Brienne, Laon, La Fère?


Auf Viktoria! Auf Viktoria!

Dreimal hoch Viktoria!

Wer in Spanien ist gewesen,

Kennt den Namen auserlesen,

Kennt das Feld Vittoria.


Talavera, Salamanka

Und Vittoria dreimal hoch!

Auch ein Klang klingt von Tolose,

Und dir bebt das Herz, Franzose –

Wellington, der lebet noch.


Auf Viktoria! Auf Viktoria!

Blücher, Wellington und Gott,

Diese drei sind fest verbunden,

Und der Feind ist hingeschwunden,

Und sein Dräun ist Kinderspott.


Bei La belle Alliance –

Heißt auf Deutsch der Schöne Bund –

Hielt der große Himmelsrichter

Das Gericht der Bösewichter,

Ihres Trotzes letzte Stund'.


Auch Viktoria, auch Viktoria

Euch, ihr Tapfre, die ihr ruht!

Die kein Schlachtruf mehr erwecket,

Die des Todes Nacht bedecket,

Freiheit blüht aus eurem Blut.


Nun nach Frankreich! Nun nach Frankreich!

Klinget dort Viktoria!

Daß die Büberei sich schäme,

Daß die Eitelkeit sich gräme,

Klinget hell Viktoria!


Nun nach Frankreich! Nun nach Frankreich!

Gießt den Strom der Männer aus!

Laßt sie sehen, laßt sie fühlen,

Was es heißt, mit Eiden spielen;

Kehrt die Brut der Hölle aus!
[172]

Nun nach Frankreich! Nun nach Frankreich!

Ins Franzosenparadies!

Straft das Land der bösen Heiden,

Das uns zwanzig Jahr' an Freuden,

Zehn an Freiheit darben ließ.


Nun nach Frankreich! Nun nach Frankreich!

Holt gestohlnes Gut zurück!

Unsre Festen, unsre Grenzen,

Unsern Teil an Siegeskränzen,

Ehr' und Freude holt zurück!


Auf Viktoria! Auf Viktoria!

Welch ein Klang aus Niederland!

Hände, Herzen auf nach oben,

Gott zu danken, Gott zu loben!

Gott hat Glück und Sieg gesandt.

Quelle:
Ernst Moritz Arndt: Werke. Teil 1: Gedichte, Berlin u.a. 1912, S. 171-173.
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