Ermunterung

[232] 1840.


Was willst du dich betrüben?

Der alte Gott lebt noch,

Nicht hüben und nicht drüben,

Nicht ferne und nicht hoch:

Sein Sein ist allenthalben,

Sein Lieben klingt durchs All

In höchster Engel Psalmen,

In kleinster Vöglein Schall.


Er weiß um deine Schmerzen,

Er weiß um deine Lust,

Und willst du ihn von Herzen,

Gleich hat ihn deine Brust,

Gleich fällt wie Frühlingsregen

Bei warmem Sonnenschein

Sein süßer Gnadensegen

Dir voll ins Herz hinein.


Auf! Wirf dein schlechtes Grämen,

Dein eitles Sorgen weg!

Verscheuche alle Schemen,

Die irren deinen Weg!

Du sollst im Lichte schreiten,

Und der dich frei gemacht,

Das große Licht der Zeiten,

Schloß ewig deine Nacht.
[232]

Mag alles sinken, wanken,

Dies eine bleibet fest,

Gedanke der Gedanken,

Der nimmer sinken läßt:

Das große Licht der Zeiten,

Dein Heiland Jesus Christ,

Wird Strahlen um dich spreiten,

Wo alles finster ist.


Dies wage fest zu fassen,

Dies halte treu und fest,

Den schwöre nie zu lassen,

Der nimmer dich verläßt:

Der dich mit seinem Blute

Erlöst aus Nacht und Wahn,

Will, daß mit hellem Mute

Du wandelst deine Bahn.

Quelle:
Ernst Moritz Arndt: Werke. Teil 1: Gedichte, Berlin u.a. 1912, S. 232-233.
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