Dreizehnter Auftritt.

[131] Straße vor Celindens Hause. Viren kommt mit einer Schaar Hallorenweiber, die den Rumpeltopf brummen lassen.


VIREN. Ich muß verflucht aussehn in meinem Hochzeitstaat, ganz wie ein Satanas mit meinen Hexenweibern im Blocksberg Tanz. Wie mir die beiden entschwanden im geheimnißvollen Zimmer, das ruhig ihre Zärtlichkeit umschließt, da ward es sehnlich mir im Herzen, ich mußte noch Celinden sehn, sie aber wies mich gröblich von der Thüre, der Schimpf soll noch gerächet sein. – Nun seid ihr alle wohlgestimmt mit euren Rumpeltöpfen? Er singt.

Die am hellen Fenster

Meine Stimme hört,

Wird davon bethört,

Die ans helle Feinster

Hauchet, bis es blind,

Die ist heiß gesinnt.

Die gelehnt ans Fenster

Hauchet in die Hand,

Thränen hat gesand;

Ja ich bin gerühret,

Öffne dir mein Herz,

Ja ich bin verführet,

Alles war nur Scherz.

CELINDE öffnet das Fenster.

Der in dunkler Gasse

Mit dem Winde streicht

Wäre gern ohrfeigt,

Der in dunkler Gasse[132]

Viel von mir erzählt,

Hat mich lang gequält.

Der in dunkler Gasse

Falsche Töne singt,

Schlechte Musik bringt.

Ich laß Narren reden,

Keiner glaubt dem Thor,

Eines Narren Rede

Schläft in klugem Ohr.

VIREN.

Die am hellen Fenster

Necket, was sie liebt,

Hat mich nicht betrübt.

Denn viel hellre Fenster

Bei der Nachbarin,

Strahlen zu mir hin.

Alter Lieb Gespenster

Wollten mich hier necken

Müssen sich verstecken!

Aus Celindens Reden,

Spricht nur Eifersucht,

Mit ganz andern Reden

Hat sie mich versucht.

HALLORENWEIBER. Herrchen, wenn nur die Räthin nicht dazu kommt, das ist euch eine schlimme Frau, sie hält gar viel auf ihre Tochter.

VIREN. Das muß sie wohl, es wird einmal ihr Ebenbild, ein saub'res Paar, die Mutter und die Tochter, schont nur den Rumpeltopf nicht, er stimmt so recht mit dieser Jungfrau Worten.

CELINDE am Fenster.

In der dunklen Gasse,

Meinet jeder Thor,[133]

Daß für ihn mein Ohr;

Dir in dunkler Gasse

Geb ich schlechtes Lob,

Denn du wurdest groß.

Aus der dunklen Gasse

Komm und werde froh,

Meint es gar nicht so.

Ja ich bin verführet,

Öffne dir mein Herz,

Ja ich bin gerühret,

Alles war nur Scherz.

HALLORENWEIBER. Herrchen geht nicht zu nah, es möcht euch was übles begegnen.

VIREN. Was wollt ihr denn, jetzt kenne ich das list'ge Mädchen ganz, das spröde Wesen war nur listige Verstellung, sie hat mich prüfen wollen.

Die am hellen Fenster

Horcht den Schritten mein.

Läßt mich gern hinein.

Sieh ans helle Fenster

Heb ich mich empor –


Steigt ans Fenster, das sie zuschlägt.


Und sie schließts zuvor! –

Dieses helle Fenster

Schmeiß ich dafür ein

Mit dem ersten Stein,


Er wirft das Fenster ein.


Ihr geschminkten Wangen

Lügt mir nichts mehr vor,

Lieb ist mir vergangen,

Bin kein solcher Thor.


Die Magd hetzt den Hund heraus, der sich mit ihnen herum zerrt, den Viren in die Beine beißt und dann von den Weibern gefangen wird.[134]


HALLORENWEIBER.

Seht die dicke Magd,

Mit dem Schlüsselbund,

Ihren alten Hund

Auf uns alle jagt.

VIREN.

Ach in Schuh und Strümpfen,

Ists ein böser Feind,

Der uns da erscheint,

Was hilft nun das Schimpfen;

Ach wo sind die Waden,

Wo die Polizei?

Steht mir keiner bei,

Sicher wirds mir schaden.

HALLORENWEIBER.

Seht, er ist gefangen,

Hier in meinem Rocke,

Schlagt ihn mit dem Stocke

Ohne alles Bangen.

VIREN.

Seht nun, ohne Gnade

Mit dem eignen Degen

Will ich ihn erlegen.

HALLORENWEIBER.

Ach dies ist recht schade,

Ach wie er jetzt schreiet,

Daß es euch nicht reuet!

CELINDE am Fenster.

Hülfe, Hülfe meinem Hunde,

Helfet, helfet Nachbarsleute,

Wird mein Hund des Todes Beute,

Weine ich mich todt zur Stunde.

DIE DICKE MAGD.

Wasser wehr dich, ich schrei Zeter,

Feuer, Feuer will ich schreien

Über das verfluchte Freien,

Heda Amme, langer Peter!


Quelle:
Achim von Arnim: Sämmtliche Werke. Band 16, Berlin 1846, S. 131-135.
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