Frommer Soldaten seligster Tod

[231] Morhof von der deutschen Poesie. Leipzig 1718. S. 313.


Viel Krieg hat sich in dieser Welt

Mancher Ursach erhoben;

Demselben hat Gott zugesellt,

Die Musik, ihn zu loben.

Ihr erst Erfinder war Jubal,

Des Lamechs Sohn mit Namen,

Erfand Drometen- und Pfeifenschall,

Konnt sie stimmen zusammen.

Die Musik gut,

Erweckt den Muth,

Frisch unverzagt,

Die Feind verjagt,

Ruft stark, dran, dran,

An Feind hinan,

Brecht mächtig durch,

Schlagt Gasse und Furch,

Schießt, stecht und haut alles nieder,

Daß keiner aufsteht wieder.


Als dort Elisa weissagen sollt,

Da Israel Durst litte,

Sprach er: Mir bald ein Spielmann holt,

Der spielt nach Davids Sitte.[231]

Auch spielt vor ihm des Herren Hand,

Er thäte Trost weissagen:

Ohn Regen, floß groß Wasser durchs Land,

Der Feind wurd auch geschlagen.

Drom, drari, drom,

Pom, pom, pom, pom,

Droml und Pfeifen gut

Macht Helden Muth,

Erweckt Propheten,

Reizt die Poeten;

In Fried und Streit,

Hört mans allezeit,

Musikam soll man ehren,

Man kann ihr nicht entbehren.


Man schreibt, daß wenn Timotheus,

Nach der Dorier Weise thät singen,

Als ein berühmter Musikus,

Konnt' er in Harnisch bringen,

Alexandrum Magnum den Held,

Streit satt konnt er nicht werden,

Bis er zwang fast die ganze Welt,

Bekriegt den Kreis der Erden.

Timotheus

Milesius

Konnt' gewaltig sing'n,

That mit aufbring'n

Alexandrum,

Regem Magnum,

Daß er in Wuth,

Und Heldenmuth

Faßt Schild, Schwerdt und Kriegs-Waffen,

Im Grimm die Feind zu strafen.[232]


Ob theils gleich wollten weichen ab,

Wie oftmals ist geschehen:

Jedoch ein Löwenmuth ich hab'

Und vorn sollt ihr mich sehen:

Der Kern springt vor, die Spreu bleibt hint'n,

Laßt herzhaft hier drein schlagen,

Sie werden sich wohl wiederum wenden,

Ihr Brüder thut nicht verzagen.

Kierieleison,

Pidi, pom, pom, pom,

Lerm, Lerm, Lerm, Lerm,

Sich keiner herm,

Wirst gleich gepfezt,

Vom Feind verlezt,

Solchs thu jezt gar nicht achten,

Hilf nur die Feind abschlachten.


Gott selbst ist vorne mit uns dran,

Thut selber für uns streiten,

Der Feind nicht länger stehen kann,

Weicht ab auf allen Seiten:

Ihr Brüder, setzt nur muthig drein,

Die Feinde thun verzaget seyn,

Der Sieg und Preis sey unser,

Drom, Drari, Drom,

Komm, Bruder komm,

Pomp, Pomp, Pomp, Pomp,

Freu dich mein Comp,

Hilf frisch nachjag'n,

Thu wackr drein schlag'n,

Acht nicht der Beut,

Sie hat ihr Zeit,[233]

Wir wollns noch wohl finden,

Bleib keiner nicht dahinten.


Gott Lob, ihr werthen Kriegesleut,

Und streitbarn Helden gute,

Den Sieg hab'n wir erhalten heut,

Habt nur ein guten Muthe,

Raubt und beutet was jeder findt,

Doch theilts fein friedlich aus,

Damit ihr Eltern, Freund, Weib und Kind

Was schickt, oder bringt zu Haus,

Bidi, Bom, Bom, Bom,

Feldscherer komm,

Und mich verbind,

Bin halber blind.

Hie steckt ein Pfeil,

Zieht aus in Eil.

Verbind mich vor,

Sonst kost's mein Ohr.

Verbind mich auch:

Pech, Feur und Rauch!

Laß mich vorgehn,

Kann nicht länger stehn.

Lieber gebt her zu trinken,

Mein Herz will mir versinken.


Ein Wundarzt hat drei Angesicht,

Wird erst für Gott gehalten,

So oft ein Schaden wütet und sticht,

Kömmt er in Engelsgestalten,

Wenn man ihn aber zahlen soll,

Undank thut sich bald finden:

Wollt, daß ihn dieser und jener holt,[234]

Oder müst gar verblinden!

Undank, Undank

Macht Gutthat krank,

Ist ein groß Laster

Für heilsame Pflaster,

Halt den Arzt werth,

Der verständig ihn ehrt,

Des Arztes Kunst

Soll bringen Gunst,

In großer Noth

Schafft dir ihn Gott,

Kein Arztgeld soll man sparen,

Gott woll' uns all' bewahren.


Kein selger Tod ist in der Welt,

Als wer vorm Feind erschlagen

Auf grüner Heid, in freiem Feld,

Darf nicht hören groß Wehklagen;

Im engen Bett sonst einer allein

Muß an den Todesreihen,

Hier aber findt er Gesellschaft fein,

Falln mit wie Kräuter im Maien;

Ich sag ohn Spott,

Kein selger Tod

Ist in der Welt,

Als so man fällt

Auf grüner Heid,

Ohn Klag und Leid,

Mit Trommeln Klang,

Und Pfeifen Gesang

Wird man begraben,

Davon wir haben

Unsterblichen Ruhm.[235]

Die Helden fromm,

So setzen Leib und Blut

Dem Vaterland zu gut.


Quelle:
Achim von Arnim und Clemens Brentano: Des Knaben Wunderhorn. Band 1, Stuttgart u.a. 1979, S. 231-236.
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