Der Habersack

[390] Altes fliegendes Blat aus 1500.


Und wollt ihr hören singen,

Ich sing ein neues Lied,

Von einem feinen Fräulein,

Und wie es dem ergieng,

Sie war genannt der Habersack,

Gott geb ihr einen guten Morgen,

Und einen guten Tag,


Tag und Tag und aber Tag

Mit der ich heut Nacht sprach.[390]


Das Fräulein, das war weise,

Mit seinen Worten klug,

Wie bald nahm sie den Habersack,

Ihn zu der Mühle trug,

Nun seh, du lieber Müller mein,

Den Haber sollst du mahlen,

Wohl um den Willen mein,


Dein und mein und aber dein,

Es soll verschwiegen sein.


Der Müller nahm den Haber

Und schütt ihn auf die Rell,

Er konnt ihn nie gemahlen,

Es war sein Ungefäll,

Er mahlt die Nacht, bis an den Tag,

Gott geb ihm einen guten Morgen,

Und einen guten Tag,


Tag und Tag und aber Tag,

Mit der ich heut Nacht sprach.


Der Müller nahm die Stiefel,

Streift sie an seine Bein,

Er gieng die Gassen auf und ab,

Und sang ein Liedlein klein,

Er sang ein Lied vom Habersack,

Gott geb ihr ein guten Morgen,

Und einen guten Tag,


Tag und Tag, und aber Tag,

Mit der ich heut Nacht sprach.


Das hört des Müllers Knechte

In seinem Kämmerlein,

Er dacht in seinem Sinne,[391]

Es wär ein Fräulein fein,

Es wär ein Fräulein minniglich,

Wollt Gott sollt ich sie schauen,

Wohl durch den Willen mein,


Dein und mein und aber dein,

Es sollt verschwiegen sein.


Quelle:
Achim von Arnim und Clemens Brentano: Des Knaben Wunderhorn. Band 2, Stuttgart u.a. 1979, S. 390-392.
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