12. Erziehung durch Ueberzeugung

[218] Wohl dem, welcher unverwirret

Von der irdischen Unruh

Wie ein einsam Täublein girret,

Und fleugt holen Felsen zu,

Dessen Herz auf Gott gericht,

Horchet, was er zu ihm spricht.


Wohl dem, welcher nimmt die Haue,

Grabet, hackt mit Lust und Schmerz,

Auf daß er den Acker baue

Und noch mehr sein dürres Herz,

Der die Welt mit ihrer Pracht

Ehr, Gemächlichkeit verlacht.


Wohl dem, welcher dann alleine

Sitzt bei einem klaren Bach,

Lebet nur, auf daß er weine,

Uebe an sich selber Rach;

Daß der keuschen Engel Hauf

Fasset seine Thränen auf.


Wohl dem, dessen Aug und Wangen

Wie ein überströmend Fluth

Seinen Weg, den er gegangen,

Netzet mit dem Herzensblut

Wohl der Erde, Holz und Au,

Dieses ist ihr Himmelsthau.


Quelle:
Achim von Arnim und Clemens Brentano: Des Knaben Wunderhorn. Band 3, Stuttgart u.a. 1979, S. 218-219.
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