Zweyter Auftritt.

[271] Lucius. Die Vorigen.


LUCIUS.

Heil euch ihr Bürger! – ihr erwartet wohl

mit Neugier schon das heutige Gericht?

RUFFUS.

Auch wird es wichtig seyn, gelanget ja

der Streit Virginiens schon heut zum Spruche.

LUCIUS.

Wird er nur angebracht; denn Appius

schöb' eh das Athmen auf, als ein Geschäft.

Er trifft heut früher hier im Forum ein,

um früher heut – ich sag' euch seine Worte –

sein liebes Volk zu sehn; weil eben heut

der Jahrstag ist, da zur Prätur ihr ihm

mit so viel Beyfall eure Stimmen gabt.

RUFFUS.

Er ist gerecht: wir wählten deshalb ihn.

LUCIUS.

Er ist auch dankbar. Dieß zu zeigen, schrieb[271]

er jetzt nach Ostia um fünfzig Schiffe

sicilisches Getreid, es morgen schon

als sein Geschenk, dem Volke zu vertheilen.

QUINTUS.

Dank ihm dem Gütigen! er mindert sehr

durch diese Wohlthat uns der Theurung Last,

die hart uns itzo drückt. Er leb!

EIN PAAR VOM VOLKE.

Er lebe!

RUFFUS.

Doch Lucius! was hält der edle Mann

von der Begebenheit Virginiens?

LUCIUS.

Noch weiß er nichts davon. Bey diesem Spruch'

erwehrt er sich gewiß des Mitleids nicht.

RUFFUS.

So glaubst du, daß das Recht beym Marcus ist?

LUCIUS.

Ich glaub es leider! – Stark, voll hellsten Lichts,

ist dem Verlaute nach, sein Rechtsbeweis.

RUFFUS.

Unglücklichs Mädchen!

LUCIUS.

Sie verdient so viel

Betauern, als Virgins Gemahlinn Haß

im Grabe noch. Die stürzt ein ganzes Haus,

das durch Betrug sie zu beglücken dachte,

in großes Leid. Und so gedeihen nie

die Früchte des Betrugs durch lange Zeit.[272]

denn – läg er unter einem Fels versteckt –

er kömmt bestraft zu werden, an den Tag.

RUFFUS.

Schon naht sich Appius


Quelle:
Cornelius von Ayrenhoff: Sämmtliche Werke. Band 2, Wien 1802, S. 271-273.
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