113. Dem Teufel verschrieben.

[98] Ein Bauer aus Kessin hatte Holz gestohlen und fuhr es in der Nacht nach Hause. Der Weg war sehr tief, und der Wagen wollte nicht aus der Stelle. Der Bauer fluchte und tobte fürchterlich und hieb auf die Pferde los. Da kam ein feiner Herr auf schwarzem Roß an ihn herangeritten und sagte zu ihm, er wolle ihm helfen, wenn er ihm das gäbe, was er im Hause habe, wovon er aber selbst nichts wisse. Der Bauer gelobte es, und der feine Herr sagte, nach 15 Jahren werde er es sich holen. Die Pferde zogen an und der Bauer kam gut nach Hause.

Die Frau des Bauern war schwanger; aber das hatte er nicht gewußt. Als ihm darauf ein Sohn geboren wurde, dachte der Bauer an sein Versprechen. Ihm wurde himmelangst, er sagte seiner Frau aber nichts davon, was ihm begegnet sei und was er versprochen.

Als der Knabe groß wurde, war derselbe sehr lernbegierig, las viel und nahm seine Bücher mit aufs Feld, wo er das Vieh seines Vaters hütete. Wenn er so auf der Grabenborte lesend saß, kam oft ein Mann zu ihm und sagte, er möge mit ihm kommen, er wolle ihm auch etwas Schönes schenken. Der Knabe sagte, er[98] müsse bei dem Vieh bleiben und ging nicht mit, erzählte es aber seinem Vater. Der ging in seiner Angst zum Pastor, erzählte ihm, wie er in jener Nacht so geflucht, was er versprochen, und daß der Teufel jetzt immer zu seinem Sohne käme und wolle ihn holen. Der Pastor ließ den Knaben kommen, der ihm Alles erzählen mußte. Als der Knabe wegging, schenkte ihm der Pastor ein Buch, sagte ihm, er solle es immer bei sich tragen, viel darin lesen, besonders wenn der fremde Mann komme.

Endlich war der Knabe 15 Jahre. Er ging viel zur Kirche, und einst kam der Teufel in der Kirche zu ihm, als der Pastor auf der Kanzel stand und predigte. Der Knabe fing an laut aus seinem Buche zu lesen. Da wußte der Pastor gleich, daß der Teufel wieder bei dem Knaben sei; er hielt mit der Predigt inne und sagte zur Gemeinde, sie wollten den Gesang Nr. 497 singen ›Schwing dich auf zu deinem Gott.‹ Als die Gemeinde anfing zu singen, fuhr der Teufel durch die Wand.

Bald darauf hat der Teufel den Knaben Nachts aus dem Bette geholt.


Seminarist W. Grünberg aus Dierkow.

Quelle:
Karl Bartsch: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg 1–2. Band 1, Wien 1879/80, S. 98-99.
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