556. Warum die Tollense vor Weihnachten nicht gefriert.

[401] Einstmals um die Weihnachtszeit war die Tollense stark gefroren. Da machten sich zwei Fischer aus Neu-Brandenburg am Morgen des ersten Weihnachtstages auf, um zu Eise einen Fang zu thun. Es glückte ihnen auch ein reicher Zug und sie hätten wohl nach Hause gehen sollen, umsomehr als die Kirchenglocken den Beginn des Gottesdienstes ankündigten. Aber die Habgier verleitete sie, auch während der Kirchzeit noch ihr Werk fortzusetzen. Da stand plötzlich ein hoher ernster Mann neben ihnen, schalt sie wegen der Entheiligung des Festtages und sagte ihnen, damit Niemand mehr in Versuchung käme, das Christfest durch einen Eisfang zu entheiligen, solle die Tollense vor Weihnachten nie wieder mit Eis bedeckt sein.


Fräulein W. Zimmermann in Neu-Strelitz; vgl. Niederh. 2, 75 f.

Quelle:
Karl Bartsch: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg 1–2. Band 1, Wien 1879/80, S. 401.
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