1.

[411] Bei Parchim in Meklenburg liegt ein See, der ist von einem wunderschönen Buchwalde umgeben, und man erzählt, in ihm sei vor Zeiten eine Stadt Ninove versunken. Den Leuten in der Stadt ist es auch verboten, in dem See zu fischen; nichtsdestoweniger brachten die Stadtfischer eines Abends auf Wagen ein Boot dahin und fingen in der Nacht an zu fischen; als sie nun das Netz heraufzogen, wars so schwer, daß sie es kaum heraufbrachten, und als sie hineinsahen, hatten sie einen großen Hecht gefangen, der wog wohl mehrere Centner, so daß sie ihn nur mit Mühe ins Boot bringen konnten. Nun fing es aber im See gewaltig an zu lärmen und zu toben, sie hörten die Stimme eines Mädchens, welche mit den Worten ›Nutsche, Nutsche!‹ die Schweine lockte, und eine Mannsstimme fragte darauf ›Hast du sie nun alle beisammen?‹ worauf jene erst wieder antwortete ›Ja, neun und neunzig habe ich, aber der einäugige Borch fehlt noch!‹ Und indem rief sie wieder ›Nutsche,[411] Nutsche.‹ Da sprang der Hecht mit einem gewaltigen Ruck aus dem Boote und rief ›Hier bin ich, hier bin ich!‹ und sogleich war aller Lärm verschwunden und Alles todtenstill.


Kuhn, NS. S. 28 f.; vgl. Beyer in den Meklenburg. Jahrbüchern 20, 165. WS. 363 und S. 326.

Quelle:
Karl Bartsch: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg 1–2. Band 1, Wien 1879/80, S. 411-412.
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