621. Die Räuberbande von Devwinkel.

[446] In Devwinkel, einer großen Waldung bei Güstrow, soll zu Anfang dieses Jahrhunderts eine Räuberbande sich aufgehalten haben, an deren Spitze ein Baron Möller stand, einer seiner Genossen hieß der schwarze Fritz. Schließlich wurden sie Alle gefangen genommen, und Baron Möller, der schwarze Fritz und ein Dritter gehängt. Wie sie noch am Galgen hingen, kommt mal ein Bauer aus Alt-Strenz in trunkenem Zustande Abends aus Güstrow, wo Markt gewesen. Beim Galgen angekommen, ruft er ›Baron Möller, ik hevv mi hüt 'n por Fisk köft, kumm hüt Abend hen un ęt bi mi Fisk un Tüffel.‹ Der ist auch wirklich zum Bauern gekommen und hat mit ihm gegessen, ohne ein Wort zu sprechen. Zuletzt sagt er zu dem vor Entsetzen starren Bauern ›Morgen Abend komm du zu mir, dann sollst du bei mir essen.‹ Der Bauer geht in seiner Angst zum Prediger, dem alten Kirchenrath Simonis in Lüssow, und erzählt ihm den Vorfall. Der Prediger gibt ihm eine tüchtige Ohrfeige, dann aber den Rath, er solle den ersten Bußgesang Nr. 256 lernen und Abends 12 Uhr auf die Feldmark gehn. Wie der Bauer hinkommt, steht Baron Möller schon da. Der Bauer betet in seiner Angst den Psalm her, da sagte Baron Möller ›Das ist dein Glück, sonst sollte es dir schlecht bekommen sein.‹


Hacker. Dieselbe Erzählung als Volkssage aus ›Alt-Strelitz‹, bei Niederh. 1, 21, wo ein Fischer den Gehängten einladet und das Glockenläuten ihn rettet.

Quelle:
Karl Bartsch: Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg 1–2. Band 1, Wien 1879/80, S. 446.
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