Zwölfter Auftritt

[39] MORITZ allein. Geht stolz auf und nieder. Der liebenswürdigste Jüngling, sagt mein Vater? Ja warlich, das bin ich. Ich will den sehen, der es mit meiner Gestalt, mit meinen Talenten, mit meiner ganzen Liebenswürdigkeit aufnehmen soll. Da geht sie hin, die Ueberwundene! Ich war auf eine Belagerung gefaßt; es bedarf deren nicht. Die Festung wird beim ersten Angriff mit Sturm übergehen. Mit dem innern Feinde bin ich schon einverstanden. Und wer will mir widerstehen? – Was seh ich? Was ist das? Faust kömmt mit meiner[39] Schwester daher, und redet so zärtlich mit ihr? Was bedeutet das? Das muß ich erfahren. Versteckt sich hinter ein Gebüsch. Faust und Paulina gehen im lebhaften Gespräch vorüber.

PAULINA. Ich kenne Sie nicht, und habe meinen Bruder hier gesucht. Ich bin erst seit wenigen Tagen aus dem Kloster zurück gekommen, und weiß nicht –

FAUST schnell einfallend. Aus dem Kloster? Nein, göttliches Mädchen, vom Himmel sind Sie herabgestiegen, um einen Sterblichen hienieden zu beglücken. Sie sind vorüber gegangen und man hört die letzten Worte noch von fern. O wenn ich dieser Sterbliche wäre, wie würde ich diesen Vorzug belohnen!

MORITZ wieder hervortretend. Habe ich recht gehört? Faust in meine Schwester verliebt? das ist ja mehr, als wir uns im Traume einfallen ließen! Nun ist er in unsern Händen. Es scheint, als wenn der Zufall in unsre Plane eingreifen wollte. Ich muß hin, und meinem Vater dies verkündigen.

Ende des ersten Acts.
[40]

Quelle:
Benkowitz, Karl Friedrich: Die Jubelfeier der Hölle, oder Faust der jüngere. Berlin 1801, S. 39-41.
Lizenz:
Kategorien: