Zwanzigster Auftritt.

[63] Die Vorigen ohne Agnes.


Nr. 8. Quodsibet.


ALLE stehen vernichtet.

CHOR.

:|: Es war zu stark – es war zu arg –

Das war nicht recht – nein, das war schlecht.

Ich seh' es ein – und will's bereun,

Es war gemein – ich seh' es ein! :|:

FERDINAND.

Ihr habet sie zu tief gekränkt –

Wer weiß wohin der Weg sie lenkt?

KAROLINE.

Nur vergessen,

Nicht ermessen,

Was man ihr hat angetan.

Sein wir heiter,

Lustig weiter,


Vor Ferdinand.


Komm, schick' dich zum Tanzen an.


Der Chor wiederholt und gruppiert sich zum Tanz. Tische und Stühle werden inzwischen weggeräumt.

Alles begibt sich in den Vordergrund, singend und tanzend.


CHOR.

Laßt vergessen,

Nicht ermessen,

Das, was wir ihr angetan!

Sein wir heiter,

Lustig weiter,

Jetzo geht das Tanzen an!


[63] Tanz.


FERDINAND der ganz in sich versunken vorn stehen geblieben, zu Karoline, die ihr Krinolinkleid von beiden Seiten gefaßt und vor ihm einladend getänzelt hat.


Tamtamschlag.


FERDINAND gesprochen. Haltet ein!


Er singt.


Du hast gezeigt für fremde Not

Kein Mitgefühl, nur kalten Spott!

Mit uns ist's aus – geh du nur hin

Mit deiner dicken Krinolin.


ALLE bilden eine Gasse.

KAROLINE geht langsam mit ihrer breiten Krinoline, gesenkten Haupt gemessenen Schrittes durch die Reihe in den Hintergrund.

FERDINAND. Da zieht sie nach die Schwelle,

CHOR. Krinolin!

FERDINAND. Es ging ihr an die Pelle –

CHOR. Krinolin!

FERDINAND.

Zerrissen ist das Band,

Laß sie grollen – wie sie wollen;

Ich geb' ihr nicht meine Hand,

Karoline! Ferdinand!

CHOR.

:|: Karoline! Ferdinand. :|:

KAROLINE.

Blamier' dir nicht,

Und führ' dir nicht

Auf einmal so moralisch!

Was? Du willst sind –

Berliner Kind –

Und so sentimentalisch?

FERDINAND.

Dein Herz, es schlägt nicht heiß –

Es ist frappiert in Eis.

In Eis frappiert da schmeckt

Nur bloß Champagnersekt!

Wenn wir Berliner auch gern scherzen,

Es hat nicht bloß der Witz


Auf den Kopf deutend.


Allein hier seinen Sitz.

Wir hab'n auch

Herzen Für fremde Schmerzen.[64]

CHOR.

Ach, seht die Pein! Seht die Pein! Seht die Pein!

:|: Seht die Pein! Seht die Pein! :|:

:|: Laßt uns eilen,

Ohn' Verweilen.

Und so laßt ihn alleine.

Laßt uns eilen,

Ohn' Verweilen

Und verlaßt diesen Ort. :|:


Sie nehmen beim Fortgehen alle Lichter mit.

Es ist ganz finster. Nacht.


FERDINAND.

Einsam bin ich nun alleine –

Alles um mich still und leer,

Niemand tritt mir auf die Beine,

Alles floh mich rings umher!

Aber darum nicht erbost,

Denk an deinen Trost:

:|: Dadraus da muß man sich nichts machen,

Da muß man lachen! :|:


Er geht ab.


Verwandlung.


Quelle:
O.F. Berg und D[avid] Kalisch: Berlin, wie es weint und lacht. Leipzig [o.J.], S. 63-65.
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