90. Ebacher Weiblein. (Ẽbach.)

[66] Mündlich.


Da, wo jezt in Ellwangen das Gymnasium steht, war ehedem ein gewöhnliches Wohnhaus. Als die Jesuiten sich niederließen, wollte man das alte fromme Weiblein, die da wohnte, bereden, auszuziehen, weil das Colleg dahin gebaut werden sollte. Sie war aber nicht zum Wegzug zu bewegen; endlich gelang's doch; man baute ihr ein schön neu Haus ganz in die Nähe. Sie starb und kam wieder in's Haus als winziges Weiblein und rief Nachts immer zum Fenster[66] oben heraus: »Hätt' î, hätt' î!« (d.i. den Jesuiten verziehen). Dessen überdrüssig, kamen die Jesuiten, bannten sie in eine Bütsche und schleppten sie in den Ebacher Wald hinaus, wo »das Ebacher Weiblein«, so genannt von jezt an, umgeht, die Leute in die Irre führt und deswegen gefürchtet ist.

Quelle:
Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 66-67.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Sagen, Märchen, Volksaberglauben
Sagen, Märchen, Volksaberglauben