229. Die Breuningsglocke in der Tübinger Stiftskirche.

[148] Mündlich.


Zur Zeit der Reformation haben die Rottenburger mal den Tübingern ihre große Glocke abkaufen wollen. Man sagt, sie hätten einiges Recht darauf gehabt. Die Rottenburger wollten so viel Goldstücke, als man von Rottenburg nach Tübingen aneinander legen könnte, geben. Die Tübinger gingen den Kauf nicht ein. Da gingen die von Rottenburg noch weiter und wollten noch so viel Kronenthaler geben, als man von Tübingen auch nach Bebenhausen legen könne. Das zog wieder nicht. Endlich kam man überein, die Tübinger müßten jeden Donnerstag die Glocke um 1 Uhr läuten; unterließen sie es nur einmal, so dürften sie die Rottenburger umsonst abholen. Man sagt, die Rottenburger hätte die Mühe nicht verdrossen: sie wären oft bis zum Spitzberg herabgekommen und hätten gehorcht125.

125

Vgl. A. Schleicher, Volksthümliches aus Sonnenberg S. 77. Hensoldt, Beschreibung von Sonnenberg 1843 S. 117. Die Nürnberger wollten den Muckberg kaufen und die ganze Fläche des Berges oben in Kreuzform mit Landthalern legen. Vgl. auch B. Baader Nr. 183.

Quelle:
Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 148-149.
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