420. Teufel als Jäger.

[271] Mündlich von Neckarsulm.


Beim Odenwald drunten lief mal ein armer Mann des Wegs hin und her und dachte, wie er wol Geld bekäme. Da begegnete ihm ein Jäger in grasgrüner Montur. Der Jäger fragte, was denn seines Hin- und Hersinnens sei, ob er Gold möchte? Der Mann bejahte die willkommene Frage. Jäger sprach: Geh' du nur mit mir, ich will dir geben, und führte ihn an eine alte Eiche, steckte sein Messer hinein, das ein großes Waidmesser war, und riß dem Manne ein Haar aus, steckte es mit dem Messer wieder in des Baumes Ritze hinein. Von jezt an, sagte der Jäger, werde er, so oft er in die Tasche greife, immer einen Kronenthaler darin haben. So war's. Der arme Mann arbeitete nimmer mehr, lebte gut und köstlich und that, wie große Herren thun. Seine Nachbarn und Verwandten fragten den Mann, woher es denn komme, daß er auf einmal so dick thue? Sagte der, »kommet mit, ich will's euch auch lernen«; führte sie hinaus[271] zu der Eiche; aber auf einmal verschwand er in den Lüften, und Niemand wußte mehr, wo er hingekommen ist. Die, welche dort standen, sahen noch seinen Hut herabfallen. Der Teufel soll den Mann geholt haben.

Quelle:
Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 271-272.
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