1.

[411] St. Luitpert war ein Bauersmann, in Fulgenstadt zu Hause, wo man seine Wohnung noch zeigt; war gar fromm.[411] Täglich kam er nach Ennentach und verrichtete dort in der Kirche seine Andacht. An der Stadtmauer von Mengen ging er allemal vorbei. Mal im Frühjahr, als das Schneewasser[412] ging und die Ablach anschwoll, wollte Luitpert seinen Weg wieder wie gewöhnlich machen, aber konnte nicht mehr hinüber: das Wasser war zu stark. Er riß vom nächsten Gartenzaun einen Pfahl aus und schwang sich hinüber. Aber die Kirchthüre war und blieb verschlossen. Sonst öffnete sie sich ihm allemal von selbst. St. Luitpert ging wieder zurück, steckte seinen geraubten Pfahl in sein Loch. Jezt öffnete sich ihm die Kirchthüre334.

334

Gewöhnlicher ist der Name »Luib«. Früher fanden große Wallfahrten nach Ennentach statt. Daß Prozessionen stattfanden, findet man in Aulendorfer Hexenproceßakten. In Fulgenstadt steht St. Luib zu Ehren noch ein Bildstöcklein. – Von St. Ulrich erzählt eine Legende, er habe sich verspätet, einen Grenzpfahl ausgezogen als Stütze über die Gräben. Da schweigt das Heimatglöcklein und läutet erst wieder, nachdem er den Pfahl an Ort und Stelle that. Mittermeier S. 129.

Quelle:
Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 411-413.
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