2.

[442] Die Obernauer heißen nur »die Esel«. »Eselohren« aus den Rockflügeln, aus dem Nastuch zu machen, das Nastuch absichtlich oder ohne Wissen heraushängen lassen, genügt schon, von den Obernauern »gewampt« zu werden. Dieses kommt daher. Ein Obernauer fand mal eine Kürbis und trug aus lauter Verwunderung dieselbe auf's Rathaus und der wolweise Rat hielt Sitzung, was mit dem seltsamen Ding zu machen sei. Endlich kam's einem: das sei ein Eselei. Der Bettelvogt, so lautete der Beschluß, muß das Eselei ausbrüten. Gesagt, gethan. Er hockte auf die Kürbis, sie fiel ihm hinunter, rollte in ein Hag, aus dem ein Hase sprang. »ïa, ïa Eselẽ î bĩ deẽ Ättẽ«, rief der erstaunte Bettelvogt und meinte, dort springe der junge Esel. Der Hase lief davon.

Quelle:
Anton Birlinger/ M. R. Buck: Sagen, Märchen und Aberglauben. Freiburg im Breisgau 1861, S. 442-443.
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