19. Weihnachtssitten in Wurmlingen bei Rottenburg.

[8] Am heiligen Abend wird um 3 Uhr mit allen Glocken zusammengeläutet, das heißt man d'Schrecke (d'Schreckẽ) läuten. Während des Läutens schießt man vor dem Ort draußen; zu meiner Zeit stellten sich auf dem Bühl (gleich bei Wurmlingen) ganze Reihen von Buben im Alter von 16-24 Jahren und noch ältere und schossen; auch hat da und dort einer seinen Pistol zum Dachladen, zum Fenster hinaus oder im Garten hinter'm Haus abgedrückt. Gleiches geschieht, wenn man die Schrecke in der heiligen Nacht läutet. Während des Läutens, besonders am heiligen Abend, umbindet man mit Strohseilen die Obstbäume, damit sie künftiges Jahr recht Frucht tragen2.

2

In Corbach im Waldeckischen thut man lezteres in der Neujahrsnacht. Curtze S. 236. Nr. 67.

Quelle:
Birlinger, Anton: Sitten und Gebräuche. Freiburg im Breisgau 1862, S. 8.
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