Bittschrift der verwittweten Erzherzogin Austria an ihren neuen Gebieter Leopold II.

[201] Sey mir willkommen, theuerster

Gebieter, Gatte, Freund und Herr:

Mit kindlichem Vertrauen

Harrt eine neue Gattin dein,

Um künftighin auf dich allein,

Ihr Glück und Heil zu bauen.


Du, den die Vorsicht mir erkohr

Zum Herrscher, öffne Herz und Ohr

Anjetzo meinen Bitten:

Ich habe viel durch Mißgeschick,

Durch Mißverstand und Feindes Tück'

In kurzer Zeit gelitten.


Das Hemd ist zwar, wer Wirtschaft kennt

Und sie versteht, das Fundament

Von jeder Garderobe;[201]

D'rum zog man mir vor kurzer Frist,

(Weil's Hemdewechseln Mode ist)

Ein neues an zur Probe;


Doch ist dies neue Unterkleid

Mir hier zu eng, und da zu weit,

Und will am Leib nicht passen:

Es halten weder Naht noch Stich,

Und aller Orten, ach, muß ich

Es jetzt schon flicken lassen.


Mein Hauptschmuck, der so prächtig stand,

Die kaiserliche Kron' entschwand

Mit meines Gatten Leben:

Dies Kleinod, ob es gleich anitzt

Ein Fürstenhaupt mehr ziert als schützt,

Kannst du mir wiedergeben.


Allein der allerschönste Schmuck,

Den jemals eine Fürstin trug,

Ist der von Laudons Händen

Mir neugewund'ne Lorberkranz:

O laß zu meines Hauptes Glanz

Nur diesen mir vollenden!


Mein Zobelmantel, welcher groß

Und weit um meine Schultern floß,

Hing fest an einer Spange;

Und sieh, die feste Spange bricht,

Zwar fällt darum der Mantel nicht

Und decket mich noch lange;


Doch könntest du (wenn jetzo nicht

Mein Mund vielleicht zur Unzeit spricht)

Mir füglich noch daneben

Zum Wechsel für die Jahreszeit,

Ein neues, zweites Mantelkleid

Von Gros de Naples geben.
[202]

Der Schmuck, der in mein fliegend Haar

Mir rückwärts eingeflochten war

Mit Gold- und Silberbändern,

Bestand aus Steinen, groß und ächt,

Nur die Façon war alt und schlecht,

D'rum wollte man sie ändern.


Zwar Ungemach und Mißverstand

Bestimmten meines Gatten Hand

Ihn, wie er war, zu lassen:

Doch theilen selbst die Herr'n, die mir

Den Schmuck einst gaben, gern mit dir

Die Müh' ihn umzufassen.


Und meine Brüßler-Schürze hat

Man mir durch schimpflichen Verrath

Gar von dem Leib gerissen,

Bis auf ein kleines Doppelband,

Daran wirst du mit kluger Hand

Sie wieder knüpfen müssen.


D'rum nimm, o edler, theurer Mann,

Dich einer armen Gattin an,

Die dir entgegeneilet,

Und willig all' ihr Hab' und Gut,

Ja, thut es Noth, ihr Herzensblut

Mit dir, Geliebter, theilet.

Quelle:
Aloys Blumauer: Sämmtliche Gedichte. München 1830, S. 201-203.
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