Schmauchlied

[134] Dem edlen Schmaucherorden

In Ost, Süd, West und Norden

Stimm' ich dies Loblied an:

Es soll den Schmaucher lehren,

Wie er mit allen Ehren

Und Vortheil schmauchen kann.


Die grosse Kunst zu schweigen

Sey nur euch, Schmauchern, eigen;

Schreit man das Ohr euch wund:

So steckt, anstatt zu zanken,

Mit ruhigem Gedanken

Das Pfeifchen in den Mund.


Will euch in trüben Tagen

Der Hypochonder plagen:

So setzt euch zum Kamin,

Und laßt in blauen Wölkchen

Der Sorgen banges Völkchen

Von eu'ren Stirnen zieh'n.
[134]

Kommt ihr in Liebesfehde,

Und machet eine Spröde

Durch einen Korb Verdruß:

So braucht das Abschiedsblättchen

Von ihrem spröden Pfötchen

Getrost zu Fidibus.


Macht euer treues Liebchen

In ihrem Extrastübchen

Es auch mit andern so:

So dürft ihr, statt zu grillen,

Nur euer Pfeifchen füllen,

Und denken: Fumigo!


Wenn euch der Ehstand härmet,

Und euer Weibchen lärmet,

Und tobt in eu'rem Haus:

So steckt, anstatt zu keifen,

Flugs in den Mund die Pfeifen,

Und spuckt dabei brav aus.


Wenn Hofgunst euch verführet,

So schmauchet und studieret

Dabei der Grossen Gunst:

Was sie mit vollem Munde

Euch geben, ist im Grunde

Nichts als ein Maul voll Dunst.


Wenn nasenweise Gecken

Und eitle Narr'n euch necken

Mit ihrem Saus und Braus:

So setzt euch in den Winkel

Und pfeift den Eigendünkel

Aus vollen Pfeifen aus.


Umnebelt eu're Geister

Ein dicker Seelenkleister;

So brauchet nur dafür,

Um wieder zu genesen,

Und all den Qualm zu lösen,

Das edle Mundklystier.
[135]

Wenn endlich euch als Greisen,

Gleich Salomon dem Weisen,

Das Leben auch verdrießt:

So denkt: es ist hienieden

Euch doch ein Rausch beschieden

Der nicht ganz eitel ist.

Quelle:
Aloys Blumauer: Sämmtliche Gedichte. München 1830, S. 134-136.
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